Indiana Tribüne, Volume 25, Number 150, Indianapolis, Marion County, 17 February 1902 — Page 7

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Slrnun ron Daniel Lcs eu (Fortsepng.) ,Du hast nicht im mindesten verändert, Nadjz. es ist kaun: zu glauben man könnte wirklich meinen, Du seiest immer noch fünfzehn Jahre alt." Herr von Brnaz. der sich an's gen s'er gestellt und gethan hatte, als ob tz hinaussehe, um tt ersten Frcundschafisergüsse nicht zu stören, konnte sich bei diesen Worten nicht enthalten, sich umzudrehen. Also fiel dies kindliche Aussehen der Gräfin, das ihn so sehr entzückte, auch allen Anderen auf! .Es beglückte ihn, zu hören, daß sie mit fünfzehn fahren schon genau ausgesehen habe, wie jetzt, und er versuchte, sie sich vorzustellen, wie sie in früheren Jahren gewesen war, und dadurch einen Antheil an ihrem verflossenen Leben zu gewinnen. Conia bemerkte die Erregung des Marquis, und sah den raschen und tiefen Sites, den er auf die Gräfin heftete. Die Nihilistin blieb einen Augenblick regungslos vor Schrecken über den erstaunlichen Sedanken, der in uj aufgestiegen war. Dann aber sagte sie rasch: Wir haben nur wenig Zeit, und müssen ernste Dinge besprechen. Herr von Brnaz hat mir Dcine edlen Ptäitt des Längeren eilä'utert." Sie zeigte sich Nadja gegenüber von Anfang an entgegenkommender und versöhnlicher, als sie es Hubert gegenÜber gewesen war. Die Worte .i'lmosen," Barmherzigkeit" uno dergleichen, die über die Lippen der Gräfir, kamen,5ogen weder die bitterenikedensarten ncch eine Erläuterung ihrer UNerschütterlichen Grundsätze nach sich, wie Hubert sie ha-ite über sich ergehen lassen müssen.. Die Nihilistin schien für den Augenblick ihre sozialen Forderunaen vergesser. zu haben, wenigstens "schilderte fii nur das geouloig un) ergeben ertragene Elend der Flüchtlinge und Ausgewiesenen. daZ sie in Deutschland und in der Schweiz sowohl, als auch in den Spitälern und, Mansarden der Vorstädte von PariZ unzählige Mal mit angesehen hatte. Ach sagte sie. ihr reichen Leute, die Ihr Euch um eingebildete Sorg::: quält, habt ja keine Ahnung davon. was menschlicher Schmerz in Wahrheit ist! Und dann behandelt Ihr uns auch noch als Verbrtther, weil , wir, wenn auch manchmal mit : Gemalt, Abhilfe zu schaffen suchen." .Sag ' dies " nicht, sag dies nicht, Sonia!"' rief die junge Gräfin. Ach, wenn Du wüßtest, wie ich Dich bewu;-. dere!. ... Wenn ich an Deine ang:strengte Arbeit, an Deine freiwilligem Entbehrungen, an die Nächte den!e, die Tu an den Betten kranke? Zettle durchwacht hast, da möchte ich unnützeZ, oberflächliches Geschöpf mich am lieb sten vor Dir auf die ülnie werfen!" Bei diesen Worten ergriff sie die Hand ihrer Freundin, drehte sich nach dem Marquis um und sagte: Nicht, wahr, Herr von Brönaz, sie ist eine' Heilige, eine wahre Heilige!" Herr von Brönaz nickte zustimmen) mit dem Kopf, war aber in seinem Inneren wenige? denn je geneigt, an die Heiligkeit Sonias zu glauben. Als er ihre volle Selbstbeherrschung be cbachtete, als er sah. wie geschickt sie ihre Taktik und ihre Beweisgründe nach dem muthmaßlichen Temperme.-t der Anderen zu ändern verstand, da fing er an. den kalten Scharfsinn, der in ihrem Fanatismus lag. zu erkennen. Er war sich auch völlig klar darüber, daß sie Nadja durch und durch kannte uns einen außerordentlich großen Einfluß auf deren weiches Gemüth autübte. Ehe eine halbe Stunde verfloß, waren die beiden jungen Damen eifrig damit beschäftigt, einen Plan für ihr gemeinschaftliches Werk zu entwerfen und die sehr beträchtlichen Summen festzustellen, die Frau von Miranoff jährlich bezahlen sollte, theils um armen Studenten ihr Studium zu erleichtern, theils um es verlassenen Müttern zu ermöglichen, ihre Kinder selbst aufzuziehen, oder um braven Arbeitern über die flaue Zeit" oder über Streiks hinweg zu helfen,, an denen sich zu betheiligen sie von einer ungestümen Mehrheit gezwungen wurden Als das Wort Streik" siel. grisf der Marquis in die Unierhaltung ein. Bitte, Gräfin," sagte er. vergessen Sie nicht, daß Sie beschlossen haben, nur für wohlthätige, nicht aber für politische Zwecke Geld zu aeben." Aber," fiel Sonia rasch ein, bei jedem Streik gibt es auch unschuldige Opfer: Leute, die arbeiten wollen und daran gehindert werden...." Mit wachsender Unruhe mußte Herbert nun zusehen, wie die beiden Damen sich an dem großen Schreibtisch Fräulein Kawetschins niederließen, Papier und Federn erzrifsen und ansingen. Zahlen aneinander zu reihen. In der Erregung, von der Freude über ihre edelmüthige Verschwörung. tzn glühendem Opscrmuth und dem Drang zur Sühne erfüllt, schrieb Nadja mit fliegender Feder. Denn jetzt war es nicht mehr allein der blutige Mißbrauch, en der Gras Miranosf mit seinen Machtbefugnissen getrieben hatte, und um dessentwillen viele Tausende seinem Namen fluchten, jetzt war, es auch die in ihrem Herzen wachsende föuldiae Liebe, die sie süb-

nen wollt. So kam e. oag it in oiesem Augenblick Sonia nichts abzuschlagen vermochte. Unter dem .Diktat der Nihilistin buchte sie in ibrem Buoget sogar eine sehr beträchtliche Summe zur Unterstützung einer volksthümlichen Zeitschrift, da Fräulein Kawetschin erklärte: Die große Masse bedarf der Belehrung so gut als des täglichen Brotes!" Aber in dieser Zeitschrift werden Sie auch Politik treiben!" rief der Marquis. Politische .Oelonomie," verbesserte das junge Mädchen, und warf Hubert einen einigen, bösen Blick zu. . Brsnaz antwortete nicht mehr, denn er fühlte, daß Frau von Miranoff heute keinem vernünftigen, vorsichtigen Wort zugänglich war, und Sonia durfte er um. keinen Preis mißtrauisch machen. Der Blick 'dieses furchtbaren jungen Mädchens gab ihm zu denken. Sie war keine allein stehende Fanatikerin; hinter ihr stand eine soziale Macht, und unüberlegter Weise mit ihr anzubinden, hieß unter Umständen eine Katastrophe, heraufbeschwören, statt sie vermeiden. In diesem Augenblick schreckte Hubert vor der freiwillig übernommenen Aufgäbe, die Gräfin bei ihrem gefährlichen Abenteuer zu beschützen, zurück. Innerlich tief erregt, schwieg er vorläufig, um keinen falschen Schritt zu thun. Sobald , er sich aber einen festen Schlachtplan entworfen haben würde, wollte er energisch vorgehen und nichts mehr dem Zusall überlassen. Für den Augenblick richtete sich seine Aufmerksamkeit auf ein Ziel, das cr sofort erreichen mußte; er wollte sich des von der Gräfin mit Notizen und Zahlen bedeckten Papieres bemächtigen, oder die Gräfin überreden, es an sich zu nehmen. Schon streckte Hubert die Hand danach aus, als Fräulein Kawetschin. im Begriff, hinaus zu gehen, sich noch einmal umdrehte. Wieder kreuzten sich die Blicke der Beiden. Sie kam an den Tisch zurück, und ohne ihren herausfordernden Blick von ihm abzuwenden, nahm sie das Blatt Papier, faltete es zusammen und schlb es in ihre Tasche. Bitte um Vergebung." sagte der Marquis, aber das ist der Ueberschlag Frau von Miranoffs. dessen sie bedarf, um die Summen zusammenzustellen..." O nein," rief Nadja unüberlegt, der Plan ist ja noch nicht endgiltig festgestellt! Außerdem nehme ich ihn lieber nicht mit ich könnte ihn zu Hause verlegen!" Lächelnd hielt Sonia ihre Augen auf die des Marquis gerichtet. Kaum hatte sie das Zimmer verlassen, als der junge Mann Naöjas Hand ergriff, sie heftig drückte, als wolle er dadurch seinen Worten mehr Ausdruck verleihen, und ihr hastig zu flüsterte: Sie wissen nicht, was Sie thun, Gräfin! Sie richten sich zu Grunde!. . . . Sie hat Sie zum Besten!" Verblüfft blickte Frau von Miranoff ihn an. aber er konnte nichts weiter saen. Er hatte kaum noch Zeit, sich eiligst zurückzuziehen, denn soeben erschienen die beiden Verlobten auf der Schwelle des Gemaches. Offenbar hatte Sergius Krilovsky unter der offenen Thür gewartet, bis Sonia ihn holte; wenigstens hatte nicht das leifeste Geräusch oder Flüstern ihr Kommen verrathen. Ftäulein Kawetschin trat zuerst ein. und sich halb nach dem jungen Mann umwendend, stellte sie ihn mit hochtra bendem Ton und entsprechender Hand bewegung vor: Herr Doktor Sergius Krilovsky." Ein schmächtiger 5törper. in korrekrem. schwarzen Anzug; ein schmales, bleiches Gesicht, auf dem sich die feine schwarze Linie des Schnurrbartes scharf abhob und aus dem zwei tieft dunkle Augen hervorleuchteten; eine hohe Stirne, der unablässiges, ernstes Denken schon Furchen eingegrabe?. hatte so erschien der Pole. Zergliederte man seine Züge und betrachtete man die eleganten Linien seiner Glieder, so hätte man ihn eigentlich trotz seiner fahlen Gesichtsfarbe und seines schmächtigen Wuchses hübsch sinden müen. Allein es war unmöglich, seine Züge im Einzelnen zu betrachten, weil man sich durch ihren Ausdruck sofort überwältigt und geblendet, um nicht zu sagen faszinirt. fühlte. Von der Erscheinung dieses achtundzwanzijährigen jungen Mannes schien ein Strahlvon Intelligenz und angespanntester Willenskraft auszugehen, und dies innere Leuchten verklärte die äußere Hülle. War er häßlich oder schön? War er groß oder klein? Man wußte es nicht r.ehr zu sagen, sobald man die Macht seines Blickes empfunden hatte, aber das wußte man. daß er nicht der erste Beste war. und daß man es mit einer ausgeprägten Persönlichkeit. mit einer sittlichen Krft, zu thun hatte. Auf den ersten Blick begriff Herr von Br6naz, daß Krilovsky einen ungeheuren Einfluß auf seine Partei ausüben mußte er war ein geborener Führer, ein Scelenfänger. Er gehörte zu jenen Wesen, von denen sich kindliche Gemüther angezogen fühlen, wie stählerne Nadeln von einem Magnet, und die ihre 2lnhänger mit einem einzigen Blick an sich fesseln und zu ihnen sagen lönnen wie Christus zum Zöllner: Komm und folge mir nach!" Kurzum, er war einer von Jenen, die in der Menge als Ferment des Fanatismus wirken, und die Massen in Bewegung bringen, wie die Hefe den Teig. Nun wußte öubert auck. aus wel-

öer Quelle der verzehrende Beleb-.

rungseiser. der strenge Vlaude und d:e eiserne Entschlossenheit Fräulein Kawetschins entsprungen waren. S ö'lus hatte seine Seele auf das junge Mädchen übertragen und seine eigen? starke Persönlichkeit an Stelle derer von Sonia gesetzt. Das, was diese beiden Menschen verband, war mehr als Liebe, mehr als der physische Besitz, der Alles in Allem zweifelhaft erschien bei einer solchen glüheuden, geistigen Begeisterung . es war di moralische Besitzergreifung, so wie man sie im Mittelalter verstand, wenn

man von Personen sprach, die thre nicn Änderen verkauft oder vcrschrieben hatten. Sonia hatte leine eigene, von der ihres Verlobten unabhängige Seele mehr. Sie war das zweite Ich Sergius Krilovskys, seine weibliche Verkörperung, sein Werkzeug, seine Sache geworden. Mit Blitzesschnelle hatte der Marquis dies begrisfen. Es war genug für ihn, Sergius und Sonia nebeneinander zu sehen,' zu bemerken, wie die Persönlichkeit der Letzteren plötzlich zurücktrat, und zu beobachten, mit welch leidenschaftlicher Unterordnung sie ihren feuchtenden Blick auf ihren Verlobten ' richtete, sobald dieser das Wort-ergriff, um in den Gedanken, in der Sprechweise, ja selbst in den Bewegungen der jungen Dame, ihren Verlobten Krilovsky wieder zu erkennen. Trotz-der Lebhaftigkeit dieses EinDruckes vermochte der Marquis sich ihm nicht länger hinzugeben, denn die Stunde, die Nadja in diesem Gemach zubringen konnte, ging zu Ende. Mit Sergius wurden nur einige allgemeine Redensarten gewechselt. Darauf entstand unter diesen vier Personen, die so wenig danach angethan waren, sich gegenseitig zu verstehen, eine gewisse peinliche Verlegenheit, die sich mit jeder Sekunde zu steigern schien. Als die Gräfin Miranoff den jungen Mann erblickte, fühlte sie sich so eingeschüchtert, daß sie erblaßte so unverkennbar leuchtete seine Herrschermacht von der Stirne dieses schmächtigen Jünglings, und er war sich dessen mit einem Stolz bewußt, der diesen bevorzugten Sterblichen gegenüber bei dem leisesten Anlaß in Anmaßung ausarten konnte. Wenige Augenblicke später hatte sich ihr Antlitz mit glühender Röthe bedeckt, als sie die unverhüllte, leidenschaftliche Verehrung bemerkte, mit der jeder Blick Sonias den jungen Mann umfaßte. Bei Beurtheilung dieser Bewunderung zog die empfindsame Nadja nicht wie Hubert die geistige Bezauberung in Betracht sie erblickte in ihr nur leidenschaftliche Liebe und fühlte sich so-' wohl durch ein schuldiges Mitgefühl ergriffen, als auch durch die Unschicklichkeit dieser zweideutigen Verlobung verletzt. ' Was die beiden Männer betraf, so beobachteten sie sich gegenseitig mit mißtrauischer.' der Feindseligkeit nahe verwandter Kälte, was sie indeß nach Kräften zu verbergen suchten Während einer sich peinlich in die Länge ziehenden Stille wurde die Temperatur so eisig, daß die kleine Gräsin den Marquis verwundert 'und bittend ansah. Nun rafste dieser sich auf und sagte zu dem Polen: Ihre Doktordissertation ist sehr glänzend ausgefallen, mein Herr. Ich habe in den Zeitungen darüber gelesen." . Krilovsky quittirte mit einer leichten Kopfneigung für diese Höflichkeit. Beabsichtigen Sie, w Paris den ärztlichen Beruf praktisch auszuüben?" Nein, mein Herr, weder in Paris noch sonstwo." So! Warum denn nicht?" fragte NadZa lebhaft, denn sie wollte den miß . n : ' I lichen Eindruck verwischen, den dies trockene Antwort hervorgebracht hatte. Weil ich tmt höhere Bestimmung zu erfüllen habe, gnädige Frau. Die Krankheiten, die ich zu heilen berufen bin, sind die Schäden der menschlichen Gesellschaft. Wenn man aber die menschliche Gesellschaft verstehen will, muß man zuerst den einzelnen Menschen kennen lernen, und deshalb habe ich Physiologie, Anatomie und, obgleich ich nicht viel von ihr halte, auch die Therapie studirt." Diese großen Worte bedrückten Frau von Miranoff noch mehr, und in diesem Augenblick bereute sie beinahe, hierher gekommen zu sein. Huberts barsche Bemerkung: , Man macht sicb über Sie lustig!" klang ihr noch in oen Ohren. Als sie Sonia zum Abschied küßte, war es nicht mehr die Genossin aus der Kinderzeit, die sie umarmte. Der durch die Verschiedenheit ihrer Lebensschicksale zwischen ihnen entstandene Abgrund fing an. ihr zum Bewußtsein zu kommen, und vermuthlich hatte Fräulein Kawetschin eine ähnliche Empfindung. Soeben noch konnten diese beiden jungen Damen, die sich äußerlich seit der Zeit der gemeinsamen Kinderspiele kaum merklich verändert hatten, sich noch für innig verbundene Schwestern halten. Allein eine einzige Plauderstunde und die Gegenwart der so sehr verschiedenen Männer, die sie liebten, hatte genügt. diesen Wahn zu zerstören. Die Verlobte des Nihilisten Sergius Krilovsky und die in den Marquis von Br6naz verliebte Gräsin von Miranoff hatten sich in' Kreisen entwickelt, die einander in jeder Beziehung entgegengesetzt waren wie ein Pol dem anderen. Nicht die Verschiedenheit der gesellschaftlichen Stellung pflegt Frauen zu trennen. was sie trennt oder dereinigt, das ist ihre Liebe. Von einem Gefühl der Trauer eriüllt. stiea 55rau von Miranoff rasch

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Kurzem, von romantischer Begeiflerung trunken, erklommen hatte. Hubert folgte ihr, von Unruhe verzehrt, und machte sich die bittersten Vorwürfe darüber, daß er sie bc ihrem Vorgehen unterstützt hatte. Dabei quälte ihn bauptsächlich der Gedanke an das in Sonias Händen zurückgebliebene Blatt Papier und an andere schriftliche Beweisstücke, zum Beispiel an jenen ersten Brief, in dem die Gräfin ihn ihrer Freundin vorgestellt und diese gebeten hatte, den Marquis als ihren, Nadjas, Stellvertreter anzusehen. Wob! hielt der Marquis Fräulein Kawetschin eines Verrathes für unfähig aber er traute ihr und noch mehr ihrem Geliebten wohl zu. daß sie sich im Jnteiesse ihrer Sache" dieser Schriftstücke, durch die sie die Gattin des gefürchtet! Miranoff in den Händen hielten, nöthigenfalls bedienen würden. Immerhin hielt er es aber nicht für nöthig, der reizenden, angebeteten Nadja seine Besorgnisse anzuvertrauen, denn er fühlte ihre innere Unruhe 'und Verwirrung wohl heraus, und außer dem wandten sich die peinlichen 'Eindrücke, die die kleine Gräfin eben empfangen hatte, auch ein wenig geen ihn. Die geheime Enttäuschung, die Nadja sich selbst nicht einaestehen mochte, verlieh ihren Zügen einen verdrießlichen und hochmüthigen Ausdruck, obgleich sie des guten Glaubens war, sie nehme d'ese Haltung absichtlich an. um einer etwaigen allzu zärtlichen Aeußerung des Marquis vorzubeugen. Im Grund genommen war sie mit sich selbst unzufrieden, und diese UnZufriedenheit nahm die Form ablehnender Würde an und richtete sich unbewußter Weise gegen Hubert. Sie ging demgemäß die fünf Treppen hinunterohne auch nur ein einziges Mal zurückzublicken oder ein Wort zu sprechen. Erst auf der untersten Stufe sagte sie: Bitte, rufen Sie mir einen Fiaker." Während er hinauseilte, band sie ihren zweiten Schleier vor und ging hinkend an dem, Stübchen der Hausmeisterin vorüber. Als sie im Wagen faß. zog sie nach kurzem Abschiedsgruß rasch das Fenster in die Höhe, ohne Hubert anzusehen, der mit leidenschaftlichem Blick durch den doppelten Tüllschleier hindurch ihre Augen suchte. Aber kaum war ihr beim Wegfahren Huberts trauriges Gesicht entschwunden, als sie etwas wie einen scharfen Stich im Her-, zen fühlte. Alle Vorsicht außer Acht lassend, hob sia das kleine Stückchen Tuch in die Höhe, das das Fensterchen hinter ihr verhüllte, und. klopfte mit ihrer noch unbekleideten Hand an die Scheibe. Er. der noch unbeweglich auf dem Fußsteig stand und sie verschwinden sah. erblickte sofort die kleine weiße Hand und fühlte, sich durch diese zärtliche Kinderei so tief ergriffen, daß die leidenschaftliche, innige Liebe zut diesem so herrischen und doch so schwachen, zu diesem so rein und keusch liebenden Weib ihm die Thränen in die .Augen trieb. Als er sie rasch mit dem Handschuh getrocknet hatte, sah er nichts mehr.... der Fiaker war um die Ecke gebogen. . XI. Kapitel. Vor ihrer Abreise nach Norwegen sah Frau von Miranoff den Marquis nicht mehr unter vier Augen sie hätte Gelegenheit dazu gehabt, aber sie wollte es nicht. Sie war sich über die wachsende Stärke des Gefühles, das sie unaufbaltsam zu Hubert zog, so klar geworden, daß sie sich davor fürchtete. EZ war ein allzu süßer Taumel, dem ihre Se6e nach und nach anheimfiel. Sie dachte nur ndch an ihn. Kaum sah sie sich allein, so durchlebte sie die geringsten Einzelheiten ihres so kur zen und einfachen Liebesromanes immer wieder auf's Neue, von dem Tage an, wo sie ihn auf dem Campo Santo von Genua zum ersten Mal erblickt hatte. Mit einer Deutlichkeit und einer Stärke, die sie in Erstaunen setzten, kehrten . ihr die unbedeutendsten Worte, die er zu ihr gesprochen, die leisesten Schatttrungen seines Blickes in's Gedächtniß, zurück. Welch' tiefen Eindruck mußten diese kleinen, im'gegebenen Augenblick gar nicht beachteten Dinge auf dem Grund ihrer Seele zurückgelassen haben,-wenn sie sich ihrer nun so genau zu erinnern vermochte! (FortfeHunq folgt.) 0 Ueberfiedlung. H5 (JU0NG LEE & C Moh Sing. SeschättSsühr, ist von 212 Qst ew York Straße, ach No. 152 Nord Delaware Etr., im Jndiana Dental College Gebäude übergesiedelt' Thee, Groceries v. chinesische Waaren. J55TS5LJSV5 (A KjKfjXlS.Alß 'JLiA'lil5f (fi jj Deutsch e Wirthschaft, H T- M M "Wv -w-fc rw-n r5j 53 Cf Washington Straße. ? ' JndianapolS. - 4 Der deft GeschöftSlunch iu der Stadt. 5s jj Feme Weine, Liköre uvd Cigarren. L5TTLSE?SVLVSSS5?L? Tom Rcilrnond. Vic. Ilellmer. m wm mm , UO 5üd 3Uitiois Straße. Feine Weine, Liquöre und Cigarreu. GefchmaSvoller warmer und kalter Lunch

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