Indiana Tribüne, Volume 25, Number 139, Indianapolis, Marion County, 6 February 1902 — Page 7
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Stotnan tcu Daniel L.Z .c.:7. (ftotneunß.) 3Damtt irai aber dz2 mctlsjürtige Zusammentreffen noch nicht zu Ende. denn als er turze Zeit danach in e: Vorhalle des Hztel de Paris di? Tafel betrachtete, auf der die Namen der Fremden geschrieben senden, fiel ihm sofort der deZ Grafen Miranoff in die Augen. Vom Jäger begleitet, trat Hubert in den Fahrstuhl. .Ein Zimmer im ersten, Stock sagte er. Allein bis in den dritten Stock hinauf war alle besetzt, und selbst dort hatte er keine Auswahl, denn es'war nur noch ein auf den Kasinoplatz und nicht auf das Meer gehendes Zimmer frei. ut7 sagte der Marquis, .ich werde mich für den Augenblick damit begnügen, aber scbald ein Zimmer weiter unten frei wird, bitte ich. es für mich zu belegen." Nun kamen sür ihn einige Stunden roll kindischer Aufregung. Sein Diener. der mit der Bahn gereist war, kam nicht mit den Koffern, die er sehnlich erwartete, um sich umkleiden zu können. Nichts in der W.'lt hätt: ihn dazu bringen können, mit nicht mehr ganz frischer Wäsche und einem Jackett, von dem die Türste des H2usknechts den Staub der Cornichestraß: vielleicht nur ungenügend entfernt hatte, sein Zimmer zu verlassen. Welche Demüthigung wäre es gewesen, wenn er in diesem Aufzug Fräulein von Miranoff begegnet wäre! Endlich erschien Joseph, öffnete die Koffer und breitete auf der Marm??platte des Waschtisckes den aus Schildplatt mit Namenszug in Altsilber bestehenden Inhalt des Toilettenkastens aus. Denn der Marquis ecr Reisende, der in den Klimaten. wo das überquellende Leben alles überfluthet, so und so oft Entbehrungen und Widerwillen aller Art und den Ekel vor dem giftigsten Ungeziefer überwunden hatte, nahm, wenn er in die Heimath zurückkehrte, sofort all die verfeinerten Gewohnheiten seiner Kreise wieder auf. und zwar sonderbarer Weise mit dem Gefühl, daß er ste unmöglich entbehren könnte. Halb scherz-, halb ernsthaft suchte Hubert diesen Widerspruch mit sich selbst zu erklären. Der Atavismus,- pflegte er lachend ! zu behaupten, unterliegt dem Einflusse des augenblicklichen Lebenskrei ses. Bin ich auf der Löwenjagd, so leden meine am .Duell der Dreißig' betheiligten Ahnen oder deren Nachkommen, die abenteuernden bretonischen Korsaren aus dem sechzehnten Jahrhundert, wieder in mir auf. Lege ich aber in einem Salon des Faubourg Saint Germain einer schönen Flau meine Huldigung zu Füen, so derkörpert sich mein Urgroßvater, der Marquis .Talon rouge',. der Freund des Regenten, in meiner Person. Man ist der Sohn aller seiner Vorfahren, allein die Vaterschaft eines jeden zeigt sich nur unter dem Einfluß der entsprechenden Umstände.Demgemäß kleidete sich Hubert, in.nerlich selbst über .seine Kinderei lachend, mit aller nur erdenklichen Sorg fält an. Als ihm dann auö dem großen Spiegel des Kleiderschrankes sein Bild entgegensiel, dachte er belustigt daran, mit welchem Staunen die guten Schwarzen, die ihn auf seiner Durchquerung des geheimnißvollen Erdth:ils begleitet hatten, in diesem tadellosen Salonherrn ihren ehemaligen Führer erkennen würden. Während er seinen frei und stolz getragenen Kopf mit dem kurzgeschnittencn braunen Haar, den festen Zügen, dem flott gedrehien Schnurrbart und den feurigen Augen betrachtete, aus denen alles, was er gesehen, bewundert und überwunden hatte, herauszuleuchten schien, fragte er sich selbst erstaunt: Ist denn diese elcgante gesellschastllche Erscheinung der nämliche Mann, der noch vor Kurzem in baumwollener, von breitem, mit Patronen und Pistolen gespicktem Ledergürtcl zusammengehaltener Blouse und in hohen, wildledernen Stiefeln, kurz, in einem unerhörten, stets mit Staub, häufig auch mit Blut befleckten Anzug durch Afrika marschirte? Der Vergleich mißfiel ihm nicht, und in diesem Augenblick genoß er den Stolz auf seine Vergangenheit und zugleich das glück liche, üppige Behagen der Gegenwart in vollen Zügen; der bittere Augenblick auf dem Campo Santo lag weit hinter ihm. Und dies alles durch den Blick eines Frauenauges! Noch am nämlichen Abend sah Hu bert von Vrönaz den Grasen Miranoss und seine junge Begleiterin im Konzertsaal wieder. Er hatte an derTable d'hote gespeist, er hatte die Gärten und die Spielsäle durchirrt, aber die, die er suchte, nicht gefunden. Als tt hörte, daß ein großes Konzert mit besonders gewähltem Programm gegeben werden sollte, war er hingegangen,. denn sie mußte die Mustk lieben.... Gleich beim Eintritt hatte er sie entdeckt und auch das Glück gehabt, zwei Reihen hinter ihr einen freien Platz zu finden. Dann betrachtete er ste. Da er mehr der Mitte zu saß als der Graf und seine Tochter und diese sich ein wenig dem Dirigentenpult zuwendete, konnte er ihr Prosil von hinten sehen. Man spielte die Ouvertüre zum .ZZlieaenden Holländer" von Richard
Wagner. Tro.-.iz, tu diese Cp:: oewunderte. fühlte wohl, wie die ::aumHüfte Musik sich leise seiner Seele oemächtig!:, allein dieser Hochgenuß des Ohres gelangte ihm ni'.r rcie auf einem Umw:g zum Bewußtsein, i.dem er sich, verstärkt durch den Anblick der außerordentlichen Schönheit der junzen Russin, in eine Art optischer Empfindüng umsetzte. Im Eampo Santo hatte ihn ihr Gesicht hauptsächlich wegen der Anmuth der Züac. der scteuen Reinheit des Blickes und des Stolzes des Ausdruckes entzückt, und all die fand er nun wieder in der Betrachtung des Profils. Er entdeckte aber noch mehr. Bis in's Herz traf ihn die strahlende Ueppigttit der ganzen Erscheinung: die seltene Fülle des schweren Haares und der kräftige Nacken, das feurige Blut, das durch die rosige Muschel des seing?zeichnetcn Ohres schimmerte, die zarte, wie Atlas glänzende Haut, deren warmes Weiß in dem kleinen Ausschnitt des Kleides sichtbar wurde; die breiten Schultern, die volle und doch anwüthige Büste, und dann noch, was Hubert besonders, aussiel, die seltene Anmuth, die Arme und Hände sowohl in der Ruhe als auch in der leisesten 53ewegung des Fächers oder Opernglases zeigten. Plötzlich schrak er zusammen. Die kleine rechte Hand griff nach dem winzigen rosa uno silbernen KapotteHütchen, das zu dem einfach gemachten, hinten und vorn am Hals leicht ausgeschnittenen, ixit Silöerstickerci eingefaßten Kleid aus Rosakrepp passend gewählt war. Ohne Zweifel war die Hutnadel von der Kammerjungfer ungeschickt durch das allzu üppige Haar gesteckt worden, und belästigte nun den reizenden Kopf. Die anmuthigen Finger tasteten unter der Silöerspitz: nach der Kugel der langen goldenen Nadel, und zogen sie etwas zurück. Aber diese, eine Brombeere darstellende Kugel, die von Diamanten funkelte, war unzweifelhaft ein Juwel, das in der Pariser Gesellschaft nur von einer verheirateten Frau getragen werden konnte. Die aus dem keuschen jungenHaupie blitzenden Brillanten beunruhigten Hubert darum so, daß er zitterte. .Sollte ich mich getäuscht haben? Ist sie am Ende doch nicht seine Tochter?" fragte er sich, während er den Grafen Miranoff forschend betrachtete. Der alte Herr hatte seiner Begleiterin das Gesicht mit der willensstarken. gewölbten Stirne und den durchöringend blickendem. Augen zugewendet. Im Salon her Herzogin von Cailione hatte Hubert diesen Blick einen .stählernen" genannt, und diese Bezeichnung war in der That zutreffend. Der scharfe Glanz dieser blaßblauen Pupillen mußte sich wie eine stählerne 5tt'nge lN die Brust eines Menschen bohren. Für den Augenblick aber ruhten diese furchtbaren Augen auf dem ent zückenden Geschöpf an seiner Seite, mit dem sich Hubert von Brönaz so leidenschaftlich zu beschäftigen anfing. Ihr Gesichtsausdruck beruhigte ihn. Wiederum gewann er, wie auf dem Campo Santo, den Eindruck ernster, väterlicher Zärtlichkeit. Miranoff machte lächelnd eine Bemerkung, und sein Lächeln war herablassend scherzend und schmeichelnd als spräche er mit einem Kinde; Dabei hob sich der lange tartarische Schnurrbart ein wenig, was dem gewaltigen, undurchdringlichen Gesicht einen überraschend sanften Ausdruck verlieh. .Natürlich ist er ihr Vater, und zwar ein Vater, der sie sehr verwöhnt. Sie wird sich diese Nadel gewünscht, und er sie ihr gegeben haben. Uebr'''-'enS tragen die russischen Mädchen wi: die amerikanischen beinahe von Kinbeit an Diamanten und gehen allein aus. . Halt! Der Graf steht auf! Wollen sie denn das Konzert jetzt schon verlassen?" Aus diesem kindlichen Selbstgespräch kann man auf die Gefühle ds jarquis schließen, denn seine Betrachtung der Dame und die Aufmerksamkeit der Konzertbesucher hatten bereüs zwei Stunden gewährt. Er war selbst erstaunt über die reißenden Fortschritte, die diese neue Empfindung, die er noch immer nicht Leidenschaft nennen wollte, in seinem Herzen machte. Das , junge Mädchen mußte ganz nahe an ihm vorüber, und von Reihe zu Reihe folgte dieser strahlenden Schönheit ein bewunderndes Flüstern. War es wirklich er, Hubert, der von einer heftigen Erregung förmlich geschüttelt wurde? Sem Herz pochte laut unter dem tadellos gestärkten FaltenHemd, und seine Schläfen -wurden feucht. Er fühlte sich so feierlich gestimmt, als ob er in einer leeren, von süßem Orgelklang erfüllten Kuch wäre. Aus peinliche Weise wurde er in die Wirklichkeit zurückversetzt. Da die Augen nun unbeschäftigt waren, bemächtigte sich die Musik wieder seines Ohres: er lauschte. Das Orchester spielte den .Todtentanz" von SaintSaöns. Es war dies eine Lieblingskomposition von Hubert, und unzählige Male hatte er diesem ironischen Phantasiegebilde, diesem Geklapper durcheinandergeschüttelter Gebe?, dieser vom Wahnsinn einer köstlichen Melodie dahingetragenen Gerippe, Beifall aeklatscht. Aber an diesem Abend klang ihm die Weise allzu schaurig, und seine Einbildungskruft' zauberte ihm den abscheulichen, phantastischen Reigen vor, der sich, an einen Stich von Hogarth gemahnend, auf einer düsteren, von Nacht bedeckten Haide entfaltete.
NI. Kapitel. Den ganzen nächsten Vormittag verbrachte Hubert in Monte Carlo auf der Suche nach einem gemeinschaftliöen Bekannten, der ihn zu dem Grafen Miranoff in Beziehung bringen könnte. Das heißt: suchen" ist etwas zu viel gesagt, denn er beschränkte sich darauf, stundenlang auf der Terrasse des dem tzotel de Paris gegenüberliegenden Cafs zu sitzen, scheinbar die Zeitunaen lefend, in Wirklichkeit aber die unter den Palmen schlendernden oder in das Kasino eintretenden Spaziergänger beobachtend. Von Zeit zu Zeit stand er auf und machte einen Gang durch die Spielsäle. wo er einige Pariser traf, die, da sie ihn in Afrika vermutheten, sehr erstaunt waren, ihm hier zu beg'gnen; sie gebärdeten sich. c.!s mären sie stets seine vertrautesten Freunde gewesen, und wollten ihn nicht mehr loslassen .Na." dachte der junge Mann, ..offenbar bin ich mittlerweile ein berühmter Mann geworden, und die Abwefenden haben doch nicht immer unrecht." Nur mit Mühe gelang es ihm, die Zudringlichen abzuschütteln, von denen Keiner ihm den gewünschten Dienst zu leisten in der Lage war. Natürlich hatte er auch nicht geradezu danach gefragt, sondern nur ganz beiläufig den Namen des russische Generals fallen lassen. ..Miranoff?" sagte Einer. .Aber der ist ja todt! Die Nihilisten haben ihn voriges Jahr ermordet." Miranoff?" rief der Andere; .mit dem habe ich vergangenen Winter bei unserem Gesandten in Petersburg gespeist. Es ist ein kleiner Mann mit kastanienbraunem Backenbart und wilder Miene, der die Augen rollt wie ein richtiger Kosak." .Und da behauptet man noch, in Europa kenne sich Jedermann!" dachte Br6naz. .Aber natürlich, für- einen Pariser ist ja das einzig wirkliche Europa das, das ab und zu in der Maison d'Or" oder im .Caf6 Anglais" speist, und der Graf hat vermuthlich noch nie einen Fuß auf den Boulevard gesetzt." Des Abends fing er an, die Hoffnung aufzugeben, das heißt, seinem Charakter entsprechend, steigerte sich sein Verlangen und feine Entschlossenheit. Konnte er sich dem jungen Mädchcn nicht in Monte Carlo vorstellen lassen, so mußte es eben anderswo geschehen vielleicht in Petersburg, wohin er ihr folgen wollte, ohne zuvor nach Hause zu gehen, ohne sein seit so vielen Monden verlassenes Heim betreten zu haben. Für diese zum Kampfe geborene Natur war ja ein zu besiegender Widerstand, eine solche ihm vom Schicksal in denWeg geworfene Schwierigkeit nur ein weiterer Sporn. Es gibt Menschen, die nur denk?n, indem sie sprechen dieser glaubte nur zu leben, wenn er sich in die Ueberwindung tines Hindernisses verbissen hatte. So gegen zehn Uhr schlenderte er in den Spielsälen um die verschiedenen Tische herum, als er unversehens am .Trente et Quarante" den breiten Rücken Miranoffs vor sich sah, der vor dem grünen Tische saß und kolossal hoch spielte. Mit drei Schlägen nahm ihm der Rechen fünf- oder sechstausend Franken ab. Ohne sich umzudrehen, streckte er Jemand hinter ihm die Hand hin. worauf in diese ein Packet Banknoten gelegt wurde. Huberts Augen verfolgten den Arm. der dem Grafen die Banknoten gereicht hatte, und sahen, daß dieser dicke, lange und in einem grünen, rotheingefaßten, mit goldenen Knöpfen verzierten Aermel steckende Arm einem riesigen Kammerdiener angehörte, der eine ausländische Livree trug. Der Mann, der vielleicht noch größer war. als sein Herr, hatte das richtige, in einem kastanienbraunen Bart und ebensolchem struppigen Haar halb verlorene Muschikgesicht. Unter seinen buschigen Brauen bewegten sich zwei kleine, brutal, störrisch und durchdringend blickende Augen langsam hin und her; auf jedem Gegenstand, auf jedem Gesicht fast unmerklich verweilend, wanderten sie nach rechts und links, nach vor- und nach rückwärts. Wen oder was suchten diese Augen? Ohne sie zu senken, hatte der Mann soeben die leere, offene Hand des Grafen gesehen, und ohne sie zu senken, hatte er auch aus iner großen Geldtasche die Banknoten genommen, worauf sich seine fünf mächtigen Finger wieder gleich Sprungfedern um die Tasche schlössen. Noch war Hubert mit seiner gründlichen Betrachtung dieser sonderbaren Persönlichkeit nicht zu Ende, als die fünf Finger sich wieder lösten, ein neues Packet Banknoten aus der Tasche nahmen und dem Grafen überreichten. Teusel noch einmal!...." dachte der junge Mann. Da auch diese Bewegung nur mit einer der linken Hand ausgesührt worden war. wollte Hubert gerne wissen, ob der rechte Arm-etwa unbrauchbar oder anderweitig beschäftigt fei. Der Marquis stellte sich hinter den Muschik und lächelte leise, als cc die wie ein russischer Frauenrock um den Leib gefältelte sonderbare Tracht des Mannes bemerkte. Der Rock fiel auf hohe röthliche Lederstiefelherao. Nun sah er auch, daß der Russe einen starken Stock aus dunklem Holz mit silbernem Griff in seiner rechten Hand trug. .Ist das wohl der Stock des Grasen, oder ist es eine Waffe?" fragte sich der Marquis. .Vielleicht dient diesec Niese dem Todeskandidaten der geheimen Verschwörungen als Leibwache."
Von der Umgebung schenkte auer ihm Niemand der wilden Erscheinung, oder dem sonderbaren Anzug des Mannes mit der Geldtasche irgend wclche Beachtung, denn die 2!nwesenöen waren vom iel völlig in Anspruch genommen, und außerdem sieht man in dieser bunten Gesellschaft die merkwürdigsten Trachten der Welt ohne Staunen an sich vorüberziehen. Da legte sich eine Hand auf die Schulter des Marquis, und eine Stimme flüsterte: .Sie betrachten Semen Michailowitsch gar zu lange. Zwei schöne Augen beobachten Sie beunruhigt." Hätte eines der Skelette aus dem .Todtcntanz" neben dem Bankhalte? Platz genommen, so wäre BMaz nicht erstaunter gewesen. Im Begriff, sich eine derartige Bemerkung zu verbitten, drehte er sich um, aber sofort reichte er dem, der ihn angesprochen hatte, lachelnd die Hand: .Ist es möglich, lieber Freund, Sie sind's!" Vor Hubert stand ein etwa fünfundvierzig Jahre alter, ziemlich starker Mann von Mittelgröße. Sein Gesicht mit schlau unter dem Glas hervorblickenden grauen Augen, mit einem noch schwarzen oder doch sehr geschickt gefärbten Schnurrbart, mit kluger, glatter Stirne unter dem etwas
1 gelichteten Gelock eisengrauer Haare, hatte die leicht angeblaßte Farbe, den geistvollen Ausdruck und die kleinen, feinen Runzeln, die den nachtschwär--wenden Pariser kennzeichnen. Gleichwohl sprach ihn Subert mit einem ausländischen Namen an. .Mein lieber Welmann," begann er, und schüttelte ihm auf's Neue die Hand, das heiße ich ein Zusammentreffen! Aber vor allen Dingen muß ich mich bei Ihnen bedanken, denn Sie haben, wie es scheint, ganz außerordentlich Reklame für mich gemacht." Robert Welmann hatte die bestmögliche Stellung, die ein Journalist haben kann, um, was er nur wollte, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Als Pariser Mitarbeiter des .London Her ald" verfügte er über all das Geld und die sonstigen unentbehrlichen Hilssmittel, die seine Zeitung zu einer der bestunterrichteten der Welt machten. Als Freund und Bewunderer des Marquis von Br6naz hatte er das -Unmögliche möglich gemacht, um bis in die wUde sten, unzugänglichsten Gegenden mit ihm in Verbindung bleiben und die Welt über eine der kühnsten Expeditionen des Jahrhunderts auf dem Laufenden erhalten zu können. Und der Rei sende, der für seine Berühmtheit keineswegs unempfänglich war. wußte es dem Schriftsteller Dank, daß er der zivilisirten Welt berichtete, was der Aristo!rat zu erreichen suchte. Gleich bei seiner Rückkehr nach Egypten hatte Hubert an der Unruhe, mit der. man ihn erwartete, und an den festNchen Empfangen, die man ihm acorten bereitete, bemerkt, daß seine Ezpedition von einer allgemeinen, äußerst wohlwollenden Änthcilnahme begleitet, und daß diese Antheilnahme in erster Linie durch Robert Welmanns Berichte im .London Herald" hervorgerufen worden war. Deshalb war auch sein erstes Wort an diesen ein Wort des Dankes. Welmann unterbrach ihn rasch. .Davon reden wir später! . Ich wa? soeben mit einer Dame zusammen, die sehr begierig ist, Sie kennen zu lernen, und der ich Sie vorstellen muß." .Wer ist es?" .Die junge Gräfin Miranoff." .Die Tochtcr des Generals?" rief Hubert in einem Ton, der fast wie ein Freudenschrei klang. .Nein, seine Frau." ' .Wie?. . . . Was sagen Sie da?" .Pst!" flüsterte Welmann. und verstärkte diese Warnung noch durch einen energischen Druck auf den Arm des Marquis. In der That war jede weitere Erklärung unmöglich geworden, denn die beiden Herren hatten sich mit ein paar Schritten einem Ledersopha in eine? Ecke des Saales genähert. Und schon verbeugte sich Br6naz, der nicht wußte, ob er träumte oder verrückt geworden war, mit der ihm eigenen vornehmen Ruhe vor der dort sitzenden Dame der nämlichen, die seit einigen Tagen in so eigenthümlicherWeise seine Gedanken beherrscht hatte. .Hier ist er, gnädige Frau," sagte der Journalist. .Es ist wirklich und wahrhaftig der Marquis von Brönaz, und ich bin nicht von einer Aehnlichkeit ge täuscht worden ich bürge Ihnen fü: seine Echtheit." Marquis," sagte sie mit anmuthiger Lebhaftigkeit, .ich begrüße einen Helden in Ihnen." Sie sprach mit einem leichten fremd.ländischen Akzent und rollte die Worte ein wenig, die von ihren rothen Lippen sielen. Ihre Zähne ölitzten, während sie lächelte, und das ernste Feuer ihrer Augen stand in seltsamem Gegensatz zu der Anmuth und Sinnlichkeit ihres Mundes. Hubert, der erblaßt war. hatte sich wieder aufgerichtet und blickte sie an, indem er vergeblich nach Worten suchte. .Denken Sie sich, lieber Freund," kam ihm Welmann zu Hilfe, .als die Gräfin sah, daß Sie sich so um ihren treuen Semen herumtrieben, . hielt sie Sie für einen von- finsteren Absichten beseelten Nihilisten!" Und. ... nun sind Sie beruhigt, gnädige Frau?. . . . fragte Hubert, als er neben ibr Nla. nabm. (Fortsetzung folgt.)
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