Indiana Tribüne, Volume 24, Number 276, Indianapolis, Marion County, 23 June 1901 — Page 3

r

VHMMMHHMBHaBaU 1 MMMWiSWWWWM WWWMqMHfiMßVMMWWWWWWWWW'" MMWVWWMWWWWHWM'- --.T-- - -v-,

IndickNA Tribüne, Sonntag, 23. Juni 1901. 5

MW5llachl.

Roman nach wahren Begebenheiten von Mar 'Ucmbertoa. (2. Fortsetzung.) Cre eine üqe", wiederholte er immer nieder, während Nikolai Stef inowi:ick irrn zustimmend beobachtete und bei alten Bonzos graue Augen listiq blinzelten. (5s ist eine ungeheure Lüge. Herr General! Niemand hat das rioit betreten als diejenigen, die dort zu thun haben. Tarauf kann ich schwören, und wenn Sie mir nicht glauben, so schicken Sie nach Serow Csfm&kr, er kann es Ihnen auch sa$cn. Er wird über die Geschichte lacben, wie ick d.irüder lachen würde, wenn meine (5bre nicht dabei auf dem Spiele Stände. Od. sie können den Plan in London nicht haben; Sie wissen seien, daß das nicht möglich ist, Herr General!" Flebend iah er von einem zum anderen, aber er las nichts aus ihrenMienen. weder Sympathie noch Zustimrnung. Lonzos Gesicht war, wie imrner. unergründlich und von eiserner Strenge. Stet'anowitsch saß in seinen Stuhl ?::rüc!gelehnt da und blickte unverwandt auf den Hauptmann. Ich weiß nicnts". sagte er als Antwort aus Pauls Rede, nichts als i5s. wcis sie nir aus Petersburg geschrieben baben; man theilt mir mit, daß der Plan des Forts an die Engländer verkauft worden sei; Sie, der Sie die Batterie bis vor einem Monat befehligten, antworten, daß das unmöglicr ist, weil niemals irgend ein fremder innerhalb des Forts gewesen ist. Ist tal wirk.iÄ so, Herr Hauptmann P -"es rr-'cre darauf, Herr General, und mein Nachfolger auch." Sie beide ''ollen diesen Schwur vor dein Gerickksbofe leisten, der diesen Bericht untersuchen wird. Wenn man Ihnen Glauben schenkt, so ist die Angelgenhei: damit erledigt. Was mich anbetrifft, i"o halte ich die Geschichte infach für lächerlich. Der Plan, den die Engländer gekauft haben, ist eine Fälschung, darüber kann gar kein Zweifel obwalten: uns bleibt nur übrig, auch den Fürsten davon zu überzeugen und ir unserer WachsamUit nick: nachzulaien. Mehr brauche ich Ihnen nickt zu sagen. Herr Hauptmann. Ick bin nicht hier, um Sie an Ihre Pflickt zu erinnern; di: Stadt ist wohl bewacht, wen sie Diener hat, wie Paul Saffulitsch!" Hauptmann Paul riß die Augm we?t auf. Crr hatte geglaubt, seine Vorgesetzten würden eine Anklage gegen ihn erdeben, aöer jetzt erkannte er, daß er getäuscht hatte. Der Verdacht halte furchtbar auf ihm gelastet, und als er jetzt voa ihm genommen wurde, da :rar sew Herz von Dankbarkeit und Ergebenheit erfüllt. Heißen Dank. Herr General", sagte er einfach, mehr als diese Versieherung kann ick nicht verlangen." Stefanowitsch entließ ihn mit einem Händedruck. Froh und mit dem Vori atz. leinen Sergeanten sofort über die Sache zu befragen, verließ Paul das Zimmer, aber bevor er den großen Hof vor dem Hause überschritten hatte, berührte ihn jemand an der Schulter und als er sich schnell umwandte, sah er Vonzo vor sich, der ihm gefolgt war. Herr Oberst, Sie gehen wohl denselben Weg wie ich?" fragte er. Ick gebe ins Gefängniß", sagte der alte Soldat grimmig. Es wird bald voll genug werden, wenn etwas an dieser Nachricht daran ist." Aber es kann nichts daran sein. Herr C ver it. ich bin bereit, darauf den heiligsten Eid zu schwören. Niemand hat das Fort betreten " Bonzo zuckte die Schultern. Seine kleinen Augen waren zusammenzekniffen, so daß sie wie die Augen eines Luchses erschienen. Sie sagen niemand?" fragte er. Gewiß, darauf will ich schwören." Vergessen Sie denn ganz und gar. daß Sie oestern Besuch auf dem Fort hatten? Gestern ?" Jawohl, die kleine Engländerin. Was ist's denn mit ihr?" Haupimann Paul hätte niHt plötzlicher seinen Weg unterbrechen können, wenn ein Abgrund sich vor seinen Fü--ßen aufgetban hätte. Sie meinen Fräulem Marianne, Herr Obern?" Jawobl. i''t sie denn niemand? Dachten Sie dasselbe auch, als Sie gestern Abend zwei Stunden lang mit ibr tanzten, mein Freund? Soll ich ihr sagen, wie schnell Sie die Stunden vergessen haben, in denen Sie sie in der Geschützku't unterrichtet haben? Soll ich ihr sagen, daß Sie dem Kaiser schwören wollen, daß si niemand" sei ?" Hauptmann Paul brach in ein furchtbares Gelächter aus. Sapriiti!" rief er. Daß ich Fräulein Marianne vergessen kennte, und daß Sie mich erst an sie erinnern mußten! Natürlich ist das unser vion! Wie konnte ich auch dar.'.n voWn nickt denken! Oh. das wird aber den General amünren. wenn ick -hm a- beute Abend erzähle. La Petite. die nickt einmal weiß, an welt,tm Ende nun eine Kanone lädt! Sie hat die Pläne gemacht, darüber kann kein Zweifel sein! Das wollen wir auch morgen den Leuten in St. Petersburg erzählen. Scherz gegenSckerz. nicht wahr. Herr Oberst? Und unser Spaß ist noch etwas toller, als der ihrige. La belle Anglaise! Daß ich aber die auck vergessen konnte! , welche Thorheit!" Auf beide wirkte diese Idee so belufügend, daß sie lachend, wie Knaben u.m Spiel, zur Arbeit schritten. Als )lich vor dem Eingange der '-nirkirche trennten blieb

Hauptmann Paul einen Augenblick stehen und wartete, bis der andere um die Ecke gebogen war. Dann, als er sich ganz allein und unbeobachtet fühlte. wurde sein Gesicht plötzlich bleich, nd es schien, als ob er gegen einen d Pfeiler der Kathedrale taumelte. Mein Gott", dachte er. wenn der Scherz nun kein Scherz ist!" l Der alte Bonzo aber sagte, während er die engen Straßen entlang schritt, zu sich selbst: Sie ist zwar zu unschuldig; indessen sie soll doch bewacht werden. Tag und Nacht, diese kleine Engländerin!"

, 3. Bei Tagesanbruch. Noch ganz schlaftrunken öffnete Marianne Best die Augen und erwartete. bald den Schuß zu hören, durch den in Kronstadt der Beginn des Tages angezeigt wird. Sie glaubte, :? wäre sechs Uhr. also die Zeit, wo sie an ihre Zöglinge denken mußte. Der Traum hatte sie diesmal weit weggeführt, weit weg von der mit Eis umgebenen Festung und von dem melancholischen, gefängnißgleichen Wohnort: Nikolai Stefanowitscks. In ihre en. lische Heimatb hatte er sie versetzt, in die Wiesen und Obstgärten der Graf schaft Devonshire; dort hatte sie Blumen gepflückt und ihren kleinen Bruder. den sie so sehr liebte, geherzt. Aber als sie erwachte und ein rother Lichtstrahl ihr in die Augen fiel, und die Kälte ihre Glieder fest erstarren machte, kam es ihr bald zum Bewußtsein, daß alle das nur ein schöner Stauin gewesen und daß sie mehr all tausend Meilen weit von dem einzigen ihr blutsverwandten Wesen auf Erden entfernt war. Sie war zuerst überrascht, daß d3 Zimmer nicht dunkel war und daß $ nicht die Stimme des alten Jwin hörte, der fragte, ov Fräulein vielleicht eine Tasse Thee haben wolle; aber b.ilö erinnerte sie sich des Ortes und der Zeit, und sie wußte, daß sie vor ihrem Ofen etwas geschlafen hatte, während der General sein Mittagessen einnahm. Das war für sie die Stunde der r holung, die Zeit, wo sie sich in ihr Zimmer einschließen konnte und oollständig Herr über ihre Gedanken und über ihr Thun war. Als sie nach Kronstadt kam, u:n die Töchter des Generals zu unterrichten, hatte sie diese Stande für die angenehmste des Tages gehalten, weil sie dann an den kleinen Richard, ihren Bruder, schreiden und sich ganz den Erinnerungen an die 5)eimath überlassen konnte. Aber als die Monute dahingingen und der furchtbare Winter in das Land kam. und die See unter ihren Fenstern zufror, da fürchtete sie sich fast vor sich selbst und vor der Einsamkeit um sie her. Vielleicht wirkte die Arbeit, die sie übernommen halte, auf ihren Geist und ihre Nerven, so dcch schon das Knarren der Thür oder ein Tritt auf der Treppe sie erregte und ihr Furcht einjagte. Das Geheimniß, das sie so gut bewachte, war eine schwere Bürde. Manchmal glaubte sie sich von Geistern verfolgt, die sie hetzten oder ihr Worte zuflüsterten, die ihr das Blut erstarren machten oder sie einen Schrei der Furcht ausstoßen ließen. Es gab für sie Augenblicke, wo die Verwirklichung alles dessen, was sie schon gethan hatte oder noch thun würde, in ihr einen solchen Schrecken erregten, daß sie glaubte, der Verstand würde sie verlassen. Dann aber wieder konnte sie sich selbst ohne jedm Skrupel eine Spionin nennen un? über die Welt lachen. Der lebendige Tod in den Minen. der furchtbare Anblick eines russischen Gefängniyes und das, was man sich davon erzählte, waren für sie in solchen Augenblicken nichts als schöne Märchen. Sie war nur eine Frau, sagte sie sich, und l?er würde auf sie Verdacht werfen? Und sollte das doch geschehen, so würd: sie erklären, es wäre nur ein Scherz, und sie müßten ihr glauben. Die kindliche Unschuld, welche sie stets gezeigt hatte, wenn sie mit dem Hauptmann Paul zusammen war und aus ihm jene Geheimnisse über die Zitadelle herauslockte, für welche ihre Freunde in London gern einen so großen Preis zahlten, diese Unschuld wollte sie b:s ans Ende heucheln. Und das Ende war jetzt nahe. Sie trug auf ihrem Körper, wie einen Tbeil ihrer selbst, die werthvollen Slizzen und Zeichnungen, um welche sie sich eifrig bemüht hatte; sie sah schon im Geiste den Tag voraus, an dem der Schatten des lebendigen Todes nicht mehr vor ir liegen, an dem ein englischesHaus sie beherbergen, englische Hände sie vor jeder Gefahr schützen, und der geliebte Bruder ihr nahe sein würde. Um seinetwillen wollte sie auf ihrem Wege fortschreiten, um seinetwillen an die Gefahr nicht denken, um seinetwillen die Gefühle, die während des Winters in ihr entstanden waren, zurückdrängen. Sie wagte nicht, sich einzugcstehen. daß diese Gefühle die Liebe zu einem Mann bedeuteten. dessen Land sie verrathen und mit dessen Ehre sie gespiegelt hatte. Sie suchte 'ein Bild zu vergessen; sie war so lange allein und einsam im fremden Lande gewesen, daß sie es auch noch eine kurze Zeit länger aushalten konnte. Alle diese Gedanken kamen ihr in dem Augenblick des Erwachens in den Sinn, während sie in ihrem großen Armstuhl dasaß und die phantastischen Gebilde von Licht und Schatten auf den Wänden und dem Fußboden betrachtete oder dem Aechzen und Krachen des Eises zuhörte, das, durch die Wärme der letzten Februartage bezwungen, die Herrschaft über die See verlor. Ihr Zimmer lag im Nordflügel des Gouverneurgebäudes und war aus den Wällen herausgebaut, so daß. als das junge Mädchen jetzt die Fen stervorhänge wegzog, sie ein mächtiges, sich bewegendes Eisfeld vor sich sah,

aus dessen Rissen das Wasser wie au? Fontänen herausspritzte und prächtig in den verschiedensten Farben glänzte, wenn die Mondstrahlen auf dasselbe fielen. Grimmig und drohend standen Iber dem treibenden C'is die Forts und Batterien des Nordkanals. Marianne entsann sich der langen Sommertage, die sie mit dem Hauptmann Paul in diesen gebeimnißvollen. von Stahl umgebenen Räumen zugebracht hatte; sie entsann sich auch, wie sie die Wälle abgeschritten, um ihre Länge zu messen, wie sie allmählich die Lehre über die Geschützkunst gelernt, und wie sie in der Stille eben dieses Zimmers die Antworten auf die Fragen ihrer englischen Freunde niedergeschrieben hatte, um dadurch eine sorgenfreie, unabhängige Existenz für sich und ihren Bruder zu erlangen. Heute waren alle diese Erinnerungen mit einer unerklärlicken Traurigkeit gemischt. Sie entsann sich des Karnevalfestes drei Wochen waren seitdem vergangen und der Worte der Liebe, die sie damals vernomGnen hatte. Sehnsucht und eine gewisse Schwäche, ; re emPfand, erregten in ihr ein tt vollster Verlassenheit, und da : .n die Furcht, eine Furcht, sie wußte selbst nicht, wovor, und zu alledem noch der furchtbare Gedanke, daß sie bewacht wurde, daß Augen, die sie selbst nicht sehen konnte, ihr sogar in ihre eigenen Privaträume folgten, und das Gefühl, daß ein Mann dicht bei ihr stehe und nur seine 5)and auszustrecken brauche, um ihre eigene zu berühren. Der Schrecken solcher Phantasieg-

bilde diente nur dazu, das Blut in ren Adern erstarren zu machen. Sie wankte zur Wand und zündet.' das Licht an. Aber die Lampe zeigte ihr einen leeren Raum; sie war also allein. Jetzt lachte sie über ihre Furcht und bemühte sich, sie zu vergessen, wie sie sie bereits schon hundertmal vergeben hatte, seit sie in Kronstadt war. Die durch das Licht hervorgerufene Helligkeit im Zimmer half ihr schnell dazu. Die Hand, die sie auf ihr klopfendes Herz gelegt hatte, sank her ab. und Marianne lief zur Thür.schlcß sie auf und blickte in den großen Eorridor des Nordflügels hinaus. Ein fernes Lachen, unterbrochen von den hellen Stimmen ihrer Zöglinge, antwortete auf ihre unausgesprochene Frage, aber über dem Korridor selbst lag die Stille der Nacht gebreitet. Froh kehrte sie zu ihrem eigenen gemüthlichen Zimmer zurück, zu dem warmen Ofen und zu der angenehmen Ungenirtheit. Sie warf einen Blick in den Spiegel, dann betrachtete sie liebevoll eine Photographie des kleinen Richard, die auf einer Staf?elei stand, brachte ihr Kleid in Ordnung, glättete sich die Haare und stand dann einen Aagenblick sinnend da, sich die Frage stellend: Wird er wohl heute Abend kommen? Sie wußte, daß man sie in dem Wohnzimmer erwartete. Die Kinder würden, wie immer, zu ihrer Rechten und Linken sitzen und die Hände gefaltet halten. Der General selbst würde, in einen Armstuhl zurückgelehnt, sie anblicken, und sie dann bitten, irgend ein schönes Lied zu singen. Vielleicht würde Hauptmann Paul sich ihnen anschließen, wenn seine Zeit es erlaubte. und er wurde auch noch im Zimmer bleiben, nachdem Nikolai Stefanowitsch es verlassen hätte, und dann sie, wenn nicht mit Worten, so doch mit Blicken an den Abend erinnern, wo er sich ihr gegenüber ausgesprochen und sie es ihm nicht verweigert hatte ihre Stirn zu küssen. Dieser Gedanke brachte eine frischere Farbe in ihre Wangen. Sie bewegte sich schnell und nervös im Zimmer, wie man es im Zustande unterorückter Erregung tbut. und ein heimlicher Beobachter hätte meinen können, daß ein wohlgeschulter Geist alle ihre Handlungen regiere, indem er sich wohl zu gleicher Zeit gewundert hätte, daß ein so schönes Gesicht seine Besitzerin so selten vor den Spiegel führte. Marianne Best wußte wenig von den Waffen, welche die Natur ihr verliehen hatte. Das dichte, braune Haar legte sich in malerischer Unordnung um Stirn und Nacken, während rebellische Löckchen sich bei jeder Bewegung zeigUn; ihre Kleidung hatte durchaus nichts Gesuchtes, aber sie stand ihr vorzüglich; sie trug keine Ringe an den Fingern, aber die weißen Hände erschienen deshalb nur desto hübscher. Um ihrer Schönheit willen wurde sie von den Frauen der Garnison sehr beneidet, von den Männern aber bewundert. Es schlug acht Uhr. als Marianne endlich ihr Zimmer verließ, um ihre Zöglinge im Salon aufzusuchen. Sie hatte die Furcht, die sie noch vor einer Stunde empfand, ganz überwunden, und lachte über sie. als sie über die dicken Teppiche des Korridors schritt und in die Zimmer blickte, deren Thüren gerade offen standen. Kein Mensch war im Nordflügel zu sehen, selbst der alte Iwan war unten beschäftigt. Marianne konnte Lärm. Gelächter und Reden vi'ler Stimmen vernehmen, aber alles schien weit entfernt. Die Zimmer, die in ibrer Niihe lagen. w.iren leer und dunkel. Als sie an dem Arbeitskabinet Nikolai Siefanowitschs vorüber kam. das sin alle Bewohner des 5auses ein Heiliqlbum war. wunderte sie sich darüber, daß die Thür desselben offen stand. Nur einmal, seitdem sie in der Festung war. hatte sie gewagt, dies Zimmer zu betreten und in seine Geheimnisse einzudringen. Sie wußte wohl, daß die Bücherbretter. auf welche jetzt ein Strahl flackernden Lichts vom Eorridor her fiel, Karten undTokumente enthielten, welche, wenn sie sie besitzen konnte, ein Vermögen für sie ausmachen würden. Sie wußte, daß dort Schätze lagen, für lelche alle Spione aller Nationen ihr Ztbtn gewagt hätten. Niemals ging sie an diesem Zimmer dsrbei, ohne eine gewisse Beklemmung

und sich widerstttltende Gefühle zu empfinden: denn bald erregte in ihr d'e Unüberlegtheit den Wunsch, einzutreten und nachzuforschen, bald aber wieder warnte sie die Klugheit davor, und so war es gekommen, daß sie erst einmal dies Heiligthum betreten hatte. Auch heute entstand in ihr wieder di:ser Kampf zwischen Vernunft und Thorheit. Aber der Wunsch, mit all dem fertig zu sein, Rußland, und damit das Land, wo sie so schwereDienstbarkeit ertrug, zu ftiehen. hatte jetzt ganz von ihr Besitz ergriffen. Sie sehnte sich nach der Stimme ihres Bruders und nach den englischen Wiesen, die sie so sehr liebte. Und dort aus dem Dunkel kam eine Stimme, welche ihr sagte: Suche, und alles was Du wünschest, wirst Du dort finden!" Erst zögerte sie, denn sie wollte das Land des Mannes, den sie liebte, nicht mehr verrathen, und so ging sie von der Thür weg. Aber sie that nur wenige Schritte, denn sogleich stand sie wieder still, um zu hören, ob sich etwas beweqte. und da sie kein Geräusch vernahm, so verwarf sie den frommen Vorsatz bald wieder, indem sie sich vorstellte, daß, wenn der Sommer kam, üe

wieder in England sein würde, und daß. wenn die englische Regierung ibr den Preis für ihre Arbeit gezahlt habe, sie sich dann ein eigenes Heim für sich und den geliebten Bruder schaffen könne. Aber sie war nervös erregt. Noch einmal blieb sie stehen. Sie wzr sicher, daß kein Mensch im Hause jetzt an den Nordflügel dachte, und das? Dienstboten alle in der Küche sich aufhielten. Eine plötzliche Eingebung trieb sie wieder in ihr eigenes Zimmer zurück. Sie nahm einen Romanband an sich, und legte ein Blatt weißes Papier und eine Feder hinein. Dann nahm sie all ihren Muth zusammen, lief zurück zu dem Zimmer des HausHerrn und betrat es. Jetzt stand sie in dem Hei?igthum, und der Schatten des lebendigen Todes war überall um sie her. Es war ein weiter Raum, schlecht möblirt und ohne Schmuck, außer den vielen Büchern, welche an den Wänden auf Regalen standen. Ein mächtiger Schreibtisch hatte den Ehrenplatz und war mit Dokumenten und dienstlichen Akten in malerischer Unordnung beladen. Marianne konnte selbst beim schwachen Licht, daß durch die offene Thür hereinkam, sehen, daß der General noch vor ganz kurzer Zeit mit Amtsangelegenheiten sich beschäftigt hatte, denn ein mächtiges, blaues Papier lag aufgerollt auf seinem chreibtisch und seine Feder war vom Federstände? herabgerollt und hatte das Papier mit Tinte befleckt. Ein dickes Buch in rothem Einband lag dicht bei einem Brief, den er eben geschrieben hatte, und ein halb geleertes Weinglas sprach von einerBeschäftigung, die nur durch den ?f zum Mittagessen unterbrochen worden war. Diese Beschäftigung würde wahrscheinlich wieder aufgenommen werden, wenn die Uhr neun schlug. Marianne entsann sich, daß es eben erst acht geschlagen hatte, und mit dieser Erinnerung zugleich überfiel sie ein Gefühl der Furcht ein eben solches Gefühl der Furcht wie sie es empfunden hatte, als sie aus dem Mittagsschlaf erwachte. Eine überwältigende und unwiderstehliche Angst ergriff sie, schon wieder kam ihr der Gedanke, daß Augen, die sie selbst nicht sah, sie in der Dunkelheit beobachteten, sie lief aus dem Zimmer und blieb zitternd im Korridor stehen, es war, als wenn die Hand des Todes ihr Herz berührt hätte. Aber die Panik ging schnell vorüber, wie sie gewöhnlich diese Anfälle schnell überwandt. Nach einer Minute schon lachte sie über sich selbst und faßte von neuem Muth. Sie sagte sich, daß. wenn irgend jemand sie in dem Raum fand, sie eine Entschuldigung bereit haben mußte, und das sollte die sein, daß die Ofenthür offen gewesen, und daß eine Kohle herausgefallen wäre. Als sie das Zimmer zum zweiten Male betrat, da feuerte eine große Hoffnung ihren Entschluß an. die 5)offnung. daß sie unter den Karten des Generals diejenige von Fort Peter finden würde; nur diese brauchte sie noch, um ihrWerk vollständig zu machen. Der weibliche Instinkt sagte ihr. daß die Karte ugendwo auf den Bücherbrettern sein würde. Aber, um sie zu finden, brouchte sie Beleuchtung, und immer kühner werdend, suchte sie ein Streichhölzchen, zündete es an, und nun erhellte ein Strahl sanften Lichtes den Raum. Aber das Licht jagte ihr wieder Furcht ein. Sie beschattete ihre Augen mit der öand und stand zum dritien Male unentschlossen da. Nach -i-nigen Minuten endlich wurdr sie tvfsger und war im Stande, die goldenen Lettern auf den Bücherrücken zu lesen, und als sie ihre Energie vollständig wiedergefunden hatte, nahm sie cine Karte herunter und entfaltete sie. Es war die Karte des südlichen Ganais. in dem Fort Peter steht. Erfreut las sie den Namen, und öffnete ihr Buch, um Feder und Papier zu ergreifen. Aber bevor sie beides gebrauchen konnte, legte sich eine Hand auf ihre Schulter. und als sie mit einem unterdrückten Schrei sich umwandte, stand sie Paul Sassulitsch gegenüber. Alle die kleinen Entschuldigungen, welche sie sich ausgedackt hatte, versagten in diesem kritischen Augenblick 'wllständig. Als sie den Geliebten einen Augenblick angesehen hatte, wußte sie, daß sie kein Wort der Entschuldigung ihm gegenüber hatte. All ihr Muth hatte sie verlassen, und sie stand bleich und zitternd da, um seine Anklage z hören. 4. Verlobter und Richter. Das rothe Buch mit den Plänen des Südcanals war auf den Boden gefallen, daß Marianne plötzlich vom Tisch uffuhr. Paul legte es wieder aus daZ

Bücherbrett, bevor er zu ihr sprach. Sie glaubte, daß er dieses absichtlich

thue, um sie zu quälen, aber bald sah sie, baß die Hand, welche den Band hielt, zitterte, und nun wußte sie, daß der Mann für sie von derselben Furcht beseelt war, die selbst empfand. Paul!" rief sie. endlich nach vielen Minuten die Sprache wiederfindend, was thust Du? Warum sprichst Tu nicht mit mir?" E: wandte sich schnell um, und zeigte ihr ein Gesicht, auf dem sich Z?rn und Kummer spiegelten. Ich lege nur die Mappe weg. welche Sie zu interessiren schien, gnädiges Fräulein. Sie ist indeß schon zehn Jahre alt und kann für Sie von keinem Nutzen sein. Es sind andere vorHanden, aber wir verleihen sie nicht zur Unterhaltung an jedermann. Sie sind wohlverschlossen in dem Fach da, und ich besitze leider keinen Nachschlüge!, gnädiges Fräulein." Ter spottende Ton traf sie wie ein Faustschlag. Zorn über ihre eigene Thorheit, die Gewißheit, daß das Geheimniß ihres Lebens jetzt Um Geheimniß mehr war. brachte Thränen :n ihre Augen. ..Ties", das erkannte si, ..war das Ende von allem, das Ende ihrer Träume und ihrer Fr-ih?it. Mor gen nein, an das morgen" wagte sie nicht zu denken. Und wenn sie jetzt zu lachen schien, so war das Lachen rauh und gezwungen, und nur unter Aufwand aller Energie konnte sie ein Schluchzen unterdrücken. ..Oh", sagte sie. ..Sie glauben, -ft ich mic) darum kümmere, ob Ihre Kar te alt oder neu ist? Das ist ew toller Einfall. Hauptmann Paul! Warum sagen Sie denn eigentlich nicht, daß ich hierhertam. um die Briefe des Generals zu lesen?" Paul, welcher inzwischen das Buch weggelegt und die Feder ergriffen hatte. mit welcher sie bereits einige Bemerkungen in ihr Notizbuch gemacht, sah sie einen Augenblick an und warf ihr einen Blick zu, welcher ihr Lachen verscheuchte und ihre Entschuldigung verstummen machte. Lügen Sie mich nicht auch noch an!" rief er. Gott sei's geklagt, es ist wirklich schon genug an dieser einen Schandthat. Morgen werden Sie nicht mehr lachen, wenn die Peitsche auf ihre Schultern saust und Sie in den dunklen Kerker geführt werden. Närrin, Närrin! Wer anders als eine Frau würde eine solche Thorheit begehen?" Sie erwiderte nichts auf diese Worte, sondern lehnte sich an die Wand, wie wenn sie seinem Zorn trotzte. Ihr gewandter Geist hatte schon wieder begönnen, thätig zu sein, und sie machte sich selbst im Stillen Vorwürfe, daß sie nicht zum Sprechen kommen konnte. Das Oeffnen einer Thür unten in der Halle brachte ein schnelles Wort der Warnung auf seine Lippen. Horch", sagte er. der alte Iwan! Wenn der Dich hier findet, o Gott, ich wage es nicht auszudenken!" Er stellte schnell das elektrische Licht ab und zog sie aus dem Zimmer des Generals hinaus, hin zu ihren eigenen Räumen. Sie widerstand ihm nicht, sondern folgte ihm willenlos, wie wenn sie ganz ihre Umgebung vergessen hätte. Der gestrig Tag schien weit hinter ihr zu liegen. Ihr Lebensfaden war in dem Augenblick der Entdeckung zerschnitten. Sie hoffte nichts mehr, alle ihre schönen Pläne waren vergeben'. Sie war gestürzt und würde wohl ni?mals wieder sich emporraffen können. Als sie in ihr Zimmer gekommen w.iren und Paul die Thür hinter sich schloß, ließ sie sich in einen Sessel sinken und starrte auf die glühenden Holzscheite im Kamin. Sie versuchte zu denken, daß sie aus ihrem Schlaf erwacht war. Wie ein entfernter Ton. der weit über die See zu ihr herüberkam, klang die Sitmme des Mannes ihr ins Ohr. Gnädiges Fräulein", sagte er. an ihre Seite tretend, bevor ich meinem Vorgesetzten berichte, was ich soeben gesehen habe, wie es meine Pflicht and meine Ehre von mir fordern, frage ich Sie, ob Sie mir irgend etwas zu sagen haben?" Sie blickte immer noch ins Feuer, aber ein Lächeln spielte um ihren Mund. Was soll ich Ihnen sagen?" fragte sie achselzuckend. Gilt es in Rußland für ein fo großes Versehen, in ein Buch zu sehen, welches einem nicht gehört?" Es ist ein Vergehen," antwortete er ruhig, für welches Männer und Frauen in den Festungskerkern od:r bei harter Arbeit in den Minen Sibiriens sterben. Es ist ein Vergehen, für welches wir manchen Mann dort unten auf dem Hofe vor diesem Hause zu Tode gepeitscht haben; es ist das einzige Vergehen, welches Rußland w?oer vergißt, noch vergiebt. Gott im Himmel, daß es gerade Sie sein mußten, die den Plan nach London fandten, daß gerade SU alle diese unangenebmen ?lngelegenhei:en über uns bringen mußten. Ich kann das nicht glauben, V!arianne, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe." Wieder h7.tte sie keine Antwort für ihn. aber das Lachen verschwand aus ihren Zügen, und sie faltete il,re Hände über dem Knie. Sie verstehen mich nicht", sagte sie nach einer Weile, Sie werden mich nie verstehen!" Sie konnte sich selbst die geheime Macht nicht erklären, die ihr die Zunge band und sie davon abhielt, sich irgendwie zu entschuldigen. Sie wußte, daß. wenn irgend ein anderer als ihr Vrrlobter sie im Zimmer des Generals qetroffen hätte, sie ihre Rolle vorzüglich gespielt haben würde, indem sie Harmlosigkeit und Ueberraschung gezeigt hätte, was sie bis jetzt immer vor jedem Verdacht geschützt hatte, aber

Paul gegenüber war sie wie auf ?en Mund geschlagen. Sie schämte sich jetzt ihrer Thätigkeit als Spionin. Sie fürchtete nicht die Folgen derselben, denn sie stellte sie sich nicht in ibrer ganzen Furchtbarkeit vor, aber der Gedanke, daß der Mann, der sie liebte, davon wußte, lähmte ihren Verstand. Er schritt unterdessen im Zimmer auf und nieder, von Ungewißheit und Seelenqual furchtbar gepeinigt. Ich verstehe Sie nicht", rief er ?rregt aus, als sie schwieg. Jch verstehe Sie nicht, wo ich Sie mit der Mappe in der Hand überraschte und sah. wie Sie eifrig schrieben? Ich verstehe Sie nicht? Bin ich denn ein Kind? Soll ich mir denn nach all' diesem s.igen. daß es jem.ind anders war. und nickt Sie, der den Plan nach London sandte? Soll ich noch nach einem andern Spion in Kronstadt suchen? Teufel, hier stehe ich und verfck'wende Worte, wo jede Minute kostbar ist!" Du brnndh't nach keinem deren

,u suchen. Paul." iagte sie. sich erebend und ihm entschlossen ins Gesicht seiend. Ich allein that, was Du soeben sagten, kein anderer half mir. Ich ,'.cichne:e dir Karte und sandte sie nz.n London. Ick bin der Spion, wenn d das Wort ist! Ich bitte Dich nicht damm, Miileio mit mir zu haben oder an Deine Liebe zu mir bei der ferneren Verfolgung der Angelegenheit zu denken, ich bin Deiner Hilfe rM'i würdig, Gott weiß es! Ich kann auch in der Zukunft allein stehen, loie ich t in dec Lelgangcnbeit gethan b.ibe. Du sagst, daß Teine Pflicht Dich zwingt. Deinen Vorgesetzten zu berichten, was Tu soeben gesehen h.-.st. schön, erzähle es ibnen, und ich will warten, bis sie mich bolen kommen. Ich fürchte mich nichi. und warum solltest Tu für mich fürchtci'.?" Sie hatte all ihren Muth zusammengenommen und stand vor ihm mit blitzenden Augen und gerötheten Wangen. Er glaubte niemals ein so schönes Geschöpf gesehen zu haben, und ihr jetzige . Aussehen erinnerte ihn wieder plötzlich daran, daß er sie einst geliebt. Warum ich für Dich fürchte, Marianne? Und das kannst Du fragen? Würde ich nicht mein Leben für Dich hingeben? Berührt das Böse, das Dich trifft, nicht auch mich? O, Du weißt das ganz genau. Wenn sie Dich von mir nehmen, fo nehmen sie mir alle, was ich in der Welt überhaupt besitze! Warum vertrautest Tu mir nicht? Du hast das um des Geldes willen gethan! Warum erzähltest Tu mir denn nicht von Deinen Verlegenheiten" Um Geld von Dir zu erbetteln?" rief sie zornig. Gewiß, wenn Du durch diese Bettelei Dich vor der Schmach bewahrt hättest." Es ist keine Schmach. Brod zu kaufen, damit ein Kind ejien kann. DaS ist mein Verbrechen, und ich bin bereit, dafür zu leiden." Höchst erstaunt starrte er sie an. Jetzt muß ich selber sagen, daß ich nicht verstehe", rief er. Und ich muß verstehen, ich muß alles wissen, Marianne! Jetzt kann ich mich Dir als Freund erweisen, wenn Du osfen zu mir bist! Du darfst nichts vor mir geheim halten. Du mußt mit mir sprechen. als wenn Du mit Deinem Bruder sprichst." Ich will nichts geheim halten, nichts vor Dir verbergen. Paul! Es .'ebt auch gar nichts zu verbergen. Ich sandte die Briefe nach London, weil Tu mir Geld dafür boten. Ich bin sehr arm, und in England lebt ein Kind, für das ich sorgen muß. Gott helfe jetzt dem armen Wesen!" Sie sank stöhnend auf das Sophz. denn die Erwähnung des Bruders ließ sie sofort auch wieder an ihre eigene traurige Lage denken. Doch Pauls Arme umfingen sie. Er drückte sie an sich und vergaß, daß er ihr Richte? war. Sie sollen Dir nichts thun, mein geliebtes Mädchen", sagte er. wenn Tu mir nur vertraust, damit ich einen Ausweg finde. Habe im Dich nicht zu seur geliebt, als daß ich sehen könn:e. daß Du leidest? Sei offen zu mir. mit ich weiß, wie ich Tir helfen kann. Du sagst, es lebe ein Kind in England?" Thränenden Auges, aber dankbar blickte sie ihn an. Tann nahm ne eine Photographie von der Staffelei, die neben ihr stand, und legte sie in seine Hand. Es ist mein Bruder Richard." sa?tc sie. 'und das ist sein Bild. Vor drei Jahren blieben er und ich allein als Waisen in der Welt zurück. Er wird nun bald sechs Jahre alt sein. Um seinetwillen kam ich hierher. Außer ihm habe ich nur noch einen lebenden Verwandten, meinen Vetter Walter, der in der Admiralität in London angestellt ist." Dann ist er es, der Dich dazu bewegte. dies Verbrechen zu begehen?" Er erzählte mir. daß die englische Regierung zehntausend Pfund Sterlinq dem zahlen würde, der ihr die Pläne der noch unbekannten Krönstadter Forts überbringen wür.'. Dann sandte er mir ein Buch über Wladiwostock. in welchem die Art und Weise beschrieben war. wie die Engländer Pläne vo diesem Ort in Besitz bekommen haben. Ich fragte mich, warum denn eine Frau nicht' dasselbe vollbringen könne, was ein Mann vollbracht hatte. Auch macht das gar nichts aus, wenn Eure Pläne bekannt werden, Ihr sagt ja immer, daß Kronstadt stark genug ist. um der Welt zu trotzen. Wenn dem wirklich so ist. was habt Ihr dann überhaupt zu fürchten? Und für mich bedeutete es so viel eine Heimath für mich und den Bruder und das Aufhören der Verbannung. Kannst Du mich jetzt immer noch nicht verst hen. Paul?" (Fortsetzung folgte

Für die Köche.

Sauerampfersuppe. Vi Quart Sauerampfer wird verlesen und sehr sauber gewaschen, in Wasser weichgötch: und durch ein Sieb gt rührt. Dann müssen 2 Unzen Butter mit eineiu Löffel Mehl gut verkocht werden, dazu kommt der durchgerührte Sauerampfer, etwas Pfeffer. -alz und geriebene Muskatnuß. Alles zusammen muß 10 bis 12 Minuten tüchtig schmoren, wird dann mit 1 Quakt guter F!cisckb:ihe aufgekocht, mit zwei ciein abgezogen und über gerösteten Semmelscheiben angerichtet. S ch n i t t k o h l. Die ersten jungen Blätter vom Wirsing- oder Weißkohl werden abgeschnitten, gewaschen, in Scilwasser aufgewällt, abgegossen, eine Mehlschwitze und etwas Muskat nuß daran getban und mit verlorenen oder pochirten Eiern garnirt. Spargelauffranzösische Art. Der geschälte Spargel wird in e'nen Zoll lan'. gleichmäßige Stücke geiamitten und in Salzwasser, wie ge hnlirti aufgekocht. Jndenen muß na Stück auter Buttc? in einer Kasserolle I'gtlb werden, dazu wird eine Taffe süße Sahne gegossen und dies zusam men lacht aufgekocht. Dahinein kom ,!, nachdem sie gut abgelaufen sind, üi? cparelstüdc, werden mit Salz, Muskatnuß u,rd weißem Pfeffer ge-wür-.t. füllen einmal aufkochen und w?ren ai:fgcir;,acn. Dazu passen v-ckmitze'. Fleischtrocsuets, gebratene Leb?r u. s. w. ojei.-!dtnr Spargel. Zwei Pfund schöner, dicker Spargel wird, geputzt, in gliedl.inge 'Stücke geschnitten und in Salwasser weich gekocht. Marc läßt ihn ablaufen und wälzt die 3:ückchen in einer Backklare von Mehl, öi. Weißwein, Salz und Pfeffer, bäckt den Spargel in kochender Butter, richtet iön beraartia auf tiefer Schüs sel an. träufelt Eitronensaft darüber und überstreut das Gericht mit Parmesankäse. Eine Verzierung don grüner Kresse und Eierhälften putzt diese Sc'ninel, zu der man eine Rcmulade reicht. Rbanarbertorte. Ein entertjcnoil' Quantum Rhabcrrber wird in kleine Stückchen zerschnitten und mit Zucker (je 7 Unzen für 1 Pint Rhabarber) und ein wenig geriebener Eitroncnschale weich gedünstet, moraur man die Massen lurch ein Siec, Ueibi und erkalten läßt. Man bereitet M aus gewöhnlichem mürbem Teig ein Tortenblatt, legt damit eine mit Vutter bestrichene Form aus. macht a$ dem Teig rings um das Blatt einen hohen Rand, streicht den gedünit::en Rhabarber auf das Blatt, legt ein &it ter von Teigstreifen darüber, die man ringsum an den Teigrand drücke, bestreicht das Gitter und den Rand mir Eidotter und läßt die Torte bei nicht zu starkem fteueT langsam backen. 'Sie wird, nur mit Zucker bestreut, sevirt. Hammelkeule als Wildbraten. AuZ einer starken Scho psenkeule entfernt man nach gutem Klopfen sämmtliche Knochen. Nu macht man eine Marinade, indem man Schalotten. Pfefferkörner. Wacholderbeeren, einen Zweig Thymian. Basili kum. 1 2 Lorbeerblätter, klein ge-''chnittenk-Wurzelwer aller lrt. ein kleines Stück Zucker, Sasz und em Pint Weinessig eine haltze Stunde Iui:g locht. Ist diese Marinade kalt, so wird die Keule 46 Tage hineinge legt und manchmal darin umgedreht. 2 oll gebraten werden, so legt man die Keule in glühend heiße, aber nch gelbe Butter i.nb bratet sie unter apmähli crem Angießen der Marinade in 12 tunder gar. Zuletzt kann etwas iaure ocr süße Sauce a die 2ah kommen. Rindfleisch mit Pfeffer" s a u c e. Ein derbes Stück Rindfleisch wird tüchtig geklopft und in Batter nebst einer Zwiebel langsam weich gebraten. Unterdessen tverden Mobrrü ben lvon diesen nicht zu viel). Zwie beln, Pfefferkörner, englische Gewürz körner, Basilikum, Thymian mk ?ei nrr"r" y nrr . BwTrern voll meinen ra und einer Säwpfkelle voll Fleischbrühe in einer! 1 I L W raioen -:unoe weico gedunstet, em Stich Butter mit einer halben Unze Mehl zu brauner Mehlschwitze gerührt und bekoes verbunden. Zuletzt fügt man auch noch die Bratemauce hinzu, streicht dies alles durch einen Durchschlag und richtet es über dem tranchirten und in seine frühere Form zusammengesetzten Braten an. Französische Remoulad d e n s a u c e. Man hackt einige Ziviebeln. Petersilie. Kapern und Pfeffergurken fein zusammen und lindet dies mit rohen Eidottern. Vo diesen muß man für je einen Löffek, voll vom Gehackten einen Eidotter neh. men. Man mengt nun der Masse eine entgrätete Sardelle, die man mit eini en Tropfen Olivenöl im Mörser sem gestoßen hat. ein wenig Kräutersenf Salz. Pfeffer, eine Prise Zucker und! ein Stückchen sein gehackt? Knoblauche bei und säuert das Ganze mit dem Safte einer großen Citrone. Butter cakes. Ein Quart Milch wird mit sechs ganzen Eiern gut verquirlt und etwas gesalzen. Dazu wird ein Thelöffel voll Natron, in einem Eßlöffel voll warme Wassers ausgelöst ist. gethan. und dann wird das Ganze mit soviel Mehl vermengt, daß es einen festen Teiz giebt, den man in dick mit Butter aus ae'trichene Pfannkuchen oder Forme hut und 20 Minuten bei raschem Jeu er backen läßt. Sicherer Beweis. Dtefe schwierige wissenschaftliche Arbeit hat wohl Ihre ganze Geisteskraft. Ihr ge sammtes Interesse in Anspruch gc nommen. Herr Professor?" .Frei lich, während der Zeit, da ich das Buch schrieb, habe ich Aweiunddreitzig Schrr mt stehen laßen!

li

1 j