Indiana Tribüne, Volume 25, Number 145, Indianapolis, Marion County, 12 February 1902 — Page 7

Jndiana Tridunc, 1& Februar 1902;

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Büffet Sa oon

Slavische Leidenschaft.

Sierra von Zcnul Lesucu?. (Fortsetzung.) Die ethnologilchcn Kenntnisse des Marquis föaren grob genug, um ihn zu belehren, datz die slavische Rasse durch ihre äußere Erscheinung der arischen am nächsten steht, von der noch heute einige Ueberrefle im Thale des Ganges zu finden sind, wie ja auch die alte slavische Sprache von allen enropäischen Zungen d?m Sanskrä am nächsten verwandt ist. Aber wie bei vielen ihrer Landsleute hatte auch bei Sonia das tartarischeElement dieZüge leicht gedrückt. daZ Gesicht verbreitert und die Lider über den im Augenblick fest auf den Brief gerichteten Augen schräg in die Höhe gezogen. Trotzdem hatte ihre Erscheinung durch die fast durchsichtige Weiße der Haut, die leuchtend: Klarheit der Augen und die anmuthige Geschmeidigkeit des jungen Körpers etwas überaus Verführerisches behalten. Hubert, der voll Mißtrauen hierhergekommen war. empfand sofort eine gewisse Sympathie für sie. Ungeduldig wartete er. bis sie den vier Seiten langen Brief gelesen hatte, denn si: mußte ja dann mit ihm von Nadja sprechen. Aber plötzlich ergriff ihn eine mäch tig? Bewegung; eine schwere Thräne war aus den Augen der junz:n Russin auf 5as Papier gefallen. Doch energisch nahm sie sich zusa:: men und sagte: Bitte, besiellen i: Frau von Miranosf, daß ich sie so innig liebe, als je. Sagen Sie ihr auch, daß ich mich wohl befinde, und da meine Herzensangelegenheiten sie teressiren daß ich ncch immer n.;i Sergius Kriwolsky verlobt bin. Behallen Sie nur den Vornamen.... Sergius. Das genügt, denn sie wi:d sich seiner erinnern, weil wir ihn s:r drei Jahren gemeinsam in Petersburg kennen gelernt haben. Sie weiß auch, daß wir zusammen in Deutschland stuöirt haben. Sagen Sie ihr auS, bitte, daß wir uns seither nicht mehr getrennt haben... e? wohnt hier in diesem Hause, neben an. ... . Nur bat .mein Verlobter eZ weiter gebracht, alö ich. . . . Sergius hat sein Examen g?macht und ist schon Dotor. Wollen Sie Frau von Miranosf all diese Ei7.zelheiten berichten?" Gewiß, gnädiges Fräulein." stammelte Hubert ganz verdutzt. Dies junge, zweiundzwanzigjährige Mädchen. das ihn so unbefangen bat, zu erzählen, daß sie neben einem jungen Mann wohnte, den es nicht mehr verließ, setzte ihn in solche Verwunderung, daß er seinen Auftrag ganz vergaß, und nicht umhin konnte, zu fragen: Habe ich Sie recht verstanden, gnädiges Fräulein, wenn ich annehme, raß ich berichten soll, Sie warteten mit Ihrer Verheirathung nur. b:s Sie den Doktor gemacht hätten?" ) nein, mein Herr!" Tann werden Sie sich schon frühes verheirathen?" Nein, ich werde mich vi:lleicht g.'.r nie verheirathen." Auf seinen Zügen .malte sich, eine solche Verblüfftheit, daß. ein flüchtiges Lächeln über Sonias Züge glitt. Sie fragen dies, weil ich das Wort Verlobter" gebraucht habe.- Aber, mein Gott, ich weiß eigentlich keinen anderen Ausdruck, als das Wort Verlobung" für die Lage einer Frau, deren Leben durch ein heiliges Versprechen mit Um eines Mannes verbunden ist. den sie mit wahrer Liebe liebt. Ich weiß wohl," fügte sie mit völliger Ruhe uns klarem Blick hinzu, daß er auch mein Geliebter fein könnte. Aber das ist Privatsache und geht nur uns allein etwas an. Sobald wir in ein solches Verhältniß treten und es sagen vollen, werden wir ihm die ossizielle Etikette Heirath" anstecken. Aber wann? Das weiß ich nicht. Das hängt von dem Werk ab. an dem wir gemeinsam arbeiten, und dessen Erfolg mir höher stellen, als unsere eigenen kleinen Angelegenheiten. Was geht es bis dahin andere Leute an. wie wir uns unser Privatteben einrichten?" Diesmal war es der Marquis, der ein Lächeln unterdrücken mußte. . Sie stehen über allen Vorurtheilen, gnädiges Fräulein, aber Sie leben in Frankreich, in einem Land, wo öiese lehr ausgeprägt sind. In Ihrem Vaterland...." ' Warum reden Sie von Ländern und von Vaterländern, mein Herr? Ich erkenne keines an. Wie der Privatbesitz des Landes den Diebstahl zum Ursprung hat, so beruhen die Vaterländer auf Krieg und Eroberung. Alle, die die ganze Menschheit lieben, haben die Mission, die Vaterländer zu zerstören." Zerstören!" rief, der Marquis von Brnaz aus. Wie richtig hat man Ihre Partei mit. dem Namen Nihilisten" gekennzeichnet! Verneinung des Eigenthums, Verneinung des Vaterlande, Verneinung der Ehe. .... Aber, verzeihen Sie, haben Sie uns an Stelle Alles dessen wirklich etwas zu bieten?" Unsere Verneinung richtet sich nicht gegen die wesentlichen Bedingungen des sozialen Lebens, sondern gegen die offiziellen Lügen, die diese. Bedingungen verdreht haben. Haben wir erst den blutigen Wettkampf der verschiedenen Vaterländer aufgehoben, so bleibt uns der fruchtbarere ökonomische und in dustrielle Wettstreit. Wenn wir die Lüge des Privateigenthums vernichtet haben, so wird uns immer noch und mebr als Ze daö Land verbleiben. ,! -

yaven wir Die Cyeluge zerstört, so werden wir mehr als je die wahre Liebe finden." Aber Sie werden dann keine Familie mehr haben." Wir werden sie immer haben, wenn die Bedingungen unserer Existenz oder das Bedürfniß unseres Herzens sie uns erforderlich erscheinen, lassen. Aber. verzeihen Sie eine Frage, mein Herr! Sind Sie verheirathet?..Nein,- sagte Hubert, der roth wurde, ohne zu wissen, waru. Nun, und wenn Sie morgen eine Frau so liebten, daß Sie wünschen würden, ihr Leben mit dem ihrigen zu vereinen, würden Sie sie dann heirathen, weil die Einrichtung der Ehe besieht oder weil Sie wünschen, mit ihr eine Familie zu gründen?" Mein Gott." erwiderte Hubert, der immer röther wurde, es steht für mich ja fest, daß ich nur eine Frau heirathen würde, die ich liebe, aber viele Menschen heirathen, weil es eben üblich ist. und die Familie ist nichtsdestoweniger aegründet." ? Nein, mein Herr! Sie dürfen nicht behaupten, daß eine fo niedrige, auf so wackeligcn Füßen stehende Vereinigung eine Ehe ist. Nur da. wo zwei Wesen und wenn es nur Thiere sind sich lieben und sür einander und ihre Kinder leben, nur da ist die Familie. Welebes auf dem Standesamt bekritzelte Papier hätte die Macht, dieses Heiligthum in's Leben zu rufen? Die Ehe ist eine auf dem Ehebruch und der Prostitution qufgerichtete Lüge. ??n heut auf morgen würde in unserer zivilisirien Gesellschaft die Ehe verschminden, wenn ihre beiöen Stützpunkte, der Ehebruch und die Prostitution, plötzlich durch ein unumstößliches Gesetz beseitigt wijrden." Dies junge Mädchen, das so sprach, war doch ein sonderbares Geschöpf. Mit lebhaftem 'Interesse wog Hubert die Macht des Glaubens, des Willens und des Denkens ab. die aus jedem ihrer Worte sprach. Er widersprach ihr nur, um. ihre Erörterungen hören zu,kön-nen,-denn er blieb innerlich so skeptisch als zuvor. Diese großen sozialen Grundzüge erschienen ihm als niemals zu verwirklichende Hirngespinsie, weil seiner Ansicht nach die unendliche Ver schiedenheit der einzelnen Geister und Rassen die Menschheit stets davon adhalten mußte, auf einem gemeinsamen breiten Weg dem Fortschritt zuzustreben. Gerade diese Verschiedenheit reizte den Marquis und lockte ihn auf all die Pfade, die in allen Ländern und zu allen Zeiten von den Pionieren der Zivilisation gebahnt worden sind Pfade, von denen gar viele nie zu einem Ziele geführt haben! Was kümmerte er sich um einzelne Einrichtungen! Er hatte deren schon so viele gesehen! Und darunter waren häufig sehr sonderbare und ungeheuerliche gewesen, unter und mit denen die Menschen doch lebten, liebten und sich aufopferten und starden. fast gerade so, wie sie es unter dea Gesetzen Lykurgs und Solons gethan haben. Er für seine Person begnügte sich mit den ihm von einer Reihe Ahnen überkommenen edlen UlberlieferungeTl, aber eine unüberwindliche Neigung führte ihn immer wieder rm ein odcr zwei Jahrhunderte rückwäs, in die ruhmreiche Zeit des monarchischen, katholischen Frankreichs, eine der schönsten und vollendetsten Blüthezeiten der Menschheit. Was ihm bei Sonia Kawetschin besonderen Eindruck machte, das war das kalte Ungestüm ihres Fanatismus. Er begriff sofort, daß dies june Mädchen nicht nur mit Wonne ihr eigenes Dasein, opfern würde, sondern auch alle und jede andere Existenz, die ihr sür den .Sieg ihrer Sache" werthvoll erschiene. Sie war von der mächtigen Triebkraft beseelt, die Märtyrer und Henker erzeugt: von dem Glauben. Und Hubert begann mehr als je sür den Grafen Miranoff zu fürchten. Gar gerne hätte er Sonias Gefühle gegenüber diesem unerbittlichen Verfolger ihrer Gesinnungsgenossen kennen gelernt, aber sie vermied es, auch nur den Namen zu nennen. Deshalb gönnte er sich, mit Hintansetzung der Politik und des wahrscheinlichen Attentates, das Vergnügen, von Nadja zu reden, indem er die Unterhaltung auf das Gebiet der Kindheitserinnerungen lenkte, da er annahm, daß Fräulein Kawetschin dabei das Herz ausgehen werde. Aber wiederum blieb Sonia sichtlich zurückhaltend. DerNameihrerFreundin vermochte ihren Lippen nur alltägliche und ausweichende Bemerkungen zu entlocken, und keine Thräne müderte, wie vorhin, den kalten Glanz ihrer grauen Augen. Hubert beharrte aber bei seinem Thema und konnte, obgleich er ihr Nadjas Pläne noch nicht zu enthüllen beabsichtigte, die Aeußerung nicht unterdrücken: In ihrem Herzen ist sie aber ganz einig mit Ihnen!.... Ach, wenn Sie wüßten, was sie thun kann und was sie thun will! Wie Sie selbst sorgt die Gräfin sich um die Enterbten dieser Welt und brennt vor Begierde durch meine Vermittelung sich an Ihren Werken der Wohlthätigkeit zu betheiligen!" .Der Wohlthätigkeit!...." rief Sonia. Ach. mein Herr, sprechen Sie dies Wort nicht aus! Unsere Aufgabe ist eine Mission der Gerechtigkeit. Der müßiggehende Reiche, der den armen Arbeiter ausbeu4t, hat nicht das Recht, ihn mit dem WortWohlthätigkeit" zu beleidigen!" Diesmal wurde sie lebhaft, und ihre durchsichtige Haut färbte sich roth vor Empörung. Mit bitterem Auflachen fuhr sie fort: Ja,' so liegt die Sache! ftniu Gräfin von Miranoff würde sich

einbilden. eme'TYat ver Varm?erz:gj tut zu thun, wenn sie ihren Arbeitern ! im Ural. 5ie in der Tiefe ihrer-Berg-i werke unter der Peitsche der Aufseher die Malachitstalaktiten loshauen, einige I Blöcke des kostbaren Gesteins überließe! ! 1 k " i nv"

jüoii I Uhren Huncerie oon Scannern mit ihren Weibern und Kindern ein Leben voll Mühe und Arbeit, ohne die geringste Unterbrechung sie dulden Folterqualen. ... So rauben Einzelne für sich die Reichthümer der Natur, die doch das Erbe der gesammten Menschheit sind! Ich sage Ihnen, wenn es ein Mittel gäbe, sich des Sauerstosfes , der Lust zu bemächtigen, so fänden sich Banditen genug, um ihn auf Kosten der Schwachen auszubeuten, so gut wie das Getreide das Getreide, das für das 'menschliche Lehen genau so unentbehrlich ist. wie die Lust!" - Aber man athmet ohne Mühe, während man das Getreide, um ernten zu können...." i Ganz richtig, mein Herr. ... es erfordert Arbeit Im richtigen Verhältniß zur Arbeit, nicht in dem zum Kapital soll der Genuß vertheilt werden; dies ist die Umwälzung, die wir herbeiführen werden." Und ist bis dies geschehen ist nicht auch in Ihren Augen die Wohlthätigkeit ein Mittel zur Ausgleichung?" Nein, mein Herr, denn dem Arbeiter geziemt es nicht. Wohlthaten zu cmpfangen dies thut nur der Faullenzer. Die Wohlthätigkeit ist etwas Ungesundes, denn sie wird meistens unrichtig ausgeübt, aber selbst wenn sie richtig geübt wird, so demüthigt sie den Armen und nährt den kindischen Hochmuth des Reichen. Außerdem vermehrt sie den Uebelstand, den sie zu vermindein scheint." Wenn also Frau von Miranoff große Summen in hre Hände legen wdllte. um das Elend zu lindern, das Sie beklagen, so würden Sie diese zurückweisen?" Sonia Kawetschin blickte den Fragenven mit tiefem Ernste an. Wir woöen das Elend nicht lindern. wir wollen es ganz abschaffen! u diesem Zweck bedürfen wir allerdings des Geldes, und haben somit n:2)t das Recht, es zurückzuweisen, mmt ii, von wem es wolle." Aber wie würden Sie es verwenden?" Man müßte uns genügend vertrauen, und keine Rechenschaft hierüber verlangen." . Den Marquis überlief ein Schauer. Er sah im Geist, wie die reizende Gräsin Miranosf sich dazu hinreißen ließ, selbst die dunkle Heerschaar zu unterstützen, die der eiserne Arm des Grafen, ihres Gatten, so lange niedergehalten hatte. Er sah sie unter demselben Arm zusammenbrechen, der sich in dem Augenblick gegen sie erheben würde,' wo Nikolaus Feoöorowitsch vonihrem unfreiwilligen Verrath Kenntniß erhielt. Ach, niemals, niemals wollte er sich auf dieser furchtbaren Bahn weiter fortreißen lassen! Mein gnädiges Fräulein, ich weiß rucht, was Ihnen Gräfin Miranoff mittheilt, außer daß sie Ihnen sagt, Sie könnten das festeste Vertrauen in mich setzen. Wollen Sie dies thun?" Das junge Mädchen neigte bejahend das Haupt. Nun erklärte der Marquis die edelmüthigen Absichten Nadjas, doch ohn: sie als ein Lösegeld für den Grafen Miranoff hinzustellen. Immerhin." fügte er hinzu, werden Sie es nicht sür unbillig halten, daß die Gräfin wenigstens eine Ahnung von der Verwendung des Vermögens erhalte, daß sie zu Ihrer Versügunz stellt. Geben Sie mir wenigstens eine Andeutung, ein Beispiel. . . ." Hier haben Sie ein Beispiel," sagte Sonia. Als Vurbulin uns sterbend sein 'gesammtes Vermögen vermachte, bedienten sich unsere Freunde desselben, um eine agitatorische Zeitung, den Vorwärts," zu gründen, die in London erscheint und von Oberst Lawroff herausgegeben wird. Die gedruckte Propaganda kostet uns am meisten Geld, denn sie muß ununterbrochen und in umfassendem Maße fortgesetzt werden. Tagtäglich muß auch der ge ringste Muschik neben seinem Hundeloch eine kurze Aufklärung über seine Rechte vorfinden, die ihn gleichzeitig zur Auflehnung anspornt und seinen Muth aufrecht erhält. Tagtäglich muß der Zar Alexander Alexandrowitsch in den Taschen seines Uniformrocks eine Drohung der Unterdrückten entdecken, die ihn zum Nachdenken veranlaßt." Von Neuem erbebte Hubert, denn er gedachte der geheimnißvollen Zeitung Semly y Wolya" (Land und Freiheit"), die der Kaiser allerdings in seinen Kleidern, auf seinem Schreibtisch oder bei Tisch in seiner Serviette vorzufinden pflegte, und um derentwillen man hatte eine einzige Nummer bei ihm entdeckt der unglückliche Professor Ehestakowski zur Verbannung verurtheilt worden war. Der Marquis von Brnaz hattc genug gehört er stand auf und verabschiedet? sich von Sonia Kawetschin. VII. Kapitel. Die Reiter und Reiterinnen, die Fußgänger und Fußgängerinnen in der Avenue du Bois, die. gegen zehn Uhr Morgens vom Are de l'Etoile bis zur Porte Dauphine durcheinander zu wogen pflegen, wurden an einem fchönen Morgen des auf die eben gefchilderten Ereignisse folgenden Juni durch j einen ungewohnten Anblick, an den sich i die aute. neugierige Pariser Gesell-

schast indeen bald gewonnen sou:e, in nicht geringe Aufregung versetzt. Aus einem der größten an der Adenue du Bois gelegenen Palais fuhr gegen zehn Uhr ein niederer, offener, durch seine außergewöhnliche Leichtigkeit an die russische Troika erinnernder Wagen, der mit zwei wunderrollen, aus der Ukraine stammenden, in Paris Orloff genannten, Rappen bespannt war. Dieser Wagen wurde von einem riesigen Greis, mit langem, tatarischem Schnurrbart, gelenkt, während ein in roth und grüne Livree gekleideter Groom mit gekreuzten Armen hinten aufsaß. Was aber von vornherein a.n meisten auffiel, das war der Umstand, daß der Fremde, sobald er den Hauptweg erreicht hatte, seine Pferde tüchtig antraben und. wiedie Reiter bemerkten. während der ganzen Spazierfahrt ihre Gangart nicht mäßigen ließ. Nun hat aber der Trab dieser Herr lichen, feurigen, russischer: Thiere nicht die mindeste Ähnlichkeit mit dem lahmen, gemächlichen Trab der Pariser Gespanne. Schnell wie ein Pfeil, flüchtig wie eine Vision fausten sie durch die große Avenue, und wer dieses, Schauspiel öfters erblickte, wurde von einer unheimlichen Empfindung ergriffen, denn es glich einer verzweifelten Flucht vor einer schrecklichen Gefahr. Nie hielt der merkwürdige Greis seinen Wagen einen Augenblick an, um mit einem auf dem FufLsteig spazierenden Bekannten zu sprechen. Gleichwohl nußte er doch Beziehungen zu der Pariser Gesellschaft haben, denn schon am ersten Tag sah man den Marquis oon Brönaz den berühmten Reisenden, dessen Ruckkehr allgemeines. Aufsehen erregt hatte den alten Herrn grüßen unv sein Pserd etwas zurückhalten, als ob er ihn ansprechen wolle, aber ohne seine Haltung im' mindesten zu verändern, grüßte der Fremde flüchtig mit. der Peitsche zurück, und sauste schnell wie der Wind an ihm vorüber. Bald war aber die allgemeine Neugierde befriedigt, und wenige Tage nachher sagte Jedermann, wenn die Orloff-Traber mit ihren wehenden schwarzen Mähnen und langen fliehenden Schweifen durch die Avenue sausten: Das ist Miranoff!" Der Graf hatte sich mit seiner noch sehr Zungen Frau in Paris niederge.assen, und bald war die Schon y'ie dieser Dame so berühmt, als die scnderbaren Eigenheiten dieses vornehmen Herrn, eines 'despotischen, langweiligen Barbaren, und die Geschwindigkeit seiner Rosse. Die Wohnung, mit der Miranoff sich einstweilen begnügte, war ein schwerfälliger Palast, ver durch die massiven Hausteine, aus denen er erbaut war, und durch seine schwarzen Schieferdächer düster und erdrückend wirkte.. Dies stillose Gebäude, das ttoa von einem ProvinzialrathhauZ und zu gleich etwas von einem Bahnhof an sich hatte, war kürzlich für den Direktor eines neuen Akti:nunte7r?hmens erbaut worden. Während der zwei- bis dreijährigen Bauzeit hatten die Höhe der Gerüste, der Reichthum der Fassade und die Stattlichkeit der Seitenflügel die ständige Bewunderung der vorübergehenden Bummler erregt und nicht wenig zum Steigen der Aktien beigetragen. Wie hätt: man auch an dem finanziellen Erfolg eines Unternehmens zweifeln können, dessen Vorstand sich eine solche Wohnung leisten konnte? Allein, als man eben daran war. die Blitzableiter zu errichten, mußte die Gescllschaft ihre Zahlungen einstellen. Da das Gebäude keinen Käufer fand, hatte es viele Monate unvollendet und öde im gelblichen Bauschmutz gestanden, während der Regen den Manniganstrich des Gitterwerks abwusch und damit die Gosse blutig färbte. Endlich hatte sich der Bevollmächtigtc des Grafendurch die ungeduldigen Telegramme seines Gebieters gedrängt, zum Ankauf des riesigen Gebäudes entschlossen, das außer seinen weitläufigen Gelassen den Vortheil bot. ganz allein zwischen der Avenue des Bois de Boulogne und der Leonardo da Vinci-Straße zu liegen, die mit dieser parallel läuft. Da aber ein Park fehlte, ließ er durch geschickte Gärtner, denen bedeutet wurde,, keine Kosten zu sparen, mit Hilse einer klu gen Zusammenstellung von Baumgruppen und gewundenen Laubgängen einen Garten anlegen, der über den verhältnißmäßig beschränkten Raum hinwegtäuschte und einen ziemlich großartigen Eindruck machte. Wenige Wochen genügten, um die innere und äußere Einrichtung Vzu vollenden, und . als . der Graf unds die Gräfin, die inzwischen in Spanien gewesen waren, auf ihrer Jacht Newa" in Paris anlangten, war Alles zu ihrem Empfang bereit. An der Landungsbrücke am Pont Royul wurden sie von Dienern in ihre? eigenen, grün und rothen Livree, sowie von einem Kupee erwartet, dessen Schlag mit ihrem Wappen und der gräflichen Krone geschmückt war. Graf Miranoff erkannte auf den ersten Blia seine Orlofss. Da er im Jahre 1867 mit seinem Kaiser in Paris gewesen war, wußte er, daß man in Frankreich diese prächtigen Pferde kaum vom Sehen kennt und von ihrem Werth gar keine Ahnung hat, da dort nur die englischen Pferde in Gunst stehen. (Fortse!;una folgt.)

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