Indiana Tribüne, Volume 25, Number 161, Indianapolis, Marion County, 28 February 1902 — Page 7

Jndktma Tribune. S. Februar ISO.'

?

? n i 1

V d

ä : kMI W'

,Ir JP ',S';T-Ct'. ti 'i f- t.v. VV - -rr --ttry .r.&Ä Im - ' Base Burner Heater& $12,50 $51.00 HÄ $8.25 $25.00 $7.50 .$30.00 Kochheerde Willig's Cssi Hin 'M w 141 West Wasbwgtoa Sttaße. MB MAST&CLASS, G43 Massechnsetts Avenue. Telephone Neu 1980 Alt 2903. g Dams- u. HcißVasscr-Kcsscl. g 8 Blech, Kupfer, Blecheisen und jj 8 Furnacc Arbeit. 8 U NcLaratnren von ?vurnaccS und Ti r alle Arten von Blccharbciten. n I S5SSSLS5S?:STSSSL? -- k , ,. 4- Rllff fllHfUflll m . täiiiiiuii, 701 Süd Delaware Strafe, . , Händler in X X Weizen-, Roggen- u. Buchweizen-Mehl, X X eu in Ballen und allen X borten Sutter. Neues Telephon 15W. "Ml t yfCcüurqfn wkrdcn r.ci irsenb eiern 4Theile dcr Ctadt frei aFgelif'crt. Cttt k r") yww No. 861 Hosbrook Str. verkauft aussöließlich 141 C!ß.X M B M 'IW, 5?u 2' , Tortrn ut: Tta-'c 'de : 3e. 123 nr.b Fre. W. Cook, Staple und grtniJj - Grocerics. 3li4ö Manison Zrnue. f :.-:.TOc Tton te 712. L.'szrcn werden nc- rrf t-iUtR 7f,'lk feer Ciitt ;rci atCiiri. JDSEPII HAAS, Nc. 705707 Illar:!! 5 ; , Q-.-xu'ji o;rn ttiikschiN HuIUsn jc?r

VWWM T. :j r V ' 'L? 3 cS?k'ZQ MWÄUMM GMMM GWWDN xtotew . Mö-.-Z'l, Tr''?v?rfif? i'-tiif y'F-

jmnr:t "S2jJL'm" -. vXtr"il?;?? fw ,.7A'Hv'5f' t?t tizLf-fi.'? 5 'Vi3v rV--'.". r MsÄU FSM.ZÄ HM.HM KSWKMWO JÄllW!! jtisttii.f ofr! w-K-Ä-.5? LNHt?! t fKMÄ HlwrvVPiSw f v-.V sv. r U vsts& ?i VV- -H vv?? -Hl'rtf HiXyii rt? " "r "jji

W

hard

w m

l neucstc) SlZstcm der gt

rttchlofen NeittisZlltt 07i 'Senkgruben.

Y )' M..,.., ; Vif.) "1. (KCil ',77.

V ifc-V" y ;r!,:AlfÄ.h: '

w.. ' ö j . ' .''. - mm kuWi,, 4 SA 7MöN;t Vi 'lh ? -4l'i M fiÖ , l"? i .. w. v . .

- Cii Äls L f

Slavische Leidenschaft.

?:?MLN von Tanicl Lcsueu?. (FotscZung.) S3ietrütSe sich ihr "Wen "in Zukunft außerhalb cinsS Klosters w?hl gestatten? Doch nur wie daZ einer Frau, die rettungs!? unglücklich oder rettungslos verloren n?ar! Ihre arn:e Seele sehnte sich zwischen den zwei Uebeln, unter d5nen sie zu ählen hatte der inneren Marter, oder dem endgiltigen Fall nur nach einem: nach Ruhe, nach Vernichtung. Wohl sehnte sie den Tod herbei, aber sie war zu fronen, um an Selbstmord zu denken also nahm sie statt des GrabeZ mit einer Klosterzelle öorlieb. Mit aller Nraft ihres leidenschaftlichen Naturells strebte sie nun dieser entsetzlichen Zukunft entgegen, und für den Augenblick erhielt diese traurige Zukunft sie am Leben. Sie kannte sich selbst viel zu wenig, um sich diö Frage vorzulegen, wie sie leben könnte, wenn sie gar leine Hossnung mehr hätte. .Täglich und ohne Geheimnrtzthuere! holte ihr Mascha beim Hausmeister des Marquis Nachricht über da Befinden seines Herrn. Ihr Französisch reichte gerade weit genug, um sie die bedeutungsvollsten Worte festhalten zu lassen: Es geht besser. .. . Auf dem besten Wege Außer Gefahr!. . . Als sich das Fikber gelegt hatte und Hubert Aufstehversuche machen durfte, schickte die Gräfin ihre Botin nur. noch von Zeit zu Zeit, wenn sie von einer plötzlichen Unruhe und Angst ergriffen wurde. Eines Tages berichtete ihr .Mascha, daß die Hausmeisterin ihr vom Hof aus den Herrn Marquis gezeigt habe, der zwischen den zurückgezogenen Vorhängen eines Fensters im ersten Stock auf einem Ruhebett lag. Hundertmal ließ sich Nadja diesen Anblick bis in die kleinsten Einzelheiten schildern. Wohl war das Gesicht mager und bleich, aber Mascha meinte, der Marquis sei trotzdem vielleicht noch viel schöner, als vorher, und er habe einen weißen Fla nellrock mit rothseidenen Schnüren an, dr seine arme, kranke, zerrissene Brust- bedeckte. Als Mascha am nächsten Morgen, ihrem Befehl entsprechend, frühzeitig in's Zimmer , ihrer Herrin trat, erschrak sie über die Verwüstungen, die der Kummer auf's Neue im Gesicht ihrer Barina angerichtet hatte. Die schönen' Augen, die seit Wochen nicht mehr von Thränen geröthet worden waren, erschienen so geschwollen und entzündet, daß sie das Tageslicht gar nicht zu ertragen vermochten, und ihre brennende Nöthe stach scharf ab gegen die Blässe der Wangen. Hätte dies schöne Gesicht überhaupt durch die Spuren des Schmerzes entstellt werden können, so wäre die Gräfin von Miranoss gar nicht mehr zu erk.enncn gewesen. Mascha suhlte sich bei diesem Anblick sehr bedrückt, aber sie wagte nichts zu sagen. Das arme Ding wußte sich ohnmächtig, Trost zu spenden, und war zu anhänglich, um neugierig sein zu können. Und Nadja enthüllte ihr du Schrecken ihrer schlaflos verbrachten Nacht auch nicht von selbst.... sie sprach nicht von dem wahnsinnigen Gelüst, bei Tagesgrauen zu dm Mann zu eilen, der sie nun wieder erkennen, hören und ihr antworten konnte. Sie sprach auch nicht von dem tollen Verlangen, das ihr in allen Nerven zuckte, als Mascha ihr von dem schönen, ble! chen Gesicht erzählte und von seiner Brust sprach, in der eine kleine Wunde vernarbte. Als aber einige Zeit darauf die Kammerjungser zögernd fragte: SoT ich jetzt in die Nue Babylone gehen und mich nach dem Befinden des Herrn Marquis erkundigen?" da antwortet Nadja: Nein. Mascha, Du gehst heule nicht hm und überhaupt niemals mehr. Der Herr Marquis ist jetzt wieder bei Bewußtsein, er könnte erfahren, daz Du kommst. Dir einen Austrag an mich geden, und ich könnte dann nicht umhin, ihm zu a-ntworten. Derartigen Möglichleiten darf ich mich aber nicht au-setz:7. .... Ach, ich habe Unheil genug cesttftet! Ueörigens ist er ja jetzt g:i:ttet! Ich bin beruhigt und brauche nichtmehr von ihm zu hören." Beruhigt!" dachte Mascha mit eisern Blick auf den schm:rzoe?z:rrten Mund und die traurigen Aug:7. Nadjas. ' Die treue Dien:r:n wagte keinen Einwand mehr, aber ihr sprechendes G:sicht flehte ihre Herrin an. Mitleid mit sich selbit zu haben, und schien aus drücken zu wollen: Lassen Sie mich ihn doch aufsuchen! Wenn ich auch nur i .Uit frzösisch kann, so vermag ich e? ?6rn begreiflich zu machen, daß i:.-ur. u'? irn denken. Dann bnree ich Ihnen c::::a,-z Z:ikn. der &k:s da? ' , , ".' ;: .'s . .-. schrieben, eines, zener IC..-.,-.' die für zwanzigjährige Frauen das Lelen selbst bedeuten eines jener Briefchen, Barina, bedenken ' Sie dies wohl, wie Sie es noch nie gelesen haben..... und wie Sic es sonst nie, niemals lesen werden!" Aber die Gräfin von Miranoff wandte das Haupt ab und warf sich vor ihren Heiligenbildern auf die Kniee, um die drängende Versuchung auf dem Gesich! ihrer schllchten Vertrauten nicht ehr sehen zu müssen. XVII. Kapitel. Zwei Lakaien des. Herrn von Miranoir. die an einem ?5et)ruarmoraen den

Aschenkasten eines Porz:llanofens über! den Flur trugen, wan sehr überrascht. als sie ihren Herrn ohn: weiteres in's Wohnzimmer der Frau Gräsin treten sahen. Seit zehn Wochen- waren die Dienstboten des Grafen an die äußere Trennung der Gatten gewöhnt. Nachdem das Bedientenvolk hinlänglich cfo Möglichkeiten erörtert und vergeblich versucht hatte. Mascha oder Semen zum Sprechen zu bringen, schwieg es schließlich. Dem Herrn Grafen wurde in seinen Gemächern aufgetragen, und in die Nähe der Frau Gräfin durfte nur die russische Kammerjungfer kcmmen. Im allgemeinen war übrigens die Stimmung in Küche und Vorzimmtrn dem Grafen Miranoff günstiger als seiner . Gattin. Die verächtliche, tyrannische Behandlung, die die Dienerschaft von dem Grafen erfuhr, hatte ihn in deren Meinung sehr hoch gestellt. Nadja dagegen hatte in ihrer sanften, ruhigen Würde, in ihrem grenzenlosen' Mitleid mit allem, selbst mit gehcucheltemElend. im Verkehr mit ihren, Untergebenen eine zarte, liebenswürdige Art, die für Schüchternheit gehalten und ihr vcriibelt wurde; dazu kam in den Augen der weiblichen, Dienstboten noch ein weiteres Unrecht: sie war unvergleichlich schon. Die Rangordnung verändert sich nämlich je nach dem Geschlecht. Der Bediente eines Gelehrten oder eines Staatsmannes wird sich der Ueberlegenheit seines Gebieters stets unterordnen: er wird zwar nicht verstehen, worauf sie beruht, aber er wird sie auch nicht bestreiten. Dagegen ist sich das gewohnlichste Küchenmädchen darüber klar, daß zwiscn ihm und der großen Dame, deren Geschirr es spült, in Wahrheit nur eine wirkliche Ungleichheit Vorhände ist, und zwar die eines mehr oder weniger hübschen Gesichtes, größerer oder weniger großer JugendIichkeit und größerer oder kleinerer physischer Anziehungskraft. Dies kommt daher, daß das Geschick des Weibes von dem sinnlichen Begehren der Männer abhängig ist. und daß Vorzüge, die nicht zu diesem sprechen, für die Frau unnütz, wenn nicht gefährlich sind. Verstand und Moral sind also in verhängnißooller Weise minderwerthig. In ihrem ganzen großen Haushalt besaß Nadja nur eine einzige Seele, die ihr ganz ergeben war ihre Mascha. Dies arme Mädchen war ein schlichtes, kindliches Geschöpf, das kein Verstände niß für den fressenden Neid und den Eigennutz hatte, die inmitten der allzu fortgefchntteneni Zivilisation die Herzen der Menschen so leicht vergiften. Diese bewundernswertbe Dienerin befand sich an jenem Feöruarmorgen nicht bei der Gräfin,, als Miranoff so schroff im Zimmer seiner Frau erschien. Er öffnete die Thüre, ohne anzuklopfen. Diese Roheit war absichtlich, denn ein Mann seiner Art thut nichts ohne Ueberlegung. Aber that er es aus unverschämter Mißachtung oder aus grausamcr Neugier? Vielleicht war es beides. Er fand Nadja in einem kleinen, an ihr Schlafzimmer anstoßenden Gemach. Es war ein hell gehaltener, mit mecrgrünem Brokat ausgeschlagcner, im Stil Ludwigs XV. ausgestatteter Raum, dessen in Weiß und Gold gehaltene Möbel mit köstlichen, zartfarbigen Seidenstoffen bedeckt waren. Zwischen den langen Scheiten im Kamin tänzelten und flackerten kleine Flämmchen, die neben den wärmenden Strahlen der Wintersonne verblaßten. In dem ganzen zarten, duftigen Raum war nur ein dunkler Punkt zu sehen: das lange schwarze Haar Nadjas. das offen über den schneeweißen, aus Seide und Spit,en bestehenden Schlafrock hinabfiel. Die junge Frau saß mit dem Rücken gegen das Fenster und die Thüre gewendet, durch die Miranoff eintrat. Sie lehnte am Feuer in einem Sessel und las. Im ersten Augenblick sah ihr Gatte nichts von ihr als die Fluth Herrlichen Haares, dessen letzte Enden sich auf dem hellen Teppich ringelten. Sie glaubte. Mascha sei hereingekommen, und drehte sich nicht gleich um. Aber ein eigenthümlicher Schauer lief ihr über den Rücken, sie schaute hinter sich und sprang leichenblaß in die Höhe. Miranosf blickte sie prüfend an. Auf dem schmal gewordenen Gesicht mit den tiefen Schatten unter den Augen und den traurigen, bleichen Lippen war das tiefe Leid der Seele, die völlige Ergebung, d:r Verzicht auf jede Hoffnung so deutlich zu lesen, daß er eine Genugthuung empfand, die ihn bemale besänftiate. Er hatte nicht übel Lust, diese Frau wegen der wunderbaren natllrlichen Anlage zum Leiden, die aus i-ei ganzen Erscheinung sprach, laut zu lvden. Er fühlte sich versucht, ihr zu sagen: Von nun an besteht deine Pflicht darin, den Schmerz zu empfinden, den ich dir habe bereiten wollen. Du fühlst ihn ti 5: So ist's recht! .. . Ich bin zufricd.n mit dir." - Crch r sprach diese Worte nicht aus. - sonderbare Lächeln, das seinen t - ,.:n Schnurrbart bewegte, bedeutete ungefähr dasselbe. Gnädige Frau," sagte er, ich komme. Ihnen mitzutheilen, daß wir in drei oder vier Tagen nach Rußland abreisen werden." Sie neigte daü Haupt. : Mit einer gewissen Milde in Ton und Wort fuhr er fort: Wollen Sie sich, bitte, bereit halten, mich u begleiten." Ich werde bereit sein, Nikolaus Feodorowitsch." , Bei dieser russischen Anrede zuckte ein etwas komplizirter, aber doch sehr klarer und lebhafter Gedanke durch Mira.noffs Kovk. .Selbst in ihren. intimsten

Stunden hatte Nadja sich immer so förmlich ausgedrückt, daß ihm heute diese Form fast vertraulich' erschien. Aber nein, sie war nicht vertraulich und war es auch nie gewesen. Und nun emPfand Miranosf deutlich und klar, daß er niemals die Liebe und Zärtlichkeit dieser Frau begehrt und sie auch nie mals besessen hatte. ... Ein unbestimmtes Bedauern nagte ihm infolge eimö einzigen Wortes am Herzen. . Immerhin ließ er dies nicht merken. Zum zweitenmal spielte ein Lächeln um seinen Mund, aber diesmal war es ein Lächeln harmlosen Spottes und flüchte ger Rührung. Sehr gut. Nadja Jwanowna." Dann machte er einige Schritte weiter ins Zimmer hinein, ging um den Lehnsessel herum und hob das Buch auf, das Nadjas Händen entglitten war. als sie ihn erblickt hatte. Was lesen Sie?" fragte er. Es war ein Wand Gedichte von Lermothow, der sich auf ?incr Seite, die durch den Fall umgebogen worden war. öffnete. Miranoff glättete die Falte auf dieser Seite, und sofort fiel sein Auge auf die schöne Strophe, die in jedem russischen Herzen wiederklingt und die hier mit einem schwachen Bleistiftstrich bezeichnet war: .Ich mub Dich lasse, Xtla Vitt ? Htrjru tit ich trage, etrtl ton Grimm nsiUtt R jchön'r,. bfii'te Tg, Nikolaus Feodorowitsch, schloß daZ elegant gebundene, mit Nadjas Monogramm geschmückte Buch und' warf eö in den Kamin. Die Flammen züngelten sofort daran hinaus, die Blätter wanden und kräuselten sich in der Hitze und das Leder verbreitete einen unerträglichen Geruch. Also in drei Tagen sind Sie reisefertig, nicht wahr?" wiederholte er mit wieder herrisch und hart gewordener Stimme. Darauf verließ er ohne einen weiteren Blick oder ein weiteres Wort das Zimmer. Nadja beugte sich zum Feuer nieder und stöberte mit der Spitze des SchürHakens in den Ueberreflen ihres armen Buches herum, über dessen versengte Blätter glühende Funken huschten; dann ließ sie sich auf den Teppich niedergleiten und träumte, von ihrem langen reichen 'Haar umhüllt, starren Blickes vor sich hin. Als etwas späte? Geräusch aus dem Hof zu ihr herausdrang, erhob sie sich, trat anö Fenster, zog den Spitzenvorhang zurück und drückte ihre Stirn an die Scheibe. Vor der Ausfahrt harrte der offene, mit den beiden ukrainischen Trabern bespannte Wagen des Grafen, der in einen Pelzmantel gehüllt, eine Bibermiitze auf dem Kopf und mit juchtenledernen Handschuhen angethan, sein Gespann besichtigte. Mit Mühe hielten zwei Stallknechte die Pferde fest, die ihrer ausgibigen täglichen Bewegung entwöhnt, in der unfreiwilligen Ruhe derBox eine große Fülle von Kraft und Feuer angesammelt hatten. Während der Krankheit des Grafen hatte man sie eben nur so viel bewegt, als unvermeidlich war. weil Stallknechte und Kutscher ihre Wildheit scheuten und Angst hatten, die Lieblinge ihres Gebieters möchten durch irgend einen Zufall zu Schaden kommen. - Also ist sein Arm doch so weit geheilt, daß er wieder kutschiren kann," dachte Nadja. Dann fiel ihr wieder ein, daß Mascha ihr berichtet hatte, der Graf fahre seit acht Tagen wieder aus. habe aber aus Vorsicht, bis er seines Armes wieder ganz sicher sei, nicht die Orloffs, sondern ihre eigenen Goldfüchse gefahren. Heute hatte er zum ersten Mal wieder diese feurigen, halbwilden Thiere einspannen lassen. Nun sah sie Miranoff aufsteigen und die Zügel ergreifen. Der Groom, der ihn begleiten sollte, legte die Pelzdecke sorgfältig um die Beine des Grafen und sprang dann auf den Rücksitz. Der Jäger öffnete, das Thor. Kaum hatten die Pferde das Knir.schen der riesigen eisernen Thürangeln vernommen, als sie loslegen wollten und die Stallknechte beinahe geschleift hätten, von denen sie am Mundstück des Zaumes festgehalten wurden. Laßt los! Laßt los!" schrie Miranoff. Die beiden Männer sprangen zur Seite. Sofort bäumten sickj die Pferde, stiegen kerzengerade in die Höhe und ließen ihre schwarzen Mah-, nen in der Lft flattern, während ihre langen Schwänze den Erdboden fegten und von den silbernen Gebissen der Schaum in weißen Flocken zerstob. Aber Miranoff ließ die Zügel lockerer, berührte das Kreuz der Pferde'mit der Peitschenschmitze und trieb sie vorwärts. Wie besessen rasten sie davon; aber sobalo das erste Feuer 'sich gelegt hatte, begannen sie ihren Schritt nach dem Willen' der geschickten Hand zu mäßigen, von der sie gelenkt wurden. Es war wirklich ein schänes Schauspiel. Nadja. die von den prächtigen Thieren entzückt war, fand in dem Anblick wenigstens, etwas Zerstreuung. Nun aber mußte sie an die bevorstehende Abreise denken, die ihr Miranoff angekündigt hatte. Da diese Rückreise nach Rußland für sie den Eintritt in ein Kloster bedeuten sollte, so war es ja einerlei, was sie an Kleidern und Kinkerlitzchen mitnahm. Sie . klingelte Mascha, die bereits von Semen erfahren hatte, daß die Abreise nahe bevorstand.' Traurig machten sich die beiden Frauen an die sonst so unterbaltende Leratbuna darüber, welche

Kleidungsstücke eingepackt und welche zum 5ürschner gebracht, den Kammerjungfern geschenkt oder in den Schränken gelassen werden sollten. Miranoff fuhr mittlerweile im Bois spazieren. Für den Augenblick dachte er an gar nichts, sondern überließ sich ganz dem aufregenden Vergnügen, seine Traber zu lenken, sie zurückzuhalten und dann wieder mittels Zaum und Peitsche zur höchsten Leistung anzufeuern. Das Gefühl der großen Geschwindigkeit betäubte seine Gedanken in wohlthätiger Weise. Wochenlang war er dieser gewohnten körperlichen Uebung beraub! gewesen! Intensive, fast freudig: Lebenskraft strömte durch seine Adern; gierig athmete er durch Mund und Nase den frischen, kühlen Wind ein. Seine Brust hob sich mächtig, von einer Art physischem Stolz geschwellt. Dazu kam noch der schöne Morgen, der so viel Aehnlichkeit mit einem jener duftigen. zarten, russischen Frühlingsmorgen hatte, während die breiten, einsamen Wege um das Hippodrom von Longchamps ihm die weite, öde Steppe vortäuschten! Ach, welchen Wonnerausch vermochte doch die grenzenlose Weite, d unendliche Horizont zu erregen! Welch mannigfache .Erinnerungen beschwor er heraus! Denn bald riefen ihm spindeldürre bläuliche Pappeln auf einer kahlen Wiese einstige, an der Spitze seiner Truppen ausgeführte Märsche durch einförmige Steppen in's Gedächtniß zurück; bald aber erinnerten ihn wieder künstliche Mühlen und Wasserfälle daran, daß diese Natur nichts Ursprüngliches war, sondern daß die Gegend Pariser Gärtnern ihren wildromantischen Charakter verdankte, und daß der schmale Weg, der da drüben einmündete, den Namen Lästerallee" führte. Na," sagte er zu sich selbst, in wenigen Tagen werde ich in Petersburg sein, und warum sollte ich nicht dort bleiben? Warum sollte ich nicht wieder eine bedeutende Rolle spielen? Für eine Frau, für diese tolle Nadja habe ich meine Stellung aufgegeben, habe ich mich beinahe mit dem Zaren 'überworfen. Sobald sie wieder aus meinem Dasein verschwunden ist, wird sich auch das letzte Wölkchen 5wischen mir und Alexander Alezandrowitsch zerstreuen. Ich habe ja meinen ganzen Einfluß dort behalten...." Davon war er überzeugt, denn er hatte erst im Verlauf des kürzlich beendeten Prozessss gegen Sonia Kämetschin einen Anhaltspunkt dafür erhalten. Trotz der zahllosen Beweise für die Mäßigung, die. daZ junge Mädchen stets an den Tag gelegt hatte, war dem Gericht von Nikolaus Feodorowitsch die größte Strenge anempfohlen, und Sonia-unmenschlicher Weise zu neun Jahren Zwangsarbeit in den sibirischen Bergwerken verurtheilt worden. Die Befriedigung, die Graf Miranoff über diese Grausamkeit empfand, wurde aber durch ein banges Gefühl getrübt, das ihn beim Gedanken anöden noch immer unauffindbaren SergZus,Kriik lovsky beschlich. Ich habe Paris satt." dachten?. Welche Sicherheit kann mir denn diese Republik gewähren, die ihren Beamten jede Eigenmächtigkeit und das'Ergreifen von Vorsichtsmaßregeln unmöglich macht? Wenn ich bedenke daß es ihnen nicht einmal gelungen ist, diefenKrilovsky zu fassen und...." Beim Gedanken an den Polen ließ Miranoff unwillkürlich dieZugel etwas lockerer, worauf die Pferde sofort ihre Gangart- beschleunigten. Allein- fast im nämlichen Augenblick sah der Graf sich genöthigt, sie zurückzuhalten, weil er beinahe mit einem Wagen zusammengestoßen wäre, der in vollem Lauf aus einem Querweg hervorschoß. Da dieser Wagen aber gleichwohl zuerst anhielt und die Traber noch gar nicht stillgestanden hatten. rannten sie voll Feuer weiter und waren in wenigen Sekunden weit davon. (Fortsetzung 'folgt.) , Ein to dtliche? Unglücks fall am Trapez hat sich in dem Lokal Zum Brocken" in Reinickendorf bei Berlin zugetragen. Dort übte zu der

abendlichen Vorstellung der 53 Jahre alte Artlst Hermann Schonborn m Gegenwart seines Bruders am Trapez. Dabei that er einen Fehlgriff und stürzte in das darunter gespannte Fangnetz, anscheinend ohne sich zu beschädigen. Als er aber gleich darauf aus dem Netz Herausfteigen wollte, wurde er ,vow einem Schwindilanfall ergriffen und fiel ohne Besinnung mit dem Rücken auf den Fußboden. Der Bruder brachte ihn in einer Droschke nach der Wohnung, wo er bereits gestorben war, als ein herbeigerufener Arzt eintraf. In Kalisch (RussischPolen) ist ein entsetzliches Verbrechen verübt worden. Der .Bankier Wolf Cohn aus Kalisch hatte vor etwa 14 Tagen seine Wohnung verlassen, ohne in dieselbe zurückzukehren. . Alle Nach forschungen nach seinem Verbleib bli:ben erfolglos. Auch eine Absuchung der Prosna innerhalb des Schleusengebietes war vergebens. Nun hat ein Schiffer im Prosnawasser bei Kirchdorf einen zugenähten Sack gefunden, in welchem sich die Leiche des Vermißten befand.. Dieselbe war stark, zerschlagen. Vermuthlich ' liegt hier ein Raubmord schwerster Art. vor. Auf die Auffindung des Vernrißten hatten dessen Angehörige eine hohe Belohnung ; ausgesetzt. Der Ermordete war 54 -?alt.

lloller, 20! w. Washington Str. Ver äusrr deS berühmten yuizz.iQs "Huslsy ' Tas beste Mittel gegen . .. Malaria und Erkältung. ... Deutsche Wirthschaft vrn G. LEUKH 1RDT, jur tmütf)lUf)tn Ecke, No. $02 Nord Noble Straße? Jeden Samstag Tuttelsuppe und ausgezeichueter warmer Lunch. ; Neues Phone 2011. Union Station Hotel No. 6 West Lsmfiaua Straß; je. gegenüber dem Oftende der Union Etatio SAH, H0RIIIE, 5'th um er. Die feinste Bar in der Stadt. VlleSInenInnd erster Klasse. Teledbon 8771. Vm. IM ler 202 Nord Noble Str. lies Telephon 702 Call 2. Arcade Kneipe. Feine importirte und einheimische Weine. Gute Cigarre. Das beste Vier m der Stadt stete frisch au Zapf JOHN WEBER, QiatjUUämtt, 'essm. Z-R?, 124 Süd Delaware Str. Deutsche Wirthschaft und BiMard-Zimmer. Feine' Weine, Liquöre und Cigarren. Wanner Lunch von 9 bis 1. H A. KOLKER, Wirthschaft und Billiard-Zimmer,' feiner Lunch, weine u. kiquöre. 901 Ost Washington Str. Neue Telephon' 2834. Indianapolis .Ottmar Keller, 217 Ost Washington Stt. : Feine . : Veine (iquöre und Cigarren, ffztraLunch servirt aus Order z jeder Zeit, ' Semptauartier der Bicker. Badenserl etzger und anderer Vereine . Telerö 3327. Spezialitäten. . Kommen Sie und besichUgenSie die' feinste uswahl " Pelze :-: . in der Stadt. Wir wcrden Ihre Pelze . repariren und remodeliren ,u raisonablen Preisen bevor dcr AalttvetterAndrang kommt. W LOWENTHAL, . der Kürschner. Oberhalb der Big Four Ticket Ofsiee. yeld 1713.

Jacob

alson

;

O