Indiana Tribüne, Volume 25, Number 149, Indianapolis, Marion County, 16 February 1902 — Page 2

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Jndiana Tribüne, Sonntag, 16. Februar 1092. 2

r me. A.

Tie Schönste unter der So Eine Erinnerung vom Kongo, ron Schöedcl 5in verlorener Ort da unten a osrikanischen Küste. Tie Täuschung einer Schnee schaft vorspiegelnd, beschien das k ber andLicht der Sterne und eines mächtigen blei chen Mondes grell und weiß die fl ichen Sanddünen, die sich in endloser falte hinter den kahlen Usern dehnten. Aus der Fern? hörte man das Meer .eintönig rauschen, vom Innern, des Landes schallte hin und wieder das Wellen eines Schakals herüber. Die Hunde auf der kleinen europäischen Station hoben dann knurrend die Köpfe von den Pfoten oder kläfften kurz und scharf auf. Drei Männer saßen auf der schlichien. über einer hohen Valkenanlaze errichteten Veranda des langgestreckten Holzwohuhauses. Drei Europäers rauehend und trinkend. ' Ein überragendes Dach hielt das grelle Steruenlicht des Südens ab ihre Gesichte zeigten sich dann, und wann von dem rothen Funkenfeuzr erhellt, das an denSpitzen ihrer Cigarre glühte. I Der Jüngste der drei unter der Richten wollenen Decke, die ihn Segen die empfindlicheKühle der Tropennacht schützte, einen athletischen Wuch 1 ahnen. In mächtiger Wölbung lehnte sich seine Brust, wie gemauert staöd die Stirn über einem Paar unrchiger, flackernder, tiefliegender Augen.! Die Farbe seines Gesichtes- setzte siö, fast schwarz ab gegen das Weiß desjBurnus und das Roth deS Fes, dtt zurückgeschoben auf den dunklen Zaaren saß. Den Nächstältesten hatte die Aequatorsonne zur Mumie ausgetrockret. Es schien, er würde eines TageS in Fasern zerfallen, wie eine ihrer Deckblätter beraubte Cigarre. Er lachte öfters ohne Grund glucksend auf, ein 'istiger Blick glitzerte dann ans seineu schmalen, grauen Augen hervor. Der Dritte im Bunde, ein bilühmter Afrikaforscher, der den dunklen lZrdtheil kreuz und quer durzogen hatte, glich geradezu einer Ve:steinexirng. Mit allen Salben gestzmurt, durch alle Feuer gegangen, schien er cm Dasein nichts Ueberraschendes 7neh? finden zu können. Freud und Leid mochte er ausgemessen habm, dem Tod hundertmal entronnen seir. Nur selten ließ er ein Wort Hörens Sein ganzes Wesen machte den Eindruck gespannten Wartens. Sehnte das nde dieses Lebens herbei? Hisste er ciuf eine erneute Inkarnation ntxh dem Tode? Er verrieth seine Gcdanken darüber nicht. Die drei Männer saßen seit Lerau?ner Zeit schweigend vom Quc m ihrer Cigarren eingehüllt. Endlich reckte sich der Jüng'ö. der Athletische, empor, daß der au,ZBambus geflochtene Stuhl -unu- ihm knarrte. I Diek dunklen Weiber Toto tr deirfr haßt," brach ex aus, und wask ir von i ; Europäerinnen hier haben. itis ist alles letztklassiz, verboten häßlich ä?l ch baeiiandene Waare, die uns r alte Continent drüben zugescmdi ljcl" Der Dürre lachte sein glutsendes Lachen. Freundchen, wer tirkr die Afrikaner geht, der lasse die HqfnunZ auf galante Abenteuer hinteß sich." Seine knöcherne Hand fiel ,Ä die Tischplatte. Hier gilt einjg der Mann, nicht der Salonheld, mt können Paris nicht vergessen in!) Ost ende! Ich furchte, ehe wir's ifl sehen, sind Sie sahnenflüchtia den Der Große, Stumme stieg einen düsteTon aus, in dem sich Spott m rer Eraebuna seltsam misckte.' Der Jugendliche berstand Ton zu deuten: Sie meinen, D 1 wer einmal dieser Hexe Afrika d Xt ist, der kann ihr nie und nin tb nirl kte, un rjt mehr entrinnen? Der Angeredete nickte, drei tvrfrtnffn rntf'S in (sftv vv 00 wvvmv Plötzlich bellten die Hundel wüthend und rissen an ihren Eine Schlange mochte unter d gern der Veranda hindurchglv Der Große, Schweigsame,'. auf die Brust gesunkenen . n. und ten. Gra den .Die dunklen Weiber seien stmcn ' krhaßt r i . . ' i . ' - . i ntt lagren ?le niccr o, St-iwigi Gz schleuderte seine Cigarre ber die Brüstung der -Veranda. haben Sie denn gesehen davon? Sklavinnen, Lastthiere, verprügelte ÄfKen!" Der Gefragte zuckte, die Adfani :ser finsteren kLers kenheit. Ader ich aber ich -sagte er dann, langsam, sch ott, als müsse er sich selbst jedes Wor' abkämpfen. Ich habe die Schönte unter der Sonne gesehen. Seine beiden Gefährten fuhren auf, einen Zug von Unqlauben uf Verdrossenheit im Gesicht, als kchteten fle, zum Narren gehalten zu' "?i. Ich habe sie gefeben. heut müßte sie Tag und Nc sein, wenn nicht ta?. rar:.. w jua Viniiii, üci lltl, vi klaffen der aufgeregren i weiter die Stille txcr Na Stachwitz strich auf d Tischplatte ein Zündholz haben uns 9Thhftif ntmir " - - w y jjvukawi und. jetzt nehmen Sic vom Munde fort. Freilich,' sich aucb rühmen. Ihnen zwei oder drei Sätze abge: haben. Der Afrikaner" bückte si Es war, als schaue er in si in. in seine Seele, tief Erinnerung glühte. Er fühl, als müsse ihn dies zersprengen, zerreißen, Licht von ihr befreite. Horen U'-

'Der oeruymte AsNZafor? pfe wiederum regungslos. Sinnlich sah er aus in dieser finsteren kLersun-

)in-' tner

Stimme. Der Schweiß stand ihm auf derStirn, trotzdem der Nachtwind kühl ging und vom Meer ein scharfer Salzhauch herüberwehte. In seiner gebückten Stellung begann er zu erzählen: Fünf Jahre sind es her. Auf den Punkt fünf Jahre. Gelegentlich unserer großen centralafrikanischen Expedition waren wir bis nach Bumba gelangt, ich und Conville. Armer Kerl! Er ist längst ehrenvoll verspeist". Wir hatten Strapazen aller Art hinter uns, Hungersnoth, Wassersnoth, Meuterei, Fieber- und Heuschreckenplage. Da unten am Kongo dachten wie nun zu rasten, neue Kräfte zu sammeln. Die Station in Bumba fanden wir ganz nach Art europäischer Wohnsitze angelegt, wenn auch die einfachsten sanitären Rücksichten sich stark vernachlässigt zeigten. Aber schließlich, es war ein fideles Gefängniß nach der Hundeezistenz, die wir nun fünf Monate hin durch geführt hatten. Der dies de poste, ein ebenso liebenswürdiger als lebenslustiger Holländer, sorgte in geradezu glänzender Weise für unsere Unterhaltung. Er ließ uns den Schauris und Festen der Eingeborenen beiwohnen, er machte uns mit mancher interessanten Eigenthümlichkeit der dortigen Stämme bekannt. Die Bevölkerung ist ziemlich dicht in jener Gegend des Kongo, die Station liegt umkränzt von Dörfern. Die Männer treiben Fischfang, die Frauen zeigen eine besondere Geschicklichkeit im Flechten von Matten und Körben. Eines Tage sprach ich unserem Wirth gegenüber meine Bewunderung für den geradezu tadellosen Wuchs aus, den ich an der Mehrzahl der Bumbamadchen wahrgenommen hatte. Er lächelte geschmeichelt, als habe mein Lob etwa Töchtern von ihm gegölten. Tanzen sollten Sie diese Naturkinder sehen!- entgegnete er. Und nach kurzem Nachdenken fügte er hinzu: Warten Sie. Vielleicht läßt sich da etwas arrangiren. Geben Sie die geplante FlußpferdZagd auf, und an einem der nächsten Abende soll Sie ein Schauspiel erwarten " Er schnalzte mit der Zunge. Im alten Europa dürften Sie schwerlich Aehnliches gesehen haben." Der Afrikaner" sank noch weiter vornüber. Im alten Europa " wiederholte er wie geistesabwesend. Und dann starrte er vor sich hin. Erst allmälig belebte sich sein Blick. Er fuhr fort zu erzählen: Es war am zweiten Tage nach diesem Gespräch. Die Stunde, die alles vergoldet, lag über der Erde, die Stunde vor der langen Dämmerung jener Zonen. Unser Wirth, Conville und ich sowie unser schwarzer Dolmetscher hatten es uns auf der Veranda des Stationshauses bequem gemacht. Bananencognak, Pombe sowie ein paar Flaschen Bock standen vor uns. letztere das Geschenk deutscher Freunde an den dies de poste. Wir beobachteten ein merkwürdiges Schauspiel, das uns stets von neuem Interesse abzwang. Mit unheimlicher Pünktlichkeit breitete sich allabendlich ein mächtiger Schatten über den blauleuchtenden Strom, dessen Glitzern verlöschend. Unter Brausen undRauschen erschienen Schwärme wilder Vögel. Sie ließen sich auf den der Station gegenüber aus dem Wasser tauchenden Inseln nieder, um vor Sonnenaufgang wieder davonzufliegen, irgendwohin, in's Unbekannte. Die dunkle, lebendige Wolke war vorübergezogen. Unsere Blicke ruhten, der Heimaty gedenkend, auf dem Vlumenparterre, das, völlig nach abendländischer Weise vor dem Wohnhaus angelegt, sich fast bis zu dem flachen Ufer des Kongo h'lnüberstreäte. Auf den Beeten wucherten in üppiger Fülle Tropenblumen von wunderbaren Formen. mit wilden, fast drohenden Angesichtern, brennend in einem unausdenkbaren Farbenzauber. Der Sand der schmalen Wege leuchtete wie Gold zwischen dem Blau, dem Gelb, dem tiefen Violett. Winzige, röthlich schillernde Insekten hingen wie fliegendes Feuer in der Luft. Wir spürten sie bei jedem Athemzug auf der Zunge. Plötzlich erklang Trommelwirbel hinter dem Haus und mischte sich in das Rauschen der breit und voll auf den Strand .laufenden Wellen des mächtigen Stromes. Unser holländischer Wirth blickte auf die Uhr. Dann hob er sein gesülltes Glas: Jetzt passen Sie auf, meine Herren." Er lächelte. Meine Blumen wird's freilich kosten." . Ein seltsam dumpfeZ Geräusch wie dad Auffallen zahllojer Füße auf weichen Boden wurde hörbar. - Unten flog es vorbei, von rechts, von links. Schaaren schlanker Bumbamädchen waren es, lebendig gewordene Brvnzen. Sie trugen die landesübliche sparsame Tracht und um den Hals zahllose feine Schnürchen aus weißen Perlen geflochten, die von dem braunen Körper, den kohlschwarzen Haaren ebenso grell abstachen, wie die zwischen den nelkenrothen Lippen blitzenden Zahnreihen. In raimer gluckt zum Zslun dtnao

theilte sich der Schwärm in kleine Trupps, und an die Spitze jedes ; Trupps stellte sich eine Art von Anfüh- ! rerin. Diese trug auf dem Kopf einen flachen, blumengefüllten Korb, den sie, ohne ihn mit den Händen zu berühren, geschickt balancirte. Die braunen Mädchen nahten sich. jetzt in priesterlich feierlicher Weiset Sie zogen bis zu unserer Veranda'' heran und knieten nieder, die Arme!' über der Brust kreuzend. Ich schätzte" die Menge der Tänzerinnen auf etwa hundertundfünfzig. Unser Mrth lehnte sich weit über die Brüstung hinaus und rief einWort 'über die knieende Schaar hin. I Da sprangen die Mädchen auf, und nun entfaltete sich ein berückendes

S.chauspiel. Die Vronzeleiber begannen sich in anmuthigen Verschlingungen zu regen, die schlangenweichen, durch keine kulturellen Borrichtungen entstellten Glieder geriethen in zitterndes Vibriren. Und dazu blitzten die Zähne, die dunklen Augensterne, die in bläulicher Milch zu schwimmen schienen. Die unverbildeten Füßchcn, die kein Schuh, keine Sandale je gedrückt hatte, flogen zwischen den leuchtenden Blumen der Beete umher, die Arme hoben sich, senkten sich, grüßten uns. Und eins von den Mädchen " die harte Stimme des Afrikaners" wurde dunkel und weich eins von den Mädchen grüßte mich, mich vor den andern. Eine der Anführerinnen. Ihr Korb, mit Feuerblumen gefüllt, schwankte auf dem dunklen Köpfchen gleich einer Riesenmohnblume. Unter den verwegensten Beugungen .und Drehungen glitt er nicht zu Boden. Sie war reizend. Zart, schlank, biegsam, alle Gelenke mit rassiger Feinheit gefesselt ihr Wuchs das Vollendetste, was eine Künstlerphantaste sich erträumen würde. Die dunkle Hautfarbe konnte einen alten Afrikaner wie mich nicht stören. Was ist sie schließlich anders als eine besonders ausgesprochene Schattirung des Brünett? Kaum fünfzehn Sommer mochte die Tropensonne die Kleine beschienen haben. D(is Gesicht zeigte freilich die dem Stamm eigene Flachheit derZüge, doch gemildert durch eine gewisse Lieblichkeit deS Ausdrucks, durch eine sanfte, rührende Trauer, die darüber gebreitet lag. Man achtete zudem nur auf die Augen. Prachtvolle Augen, von dem Glanz und der Unschuld, wie wir sie bei Gazellen oder Antilopen finden. Sprechende, unvergeßliche Augen! Sie wollte mir als die Königin dieser Tänzerinnen erscheinen, sic anführend, sie mitreißend, sie gleichsam inspirirend durch ihre triumphirende Freude, ihre unfehlbare Sicherheit. Als ein Rieseln von Feuer und Licht goß sich das Abendroth über den mänadenhaften Wirbel aus, in dem alle diese bronzenen, metallisch erglänzenden Glieder jetzt zitterten. Athemlos betrachtete ich das wundervolle Schauspiel. Die brennenden Teppiche der Beete, das Gold der geschlängelten Wege und darauf dieFülle von frischester Jugend, von urwüchsiger Lebenskraft das alles sich abhebend von dem gewaltigen Hintergründ des königlichen Stromes, der wie ein Stück Himmlsbläue leuchtete. Der Trommelwirbel schwoll immer stärker an und brach dann mit einem Schlag ab. Wie festgezaubert standen die Mädchen. Und während ein strahlendes Lächeln sich langsam über ihre Züge breitete, neigten sie die Köpfchen nach rechts, nach links und bückten sich schließlich zu den Beeten hinab, um Blumen davon zu pflücken. Ein Bombardement begann. Süßduftend flogen die Geschosse durch die Luft. Die meisten von ihnen trafen das reizende dunkle Kind mit den Antilopenaugen. Aus einem bunten Hügel erhob sie sich schließlich in holder Auferstehung. Etwas Ueberraschendes kam jetzt. Die ganze Schaar lagerte sich im Halbkreis um sie her. jede von ihnen eine große Blume wie einen Fächer sanft bewegnd. Und sie, sie tanzte allein. Dicht unter unserer Veranda. Den Korb hatte sie jetzt niedergesetzt.- Und weiter grüßten mich ihre sprechenden Augen. Bei dem Rauschen der abendlich bewegten Wellen hob sie die Arme und schwebte zwischen den lebendigen Eoulissen umher. Siö tanzte, als seien ihr Flügel gewachsen. Ihr wundervoller Leib erblühte gleichsam, die aufgewirrten Haare wehten wie schwarze Schleier- darüber her. Mit hundert Augen hätte man auf sie blicken mögen, um dieses berückende Spiel der Linien voll zu erfassen. Jetzt drehte sie sich um sich selbst, rasch, immer rascher. Ihre Glieder schienen sich zu vervielfältigen, zehnfach erblickte man die schlanken Arme, das dunkle Köpfchen. Ein toller, toller Wirbel und dann ein Sprung in dem Blumenhllgel war sie verschwunden. Die Gefährtinnen drängten sich um sie her, verdeckten sie. führten sie fort. Das Schauspiel war zu Ende." Der Afrikaner" athmete schwer. Stachwitz streckte ihm die Hand entgegen. Nach Bumba brech ich auf. sobald es angeht. Dank Ihnen, Doctor, für den Fingerzeig." Der ürre gluckste ein paarmal. Frauenjager!" bemerkte er spottend, unter ,'iner Beimischung von Brachtung. Wir sind nicht hier, um uuerhörten Genüssen nachzugehen. Wir sind hier, um Raum zu schaffen für die auf dem alten Eontinent zusam mengedrängten Boiler, um Kulturarbeit zu verrichten! Wir sind hier, um zu leiden zu bluten, zu sterben, wenn es sein muß!" Um zu leiden, zu bluten," wiederholte der Afrikaner" dumpf. Meine Geschichte ist noch nicht zu Ende." Er strich sich über die Stirn. Ich habe die Blume der Wildniß wiedergesehn. Oft. lange. Sie war reizend. Blutjung. Und von einer Frische ! Ich brauchte sie nicht zu suchen. Schon am Morgen nach dem Tanz kam sie auf die Station, um Matten und Körbe anzubieten. Sie kniete vor mir nieder, sie kreuzte die Arme. Das ist nichts Ungewöhnliches bei den dunklen Frauen, wt: Sie wissen. Aber hier war es nicht das Zeichen des Grußes es war das Symbol einer bis in den Tod reichenden Unterwürfigkeit und Treue. Dieses Kind folgte einem Instinkt wie ein edler Hund, als es meiner Fährte nachging witterte mich aus, wo ich mich auch befinden mochte, 'denn häufig tauchte die bieg-

same Gestalt, unvermnthet vor mir auf, während ich jagte oder die Umgeaend durchstreifte. : Kein Tag veri' ''n Medersehn.

Nur-selten suchte ich nach Verständigung durch meinen Dolmetscher. Die ungelenke Sprache der Wilden konnte ja nicht wiedergeben, was das zarte Herz bewegte. Oft blickte sie mich minutenlang stumm an mit den wunderschönen Thieraugen, voll reizender Freudigkeit öfter aber noch mit einer unendlichen Trauer. Die Essenz ihrer unschuldigen Zuneigung stieg gleichsam zu mir auf, wenn sie in einer ihrer unterwürfigen Stellungen herbeikam. Ich fühlte die Kruste schmelzen, mit der ein langes Leben voll schmählicher Erfahrungen ,mich gepanzert hatte diese kleine Afrikanern gab mir den Glauben an das Weib zurück." Er stöhnte. Sie wollte nichts, als mir dienen, als mich durch ihren Tanz, ihre kleinen Künste erfreuen, mir ein Lächeln ablocken. Nie hat sie das kleinste Geschenk von mir angenommen. Sie verschmähte die grellbunten Vaumwollstoffe, die glitzernden Glasperlen, nach denen die afrikanischen Weiber bekanntlich ebenso lüstcrn sind wie ' civilisirte Lebedamen nach Diamanten und Brokat. Dabei überschüttete sie mich mit Gaben. Sie flocht Matten und Körbe für mich. Ihre Phantasie war gleichsam erwacht. Sie wirkte bunte Verzierungen durch ihre Arbeite::, hin, gab ihnen unerhörte Formen. Sie würd: zur Künstlerin. Eines Tages brachte sie mir einen gezähmten Rosenkakadu, ein entzückendes Thierchen, das ich jahrelang besessen habe. Der ganze Grund seines Gefieders leuchtete von einem herrlichen dunklen Rosenroth das sich an der Spitze der Federn in ein schneeiges Weiß verlor. Auch mit Arzeneien und Geheimmitteln versorgte sie mich, die sie von einem großen Zauberer ihres Stammes erhalten haben wollte. Ich erinnere mich an einen Zweig mit hochrothen Beeren,

deren Saft, auf Haut und Waffen gestrichen, vor dem Tod schützen und zugleich die Befähigung verleihen sollte, Herr über viele Sklaven zu werden. Das ging so eine Weile. Ich gewohnte mich an meine kleine Antilope, wie ich sie nannte, sie wurde zum Besiandtheil meiner Existenz. , Da machte ich durch Zusall eine Entdeckung. Wie eine Schlange herangekrochen, imBusch lauernd, belauschte ein Bumbajüngling unsere unschuldigen Zusammenkünfte. Ein schöner Mensch war's, den die häßliche Tracht der landesüblichen Pumphosen nicht zu entstellen vermochte. Die Kleine schien ihn zu fürchten, oder für mich zu fürchten. Sie erbebte, als sie seiner ansichtig wurde. Sie kam seltener von da an, blieb endlich ganz aus. Von einer geheimen Unruhe getrieben, durchstreifte ich die Dörfer, um sie zu suchen. Ich konnte mir nicht verhehlen, daß mein Herz, das ich seit Jahren nur wie einen Stein in der Brust gefühlt hatte, weich wurde unter dem Frühlingshauch dieser zarten, mir so unschuldig gebotenen Neigung daß mich ein wahnsinniges Sehnen erfaßt hatte. Endlich fand ich sie. Sie saß vor einer armseligen Hütte, an einerMatte flechtend. Ihre feinen, schmalen Finger schienen sich zu verdoppeln bei der Arbeit, so emsig schlangen sie dasRohr ineinander. Um sie herum auf der Erde lagen kleine rothe-Blumen, die wie Blutstropfen glühten. Sie sang eine der melancholischen Weisen ihres Volkes. Als sie mich erblickte, schlief ihr das Lied auf den Lippen ein. Sie heftete die glänzenden, traurigen Augen auf mich, warf dann unter einem gellenden Naturlaut der Freude die Matte von sich, sprang auf und begann im Kreis um mich h:rumzulaufen. Endlich kniete sie nieder. Jede Muskel in ihr zitterte. Sie legte das Köpfchen ganz flach auf den Boden in den Staub. Ich wollte mich zu ihr niederbücken, sie aufheben, sie zum erstenmal berühren, ihre großen Räthselaugen küssen " Der Afrikaner" richtete sich ein wenig auf aus seiner gebeugten Haltung. Mit riesigen, zitternden Pupillen blickte er vor sich hin. ..Da hörte ich hinter mir in dem weichen Sand ein Tappen. Wie das elastische Auffallen öon Thierpfoten im Sprung klang es. Bevor ich mich umwenden konnte, langte in Gedankenschnelle ein brauner Arm um meinen Rücken herum. Ich sah etwas blitzen. In dem zarien. gebeugten Nacken meiner kleinen Antilope stak in Messer. Wir ein wildes Thier brüllte ich auf, griff zu, um den mörderischen Atm zu packen. Er war mit Fett gesalbt und entglitt mir. Ich sah den Verbrecher entlaufen und erkannte in ihm jenen Bumbajüngling, der uns belauscht, und der vermuthlich beleidigte Liebe gerächt hatte. In Panthersätzen sprang ich ihm nach Tatzen waren es, die ich in seineSchulter schlug der Schaum stand mir vor dem Mund. Von rückwärts her hab' ich ihn erwürgt." Voller Genugthuung streckte der Afrikaner" seine Hände vor sich hin. deren Sehnen wie aus Stahl geflochten unter der Haut lagen. Durch die milchige Sternendämmerung blitzten seine Zähne raubthierartig. Dann kehrte ich an die Unglücksstätte zurück.; Das Gesicht im Staub lag das arme. kleine Opfer, noch in der letzten Stunde seine Demuth durch diese unterwürfige Stellung besiegelnd. Der Messerstoß hatte den Puls des Lebens getroffen. Todt war das reizende Geschöpf, das wie ein schuldloses Thier flüchtig über die Erde gegangen, das keine Bosheit gekannt und, das sterben mußte, weil es liebte " Die Stimme des Sprechenden klang leise, schien sich zu verflüchtigen, in jenes Schattenreich der Erinnerung zu emjcyweoen. oas leine Psorien yhtn Augenblick lang aufgethan, siestalt erbebte plötzlich, durcht von einem fürchterlichen,

krampfartigen Schluchzen. Ueber vas graue, durchfurchte Gesicht rieselten zwei Thränen, wie Blutslropfen. dem Innern des harten Mannes erpreßt. Und schamvoll flüsternd fügte er seiner Erzählung die Worte hinzu: Werden Sie es begreifen? Ich, der Ungläubige, der große Heide, der längst mit jedem Gedanken an eine Auferstehung fertig geworden war ich habe glauben gelernt in jener Stunde! Glauben gelernt, weil ich. um das Leben zu ertragen, mir ein Wiedersehen nach dem Tode einbilden mußte ein Wiedersehen mit ' dem Kind der Wildniß, dessen Sprache mir fremd gewesen ist, von dem ich nicht den Namen gewußt habe !" Er deckte die Hand über die Augen. Da rollte etwas durch dieLuft heran, ein Grollen wie von fernem Donner. Die Natur schien den Athem anzuhalten. Ein Löwe hatte gebrüllt. Tie Solo -Turnerin".

Humoreske von P. SothiS. Ein Zug stand auf dem Bahnhof in A. bereit zur Abfahrt. Da erblickte der Pfarrer Traugott Lebrecht von Thenningen, der auf dem Perron den Anschluß der Nebenlinie zu seinem Pfarrdorf erwartete, plötzlich an einem Wagenfenster, ein ihm bekannt vorkommendes Gesicht. Er ging auf das Coupe zu richtig, es war sein alter Freund Doktor Karl Munding. Einige .Jahre hatten stch die beiden nicht gesehen, und so stürmten rasch eine Anzahl Fragen und Antworten aufeinander ein, wie es gehe, was man treibe u. f. w. Na und denkst Du immer noch nicht ans Heirathen. alter Freund?" fragte dann der Pfarrer. Und wie!" schallte es froh zurück, vor sechs Wochen hab' ich mich ja verlobt." Ja und davon hat man gar nichts erfahren? Weshalb schicktest Du denn keine Anzeige?" Ach was, auf solche formelle Geschichte gebe ich nichts; Du weißt, ich bin immer ein etwas besonderer Kauz gewesen." In diesem Augenblick trillerte das Abfahrtssignal. Aber nun sag' doch nur noch schnell, mit wem Du Dich verlobt hast!" Ja. das ging köstlich zu. . . ein andermal ausführlich. . . hab' sie ganz zufällig auf der Reise in einem Ciraus kennen gelernt. . .eine Solo-Tur-nerin. . . war gleich bis über die Ohren verliebt. .' ." In diesem Augenblick setzte stch der Zug in Bewegung. Nicht davon, sondern von dem eben Gehörten prallte Traugott Lebrecht einen Schritt zurück. "Ja aber sag' mir nur. . ." brachte er noch heraus, aber der Freund unterbrach ihn aus dem enteilenden Zug mit den rasch hingeworfenen Worten: Ich sag' Dir ein wahres Prachtmädel, ... ich komme übrigens nächstens mit ihr vorbei, und werd' ich sie Dir bringen." Der Zug fuhr davon; Traugott Lebrecht stand wie angedonnert da und, erwiderte den winkenden Gruß des Freundes nur mechanisch. Mein guter Munding eine SoloTurnerin ja da glaub' ich's wohl, daß er lieber keine Berlobungsanzeigen verschickte aber wie kann er stch nur so vergessen? Und was werden seine würdigen alten Eltern dazu geragt haben? Welche Kämpfe, welchen Kummer muß es da cegfben haben und wird es wohl noch geben und dab .sah mein Freund so glücklich aus! Und in mein ehrsames PfarrHaus will er mir ein solches, im besten Falle doch recht zweifelhaftes Circusgeschöps bringen um Gottes willen, meine Frau wird ja außer sich gera tben - icb muß es ihr verschweigen aber das ist niclzt eyrlicy, und ich yan: nie ein Geheimniß vor ihr gehabt. . . o der heillose, rücksichtslose Mensch. . . ja die modernen Zeiten, ach. . . u. s. w. Das waren so die Gedanken. dieTruugott Lebrecht durchfuhren, während das Sekundärbähnlein, das ihn nach Hause bringen sollte, durch die Fluren schlich. ' - Daheim sagte er seiner braven Frau doch vorerst nichts von dem drohenden Besuch. Auch die folgenden Tage nicht. Wer weiß, dachte er, vielleicht wird ja gar nichts daraus, und kommen sie doch, so ist es dann immer noch Zeit. Richtig vergingen auch ganze vier Wochen. olne daß das Gefürchtet? eintrat. Traugott Lcbrecht fing an aufzuatbmen. Aber die Sache sollte ganz anders werden, als er gedacht. Eines Abends, als er dem Zug ent stieg, der ihn von einer Eonferenz im benachbarten Städtchen in seinPfarrdorf zurückgeführt, glaubte er, in die Erde sinken zu müssen. , Auf ihn eilte sein Freund , Karl Munding. Stürmisch faßte er seine beiden Hände. Na. nun bist Du ja da, lieber, guter. alter Freund!" rief er, das ha ben wir nicht gut getroffen, aber wir übernachten dafür bei Dir. Du mußt wissen, ich bin mit meiner Frau auf der Hochzeitsreise und telegraphirte Dir, daß wir um fünf Uhr bei Dir ankämen. Nun fanden wir leider nur Deine Frau die' uns sagte, daß Du auf einer Eonferenz seist, und uns, die wir mit dem nächsten Zuge wieder weiter wollten, deshalb nöthigte da zu bleiben und bei euch Quartier zu nehmen; so liebe Leute' zu beherbergen hör's nur ! werde dem Pfarrhaus eine Freude und eine Ehre sein, sagt: sieMeine Frau. . ." stotterte in hochsier Verblüffung Traugott Lebrecht, und stiLstr sich dachte er: sollte sie denn gichts gemerkt haben? So vas lä! Ja dock niöt verbergen

Ja, 'Deine rau", 'unterbrach ihn der Freund aber gleich, die ist wirklich zu lieb mit meinem jungen Weiberl, und die beiden haben sich jchon ordentlich angefreundet. Traugott Lebrecht war einfach starr vor Erstaunen. Aber überglücklich war es auch. Besser hätte ja die Geschichte gac niöt ablaufen können. Aber räthselhaft blieb ihm die Sache doch sein: aute Gattin hatte doch ein scharfes Äuge. Die zehn Minuten Wegs bis zum Pfarrhause mußten ihm Klarheit bringen. Er wollte offen mit dem Freunde reden. Nun, siehst Du", begann er etwas stockend, das freut mich ja recht sehr, daß alles so gut ging, mir war's offen gestanden seit Wochen eine nicht geringe lÄirge. . ." Sorge ja wie so denn?" fragte der Freund verwundert. Ja nun . . . weißt Du. . . es ist eben doch so eine Sache; und dann ich bin gewiß kein Philister aber ich war doch auch um Dich selbst in Sorge, denn dergleichen ist doch immer eine Unbesonnenheit, für die man schwer büßen kann, ganz abgeseben von dem in solchem Falle gewiß nicht ungerechtfertigten Urtheil der Welt." Unbesonnenheit schwer büßen Urtheil der Welt. . . aber Mensch ich verstehe Dich absolut nicht." Nun Deine Frau " Meine Frau?" Ja. ja. Du hast sie doch im EircuZ kennen gelernt. . ." Gewiß, aber was soll's damit?" Ja Mensch, ich bitte Dich, nimm mir's nicht übel, aber eine Solo-Tur-nerin. . ." Weiter kam der gute Herr Pfarrer nicht; sein Freund unterbrach ihn mit einer so unbändigen Lamsalve, daß ihm die Worte im Munde stecken uns die Leute auf der Straße stehen bli:ben. Er konnte gar nicht zu sich kommen. der junge Ehemann, und dabei faßte er den ärgerlich werdenden Freund beim Arm und zog ihn stürmisch weiter zu dem . schon nahen Pfarrhaus. Herzensfreund, noch einen Augenblick warte, zu Hause will ich Dir al les beichten, und Du sollst mir Ab. solution ertheilen," brachte er endlich stoßweise zwischen immer erneuten Lachanfällen hervor. Dem Pfarrer schwirrte es vor den Augen, er wußte nicht, was denken. Inzwischen waren die beiden vor dzm Hause angekommen. Sie traten ein. Alsbald öffnete sich eine Thüre, und heraus trat fröhlich die Frau Pfarrer, an der Hand das lieblichste Geschöpf von der Welt. Hier, mein lieber Mann, stelle ich Dir unsere liebe neue Freundin, Frau Doktor Munding vor!" Die junge Frau sireckte lebhaft die Hand nach dem Freunde ihres Mannes aus und begrüßte ihn ebenso lebhaft in unverfälschtem Schweizerdialekt. Traugott Lebrecht fiel es wie Schuppen von den Augen, und er fuhr sich in komischer Verzweiflung mit be'den Händen an die Stirn kejne Solo - Turnerin", eine Solothurnerin" war es, die sein Freund heimgeführt hatte. : Tas Gürtettüschchen.

Neben dem Pompadour herrscht mit gleicher Macht augenblicklich dasäschcyen aus Stahl und Silber, das mit einem Kettchen durch den Gürtel gezogen wird. Es kann nichts weiter als ein feines Battisttuch und ein kleines Portemonnaie bergen, wenn man es nicht vorzieht, sein Geld ohne jedwede Umstände einfach in dem meistens mit Leder abgefütterten Gürteitäschchen aufzubewahren. Zum ersten Mal trat dasselbe im 16. Jahrhundert auf. Sofort bildete es einen charakteristischen Theil der . weiblichen Tracht. Jede Dienstmagd trug ihr Täschchen seitwärts am Gürtel oder an Gürtelschnüren. Es war gewöhnlich aus hellbrau nem Leder gefertigt und an der Mündung zum Zusammenziehen eingerichtet oder ganz wie heutzutage mit einem stählernen Bügel gefaßt, der auf- und zugeschlossen werden konnte. Meistens waren die Täschchen auf der äußeren Seite noch mit zwei oder drei kleineren Täschchen garnirt, die ebenfalls durch Schnüre zusammengezogen wurden. Die Schnüre endigten mit kleinen, aus Lederschnüren geflochtenen Knöpfchen. Statt der Scheere. wie im Mittelalter, trugen die Frauen jetzt neben dem Täschchen noch ein Messer in zierlicher Scheide; denn wie Sebastian Franck sagt, hatte Deutschland damals freisame, heftige, den Männern ungehorsame Weiber, als yeudert ein Bolk". Die kommende Mode nahm denFrauen wieder das Messer, ja selbst das Täschchen und hängte den Schlüsselbund an deren Stelle. Nur den Wirthsfrauen und Marktweibern beließ sie beides neben den Schlüsseln; denn diese hatten das eine so n'ökhig wie das andere. Die Mode vergaß das Täschchen vollständig und erinnerte sich erst wieder zur Zeit der französischen Revolution daran. In Deutschland war es nach den Aufführungen des Faust" als Margaret?ntäschchen en vogue" wurden. Und jetzt zieht eS wieder siegreich seine Bahn, j Bon dem Pompadour unterscheidet es , sich durch seinen viel geringeren Umfang, durch sein Material und dadurch, daß es am Gürtel getragen, während der Pompadour in der Hanif gehalten wird. D i e ko?rZJi?te Fortun a. Nu, Kamerad, warum vorhin nicht im Club aespiclt? Haben wohl kein Glück, was?" Glück hätte ich schon. Aber wissen Sie, wenn man mit den Brüdern spielt, gewinnt man auch niöt. 'wenn man Glück bat." .

- Tcr Ucbcrjüngling. Eine Jung'W'encrgcscklcKte von Zl. n::n Etrodll. Es ist Prater. Srünn:ö:!izen Nät seln gleich liegen die Augen im abend sonnigen Lichte. Erdmoderiges Herbstouften. Wißt ihr, was Herbst ist? Er ist ein Geheimniß, wie alles Gcheimniß ist. Ein großes Sterben, ein Jnsichvergehen der Natur zum Zwecke eines Wiederwerdens. Rosiooes Laub deckt die Wiesen, die nicht mehr blau sin5, denn das Gras ging zur Ruhe. Es gibt keine Ruhe. Ruhe ist der Tod, und Tod ist erdendes Leben. Den Weg wand:lt einJünzling. blaßbleichen Gesichtes, das dur zwei schwarze Augen punktirt ist. Es ist ihm so violett zu 1'!uthc. Er schreitet wgvorwärts. aber er denkt nichts, denn er ist ein moderner Dichter. Es gibt moderne Dichter. Seine olivgelben Haare umlccken den träum 'brütenden Ucpf. dem ein acht Cent:meter hoher, scharlachblauer tragen Stütze ist. Seinen Anzug gebar .er Hofschneider. Er riecht nach nervcnstreichelndem Patschuli. Sein Ganz ist müdematt. Sonst hat er nichts bemerkenswerthes. denn er ist ein moderner Dichter. Da quert ein dralles Mädchen den Weg, den er traumdunkel wandelt. Zwei türkisfarbige, fragende Mädchenaugen. Sie trägt eine rothe Schürze. Bon jenem Roth, das wie Auferstehung klingt. Ihre Hand umsingert den Tragegriff einer blechzierlichen Milchkanne. Bist Du ein Milchmädchen?" frag, te er sinnend. Ja", hauchte sie, halb durch den Mund, halb durch die Nase. Er strich über seine seelenvolle KraWatte und schwieg. Sie betrachtete seine gelökalbledernen 'Sticfletten und ging weiter. Näthselhafte Mädchenseele. Er aber schritt an ihrer Seite, an jener, wo sie den Milcheimer trug, und dachte an das Uebermenschliche. Mehr vermochte er nicht zu denken, denn er war ein moderner Dichter. Ob sie ein Uebermensch sei? Wer vermöchte das Unverständliche in ihr zu ergründen?" Weißt Du. was Liebe ist?"',.ugie er. indem er ihr in die Türkise sah. Sie hob eines der rostbraunverwelkten Nußblätter auf und schwieg. Er aber vertiefte sich in diese seltsam geschlängelte Menschenseele, und das Ueberweib stand vor ihm. Endlich etwas Besonderes, aus der Herde Hinausringendes. Als sie so neben ihm herging, war nichts Dutzendhaftes ?n ihr. Dieses üppig aevolsterte Antlitz,

auf dem etwas Unergründliches lag. Diese bratenfarbigen 5trafthände. Und wie sie nach Natürlichkeit duftete. Er fühlte, wie seine Seele in ihre überfloß. Dann fragte er: Liebst Du mich?" Sie nahm den Milchtopf in die andere Hand und schwieg. In iören Schritt aber legte sie größere Eile. Was trieb sie? Er grübelte. aber es fiel ihm nichts ein, denn er war ein moderner Dichter. Er ahnte nur, daß er nicht von ihrer Seite weichen dürfe. Seine Gefühle waren kreisförmig verschlungene Dämmerungen. Er ringelte seine Stirnlocke um den Mittelfinger der rechten Hand un) . fragte: Weißt Du, wer ich bin?" Indem sich ihre hänkeligen Ohren kaltlächelnd beweqten, flüsterte sie: 51 fader Kerl!" Ter König und sein Beratlicr. Der Greis, dessen Stirn einst ei Diadem getragen, saß in tiefem Sinncn. Sein Volk batte ihn vertrieben. - Mit ihm aß das Brod der Verbannung Mahmud, sein alter Großdezier. Herr," sprach Mahmud, was bist Du so traurig wie der einsame Abendstern .des Westens? Sieh' mich an: auch ich habe Alles verloren mein Macht, meine Schätze, mein Haus Alles. Alles. Und ich trage mein Schicksal, als könnt's nicht anders sein. Ich denke. es ist gut so." , Ei mein Getreuer," erwiderte der König, es geht uns Beiden wie dem Reh und dem Schafe des Haines: Einst strich ein bissiger Hund durch den Wald; der schluchte das Nch auf und jagte es vor sich her. Es strauchelte; der Hund fing es und faßte es am Bein. Mit der verzweifelte Kraft der Todesangst gelang es dem armen Thiere zu entfiehen. Es lief und lies auf seinen drei gesunden Beinen, bi es -erschöpft niederfiel in cinen Busch am Rande der Haide. Ein Schaf, das in der Nähe nxidete. ging hin, das Reh zu trösten. Sieh' her," sprach es, auch ich habe ein Lein verloren. Doch ich klage nicht. Ich schleppe mich hin " Und früher stürmtest du über Klüf. te und Hänge?" fragte das Reh. Nein ich weidete wie jetzt." Nun' siebst du, Lämmlein, du verlorst einen Fuß. ich Alles." Also sprach der vertriebene Sultan zu seinem Großverzier. . Ein metallisches Kneiplied. Herangereist im Sonnen-Gold Erglüht Burgunders Labe; Ich trinke, und mein Silber rollt. Solang ich welches habe. Der Wein schafft Eisen mir ins Blut. Doü Blei in allen Glieder. Und auf die Nase Nupfergluth. Und Blech in meine Lieder! V V orsichtig. Bekannter: 'Wie. S!ie rasiren sich selbst; warum gehe Sie nicht zu dem Barbier, der bei Jh. nen im Hause froh!?" Heirath Vermitiluer: Wissen Sie. das. ist rnir ju 4.uiytiiu '.i:..rnc:Tn cr 1 V nT I ? m ' Ä J TW

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