Indiana Tribüne, Volume 24, Number 277, Indianapolis, Marion County, 24 June 1901 — Page 1
I HM VW Ändiana 1 S8fc9SSeS Caae und 4 Eage und 9 SomttogsMafl 5onntagsblatt lOuer Woche. 10 per Woche. 5 CSS Vrsctzeint jeden 11 a4j mittag unlr Kxnnag Morgens. Jahrgang 24. Indianapolis, Ind. Montag, den 24. Jmci 1901. Ro. 277
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Kaiser Wilhelm Batttt der tyafy der Frau Robert Goelct einen Besuch ab. ImAuli unternimmt er eine lilu gere Mordiandreise. 'Eine Korrespondenz aus dem Reiche der Reußen. Die Zt Petersburger bekämpfen das Hochbahn-Projekt. W. R. Crosby von Illinois besiegt den Schotten Fanlds beim Scheibenschießen.
Brigadegcucral Fred. D. Vrant auf , der Reise nach Rußland in Berlin angekommen. General CailleS wird sich heute mit seinen Leuten ergeben. ! Die auswärtigen Truppe werden die Zerstörung der Forts in China besorgen. K a i s e r W i l h e l m. Berlin, 24. Juni. Kaiser Wilhelm brachte Sonntag längere Zeit an Bord der Yacht der Frau Robert Goele: in New York zu. Wenn die Regatte . vorüber ist, wird der Kaiser nach Bcr- . lin zurückkehren und am 7. Juli seinen . zweiten Sohn als Leutnant in das erste Garderegiment zu Fuß eintreten . .lassen. Von seiner Nordlandreise wird er indessen nicht vor dem 1. August zurückkehren. Aus Rußland. 3 t. Petersburg. -24. Juni. Tuä Teheran wird gemeldet, 'daß'der azah seinen Sohn aufgefordert hat, an den Regierungs - Geschäften theilzunahmen. Er leidet am Podagra und obwohl sein Leben nicht in Gefahr ist. hat er es doch vorgezogen, den Thronfclger in die Staats - Geschäfte einzuweihen. Trotzdem das Gerücht, Kaiser WilHelm werde diesen Sommer Rußland einen Besuch abstatten, häufig oement'rt wird, tritt es immer wieder auf. An den Manövern bei Grodno werden . mehrere Armeekorps theilnehmen und bei dem Schein - Angriff auf die finriische Küste weroen Land- und Seesoi3 beten Hand in Hand arbeiten. Das Ackerbau - Minierium hat Sachverständige nach der transbaikalischen Region geschickt, um die Quelle zu untersuchen, deren Wasser gegen allerlei Gebrechen gut sein soll. Der Dampfer Admiral Korniloff" ist von seiner ersten Reise nach dem perfischen Meerbusen zurückgekehrt. Trotz der Subsidien der Regierung und der niedrigen Frachtraten waren die Resu!tat der Reise nicht sehr groß. Man glaubt, daß die Russen den Engländern vorläufig dort wenig Konkurrenz machen können. Die Stadt Petersburg bekämpft den Plan des Bau's einer Hochbahn sehr energisch, befürwortet aber die geplanten elektrischen Omnibusse, welche sechs Kopeken (drei Cents) Fahrgeld berechnen wollen. Die Niederungen an der Mündung des Flusses sollen aufgefüllt norden, um Ueberschwemmungen zu verhindern. Der Hafen soll ausgebagqert werden, sodaß Schiffe von 17 Fuß Tiefe in denselben einlaufen können. Der Senat von Finnland bespricht zur Zeit die Vorlage, nach welcher der finnische Meerbusen durch die Vuota mit dem Ladoga - See verbunden werden soll. Die Kosten sind auf 800,000 finnische Mark veranschlagt. Aus Konstantinopel wird gemeldet, daß in der Provinz Anatolien reiche Kupferlager. Naphtha, Kohlen u. f. w. gefunden worden sind, die Pforte aber darben ist, daß die Ausländer die Förderung des Betriebes übernehmen. Die Bildung eines Ackerbau - Syndikats, welches ungefähr dieselben Zwecke verfolgt als d'e Agrarier in Deutschland und die Farmers Alliance in. Amerika, ist bekannt gegeben worden. Es wird beabsichtigt, direkte Verbmdung mit auswärtigen Märkten seitens der Landwirthe anzuknüpfen und die Herstellung landwirtschaftlicher Gcräthe zu fordern. Aus China'. Peking, 24. Juni. Seit Dienstag hat keine Konferenz der Vertreter der Mächte mehr stattgefunden, die Gr sandten erklären sich aber mit dem jetzigen Stande der Dinge durchaus zufrieden. Die chinesischen Forts sind noch nicht rttört. Man bat beschlossen, daß jede Nation diejenigen Forts zerstören j soll, welche von ihren Truppen besetzt! sind. Für die Abtragung der zur Zeit j nickt okkuvirten Torts wird man. da,
die Truppen der verschiedenen Machte keine Forts zerstören wollen, die nicht von ihnen besetzt sind, chinesische Kulis engagirm müssen, welche die Mächte zu bezahlen haben werden. Die chinesischen Eunuchen habm werthvolle Gegenstände verkauft, die offenbar aus der verbotenen Stadt gestöhlen sind. Wahrscheinlich sind diese Gegenstände von den Eunuchen über die Mauer dort wartenden Komplicen zugesteckt worden. Ein herrlicher geschnitzter Tisch, der sich noch vor zwei Wochen in. der verbotenen Stadt desnd. ist hier für 500 Taels verkauft worden. Durch die Thore der verbotenen Stadt können keine Werthgegenstände irgendwelcher Art geschmuggelt werden, da die amerikanischen und japanischen Truppen hier Wache halten. Auf der Durchreise. Berlin, 24. Juni. BrigadeGeneral Frederick D. Grant kam in Begleitung seiner Frau und seines Sohnes Ulysses auf der Reise nach St. Petersburg am Sonntag durch Berlin. Der Boeren -Einfall in die Kap-Kolonie. London. 24. Juni. Lord Kitchener hat bis jetzt noch keine Einzelheiten über die Niederlage bei Waterkloof gemeldet. Die letzten Nachrichten aus der Kap-Kolonie beweisen, daß 7000 bis 10.000 Mann in die KapKolonie eingedrungen sind. Sie holen sich nicht nur frische Pferde, sondern die Rekruten eilen ihnen auch zu. Die ..Daily Mail" sagt, das Land werde über die Bedeutung des Einfalls im Unklaren gehalten. Aus dem deutschen Reich. Berlin, 24. Juni. Die letzte Woche war im Ganzen eine ereignißvolle. Zuerst kam am Sonntag die Enthüllung des Birmarck-Denkmals vor dem Reichstagsgebäude in Berlin, zu derTausende vonMenschen aus allen Theilen Deutschlands nach der Hauptstadt gekommen waren. Die Rede, die oer Reichskanzler Graf von Bülow bei dieser Gelegenheit hielt, hat den Kai ser Wilhelm nicht, wenig überrascht, weil der ganze Inhalt mit seiner Auffassung von den Verdiensten Bismarcks im Widerspruch steht. Der Kaiser besteht auf dem Standpunkt, daß Bismarck. der Diener, nur die Befehle seines Meisters ausgeführt habe. Dies hat der Kaiser auch bei dieser Gelegenheit wieder klar zum Ausdruck gebracht, indem er am Fuße des Denkmals einen Kranz niederlegen lieh, dessen Schleife die Aufschrift trug: Dem großen Diener des großen Kaisers-. Während der Kaiser bei der Enthüllung des Bismarck-Denkmals den Mund nicht aufmachte, hielt er zwei wichtige Reden, eine in Cuxhaven und eine in Kiel. Die erstere war die wichtigere. Der Kaiser bediente sich dabei der Worte des Grafen von Bülow. daß Deutschland sich einen Platz im Sonnenschein erworben habe", und er betonte, daß die komnNrzielle wie die nationale Expansion für Deutschland unerläßlich sei und Hand in Hand gehe. Die liberale Presse schließt daraus, daß es unmöglich sei. die Forderungen der Agrarier zu gewähren, und dies bedeutet, daß die Erneuerung der HandelsVerträge auf große Schwierigkeiten stoßen wird. Die agrarische Presse stellt dies in vorsichtiger Weise in Abrede und die konservativen Zeitungen habcn soweit darüber ganz geschwiegen. Die ganze Presse ist aber durch die Erklärung des Kaisers, daß der Friede jetzt auf Jahre hinaus gesichert sei, angenehm berührt. Die Kölnische Volkszeitung" sagte am Samstag über die Cuxhavener Rede des Kaisers: Der Kaiser hat mit seinen Worten bestätigt, was das Centrum bisher immer behauptet hat. nämlich, daß die China-Expedition ein gründlicher Fehlschlag war; denn wenn der Krieg in China wirklich zu Ende ist. was hat Deutschland dabei erreicht? Nicht einmal die wirklichen Kriegskosten erhalt es zurück und der Besitz Deutschlands in Chiua ist auch nicht vergrößert worden. Ebensowenig ist die Harmonie zwischen den Mächten betreffs Chinas hergestellt worden. Es ist notorisch, daß die Mächte sich in Eifersüchteleien gegenseitig überboten und beständig mit einander haderten. Es wäre besser gewesen, wenn Deutschland ganz allein China wegen der Ermordung des Barons von Ketteler bestraft hätte. Keine Macht hätte etwas daaearn einwenden können, und djeStrafk wurde dann mit der Enormttat de Verbrechens im Einklang gewesen sein. Die sogenannte Kieler Woche, die am Donnerstag ihren Anfang nahm, war soweit ganz interessant, wenn auch der Wind unbefriedigend war. Am Freitag, bei der großen Yacht-Wett-fahrt, geriethen alle 74 Yachten, die daran theilnahnien. in eine Windstille, als sie nur wenige hundert Aards dem Ziel entfernt waren, und nachdem sie drei Stunden lana leaelt waren. Die
?)acht der Kaiserin Jbuna". die von dem Kaiser selbst gesteuert wurde, kam als vierte am Ziel an. Der Kaiser protestirte dagegen, daß der Yacht Comet" der Preis zuerkannt werde. Der Richter entschied aber gegen ihn. Thaifache ist, daß die besten Yachten bei dem ungünstigen Windverhältnissen nicht im Stande waren, ihre besseren Seiten zu zeigen. Eine weitere französische DampfYacht, die Freya", ist für die Wettfahrten eingetragen worden. Unter den fremden Schiffen, die in den letzten Tagen im Kieler Hafen angekommen sind, befindet sich auch der russische Kreuzer Svietlana". der von dem Großfürsten Alexis kommandirt wird. Der Kaiser erwies dem Großfürsten viele Aufmerksamkeiten. Deutschland hat jetzt 22 Dampfer für die Rückbeförderung der deutschen Truppen von China engagirt. Der letzte Dampfer wird am 31. August, von dem Kreuzer ..Prinzeß Irene" begleitet, von Shanghai abgehen. Es ist bezeichnend, daß die ganze deutsche Presse von der Möglichkeit schreibt, daß Dr. von Siemens, der Direktor der deutschen Bank vonBerlin. und Herr Ballin. der Generaldirektor der Hamburg-Amerikanischen Dampfer-Gesellschaft. beide ausgesprochene Liberale, im Begriffe seien, auf Wunsch des Kaisers in das Kabinet einzutreten. Die Vossische Zeitung" saat indessen, daß keiner der beiden Manner einen solchen Schritt thun könne, da er ein Rückschritt, eine Degradirung von der hohen Stellung ei. nes ..Handelskönigs" zu einer verhältnißmäßig bedeutenden offiziellen, dabei aber abhängigen Stellung bedeuten würde. Die Zeitung weist auf das Beispiel des neuen Handelsministers Moller hin. der, obgleich er ein Liberaler ist, nicht den Muth hat. sich seine konfer'tiven Assistenten vom Halse zu schaffen, welche die Absichten ihres Chefs in der Regel Paralysiren. Nach der großen Bismarck-Demon-ftrnHnn in ZLriedricksruk am reitaa
j. r 7 , S telegraphirten die Theilnehmer an Herrn Henry Labouchere noch London! Gott segne alle ehrlichen Engländer, die für die Gerechtigkeit und die Wahr heit der Sache der Boeren eintreten." Irrsinnige Frauen. L e x i n g t o n . Ky.. 24. Juni. Frl. Florence Minor. die einer prominenten Kentuckher Familie entstammt und hier in einem Asyl untergebracht waxL warf sich Sonntag Nachmittag unter die Rädir elnestraßen?aHnwa gens. als zwei sie begleitende Warterinnen sie einen Augenblick aus dm Augen ließen. Die Unglückliche wurde so schwer verletzt, daß die Amputation eines Beines vorgenommen werden mußte. Vor etwa einem Monat ermordete eine Schwester des Frl. Mnor. eine' Frau Thompson in Georgetown. Ky., ihren kleinen Sohn und beging dann Selbstmord, indem sie sich die Kehle mit einem Rasirmesser durchschnitt. Eigenthümlicher Unfall. B o st o n . 24. Juni. Als Primc Ponti im städtischen Hospital einen kranken Freund besuchte, wurde er auf Veranlassung eines anderen Patienten. Namens Nicola Masculi. verhaftet. Ponti brachte MaSculi im Jahre 1899 in Dayton, O.. eine gefährliche Schußwunde bei, aber obwohl er mit dem Leben davonkam, wurde die Kugel doch nicht gefunden. Masculi verzog nach dem Osten und da ihm die alte Wunde viele Schmerzen bereitete, begab er sich ins Hospital, um sich einer Operation zu unterziehen. Der Zufall wollte es. daß Ponti sich ebenfalls im Hospital einfand und dessen Verhaftung efolgte. Feuer. BentonArbor, Mich.. 24.Juni. Das Etablissement der Peters Lumber & Shingle Company wurde letzteNacht durch Feuer zerstört. Der SchAden oeträgi $100,000. Streik - Unruhen. C o l u m b i a , S. C., 24. Juni. -Di' Werkstätten der Southern Eisen bahn wurden Sonntag Morgen vor Streikern angegriffen. Es kam zu ti nem bösen Kampfe, in dem mehre von den Streikern verwundet wurden Ihre Namen konnten aber nicht in Erfahrung gebracht werden, da es gelang die Verwundeten zu entfernen. Telegraphische Notizen. 23. Juni. In N?w York ist James E. Taylor. ein aus Cincinnati. O.. stammender Zeichner uud Maler, im Alter von 62 Jahren gestorben. Die britische Barke ..Falkland-, die am 30. Januar von Tacoma nach Falmouth abfuhr, ist auf-der Höhe von Bishop's Rock. Sizilien, gestrandet. Eine Anzahl Matrosen ertranken.
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lkk Tind den Ueberschwemmungen in Weft Virc.i nien und Birginien zum Opfer ge fallen. , Die Stadt Kcystoue, W. Ba., vollständig vom Erdboden verschwunden. , !lur ein einziges Haus soll stehen geblieben fein. , Die Ortschaft Vivian, W. Va. und Bluefield, Va., ebenfalls schwer heimgesucht. Ex-Äousul Adclbert S. Hay fiel zum Fenster hinaus. Sein Batcr, Staats-Sekretär John Hay, in New Haben, Conn., angekommen. Taö tragische Geschick seines SohncS wirft ihn aui'S Ärankcnlagcr Eine schaurige Blutthat tu Louisville, Ky., begangen. , Emily Stuart von H S Church ermordet, welcher Selbstmord begeht. 5 ü r ch t e c l i ch e Ueberschwemm u n g. R o a n o k e . Va.. 24. Juni. Die Nachricht von der Zerstörung der $oca hontas Kohlenfelder und der ganzen Ilkhorn Kohlen - Region hat hier unzeheure Aufregung hervorgerufen. Das zerstörte Gebiet liegt an der Grenze oon Virginicn. etwa 125 Meilen Westich von Bluefields. W. Va. Die Norfolk & Western Bahn hat ungeheuren Schaden erlitten. Die Geleise sind auf :iner Strecke von 30 Meilen unterwaschen worden und von überall her trefen immer noch mehr Hiobsbotschaften lin. Der h roßte Theil der Ortschaft Nman h West Birginien soll zerstört sein. Northfork Junction und eirnge andere kleinere Städte wurden arg heimgesucht. Samstag werden die Sergleute in dem Kohlengebiet ausgelöhnt und es ist wahrscheinlich, daß ste zu Hunderten in die Städtchen eilten, um ihre Einkäufe zu machen. Wie oiele von ihnen um's Leben gekommen sind, kann nicht annähernd abgeschätzt -verven. Allen bisher eingelaufenen Nachrichten zufolge, scheint Keystone. W. Va.. im Schlimmsten von der Fluth heimgesucht worden zu sein. Die mageren Berichte von dort berechtigen zu der Annahme, daß sich dort die Schrecken ?on Johnstown und Galveston wiederholt haben. Genaueres wird man erst in einigen Tagen erfahren, wenn die ielegraphische Verbindung mit dem überschwemmten Distrikt wieder hergestellt ist. Nur ein einziges Gebäude in ffystone. eine auf einer Anhöhe stehende Wirthschaft, soll von dem nassen Eleinent verschont geblieben sein, alle andereu Häuser wurden zerstört und größtentheils von den Fluthen fortgeschwemmt. Die Einwohnerzahl der Stadt, welche vielleicht 2000 betrug, wurde um mindestens 200 reduzirt. Der heimgesuchte Distrikt ist sehr groß. Die durch heftige Regengüsse angeschwollenen Waldbäche ergossen chre Wassermassen in den Elkhorn Fluß und dieser wuchs in äußerst kurzer Zeit derartig an. daß viele Personen sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Ihre Leichen schwammen mit oem Gebälk der Häuser, Kisten pb allen möglichen anderen Gegenständen den Fluß hinab. Der Regen, welcher während des ganzen Samstags niederzing. wurde immer stärker und nach Eintritt der Dunklheit am Samstag Abend schien es. als ob wirklich die schleusen des Himmels sich geöffnet hätten. Besonders heftig regnete es in Vivian, W. Va. Der Passagiere der einlaufenden Züe bemächtigte sich einer Panik und nur mit vieler Mühe und Noth konnten die Leute aus den Waggons in Sicherheit gebracht werden. Da die Telegraphen-Leitung zerstört war. sandte bxt Norfolk & Western Bahngesellschaft Boten aus. um Kollisionen zu verhüten und die Züge so viel als möglich vor Unterwaschungen und Erdrutschen zu warnen. Diese Boten brachten die Nachricht von der furchtbyren Zertzöruna in der Umae-
zend. Einer ders?7c meldete, er l,,.e auf der kurzen Strecke von wenigen Meilen 38 Leichen geFählt. Der thatsächliche Verlust an Menschenleben wird wohl nie- genau ftstgestellt werden, aber selbst optimistisch veranlagte Personen geben zu. )aß zwischen 500 und 600 Personen ihren Tod gefunden haben. Viele Bewohner von Roanoke haben Verwandte in der Kohlen-Reaion, aber kein Einziger hat bts jetzt Nachklchten von ihnen eryatten. Die Beamten de? Norfolk & Western Bahn sind sehr zurückhaltend, geden ab:r zu. daß mindestens 200 Menschen ertrunken sind, daß die Stadt Keystone vom Erdboden verschwunden und ein Schaden in Höhe von mehreren Millionen Dollars angerichtet worden ist. Im Clinch River-Thale ist der angerichtete Schaden ebenfalls sehr groß, doch sollen keine Menschenleben zu beklagen sein. Einer Depesche aus Coaldale. einem 14 Meilen westlich von Bluefield belegenen Orte in West-Virginien. zufolge sind dort mehrere Menschen ertrunken und viel Eigenthum ist zerstört worden. Der Telegraphist der Western Union Company in Bluefield meldet, daß dort mindestens 200 Personen ertrunken sind. P i t t s b u r g . Pa.. 24. Juni. Dem Sturm, der Samstag über Allegheny County losbrach, sind minoestens vier Menschenleben zum Opfer zefallen und mehrerePersonen sind verletzt worden. Die Todten sind: Charles Bittner, Farmer. Spring Garden Lorough. ertrunken im SpringGarden Run; Mosco Marcos, italienischer Arbeiter. ertrunken in einem Sewer an Center und Euclid Ave.; James P. Dunn. 12 Jahre alt. voi 153 Camp Ave.; Braddock. ertrunken in Rantin; Conrad Hart. 12 Jahre, von Dusquesne. durch einen geladenen Draht etödtet. Der 81 Jahre alte James Fleming und der Milchhändler Andrew Cole wurden vom Blitz betäubt. Die Leiche Bittner's wurde Sonntag Nachmittag gefunden. Er war von dem Wasser, das einer Springfluth 3lich. hinweggerissen worden, während seine Frau ins Haus getreten war. um ihm seinen Rock zu holen. Er hat? beabsichtigt, einen Wagen in Sicherheit zu bringen. Lincoln. Jll., 24. Juni. Ein Tornado, welcher Samstag Nacht Logan County heimsuchte, hat Schaden in der Höhe von. $100,000 angerichtet. Viele öffentliche und Privathäuser wurden stark beschädigt ujld die Feldfrüchte haben arg gelitten. Der Sturm kam aus Südwesten und zw in zwei Sektionen; die erste kam um 8 Uhr Abends, die zweite gegen 10 Uhr. Zahllose Geschäftshäuser wurden beschädigt und zwar theils durch den Sturm, tbeils durch Wasser. Die Ortschaften New Holland. Burton View. Brason. Mount Pulaski und Elkhart wurden ebenfalls von dem Tornado berührt. Bei der letzteren Stadt wurden mehrere Waggons von den Geleisen geweht und ein Arbeiter, der in einem derselben Unterschlupf gesucht hatte, wurde getödtet. während viele andere verletzt wurden. Den Farmern und ihren Feldfrüchten wurde übel mitgespielt. Das Staatsasyl für schwachsinnige Kinder wurde stark beschädigt und das County-Armenhaus bildet heute nur noch einen großen Trümmerhaufen. Die Insassen retteten sich rechtzeitig in's Freie. Das Dach wurde von dem Lincoln College abgehoben. Die Wohnung des Bürgermeisters Miller wurde zerstört und die Familie fand Aufnähme bei Nachbarn. Roanoke. V.. 24. Juni. Passagiere eines Zuges, der aus dem Westen angekommen ist, berichten, daß etwa 300 Personen in der Elkhorn-Di-Vision der Norfolk & Western Bahn ertrunken sind, darunter die bekanntesten Leute jener Gegend. Die telegraphische Verbindung mit jenem Theile ist unterbrochen und nähere Einzelheit?n sind ni ht in Erfahrung zu bringen. Der Bahnbetrieb wird mehrere Tage unterbrochen sein, da viele Meilen Geleise unterwaschen sind. Der GeneralBetriebsleiter der Norfolk & Western Bahn ist von hier abgereist, um der heimgesuchten Gegend zuzueilen. Der den Eisenbahnen zugefügte Schaden dürfte über 5500.000 betragen. Aus Bromwell. W. Va.. wird berichtet, daß der Schaden ungeheuer ist. der Verlust von Menschenleben aber sehr gering. Diese Stadt soll die verhältnißmäßig reichste Stadt in West-Vir-ginien sein. Tazewell. Va.. 24. Juni. Ein Zugführer der Norfolk & Western Bahn ging die Geleise zwischen Vivian und North Fork entlang und sah auf der 12 Meilen langen Strecke dreißig Leichen im Fluß.
Bluefield. W Va., 24. Juni. Diese ganzeGegend ift övn enrer Ueberschwemmung heimgesucht worden, lnelckze wahrscheinlich der vor? Johnstown im Jahre 1889 arr Ausdehnung gleichkommen wird, soweit der Verlust an Eigenthum in Betracht kommt. Kurz nach Mitternacht in der Nacht von Freitag auf Samstcrg fing es an zn regnen und es goß unaufhörlich in Strömen. Ein heftiges Gewitter setzte ein und dieses dauerte mährend des ganzen Tages und bis 10 Uhr Sonntag früh. Viele Meilen weit ist das Geleise der Norfolt & Western Iahn unterwaschen worden. Brücken sind zerstört und Telegraph- und Telephonpfosten sind umgeweht worden. Die Verbindung mit der Gegend westlich von Elkhorn ist ganz abgeschnitten und es ist sehr schwer. Näheres zu erfahren. Die Beamten der großen Kohlen-Ge-sellschaften haben indessen durch Boten die Nachricht nach Elkhorn gesandt, daß mindestens 200 Personen ertrunken sind. Die Pocahontas-Kvhlfelder liegen in einem von Bergen eingeschlossenen Bassin, durch das der Elkhorn Creek fließt. Zwischen Ennis. W.Va.. und Vivian. Va.. eine Entfernung von 10 Meilen, standen Hunderte von Hütten. in denen Bergleute wohne, Offices von Kohlen-Gesellschaften. Kom-missariats-Etablissements u. s. w. unter Wasser. In de Elkhorn Creek fließen zahlreiche kleine Bäche, welche durch den heftigen Regen zu reihenden Flüssen anwuchsen und schneller als die Bewohner es realisiren konnten, das ganze Bassin unter Wasser setzten. Die etwa 2000 Einwohner zählende Stadt Keystone scheint am Schlimmsten gelitten zu haben. Fast die ganze Ortschaft wurde zerstört. Keystone ist die Hauptstadt in den PocahontasKohlenfeldern. Dort kauften die Bergleute ihre Nahrungsmittel und es war auch die einzige Stadt jenes Gebiets. woWhisky verkauft werden durfte. Die 15 Wirthschaften des Ortes wurden sämmtlich zerstört und Berichten zufolge versuchen die Bergleute, die von den Fluthen weggeschwemmten Fässer Whisky. Bier und was sie sonst erreichen können, von den Hügeln aus aufzufischen. Der Schaden wird auf $2,000.000 abgeschätzt. Der prachtvolle Landsitz des Generalbetriebsleiters Ord wurde zerstört, doch sollen sich die Bewohner in Sicherheit gebracht hoom, . , r 17t; Ä An Vivian mußten die Passagiere de ,' Zuges No. 4 der Norfolk und Western Bahn durch die Fenster ins Freie klettern und zwar an Stricken, die vom uge aus nach stehengebliebenen Häuser und Koke-Oefen gezogen waren. Zwischen Elkhorn und Vivian Iard vuden über 100 Eisenbahnwaggons oon den Geleisen gehoben und viele wurden von der Strömung fortgerissen. ' 1 " ! 1 " -r Man nimmt an. daß zwischen Bluefield und Vivian Iard. eine Entfernung von 28 Meilen. 15 bis 20Brücken zerstört worden sind und daß es mindestens eine Woche dauern wird, bis die Züge wieder fahren können. Dies ist sehr schlimm, denn es wird nicht möglich sein, den lkeberlebenden im überschwemmten Distrikt Nahrungsmittel und sonstige nothwendige Sachen zukommen zu lassen. Drei Meilen von Tazewell. Va.. wurde das Wohnhaus des Farmarbeiters Paris Vandyke, am Clinch River belegen, zerstört und die Frau und vier Kinder wurden fortgeschwemmt. Zwei Kinder ertranken, die übrigen Personen wurden gerettet. . Der von dem Hochwasser angerichtete Schaden in der Nähe von Tazewell ist ein ganz ungeheurer, doch läßt sich vorläufig nicht in Zahlen angeben, wie groß er ist. C h a r l e st o n . W. Va.. 24. Juni. Das Thal des Great Kanawha ist von einem fürchterlichenSturm heimgesucht worden. Das Hochwasser, welches durch einen Niederschlag von 3.25 Zoll Regen verursacht wurde, hat entsetzlichen Schaden angerichtet. Der Kanawha hat einen Wasserstand von über 30 Fuß und steigt immer noch. Der Bahnvertehr ist gänzlich unterbrochen Die Geleise stnd unterwaschen. Erdrutscbe haben stattgefunden und Bäume und Telegraphenpfosten sind auf die Geleise geweht worden. Tazewell. Va.,4. Juni. Von Wittens Mill. einer kleinen Ortschaft zwischen Bluefield und hier, kommt die Nachricht, daß drei Kinder von Raleigh Brush am Samstag Morgen ertranken. Die Eisenbahn- und TelegraphenGesellschaften haben nahezu 1500 Arbeiter angestellt, um den ihnen zugefügten Schaden so schnell als möglich auszubessern. Die Leute arbeiten Tag und Nacht. Ueber den Distrikt zwischen Vivian und Williamson hat man bis jetzt nichts weiter gehört, als daß der Tug
Riv.er hoher als t gestiegen xy k. Weitere Depeschen auf Seite 5.
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