Indiana Tribüne, Volume 25, Number 113, Indianapolis, Marion County, 12 January 1902 — Page 2
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JndZana Mbüne, Sonntag, 12. Januar 1902.
Ein Gezeichneter. Von Ernst Weber.
Weim 3z Meter Leinw:rc l Mark 4 COC- . ri 1 1 . via- iöicn, was iqien Me in Ich schließe von 3z 21'cuf5 Mter und " Da klopfte z ßs und schüchtern an die Thüre mtui 56ul Kimmers. und ich stieg vom l ieber, , um nachzusehen. Zwei wKcblaue Augen sahen forschend in vi. einen, und das halbwüchsige, twaürftiz gekleidete Bürschlein. das da j leichten Dämmer des Ganges i mir stand, hielt mir einen gelben injlix zettel entgegen. ' '- Ich bin der Felix Waltranund komme in die sechste Class'" h"h in twas gedrücktem Ton von sei'Lippen, und ich las die Bestätigung einer Worte auf dem gelben Papieund Soljn eines Taglöhners" st .darunter. Der kleine Rechner, der lade darüber war. die 2 Mark 24 PUzur Division durch 7 kunstgerecht ü zerlegen, hielt inne, und neugierig ffo: dem kleinen Ankömmling hundtfrisehe Knabenaugcn entgegen. lige Köpfe drehten sich sogar um, uköaschieden? Zeigefinger deuteten jtä? Nasen. Ja, das war auch inMlickj beim ersten Anblick draußen inMklen Vorplatz ausgefallen, und j fjini hellen Schulzimmer trat es nvfciel abschreckender hervor: dem pu Waltram fehlte die Nasenspind wie entstellt auch das schönste Ticht durch Verstümmelung der Nas. er den kann, das hat wohl Jeder se. an geschändeten Denkmälern erfch und nun erst ein lebenathmend nschengesicht! ,1 Es sah fast aus, als hatte eine! Kr tlge Bechzange dem llemen die Nase abgezwickt, und ich frac willkürlich: Was ist Dir d ft nsda passirt. kleiner Waltram?" Die fge war mir kaum über die Llppen , to inen, da bereute ich schon, sie ctU zu haben, denn aus den Bänken keein verhaltenes spöttisches Kichern inder sind a in ihrer Unwlssenhenurneist recht grausam! und dxDesicht des Gefragten wurde dun'cZoth gleich der entstellenden Narbe; diÄals ich ihm beschwichtigend über di5tiße Wange strich, da brachte er es in iier eigenthümlich gedrückten Art kor, daß ihm ein Hund, eine große ?age, die Nasenspitze weggeschnappt fyt vor wenig Monaten erst! ur.! ein Weinen schien ihm die Kehle vcmds zuzuschnüren; doch er schluckte etjerzhaft hinunter. ' ?j Das war der Felix Waltran, den man nur einmal gesehen zu aben brauchte, um ihn nimmer wiedO zu Vergessen; denn er war gezeichnetster Tausenden. Aber wir gewann luns bald lieb denn das göttlich Geschenk leiblicher Schönheit isUchon Manchem zum Verderben gemden, da ihn die Welt darob verhätselte und wieder einen Andern spornte'eine Häßlichkeit an zu doppelter Arbe'am inneren Menschen, um selbst zllersetzen, was die launische Muttnslaiur versagte. Bei meinem k'.nen Waltram schien dies Letztere derall zu sein, und ich habe diese iiere Schönheit lieber, als jene blos äzerliche; denn sie erzieht Charactere.i Die häuslichen Verhältnisse des Knaben waren die denkbar schlimsien der Vater im Kampfe um's taliche Vrod, die Mutter dem Trunk erjben, von den beiden Brüdern der Aelke in fremden Häusern, der Kleinere'krophulös und halb blödsinnig. Dhin hatte das Schicksal den kleinen elix gesetzt; aber wie oft auf unfruchtbrem Oedland ein herrlich Blümlein biht, so auch hier. Auch in des armen Zursehen Brust war etwas gelegt, waihm uch die widrigsten Verhältnisse nicht rauben konnten: der Sinn undbegeisterung für das Schöne, fMdie Kunst. iitj Man soll nur nicht behauptendenZere Kinder seien nicht reif für Kunstgenuß, weil sie nichts davon stünden. So ein Kind braucht w! Stoff noch Form in wissenschaftHe? und kunsttechnischer Hinsicht vollend ganz zu erfassen und kann doch lein Kunstwerk genießen und sich daraterbauen, wohl nur in kindlicher EirtliTt, aber eben ob dieser Naivetät allein unverdorbener Kunstkritiker. I So erging es auch dem kleinen 'Xq Waltram. U Ich hatte mir im Laufe der J&e eine große Bildersammlung, L'ist illustrirten Zeitschristen entnomn'Zi, angelegt, sie dem Stoff nach geortet und Pflegte, nach jeder Lection,. rci es anging, die einschlägigen Bildnlke, worunter viele Copien wirklicher Üeister sich befanden, an der Rückwand $ Unterrichtssaales aufzuhängen. or und nach demUnterrichte oder wähx?d der Pause durften meine Jungen ltfre Plätze verlassen und die improvhrlc Gallen älterer und moderner Mister, die sich von ihrem Gesichtsputtte aus mit unserem Unterrichtsstoffe tfaßt hatten, in Augenschein nehmen s Da war , nun Kein eifriger .tf Felix, und sein halbes Näslein glii'zte in der Erregung nur noch tiefer, and seine wasserblauen Augen leuctetm, wenn er den Uebrigen in sein 9;r: den Sinn der Bilder zu verdolmetsn suchte: -rntd wie Der sein Btttz schwingt und wie er schaugt! deS baut. Sevvi. des baut!- urd er schnalzte vor Vergnügen mit den Fln gern. I Oft stand er aucö. wenn sich H An dern satt eseben hatten, allein tnnten. die kleinen Hände tn den HolenLlschen vergraben, und schaute unverwa7t auf dieses oder jenes Bild. Zu Hanse zeichnete er dann nach bestem Hissen und Könnene, was ihm zumeist w len, nach, und einmal fand ich &f iym eine ganze tudienmappe voll iastischerDarsiellungen, aber fris i lond. jivii entworfen trod der vIu es r- -
Zeichnungen. In der Classe war der kleine Waltram musterhaft fleißig; doch war und blieb Zeichnen seine Lieblingsbeschäftigung, und fragte ihn Jemand, was er einmal werden würde, so sagte er stolz: Ein Kunstmaler!" Ich kaufte ihm einmal zur Aufmunterung für einige Pfennige einen kletnen Farbkasten .und von jener Stunde an konnte sich der kleine Künstler nicht
genug thun im Bemalen jedes kleinen PQpierblättchens, das ihm in die Hano fiel. Lobte ich seinen Fleiß und seine Leistungen, so glänzten die wasserfardenen Augen wie zwei blaue Sterne, und die Lippen zitterten ihm leicht; doch schon beim leisesten Tadel überzog ich sein Gesicht mit tiefem Purpur; denn er wahr ehrgeizig, der kleine Maler, ehrgeizig und stolz wie ein großer. So vergingen eineinhalb Jahre, und die Zeit kam heran, da meine Classe aus der Werktagsschule entlassen werden sollte. Wir waren mitten in den Prüfungen. Der kleine Felix schien einer der Ersten zu werden und ich hatte schon dem Inhaber einer großen Porzellanmalerei, der sich mit einem diesbezüglichenSchreiben an den Oberlehrer unserer Schule gewandt hatte, den kleinen Felix vorgeschlagen da ereignete sich eines Tages etwas En!setzliches. Ein grauenvoller Mord war in der Stadt verübt worden. Der Mörder hatte sein Opfer kunstgerecht abgeschlachtet und war dann unter Mitnähme von Geld und Werthsachen spurlos verschwunden. Die Polizei entwickelte eine fieberhafte Thätigkert, doch schienen alle Nachforschungen vergeblich zu sein. Da der Thatort in meinem Schulbezirk lag, da beständig Haussuchungen vorgenommen wurden, so hatten natürlich auch meine Jungens den Kopf voll von allen möglichen Mordgeschichten, und was noch dazu erdichtet und ersonnen wurde, das vergroßerte sich von Tag zu Tag, und ich hatte in meiner Classe nicht wenig zu kämpfen mit der ständig wachsenden, fast nervös zu nennenden Unruhe. Es mochten seit jenem schrecklichen Vorkommniß etwa vierzehn Tagen vergangen sein. An einem der ersten Tage im Juni war es. Ich saß vor Beginn des Unterrichts aus meinem Katheder und corrigirte einige Schülerarbeiten. Es war ern herrlicher Tag, so einer, der den Lehrer mit seiner juaendlichen Schaar hinauslockt, hinaus m die sonnige 'sotteswett mit ihrem Hoffen und Werden. Grell lag das Sonnenlicht aus den gegenüberliegenden Schieferdächern, und auf dem blechbeschlagenen Sims vor meinem Fenster hüpften und piepsten die Spatzen. Meine Jungen traten einzeln oder in kleinen Trupps mit kurzem Gruße in's Zimmer und begaben sich an ihre Platze. Hin und wieder trat auch Einer zu mir an's Pult und legte mit einem lächelnden: Da, Herr Lehrer!" einige Feldblumen, blühende Kinder des Frühlings, vor mich hin. Ich war so vertieft, daß ich nur mit einem zerstreuten 5u?pfnicken danken konnte. Doch plötzlich siel Mir ern immer lauter werdendes Gemurmel auf, und als ich die Augen erhob, sah ich. wie eine kleine Gruppe die Köpfe zusammensteckte über ein großes, geldes .Papier, und in einer anderen Ecke beugten sich wieder mehrere Knaben über einen ähnlich ausschauenden Bogen. Auf meinen fragenden Blick hin bahnte sich einer der Knaben mit den Ellbogen einenWeg zu mir und brachte mir den Zettel mit beiden Händen: Der Waltram!" sagte er erläuternd, ja, der Waltram! der Waltram!" riefen Einige halblaut, und in diesem Augenblick trat der kleine Felix zur Thüre herein. Seine wasserblauen Augen leuchteten in eitel Lust und Son nenschein. und mit der Rechten schienkerte er halb burschikos, halb genir:, wie dies so seine Art war, den blauweißen, etwas zerknitterten Strohhut. Ich nahm den Zettel in die Hand: es war das Telegramm einer hiesigen Zeitung, das in großen Lettern mittheilte, daß der lange vergebens gesuchte Raubmörder endlich gefunden worden sei in der Person eines gewissen Josef Waltram, eines Metzgerbur schen, Alter 19 Jahre, und dann folgten noch ewige Details, die ich blitz schnell überflog. Das ist " fragte ich und schaute auf: dem Waltram sem Bruder! riefen mir gleichzeitig mehrere Stimmen zu, und ich erhob mich unwillkürlich, um zu dem kleinen Felix zu treten und ihm schonend sein Unglück mitzu theilen. Doch ich kam bereits zu spät. Den zweiten Zettel, dem sie in iinbischer Geschäftigkeit dem Ahnungslosen nicht schnell genug reichen konnte, in der Hand, starrte er mit weitoffenen Augen auf den verhängnißvollen Namen. der auch der seine war, und der nun so schrecklich gebrandmarkt sein sollte. Ich trat nliher und fragte ihn so mild als möglich: Ist das wirklich Dein Bruder, Felix?" Er aber gab mir keine Amwort, sondern starrte noch immer vor sich hin in's Leere, und Älöblick. als ick wieder fraaen wollte. schrie er auf, so nnld uno herzzerre: ßend, wie ein todwundes Pferd, und ohne auf mich zu achten, stürzte er auf seinen Platz zu, warf sich ' mit dem Oberkörper quer über das schwarze Pult, preßte das Gesicht in die Arme. und sein kleiner, magerer Korper er bebte in wortlosem Schmerz, als schüttle ihn ein wilder Fieberfrost. Ich strich ihm leise über das semmelblonde Haar. Er schien es nicht zu suhlen. Draußen vor dem Fenster zwitscher im und piepsten die Spatzen noch im mer wie vorhin, und der Sonnenschein lachte noch ebenso golden und früh lingswarm; aber aus dem jungen.Herzen, das sich da ?n ohnmächtigem Stolz bäumte gegenLn unverdientes Schick
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jai, ivai ver tfiuyuug grivleu, unu Winter war's plötzlich geworden in der kleinen Brust. Hier war Trost vorläufig nicht am Platz. So stieg ich. denn wieder auf mein Pult und begann den Unterricht, ohne scheinbar auf den kleinen Waltram zu achten. Die erste Stunde über, nachdem sich der rasende chmei' iu ßerllch etwas ausgetobt hatte, oUeo er i m w y i . in apatytlcyer nuye liegen, uno es chien fast, als wäre er eingeschlafen. Das dauerte bis zur Hälfte der zweien Unterrichtsstunde. Dann yob er plötzlich mit einem jähen Ruck den Kops. Aber ich hatte gewünscht, er hätte es nicht gethan, so unheimlich verändert schien mu der Ausdruck diese!! bei aller häßlichen Entstellung doch immer noch anziehenden Knabenantlitzes - todbleich, in's Graue spielend, varen die sonst rosig angehauchten Wangen; nur die Narbe der verstümmelten Nase trat greller denn je hervor, und n den Augen lag ein müdes, glänzoses, herzzerreißendes Elend. Ich erschrak und auch den Knaben ihm zur Seite mochte es ähnlich ergehen; denn sie ruckten etwas von ihm ab. Ich leitete, obgleich es nicht gerade zu meinem Unterrichtsstoff paßte, un willkürlich die Rede auf Schuld und Unschuld, auf Sühne und Gerechtlgt:": c e , . r , . . i en ymuoer uno laziog mii oer irotenden Versicherung, kein Mensch brauche je im Leben den Muth zu derleren; so lange er sich selbst im Herzen gut und mn fühle, möge er, kühner Hoffnung voll, den Kampf mit dem Schicksal aufnehmen, und wo menschliche Hilfe umsonst, b-a greife uns eine höhereMacht unter die Arme darum Kopf hoch! und was dergleichen mehr. Doch wenn auch hundert frohe Knabenaugen lebensmuthig und unterneh-. mend mir entgegen leuchteten, der, auf den die schönen Worte gemünzt waren, schien ihrem klingenden Metall nicht zu trauen oder hörte er gar nicht darauf? genug, sie ließen ihn todt und kalt. Von nun an war der kleine Felix Waltram, was wir so zu nennen Pflegen: mcht mehr zu haben". Wohl kam er noch anfangs pünktlich und regelmäßig zur Schule; aber die Lust. der freudige Hunger, der mich sonst immer an ihm so erfrischte, war dahin. Nur die Bilder interessirten ihn noch. Vor ihnen vergaß er auch zuweilen, daß er ein Gezeichneter" sei, und seine Augen leuchteten wieder auf; aber wenn dann Ändere zu ihm traten und ihn freundlich fragten denn ich hatte meinen übrigen Schülern, als der kleine Felix einmal nicht anwesend war. in herzlicher Ansprache nahegeleg), wie unrecht es wäre, den unschuldlgen rüder suhlen zu lassen, was ein Anderer gefehlt, und sie thaten es auch nicht , doch wenn sie zu ihm traten. so gab er' keine Antwort, sondern preßte die Lippen fest aufeinander und schritt still und wortlos mit gesenkten Augen auf seinen Platz zurück. Einmal noch sollte ich ihn froh und heiter sehen. Der Besitzer der Glasmalern war gekommen und hatte den kleinen Burschen sehen wollen, den ich ihm so warm empfohlen hatte. Beim Anblick des verstümmelten Gesichtes hatte er nur liebevoll gelächelt und in derbgutmüthiger Weise die Hand auf Felix' Schulter gelegt: Macht nichts! wenn Du nur recht schöne Nasen malen lernst! und wie heißt Du?" Em Zucken ging durch des Knaben Gesicht,- das sich rasch verdüsterte, und Felix Waltram!" kam es schüchtern von seinen Lippen. Da machte der Fabrikherr eine nachdenkliche Miene, und als ich dem kleinen Felix einen Wink gab, er möge sich entfernen, da ließ der Herr die Frage sauen: Wie tu mir denn, Herr Lebrer? Felix Waltram Waltram , . So hieß doch auch der Raubmörder! Sie wissen doch? Ist Felix vielleicht mit Jenem verwandt?" Ich räusperte mich leicht und nickte: Es ist der Bruder aber " Dann kann ich den Burschen nicht nehmen!" fiel mir der Fabrikbesitzer mit aller Bestimmtheit in meinen Entschuld!gungsversuch. absolut nicht! Meine Frau ist so ängstlich! Sie verstehen! Bedaure, Sie belästigt zu haben !" Noch ein paar gesellschaftlick.e Phrasen. und verschwunden war er. Mit einem zweiten Prinzipal erging mir's genau so, und all' meine Versicherungen, den Herrn günstig zu stimmen, scheiterten. Ich theilte meine Mißerfolge dem unglücklichen Jungen in schonender Weise mit und tröstete ihn mit der Aussicht auf bessere Zeiten. Denn über jede Geschichte wächst einmal Gras". Doch er lächelte nur resignirt .md meinte: Dank schtn! 's braucht'? U!" Dann blieb er eines TagZ o,anz aus. Ich schickte den Hausmeister ?ach ibm: der brachte trauriae Nackricbten. Als der Bruder zu lebenslänglichem Zuchthaus verurtheilt worden war. war die Familie gemieden worden. Der Vater bekam keine Arbeit mehr; die Mutter hatte sich in einem Tobsuchtsanfall das Leben nehmen wollen und war schwerverwundet in's Krankenhaus gebracht worden. Das kleine. kränkliche Kind übergab man einer staatlichen Erziehungsanstalt. Felix Waltram aber war unauffindbar. Spater erst erfuhr ich, daß er mit sei nem Vater ausgewandert war in eine fremde Gegend, wo Niemand um ihren geachteten Namen wußte, und so war und blieb der kleine Felix zunächst ver schollen für mich. Darüber ist nun fast ein Jahrzehnt vergangen. Vor wenig Wochen kam ich von einer Aufführung des Faust aus dem Hoftheater. Den Kopf noch voll von den Gedanken, die in Großer eine lange Lebenszeit mit sich herum getragen und an deren Lösung seine Epigonen sich imMn wieder und wieder herummühen? werden, schlenderte ich heimwärts. Dablieb ich vlödlich
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unwillkürlich stehen. Auf dem gegen-
ubernegenden Trottolr, das durch den Schein der elektrischen Lampen taghell erleuchtet war. schritt ein kleiner Menschentrupp, Mannlein und Weiblem. Die Burschen hatten buntfarbige Hemden an und trugen Hosenrand und Rockkragen aufgekrempelt. Die drei Mädchen, welche dazu gehörten, lachten und scherzten, und vorne und hinten schritten begleitende Schutzleute Razzia!" Doch das ist in einer Großstadt keine Seltenheit, und ich wäre auch mcht stehen geblieben, Ware mir nicht ein Gesicht aufgefallen, das einem dürftig gekleideten, schmächtigen Burschen gehörte: glanzlose, Wasserblaue Augen und semmelblondes, in die Stirne gekämmtes Haar, und wo bei gewöhnlichen Menschen die Nase, da brannte eine blutrothe, entstellende Narbe. Die Dirne neben ihm flüsterte ihm mit frechem Lächeln etwas in's Ohr. Doch fein Gesicht blieb unverändert; mich schien er nicht zu bemerken. Das war vor wenig Wochen, und gestern besuchte ich mit einem meine? besten Freunde, einem jungen Arzt, r A.-at:mi.'. Ich hatte ihn schon oft darum gebeten, mich einmal mitzunehmen in die ernste Werkstatt der Wissenschaft vom Menschenkörper. Er hatte es immer abgelehnt und gemeint. ich wurde mir einen Schauer holen. an dem ich wochenlang zu laboriren hatte. Er wußte das aus eigener Erfahrung. Doch ich bestand darauf. und gestern sollte mein Wunsch erfüllt werden. Wir traten in den Sectionssaal. Ein scharfer Geruch wie von Carbol schlug mir entgegen. Mehrere Herren standen in Gruppen beisammen. Unter ihnen die Assistenzärzte in ihren weißen Ueberwürfen. Man erwartete einen berühmten Professor. In der linken Ecke stand ein an die Wand gerückte? eiserner Tisch. Ein weißes Tuch war darüber gebreitet, und der Faltenwurf verrieth deutlich eine lang ausgestreckte menschliche Gestalt. Mein Freund zog mich näher und schlug einen Theil der Hülle zurück. Mein Gesichtsausdruck mochte wohl beim plötzlichen Anblick der Leiche ernster geworden sem, denn der junge Arzt lächelte, und meine Hand ergreisend, legte er dieselbe fest auf die Brust des Todten und sagte: Sieh, so hat mir einst mein großer Lehrer das Schaudern abgewöhnt! Die Hand liegen lassen, bis sie kalt geworden ist, wie der starre Leiol und kalt geworden ist auch Dein eigen Herz. Probir'Z nur! Und ich ließ meine Hand ruhig und fest liegen auf der kühlen Herzgrübe des todten Mannes und suhlte wahrhaftig, wie ein eisiges Flmdum mir durch die Muskeln von Hand und Arm herauf zur Brust stieg. Uebrigens noch ein ganz junger Mensch!" fuhr mein Freund gleichglltlg fort und hob das. Tuch vom Haupt der Leiche, vor drei Tagen zogen sie ihn aus dem Fluß. ' Lebenshaß oder etwas Aehnliches konnte man aus seinen Aufzeichnungen herauslesen. Ein verkanntes Genie, wie einige Skizzen bewiesen, die man bei ihm fand. Was ist Dir? Fühlst Du Dich unwohl?" Ich starrte wie gebannt in das bleigraue Gesicht und auf die eingesunkenen Schlafen, an denen die wirren, semmelblonden Haare klebten. Die Lider waren fest geschlossen; aber ich wußte, dahinter schimmerte es wasserblau, und mitten aus dem bleichen Todtengesicht glühte die rothe Nark die Narbe des Gezeichneten! Beim Barbarafcst. Bon F. Braumann. Es war wieder einmal der vierte December. Wir von der Artillerie saßen in unserem gemüthlichen Easino und feierten das Barbarafest. An dem Tage itr Schutzheiligen der Artil lerie fühlte sich mancher Leutnant wohler und sicherer zwischen den Batterien von Flaschen als bei seinen Geschützen unter des gestrengen Hauptmanns Commando. Hoch und lustig ging es bei den jungen Herren her. und die Sectpfrovfen knallten so prompt aus das Eommando, daß Jedermann solche Feuerleitung" loben mußte. Ein Fahnenjun!er der Junalmg hatte heute zum sten Male unbeschränkten Urlaub w m rirf iIiT. woule aern jeme lennlenninine seiaen und darum txtx er leeSmar. wenn er sein Klas mletri bztte und der vri- . , " r ckelnde Trank ihm die Hitze durch die Adern jagte: Feuer durch! Zweite xaotr Sein Qauvtmann lak ibm aeaenüber, freute sich und dachte: Na, warte. mein Bursckickien Du wirst mir heute noch voll wie 'ne Haubitze. Aber morgen ist auch ein Tag uno Fuß? ciren ein bewährtes Mittel!" Räch lucytiger Häuptling! Kinder " rief vlöklick ein Leu! nant. wie kommen wir Artilleristen eigentlich zu einem Schutzpatron und nocy dazu zu einem weiblichen?" eil wir's meiste Glück be! den Frauen haben." ertönte eine Stimme Krasser Renommist," antwortet! ein anwesender Jnfanterieleutnant unser Kragen ist roth, und roth ist di, Liebe!" !ca, err Pfarrer, was zagen Sie dazu?" wandte sich der fti an den anweienven Misionsprediaer. Meine Herren," entgegnete der alte err mit jemem Lächeln, die , Geschickte der beiliaen Barbara ist "kur, Sie war eine Märtvrerin. 5km dritten Jahrhundert lebte sie. ein Mädchen von oezauoernver Schönheit und Tugend. Als sie sich ibrem Bater als Cbristin offenbarte, brachte dieser sie selbst umö eoen unv entyauplete sie. Gottes Strafe Dollzog sich sofort an dem Unmenschlichen, und der, Blitz tödtete ihn Alis hrJirH jann i
aucy nicht erzählen. In Feuersgejahr rief man sie später als eine der vierzehn Nothhelfer an und machte sie zur Patronin der Artillerie. Warum? Ich sagte ja schon: sie war schön und tuSendhaft das sind doch alle Artilleristen aber den Kopf verlieren sie nicht. Sie sind dagegen wie der Blitz da, 'wo man sie braucht." Und der alte Herr schwieg und lächelte. Bravo! ' Ehrwürden!" scholl es rings umher, und die Gläser klangen zusammen. Ter dicke Hauptmann von Z. hatte bei schön" sich heftig geschneuzt, und der Oberleutnant H. bei tugendhaft" merkwürdig hastig getrunken. Gut. Ehrwürden." lachte jetzt der Major der zweiten Abtheilung, ich kenne aber die Geschichte noch anders. Mso aber Ordonanz erst noch 'nen Schoppen unser berühmter Berthold 'Schwarz saß eines Tages wieder in seiner Zelle im Kloster zu Freiburg und machte allerhand Experimente. Dieser Tag war der vierte Dcmber. Als frommer Mann las er natürlich die Legende dieses Tages und sprach am Schlüsse: Weiß wie das Salz war das Herz der Jungfrau, schwarz wie die Kohle die Seele des Vaters und der Schwefel des Blitzes endete die Legende. Diese drei Dinge will ich mischen und dann sehen, ob ich nicht den Stein der Weisen gefunden. That's, und da es gegen Abend war und dunkelte, steckte er sich ein schwedisches ZündHölzchen an und leuchtete und
bumsvallera! sauste und krachte ihm die ganze Pastete um die Ohren. Erst erschrak er: dann aber dachte er: Den Stein der Weisen habe ich wohl nicht gefunden, aber ein Mlttel, das viele zur Vernunft bringen wird." Und seit der Zeit, meine Herren, ist unser Geburtstag der vierte December, unsere Patronin die jungfräuliche, unbezwingbare Barbara und unser Kragen schwarz. Und nun stimmt unser Leiblied an: Freudig klang es jetzt durch den Saal: Das Pulver, das ein Mönch erfand. Aus 'Schwefel, Salz und Kohlen. s ist. wie aller Welt bekannt, Dem Teufel abgestohlen. Der kluge Mönch hieß Berthold Schwarz. Drum ist die Lieblingsfarbe schwarz Bei allen Artilleristen. Hoch die heilige Barbara, Hurrah, Hurrah, Hurrah! Stimmt. Kinder, hub da ein alter Veteran an; "der vierte December hat's mit der Artillerie zu thun. Bei Orleans war's anno 1870. Bei Orleans, 4. December, heiliges Kanonenrohr, da galt dlejes Spruchelchen wirklich. War damals bayerischer Infanterist. Ueber blankes, ausgefrorenesVrachfeld gings glatt eben wie ein Tanzfaal. Und von drüben her von Janvoy und Boulay erdröhnten die schweren Marinegeschütze der Franzosen und schlugen die gewaltigen Geschosse ein. Ist der vierte December wirklich der Namenstag der heiligen Barbara, so spendirten an jenem Vierten vor 31 Jahren ihr zu Ehren die Franzmänner ungeheure Zuckerhute. Und welche Jrom x-v wv i nie: e nuaeryule lomen uns oas Leben versalzen. Wie ein alles vernichtendes Ungewitter rollte das Geschützfeuer der schweren Marmegeschütze und riß immer von neuem gewaltige Lücken in unsere Reihen. Plötzlich schlug eme Granate wenige Schntte von mir ein und schleuderte mir Fetzen von Menschenfleisch und Erde und blutigen Schmutz ms Gencht. Heilige Barbara", entfuhr es mir daunwillkürlich, und still gelobte ich mir, den Tag zu feiern, wenn mich ein gütiges Geschick erhalten sollte. Ich bin davongekommen. Jeden vierten Decemden aber gehe ich zu den Kameraden der Artillerie, feire ihre Patronin mit und danke ihr still und froh. Schöuheltspflästerchen. Eine französische Frauenzeitschrift stellt mit großer Bestimmtheit die Behauptung auf, daß gepudertes Haar, emaillirte Gesichter und Schönheits pflästerchen sehr bald wieder in Mode kommen werden. In Paris sind bereits einzelne sehr schöne und junge Damen zum Erstaunen der Herren mit leicht gepuderter Lockenfrisur und win zigen, höchst verführerisch auf dem milchweißen Teint angebrachten teautj'-s,pot8" erschienen. Der Anfang wäre also gemacht und es dürfte sicher nicht allzu lange dauern, dann wird es auch zum guten Ton gehören, Hals und Gesicht mit Schminke zu überziehen, da Schönheitsfleckchen und gepudertes Haar unbedingt eine schnee ige Weiße der Haut verlangen und die Natur nur sehr sparsam mit dieser kostbarsten ihrer Gaben umzugehen pflegt. Als das Schönheitspflästerchen zuerst bei den Damen Aufnahme fand, wurde es hauptsächlich dazu benutzt. um irgend eine kleine Unebenheit oder Verletzung der Gesichtshaut dem Blicke zu entziehen. Wirklich hübsche junge Damen, die sich ihrer Reize wohl be wußt waren, brauchten das' schwarze Fleckchen aus Koketterie, sie klebten es dicht in die unmittelbare Nahe eines Grubchens oder, im Falle sie nen be sonders schöngeformten Mund hatten, wurde das Pflästerchen an der linken Seite des Kinnes angebracht, um die Aufmerksamkeit auf diesen Theil des Gesichtes zu lenken. Ein künstlerisch geübtes Auge und eine geschickte Hand sind jedoch nothwendig, um die Fleck chen so anzubringen, daß sie in der That den gewünschten Effekt hervor bringen. Auch eignet sich nur ein blü hendes, wohlgerundetes Gesicht zum raaen der beauty-spots : em schmales, längliches Antlitz würde. wenn es auch sonst hübsch und interes . sant genannt werden kann, durch eins ' lltljxitrlSn. geradezuent
stellt werden. Aus dem vollen, rosigen Gesichtchen einer üppigen Blondine ist ein zierlicher schwarzer Stern unweit des kirschrothen Mundes von derselben Wirkung, wie ein laichendes Grübchen, während ein viereckiges oder Halbmondförmiges Fleckchen in der Nähe des Augenwinkels dem Auge etwas Schmachtendes verleiht. Auf der Stirn wirkt ein Vflästerchen nur selten anziehend,
dafür aber um so mehr, wenn es auf . dem Kinn oder dem unteren Theile der Wange angebracht wird. Einen fast zauberhaften Reiz soll jedoch dieser kleine schwarze Teufelskuß" ausüben, wenn er genau auf dem richtigen Fleck unterhalb oder hinter der rosigen OhrMuschel, wo die Haut am zartesten und weichsten ist, befestigt wird. Als das Schönheitspflästerchen zuerst auftauchte, wurde es aus Sammet oder Seide geschnitten, heute aber wird es aus dem besten, schwarzen Atlas in allerlei Formen, wie Sterne, Punkte, Würfel, Halbmonde, Wappen. Tulpen oder Lilien ausgestanzt. Das kleidsamste der verschiedenen Pflästerchen ist unzweifelhaft das kreisförmige in. der Größe einer Erbse im Durchmesser. Bei diesem weiß man nie, ob es nicht nur durch Zufall auf die Wange oder das Kinn gerathen ist, immer wieder wird der Blick von dem schwarzen Pünktchen gefesselt und nothgedrungen muß man von all' der holden Lieblichkeit, die dieses Pünktchen umgibt, ebenfalls Notiz nehmen. Aeußerst effektvoll macht sich ein sichelförmiges Fleckchen auch auf dem Elfenbeinton einer Schulter oder eines Armes und zwar halbverborgen von der duftigen Spitzengarnitur des Aermels, der einen leichten Schatten auf die blendende Haut der Schönen wirft. Sollten die Schönheitspflästerchen in der That wieder jene Beliebtheit erlangen, deren sie sich bei den schönen Frauen am Hofe Ludwigs XV. erfreuten, dann wäre es nur zu wünschen, daß vorher noch ein Mittel erfunden würde, welches der Haut auf unschädliche Weise Weichheit, Schmelz und Wuße verleiht. Aber das Schönheitspflästerchen hat auch seine Feinde natürlich in der Männerwelt. Es wird als eine ganz verrückte Erfindung des Modeteufels verschrien, die durchaus schönheitswidrig und unnatürlich sei. Das schließt aber nicht aus, daß diese feindlichen Herren überall - dem Zauber dieses verpönten Pflasterchens erliegen. m m Ter Rath des Musti. Zu dem weisen Mufti Mohamed kam der junge Softa Abdullah mit bleichem Angesicht, trübem Auge und müdem Schritt. Die Leute sagen," so l-eganl! er traurig. Du seiest ein kluger Mann und um weisen Rath nie verlegen. Nun. so hilf mir!" Rede, was bedrückt Dich, mein Sohn!" Wisse, daß das ganze Erdenrund mir ein Greuel ist, seit ich geliebt habe. Zuerst entzündeten mir . die Gefühle meines Herzens sich bei dem Anolici ei nes Mädchens mit Augen blau wie Vergißmeinnicht, Wangen rosig wie die Blüthen von Schiras. Lippen voll und suß wie reife Kirschen. Aber ich bm arm, ihr Vater gab sie e:ncm anderen, und ftitdüm hasse ick ds Pflanzenreich, aus dem sie die Attribute ihrer Schönheit entlehnte" . . . Hm. rede weiter! Nur wenige Monden gingen ins Land, da entzündeten sich die Gefühle mcmes Herzens bei dem Anblick ei nes anderen Mädchens mit Locken schwarz wie Nabcnfedern, mit Lippcn roth wie Edelkorallen, und Mit ei nem Schwanenhals. Ich glaubte erst, sie wurde mein Weib werden, doch ei nes Morgens vernahm ich. daß sie dem reichen Theehändler im Bazar. der ihr Großvater sem konnte, versprochen worden war. und seitdem hasse ich auch das Thierreich. an das die Merkmale ihrer Schönheit mich erinne'.ten" .... Du bist ein consequenter Mann. Rede weiter!" Trotz dieser schlimmen Erfahrungen, weideten sich meine Augen bald an den Reizen eines dritten Mädchens mit herrlichem Lockengold, mit Augen klar wie der blaue Hauch einer Damasccnerklinge. Formen fest wie Marmorstein. Auch bei ihr zcg ich den Kürzeren, und seitdem- ist mir. wie gesagt, die ganze Schöpfung ein Greuel . . . Gibt es ein Mittel, mich von dieser pessimistisch - melancholischen Stimmung zu besreien?"' ' Hm!" erwiderte der Mufti mit nachdenklicher Miene. Es gibt ein solches: Gehe hin und suche ein Wesen. an dem Du Merkmale aus allen drei Naturreichen entdeckst!" Abdullah dankte und zog von dan nen ..... Fast war ein Jahr im Zeitenschoßr versunken, da trat er von neuem in die Hütte des Weisen. Der erkannte ihn wieder und sagte nur das eine Wort: Nun?" Ich danke Dir von ganzem Herzen," begann Abdullah eifrig, denn Dein Rath ist gut gewesen. Ich habe ein weibliches Wesen gefunden, das aus dem Pflanzenreich starres, gelbli chcs Haar wie Stroh, aus dem Thierreich eine Nase wie ein Geierfchnabel und aus dem Mineralreich einen gro ßen Kasten voller Gold- und Silberstücke besaß. Das habe ich geheirathet..." Und bist Du glücklich geworden?" Ja, weiser Mann! Denn als wir auf der Heimfahrt von der Trauung über den Fluß fuhren, da kippte der Kahn um, sie ertrank und ließ mich als Erben zurück .... Soll ich mit dem Suchen von vorn anfangen?" Thue das. mein Sohn, denn mit dem. was die Strohköpfige Di? hinierlassen, wirft Du jetzt in jedem Naturreich Erfolg haben!" , .
Wie Wilhelm It. Ui Zs erscheint wohl selbstve::'-' ,.
daß der deutsche Kaijer nicht r. i solches Verkehrsmittel wie caPhon verzichtet, andererseits wirc wohl auch niemand glauben, daß :v in. sich nur durch das 'berliner ge?' sprechamt verbinden zu lassen brause. UM alsbald auf recht kräftiges Ab klingeln die Antwort zu vernehmer.: Hier Kaiser Wilhelm, wer dort? " Die Form für den kaiserlichen Telephondienst ist folgende: Im Geheimen Eivllcablnet, welches an ie A'rbeitsZimmer des Kaisers grenzt, befindet sich der Haupt - Fernsprechapparat des Stadtamtes. Der Kaiser, hr Chef des Civllcablnets v. Lucanus sowie, noch zwei Chagirte" sind mittelst Nebenapparaten an den Hauptapparat. und dadurch an das Amt angeschlos--sen. Wollte nun, sagen wir ein Minister, in dringender Angelegenheit den Kaiser telephonisch sprechen, sowäre der Verlauf folgender: Nachdem das Stadtamt den betreffenden Minister mit dem Geheimen lilcablnet verbunden hat, erreicht der Anruf des Ministers zunächst den dortigen Hauptapparat. Derselbe wird von einem Unterbeamten bedient, welä)er sich nach dem Wunsche des Anrufenden erkündigt. Nachdem er diesen erfahren, hängt er seinen Hörlöffcl wieder an den Apparat und benachrichtigt, ohne etwas umzuschalten, durch ein Klingelzeichen seinen Ckf. Herrn von Lucanus. daß iemand am Apparat sei. Herr von Lucanus nimmt seinen Hörlös sei vom Apparat und ist sofort oh ne weiteres über den Hauptapparat und über das Stadtamt mit dem an--rufenden Minister verbunden. Nachdem er dessen Wunsch erfahren hat. verbindet er sich mittels eines sögenannten Linienwählers mit dem Arbeitszimmer des Kaisers. In dem Augenblicke, in welchem er sich durch, den LinienwÄHIer mit dem Kaiser verbindet, trennt sich sein Apparat automatisch von de: Stadtleitung und er kann jetzt mit dem Kaiser sprechen. Ist dieser gewillt, den betreffenden Minister anzuhören, so hängt v. Lucanus nur seinen Hörlöffel wieder an den Haken, fchaltet damit automatisch seinen Apparat ab, während der Kaiser ohne jede weitere Schaltung direkt mit dem Minister verbunden ist. Will umgekehrt der Kaiser oder eine der anderen Sprechstellen mit -dem Amte sprechen bezw. sich durch daS Amt mit jemand verbinden lassen, so kann dies ohne iveiteres von jedem Apparate aus geschehen, ohne erst am Hauptapvarateeine Verbindung herstellen zu lassen, oder selbst etwas zu schalten. Andererseits besteht auch die Möglichkeit, erst den Hauptapparat anzurufen, sich dort die Verbindung herstellen bezw. das Amt anrufen und sich nur durch Klingelzeichen benachrichtigen zu lassen, wenn der Gewünschte an seinem Apparat erschienen ist und das Gesprach beginnen kann. Außerdem können die einzelnen Sprechstellen untereinander ohne das Amt oder ohne Umschaltung am Hauptapparat durch Linicnwähler verkehren. In diesem, sowie auch in obengenanntem Falle zeigt eine Signalscheibe an jedem Apparat an, wenn von irgend, einer Sprechstelle Haupt- oder Nebenstelle aus gesprochen wird, während eine Sperrvorrichtung sämmtliche anderen Apparate automatisch abschaltet, so daß es don keiner Stelle aus möglich ist. ein geführtes Gespräch zu unterbrechen oder mitanzuhören. Die Kornblume. Ein Fremder kauft einem alten, vertrockneten Männchen in Frankfurt auf der Zeil ein Sträußchen Kornblumen ab. und es entspinnt sich folgender Dialog. Verkäufer: Ae Sträußche Kornblume wolle Se. ei do hawwe Se recht, lieber Mann, das is jo aach em alte Wilhelm fei' Lieblingsblumm' gewefe." Fremder: So, so." Verkäufer: 'Ei jo gewiß, wisse Se denn aach warum?" Fremder: Nein." Verkäufer: Wisse Se. wie de alt' Wilhelm noch jung war, do Hot er mit seiner Mutter vor de Franzose reterire müsse, un weil Se kaa Geld mitnehme konnte, is's ihne arig schlecht gange, so hawwe se sogar hungere müe. Bei der Netirad sin se aach an e' Kornfeld komme, do Hot sich denn Wilhelm sei Mutter an de Rand von dem Kornfeld gesetzt un ho laut geflennt. Ei. warum flennst Du denn. Mutter, sacht do de Wilhelm, sächt er. Ach. Wilhelm, weil's uns gar so schlecht geht unn mir noch net cnu.l genug Geld zum Sattesse hawwe. Ei. sacht do der zuycin Mutter, do roppe mer die Kornbluab unn verkaafe se, do könne mer zweit leicht en breiß'che Dahler verdi' ne! Do Hot doch dem Wilhelm s.. Mutter in all' ihrem Elend hexzlic.' lache müsse unn Hot den Wilhelm ge küßt unn Hot gefacht: Na, mei Bubche, soweit sein mer noch net. odder (aber) Dir will ich e' Sträußche breche, unn Hot em t1 Sträußche Kornblumme in's Knopploch gesteckt. Seit der Zeit sinn das dem alte Wilhelm sei Lieblimzsblume gebliwwe. Die Geschicht iö odder schun lang bassirt. 's war noch unterm alten Naboleon, wo mei Vater mit in Spani? 'war." Fachmäßig auögedrückt. Fräulein: Wie iommt es, daß Sie gerade mir einen Antrag marhen?" Herr (Maler): Weil den Rahmen meiner Häuslichkeit kein schöneres Bild ausfüllen könnte!" - F o l g e ri ch t i g. Gast: Ho ren Sie mal. Herr Wirth, Ihr Wem schmeckt verdammt wäss'rig!" Wirth: .Natürlich Sie trinken ja nur y. vumvten!" Milde Gabe. Angebet ' Welches wäre Ihnen die liebste Gabe?" Bummler: Ein recht sc' Schnaö." ... .. f'" ;
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