Indiana Tribüne, Volume 24, Number 281, Indianapolis, Marion County, 28 June 1901 — Page 7

JndikNaZNdune, S, Juni ln.

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Der todte Liebhaber. tzriminal-Romau von Rudolf HirschhergIura.

(Fortsetzung) ISs ist ja überhaupt nicht die Geroohnhei? der Schalterbeamten, jeden Käufer einer Fahrkarte mit scharfen, durchdringenden Staatsanwaltsaugen zu mustern. Aber der Mann im Plaid nahm die etwas mürrische Gleichgiltigkeil des Beamten als eine besonders günstige Fügung des Schicksals. Mi! dankbarer Freude empfand er es. daß ihn auch an der Bahnsteigsperre Niemand aufhielt und er sich unangefochten in die Ecke eines Abtheils dritter Klaffe zurückziehen konnte. Die zwei Minuten bis zr Abfahrt des Zuges dünkten ihn eine Ewigkeit. Seine eifrige Beschäftigung in der Wohnung des unglücklichen Schauspielers. die Aufmerksamkeit und rasche Umsicht, mir der er das Geld zu sich gesteckt, alle verrätherischcn Anzeichen entfernt und dafür falsche, irreführende Spuren hinterlussen hatte, die sieberhafte Eile, mü der er durch das nächtliche Unwetter nach dem Bahnhof gelaufen war. alles das hatte bis jelt seinen Geist und Körper in angespannteter Anstrengung erhalten, so daß er keine Zeit gefunden hatte, sich dem wieverholt aufsteigenden Angstgefühl gz hinzugeben. Jetzt aber saß er ruhlg un unbeschäftigt auf seinem Platze, und w:il er nichts mehr thun konnte. um seine Sichertet vor drohenderVerfolgung zu erhöhen, überfiel ihn die lang zurückgehaltene Furcht mit doppelt'er Gewalt. In jetem Reisenden, der noch hastig aus den Bahnsteig zugelaufen kam, argwöhnte er einen Diener der Gercchtigkcit. der ihn kurz vor dem erreichen Ziel in die eben überwundene Gefahr zurüclreißen wollte. Theils infolge dieses namenlosen Angstgefühls, theils infolge der geleisteten großen körperli chcn Anstrengungen überfiel ihn in seinen nassen Kleidern eine fieberhafte Hitze, die mit einem eisigen Kältegefühl abwechselte. Erschreckt zuckte er zusammen, als der Schaffner mit hartem Griff den Sicherheitsriegel an der bereits q: schlofscnen Thür eindrehte. Aber da ertönte der schrille Pfiff der Lotomotive, in langsamen, immer schneller werdenden Stößen setzte sich der Zug in Bewcgi:ng, und mit einem tkfen Seufzer c ufathmcnder Befreiung lehnte er sich rn seine Ecke zurück. Ihn frö. stelte, doch fühlte er mit Befriedigung wie jetzt die Heizvorrichtung unter der gegenüberliegendenBank zu wirken anfing, und er setzte seine nassen Füße fest auf das warme Tampfrchr. Er war ganz allein im Wagen, und im Gefühl der endlich erregten Si cherheit überfiel ihn eine wohlthuend Müdigkeit. Ehe er sich ihr aber hinaeden und nach der so aufgeregt verbrachten Nacht den ersehnten Sckla! finden konnte, überkam ihn eine Art H-ldschlummer. der sich vom Wachen nur duech die vollständige Ruhe .ind Mllcnlosigkeit desKörpers untersch'ed Sein G-eist blieb in voller Thätigtei! und m voller Deutlichkeit Zieß er nock einmal Alles an sich vorüberzicb'n. wai er in, den leNcn StunZ.cn vollbracht hatte. Auch sein Gewissen begann sich zu reg.n. Denn er war lein Gewohnheit scerb recher und hatte diese Nacht zum ersten Mal die unheilvolle Bahn des Bösen beschrit'.-en. Immerhin waren seine Gewissensbisse nicht sehr lebhaft, und Niemand, der jetzt seine zwar ttoa scharfen und abgespannten, aber durchaus edlen und ruhigen Gesichtzüg.' gesehen hätte, w-rc auf den Gedanken gekommen, daß dieses schöne, beinahe vornehme Gesicht einem Mörder angehöre. Er war sich des schweren Unrechts wohl böwußt, das er gethan hatte. Die zwei- bis dreitausend Mark in seiner Tasche waren unrechtes Gut. Aber schließlich hätte der Schauspieler Saro das Geld auch nicht zur Bezahlung seiner Gläubiger benützt, sondern es verspielt, ertrunken oder sonst verjubelt. Ob die Summ nun hicr oder dort ihrer natürlichen Bestin mung übergeben wurde, war doch einerlei. Er konnte jetzt davon einige Monate herrlich und in Freuden leben, zum Mindesten so lange, bis ihm sein Hauptstreich, den er auch bereits vorbereitet hatte, gelungere war. Dann aber wollte er ein neues Leben anfangen, sein liebes Mädel hcirathen und an ihrer S'ite ein ordentlicher Mensch werden. Um ihretwillen. oder doch hauptsächlich um ihretwillen hatte er es ja gethan. Er muhte endlich einmal heruus aus diesem rastlosen Leben und an ihr Seitc zur Ruhe kommen. Daß er zur Erreichung seines Zweckes den beliebten Schauspieler hatte beseitigen müssen, fand er zwar sehr bedauerlich. Doch schien ihm das Unglück nicht ttllzu groß zu sein. Der Platz am Theater sowohl wie im Herzen des Publikums war gewiß leicht und schnell durch einen neuen Liebling zu ersetzen. Der würde dann bald ebenso viele schöne duftende Briefchen in seinem Schreibtisch haben, wie der selige Saro. Er hatte es doch recht schlau gemacht, daß er alle die Briefe verbrannt hatte. Recht schlau und auch recht anständig. Denn deren Bekanntwerden hätte doch über manche Familie viel Herzeleid gebracht. Er mußte lachen bei dem Gedanken.

welchen Unschuldigen die kluge Polizei wohl nun verdächtigen würde, und wie sie Jeden wieder würre laufen lassen müssen. Auf ihn aber konnte, nachdem er einmal glücklich entkommen war, der Verdacht unmöglich fallen. Das erschien ihm als ein H.iuptspaß. und er schlief ein. In Görlitz fuhr er beim Anhalten des Zuges erschreckt aus seinem Schlummer empor. Er sah. daß inzwischen drei weitere Reisende in seinem Abtheil Platz genommen hatten, und griff ängstlich an seine linke Hosentasche. Das werthoolle Bündel war noch vorhanden. Aber deutlich spürte er in seinem Körper die Anzeichen einer beginnenden starken Erkältung. Er ging in den Wartesaal und trank zu einem belegten Brötchen ein Glas heißen Grog. Aber dies heilsame Mitte! kam zu spät. Die Fahrt bis Breslau wurde immer unbehaglicher für ihn, und als er endlich Nachmittags bort ankam, spürte er heftiges Fieber. Gern hätte er jetzt seinem lieben Mädel telegraphirt. daß er in Sicherheit sei. Aber die wußte ja überhaupt von seinem ganzen kühnen Unternedmen nichts, und so hätte er sich durch eine allzu deutliche Depesche vielleicht doch verrathen. Denn jetzt war der Mord doch sicher schon in der ganzen Stadt bekannt. Es war entschieden besser, sie blieb einstweilen noch in Unwissenheit. Denn das war das beste Mittel, ihr auch die Unbefangenheit zu sickern, die sie so nöthig brauchte, wenn sich etwa auch ihr gegenüber ein begreiflicher Verdacht regen sollte. So unterdrückte er das Bedürfniß, ihr seine Rettung mitzutheilen, uno nahm sich, seinem erbärmlichen Ausichen entsprechend, ein Zimmer in einein bescheidenem Gasthause auf der DHIauer Slraße. Dort fragte er, ob für ... Felix Müller, aus Dresden ein Postpacket bereits eingetroffen sei, und als der Kellner natürlich verneinte, that er sehr überrascht und zornig und schimpfte: Dann haben die Ochsen es wahrscheinlich gleich nach Warschau geschickt. Was soll ich denn nun machen? Ick kann doch nicht mit diesem verregten Anzug in Breslau herumlaufen. Es wird mir nichts Anderes übrig bleiben, als mir hier Einiges neu anzuschaffen. So kostet mich die verfluchte Bummelei auch noch Geld! Haden Sie .hier einen Schneider, der Einem in 24 Stunden einen Anzug liefert?" Der Kellner lvies ihnin das ebenfalls auf der Ohlauer Straße gelegene Herrenkleidergeschäft von Guttentag, und dort bestellte er sich einen Anzug, um am nächsten Tage seine Reise anständig ausgerüstet fortsetzen zu tönnen. Dann kaufte er auch Wäsche. Schuhwerk, einen neuen Hut. Uhr und Portemonnaie. sowie einen kleinen Handkoffer und sonst allerlei ein, was er sich in sein Gasthaus schicken ließ. Eßlust vcrspürte er in seinem imrno: mehr zunehmenden Fieber nicht. Er begab sich zeitig in's Bett, um den fürchterlichen Schnupftn. der ihm in den Gliedern aa. auszuschlafen. iXtkt. wie er seine Glieder in den weichen Kissen ausstreckte unv die elegante ncve Ausstattung feines äußeren Mensche um sich her im Zimmer aufgefinveU sah, fühlte er sich erst richtig geborgen, und seine That erschien ihm nun, je sichererer sich wußte, m tmnur nnlderxm Richte. Es war ja Alles mit Saros Einwillic'.ung geschehen. Sein Mörder also, Wie es allerdings den Anschein hatte, war er ttineswlls. Das war selbstverständlich. Es war Saros Wunsch gewesen, aus dieser M'lt zu verschttinden, und er hatte ihm in freundschaitlicher Weife diestn Wunsch erfüllt. In rieser Beziehung dürfte ihn kein BorWurf treffen. Die Art und 5ffidse. freilich wie er den Tod d:s Schauspielers benutzte, sich $u bereichern, war nicht ganz anständig. Dadurch erst wurde die Suchc zu einem Verbrechen. Aber an der Börse gibt es auch Leute, die sich auf unanständige Alt nnd Weise bereichern und doch jeden Abend mit ruhigem Gewissen einschlafen. So schlief auch er mit ruhigkm Gewissen ein und der angenehmen Hoffnung, am nächsten ? 2ge in neuer vornehmer G: Wandung s-eim Reise fortsetzen zu können. Diese Hoffnung trog ihn allerdings. Der Schneider lieft rte ihm zwar den bestellten Anzug pünktlich ab. Aber seine Erklärung hatte sich als so schlimm herausgestellt, daß er mehrere Tage lang das Bett nicht verlassen konnte. So bl'.:b denn auch sein liebes Mädel ganz ohne Nachricht von ihm und war unglücklich über sein Verschwinden. ohne eine Ahnung zu haben, daß ihr Liebster der Urheber der fürchterlichen 'That war, die die ganze Stadt in Aufregung versetzt hatte.

VI. Der Rechtsanwalt Otto Richelsen wußte sehr wohl, daß die Art der Haussuchung, die der Staatsanwalt bei Eduards Eltern angeordnet hatte, durchaus unzulässig war. Der Kriminalbeamte hätte sie in Abwesenheit des Staatsanwaltes oder eines Richters nur unter Hinzuziehung eigens dazu bestellter Zeugen vornehmen dürsen. Richelsen konnte sich nicht denken, daß der Staatsanwalt, der doch wohl

mit demBeamten eigen? zu dem Zwecke der Haussuchung im Leischner'schen Hause erschienen war. die wichtige gesetzliche Vorschrift plötzlich vergessen haben sollte. Es erschien ihm wahrfcheinlichser, dafj er aus Rücksicht auf den guten Ruf der unbescholtenen Familie die Sache möglichst rasch und unauffällig hatte erledigen wollen und eben deshalb die Erkundigung beiFrau Gähler in Eduards Gegenwart gleich persönlich vorgenommen, die Haussuchung aber dem Kriminalbeamten allein überlassen hatte. Dem Rechtsanwalt selbst war diese Maßregel im Sinne der Leischner'schen Familie ganz erwünscht vorgekommen. Deshalb hatte er es unterlassen, auf das Ungesetzmäßige dieses Vorgehens aufmerksam zu machen. Gleichwohl blieb es ein unverzeihlich leichtsinniger Uebergriff des Staatsanwalts, dessen Kenntniß dem jungen Rechtsanwalt viel Genugthuung und Freude bereitele. Es ist immer angenehm, dem Gegner ein zweifelloses, wenn auch noch so geringfügiges Unrecht nachweisen zu können. Deshalb hatte er auch selbst der Haussuchung, von deren Ergebnißlosigkeit er im Voraus überzeugt war. mit einer gewissen Scheidenfreude beigewohnt. Er genoß schon im Voraus das Aufsehen, das er. im Falle wirklich bis zur Schwurgerichts - Vei Handlung käme, machen würde, wenn er in seiner glänzenden Vertheidigungsrede die Stimme in ehrlicher Entrüstung erheben und sagen würde: ..Nicht zufrieden mit der von mir entworfenen Beweiskette, die er aus meinen Händen richtig empfangen und nur falsch angewandt hat, ist der Herr ötaatsnvli sog bis zu einer unc. etzlichen Haussuchung bei den ahNUKgSjpskN Eltcrn des unschuldig Ana.taaten gegangen. Jawohl, meine Hirren Geschworenen, ich sage ungesetzlich". Denn ich selbst habe es mit angesehen, wie u. s. w., u. s. w." So etwas mußte das Ansehen des Staatsanwaltes und somit auch seiner ganzen Beweisführung in den Augen der Geschworenen bedeutend hebsetzen. Darum frcute sich der junge Rechtsanwalt unbändig darauf, wie er aus diesem faulen Fleck den schönsten Brennstoff für die Fackel seines Ruhmes als schneidiger Rechtsanwalt würIk holen können. Wenn er so mit einem Schlage bekonnt geworden war und zugleich Else's Bruder gerettet hatte, dann hatte u ja ein doppeltes Anrecht auf Elfe's Liebe und Else's Hand. Und um dieses schönen Zieles, um des endlichen Besitzes des wahr und aufrichtig geliebten Mädchens willen, verzieh er sich selbst großmüthig das reichliche Maß Streberei, dessen er sich in seinem Eifer wohl bewußt war. Uebrigens war sein Beweggrund thatsächlich nicht nur die Liebe zu Elfe und nicht nur die prickelnde Begierte. als junger Mensch den alten, erfahrene Staatsanwalt zu besiegen, der ihn heute Morgen so überlegen behandelt hatte. Nein, es war auch ein gut Theil fturiaer Gerechtigleitsliebe in Otto's Herzen, die 'bn antrieb, die Sackte de seiner Ueberzeugung nach Unschuldigen mit emsigem Fleiß zu betreiben. Jetzt war er auf dem Wege zur Frau Gahle? unv bedauerte lebhaft, daß ihm oc: Staatsanwalt dort tnzwischen zuvorgekommen war und das Arveltsfeto vermuthlich bereits gründiich verdorben hatte. Als er in dem alten Hause in der Rosengasse die vier übelriechenden finsteren repven zu Frau GayierS Wohnung emplgetietiert war, zeigte sich seim Befürchtung nur zu gerechrfertigt. Frau Gahier war eine oer gesuchtefttkÄlthandnrnnen derStadt. Wenigkr.i ocn gewissen Stoffen war sie sehr cejucht. ie verdankt dies ihrer auerordentlichl V-erschwegeiiyeit. die man ihr nicht nur als Tugend, sondern auch als ein nahe an Zauberei grenzendes Kunststück nachrühmen munte. Den bei der Fülle von Redestcss. ihr rastloser, fast aller Zähne beraubter Mund alltäglich in ununlerorochener Thätigkeit rerarbeitete. war es geradezu einWunder zu nennen, daß dem Gehege ihrer vor fünfzig Jahren einmal rosig gewesenen Lippen niemals ein Geheimniß entfloh. Sie schwieg nicht nur über Alles, dessen GeheimHaltung ihr ausdrücklich anempfohlen worden war. Sie schwieg auch üder sckeinbar harmlose Sachen, sobald sie mit ihrem feinen Witterungsvermögen spürte, daß sie zu ihrem oder ihrcr Kunden Besten vielleicht doch besser als Geimnisse zu behandeln seien. Sie verdankte ihr Beliebtheit in gewissen Kreisen außerdem der außerordentlichen Raschheit, mit W sie das in ihrer Handlung angelegte Kapital umzusetzen verstand. Frau Gähler hatte ein kleines, aber feines Geschäft mit sehr lebhaftem Betrieb. Weil viele Leute wissen wollten, daß sie auch Gold- und Silbersachen, sowe Juwelen sehr billig einkaufe und mit erheblichem Gewinn sehr bald wieder weiter zu veräußern verstände, so war die alte brave Frau in den Ruf der Hehlerei gekommen. Aber obwohl ihr die Polizei nach jedem Einbruchsdie'stahl in der Stadt oder deren Umgebung scharf auf die Finger sah. so hatte man doch noch niemals andere Waaren bei ihr vorgefunden, als solche, die in ein richtiges, ehrliches Geschüft gehören: Kleider. Wäsche und Sehuhwerk. Mit Möbeln und Hausrath gab sie sich nicht ab. Höchstens nabm i hm und wieder einmal ein

Stück Bett in ihre müt!erl?che'n Ärme auf. Aber in allen Beständen vollzog sich ein unaufhörlicher rascher Wechsel. Was die tüchtige Frau heut einhandelte. hatte sie rasch etwas vertrauenerweckend hergerichtet und meist schon nach ein paar Tagen wieder verkauft. Es war eine große Ausnahme, daß ihr ein Stück mal ein paar Monath lang hängen blieb, ohn einen kaufkräftigen Liebhaber zu finden. Erstaunlich war dabei das sichere Gedächtniß der alten Dame, die sich, ohne irgend ein Buch zu führen, bei jedem Stück genau an Preis und Herkunft zu erinnern vermochte, und die von manchen Sachen, die ihr durch Fügungen des Zufalls zwei- odr gar dreimal unter die Hände kamen, eine ganz Chronik in ihrem Kopfe aufbewahrte. Ihr Gedächtniß war so fein, aber auch so vorsichtig, wie die Stieläugen einer Schnecke. Sowie ihr Jemand mit einer unpassenden Frage zu nahe kam. wurde sie mißtrauisch und zog ihre Stielaugen ein. Ihr Gedächtniß wurde abgestellt und zog sich in sein unempfindliches Schneckenhaus zurück, und die Frau Gähler war plötzlich die arme alte Frau, die gar nichts wußte, sich aus gar nichts besinnen konnte und außerdem an starker, fast an Taubheit grenzender Schiverhörigkeit litt. Diese Gedächtnißschwäcke undTaubheit hat:? die unglückliche Frau auch sofort mit einem augenblicklichen Anfall heimgesucht, als der Staatsan

walt und Eduard bei ihr erschienen. Dieser hatte sie in hastiger Rede und fast mit zitternder Stimme gefragt. ob sie sich entsinne, im vorigen Sommer einen olivgrünen Anzug von ihm gekauft zu haben. Der Staatsanwalt aber hatte ihm fast das Wort abgeschnitten und die Frau mit strengem Gesicht angeredet: Ich frage Sie amtlich in meiner Eigenschaft als Staatsanwalt, ob Sie diesem Herrn im Sommer eine Anzug abgekauft haben." Die angstvollen Züge des Einen und die nichtige Miene des Andern hatten genügt, um die Frau zur Vorsicht zu mahnen. Sie besann sich zwar genau, daß es ein ganz reinlicher Handel geWesen war, und daß sie den Anzug, nachdem er ihr lange unverkauft dagehangen hatte, erst vor Kurzem mit recht hübschem Gewinn wieder losgeschlagen hatte. Aber die amtlicheNachrage ließ doch daraus schließen, daß irgend ein noch nicht zu übersehender Nutzen oder Schaden mit der Geschichte zusammenhängen mußte, und es wat ihre Pflicht als Geschäftsfrau, nicht eher aus ihrer Zurückhaltung herauszutreten, als bis sie diesen Zusammenhang erkannt hatte und im Stande war. ihn für sich auszunützen. Infolge dessen antwortete sie mit freundlichem Kopfnicken: Jawohl, Wenn mir die Herren ihre Adresse da lassen wollen, komme ich gegen Avent hin und und sehe mir die Sachen an. Das ist recht von Ihnen, daß Sie mich beehren. Ich zahle die höchsten Preist fn der ganzen Stadt." Erst nach zweimaligerWiederholuna verstand die schwerhörig Mutter Gähler die an sie gestellte Frage richtig. Sie hatte inzwischen aus der immer ver zweifelt werdenden Stimme Eduards richtig heraugHSrt, irrt wichtig die Sache für ihn war und freute sich schon auf den Nutzen, den ihr die Wieverkehr ihres Gedächtnisses von dieser Seite her vielleicht bringen könnte. Für heute aber hielt sie die größte Borsicht für geboten und antwortete unvefanczen und in schlichtem, ehrlichen Tone: ..Nein, dem jungen Mann habe ich noch nie etwas aboetauft." (Fortsetzung folgt.) Beste matte Cabinets $1 Dz. Nur wenige Tage. Bennetts, 38 E. Wash. Wirthschaft n. Zommcrgartcn seit Gr. LEUKH RDT, zur Gemüthlichen Ecke, No. 02 Nord Noble Straße. Jeden Zamftag Tnrtclslzppc und ausgczcichucter warmer 'unH. Neues Ph.ne 2011. Joseph ychaafa Bei, Bier, Billiard und Pool Halle. j Lmvortirte Weine eine Spezialität i 58 Oft Washington Str. utv.es Telephon 6H5. Indianavolt. va Jefferson Haus, 115-119 Ost South strafte, it ci:ie 5erberae nach deutscher Art. Der Durstige findet ein.'n kühlen Trunk, der Hungrige einen reich besetzten Tisch, der Müde ein gutes, reines Bett und jeder Gast eine zuvorkommende Behandlung. Kost und Logis beim Tag oder bei der Woche. Jedermann ist freundlich eingeladen Geo. Peter Hammerle.

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