Indiana Tribüne, Volume 25, Number 147, Indianapolis, Marion County, 14 February 1902 — Page 7
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Jacob
Voller,
Slavische Leidenschaft.
NoinZtt von Tanlc! jjcur. (Fortsetzung) Nadja betete inörunjng, aoer ihr Ve-. bet war nicht an die bunt bemalten Elsui bergest alten der Ikonostase ge richtet, wenngleich trjic Lippen unbewußt die Namen der Heiligen slüsterten. In Wirklichkeit war ihr Gebet nur ein Appell an ihren eigenen Willen, ein innerliches Sichzusammenrasfen, ein ' verzweifelter Versuch, des Taumels Herr zu werden, von dem sie sch fortgerissen fühlte. Seit dem gestrigen Tag lebte sie nur in der Erinnerung an den letzten Blick Huberts, und immer aus's Neue fühlte sie ihr ganzes Wesen unter diesem Äick erb:ben. der sie mit angstvoller Freude erfüllte. Mit leidenschaftlicher Wonne hatte sie sich immer wieder in diesen Augenblick .zurückgeträumt und sich da bei " selbst beruhigt mit der Versicherung: Dies ist die einzige Schmachheit. der ich ntfch jemals schuldig machen werde!" Als sie aber fühlte, wie ihre Energie und ihr Stolz unter der Gluth dieser gefährlichen Träumerei zu schmelzen d.'gaunen, wurde sie von Angst ersaßt. Nun, .da der Augenblick gekommen war. wo sie ihn wiedersehen sollte, suchte sie ihre Kraft zusammen zu raffen. Als sie sich von ihrem Betfchemel erhob, glaubte sie ihrer wieder ganz sicher zu sein, als aber das doppelte Anschlagen der Glocke, das im ganzen Palais widerhallte, die Ankunft eines Besuches verkündete, wankten ihre Knie, und sie fühlte sich erbleichen. Sie schob den Riegel der Thüre zurück und trat in ihr Boudoir, wo 'sofort ein Diener erschien und meldete, der Herr Marquis von Vr.'naz erwarte sie unten im Quellensalon". 2Jten nannte diesen Raum so. regen einer Marmorstatue, welche "den ftarnin schmückte. Sie stellte ein junges Mädchen dar, das eine Urne ausgoß, eines der wenigen lieblichen und anmuthigen Werke, die unter dem Meißel des großen Thorwaldsen entstanden sind, der mehr dazu angethan war, Riesen zu bilden. Als Nadja das Gemach betrat, war ihr Gesicht so weiß, als das der Marmorstatue. Und wie hätte sie auch diese Befangenheit unterdrücken sollen, wo selbst Br6naz, der sonst seine Nerden so gut zu beherrschen wußte und so lange ganz Herr seiner selbst zu sein geglaubt hatte, suhlte, wie seine Lippen bebten und wie die Hand zitterte, die seinen Hut hielt. Und trotzdem wagten diese beiden Menschen, die einander dermaßen aus der Fassung brachten. Anfangs nur ron gleichgittigen Dingen zu refcen. 3i, der Marquis erkundigte sich sogar, od er den Grafen nicht sehen könne,, weil er Nadja kein Alleinsein aufzwingen wollte, das sie nicht ausdrücklich gewünscht hatte. .Um diese Zeit." entgegnete die junge Frau, deren Gesicht und Hals sich nun mit glühender Röthe übergössen. um diese Zeit empfängt der Graf Niemand. Erschließt sich in sein ' Arbeitszimmer ein, um feine Korrespondenz zu erledigen, und ich selbst würde nicht wagen, ihn ohne einen sehr triftigen Grund zu stören." Während sie aber diese W.'ie sprach. ; erinnerte sie sich, daß sie btm Marquis gerade diese Stunöe bestimmt hatte. Die Verlegenheit, die sie darüber empfand, vereint mit der Gewißheit, daß er Paris nun nicht verlassen, daß er sich nicht von ihr entfernen würde, kühlte sie ab und gaf ihr ihren Stolz zurück. Gestern hatte ihr die Angst, diesen Mann zu verlierenden werthvoller erscheinen lassen, als all ihren äußeren Glanz und als all ihren Stolz: diese Angst hatte ir das Herz so zu-' sammengeschnürt, daß ihr Auge sich zu einem Geständniß hinreißen ließ. Nun er heute da war, neben ihr saß und nicht mehr vom Abreisen sprach, nun er dielleicht um dessentwillen lieb, was sie ihn: gezeigt, was sie ihm zu hoffen gestattet hatte, da erstickten Scham und Zorn die Leidenschaft Nadjas. Wenige Minuten zuvor hatte sie gebetet wie eine Verzweifelte, um der Liebe zu entrinnen, die sie derzehrte, und nun erlosch plötzlich diese Liebesgluth, und sie wurde kalt wieEis. In diesem Augenblick beherrschte sie nur der eine Gevanke, daß sie durch ihr Verhalten am gestrigen Tag Herrn von Vrsnaz das Recht gegeben habe, ihr eine Erklärung zu machen; nun wartete sie auf diese Erklärung, um sie mit verächtlichem Stolz zuruckzuweisen. Während er über die Nihilisten mit ihr sprach er hatte diesen Gegenstand wieder aufgenommen, um sie von ihrer Absicht, Sonia zu besuchen, abzubringen , sah sie ihn beharrlich mit- fötn Blicken an, hatte ihre Gedanken ganz wo anders und quälte sich mit der Erinnerung an ihre gestern in den Ehamps Elsöes gesprochenen Worte, deren Tragweite sie in der augenblicklichen peinlichen Vcrlegenheit übertrieb. Hubert errieth so ziemlich, was dies junge, stürmische Herz bewegte, das einem scheuen, wilden Vögelchen glich, das sich mit heftigen Flügelschlägen von der Hand zu befreien sucht, die es gefangen hat und festhalten will. Er wußte auch, daß die Liebe des WeibeS niemals die sichere,, zuver-. lässige Gleichmäßigkeit' hat. wie die Leidenschaft des Mannes, sondern daß sie sich von Ausregungen, Erschlltte runsen. Verzweiflunasanfällen und
Judianä Tridnne.
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rcrqma. sogar vom yane nayrr; er wute. daß die Liebe des Weibes zweifeln, glauben, .verachten und anbeten will, daß sie sich bald auflehnen, bald demüthigen muß, um ihren Höhepunkt zu erreichen. Vielleicht verstand Hubcrt die Gräfin besser als sie selbst, und 1 fürchtete sich nicht allzusehr vor den wuthenden Blicken, die sie ihm zuzchleuderte. Uebrigens empfand er aufrichtige Hochachtung für sie, und hatte selbst gestern leinen Augenblick gedacht, diese stolze und reine junge Frau werde ihm jetzt ohne weiteren Wioerstand in die Arme sinken. Im (Segentheil, er hatte vorausgesehen, daß ihm Frau von Miranoff bei der nächsten Gelegenheit einen eisigen Empfang bereiten werde, daß ersuchen müsse, für die ihm erwiefene (Zunft Verzeihung zu erlangen, usd daß die kleinste anmaßende Aeußerung ihn in der Meinung der Gräfin für immer herabsetzen würde. Er sprach deshalb auch mit hoch-. achtungsvoller Güte zu ihr. er freute sich, sie in der vermutheten Stimmung zu finden, und war auch entzückt, sie nun so würdevoll . zu schert, nachdem sie sich ihm so offen gezeigt hatte. Sowohl in der Schwäche ihrer Liebe, als auch in der Auflehnung ihres Schamgefühles und ihres Stolzes gegen ihre Leidenschaft war die Gräfin von jeder Koketterie weiter entfernt, als irgend ein anderes Weib, das Hubert während seiner immerhin an Erfahrung reichen Liebeslaufbahn begegnet war. Da die Unterwerfung des jungen Mannes ebenso aufrichtig war, als das hochmüthige Mißtrauen der Gräfin, stellte sich nach und nach ein gewisses Gleichgewicht her zwischen diesen beiden einander entsprechenden Stimmungen. Nachdem sie, gewappnet mit all' ihrem Stolz, eine lange Viertelstunde auf eine Erklärung gewartet hatte, die nicht kommen wollte, begann Nadja thatsächlich dem Gehör zu schenken, was der Marquis sprach, ohne zwischen jedem Satz eine versteckte Kränkung für sich herauszuhören. Hubert beschwor sie, ihm sein Wort zurückzugeben und nicht darauf zu bestehen, daß er sie zu Fräulein Kawetschin bringe. .Ich rathe Ihnen noch mehr im Interesse Ihrer Freundin, als in Ihrem eigenen zur äußersten Vorsicht." sagte er. da er wußte, daß sie egoistischen Gründen völlig unzugänglich bleiben würde. .Sie haben mir ja doch selbst gesagt, daß Graf Miranosf sie der russischen Polizei ausliefern lassen will, wenn Sie sie besuchen?" .Der Gras wird es nicht erfahren! Ich habe das Recht, wenn nicht sogar die Pflicht, in dieser Sache hinter seinem Rücken vorzugehen. Meine Liebe zu Sonia ist mir heilig, und Herr von Miranoff mißbraucht seine Autorität als Gatte sowohl, als auch seine Macht als politisch einflußreiche Persönlichkeit, wenn er zwei Schwestern trennen will unö einer Frau droht. Ich verehre den Grafen von ganzem Herzen und würde zehnmal lieber sterben, als den ruhmreichen Namen bloßstellen, den er mir gegeben hat. ..." Die junge Frau hielt inne und blickte dem Marquis fest in's Auge; dann fuhr sie fort: .Aber ich glaube nichts Unrechtes oder gar Schmachvolles zu thun, wenn ich Sonia besuche. Sie ist eine Frau von Herz und Gemüth, und leidet so gut als ich unter unserer Trennung ja, sie zürnt mtr vielleicht im Stillen darum. Wer weiß, welche Bitterkeiten, welche Vorurtheile ein derartiges Vorgehen meinerseits für alle Zeit verwischen und ausgleichen kann?" .Wie wollen Sie der Ueberwachung des Grafen entgehen?" fragte Hubert weiter. .Sie werden ja doch uoh! wissen, daß Ihr Gatte mit der Polizei, präfektur im Einvernehmen steht?" .Nein, . das weiß ich nicht!" rief Nadja erstaunt. .Es bat sich sogar das Gerücht ver. breitet, der Graf sei in geheimer Mission hierher gekommen, um die nihilistischen Verbindungen zu vernichten. denen unsere Hauptstadt immer mehr und mehr als Operationsbasis dient." . .Aber in diesem Fall, wäre er doch inkognito hierher gekommen!" .Ganz richtig! Ich berichte Ihnen auch nur ein unberbürgtcs Gerede! So viel aber steht fest, daß der Graf sich in ständigem Einvernehmen mit der Polizeipräsektur besindet." . .Nun gut." antwortete Nadja. .dann müssen wir eben unsere Vorsichtsmaßregeln entsprechend treffen, ünd das ist Ihre Sache, Herr Marquis. J.ch bade Ihr Ehrenwort! Si: kennen und wissen, wie man sich' hier unerkannt zu bewegen vermag." , . i Hubert neigte seufzend sein Haupt. Es wäre vergebliche Mühe gewesen, sich weiter gegen diesen Frauenwillen aufzulehnen. In allen russischen e müthern lebt eine Art von Fatalismus, den man vielleicht am treffendsten als aktiven Fatalismus bezeichnen würde: er begnügt sich nicht damit, sich dem Schicksal zu beugen, sonöern er gefällt sich darin, ihm zu trotzen. Die starke, frische Einbildungskraft dieses jugendlichen Volkes greift einen abenteuerlichen Gedanken ungemein rasch auf, und bei diesen ursprünglichen Naturen setzt sich der Gedanke unendlich rascher in die That um, als bei unseren abendlälldischen Völkern, die seit Generatio- ! nen gewöhnt sind, zwischen ihre Ge ! l. , uuiiuii uuu u;ic iyuuuiujigeu 015 ueoerlegung treten zu lassen. Dieses Uebermaß von Impuls überrascht bei einem Barbaren ja nicht, wohl aber bei dem . Russen, mit dessen bober Geistesbil-
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iy iuy ooulianng zu vereinetzcn jajenit. Hubert fühlte, daß der.Enischlus. Nadjas unerschütterlich war, und da sie allein handeln würde, falls er ih: seinen Beistand versagte. Nun entwarf er einen Plan, aber zuvor nah'n er ihr das Versprechen ab. daß sie dies gefährliche Unternehmen nur ein einziges Mal versuchen were. In erster Linie wurde über die gecignetste Tagesstunde berathen. Die Dunkelheit wäre ja wohl günstig geWesen, aber im Juli wird es spät Nacht, und unter welchem Vorwand hätte sich die Gräfin Abends allein von Haufe entfernen können? Da man nun einurtn ... - l. j . .mal den hellen Tag wählen mußte, gab es kaum eine passendere Stunre. als den Theil des Nachmittags, wo Gras Mirancff sich in sein Arbeitszimmer einschloß und die Gräfin Besuche un) Besorgungen zu machen pslegte, falls sie nicht zu Hause empfing. Es wurde also beschloßen, daß die Gräsin an dem mit Sonia zuvor verabredeten Tag um zwei Uhr in's .Magaftn du Louvre" sahren sollte. .Wie. werden Sie mir aber zu wissen thun, welchen Tag Sonia gewählt hat? Sie hört Vorlesungen, und ist nicht frei, deshalb müssen wir ihr die Bestimmung überlassen. Aber wie werde ich es erfahren?" Hubert überlegte einen Augenblick; er wollte seinen Besuch nicht zu bald wiederholen, sondern lieber ein Briefchen schreiben und die Anfangsbuchstaben der Sätze so wählen, daß sie den bewußten Tag ergäben. .Nein," sagte Nadja, .da kausen Sie ganz . einfach Briefpapier, an dessen Kops die Namen der Tage vorgedruckt sind, und auf solch einen Bogen schreiben Sie mir etwas Gleichgiltiges: Vüchertitel, eine Adresse oder irgend etwas Derartiges.... Sie nehmen dazu einen Bogen, auf dem nicht der Wochentag angegeben ist, an dem Sie mir geschrieben, sondern der, an dem wir zu Sonia gehen. Des Datums bedarf es nicht, denn ich will den Besuch noch in dieser Woche ausführen." ' ' .Einverstanden! Sie befinden sich also im Louvre. Dort geben Sie dem Kutscher einen sehr eiligen Auftrag, cen der Diener in einer möglichst entlernten Gegend auszuführen hat, und befehlen' den Wagen eine Stunde oder sagen wir lieber anderthalb Stunden später an die Thüre des Palais Royal. Die Einkäufe der Damen nehmen doch wohl oft so viel Zeit in Anspruch, nicht wahr, Gräfin?" .Ja. auch noch mehr .Um so besser! Sie gehen durch den ganzen Laden und verlassen ihn durch den Ausgang in der Rue Marengo. Dort nehmen Sie einen Fiaker, einen guten Fiaker...." .Einen guten Fiaker!.... Solch einen greulichen. . gelben Wagen?. Aber ich weiß nicht.... ich werde es' niemals wagen.... Was ist überhaupt ein guter Fiaker?" .Ein sauberer Fiaker, mit einem nicht allzu mageren Pferd." .Aber wo werden Sie sich denn be-finden,-Marquis?" .Bei Fräulein Kawetschin. . . unten, vor der Hausthüre.... Sie werden mich schon von Weitem sehen. . . . Falls ich einen Stock in der Hand trage, so frißt dies, daß ich in der Umgeoung etwas Verdächtiges bemerkt habe. In diesem Fall lassen Sie nicht anhalten, sondern heißen den Kutscher weiter- - - .... fahren. Habe ich nichts in der Hand, dann lassen Sie halten, steigen aus und treten rasch in's Haus, ohne sich um den Kutscher zu bekümmern, den ich abfertigen werde. Und vergessen Sie ja nicht, einen zweiten, möglichst dichten Schleier zu sich zu stecken, den Sie im Fiaker vorbinden.... Wählen Sie auch dunkle Kleider, die Ihre Gestalt . nach Möglichkeit unkenntlich machen.... Und dann noch etwas: Sie müssen ein venig binken. wenn Sie auf, den Fiaker'zugehen und wenn Sie aussteigen." .Aber wenn Sie eie Stock in der Hand halten, dann wird ja nichts aus dem Besuch!" Nein, nein. Sie kommen fünf Minuten später zurück. Erst das dritte Mal, wenn ich dann den Knopf des Stockes nach unten halte, muffen Sie endgiltig fortfahren." .Natürlich wurden all diese Einzel-hetten-nicht auf einmal, sondern erst nach vielem Hin- und Herreden zu beiderseitiger Zufriedenheit festgestellt. Nadja wollte, daß der Marquis sie im Fiaker erwarte und in die RuL du Sommttard begleite. Sie fürchtete sich mehr davor, allein mit einem fremden Kutscher zu fahren und dann schließlich durch Hubert an dem Besuch verhindert, zu werden das Signal mit dem Stock erschien ' ihr höchst überflüssig als vor der Gesahr. mit Hubert gesehen, zu werden oder in einem Augenblick bei der Nihilistin zu erscheinen, wo das Haus von der geHeimen Polizei bewacht wurde. , Endlich trug die Klugheit des Marqüis den Sieg davon; Alles war abgemacht, und Hubert stand auf, um zu gehen. : .Also ' leben Sie wohl, gnadige Frau," sagte er, .auf Wiedersehen. . . . je bälder. desto besser, da Sie es so wünschen. Aber Ihr Entschluß flößt mir Sorge ein." Sie lachte muthig und lustig. Da ließ er sich, erregt durch dies jugendliche Lachen und das lange Alleinsein mit ihr zu einem unsinnigen! Schritt hinreißen. - - Mit ausgestreckten Händen trat er auf Nadja zu. erfaßte ihre Handgelenke. drückte sie so heftig, daß es ihr
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gen Frau sein von Angst und Leidenschaft entstelltes G.'sicht und flüsterte: .So heißen Sie mich doch, Sie fliehen! ....Heißen Sie mich doch die Reise machen!.... S sehen ja, bah ich aus Liebe zu Ihnen vergehe!" Aus seiner erstickten Stimme, aus seinem Blick und aus seiner Bewegung sprach sowohl die größte Leidenschaft, als die tiefste Unterwürfigkeit: eine nwiderstehlich durchbrechende Leidenschaft und der beste Wille, zu gehörchen. . . . Brutalität und Verzweiflung . . . .ungezügelte Männlichkeit und sklavische Vemuth. Auf etwas Derartiges war.NadZa nicht gefaßt gewesen! Ach, die arme, zwanzigjährige kleine Frau, gleich unerfahren an Leib und Seele, die einst geglaubt hatte, dert Greis zu lieben, dessen Namen sie' trug, sie hätte nie geahnt, daß es einen so furchtbaren und doch so süßen Taumel gäbe, wie der, der sich in diesem Augenblick ihrer Seele bemächtigte. Sie schloß die Augen, denn sie wagte nicht mehr, den vornehmen braunen Kopf anzuschauen, der sich so dicht vor ihrem Antlitz befand, dessen sanfte, leidenschaftliche Blicke sie so wonnig durchglühten, und dessen Lippen so nahe, so nahe den ihren bebten. Sie riß ihre Hände los, die der junge Mann nicht festzuhalten wagte. Und als sie ihn nicht mehr ansah. dsjie seinen zitternden Griff nicht mehr an ihren Handgelenken fühlte, da sagte sie mit einer Stimme, die ihr seltsam fremd in den Ohren klang, ganz kalt, ganz steif: .Sie haben Recht. Herr Marquis, machen Sie diese Reise Da Sie es wünschen, befehle ich es Ihnen. ... und ich befehle Ihnen auch, sich sofort zu entfernen!" Sie vernahm keine Antwort; gleichwohl wagte sie die Augen nicht aufzuschlagen, weil sie fürchtete, das ganze Zimmer sich um sie drehen zu sehen und ohnmächtig zu werden. Nach einigen Sekunden fühlte sie sich stärker, nahm alle Kraft zusammen und' blickte auf. Hubert war' nicht mehr da. .Nein, ich will nicht ohnmächtig werden!" sagte die Gräfin Miranoff zu sich selbst, verließ das Gemach und begab sich in ihr Schlafzimmer hinauf. Vor den Heiligenbildern brannte das .Ewige Licht" in seinem rothen vrnetianischen Glaskelch, der unbeweglich 'an seinen goldenen Ketten hing, dieö so unsäglichen Frieden ausstrahlende Licht, das von den friedlosen Menschen unaufhörlich genährt wird. In dem gedämpften, rosigen Schein dieser Lampe inmitten , der todten Pracht des Gemaches, unweit des großen üppigen Bettes, wo sie ihre Nächte einsam durchschlummerte, kniete die junge Frau auf ihrem Betschemel und weinte bittere, bittere Thränen. Aber so ehrlich war ihr Gemüth, so wenig kannte, sie die Spitzfindigkeiten der Leidenschaft, daß sie nicht einen Augenblick an der Unwiderruslichkeit ihres Verbannungsurtheils und an dem Gehorsam des Marquis zweifelte. Für sie mußte Alles zu Ende sein, für sie war Alles zu Ende. Nadja hätte geglaubt, ein Unrecht zu begehen, wenn sie auch nur mit sich selbst die erfüllte Pflicht noch einmal erörtert hätte sie fragte sich gar nicht, ob sie sich nicht vielleicht auch anders hätte verhalten können.. Das Bewußtsein der Pslicht hatte sie hingerissen mit der unwiderstehlichen Triebkraft einer Quelle, die von einer riesigen Höhe herabstürzt: von der Höhe der Jahrhunderte, die.in .den Seelen der Menschen gewisse Gefühle ansammeln, wie sie auf der Höhe der Berge Gletscher anhäufen! Ihre Thränen waren also nicht die Thränen der Feigheit, einer in's Wänken gerathenen Tugend,, sondern es waren dieThränen leidenschaftlicher Liebe. In diefem Augenblick kam ihr endlich zum Bewußtsein, wie grenzenlos fZe diesen Mann liebte diesen Mann, dessen Herz don ihr so erfüllt war, als das ihre von ihm. . . . Und nun reifte er ab!. . . . Und sie sollte ihn niemals wiedersehen!.... Bei diesem Sedanken wand sie sich in Angst und' Qual. Dann - küßte ' sie die leichten rothen, Flecken an ihren Handgelenken, die Spuren .der Leidenschaft, unter deren Gewalt Nadja von Miranoff,' zum ersten Mal die Schauer der Wollust kennen gelernt hatte. IX. Kapitel. Diesen Abend und am nächsten Tag erklärte die Gräfin Miranoff, sie fühle sich nicht wohl, und hütete das Bett. ' Sie hatte nicht den Muth, das alltagliche Leben aufzunehmen, das mit seinem für jede' Stunde vorherbestimmten methodischen Thun gedankenlosen Wesen eine Art. äußerer Seele verleiht. Vielleicht wäre es vernünftiger gewesen, wenn, die junge Frau ihren Herzensträum durch äußere Dinge und Handlungen, durch die nüchterne Wirklichkeit zurückgedämmt ' hätte. Allein sie bemühte sich im Gegentheil, Zeit und Raum und die verhängnißvollen Um-, stände zu vergessen, aus denen ihre Persönlichkeit, ihre Liebe und ihr Schmerz hervorgegangen waren. , Ohne zu bedenken, daß sie Hubert nur kennen gelernt hatte, weil sie die Gattin des Grafen Miranoff geworden war, und deß ein fehlendes Glied in der Kette ihr ganzes. Geschick verändert hätte, träumte sie nur davon, was geschehen wäre, wenn Hubert zufällig in den Regierungsbezirk Woronesch gekommen wäre, so. lange sie noch frei bei ihren Großeltern dort gewohnt hatten - i . lFortlehuna folgt.) Ti&h-i-mingo,
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