Indiana Tribüne, Volume 25, Number 156, Indianapolis, Marion County, 23 February 1902 — Page 2
4 .
ii Jndiana Trtöüne, Tonniag, 23. Februar 1902.
wamwel Anna.
Von Theodor TuiinÄen. Dorfstraße kam sie daher in ib rein merkwürdigen Trab, an dem man sie schon von weitem erkannte. 33a kommt Gammel Anna." sagte ich zu meinem Großvater, den ich als Studcnc von Kiel aus auf einige Ferienwcchen besuchte und neben dem ich jetzt auf der nach dem Vorgarten gehenden großen Veranda meine Morgencigarre rauchte. Gammel Anna, die alte Anna", das ganze Dorf nannte sie so. Eine merkwürdige Gangart hatte die Alte. Leicht vornübergeneist, fiel ihr Korper bei jedem Schritt sozusagen in sich zusammen. Es war ein unaufhörlicherWechsel zwischert Zusammenbrechen und SichWiederaufraffen, und dabei kam sie trotz der schweren Holzschuhe, die sie im Sommer und im Winter, an Wochenund an Festtagen trug, unglaublich rasch vorwärts. Von ihren Holzschu-, hen trennte sie sich nur, wenn sie an jehr schönen Sonntagen zur Kirche ging oder wenn sie nach Flensburg fahren mußte, um Besorgungen zu machen, dann zog sie seufzend ein paar große, schwarze Zeugschuhe an, dieselden seit zwanzig Jahren. Am liebsten richtete sich aber die Siebzigjährige so ein, daß sie bei schlechtem Wetter nach Flensburg fahren mußte, dann hatte sie eine gute Entschuldigung, sich von ihren geliebten Holzschuhen nicht zu trennen und di Schwarzzeugenen zu schonen. Ein drolligesFrauenzimmer," sagte ich. Drollig?" antwortete mein Großvater und sah mich mit seinen blitzenden, hellgrauen Altenfritzenaugen an. .Drollig? Mein lieber Junge: Gammel Anna ist ein Weib von antiker Größe, eine Heldin von klugem und kühnem Lebensmuth, von unglaublichcr Treue gegen selbstauferlegte Pflicht und von zartestem Empfinden." Nanu?" sagte i'ch. Denn dithyrambisch war meiner Mutter Vater selten. Er war damals achtzig Jahre, hatte das große Gut, Hof sagt man da obur längst und zwar mangels eines birce ten männlichen Erben und eines land wirtbsckaftlicken Schwieaersobns a: den Mann seiner jüngsten Schweste abgetreten und sich nur das Wohnhau und die Gärten vorbehalten. Da okr lirte er denn seine Rosen und las. Qi las sehr viel. Die Frerksen saßen seij Jahrhunderten auf dem Hof. Se!i Jahrhunderten waren sie alle Bauerm gewesen oder zur See" gegangen. Dkr älteste Sohn hatte immer den Hof tt kommen, die jüngeren Brüder wurdju Capit'äne auf eigenen Segelschifftjnl So ein Seglercapitän war noch etrns anderes als die heutigen Oberschaffize? der großen Dampfer, die für fünfzeklhundert bis achizehnhundert Mark C& halt und freie Station (während sie än Bord sind) einMenschenalter lang ziöischen Hamburg und New oxl ojtx Bremen und Baltimore hin- und kerfahren. Nein, sie standen in ihten eigenen Schuhen, sie führten ein Schjff, das ihnen selbst gehörte, oder in ijcm sie doch große Parten hatten. Danals gab es noch Berufsfreudigkeit uiter den Seeleuten, denn man konnte noch .etwas werden" auf den grauen Wo gen, schaumumflogen". Es lag darnals noch Sinn und Verstand in veni; alten Hansespruch vom Bremer Rathhaus: navigare est necesse, Tigere non est necesse, man wußte, wofür man sein Leben wagte. Diese baden Berufe, in denen die Ahnen alle' seit' grauen Vorzeiten gestanden und sich voll ausgelebt haben, geben der ZZasse da oben das Gepräge. Diese Kreuzung zwischen Seefahrer und Großgiundbesitz:? denn aus vielen Höfen ätte man ein halbes Dutzend Rittechüter schneiden können liefert kein schlechtes M:nschenmate'rial. Für in Asse ssorenlarriere eigneten sich die (5'öhne aus diesen alten Familien allerdings selten, sonst aber waren sie etwas werth cls Menschen, ganze Kerls, und 'wenn man einen von ihnen kannte, hatte man etwas davon. I Es waren niemals Leute, von'.denen zwölf auf ein Dutzend und hadertdierundvierzig auf ein GroS gehkn, sie waren seßhaft und conservativ und dabei doch von einem merkwürdig jweiten Blick und Vorurtheilslosen Geist! - ' Es interessirte mich, von cmrai solchen Mann von einem Mann wie nieinem Großvater die Leidensgeschichte dieser Frau zu hören, hon der er in solchen Worten sprach, und die mir als Jungen auf meinen Ferienbesuchen immer nur r qute.k etwcs römische Alte gewesen war. Ich bat ihn darum, und er that mir oen Gefallen. Als der alte Richelsen no lebte. der Vater dessen, den du all Richelsen kennst begann er. en alten st Gaminel Anna zu den. Richelsens ,' Hof gekommen, damals hieß auf den ie aber die schöne Anna".X Sechzeh Jahre alt ist sie gewesen. xSie starlnrte aus Vnier, unoerreiyer M.nime, nn einem l. v v l. . I kleinen of im Sundew'itt. Damals war es selbst für TöchtX Familien ganz und gar fciiV uf einem Hof als Meierin, c. sell oder dergleichen zu dier f, cv.,,r. ix. r.c r.. j s alten Schande, r 3 ctr ? 'jjcam n. und IU IC ji iuy. schönste Mädchen weit und b iit. Sie wiuu yc, tu cic jic n Vi. war noch keine vierzehn C ulf dem Hof, da waren wir junger pit schon rr. i ." ji i ir . rjl 'v. JXiu.TY CUC lIIUUl Ulst X. gewachsen, ganz hellblon chtvoll tk & V I OJnh! (.kT. 1U WJt H.lVWiUtlUt I Ulf IC HJ leuch4r ! rendes, schimmerndes Teint, so sein und zart) sere nordische Frauen berühmt sind, ihn nur Tie feinsten Aede -z-S tt rzzit c' I Vlil st UN- ) oafur sweisen.1 .merteuj. ist di ) SZzu '--ra :n j
Wein trank, man ihn durch den weißen Hals schimmern sah. So ungefähr. Dabei war sie von einer strahlenden Heiterkeit, von einer unverwüstlichen Laune, von einer Lustigkeit, ich hab's nie wiedergesehen. Wo sie war, -ba lachte die Welt: dem Stumpfsinnigsten und dem Vergrämtesten wurde leicht und wohl um' Herz, wenn er sie sah. Und tüchtig. Es war schwer Wirthschaften auf dem Richelshof, schon da mals. Der Alte war ein toller Kerl gewesen in seiner Jugend, lr war mit einer dänischen Gräfin, Dagmar Lehc, durchgegangen. Den Grafen, der ih-. nen nachgereist war, hatte er in Paris im Duell erschossen. Das war noch unter Ludwig XV. Richelsen war der reichste Mann hier in der ganzen Gegend, es waren mehrere Generationen hintereinander immer nur ein Sohn dagewesen auf dem Hof, die Mutter, die Großmutter, die Urgroßmutter waren alle einzige Töchter und schwerreiche Erbinnen gewesen, und dann die guten Zeiten damals, sie hatten auch immer Glück gehabt mit Vieh und Getreide, da hatte sich das Geld erstaunlich angesammelt. Kasten und Truhen voll, kein Gut und fast kein Haus in der Gegend, auf dem sie nicht Geld siehen hatten. Und so viel baar auf der Bank in Eopenhagen. daß der große Adel Dänemarks neidisch wurde.. Na, Veter Richelsen hat's klein gekriegt mit Dagmar Lehe. 'Während der Revolution starb sie in Paris, er selbst hatte Mühe, zu flüchten, machte dann noch ein paar Jahre lang große Reisen und kam erst wieder, als alles Geld heidi war und kein Mensch mehr noch eine weitere Hypothek auf den Hof geben wollte. Er heirathete dann. Viel brachte ihm seine Frau nicht mit, eine große Par tie konnte er in seinen Jahren und nach seiner Vergangenheit nicht mehr machen. Es war also nicht glänzend, und als in den zwanziger Jahren die schlechten Zeiten kamen, hatte eS schon damals viel Mühe gekostet, den Hof zu halten. Es war nur ein Sohn da, Hinrich Richelsen. den du als den alten Richelsen kennst. Hinrich war ein großer, schöner Mensch. Daß er seines wilden Vaters Blut im Leb hatte, ließ sich bald merken. Aber trotzdem hätte er jede Tochter, bekommen. Da wäre nun das Verrünftige gewesen, eine der reichsten zu nehmen. Es waren gerade damals schöne, tüchtige, gute Mädels drunter, i'iib jede wäre gern auf dem alten Richelshof Herrin und des schönen Hinrichs Frau geworden. Aber wie das so ist, sein Glück bei Frauen, aus dem er ein neues, festes Fundament für di: olteFamilie hätte bauen können, wurde gerade sein Unglück. Alle liefen sie ihm nach, und eine verdrängte immer die andere bei ihm. Da kam Anna auf den Hof, natürlich brannte er wie Pech und Zunder. Und was noch schlimmer war, auch sie verliebte sich in den präch tgen, , wilden Kerl. Zu erreichen war aber trotzdem nichts bei ihr. Nicht etwa, daß sie aus Berechnung sich ihm versagt hätte: es gibt ganz einfach Mädchen, die es nicht fertig, bekommen, einem Mann zu gehören, der sie nicht für's Leben wählt. Hinrich begriff das nach und nach. Seine Begierde, sie zu besitzen, wuchs aber dadurch nur bis in's Ungemessene. Er bot ihr seine Hand an. Die Zustimmung des Alten wurde schließlich auch erreicht. Der Alte mußte wohl einsehen, daß Hinrich nur zu sehr sein Sohn war. Anna verließ den Hof und ging nach Haus, um ihre Ausstattung zu besorgen. In drei Monaten sollte die Hochzeit sein. Das war aber eine zu lange Zeit. So lange hielt sich Hinrich nicht. In den Krug kam gerade damals eine neue Schenkmamsell Metkathrin Qhlsen. Ihr Dater war ein kleiner Eapitän und ihre" Mutter eine Gelbe", wie sie hier sagen, eine Creolin von Honduras gewesen. Er hatte sie drüben geheirathet, während er ja'hrelang an der südamerikanischen Küste Kapotage fuhr. Die Mutter war bei der Geburt des Mädchens gestorben, er brachte das junge Wurm mit und ließ sie dann hier taufen, drüben wäre sie wohl katholisch geworden. Im Jahr darauf ging seine Brigg in einem Taifun an der chinesischen Küste mit Mannund Maus unter. Geld hinterließ er nicht, er hatte sein ganzes Capital in die Ladung gesteckt, und die Versicherungsprämie hatte er 'mmer ruchlos 'ind keck. 'wie die Leute häufig waren, selbst verdient". Die kleine Metkathrin wuchs bei Ohlsens unverbeiratheter Schwester auf. die cuch richt v'el hatte. Der Balg hat ihr vielSorge gemacht, sie war wie eine alte Henne, die eine schillernde Wildente ausgebrütet hat. Das Mädel hatte schon als Kind den Teufel im Leib. Als die Tante starb, mußte sie sich nach einer Stellung umsehen: der schwere Dienst als Mamsell auf einem Hof. oder die achtzehn Stunden in der Molkerei lächelten ihr nicht. Sie war immer nur für die Arbeit der andern, so kam sie eines ichonen agS als Schenkinamsell hier in den Krug. Kein dummer Gedanke von dem alten Niels. Es wurde ein tolles Leben: der alte Burgunder und der Cliquot flössen in Strömen. ' Die schöne Anna war noch keine vier Wochen weg, da saßHinrich Richelsen auch in ihren Sprenkeln. Ein sündbaftes Geld wurde damals in dem'
Rtm iVTfTrnht ' TKTa FwiH rnrtHirTtrfif
w rMr v v y nichts dagegen, wenn sie denen, die am meisten draufgehen ließen, ein wenig gefällig war. Es wurde ein Hürden rennen um ihre Huld. Alle wußten, daß sie nichts taugte, aber' sie kamen nicht von ihr loZ. Hinrich Richelsen saß mit am festeflen, und. was daZ r . , r
Schlimmste war. er kam vollständig an den Trunk. Jede Nacht saß er da untt poussirte an dem Satan von Weib herum. Gewissensbisse mochte er dabei haben, deshalb trank er aber nur noch mehr. Es kam, wie es kommen mußte. Gute Freimd innen" hatten Anna das Nö hi-e geschrieben, Eims Tags kam sie an auf den Richelshof. Schon ziemlich spät am Abend. Hinrich war nicht zu Haus. Sie wußte aber, wo sie ihn zu suchen hatte. In einem der kleinen Zimmer, die auf den Kruggarten hinausgehen, pflegte er zu sitzen mit dem Racker. Sie hatte sich den Hinrich damals schon ausgesucht, mit ihm saß sie allein. Wenn die andern bedient sein wollten, ging sie immer nur auf kurze Augenblicke hinaus. An jenem Abend ließen sie im heilen Zimmer die Fenster ohne Laden er schon halb betrunken und sinnlos vor Leidenschaft, die Ahnungen der Unglücklichen, die draußen stand, zur Gewißheit werden. Da ist denn aus der lustigen, schönen Annaiuch ein stolzes, wildes Weib geworden: mir schmetterndem Faustschlag hat sie das' ganze Fensterkreuz eingeschlagen. Die schwarze Katze ist aus Angst in Ohnmacht gefallen, als sie das todtblasse Gesicht unter dem. glitzernden Blondhaar in der FensterÖffnung gesehen hat. Anna aber hat nur mit Hinrich gesprochen. Und nicht viel. Nur, daß er ein elender Schurke wäre, hat sie ihm gesagt, dann hat sie sich umgedreht und ist noch in derselben Nackt wieder abaereist. Er verlor den Halt: tn demelven Jahr heirathete er das Frauenzimmer aus der Schenke weg. weil er sie nicht mehr mit andern theilen wollte. Erreicht hat er den Zweck nicht. Wer will solch' Weib hüten! ' Zehn Jahre hatte die Ehe gedauert, da starb sie. Acht Kinder waren da. Sein Vater und seine Mutter waren längst todt, und da saß nun Hinrich Richelsen, der letzte Abkömmling eines uralten Hauses, da saß er nun auf sei nem Hof, von dem ihm nichts mehr,gehörte, hilflos und verkommen mit seinen acht Kindern.-. Ich war der Erzählung des alten Herrn gespannt gefolgt. Nun und?" warf ich hier ein. Nun und," fuhr er fort. Einfach: Anna hörte, wie es m ihn stand sie war auf Fllnen in sehr guter Stelle. Sie war damals noch eine Schönheit ersten Ranges mit ihren siebenundzwanzig oder achtundzwanzig Jahren, und es gab viel reiche Leute, die gern' eine so schöne und tüchtige Hausfrau gehabt hätten. Sie aber gab alles auf, packte ihre Ersparnisse zusammen, und eines Tags stand sie vor Hinrich Richelsen. Ich hätte dich damals halten sollcn." sagte sie zu ihm. Ich durfte dich ihr nicht lassen. Wenn du willst, komme ich zu dir. führe dein Haus uno erziehe deine Kinder." ' Seit fünfundvierzig Jahren ist sie da. Geheirathet hat sie ihn nicht, Tz hat nicht einmal davon reden dürfen. Acht Kinder waren ja auch für den verschuldeten Hof schon viel zu viel, und sie brachte es zwar fertig, sich für ihn und seine Kinder zu opfern', aber sie brachte es auch jetzt noch nicht 'fertig. Metkathrins Nachfolgerin zu werden. Sie war einfach seine Magd, dabei allerdings die Herrin des Hofs. Es war eine furchtbare Arbeit, unter den Umständen den Besitz zu beHäupten. Hinrich war kaum eine Hilfe, nie zuverlässig, von Zeit zu Zeit immer wieder in den Trunk zurückfallend, in der gefährlichen Weise der Quartaltrinker. Zu Sekt und Burgunder langte es natürlich nicht mehr, aber Branntwein thut's ja auch. Welches Kreuz hatte sie allein daran. Als sie merkte, daß er von Zeit zu Zeit das Zeug haben mußte, sing sie an. ihn zu studiren und zu discipliniren, sie selbst holte ihm dann den Schnaps,' um ihn ihm dann wieder nach und nach zu entziehen. Niemand im Dorf sollte wissen. daß er trank, daß er sich bis- zur vollen Würdelosigkeit in Scknaps betrank. Nur wenn ihm nicht ut" war, trank Richelsen gelegentlich einmal Branntwein. Sie glaubt heute noch, daß das Dorf es ihr glaube. Die Kinder blühten unter ihren Händen auf, alle bildhübsch, gesund und scheinbar gut geartet, liebe, herzige Geschöpfe, so bis zur Reifezeit. . Dann schlugen sie um. Alle ihre Mühe und Sorge, alle ihre Liebe und Arbeit wa. ren vergeblich, einer nach dem andern verloren und verdorben. Nur der Jüngste hat sich wieder auf sich besonnen, ti war Seemann, und als die gefährliche Zeit kam, wurde er gerade so ein Windbeutel und Durchgänger, oie die andern auch. Aber wi gesagt, er besann sich auf sich, er ging cli Eavitän nach Ebina. blieb dort und gründete ein kleines Geschäft, er soll Geld verdienen. Für den hebt Gammel Anna den Hof auf, wenn Drees so viel bei einander hat, daß er einen. Theil der Schulden ablösen kann und noch ein vernünftiges Betriebscapital' übrig lxhält, will er herüberkommen. Er muß jetzt sechsundvierzig, siebenundvierzig sein. Noch ist er unverheirathet. Wenn er so weit ist, wird er sich wohl hier umsehen unter den Töchtern des Landes. Darauf freut sich Gammel Anna. -Das will sie noch erleben. Dann könnten, sagt sie, Vadder" und sie sich ja zur Ruhe legen. Nun, was Meinst du. Ist Stil in diesem Leben oder nicht? Und komm mir nicht etwa mit dem Einwand: was hat sie von ihrem Leben gehabt. Sie hat ein reiches Leben gehabt. ' Die Freude an sich selbst und an dieser Erde hat sie nie einen Augenblick verlassen." Ich traf Gammel Anna ein paar Tage'dc-auf auf der Dorfstraße.l Ich hatte ur jr? gut mit irr ' , ( Os!57.d:n ' : czr
den immer -nur dänisch gesprochen hatte, redete' 'mit mir deutsch aus Höf lichkeit, was sie deutsch nannte. Ich. der ich im Hause meines Großvaters, wo die deutsche Sprache auch mir gegenüber nur ausnahmsweise Anwendung fand, ganz gut plattdänisch gelernt hatte, besaß den Ehrgeiz, mein Dänisch anzubringen. Ich fragte sie auch in tadellosem Kartoffeldänisch: Nun, was meinen Sie zum Wetter heut?" Aber wieder kam auf deutsch" die Antwort: So diesige Luft außen vor. Wir können chut noch Feuer im Ösen haben Warum laufen Sie so? Darf ich ein Stück mitkommen?" Nein, danke. Ich komme ssu und holen Vadder ein kleinen Snaps, er hat es nicht chut." Ihr cltes Gesicht leuchtete in Güte und Lebensfreude. Dem Grabe schon so nahe, sagte sie noch ja zum Leben, wie man es, heute bei der Jugend kaum findet. Ihre wimperlosen Augen lachten. . Ueber den braunen, welken Mangen lag ein rother Schimmer, trotz der tiefen Runzeln, die die Jahre und die Sorge, die Wind und Wetter hineingegraben hatten. Sie gab einem selbst Frohsinn und Muth: man sah in ihre fröhlichen Greisenaugen, und man freute sich seines Daseins. Alles ist relativ. Meia Großvater hatte recht: ein reiches Leben !
O'J Von M. Sommer. Her? Professor." rief der Diener, schüchtern ins Atelier tretend, denn er wuß!c, wie sthr ungern sein Herr sich bei der Arbeit stören ließ. Herr Professor, draußen wartet eine Frau, die sich trotz aller meiner Reden durchaus nicht abweisen lassen will." Kennst Du sie?" 'Sie wohnt im Hinterhaus 4 Treppen hoch; es ist, glaube ich, eine Na herin." So, nun, reich wird sie wohl nicht sein; laß sie kommen." Die Frau, die gleich darauf hereintrat, war sehr dürftig in Schwarz gekleidet; aus gar verschiedenen Stücken mochte ihr Anzug wohl zusammengesetzt sein und hin und wieoer mochte sie die Enden gewandt haben, um sich die dürftigen Zeichen äußerer Trauer zu geben, die bei den Reichen oft als Schmuck mißbraucht werden. Ihre Hände hielten ein kleines Päckchen und nun ihre vom Weinen matten Augen sich auf den Maler richteten, lag darin ein Ausdruck so zurückhaltender Schüchternheit, daß er ihr freundlich zu Hilfe kommend fragte: Sie wünschen Etwas von mir?" Wie 'frauenhaft weich war diese Stimme, welche Seelenqllte sprach aus den klugen, fröhlichen Augen, deren Schimmer an Sternenglanz erinnerte; wie wußte er den Ton zu treffcn, mit dem man zu armen Leuten spricht, als hätte er zeitlebens mit ihnen verkehrt, und der auch hier den Bann des Fremden brach. Mein Kind," sagte sie leise, ist heute früh gestorben, mein licbes, kleines Kind; ich hatte nichts sonst auf der Welt, und nun bin ich ganz allein; bald werden sie es holen, und da ich dachte verzeihen Sie, ich wußte nicht " sie blickte auf das Geld in ihrer Hand, und verlegen, beschämt im reichen Zimmer umher. Da dachten Sie," fiel er freundlich ein, ich könnte Ihr Kindchen malen." Sie nickte fast unmerklich. Er nahm Farben und Pinsel und dem Diener abwinkend schritt er mit einem Kommen Sie" der Frau voran. drei hohe, enge Treppen. Im einzigen Zimmerchen' lag das Kleine. Nun besann er sich, er hatte es oft im Hofe spielen sehen und sich über das liebe, freundliche Gesichtchcn, die großen, klaren Augen gefreut; er hatte Kinder so gern.' Und nun war Alles vorbei. Er ordnete die weißen Blumen und ging an die Arbeit. Die Mutter saß mit gefalteten Händen in der fernsten Ecke und wagte nicht auf ihn zu seh?n. Schon standen in leichten Umrissen die Züge des todten Kindchen? auf der Leinwand, als er sie aber betrachtete, schüttelte er wie unzufrieden mit dem Kopf und hielt mit der Arbeit inne. Blaue Augen hatte es?" fragte er plötzlich. Sie nickte. Und weiter arbeitete er, hastig, ohne anfzusehcn. Die Sonne stieg höher, es wurde Mittag, Nachmittag und schließlich Abend, er arbeitete noch im mer, nicht einmal mehr auf das todte Kindchen blickend. So," sagte er endlich und stellte das Bild auf einen Stuhl in das rechte Licht, nicht wahr, es ist ähnlich?" ' Die Frau trat näher, dann sank sie stumm vor dem Bilde auf die Knie; von der Leinwand schaute es sie so bcrzig an; nicht der kleine Engel im Sarge, sondern lebendig mit dem fröhlichen Lächeln um den kleinen Mund. Sie weinte nicht, sie dankte nicht, sie war .ganz darin verloren. Leise nahm' der Maler sich eine Blume aus dem Kranz, leise schlich er sich fort, nur ein Sonnenstrahl folgte ihm, und ein Sonnenstrahl fiel auf tos Bild. , Auf dem Anstand. Von Ernst Konrad. Seit einer Stunde saß der Gut. n 4t A JiL. . V.9 T f " ciuu cc um yianoc oes v)eooi' zes. Bor ihm Sturzäcker, .dann eine Wiese und jenseits Kiefernwald, also eine Stelle, wie sie für einen Waidmann, der auf Anstand gegangen ist, nicht besser geschasser, werden kann.' Der Nebel des Dezembe.morgenS zer theilte 53 nur !',gsam. die (Zonne fti: er r - r::-"f:-
ten, ehe sie Siegerin' blieb. Und noch ehe ihr erster Strahl die Mutter Erde erreicht hatte, huschte ein Hasenpaar über die Wiese, dann trat ein Reh aus, dem ein Hirsch, kapitaler Aierzchnender folgte. ftrifc Schäfer hielt die Büchse schuf' bereit; als der Hase gerade ihm gegen über ein Männchen" machte, kribdelte es ihm in allen ningern. Aber er rührte keine Hand. Dann da5 Reh, . . . der Hirsch , aber der Jäger hockte thatenlos auf seinem Einsts. Mein Herr," hatte ihm am Abend zuvor Grethe Waldow erklärt. . Ihr Antrag ehrt mich, Mama wird nicht nein" sagen, aber sehen Sie, ich muß. ehe ich mich entscheide, wissen, daß Sie sich beherrschen können." Kann ich." behauptete Fritz. Ja?" zweifelte Grethe. !un. ich werde Sie auf die Probe stellen. Sie sind doch ein leidenschaftlicher Jäger vor dem Herrn ?" Jawohl." betheuerte er. ich schieße Alles kurz und klein. Wenn's mit einem Reh nichts ist. knall ich die Hasen nieder und schließlich ist kein Spatz in der Lust vor meinen Schroten sicher." Ach psui," sch:uollte sie, wer kann denn Gefallen daran finden, immer die armen Thiere todt zu schießen. Die haben doch schließlich auch ein Recht auf Leben. Und da wollen Sie morgen vor Tagesanbruch wieder auf den An stand gehen und Alles todten, was in den Bereich Ihres Flintenlaufes tritt?" Ja. hm. nun freilich," meinte Fritz Schäfer, auf den Anstand werde ich gehen, aber.. .." Kein aber" mein sehr geehrter Herr Fritz," entschied Fräulein Grethe, Sie werden keinen Schuß abgeben, wenn " das Fräulein machte eine Verlegenheitspause, während welcher sie sta k erröthete, na, sagen wir, wenn ich Sie morgen früh vom An stand abholen soll. Natürlich muß ich mich überzeugen, daß die Läufe Ihres Gewehre? innen blank sind wie zwei 'Spiegel". Mit einem sehr eleganten Knir hatte sich Fräulein Grethe hieraus verabschiedet. Nun hatte Herr Schäfer die halbe Nacht gesessen und die Läufe seiner Doppelbüchse gereinigt, bis sie aus , atzen wie polnt. Und zetzt hockte er hier und that so, als ob ihm das Jagdsieber vollkommen aus 'den Gliedern gefahren sei. b sie" wohl kommen würde? Da bewerten sich drüben die Sträu cher, vorsichtig schlüpfte ein Tbier in die nächste Ackerfurche. Fritz Schäfer machte große Augen, alle Wetter, das war ja eine ganz seltene Jagdbeute, ein Fuchs. ?a hob er denn doch ganz bedeutsam das Gewehr. Aber jchleunigft ließ er es wieder sinken, als der Fuchs, durch Schritte, die kni. stcrnde Zweige zerbrachen, erschreckt. Kehrt machte und nach seinem Bau retirirte. Und da tauchte wirklich und wahrhastig Fräulein Gretbe auf. Nun mein Herr." lachte sie. guten Morgen! Sie sehen, ich halte mein Wort, wie ist's mit dem Ihrigen be schassen?" Statt jeder Antwort schlug Fritz Scbä'er sein Gewehr hoch. llapvZe den Schaft zurück und ließ die junge Däne durch die äufe blicken. Wahrhaftig." stellte sie fest, blitzblark. tein Schuß abgefeuert. Also, mein Herr, ich erläre. daß sie wirklich im Stande sind, sich beherrschen zu tonnen." .Nun. und?" fragte er mit balberstickter Stimme. Da lag ihm Grethe an der Brust und ehe er sich's versah. ein so herzhafter Kuß. daß sammt licbe Hasen wie toll über das Sturzfeld Haken schlugen und ein Rcbbühncrvolk mit lauten Flügclschlag aufstieg. Gelsund "itf.
WaZ frag' ich viel nach Getd und Gut Aeußerst lieblich klingt diese Melodie. Ein Strom von Heiterkeit fließt daraus, in anmuthigem Takt wiegt sich das Haupt, uno das Herz hört stille zu." Aber aber an die Thüre pocht bereits die Prosa. Wenn ich auch nicht nach Geld und Gut fragen will, das Leben fragt danach. Sehr hart, sehr zudringlich sogar, so daß sich all die lieblichen Melodien von Zufriedenheit und frohem Sinn in DisHarmonie auflösen. Ja, die Frage nach Geld und Gut! Wer sie aus der Welt schaffen könnte! Mancher trägt leichter die Schmerzen des Herzens als die des Beutels, und mancher tauschte auch willig eines mit dem andern aus.' Es ist thöricht, sich ausschließlich mit der Frage nach eld und Gut zu beschäftigen, d. h. so lange wir unser Auskommen haben, - ohne jeden 'Tag aufs neue darum zu sinnen. Es ist in vielen Fällen auch thöricht von verheiratheten Frauen, deren Männer in festen und erwerbenden Stellen sind, wenn sie sich mit dieser Sorge das Leben schwer machen. Die Frau hat in diesem Fall nur darauf zu sehen, daß das ihr verständigerweise ausgesetzte Wirthschastsgelp reiche. Kann sie etwas davon ersparen ohne Geiz natürlich, und ohne die Behaglichkeit des Hauses zu . stören um so besser. Kann sie es nicht, so giebt es der iedalen Schätze genug, die sie als edle Zukunftssaat ausstreuen kann: Die Bescheidenheit in den Sinn der Kinder, die Anspruchslosigkeit, die Achtung vor der Arbeit, das in Ordnung gefestete Fundament der Mrthschaft. Eine ganze Reihe Dinge, die nicht bloß im idealen Sinne mehr werth sind als Geld und Gut, sondern .auch in' irgend welchem plötzlichen Schicksalswechsel die Ausgabe von Geld und Gut ersparen, welche Unordnung und Verwöhnung immer mit sich bringen. Das Lied geht in seinem zweiten Vers Mnn ich zufrieden bin." . .. Glücklich de-n die Gabe der Zu-frieb-'-' 'tt:r Natur zutheil .f' N5?rnkt?i-, , v
gleichsam von den Glückswellen getragen werden, und die da kein anderer Staub sie belästigt über die Sonnenstäubchen klagen, die ihr Auge blenden. Die eigentliche Zufriedenheit erlangt der Mensch auch erst dann, wenn er der schwersten Sorge um das tägliche Brod für sich und die Seinen enthoben ist. So lange das nicht ist, wäre es wirklich zu genial", zu singen: Was frag' ich viel nach Geld und Gut." Im Allgemeinen aber soll man die'Sorge um das tägliche Brod nur so lange im Vordergrunde seiner grübelnden Gedanken stehen lassen, wie es nothwendig ist. Die Sorge für morgen gönn: mir schon noch ' ohne Moralpredigt" wirft eine liebe Leserin ein: denn siehe, so bin ich: ob ich heute etwas zu essen habe, das grämt mich nicht, wenn ich nur weiß', ich habe morgen etwas." Ich muß lächeln: so verständig bist Du, theure Leserin, so lieb und gut, daß ich Dir Gewährung nicke. Aber nicht wahr, die Sorge um übermorgen wol-, len wir den schwerblütigen Menschenlindern verbietru? Nicht etwa verbieten mit leichtem Sinn und gläubigem Bibelwort denn erst, wenn wir das unsere thun, thut Gott das feine fondern mit dem ernsten Hinweis auf die eigene Pflicht. Ich habe gethan, was ich konnte, mehr kann ich nicht, nun helfe mir Gott!" das ist ein heiliges Gebet. Und dieses Gebet schließt auch die Zufriedenheit in sick: es wehrt der nervösen Unruhe, die pflichtvergessene P:rsenen so leicht befällt, es wehrt aber auch dem leichtfertigen Lachen jener, die sich aufs Schuldenmachen verlegen und nicht selten ihr eigenes Unglück auf die Schultern anderer abwerfen. Vacclnatlon Parties,
Die Blatte?" die feit einigen Monaten. in der Hauptstadt Englands auftreten, haben der Londoner Gesellfchaft Gelegenheit zu einer ganz origineller Art von Geselligkeit gegeben. Nach der Evening Party", der Tea Party" und der Garden Party", sowie allen anderen schon längst abgedroschenen Parties" kommt nun als neueste Forderung des guten Tones und der Eleganz die Vaccination Party", die. wie schon ihr Name verräth, ine Unterhaltung ist, zu der die vornehme Welt sich einfindet, um sich impfen zu lassen. Die bei einer Gesellschaft solcher Art unentbehrlichste Persönlichkeit ist natürlich ein Arzt oder, noch besser, ein Chirurg. Die Dame, die ihren ganzen Stolz darein setzt, ultrachic und elegant zu sein, cngagirt für ihre Vaccination Party einen männlichen Ar?t. um die besaote Procedur an den Damen, und einen weiblichen, um sie au den Herren vornehmen zu lassen Noch niemals sind die Aerzte so gefeiert worden, wie gerade jetzt in London; sie werden buchstäblich mit Einladungen überhäuft. Die Milliardärinnen .laden zu ihren Vaccination Parties die Leuchten der Wissenschaft ein, die gewöhnlichen Neichen müssen sich mit weniger berühmten Aerzten begnügen. Der übcrtriebene Luxus und sein Zwillingsbruder, der schlechte Geschmack, haben natürlich auch bei dieser modernsten Art der geselligen Zusammenkünfte ihren Antheil gehabt. So ließ eine vornehme Londoner Dame, die um jeden -Preis glänzen und ihren Gästen etwas ganz Außerordentliches bieten wollte, zu iyrem Empfangsnachmittag eine junge Kuh herbeischaffen, von der der Impfstoff direct genommen werden sollt:. Die Kuh aber führte sich schlecht auf; in ihrer völligen Unkenntniß der elementarsten Forderungen des guten Tones brachte sie ' ihre Stallmanieren mit in den Salon, und so mußte man das ungebildete Vieh schleunigst wieder hinausführen.' Das war nun eine mißlungene Ueberrafchung gewesen, die keine Nachahmung fand. Deshalb bringen jetzt auch die Herren Aerzte das Kuhpockengift in der Tasche mit in die Gesellschaft. Die Damen erschienen zur Vaccination Party anfangs im geschlossenen Kleide und mit langen. Aermeln, die man für die Operation aufstülpte. Diese Bewegung war jedoch keineswegs graziös, ja Manche fanden sie sogar shocking". Man erwog daher eine Zeit lang die Möglichkeit. im ausgeschnittenen Kleide und mit kurzen Aermeln zu erscheinen. Das wäre jedoch ein unverzeihlicher Anachronismus gewesen; denn die Thrannin Mode will, daß man nur zu Abendgesellschaften dekolletirt komme. Was thun? Da fand eine Damenschneiderin deS West End die Lösung des Problems: sie lancirte eine Vaccination - Toilette, nämlich eine bis an den Hals geschlossenes Kleid mit lan gen Aermeln, die aus Reihen vonBändern, Spitzen und Pailletes bestehen. Dadurch wurde' s möglich, von der bloßen Haut nur so viel sehen zu lassen, als es Nachmittags der gute Ton erlaubt und zugleich den Aerzten das nöthige Operationsfeld mit Grazie zu eröffnen. Kurz, es ist eine entzückende Toilette, die allen Anforderungen der Wissenschaft und des Savoir Vivre' entspricht. Und so ist die Vac. cination Party" zum Saisonereigniß geworden. Schon kamen mehrereVerlobungen zwischen zwei Lanzettestichen zu Stande. Uebrigens ist dies gar nicht der einzige Vortheil, den die vornehme Welt Londons aus dieser Epidemie gezogen hat; denn man wird von nun an, um das Eis u brechen", nicht mehr seine Zuflucht zu einemGesprühe über das Wetter nehmen müssen, sondern einfach fragen: SindSle schon geimpft worden?" ' Schwer von Begriff. Gesanglehrer: Ich weiß nicht, wie Si, unmer wieder dieses dun--.Hast Du mich lieb" spielen i Oackfisch: Ach, $tj im birrlc!"
Berühmte Junggesellen. Alexander v.' Humboldt antwor'leteeinstmals einer Französin, welch- ihn fiagte. ob er niemals geliedt hab:: Meine Liebe hat immer nur der Wis senschaft gegolten!" Wie Humbo'.d ist auch Leibniz unvermählt geblieben. Er hegte den Grundsatz, man müsse sich erst vierzig Jahre besinnen, bevor man einen so wichtigen Schritt thue. Und als er sich endlich genug besonnen hatte, wies die Frau, di: er heirathen wollte, den Antrag ab, weil auch sie stch besonnen hate. Eii Junggeselle blieb auch Leibniz' Zeitgenoffe Isaac Newton, der sich sogar oftmals seine Mahlzeiten selbst bereitete. Bekannt ist die Geschichte, wie einst seine Haushälterin, die er fortgeschickt hatte. ihn bei ihrer Rückkehr dabei betraf, wie er statt ines Eies, das er hatte kochen wollen, seine Uhr ins kochende Wasser geworfen hatte, während er mit dem Ei in der Hand dabei stand. Rousseau, der ebenfalls Junzzeselle geblieben war, wurde in den letzten Iahren seines Lebens von einerHaushälterin in furchtbarer Weise tyranni- ' strt. Voltaire. Plato. Petrarca, Tasso. Dante. Spinoza. Calderon. Nichelieu stnd unvcrmählt gestorben. Von Zeueren seien in bunter Reihe erwähnt: Heinrich v. Kleist. Hölderlirk. Grillparzer. Hamerlinq. Bauernfeld Gottfried Keller. GrafTchack. Roquette, Nietzsche, Brahms. Auch unter den Politikern gab es viele Verächter der Ehe. Von den Politikern unserer Tage seien nur Gamvetta. Caprivi Lasker und Windthorst erwähnt. Diedrei bedeutendsten Künstler aller Zei ten. Raphael. Michelangelo, Leonardoda Vinci, stnd unvermählt gestorben. Freilich kann man diese wohl kaum in die Reihe der eigentlichen Junggesellennaturen rechnen. Solche echte Junzgesellennaturen waren zum Beispiel Kant und Beethoven. Kant äußerte stch über das weibliche .Geschlecht folgenderma'en: Ein Frauenzimmer soll sein wie eine Thurmuhr. um Alles pünktlich und auf die Minute zu thun, und doch auch nicht wie eine Thurmuhr, sie muß nicht alle Geheimnisse laut verkünden; ste muß wie eine Schnecke häuslich, und auch nicht wie eine Schnecke, ste muß nicht all das Ihrige am Leibe tragen." Ganz besonders waren dem Weisen von Königsberg die gelehrten Frauen unbehaglich. Sie brauchen", so meinte er, ihre Bücher wie ihre Uhren; ste tragen sie, toimtt man steht, daß ste eine daben, obschon sie gewöhnlich still sieht." Bezeichnend für Kant's Meinung über die Frauen ist auch, eine Antwort, die cr einmal in der Gesellschaft der Gräfin Königsmark gab. Können Sie wohl", so fragte die Gräfin, der Sie ein so großer Menschenkenner sind, gleich beim Eintritt in ein Haus wahrnehmen, ob der Mann oder die Frau die Herrschaft führt?" O,ja", versetzte der Gelehrte, bemerke ich, day eine große Stille im Hause herrscht , und durchaus kein Widerspruch stattfindet, so schließe ich. daß die Frau das Regiment führt." Kant's Häuslichkeit wurde von seinem Diener Lampe in Ordnung- gehalten, was man so euphemistisch in Ordnung? nennen darf. Es störte Kant sogar, wenn der alte Lampe die gewohnte Unordnung irgendwie störte. Und ein ganz ähnliches Bild erhält man von Beethoven. Seine Lebensführung wird in der folgenden Weise geschildert: Den ganzen Vormittag beschäftigte er stch mit dem Niederschreiben seiner Gedanken. Kaum hatte cr beim Mittagessen den letzten Bissen verzehrt, so lief er im Geschwindschritt, als würde er gejagt, zweimal um das Straßengeviert, innerhalb dessen er wohnte. OS es regnete, schneite oder hagelte, ob es schneidend kalt war, oder ob es.donnerte und blitzte, er machte seinen gewohnlichen Spaziergang". In seiner Wohnung herrscbie eine grenzenlose Unordnung. Bücher und Mustkalien lagen überall umher; hier sah man die Ueberreste eines kalten Frühstückes; hier volle, dort leere Flaschen, auf dem Schreibpulte die hingeworfene Skizze zu einem neuen Quartett, in einer Ecke Brod, auf dem Pianoforte gekritzelte Gedanken zu einer Symphonie, daneben einen Eorrekturbcgen. Trotz diesei Unordnung rühmte er fortwäh-. ren mit wahrhaft ciceronischer Vcredtsamkeit seine Ordnungsliebe, und wie nett es bei ihm aussebe. Der Componist ' hatte in keiner .Wohnung Ruhe. Einmal hatte er nicht weniger als vier Wohnungen auf einmal. In Allem, was nicht seine Musik betraf, war er höchst ungeschickt; er konnt: kaum etwas in die Hand nehmen, ohne es fallen zu lassen und zu zerbrechen. Er rasirte sich selbst, aber man sah tl auch an seinem zerfetzten Gesichte. !s behauptete. Beethoven habe es -le.nals dahin bringen können, tzivz Tanzen Takt zu halten. Man kznn wohl kaum treffender das Wesen eine unaaesellen schildern, als es durch diese Züge aus dem Leben Kant's und Leethoven's geschehen. Und doch wäre für Beide die Ehe vielleicht das Grab ihrer genialen Größe geworden. Seltsames Z c i cy e n. Tochter: Du, Mama, ich glaube. .H:rr Schmidt hat ernste Absichten" Mut ter: Woraus schließt Tu das?" Tochtcr: .Er mcht so viel Svaö mit mir!' Das Unglück. Lehrer: Der Rabe war also der Unglücksvogel der alten Germanen. Weitz viellücyt noch Jemand einen Unglücksvogel mir zu nennen?- Die sechzehnjährige Frieda: .Der Storch!" . Enfant terrible. Die Erbtante: . Was mein lieber kleiner Reffe Fritz für ein Prachtjunge ist! Mir giebt er zwei Bonbons und Papt und Mama nur je einen. Du , fast mich gewiß besonders lieb, nicht wahr. ;,! Nur
