Indiana Tribüne, Volume 25, Number 162, Indianapolis, Marion County, 1 March 1902 — Page 7

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Slavische Leidenschaft.

Nvman von Tcniel LeZueur. (Fortfeung und Schluß.) Durch etwas gemacht Ungeschicktes in der Haltung des Wagenführers gab dieser Zwischenfall dem Grafen zu denken. Neben diesem Manne hatte sich ein anderer auf dem Bock erhoben und den Arm ausgestreckt.... der flüchtige Schimmer dieser Bewegung erregte bei dem Russen ein sonderbares Mißbehagen, und ohne sich umzudrehen, fragte er seinen Diener: Was waren denn dies -für Gäule. Augustm?" Pferde, die probirt werden, Herr Graf Woran siehst Du dies?" .Es war das Break eines PferdeHändlers, einer von den Wagen, mit denen man d'.e Pferde einfährt und probirt. Der Herr Graf wissen es ja." Wer s-aß darauf?" Wie es schien. Stallknechte ode? Grooms...." Miransff antwortete nicht. Er befand sich , jetzt in einer, völlig leeren breiten Allee, unweit von Bagatelle, wo er umdrehte, um feine Pferde nach Paris zurück zu lenken. Einen Augenblick später sagte der Russe noch: Hast Du gesehen, welche Richtung sie eingeschlae haben?" ' JQtx denn. H:rr Gras?Von wem oll ich denn reden?.... Die Leute von vorhin, die Pfcrdehändler!" - , Sie sind geradeaus gefahren." Unö wohin führt d:r Weg gerade aus. Esel?" ..Ich weiß nicht. 5err Graf. , Vielleicht nach der Port- Maillst.... vielleicht auch in der Rich-tunz nach SureZnel." Schasskcpf." knurrt: Mirncff. Von nun an hielt er sich sorzsältiz in der Mitte des breiten Fuhrwegs, und so oft er an eine Wegkreuzung kam. beschleunigte er die Gangart sciner Pferde, statt sie zu verlangsamen. Plötzlich stieß Miranoff einen zreulichen Fluch aus, so daß der jung: Diener, zu Tode . erschreckt, um sich bückte. Ein mit zwei kräftigen Pferden bespannter Wagen kam ihm in gestrccktem Galopp entgegen. Der Groom konnt: nicht begreifen, warum, diese Be gcgnung seinen Herrn in solche Aufregung versetzte; als er aber den Kutscher und seinen Gefährten erkannte, ließ er sich doch zu dem -Ausruf hin r::ß:n: Das sinv sie, Herr Graf, das sind sie! Uno stier werden sie ein Ur.glück anstiften!..'..". In der That kam das sonderbare Gefährt in völlig unregelmäßiger Gangart heran, und schwankte so nach rechts und links, daß es schwer war, zu erkennen, auf welcher Seite man auszuweichen hatte, um einen Zusammensto zu vermeiden. Einen Augenblick meinte Miranoff. die rechte Seile sei frei, und lenkte sein Gespann fchleunigst dorthin.... Nun aber wurde ihm der schwere Wagen entgegen gewerfen, und zsar diesmal mit so unv:rk:nnbarcr Absicht, daß der Graf wiederum einen abscheulichen Fluch ausstieß. Er mußte seine Pferde zurückhalten, aber die feurigen Thiere waren so im Zug. daß sie die anderen, jetzt unbeweglich flehenden Gäule berührten. Nun kam dem Grafen doch der Gedanke: Ich will umkehren! ' Ich will fliehen!. . . ." Aber ' um zu wenden, mußte er etwas zurückweichen und den nöthigen Raum zu gewinnen suchen, und nun stiegen die unter seiner allzu nervösen Hanv aufgeregt gewordenen Thiere. Ihm gegenüber in dem Brcak erhob sich ein Mann, ein Heiner, sehr brünetter Mann, dessen feurige Augen unter einer englischen Mütze hervorglühten, deren beide Ohrentlappen 'in die Höhe standen. Dieser Mann streckt: seine rechte Hand aus, in der etwas glänzte. Miranosfs Groom sprang ab und entfloh in's Gebüsch. , All dies hatte keine drei Sekunden gedauert,' denn no-a schlugen die ulrainischen Traber, die. sich zu ihrer vollen Höhe aufgerichtet hatten, mit den Vorderhufenin die Luft. Ganz d:u:lich. vernahm Nilolaus Fecdorcnz'.tsch noch die Worte: F.i? di: nach Sibirien g: schickte Sonia Kawctschin!"' Nun empfand er. einen Pul-schlag dauernd und ihm doch eine Ewigkeit dünkend, eine wahnsinnig: Todesangst, di: Gewißheit, daß er nichts mehr da gegen machen konnte, dafl es jetzt gcffff '-- - - - I . ' Mit weit aufgerissenen Augen starrte er in schrecklicher Erwartung des Unv:rmeid!:che.n vor sich hin. : .Uno dies war Alles Dann erlösch sein Denken, gl:ich einem ausg:dlasenen Licht. S-rgiuZ Krilcssky gab nur ,'e:n:n Schuß ab aus seinem Revolver; öie Nuzel hatte den Grafen unter ' der Stirne, zwischen die Augen, getroffen. e: Lenker des Breäk, ein noch blutdürftigerer Nihilist als Serg'ms, sagte kaltblütig und gelassen:' Gut gezielt. Jetzt aber sort!" r Ohne ein Wort zu sagen, setzte sich Scrgius. wischte seinen -Revolver ab und steckte ihn in die Tasche, während sein Freund in größter Eile in. der Richtung nach Versailles davonfuhr. Als die Orloffs kein Hinderniß mehr vor sich sahen und die Zügel lose über ihren' Rücken fühlten. ' drehten sie von selbst um und rasten mit emer Ge-

schwindigkeit die sich von Minute 3 iinrec stundenlang ein ständiger VorMinute .steuerte. , weil )hr Niemand ZnM statt.. . ;.

mehr Einhalt zu lyun versuchte, nach

Paris zurück. Innerhalb des Bois de Boulogne. und fast bis in die Nähe der Porte Dauphine erregte das durchgehende Gespann, das eine Leiche führte, keine Aufmerksamkeit, denn an diesem Februarmorgen waren Reiter und spazierenfährende noch wenig zahlreich, und diese Wenigen gehörten zu ver vornehmen Pariser Gesellschaft, und sie kannten die schönen, feurigen, russischen Pferde. Höchstens sagten sie., dem in rasender Eile dahin sausenden Gefährt ausweichend: Das ist Miranoff.... Es sieht beinahe aus. als habe er die Herrsckiaft über seine Pferde verloren." Ach. sieh da. Miranoff! Also ist seine geheimnigvolle Wund: geheilt? Er fährt aber weniger gut als früher das ist kein flotter Trab mehr, das heiße ich schi.n eher Durchgeh:!" . Ein Anderer sagte: Kaum glaublich!.... Er ist verrückt..... Sehen Sie nur.... sein Bedienter, muß abgestürzt sein, der Rücksitz ist. leer!" Nun begann sich die Aufregung mit Blitzeseile zu verbreiten und erreichte die Avenue du Bois noch schneller, als der Wagen. Dort wimmelten die Fußsteige von fröhlichen Menschen, die sich von der warmen Februarsonne den Frühlinz vortäuschen ließen. An schoncn Vormittagen benützt eine reizende Gesellschaft, deren Rolle darin besteht, hübsche Gestalten und hübsches. Lächeln in eine hübsche Umgebung hinein zu tragen, den Vorwand eines hygienischen Spazierganges, um diesen Lebenszweck in der wunderschönen Avenue du Bois zu erfüllen.' Und gerade dieser Vormittag war so strahlend schön und mild!. . . ' Der Fahrweg dehnte sich in trockenem Gelb, auf dem nur vereinzelte Wagen wie schwarze Flecken erschienen, weit hinaus. Auf der anderen Seite, auf dem dunkleren Boden der Reitallee fing das elegante Leben wieder an; herausgelockt von den fast goldenen Strahlen der Mittagssonne, erschien schon hier und dort eine Reiterin. Alles athmete Lebensmuth und Freude. Dieser Tag war wie gemacht für die' Frauen, die nun zur Abwechslung im Freien .ibre pikanten, halb männlichen Sporttoiletten zur Schau stellen konnten, statt der wogenden Schleppen und weichen Pelzhüllen, zu denen sie im Herbst dann doch gerne zurückkehren und sich ihrer als neuer Abwechslung erfreuen. An diesen Szenen eines friedlichen Luxus raste die sonderbare Erscheinung vorbei. Plötzlich erschien sie an der Porte Dauphine und bis zum Arc de l'Etoile verbreitete sie Angst und Schrecken. Unter den Hufen der dahinjagenden Pferde dröhnte der Voden. Kein Mensch dachte daran, diese rasenden, schäumenden Thiere mit ihren wehenden Mähnen aufzuhalten. Trotz ihrer wahnsinnigen Geschwindigkeit konnte man wahrnehmen, welch entsetzliche Last sie nach dem prächtigen Palais trugen, zu dem sie ohne Weiteres den Weg eingeschlagen hatten. Miranoff blieb annähernd in seiner sitzenden Stellung, weil sein mächtiger Körper noch von den Kissen gestützt wurde; aber die Zügel waren seinen Händen entglitten und schleiften auf der Erde. Und sein Kopf. ... ach. wer, der diesen Kopf gesehen hat, wird ihn jemals vergessen können? Es war das wackelnde, haltlose Haupt eines Leichnams. Die Bibermütze war herabgealitten und hing nun auf der rechten Seite. Der mächtige Schädel, alles Stolzes entkleidet, die lockigen grauen Haare, Alles hüpfte bei jedem Stoß des elastischen Wagens hin und her, als würden sie vom Engel des Todes geschüttelt. Und bei manchem dieser Stoße tropfte Blut aus der durchlöcherten Stirn, floß zwischen die offenen Lider und verschleierte ein wenig das verzweifelte Entsetzen, das aus den starren Augen stierte, rollte über die fahlen Wangen und sammelte sich in dem langen Schnurrbart. Ja, er weinte Blut, dieser todte Mann, der lebend niemals Thränen geweint hatte. - Begleitet von dem allgemeinen Entsetzen, dem Geschrei, den ausgestreckten Armen der Einen, dem eisigen Schwelgen der Anderen, beendete Nikolaus Feodorowitsch seine letzte Spazierfahrt. Seine saznaubenden Pferde bogen kurz in. einen Querweg und standen still vor dem Thor. AP ihnen nicht sofort geöffnet ward, stiegen sie noch einmal und blieben hoch aufgebäumt, stolz auf der Hinterhand stehen das blutige Todtenantlitz hinter sich. Schutzleute fielen ihnen in die Zügel. Eilige Schritte knirschten über den Sand, mit dem der Hof bestreut war. Beide Thorflügel wurden aufgerissen, und endlich führten, nach und nach beruhigt, die beiden schwarzen Traber aus der Ukraine die Leiche des ermordetenMiranosf langsam vor die Rampe des prächtigen Hauses. XVIII. Kapitel. Zwei Tage darauf, öffneten sich des Nachmittags die Pforten des Valais Miranoff den Landsleuten, den Freunden und sogar den Neugierigen, die dem berühmten Todten eine letzte Huldiauna darbringen oder einen Blick der Neugier auf ihn werfen wollten. Durch die ungeheure Halle bis in einen der Empfangssäle des Erdgeschosses. wo der Katafalk aufgerichtet worden war, fand zwischen den spar'. r-r. l. " . r ' likrbildendenLakaikn in firnhfrmvßr

Auf , einem niederen, mit weißem

Sammt bedeckten Gerüste, von zahllosen Kerzen und Unmassen von Blumen umgeben, schlief Miranoff den Ehrfurcht gebietenden letzten Schlaf. Nikolaus Feodorowitsch war in schwarze bürgerliche Kleider gehüllt worden. Im Knopfloch des Rocks bemerkte man die Rofette des Sankt Wladimir-Ordens. dessen Großkreuz der Verstorbene besessen hatte. Sein Kopf war um die Spuren der Leicbenschau' zu verbergen mit einer Binde umgeben und schien nun, da die blutigen Thränen abgewaschen worden, seinen ganzen unbeugsamen Stolz wieder gefunden zu haben. ' Schweigend betrachtete ihn die Menge und entfernte sich wieder, nachdem sie in bescheidenem Flüsterton den mit den französischen und russischen Farben geschmückten, aus Tag- und Nachtblumen und Theerosen gewundenen Kranz des Präsidenten der französischen Republik und den Riesenkranz aus Cykadeen und Veilchen, an dem das Telegramm des Zaren angeheftet war, bewundert hatte. Die Leichenbegängnisse der (Zroßen der Welt kommen selbst dem bescherdensten der Zuschauer niemals . zu prunkvoll vor. Der bei solchen Gelegenheiten zur Schau getragene Pomp ist der einzige, den das Volk bewundert, ohne daß 'sich Neid in seine Freude mischt, denn die Aussicht auf das Allen gemeinsame Nichts des Grabes schmeichelt dem Ungebildeten und tröstet ihn über die übertriebenen Ehrenbezeugungen, die demAnderen zu Theil werden. So erzeugte denn auch das prächtige Leichenbegängniß des Grafen von Miranoff in den Straßen von Paris einen förmlichen Taumel von Theilnahme und Begeisterung. Der Leichnam Nikolaus Feodorowitschs ruhte in einem mit weißen Atlas ausgepolsterten Bleisarg, der in einen zweiten Sarg von Eichenholz und zum Schluß in eine Umhüllung von veilchensarbenem Sammet kam. Auf dem sechsspännigen Leichenwagen erster Klasse, der die Leiche in die russische Kapelle überführte, wurde diese dreifache Umhüllung : noch von einem Bahrtuch aus goldgestickter Seide bedeckt. Darauf waren der Säbel und der Federbusch des siegreichen russischen Generals zu sehen. Hinter dem Leichenwagen schritt ein Leutnant der Gardekürassire in großer Uniform weißer Waffenrock, Silberhelm mit goldenem Adler und trug auf einem Kissen die Großkreuze der vornehmsten Orden Europas und alle übrigen Dekorationen Miranosfs. Daran schloß sich ein langer, offizieller Leichenzug in Galawagen. Ein Jnsanterie-Regiment mit der Fahne, Batterien und Eskadronen ermiesen dem Todten die militärischen Ehren. Während dieser Trauerfeierlichkeiten lag eine in lange schwarze Krepegewänder gekleidete junge Frau inmitten der feierlichen Stille,' die das Palais Miranoff erfüllte, vor ihren Heiligenbildern auf den Knien und betete. Von Schrecken und Mitleid über diesen entsetzlichen Tod und von unbestimmten Selbstvorwürfen über ihre unbewußte Mitschuld an tn strengen Walten des Geschickes erfüllt, hatte Nadja den Entschluß gefaßt, in ein Kloster zu gehen. ' Dies der Einsamkeit. der Kasieiung. der Buße aeweihte Leben., daö sie gestern willig auf sich genommen hatte, wollte sie auch morgen führend Nichts sollte an ihrem künftigen Lebensplan geändert werden, denn sie wollte aus dem furchtbaren Verbrechen keinen Vortheil ziehen und nicht den Schatz der Liebe und des Glückes aus dem Blut ihres Gatten an sich raffen. - Der Entschluß war aufrichtig und ernst gemeint. . . . aber Nadja liebte, und war zwanzig Jahre alt. Man ' erinnert sich .in Paris noch sehr wohl daran, wie es dem Mörder des Grafen Miranoff, Dank der erfinderischen Treue seiner Freunde, gejungen ist. den Händen der Gerechtigkeit zu entwischen. Nachdem das Verbrechen vollbracht war, suhr er mit seinem Mitschuldigen wie die Windsbraut in der Richtung von Versailles davon. Beim Bahnhof von Des Chantiers ließen 'sie ihren Wagen, der später von dem Groom Miranosfs wieder erkannt wurde, absichtlich im Stich. Auf allen Stationen des östlichen 'Bahnnetzes, in allen SeeHäfen wurde Krilovsky gesucht.' Später wurde auch noch in weiter Ferne nach ihm gefahndet, und alle Augenblicke verkündeten die Zeitungen seine Verhaftung. In Brüssel, in Wien und in London waren seiner Beschreibung entsprechende Personen festgenommen worden. Indessen . hatte Krilovsky sich die ganze Zeit über bei treuen Freunden in Paris versteckt gehalten. Die Zeitungen brachten die Mittheilung, daß er sich den Führern seiner Partei dazu angeboten habe, die Hinrichtung an Miranoff zu vollstrecken; ganz erfllllb von dem heißen Drang, das Weib- seiner Liebe zu -rächen, hatte er geschworen, entweder seinen Auftrag auszuführen, oder im Falle des Mißlingen sich selbst zu erschießen. Mittels'eines sehr geschickten Kniffs gelang es ? seinen Freunden, ihn mit heiler Haut außer Landes zu bringen. ' Man ließ' nämlich- Andeutungen fallen über ein Duell zwischen zwei Journalisten, bei dem Krilovsky als Arzt betheiligt gewesen sei. Das Ganzem war aber nur eine gut in Szene ae- . setzte Komödie, mit deren Hilfe er unvesehrt über die Grenze kam, weil ' Babn.bof-HnIveMen. Zollbeamte und

Gendarmen viesem An'lätz zuliebe ein Auge zudrückten. Zur Zeit übt er in Amerika die ärztliche Praxis aus, und steht im Begriff, sich mit Sonia Kawetschin zu 'verheirathen. Nach zweijähriger Zwangsarbeit in Sibirien ist das junge Mädchen durch eine Verfügung des Zaren begnadigt worden, nur darf sie sich nicht mehr innerhalb der russischen Grenzpfähle aufhalten. Da für sie aber der Begriff Vaterland" gar nie vorhanden war, werden ihr wohl auch die Leiden der Verbannung unbekannt bleiben. Auch das Heirathen würde sie billig

daran geben, weil sie der Ansicht ist, daß der Verkehr der beiden Geschlechter untereinander durch die Unterschrift eines Priesters oder eines Standesbeamten, weder sittlicher noch unstttlicher werden kann. , Da aber die Heirath in Amerika nur eine, wenn auch registrirte, so doch völlig freie-Vereini-gung ist, will Fräulein Kawetschin geruhen, diesen Fortschritt anzuerkennen, indem sie von ihm Gebrauch macht. Niemand, der sie ihre freien Ansichten erörtern hört, wird je glauben, daß sie nicht die Geliebte Krilovskys istoder nicht gewesen ist. Herr von Vrönaz war. unerschütterlich davon überzeugt, und doch ist nichts daran. Noch sind diese sonderbaren Verlobten '.nur ein Brautpaar. Sonia Kawetschin, die zwei Jahre lang die tiefsten Tiefen der europäischen Gesellschaft studirt und zwei weitere Jabre in der moralischen Hölle der sibirischen Staatsbergwerke mit Sträflingen zusammen gearbeitet hat, tritt in die Ehe so rein und keusch wie ein junges Mädchen, das an der Schwelle des BrautgemacheS zum ersten Mal von der Mutter allein gelassen wird. Die 5raft ihres Geistes und die Wärme ihrer Nächstenliebe haben sie vor den Gefahren der Einbildungskraft bewahrt, und ihr Stolz und ihre Schamhastigkeit haben, sie vor den Versuchungen des Fleisches geschützt. Sergius Krilovsky hat sie hoch gehalten, weil er das Weib in seiner Gesammtheit in ihr liebt, das kluge und keusche Weib, in dem er kein Genußmittel erblickt, dessen mißachtete Seele unter den Liebkosungen deZ Mannes verdirbt oder sich dagegen empört. Weder Sergius, noch Sonia halten sich für besondere Helden. $n Rußland kommen derartige Verbindungen häufig vor. Die Studenten und Studentinnen leben in Petersburg in den nämlichen Stadtvierteln, in den nämlichen Häusern, ja fast in-den nämlichen Stuben als gute Kameraden zusammen, ohne daß irgend eine Unzuträglichkeit dadurch entstände. Diese jungen Slaven mit ihren feurigen Gedanken und ihrem ruhigen Blut legen mehr Werth auf Verstand und Charakter, als auf die sinnliche Seite der Liebe.' Sie sind keine verfallende, sondern eine werdende Rasse: bei ihnen hat das Fleisch die Seele noch nicht .geknechtet. Sergius Krilovsky pflegt häufig zu sagen: Es ist besser, man hat ein Ideal und wäre es das düstere Ideal eines Revolutionars als daß man sich nur in sein Ich" versenkt und seine Thätigkeit im Leben darauf beschränkt, sich. neue Sensationen zu verschaffen. XIX. Kapitel. ; Zwei Jahre sind seit dem Tod von Nikolaus Feodorowitsch -verflossen. ' . Nur. einige Wochen sind es her, daß die'Hochzeit der Gräfin Miranoff mit dem Marquis von Brönaz gefeiert worden ist. In einer kleinen byzantinischen Kirche im Regierungsbezirk Moronesch einer kleinen Kirche mit schwerem Gewölbe und verblichenen Goldmalereien hatte die Trauung stattgesunden. ' Aus der. von der Zeit geschwärzten Setschemeln - haben einst die Ahnen Nadjas gekniet; als kleines Mädchen hat sie selbst auf dieser Holzbank gesessen und sich während des langen Gottesdienstes - mit weiser Miene und auf das ewige Licht gerichteten Blicken in die Wunderwelt kindlicher Träume versenkt und sich alle möglichen entzückenden Zukunftsbilder vorgegaukelt, wie sie bei zehnjährigen Kindern durch klingende, ihnen unverständliche Worte hervorgerufen werden. Der Pope, der Nadjas zweiten Ehebund einsegnet, ist noch derselbe, der sie vor dreiundzwanzig Jahren getauft hat. ' Als die schlichte' Feier zu Ende war, öegab stch das neuvermählte Paar in's Schloß zurück. Wie oft hatte sie von einer solchen Stunde geträumt, ohne zu hoffen, daß sie je kommen würde! Heute berauschte sie ihr Glück, indem sie jene süßen Träume bis in die kleinste Einzelheit zu verwirklichen suchte. Als sich der Nachmittag zu Ende neigte und die ersten Schatten den Park zu verdunkeln begännen, wollte sie Hubert auf den nämlichen Wegen an den Teich führen, auf denen sie damals .in ihrer, Einbildung mit ihm gewandelte war'. : - j Er folgte ihr willig und ließ sich an der Hand führen. Die Landschaft war ihm indeß gleichgiltig; ' tx hatte nur Sinn für die Augen und das -Lächeln dieser Frau, der er -sich nun 'ndlich mit- seinem -ganzen Wesen, mit Sinnen, Herz und Verstand hingeben konnte, ohne die .Ueberraschung und die Leiden des vergeblichen Begehrens scheuen 'zu müssen. Der' Kampf mit sich selbst war nun zu Ende und er fühlte sich mit Wonne bezwungen von seiner siegreichen Leidenschaft. Kaum brachte er es über sich, die Nacht, diese bräutliche Nacht heraufkommen zu lassen, - die ihre Schleier mit so grausamer Langsamkeit - auszubreiten beaann! - . .

Als Nadia. auf Ihren Gatten ge

lehnt, am Ufer des Teiches stand, wurde , das Paar von weichem Dämmerlicht! umhüllt, wie sie es in ihren Träumen gesehen hatte. Sie betrachtete die blassen, ineinander fließenden Farben des Abendhimmels, die unbeweglichen Umrisse der Bäume und das metallischeBlinken des theilweise mit grau qrünen Pflanzen bedeckten Wasserspiegels.' Nadja schmiegte sich innig an ihren, s zweiten Gatten und bat ihn: Liebster' gib' mir Deine Hand!" : Da hast Du sie." Nein, nicht vie rechte Hand, die linke!" Hier," sagt: er belustigt, denn er erwarkeke irgend eine verliebte Kinderei. Sieh," sagte Nadja, hier ist Dem Ehering und dicht daneben Dein Giftring! Eine solche Nachbarschaft kann ich nicht dulden!" Dann , stecke ich den Ring an die rechte Hand." O nein, wenn Du mich liebst, brauest Du ihn nie mehr. Behalte ihn nicht! Ich fürchte mich vor ihm!" Ich werde ja thun, waö Du willst, Nadja. Aber ich lege Werth auf diesen Ring und lege Werth darauf, ihn zu tragen. Er ist nie von meiner Hand gekommen, seit ich ihn in dieser Weise, habe fassen, lassen." Nadja lächelte schelmisch. i Wirklich?.... Niemals?" .Nur einige Tage lang, während ich im Delirium lag. Der Arzt fürchtete irgend eine Unvorsichtigkeit, die ich im Fieber . begehen möchte, und zog ihn. mir vom Finger." Der Arzt?" wiederholte Nadja. , Ja, der Doktor Berger-Rieard." Nadja sah ihren Gatten an. Siehatte ihm ihren Besuch an seinem fPrslTTffrffft trrr fSrnff h8 Wnrl aufsehers, wo sie geglaubt hatte, .für immer von ihm Abschied zu nehmen,, nvch nie eingestanden. Ach. jener schreckliche Augenblick! Die Erinnerung daran schmerzte und ergrisf sie so tief, daß ihre Heiterkeit erstarb. Zitternd warf sie sich an Huberts Brust. Was hast Du. mein Liebling?" Nun schilderte sie ihm die trüben, an jenem Schneetag verlebten Stun den,- und wie er so blaß in seinen Kissen gelegen, und waS für entsetzliche Worte er gesprochen hatte. Sie stöhnte bei dem bloßen Gedanken daran, und ihre angsterstickte Stinune sank zum Flüsterton. Leidenschaftlich drückte er sie an 'sich: Ach. wenn ich das gewußt, wenn ich Dich erkannt hätte!" AIS er erfuhr, daß sie. Nadja, es gewesen war, die ihm den Ring abgenommen hatte, zog er ihn vom Finger und legte ihn in ihre Hand. Bist Du nun zufrieden? Mach? mit ihm. waS Du willst!" .Wirklich?" fragte sie. Getröstet und wieder fröhlich trat sie einige Schritte zurück. Schön und geheimnißvoll hob sie sich in ihrem weißen Kleid von dem 'rosig und golden schimmernden Wasser ab, während sie den Rina gleich einem. Symbol hoch empor hielt. Du schenkst mir diesen Ring? Er gehört also mir?" ' ' In Bewunderung versunken, neigte er nur das Haupt. , Nadja wandte sich ein wenig um und schleuderte mit dem Aufgebot ihrer Kräfte den Gift - Ring so weit als tT,T?ft firnrniÄ tTt ltVktMf Einen 'Augenblick noch sah man den goldenen Ring 'im letzten Widerschein der untergehenden Sonne funkeln und dann in. der 'leuchtenden Wasserfläche versinken. Schwarze Kreise zogen sich auf der erbleichenden, spiegelnden Fläche, zusammen und . verloren sich in den langen Weiden am Ufer. Nun wandten sich Hubert und Nadja nach dem Schlosse zurück. Ende. ' "" eWZAZ.N'?, ' . ; ; - 124 Züb Delaware Str. Deutsche Wirthschaft und (T2fT!fc 0.st. fcJ4mW)UUlUl4. Feine Weine, Liquöre und Cigarren. Warmer Luuch von 9 biö 1. E. A. K0LEER, Wirthschaft und BiMard-Zimmer, feiner unch, N)eine u. (iquöre. 901 Ost Washington Str. NeueS Telephon' 2834. ''; .' ' ' ' 7-1 s Indianapolis Spezialitätcii Kommen Sie und besichtigen Sie die feinsteAuswahl . - :-: Pelze :-: in der Stadt. " '. - , Wir werden Jhre'Hlze rrpariren und remodeliren u raisonablen Preisen bevor der Kaltwktter,Andrang kommt. 17. LOWENTHAL der Kürschner. Oberhalb der Big Four Ticket Ofsice veide VhOe 1713.