Indiana Tribüne, Volume 25, Number 146, Indianapolis, Marion County, 13 February 1902 — Page 7

333iana Tridune. 18. Februar Vju'Z.

Dr. J. A. Snicliffc, Wund-2lrzt, Geschlechts., Urin- un&Kectum Kranffyciien. O'ssicc : 155 darfst Str. Tel. 541 Office -i inden : 9 ti3 10 llfc: Im. : 2 DU4 Nhr?.

S2S2S323S2S22 ta a. KKU3IME. M Deutscher Zahn-Nrzt. S S 994 W 9T?frih?M Str. 5 M 'S 4 V V w w & Znnmn 55 und 5 im I?iZsuZ:':y ScdZud ; v) Ssfjialijl in tnonen- ir.ö BrüScn-Ardrlt j, AÄL?L5L5S5L5ES5K5L5;L5 D. P. 8TIRK & CO., No. 208 Nord Euft Stt. Ö!ie 5e!cdhon 2 on 1509. Reue Televhs 67. Vir mach? ei Lreziziltät von tünklichen Mlikde? und lkirurq'j? C3iifl?rftstJKn, ! Ur H-tr,, Sub Erweit??nn.im. SrucbdZnde? u. Sfrcadtt aus BeftkUnnz z?mch!: 8Je!:red5t?l.Oayn,ook Sir f?rfin ?or um Was; u nc5nea, enn c verlangt iri kledei Arantirt. Dr. L. A. G reiner, mvsie!)" ?i f 5r l:e Bcrpklc.qnug kranker Thiere. tZ" Rrar.U 'L'erSk lcfrbrn k!!!?czrnzknsm?n nun tttaAtu trist S:tuar:i:ng n& ui iörcr rigcncn Stauung. IS bis 24 Tiid Qst Straff c. Telefon X5. Sto'ung 17l3. t i. fen J s LlUlUUlU. 5ICT.:ncu SU uni icii;:i:::;i2ic tiejeinfie ZluZwahl :-: Pelze :-: in der Ciadt. Wir .rdcn Jl.re clc rrvariren und reinst-clircn zu raisonadlcn greifen bevor dcr zlttt'cttcrZlNdranz tornait. W. LOWENTHAL, der Kürschner. Oberhalb der Tiz $cur Ticket Cfficc. Beide Phsne 1713. "The . Capitol Bar" 229 West Washington Straße. Feine Weine, Liquöre und Cigarren BILLIARD PARLORS. oU"flcIIa3m. JXa vsr jsz? Eigenthümer. Alter Phzne 2938. Deutsche Wirthschaft toen G. LETJKHißDT, Zur Gemüthlichen Ecke, No. 102 Nord Noble Straße Jeden Samftag TllrtclsuPvc uud ausgezeichneter ü armer Luuöz. Neues Phone 201 1. GEO. MOSER, Srfe McCarty Str. uud Madisou Avc. Beste weine, iquörc nnd Cigarren. Jeden Morgen schmackhafterLunch. wi ri. 232: j wir offeriren unser reich. j haltiges Lager von Clcrrets, Zinfandcl, Surgrrndies, u. s. w., sowie auch alle importirten Weine und . Champagner :e.. M n :: zu den billigsten Preise. :: Bestellungen werden nach allen TheiIm der Stadt prompt abgeliefert. j JACOB HETZGER & CO., 30-32 OS Mailand tr. j Phcne 407. J- -Z Tom Redniondl Vic. Ilcllmer. m MR WM RODM, U0 Süd Illinois Straße. Feiue Weine, Liquöre und Cigarreu. Geschmackoole.- warmer und kalte.' Lunch

lanijrfjc Sctöcnfdjaft.

?!o:;lZN von Tcn'c! LkZueu7. (Fortseu.ig.) , Die 2e5er.xöeticf. fcie SGciranaft an naqm, als er sich w dcm g:oZ:en Plais eingerichtet hatte, wax eine mer!würdige Mischung von äußzisier VorIcht und äußerster Kühnheit. Te? Graf war sich wohl bewußt, daß seine Feinde, sobald Stunde. Alt uud Weise seines Todes festgesetzt und dc? Mör der durch's Lcos -bestimu'.t t?oreen :var, in ihrem Fanatismus dies Todeurtheil in Paris ebenso flewi voll zikheu würden. a!s h Petersburg. Gt war also, nicht nach Paris geloinw.en, um bert eine Zufluchlsstätie zu finden. Im Weaentheil. cr war V.ex weniger si5er. Trotz d::r unsichtbaren 2zU wach-e, mit der sowohl der Minister Innern wie auch d?r Pol:zeipräft!t den Grafen und die russische Gesandt schast umgebin ließen. J:rmochte cs in diesem La7.de dcr Freiit Äizmand. zu seinen Gunsten jene ÄorsichiZ- ur.t Sckhaß:egeln zu treffen, die n h RllklQnd von der ..Dritten Getiier. vcrlznaie. ?löZ:sehen von diesen varbeuzend-n Maßregeln kannte Mirancff von der französischen Neaie:rna Alles eclan(zn, denn diese schreite mehr als ci selb''! cor deni Gedanken znrüd, da auf ihrem G.'bict ein Attentat aus cer b::i! hinten G.'neral gemacht w-'rd:n lönntc. Mc.n. :?!e n?:hl, ds; sein ö'.nfln. auf den Zaren, trotz dcleichten lZn'fte.'nun, die durch die zw::te f:':'f- ?, sv,"Tt.n p-y f 71 n rn""" tyvi', vi UU.U t .i J . . . . .1 v.... rech unzen-.ein $zv rrar. In Wahrheit tjar cs aHiin dise z.oeitc :ir:th, die M?an?ss veranlaßt hatte, nach Paris 5U geben. Der Gedanke, sein:. Fr.'..: nicht i: vorstellen zu können, michte seinem Stolz den Aufenthalt in Rland nerträglich. Daß aber der Zar Nad'a ni?.näl.? empfanden unz niemals t:: gessen würde, daß diese kleine Lan.2adelige die Nachsolzerin einer Nirazn.ofj g;n??:d;n war,"d?sseu war c? n.:: allza sicher. Da die russische Aristokratie die r:',:. persönlichen Teccnken des Zaren geg:n di? Gräfin Miranzss, die übrigens tr.: Paskiewina war. nicht theilte, h wurde diese von ihren Landsleutel' i;: Paris mit Veaeisierunz empfanden m:-: auch den der höchsten französischen Sesellschast freundlich ausgenommen. Als Frau von Miraucff in Pariz ankam das hei&i in d:n eisten I. Silagen , ging die Saiscn 5U En7. allein man veelängert: sie noch d:-r!.' einige Bälle. Gartenfest: und derak: chcn. um der enizünden Gräsin eini:: alänzenden Ernps.ng in der schast bereiten ra lön:.:n. riir sasi öerausfordernder Kühnheit zeigte sich Miransf überall, aber aus einem Uebermaß von Klugheit traf er auch stets, chn? das; es danack) aussah, die allerklein!:c!sten Vorsichtsmaßregeln.; Niemals setzt: seinen Fuß in ein.'laus. ebe er von der Polizei die aenauestcn Mittheilunz:n über die Wirthe, die ihn empfingen, und die übrigen Gäste, mit denen er dort zusammentreffeu sollte, erhalten hatte. Niemals bestieg cr einen anderen, als seinen eigenen Wagen, der sich nur im schnellsten Trab fortbewegte, und da er sehr besorgt um seine junge Frau war, und diese die Gefahren, von denen er umgeben war. durchaus nicht theilen lassen wollte, gestattete er nie, daß sie mit ihm in seinem Wagen fuhr. Ginp.en sie zusammen in Gesellschaft, so folgten sich ihre Wagen in gemessenem Zwischenraum und erwarteten sich gegen seitia bei der Anksnft. Da natürlich nur sehr wenig; Menschcn in Paris sich in der Lage befanden, den wahren Vewcggruno dieses Verbaltens zu errathen, so verbreitete sick; 'die Meinung, die Gatten lebten nach stillschweigendem Uebereinkommen völlig getrennt von einander. Die regelmäßigen Besucher des Bois d: Poulcgne pflegten leise zu lächeln, wenn sie die Viktoria oder das Kupce :er Gräfin zu irgend welchen Besorgangen in die Stadt einlenken sahen, nachdem soeben die Troika des Grafen im tollsten Trab nach der Porte Dauphine gefabren war. Thatsache war, daß sich das Leben Nadjas immer einsamer gestaltete. Aus keiner ihrer gesellschaftlichen Beziehungen hatte sich eine engere Freundfchaft entwickelt im Gegentheil: der Wirbel, von dem sie sich ergriffen fah, hatte ihr die eigene 'Herzensöde nur noch deutlicher zum Bewußtsein gebracht. Das aus's Höchste gesteigerte Gefühl der Dankbarkeit und Bewunderung für ihren Gatten, für diesen gewaltigen Mann, der sie aus dem Nichts bervoraezöqen und sie zu einer der hervorragendsten gesellschaftlichen Stellungen in Europa emporgehoben, hatte sich in nichts vermindert, aber sie fina an. dies Gefühl richtig zu derstehen, und vermochte nicht mehr, es mit der Liebe zu verwechsein. Inmitten ihres eigenartigen Daseis, das nach außen voll Glanz und Giolz, nach innen nur Dienstbarkeit war, das au gesellschaftlichen Erfolgen und innerlicher Verlassenheit bestand, fühlte sich Nkdja plötzlich von einer unendlichen Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit ergriffen. Zweierlei Erinnerungen verfolgten sie bei Tag und Nacht: die an Sonia. in der ihre glückliche Kindheit verkörpert war, und die an Hubert an die einzige, köstliche Stunde in Monaco, die sierliÄ nie-

w:e2er::hrcn würde mit iyrer traumhasn. begeisterten, unerllarlichen Trunkenheit. Herr von Brnaz hatte ihr über die Sendung Bericht erstattet und all seine Beredsamkeit ausgeboten, um ihr von jeder Verbindung mit solch fanatischen Menschen- wie Sonia und ihr Verlobt:?, Sergius Krilowsky, es waren, abzurathen. Von da an vermied er es als wolle cr 'vermeiden, sich selbst auS thörichtem Edelmuth zu einer Unklugheit hinreißen zu lassen das Palais Miranoff zu den Stunden zu besuchen, wo die Gräfin allein empfing. Seine letzien, übrigens seltenen Vesuche, hatten hauptsächlich dem General gegolten, und seit zwei Monaten war er nicht mehr allein bei Nadja geWesen. In ihr aber war ein sonderbarer Eindruck mächtig geblieben, den er auf sie bei einem Ball der russischen Gesandtschaft gemacht hatte. Als Hubert mit ihr tanzte, war er plötzlich sehr bleich geworden, hatte Entschull:gungen gestammelt und von Herzkrämpsen gesprochen, an denen er ab und zu leioe; dabei hatte er sie mit einem schmerzlichen, fast verwirrten Blick betrachtet. Dieser Blick hatte in Nadjas Herz das Mitgefühl erregt, und gar häusig erinnerte sie sich dessen. So oft sie sich das angstvolle Flehen seiner Augen zurückrief, erbebte sie und fühlte den nämlichen herben und doch süßen Schmerz, den sie damals empfunden hatte. Eines Nachmittags, als sie ausfuhr, um Besuche zu machen, wandelte sie plötzlich die Lust an, zu Fuß durch die Champs Elyses zu gehen. Ihr Viktoriawagen folgt: ihr im Schritt; er wurde aber nicht von einem russischen Gespann, sondern von zwei Eoldfüchsen aus französischer Zucht gezogen, die ihr dcr Graf auf ihre Bitte kürzlich geschenkt hatte. Es warcn zwei wudervolle Thiere, flotte Traber, deren herrliche Hautfarbe wie flüssiges Golv in der S?nne funkelte. Allgemein bewunderte man das Gespann, aber die junge Frau noch viel mehr. Allein Nadja genoß weder das neue Vergnügen, diese herrlichen Füchse zu besitzen, noch das andere, dessen so leicht keine Frau überdrüssig wird: das Bewußtsein, schön zu sein. . Eine kurze Bemerkung, die ihr Gatte vor einer Stunde beim Frühstück gemacht hatte, kam ihr nicht aus dem Sinn: Nadja, hast Du gelesen, daß die Morgenblätter von einer neuen Reise des Herrn von Brenaz berichten? Es ist doch sonderbar, daß er uns nichts davon gesagt hat!Eine neu: Reise des Marquis vom Br6naz!" Tiefe Worte klangen ihr beharrlich in den Ohren und fanden ein Echo in dem Herzen dcr lleimn Gräfin, in dem sie anen dumpfen, verzweifelten Schmerz erweckten, wie sie rhn in ihrem Leben noch nie empfunden hatte. Eine neue Reise des Marquis von Vrönaz!" Wohin wollte er denn? Sie hatte sich danach erkundigt, aber was lag daran?.... Die Hochebenen Zentralasiens.... dcr Landstrich zwischen Indien. Turkcstan, Sibirien und China. ... Er wollte die Heimath der alten Arier bereisen und erforschen. All diese Namen sagten ihr aber nichts und klangen fremd an ihr Ohr. Sie begriff nichts, cils daß er abreiste; sie sah nichts als den Pariser Bahnhof vor sich mit dem Getöse der Wartesäle und dem dumpfen Rollen der ankommenden und abfahrenden Züge; sie hörte nichts als den gellenden Pfiff der Lokomotive, von dem die Glasscheiben der Halle erzitterten; dann das langsame Dröhnen der Wagen auf der Drehscheibe. ... Er reiste ab. er war abgereist!. . . . Nun verschwand er im Dunkel des ersten Tunnels.... nun war's vorbei' Und dies bereitete ihr ein furchtbares Weh. Also verflücktigten sich all ihre Träume. ... all ihre Pläne der Vcrsöhnung. der Barmherzigkeit, der Entwaffnung. ... Ihre Hoffnung, die Freundschaft Sonias zurückzugewinnen und die Flüche der Unglücklichen in Segenswünsche zu verwandeln, waren vernichtet. Und vor Allem war nun das köstliche, fast unrechte, aber doch so erhebende Bewußtsein zerstört, mit diesem Freund, mit diesem Helden ein Geheimniß zu theilen!.... Hubert von Br6naz wollte abreisen. . . . und Alles, was ihm Nadja mit so viel Begeiste rung auseinandergesetzt hatte, verlor jetzt sein Interesse für sie und versank im öden Dunkel des Nichts, sobald er nicht mehr da war. Von dem Bewußtsein ihres Unglücks erfüllt, schritt die junge Gräfin Miranoff die Champs Elysöes hinab. Wäh;end ihre Schönheit und ihr Luxus bewundernd: Freude und heftigen Neid erregten, wo sie vorüberging, wurde dies Bild des Glückes von stummem Leid verzehrt. Plötzlich verdichtete sich ihr ganzes Denken und , Empfinden zu dem leidenschaftlichen Wunsch, dem Marquis von Brenaz zu begegnen. Sie wollte ihn sehen und von ihm selbst erfahren, warum er abreisen wolle abreisen so kurze Zeit, nachdem er ihr seine Dienste angeboten und sich bereit erklärt hatte, sein Leben für sie efr.zu setzen, wenn sie es verlangen sollte. Ja, sie mußte ihn sprechen! Und als ob dieser leidenschaftliche Wunsch in die Ferne gewirkt hätte, sah Nadja nahe beim Rond-Point die Geftalt des Marquis zwischen den doppelten Reihen der eisernen Stühle und der Lebkuchenbuden auf sich zukommen. Beide fühlten sich von dieser Legeg pung so ergriffen, daß sie fürchteten, ihre Erreauna könne den Vorüber-

ir.aB

gehenden ausfallen, und ' deshalb in schweigendem Einvernehmen nach einigen Schritten in einen Nebenwez einbogen. Wie cs bei plötzlichen großen Gemüthsbewegungen zu gehen pflegt, prägten sich ihnen in dieser Minute die

e undedeutendztcn äußeren Umstand aus's Tiefste ein. Nadja bemerkte den Ziegenwagen, auf d:m ein !Zaby mit ernster Würd: thronte, und Hubert entdeckte. aß - die hölzernen Pferde des Karussells sich ausnahmsweise nicht im Kreise drehten. Gewisse Erschütterunnen lassen dcs innere Leben für kurze Zeit stillstehen - und gewahren dadurch äußeren Eindrücken mehr Spielraum. Dieser Ausnahmezustand hörte aber fast soaleich.wieoer auf. Nicht wabr. Sie reisen nicht ab, Marquis? Nicht wahr, die ZeitungsNachrichten beruhen auf einem Irr-thum?-Hubert antwortete nicht sogleich, und sie glaubte, als sie ihn, auf eine Erwiderung wartend, anblickte, zu bemerken, wie sich der Blick des jungen Mannes verhärtete und einen grausamen Ausdruck annahm. Gleichzeitig siel ihr aber auch sein verändertes Aussehen, ein trauriger Zug um den Mund und die Magerkeit seines Gesichtes auf. Ein heftiges Erschck:n, eine tiefe Entmuthigung kam über sie. Ja!.... Also ist es doch wahr?.... Sie reisen ab?" begann sie mit bebenden Lippen aus's Neue. Es muß ja sein," sagte er mit dumpfer Stimme. Erstaunt wiederholte sie: Es muß sein!.... Es muß sein!.... Aber warum 'denn?" Weil ich unglücklich, weil ich Wahnsinnig bin! Ach, wenn Sie wüßten, welch' schmerzlicher Wahn von meinem canzen Wesen Besitz ergriffen hat!" Sie sind bedrückt?" sagte sie mit unendlicher Sanstmuth. Aber warum fliehen Sie dann Ihre Freunde.... Ihre besten Freunde?.... Sie setzen sich ja auch der Gefahr aus, Ihren Kummer mit sich fortzutragen." Das ist wahr, aber dann werde ich wenigstens nicht schuldig werden. Es handelt sich um eine Sache der Ehre. Ich mußJhnen den stolzen Satz wiederholen, gnädige Frau, den Sie in Monte Carlo gesprochen haben: Ich will nichts thun, was gegen die Ehre ist... Ach," entgegnete Nadja lebhaft, in diesem Fall brauchen Sie nicht abzureisen, denn niemals und nirgends werden Sie etwas thun, was Ihrer unwürdig wäre." Hubert gerieth sichtlich in Aerwirrung. und die junge Frau, die glaubte, sein Entschluß sei schwankend geworden, wollte weiter in ihn dringen. Er aber rief aus: Ich beschwöre Sie, gnädige Frau, zwingen Sie mich nicht, Ihnen zu sagen, was mein Herz erfüllt. Es würden mir Worte entschlüpfen, die niemals über meine Lippen kommen dürfen! Ich bin in diesem Augenblick nicht Herr meiner selbst."Der junge Mann übertrieb nicht und verfolgte keinerlei Taktik. Die 'inverhohlene Beunruhigung der Gräfin über seine Abreise erschütterte aber seine moralische Kraft. Diese unerwartete Auseinandersetzung traf ihn völlig unvorbereitet, und am allerwenigsten hatte er die ängstliche Sorge um ihn erwartet, die die Gräfin nun an den Tag legte. Darüber verlor der Marquis beinahe den Kopf; er fühlte, daß er im Begriff stand, hier in einem öffentlichen Park irgend etwas Wahnsinn!ges zu sagen und dies mit einer gezwungen kalten Miene, die er aus Rücksicht auf die Vorübergehenden annehmen mußte; mit einer scheinbaren Kälte, die das Geständniß, das er nicht länger unterdrücken konnte, nur noch kühner und beleidigender erscheinen lassen mußte. Und um dieser Frau nicht in's Gesicht zu schreien: Ich liebe Dich.... aber zugleich achte ich Dich und mich, und deshalb reise ich ab!" wiederholte er immer wieder mit beinahe gestörtem Ausdruck: Verzeihen Sie. mir verzeihen Sie mir. ... Ich sage Ihnen ja. daß ich wahnsinnig bin!" Eine Pariserin hätte ihn gleich derstanden und je nach ihrer augenölicklichen Laune durch einen Blick ermuthigt oder ihm ebenfalls durch einen Blick seine völlige Kaltblütigkeit wiedergegeben. Aber Nadja. diese am fernen Don erblühte Blume, diese Tochter der Einsamkeit, deren Lebenskenntniß durch ihre Heirath mit einem Greis kaum erweitert worden war, und die an Reinheit durch diese Ehe nichts derZoren hatte, begriff um so weniger, was in Huberts Herzen vorging, als sie selbst schwer darunter litt. Als das größte Unglück, als ein Leid, das zu ertragen über die Kraft eines Sterblichen" ging, erschien ihr. Jemand verlassen zu müssen, den man liebt. Wie konnte sie also annehmen, daß der Marquis von Br6naz sie liebe, wo er doch daran dachte, sie zu verlassen. ' Gut also," rief sie mit flammendem Blick und zornig gerötheten Wangen, gut, Sie reisen ab. und ich werde meine Aufgabe allein erfüllen. Ich werd: meine Schwester Sonia, von der Sie mich fernhalten wollten, selbst aufsuchen! Sie ist das einzige Wesen, das rch liebe, und noch m dieser Mmute fahre ich zu ihr!" Damit schritt' sie auf ihren Wagen zu, von einem solch heftigen Schmerz erfüllt, daß es sie wirklich unwiderstehlich zu der Freundin trieb, an deren Brust sie früher ihre kindlichen Schmerzen auszuweinen gepflegt. Sie ist das einzige Wesen, das ich liebe!".... Hubert hatte diesen Ausruf deutlick verstanden. Also liebte die

Gräfin von Miranoff ihren Gatten nicht?

Aber in diesem Augenblick handelte es sich nicht mehr um Liebe. Jetzt mußte er dies impulsive Kind, dessen Verzweiflung ganz geeignet war. ihn mit Fremde zu erfüllen und all seine männlichen Entschlüsse zu erschüttern, vor sich selber retten. Er folgte ihr bis an ihren Wagen, und sagte: Gräfin, Sie sollen Sonia sehen wenn Sie es mir gestatten, führe ich selbst Sie hin. . . . Aber um Gottes Willen, besuchen Sie Ihre Freundin nicht jetzt, nicht am hellen Tag, und fahren Sie nicht in Ihrem eigenen Wagen bei ihr vor!" Er sprach sehr rasch und sehr leise, indem er sich bemühte, den Vorübergehenden nur die lächelnde Außenseite des Mannes von Welt zu, zeigen. .Im Nu erlosch die Flamme, die" auf den Wangen Nadjas erglüht war. Die Gräfin Miranoff erblaßte, als ihr zum Bewußtsein kam, welche gefährliche Thorheit sie hatte begehen wollen; dazu kam noch, daß die Bemerkung des Marq UZ einen zauberhaften Reiz auf sie ausübte stellte er ihr doch die so sehnsüchtig erträumte Bundesgenossenschaft in Aussicht. Also, Sie wollen mich selbst zu Sonia begleiten?" Er fürchtete so sehr, sie könne eine Ueöereilung begehen, daß er nach kurzem Zögern erwioerte: Ja. wenn Sie es gestatten." Geben Sie mir Ihr Ehrenwort darauf!" Er lächelte über ihre kindliche Veharrlichkeit, sagte aber doch: Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort!" Beider Blicke wurden mitder. Ein Etwas, das mächtiger war, als aller Widerstand, als alle gefaßten Ent-sqlusse-und alle gehegten Zweifel, wob sich von emem zum anderen in diesem Augenblick sahen sie sich aeaenscitig in die Seele. Das strahlende Licht ihrer Liebe blendete sie. Warum hatten sie sich soeben nicht verstanden, und warum verstanden sie sich jetzt? Wer vermöchte cs zu sagen? Ein süßer, ernster Taumel hatte sie ergriffen und die erbitternde Ungewißheit, rn der sie sich soeben noch als zwei Gegner gegenüber gestanden hatten, völlig beseitigt. Sie meinten in dem plötzlichen Glücks- und Friedensgesühl, das sich ihrer bemächtigt hatte, es sei letzt alle Gefahr beseitigt, und sie könnten in aller Ewigkeit Seite an Serie nebeneinander hinleben, ohne nach weiterem Glück zu verlangen. Nadra, die wieder im Wagen Plat) genommen hatte, sagte mit sanfter, gedämpfter Stimme, wie man in einer Kirche spricht, zu Hubert: .Besuchen Sie mich morgen gegen drei Uhr, dann besprechen , wir diesen Besuch bei Sonia." Ich werde kommen, gnädige Frau Also bis morgen!.... Leben Sik wohl!" Adieu!.... Auf Wiederfehen!" Sie beugte sich vor und gab dem Diener eine Adresse an. Der Kutscher lockerte die Zügel und die schönen Goldfüchse stoben prächtig dahin. Von der Reise Huberts hatte Nadja kein Wort mehr gesprochen, als sie sich von ihm trennte. Sie fühlte nur allzu wohl, daß er jetzt nicht mehr reisen würde. VIII. Kapitel. Am anderen Tag erhob sich die Gräfin Miranoff gegew zwei Uhr von Tisch und begab sich von dem kleinen, im ersten Stock des riesigen Palais gelegenen Speisezimmer, wo sie mit ihrem Gatten allein gefrühstückt hatte, in ihr Schlafgemach, während sich der Graf, von Semen begleitet, in sein Arbeitszimmer zurückzog. Im Schlafzimmer der Gräfin befand sich in der Nähe des von vier geschnitzten Säulen getragenen, von saphirblauen, mit altrosa Seide gefütterten Plüschzardinen umwallten Bettes in einer durch Behänge verdunkelten Ecke die Ikonostase (eine Art großer, dreitheiliger Schirm mit Heiligenbildern. in griechisch-katholischen Kirchen und Kapellen), deren matter Goldglanz ein geheimnißvolles Leuchten verbreiictc: Bor den Heiligenbildern glühte das Ewige Licht" in einem rothen, venetianischen Kelchglas, das an goldenen Ketten von der Decke herabhing. Nachdem die Gräfin den Riegel vor die Thüre geschoben hatte, warf sie sich vor der Ikonostase auf die Knie. Nadja war fromm sie war von einer sich in großen Zügen äußernden unbestimmten Frömmigkeit erfüllt; von der Frömmigkeit slavischer Ge. müther. Bon allen Menschen kann am wenigsten der Russe . der Träumerei entbehren, aber auch , keines Menschen Träume hab?n so wenig bestimmte Umrisse wie die, in denen der Russe schwelgt. Sein moralischer Horizont gleicht dem öden und doch erhabenen Horizont der Steppen, der dem Auge des Muschik einen Blick in weite, unermcßliche Räume eröffnet. Was liegt daran, daß diefe Welten inhaltslos sind?.... Sie sind grenzenlos!.... Und dieSeele des Russen bedarf, gleich dem wilden Pferde in den Steppen des Don. vor Allem des Raumes, um sich darin zu tunimelu. (Fortsetzung folgt.) John Emhardt's Garsicld Park Saloon, 1621 S. East Str. feinste Getränke und Cigarren. siegel öabn, Billard. Geschmackvoller Lunch fcfm ganzen Taa. Besucht den deutschen Zahnarzt Gz. Krumme, Zimmer 55 und 06, No. 2U Nord Meridian Straße.

4 I ioilk 18 M I I .Tos. Pfliios-or & s!o

1531-1533 Süd East Straße. Neues Telephon: 1130. Gutes trockenes Brennholz zu mäßigen Preisen. 5 Reelle Bedienung zugesichert. 4 -M J0I111 F. Sanders sample Noom, 228230 Ost Wabash Str. Beste weine, (iquöre : : : und Cigarren, Telephon alt und neu. 95?. August Thau's ff tfi aacm. lO Sud Cast Ttrasze. 44444 4 t Conccntrirtcs i : Pluto Wasser, l X Quarts' 35c t X Spike 15c 4- von. Pluto Salz 50c 4i l FREIICH UCK SPRIÜ6S, das Carlsbad von Amerika. X- Gesundheit und Kraft für Diejenigen X die durch Ueberarbeit krank wurden. Es kräftigt das System und gibt neues Leben. w 5 X Es ist in der ganzen Welt nicht zu v : ; übertreffen. Engros nd Cndrtail. Harald Schmidt, X 132 Süd Telawar'e Straße. t Telephon Main 2405. 1 T k ! r.. ncianaf cus, nc. 4444 444444444444444 John Baift, Mg, tinm ü Cigarren. Line schöne Tanz-Halle fallt im mi .az in Verbindung. Ecke Michigan Straße und Warman Avenue. Haughville. Inder Deutschen Wirthschaft von T ' WM. FRICK, tto. 607 Oft Washington Straße, indet man feinstes Home Brew mit lchmack ,aftem Lunch ;u jeder Stunde Ul Tages. ? i$f?" FMljik 1 c'- . ri l? E'ÄW Base Burner Heaters Hot Blast Heaters Kochheerde $12.50 'S5I.0Q $8.25 $25.00 $7.50 i $30.00;

WZ's k Mm hir Vl4I Weg Washington Ettaße. SCHWEIKLE & PRANGE, ftafcnlanteu von Kutschen, Vuggies, Mieferungsvasen nud Federvagea jeder Art. 1-803 Ost Market. Ecke Davidson Etr. Siepararur, und Wagenanftnck prompt und gara itt gut bclorot. SieueS Itlepion 1350. 1

(