Indiana Tribüne, Volume 25, Number 140, Indianapolis, Marion County, 7 February 1902 — Page 7

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Slavische Leidenschaft.

Stowcn von a!d iesueur. (joitfeuns.) Sie nickte bethend, wahrend der Journalist fortfuhr: Ich habe versucht, die Gräfin zu überzeugen, daß Sie nichts als ein durch die Geldtasche von Semen angelockter Taschendieb seien, und wissen Sie. waö sie zur An!wort gab. .' . . Soll ich es sag:n, Gräfin?" Mit dem ihr eigenen, so außerordentlich kindlichen Wesen suchte ihn die junge Frau lachend und errathend zum Schweigen zu bringen gleich einer Schülerin, deren Schelmenstreiche man erzählt. Lustig fuhr Welmann indeß fort: Sie bat mir erwidert: Dieser Mann ein Taschendieb?! Mit diesem stolzen Kopf!.,. . . Nein, nein. . . . Vielleicht mag er Herzen stehlen.... ode? fronen, aber eine Börse stiehlt er nie!"' Ach," erwiderte der Marquis ernst, das kommt daher, daß die Frau Gräfin Miranoff meine Ehrlichkeit schon kennt. Ich habe ihr eine goldene Börse zurückgeben wollen, die ich für ihr Eigenthum hielt, und habe nicht einmal eine Belohnung verlangt." Bei diesen Worten sah ihn die Gräfin schärfer an. erkannte in ihiN dcn Fremden vom Santo Camp?, stiez cin'.'n leichten Ausruf Luö und wechselt'.' die Farbe. Wiederum sah Hubert si erbleichen, wie er sie auf dem Friedhf hatte erbleichen sehen. Allein nach der herben Enttäuschung, die cr eben ersahren hatte, war dies nur eine verr.ichtttc Hoffnung weiter. Also war es gar nicht er selbst, persönlich, der eine solch' Gemüthsbeiregung bei der jungen Frau wachgerufen hatte, de.in sein Erscheinen soeben halte ja ni'cht vermöcht, diese eigenthümliche Verwirrun,; hervorzurufen. Sie hatte sich ja nicht einmal seiner Züge erinnert Nein. Lhne Zweifel war es irgend ein zufälliges Zusammentreffen, eine Erinnerung gewesen, die in ihr erwacht war...-. Welche Erinnerung?... Was mochte in diesem schönen Geschöpf vorgehen, dessen Augen schon den tragischen Schmerz der Leidenschaft ausdrückten, und das noch fast ein Kind einem , Greise angehörte?. ... Ah! Schuldig mußte sie sein.... schuldig durch Adficht, Wunsch, Sehnsucht oder Neue. . . Gewiß, so war's.... War es denn nicht ein Verbrechen, hieß es nicht ein solches begehen wollen, wenn man mit scchszehn, höchstens achtzehn Jahren, einen Mann von sünsundsechszig heirathete!. . . . Also sie gehörte ihm. . . . ihm! Diesem Greis, der mit der Zä:tlichkeit eines Großvaters zu ihr sprach denn Hubert hatte db Haltung dieses Paares ganz genau beobachtet.... Und er war so dumm gewesen, sich durch dies ergreifende Bild glücklicher Vaterliebe und kindlicher Zärtlichkeit rühren zu lassen. Pah! Nun erregte sein früherer Traum nichts als Ekel in ihm er verachtete, er verabscheute diese Frau!. ... Er hätte sie beleidigen mögen! Aber seine Wuth peinigte ihn so, daß auch der bohrendste Schmerz ihm nicht hätte weher thun können. . . . Ein Schmerz? Ja! Ein Anderer, der weniger Herr seiner Gefühle, weniger sicher und weniger stark gewesen wäre, liätte sich diesen geheimen, stechenden Schmerz eingestanden, als die junge Gräfin, ruhig weiter plaudernd, i:,re Augen zu ihm aufschlug, Auge:, aus denen neben verwirrender Sans: muth Verstand, warme Antheilnahme und Stolz hervorleuchteten. Sie fragte ihn über seine weisen In dieser Ecke des Spielsaalcs, xc sie rasteten, bis Graf Miranoff !n Spieltisch verließ, floß die Unterhal' tung dieser Drei Wclmann stau: vor dem Marquis und der Gräfin - -so lebhast dahin, als befänden sie sich n einem lauschigen Winkel eines eleganten Aallsaals. Der Marquis pl derte, ohne merken zu laisen. was ihm vorging, aber dcch mit der Absicht, zu mißsallen und spöttisch zu sein. Aber dieser Spott verflüchtigte srlz schnell und verwandelte sich in den melancholischen Skeptizismus einer Seele, deren Glaube an das Glück plötzli vernichtet worden ist. Der englische Journalist beobachtet: ihn mit scharfem Auge, während er vor Zeit zu Zeit eine beißende Bemerkung machte: fta, Brenaz, seien Sie niH allzu aufrichtig! Erzählen Sie un nur von den Reiseeindrücken, die Sh zur Veröffentlichung vorbereitet habe:.., denn ich warne Sie: das ist ein Jntec view, und 'ich werde Alles brühwarm dem London Herald" berichten.Mit ganzer Seele horchle die Grasig auf Huberts Worte darüber war lein Zweifel möglich. Voll Begeistc, rung und Wißbegierde lauschte sie der Schilderung der fernen, fremden Völker und deren Sitten und Gebräuchen, deren Freuden und Leiden, ohne vor peinlichen Einzelheiten zurückzuschrecken und mit dem lebhaftesten Interesse ließ sie sich berichten, in welch kindlicher oder blutdürstiger Weise ein jeder die ser Stämme für sich das Räthsel des Daseins zu lösen versuchte. Und nun, mein Herr, sagen Sie. der Sie so viel gesehen, ergründet und aesucht baben," saa.ie sie schließlich mit Augen, die das Unendliche durchdrinoen zu wollen schienen, nun sagen Sie mir, auf was beruht, Ihrer Meinung nach, das menschliche Geschick? Haben alle Mengen, alle leiten, alle. Volke?.

alle Länder eln uno dlejelde P', licht, und werden sie sich je verständigen, um diese gemeinsam zu erfüllen und dem nämlichen Ziel zuzustreben?" Zu allen Zeiten und an allen Orten, meine gnädige Frau, habe ich die Men schen nur mit einem beschäftigt und nur diesem einen zustrebend gesehen. Und dieser Gegenstand ist der einzige, de: dem Leben Sinn und Inhalt gibt und dem zu Liebe allein das Leben de Lebens werth ist." Und das läßt sich in einem Wort zum Ausdruck bringen?" In einem ganz kleinen Wort, gnädige Frau." O, bitte, sagen Sie's mir!" Im Blick und auf den Lippen den Ausdruck liebenswürdiger Bitte, rückt.' sie ihm etwas näher. In diesem Augenblick drehte sich Welmann um und ging dem Grafen Miranoff. der den grünen Tisch verlassen hatte, weil Semens Geldtasche celeert war, einige Schritte entgegen. Es erscholl der Ruf des Bankhalters: Lt jeu est faiti- Kien ne va plus," und danÄ trat ein feierliches Schweigen ein. ' Erstaunt über den Ausdruck herben Spottes, der um den Mund des Marzuis spielte, beugte sich die junge Frau vor und rief neugierig: So sagen Sie mir doch, was allein das Leben lebenswerth macht?" Hubert von Br6naz erwiderte: Die Liebe." Damit erhob cr sich jäh und ging dem Grafen Miranoff entgegen, der in seinem stolzen, riistia.cn Greiscualter raherschritt wie ein Mann, der es zütlebens gewohnt war, zu siegen und z' gebieten, ja sogar, gefürchtet zu sein. Ein eigenartiger Nimbus umfloß ihn. Selbst seine ZivilZleidunz verrieth den alten Soldaten; sein Schritt schien die Erde zermalmen zu wollen. Hinter ihm kam Semen, womöglich noch riesiger anzusehen mit seinem bärtigen. finster-tückischen Muschikgesich: und dem mechanischen Gang eines Zugochsen oder eines Heerdenviehs. Welche Kluft zwischen diesen beiden zusammengehörigen Menschen! Welmann flüsterte dem Grafen einige Worte in's Ohr, worauf Hubert noch etliche Schritte vortrat, und die Vorstellung erfolgte. Mein Herr." sagte Miranoff zu dem MarquiZ. ich habe schon lange sehnlichst gewünscht. Sie kennen zu lernen." Herr General," erwiderte der junge Mann, ich bin nur ein Reisender, ein Träumer Sie aber sind ein siegreicher Feldherr, der Rußland zum Ruhme gereicht, und ich bin stolz darauf. Ihnen die Hand drücken zu dürfen." Die Aufrichtigkeit, die aus seinen Augen leuchtete, bezaubert: den hochmüthigen Greis, und Hubert empfand in diesem Augenblick eine um so lebhaftere Bewunderung für Miranoff. als er nahe daran war. die Gräfin zu hassen. Mit herber Bosheit hatte er daZ Wort Liebe" dem entzückenden Gs schöpf entgegengeschleudert. ihr. die. wenn sie eine anständige Frau b'eibeii wollte, nur in der Einsamkeit vo. der Liebe wie von einem ihr verbotenen, göttlichn Glück träumen konnte. Mit einem glühenden Eisen hätte er 'hr dies Wort in's H:rz einbrennen mögen, damit sie. die so jun und so berückend schön wahnsinnig genug gewesen war, sich durch ihren Ehrgeiz in die Arme dieses weißhaarigen Tyrannen treiben zu lassen, die ganze Qual 'des ihr verlorenen Glückes empfinv?. Hubert wäre gewiß von seinem Erfolg befriedigt gewesen, wenn er, währeno er mit Miranoff sprach, das Antl'ch der jungen Frau hätte beobachten können, die er mit diesem plötzlich und ohne weitere Ueberlegung hingeworfenen Wort, an das er selbst wenn überhaupt erst seit Kurzem glaubte, zu verletzen gesucht hatte. Von der Bitterkeit seines Tones und der Herausforderung, die er ihr offenbar entgegenschleudern wollte, bis in's Innerste getroffen, war die Gräfin tief erblaßt. Run ' folgte sie mit ihren dunklen Augen diesem Manne, und suchte zu errathen, was er eigentlich damit hatte sagen wollen. Sollte diese plöliche Härte ihr oder ihm selbst gelten? Quälte ihn vielleicht ein Kummer oder ein Selbstvorwurf? Viel leicht fühlte er sich sehr unglücklich? Gleichwohl hatte sie die Empfindung, daß er sie wegen irgend etwas hatte tadeln wollen aber weshalb? Wie sonderbar von ihm, der ihr gerade durch die Zartheit seiner Ausdrucksweise und durch sein sanftes, gefälliges Benehmen, das sie in Anbetracht seiner helvenhaften Abenteuer nicht erwartet hätte, einen so tiefen Eindruck gemacht.... Für sie war der Begriff der Tapferkeit von dem einer gewissen Brutalität unzertrennbar gewesen, denn die mit ihrem Gatten befreundeten hohen Offiziere der rufstscheu Armee legten keinen Werth darauf, einen Fächer elegant aufheben oder den Damen den Hof machen zu können. Kommst Du, Nadja?" sagte der Graf. Die beiden Herren werden den Thee bei uns Nehmen." Ich bin bereit, Nikolaus Feodorowitsch." Damit erhob sie sich und nahm feinen Arm. so daß sie wieder wie Vater und Tochter aussahen, was Brönaz jeht mit innerem Spott wahrnahm. Die wenigen zwischen Mann und Frau gewechselten Worte hatten Hubert gezeigt, daß sein Irrthum in dieser Beziehung leicht begreiflich war, denn der Grai..bebaadelte 5-wie ein Kind, satt

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tsis ein' übergeordnetes Wesen, und ste verkehrte mit ihm nicht auf gleichem Fuß. sondern antwortete ihm mit schüchternem Respekt. Hatte er , doch Tfafavt , CV-,. .. : JZl ülJoc zum .yee oek ocr Gräfi.r eingeladen, ohne sie vorher um Erlaubniß zu fragen, und benachrichtigte sie davon nur mit einem kurzen Wort. Der Marquis, der in seinem Verkehr mit Damen die ausgesuchteste Rücksicht an den Tag legte, fühlte sich in seinem Zartgefühl verletzt durch das Benehmen des Grafen gegen die junge Frau, obgleich es ihn andererseits im Geheimen freute, daß sie schlecht 'behandelt wurde. Dazu kam noch, daß die öffentliche Anwendung des Kosenamens Nadja." so hübsch er an und für sich auch klang, die größte Vertraulichkeit bekundete, während die Gräfin ihn Nikolaus Feodorowitsch." Sohn des Feodor." genannt, hatte, wie einen hoch zu verehrenden Freund oder einen Verwandten, dessen Alter oder Stellung Ehrsurcht gebietet, was einem Kenner der russischen Sitte sofort den Abstand zwischen Beiden klar machen mußte. Dieser Eindruck wurde in den Privatgemächern des Grafen im Hotel de Paris" noch verstärkt, wo der Thee nach russischer Art, von Dienern des GrafenMiranoff herumgereicht wurde, da die Bediensteten des Gasthofes nur bis in's Vorzimmer der Wohnung aelangten. Von hier ab versahen die die Livree des 'Grafen tragenden Lakaien, die ihn Exzellenz" nannten, den Dienst, wobei sie die strengsten Regeln der Etikette einhielten, und in ihm trotz der alltäglichen Gasthofseinrichtung die Täuschung erweckten, er befinde sich daheim in Petersburg in seinem Palais am Newskyprospekt. Und der Herr Marquis von Vrönaz sah, daß dieser gefürchtete Feind der Türken und Nihilisten nicht nur ein politischer, sondern auch ein Haustyrann war. Er hegte den Verdacht, daß die so wohlgeschulten Diener, die sich auf den leisesten Wink des Gebieters überstürzten, schon häufig i nähere Berührung mit dem schweren Stock von Semen gekommen waren, denn der Leibwächter des Grafen herrschte über sie als Majordomus und Minister des Innern. Dieser riefenhafte Muschik, der seinen Platz hinter dem Grafen nie verließ, der nie seinen Mund zum Sprechen öffnete und dessen mißtrauische Augen nie ruhten, hatte etwas Beunruhigendes und Phantastisches an sich. Man war versucht, ihn für den Schatten, für die ruhelose Seele des furchtbaren Polizeipräsidenten, für eine Art zweiter Verkörperung dieser für einen einzigen Körper zu gewaltigen Persönlichkeit zu halten. Selbst die Gräfin wagte sich nur schüchtern an Semen zu wenden. Als Hubert die junge Frau in ihrer Häuslichkeit beobachtete, wo all ihre Anmuth von einer gar zu schweren Atmosphäre erdrückt zu werden schien, fühlte er sein Herz von Mitleid für sie erbeben. Warum befand sie sich hier? Am Ende war sie doch nur fremdem Ehrgeiz, nicht dem eigenen, zum vpfer gefallen. Sie war so einfach, so still und sanft, als sie den drei Männern den Thee anbot, ohne sich im Geringsten in ihre Unterhaltung zu mischen, und der Feuereifer, mit dem sie ihn im Kasino ausgefragt hatte, schien ganz erloschen. Ihre ganze Aufmerksamkeit richtete sich auf die Frage, ob er lieber noch etwas kaltes Wildbret oder Kaviar nehmen möchte, und in ihrem lichten, von einem schmalen Federnbesatz in der gleichen Farbe umrahmten Tuchkleide hätte er sie mit ihrer kindlichen Miene und den regelmäßig gescheitelten dunklen Haarmassen eher für eine kleine Pensionärin als für eine Dame der großen Welt halten können, wäre nicht der ruhige Blick, der von Zeit zu Zeit auf ihm ruhte, so voll unvergleichlicher Würde gewesen. Nein, die Kraft, sie zu hassen, fühlte er nicht mehr. Eine unbeschreibliche Weichheit hatte sich seiner bemächtigt. Von Neuem unterlag er. während er sprach, ohne sich an sie zu wenden, dem Reiz ihrer Anmuth, dem weichen Spiel ihrer schönen Hände, die er sich so zart und weiß über der rothen Stickerei der Theedecke bewegen sah. Obgleich Miranoff eigentlich kein Plauderer war, führte er doch lange allein das Wort, denn man hatte zufällig sein Lieblingsthema den Kaiser Nikolaus berührt, in dessen Lob er unerschöpflich war. Ach, einen Kaiser wie ihn bekomrn wir niemals wieder," rief er, denn Eure europäische Philosophie und Euer europäischer Liberalismus fangen an. die Dynastie zu vergiften." Ist es denn besser," entgegnete Welmann, wenn sie durch Dynamit zu Grunde geht ?" Das Eine bringt das Andere mit sich," erwiderte der General; Alexander Nikolajewitsch wäre noch am Leben, wenn er auf mich gehört und die Leibeigenschaft nicht aufgehoben hätte." Welmänn und der Marquis waren über diese Aeußerung sehr erstaunt, und wollten ihn veranlassen, seinen Gedanken weiter zu entwickeln. Im Grund hielten sie Miranoff für einen eingefleischten Tyrannen, der über die Menschen und die Psychologie der Völker die unausgebiloete Ansicht eines russischen Satrapen hegte, und nicht ohne Verwunderung folgten sie seiner theoretischen Vertheidigungsrede für die Selbstherrschaft des Zaren. Nach ihm war die Politik überhaupt nichts, als eine von der anmaßenden Bürgerschaft ersonnene, hohle Wissenschaft.' Nur die soziale Frage war von arößerem Interesse. -Da diese aber schon seit Erschaffuna. der, Welt be-

stand, seit zwei Wilde sich zusammen

gethan hatten, um zu jagen oder das Fels zu bestellen, war diese nicht einheitlich zu lösen, sondern es mußte allerorten den verschiedenartigen Lebensbedingungen Rechnung getragen werden. Von der jeweiligen Regierungsform völlig unabhängig. . veränderte sie sich mit den wechselnden Fortschritten der Industrie und der Wissenschaften. . Miranoff war der Ansicht, es sei ein bedauerlicher Irrthum, zu glauben, daß man ihre Lösung mittels der Gesetzgebung fördern könne, denn gute Gesetze zeichneten ihr geradezu jeden Schritt vor, den sie zu machen habe, wahrend schlechte Gesetz nur den Einzelnen belästigten, ohne dcn endlichen Fortschritt der sozialen EntWickelung hemmen zu können. Gleichwohl vollzog sich nach Miranoff diese Entwickelung mit der regelrechtesten Geschwindigkeit in einem von Gesetzen am wenigsten belästigten Organismus, in dem von einem absoluten Herrscher regierten, monarchischen Staat. Wohl." sagte Welmann. sind unter einem absoluten Herrscher die Gesetze nicht hinderlich, dafür aber die Launen um so mehr, und die Launen oder plötzlichen Einfälle eines Mannes, der möglicherweise ein Narr oder ein Schurke sein kann, sind gefährlicher, als alle Gesetze." Nein." entgegnete Miranoff. denn sie sind in ihren Wirkungen viel befchränkter. Außerdem isfauch die absolute Selbstherrschaft eines einzelnen Mannes nur ein leeres Wort, denn ein solcher Mann unterliegt mehr, als irgend ein Anderer, dem Zwang der Nothwendigkeit, dem Druck der öffentlichen Meinung. Versucht er, diesen beiden Faktoren Widerstand entgegenzusetzen, so thut er es auf seine Gefahr, denn das Gleichgewicht stellt sich immer wieder her." Durch Gewalt, durch Kampf, meinen Sie wohl?" Ja, wenn Sie so wollen, durch Kampf!" rief der Riese mit einem metallischen Glanz in den Augen. Und warum auch nicht?. ... Kampf ist Fortschritt Kampf macht das Leben lebenswerth!.... Einen Feind vernichten, oder von ihm vernichtet werden!" Er ereiferte sich und vergaß ganz, seine paradoxe Ansicht von einer väterlichen Regierung, unter der sich langsam aber sicher die Wohlfahrt der Völker entwickeln sollte, des Weiteren darzulegen. Der kriegerische Geist des alten Slaven gewann die Oberhand. Man fühlte bei seinen Worten die ganze Tragik Kieses tagtäglich von tödtlichem Haß bedrohten, mit den Gewissensbissen finsterer Triumphe belasteten Daseins. Noch immer schien diese Faust, die sich bei dem herausfordernden Klang unbewußt geballt hatte. ' bereit, zu tödtlichem Schlage auszuholen und rebellische Völker niederzuschmettern. Eine gewaltige Poesie entströmte der Seele und den Augen dieses Mannes! Mit einer Entrüstung, die ihm fast die Kehle zusammenschnürte, betrachtete ihn Hubert, während er seinen Worten lauschte; aber plötzlich zuckte ein her ber Schmerz durch sein Herz? als er einmal den Kopf wandte, um Nadja anzublicken, sah er ihre feuchten Augen voll Bewunderung , auf ihrem Gatten ruhen, und dies junge, von unbewußter Sinnlichkeit und Liebe erfüllte anmuthige Geschöpf schien von diefem grausamen, genialen Helde.i bezaubert und gefesselt zu sein, wie etwa eine Gazelle von dem Blick des Löwen. Es war für einen Mann in der GemüthsVerfassung des Marquis von Brsnaz ein peinlicher Anblick. Ist es also doch Liebe?" dachte er. Ja, es ist Liebe, und noch mehr als Liebe: es ist Fanatismus und Sklaverei! Sie gehört ihm wie eine Märtyrerin ihrem Gott, in Angst und Zittern und Leiden, und neben einem derartigen Gefühl kann keine andere Empfindung aufkommen." Zum ersten Mal in seinem Leben schmeckte der Marquis die volle Bitterkeit des Mißtrauens in seine eigene Kraft, und als er jetzt an seine letzten, der Gräfin im Spielsaal zugeschleu derten Worte dachte, stieg ihm die Schamröthe bis in die Stirne. Hatte er nicht nur mit einer leichten Veränderung Miranoffs - Worte gebraucht? Dieser rief: Was allein das Leben lebenswerth macht, ist der Kampf!" und er, er hatte, von einer dunklen inneren Gewalt getrieben, behauptet: Was " allein das Leben lebenswerth macht, vas ist die Liebe?" (Foctsehuna folgt.)

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