Indiana Tribüne, Volume 24, Number 275, Indianapolis, Marion County, 22 June 1901 — Page 1
Tribüne f ji ILOgC' uno 8 Sonntarlatt 4 . . . V i 1 per Voche sss Grsrtxeint jede ilarirrntttan und Sonntag Morgen. Jahrgang 24. Jndiasapolis, Ind. Tumftag, Den 22. Juni 1901. No. 275
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DSSi?S?SSSSS?LV I Tac- und 8 Sonnwgsblatt 3 10 per Woche. 8
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Hoshi Soru
Ein ehemaliger Ministe, im Kabinet Jto's llui) früher japanischer Gesandter in Washington, in Jokohama ermorde:. vcrschlcdcncs aus dem önitsdjen Bei. Professor Begas erhielt 500,000 ; Ma.k für sein Bismarck' Tenkmal. Dkslkllk wird aber allgemein höchst uugünstia kritisirt. , Tcutschland's Eutschädignngs Forderung gegen China Soll von 12,000,000 ans 14,000,000 Psg. 5terl. erhöht werden. r'gischc Missionäre angeblich iuChina ermordet. Sie (5r-Königln Ranonavola von Maöstoavccr in Paris. H o s h i 1 o x ermordet. Yokohama. 22. Juni. Hoshi Toru. Minister für Handel und Serkehr im letzten Kabinet des Marquis Jto, früher Gesandter Japans i .ishington und einmal Präsident des -apanischen Abgeordnetenhauses, wrve am Freitag in einer Versammlung zes tadtraths erstochen. Es sd;?iiU ich um einen politischen Mord zu ffaai eln. Der Ermordete war Gesandrer in zen Äer. Staaten von 1896 bis 1898. Zr hatte schon vorher eine Rolle in der Politik gespielt, und als er von Washmgton zurückkehrte, trat er in das Kabinet des Marquis Jto ein. Er war ?in Mann von große: Energie und seine eigenartige charakteristische Anage machte ihm in gewissen politischen Kreisen in Japan viele F.'inde. Dies hatte zur Folge, daß Anklagen gegen hn erhoben wurden, die seine Jntegriät als Mitglied des Kabinets asfizir:en. Da er durch d'ese fluntroverse eine Kollegen nicht kompromittiren vollte. reichte er seine Resignation ein rnd er strengte dann Libellklagen gegen eine Verläumder an. Die Angelegenheit verursachte große Aufregung in politischen Kreisen und seine Ermvr:ung ist wahrscheinlich eine Folge der,':lben. Der Ermordete war 43 Jahre alt Lnd er hinterläßt eine Frau und einen kleinen Sohn. Die Spaltung in der britischen liberalen Partei. London. 22. Juni. Die Nach-lnittags-Zeitungen beschäftigen sich 'ast ausschließlich mit der Spaltung in otz liberalen Partei. Alle möglichen Äerüchte über Ausstoßungen und Reignationen sind im Umlauf. Die Imperialisten erklären, daß Sir Henry Zampbell-Bannerman. der Führer der Liberalen, seine Stellung unhaltbar ''inden müsse. Die Boeren-Freunde verlangen, daß Herr Herbert H. Asiiiith, der frühere liberale Sekretär d?s Innern, der am Donnerstag Abend in riner Bankett-Rede erklärt hatte, die tlnabhängigkeit der Boeren-Staaten ei unmöglich, geächtet werden solle. Herr Campbell-Bannerman veracht Del auf die erregten Gewässer zu zießen. indem er in einem Schreiben erklärt, daß er niemals daran gedacht ....i jj. uufi habe, die Soldaten für die Schand thaten in Südafrika persönlich derintwortlich zu rr.aien, und daß er nur diejenigen verdammt habe, die für die Anlegung der Konzentrirungslager verantwortlich seien, da das den J l 1 i . vv l 1 1 1 m um, wu vua viu i Frauen und Kindern der Boeren zuge. j fügte Ungem.ch der Beendigung des ... u-wn f.; I angen Krieges nur hinderlich sei Deutschlands China-Ent s ch ä d i g u n g. Berlin. 22. Juni. Es wird ofnziell zugestanJZn. daß Deutschland obsichtigt, seinen Schadenersatz-An-'pruch gegen China von 12.000.000 zuf ci4.000.000 zu erhöhen, weil in 'er ersten Zahl die Ausgaben Deutschlands in China vom Mai bis Juli licht eingeschlossen sind. Diese Förderung stimmt mit den thatsächlichen Ausgaben Deutschlands in den genannten zwei Monaten überein. Es heißt hier, daß England in dieser Sache Deutschland unterstütze. Für Madagascars entthronte Köniain. Pari, ä'. Ju.i. Eine Sub-
slriplion ,ii mer eröffnet worden, um Der entthronlen Königin Rananavalo zon Madagasoar ein schwarzes Atlaskleid zu kaufen. Die Kö.iiqin Rananavalo befinoet sich seit einigen Wochen zum Lesuch in Paris, wohin sie von Algier aus gekommen .war. Sie wollte sich gern ein schwarzes Atlaskleid mit nach Algier zurücknehmen, konnte sich jedoch oon der geringen Summe, welche die französische Regierung ihr gewann, dies nicht erlauben. ,,
Die antiministeriellen Zeitungen, j welche die Regierung wegen ihre.! Knauserei, der Königin gegenüber, an gegriffen hatten, eröffneten die Subtnfciion. .Xa vre e macvle am Zreitag den Anfang und hat schon 730 Zrancs kollektirt. An der Spitze steht fterm Rockefort mit 50 Francs. Eine Anzahl Deputirte und Mnnizipalräthe ?eftnden sich unter den subfkrwenten. Zum Aerger der Regierung hat Ranalavalo das Geschenk auch angenommen. Von den Philippinen. Manila. 22. Juni. General Eailles. der Jnsurgentenführer in der Provinz Laguna, befindet sich jetzt mit 700 mit Gewehren bewaffneten Jnsurzenten und einigen Bolomännern in der Umgebung von Pagsanjan. ungefähr .'inen Tagemarsch.von Sana Cruz, an der Laguna Bai. entfernt. Cailles wird sich am Montag ergeben und er wird dann versuchen. Malvar. der in Wirklichkeit, sein Borgesetzter ist. zu oeranlassen, sich ebenfalls zu ergeben. Aus dem deutschen Reich. Berlin. 22. Juni. Vor einigen Tagen wurde in den Ver. Staaten die ?!achricht veröffentlicht, daß der hiesige Ler. St. Botschafter White die Abs.ä.t habe, im Dezember zu resigniren. Herr White hat nun in Bezug auf dieses Gerücht die folgendeErklärung abgegeben: ..Ich habe meine jetzige Wohnung einfach aus dem Grunde aufgegeben, weil das Haus an die britische Regierung verkauft worden ist. und ich sehe mich jetzt nach einem anderen Haus um. Ich habe nicht die Absicht, zu resigniren. wie in dm Ver. Staaten behaupte! morden ist." Die Familie des Herrn White wird sich im Juli nach Saßnitz. auf der Insel Rügen, begeben., wo der Botschafter eine hübsche Villa 6is zum Herbst gemiethet hat. Herr White wird inzwisechn in einem hiesigen Hotel wohnen und sich wöchentlich auf einen oder zwei Tage nach Säßnitz begeben. Professor Robert Koch kündigt in der deutschen medizinischen Wochenschrift an. daß Dr. Götsch vom SlawentzitzHospital in den letzten zehn Jahren mit stetigem bestem Erfolg Tuberculin zur Heilung von TubercUlosis angewendet Dtk Kölnische Volkszeitung" veröfsentlicht eine Depesche von einem deutschen Missionär in Shantung. in der versichert wird, daß die Boxer-Unruhen noch lange nicht vorüber seien; daß die Rebellen, die die Missionen ausgeplündert, ruhig von ihrem Raub lebten, und die Edikte zu Gunsten der Ausländer nur zum Schein erlassen worden und nicht ernst gemeint seien. In der Depesche wird auch versichert, daß ein abermaliger und noch schlimmerer Aufstand zu befürchten sei. Im auswärtigen Amt sagte intest ein hoher Beamter, aus die Autorttat des Grafen von Bülow hin dem Vertreter der Associirten Presse, daß diese Behauptung mit den offiziellen Nachrichten aus China nicht übereinstin.' men. Im Gegentheil, alle Nachrichten. die in den letzten Monaten aus China eingetroffen seien, ließen darauf schließen, daß keine allgemeinen Unruhen mehr zu erwarten seien. Dies gelte ganz besonders für Shüntung. wo alles ruhig sei und die Ordnung mit Hilfe des Gouverneurs Auan-Shi-Kai i ufs Beste aufrecht halten werde. Es .tr.(..i cu v zr. w- r. ci uv vllli icm Ilunv yuc uiqe aiacmistischen Nachrichten vorhanden. Was den Prinzen Tuang betreffe, so halte dieser sich nicht am Hofe auf und er scheine sich auch nicht an einem Dtt zu befinden, von dem aus er sich leicht , . r rr r i 'Ä-'SR " W " b,aupt ,ettt fetnen Einfluß mehr auf den Hof zu haben scheine, Der Libell-Prozeß. den Dr. Liman von den ..Leipziger Neuesten Nachrichten" gegen Dr. Schmits. Dr. Loock und die Kölnische Zeitung" angestrengt hattc. in Verbindung mit der Behauptung Dr. Limans, daß die De Beers Company 1.200.000 Mark für politische Zwecke nach Köln geschickt habe, kam am Freitag zu Ende. Dr. Schmits wurde zu 100 Mark oder zehntägiger GefänMstrafe verurtheilt und Dr. Loock A 200 Mark oder zwanzig Äage Gefigniß. Das Gericht entschied auch. daß. wenn auch die Angeklagten Grund gehabt hätten. in Kolge der gemachten Behauptung irritirt zu sein, die Art und Weise, wie die Behauptung widerlegt wurde, im höchsten Grade beleidigend gewesen sei.
isin f-oeden veröffentlichter offizieller Bericht über den Stand der Saaten in Preußen, bis Mitte Juni reichend. bezeichnet die Ernte im Duichschnitt as eine mittelmäßige. Während des Prozesses erbot sich Herr Jznfen. der Anwalt des Dr. Limann. den Beweis für die von seinem Klienten aufgestellten Behauptungen zu erbringen. Er erklärte. Zeugen vorführen zu wollen, die unter Eid? aussagm würden, daß ein Syndikat aus der De Beers und anderen südafrkanischen Kompagnien bestehend, in der Standard Bank für Südafrika in Salisbury. Rhodesia. immer eine große Summe deponirt habe, die für politische Zwecke ausgesetzt sei; daß für diesen Fonds den Mitgliedern des Syndikats keine direkte Rechenschaft abgelegt werde; daß das Syndikat Herrn Gehl, dem Korrespondenten der KölNischen Zeitung" in Pretoria. 4000 Mark monatlich bezahlt habe; daß Gehl zugegeben habe, von dem Syndikat bestochen worden zu sein; daß Gehl von nnem Kriegsgericht der Boeren l Verräther zum Tode verurtheilt worzen und unter feinen Effekten ein Check ?on dem Syndikat für 200.000 Mark gefunden worden sei. Das Gericht weigerte sich aber, die Zeugen des Herr Jansen anzuhören. 32 Herr Gehl nicht prozessirt werde. Professor Reinhold Begas. der Bildlauer, ni für die Modellirung des Sismarck-Denkmals in hiesiger Stadt 300,000 Mark erhalten, und dieses Denkmal wird jetzt von der ganzen presse verdammt. Auch der Kaiser Wilhelm ist nicht mit der künstlerischen
llusführung zufrieden. Der Krieg in Südafrika. London. 22. Juni. Die ..Sun" wiederholt die sensationelle Ankündii.ung die sie am 18. Juni gemacht, daß Äeneral Botha. nach dem Empfang der Zntscheidung des Präsidenten Krüger, absolut keine Zugeständnisse machen zu vollen, beschlossen habe, den Präsiden;t i Krüger gänzlich zu ignoriren und sich den Briten zu ergeben. Die Zeitung fügt hinzu, man glaube im britischen auswärtigen Amt. daß sich Botha thatsächlich schon ergeben habe. Der Kriegssekretär, Herr St. John öroderick. erklärte am Freitag im Un'erhaus auf Befragen, daß von den iL.000 Personen, die sich in den Kon-zentrations-Lagern in Südafrika be'änden, 34,000 Kinder seien. Belgische Missionäre in China ermordet. P e k i n g , 22. Juni. Herr Maurice Kostens, der belgische Gesandte, schickte am Freitag einen Boten nach Siam-Kial, wo vier belgische Missioiäre ermordet worden sein sollen. Der Lote wurde autorisirt. sich vollständige Äewißheit daüber zu verschaffen, ob sas Gerücht begründet sei. Die Mission ist stark befestigt, es heißt aber, daß eine Anzahl Marauoeure von General Tung Fuh Siangs Armee im April die aus eingeborenen Konvertiten bestehende Garnison übercumpelt und alle Bewohner der Mission P e k i n g, 22. Juni: Der Kaiser hat Na Tung zum chinesischen Gesandten in Japan ernannt. Na Tung ,st ein Mandschu und war früher VizePräsident des Tsung Li Damen. Er scll ein Borer" sein und entging mit knapper Noth der Gefahr, daß seine Hinrichtung von den Vertretern der Mächte verlangt wurde. Es ist indessen zweifelhaft, ob die japanische Regierung ihn als Gesandten .'mpfangen wird. Arbeiterverhältnisse in Italien. Rom. 22. Juni. Die Deputaten lammer war heute vollständig gefüllt in Erwartung der Reden, welche der Minister des Innern. Giolitti. über die kürzliche wirthschaftliche Krise zu halten gedachte. Giolitti erklärte dabei. daß die kritische Periode vorüber fei und die Arbeiterverhältnisse sich beDeutend gebessert hätten. Dank der verkünftigen Mahnahmen der Regierung. welche sich weder auf Seiten der Ar' beitgeber noch der Arbeiter gestellt hätte. In Folge dessen seien 511 Streiks, woran 800.000 Arbeiter betheiligt gewesen seien, durch gegenleitige Konzessionen beigelegt worden. Der Lohn sei allerdings in einigen Distrikten gefallen, aber im ganzen .ande hätten sich die Lohnauszahlu.'.gen um 48.000.000 Lire vermehrt. Die allgemeine Lage habe sich gebessert und die Regierung habe nicht die Ab ficht, der friedlichen Propaganda für organisirte Arbeit entgegenzutreten. Selbstmord eines Arztes, San Francisco. 22. Juni. Dr. Victor Popper. von hier, beging am Freitag Abend Selbstmord, indem er Karbolsäure verschluckte, als er gerade auf die Anklage hin verhaftet worden war, den Tod von Frl. Violet Ban Ornum von Chico verursacht zu haben, die m Abend rm Hofprral starb.
Kcplosion von Aeuerwerkskörper. Gin $au$ in Folge veffen abgebrannt Und wahrscheinlich 14 Personen ums Leben gekommen. Sie Ceschiiflslaye des Landes. Tornado in Nebraska. Ein Dutzend Personen gctödtct oder töotlich verletzt. Thomas G. Barker Des Mordversuchs aus de Rcv Kel' ler schuldig befunden. Nachklänge an den fünffachen Lynch' mord bei Alturas, Calif. Tret der RijdrlSjiihrcr dcS Mordes angeklagt. Explosion von Feuerwerkskorpern. P a t e r s o n. N. I.. 22. Juni. In Folge der Explosion von Feuerwerkskörpern in einem Laden an Main Str. brannte am Freitag das Gebäude, in welchem sich der Laden befand, nieder und eine ganze Anzahl Menschen kamen dabei um's Leben. Es scheint, daß vierzehn Personen umgekommen sind. Tie Explosion fand kurz nach Mittag in dem Laden von Abraham M. Rittenberg statt, der sich zu ebener Erde in einem vierstöckigen hölzernenMiethZHaus befand, der von zehn Familie:? bewohnt wurde. Viele der Bewohne: des Gebäudes befanden sich zur Zeit beim Mittagessen. Die Gewalt der Erplosion war so groß, daß ein Knabe, der einen halben Block entfernt auf der ! Straße spielte, aufgehoben und gegen TkiA eisernes Geländer geschleudert wur de. Er brach dabei ein Bein. in elektrischer Straßenbahnwagen befand sich direkt vor dem Laden, als die Explosion stattfand Die Flamme, die aus dem Laden schoß, verbrannte dej Passagieren die Haare. Eine Anzahl der Bewohner der oberen Stockwerke wurden entweder durch die Gewalt der Explosion betäubt und kamen dann in den Flammen um, oder sie erstickten, da ihnen der Ausweg abgeschnitten war. Nach der ersten Explosion kamen eine Anzahl kleinere und dann folgte wieder eine zweite große Explosion. Die Detonation war nicht so laut wie bei der ersten und es scheint daher, daß sie im Keller stattfand. Innerhalb einer Minute schlugen die Flammen aus allen Fenstern heraus. Frau Williams sprang mit brennenden Kleidern durch ein Fenster in den Hof hinab. Ihre Leiche wurde aus dem Bereich des Feuers gezogen, der Körper war aber schon so verbrannt, daß das Fleisch von den Knochen fiel. Der Mann der Frau Williams ist ein Krüppel und es scheint, daß die Fra'i zu lange bei ihm verweilt hat, bei dem Versuch, ihn zu retten. Er wurde zu Kohle verbrannt in seinem Bett gefunden. Einige der Bewohner des Hauses ließen sich aus den Fenstern fallen und trugen dabei zum Theil schlimme Verletzungen davon. Ungefähr zwanzig ! Personen wurden von der Feuerwehr ! Gerettet. Rittenburg roud wahrscheinlich verhaftet werden. In den Trümmern wurde der Kopf eines Menschen gefunden, das Haar ist abgebrannt und die Züge sind unkenntlich. Ter Nest des Körpers ist nicht gefunden worden. Die Leichen die soweit aufgefunden wurden, sind inst alle unkenntlich. Die Todten sind: Frau Lucinda Adamson. Frau Charles Williams. Eharles Williams. Harald Rittenburg. 18 Monate alt; Henry Elsasser. Baby. ie Vermißten, die ohne Zweifel ebenfolls alle umgekommen, sind: Frau Bert Bamberg. Charles Bamberg. 6 Mcnate alt; Frau Andrew Elvyn. Frau May Elsasser. Joseph Elvyn. Baby von Frau Andrew Eloyn; Frau Burns. Clarence Burns. der 6 Jahre alte Sohn der Frau Burns; Frau Anna Fentemann. Frau Annie Lannigan und zwei Neffen der Letzteren. Mord und Selbstmord. E l w o o d . Ind.. 22. Juni. Eins der schrecklichsten Verbrechen in der Geschichte vn Madifon County setzte am Fre'tag die Bevölkerung in große Erregung und als Resultat desselben haben der 28jährige Albert Towne und die 24jährige Frau Sollte Granger tödtliche Verletzungen erhalten. Albert Towne und William Granger, der Gatte von Sallie Granaer. arbeiteten
zusammen in den liierten der Nevublu
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Jron & Steel Co in Frankton und! waren die besten Frsunde. Town wohn-. te bei Grangers und soll rn letzterer. Zeit mit der Frau Granger ein intimes Verhältniß unterhalten haben. Ais Granger hiervon hörte, zwang er Towne. sein Haus zu verlassen. Dies ereignete sich vor etwa drei Wochen. Towne hatte inzwischen Frau Gvanger mehrfach in Abwesenheit ihres Gattenbesucht, so auch Freitag Morgen-, kurz nachdem Grangcr fortgegangen war. Towne gerieth über gewisse Aeußerungen der Frau Granger in Zorn, riß die Frau r sich und ichoß, ihr aus ernem Revower eine Kugel m den Kopf. Als die Frau sterbend zu Boden sank, richtete Towne die Waffe gegen sich selbst und schoß sich eine Kugel durch den Kopf. Die Grangers haben nur ein Kind, eine siebenjährige Tochter. Lynchgericht befürchtet. H o u st o n . Texas. 22. Juni. Ein Spezialzug mit der Houston Kavalle-rie-Kompagnie und einem Theil der Light Guard an Bord, ist nach Trinrty. Texas, abgegangen, wo der Rest der Light Guard einen Neger Namens Spencer bewacht, der als ein Mann identifizirt wurde, der in letzter Woche versucht hatte, eine weiße Frau zu vergewaltigen. Von einem Eisenbahnzug aus, dem N'cht gestattet wurde, in Trinity anzuhalten, konnte man den Neger sehen, der an einen Baum angebunden war. während ihn Soldaten umgaben, um ihn vor der Volkswuth zu schützen. Der Stand der Geschäfte. New York. 22. Juni. R. G Dun & Co. 's dieswöchentliche Ueber sieht über den Stand der Geschäfte ir den Ver. Staaten lautet wie folgt : Das Volumen der Geschäfte nimm allenthalben, namentlich aber in den Gebiet jenseits des Ohio-Flusses. ein-, schließlich des fernenNordwestens. gan; bedeutend zu und dies deutet auf gan ' allgemein zunehmende Prosperität un großes Vertrauen in die Zukunft hin ! Die Ernte-Aussichten sind anhaltend die besten; die Arbeiter-Streitigkeiter sind zum großen Theil beigelegt unk Baumwollwaaren, die so lange ver:! nachlässigt wurden, haben wieder einer , festeren Markt und die Vorräthe vor Drucktattunen haben bedeutend abge nommen. In Folge der theilweisen Beilegunc i des Maschinenbauer ? Streiks sind u I oer Eisen- und Stabl-Jndustrie wiedei, mehr Leute beschäftigt wie seit einiger Wochen. Die Aktivität ist wieder in den meisten Etablissements eine unge wohnlich große und in vielen Füller können jetzt fällige Ablieferungen nicht vor dem 1. Juli gemacht werden unr Kontrakte für sofortige Ablieferung werden überhaupt nicht angenommen Auch sind die Fabrikanten nicht in bei Lage. Bestellungen für den Export anzunehmen. Die üblichen Reparaturer werden aber im Hochsommer gemacht werden und eine Anzahl Fabriken werden bald außer Betrieb gestellt werden Eine allgemeine Betriebseinstelluna wie sonst, ist aber nicht zu erwarten, dc zu viele große Bestellungen für Schienen und sonstiges Eisenbahn-Materia! an Hand sind. Preise sind im Allge-! meinen unverändert und Grey Forge isi etwas niedriger. Die Versendung von Schuhen unr Stiefeln von Boston ist immer noch sehi groß, die Produktion der Fabriken hat aber etwas nachgelassen und neue Bestellungen sind weniger groß und zahl' reich. Für einige Sorten werden um 2c niedrigere Preise akzeptirt. namentlich für Stiefels Einige Fabriker haben aber noch Bestellungen an Hand, die sie bis Ende August beschäftigt halten. Die übermäßig großen Vorräthe von Druckkattunen in Fall River haben in überraschender Weise abgenommen. Auch die Ausfuhr von ungebleichter Waare nach China hat wieder ansehnlich zugenommen. Im Ganzen genommen herrscht im BaumwollwaarenMarkt ein stärkerer und hoffnungsvollerer Ton wie seit vielen Monaten. Di Besseruno im Markt für Wollewaaren ist weniger ausgeprägt. Einige bestimmte Fabrikate sind aber in guter Nachfrage und man sieht von jetzt ar. einem lebhafteren Geschäft entgegen, Wolle ist unverändert zu den niedrigsten Preisen, die in vier Jahren quotirt wurden. Je weiter die Saison vorschreitet desto günstiger gestalten sich die ErneAussichten und die Weiz anpreise sind in Folge dessen stetig zurückgegangen. In tinigen Staaten wird der Winterweizcv bereits eingeerntet. Ein ungewöhnlich starker Rückgang in den Preisen ist aber kaum zu erwarten, denn die Ernte ist im Nordwesten noch keineswegs außer Gefahr, und dann ist in Betracht zu ziehen, daß die Ernte im Ausland eine verhältnißmäßig schlechte ist. Frankreich, das gewöhnlich genug Weizen für den eigenen Bedarf produzirt. muß diesmal im Ausland kaufen, und dies ist auch bei anderen europäischen Län-
crn, tn ungewöhnlich großem Mofee der Fall. Die Ausfuhr aus atlaniischcn Häfen belief sich in den letzten drei Wochen anf 10.410.16 Bu. gegen 8.826.388 Bu. im letzten Jahr und gegen 6.504.262 Bu. im Jahre 1899. Die Zahl der Bankerotte belief sich während der Woche in den Ver. Staaten auf 193 gegen 179 im letzten Jahr und in Canada auf 14. gegen 15 :i letzten Jahr. T h o s. G.Barker schuldig befunden. New Yvrk. W. Juni. Thomas G. Barker. der in Jersey City angeklagt war. einen Mordversuch auf den Rev. John Keller gemacht zu haben, wurde am Freitag von der Jury für schuldig befunden. Das Urtheil wird am nächsten Donnerstag gefällt werden und Barker wurde inzwischen nach dem Gefängniß gebracht. Der Anwalt Barker's kündigte Berufung an und der Richter erklärte dann, daß er 000 Bürgschaft verlangen werde. Der Wahrspruch kam als eine Ueberraschung für Barker und seine Freunde. Sie hatten im ungünstigsten Fall eine Nichteinigung seitens der Geschworenen erwartet. Barker hatte eine Freisprechung erwartet. Er rechnete auf den Eindruck, den die Worte seines Vertheidigers aus die Geschworenen gemacht haben mußten, als er auf das ungeschriebene Gesetz hinwies, daß ein Mann das Recht habe, Denjenigen zu todten, der die Ehre seines Hauses befleckt. Welchen Eindruck diese Worte auf die Geschworenm auch gemacht haben mußten, er wurde von der kalten Instruktion des Richters verwischt, daß die Geschichte von der angeblichen Schändung, oder die Schändung selbst, wenn auch wirk' lich begangen, keine Rechtfertigung sin den Mordangriff gewesen sei." In seiner Schlußrede hatte dei Staatsanwalt die Frage an die Geschworenen gerichtet, ob das Benemer der Frau Baxter ein natürliches geWesen sei. Er sagte, ihre Erzähluno sei unwahrscheinlich, denn naturgemäß würde sie sofort ihren Mann von den angeblichen verbrecherischen Angrifj benachrichtigt haben, oder wenigsten! sich einer Freundin anvertraut haben und nicht einem anderen Mann. Die Jury nahm nur eine Abstim' mung vor und sie war einimmi sin den höckste ?arl es Verbrechen? .Pürier bat sieben Jahre Zuchthaus unk '$2000 Geldstrafe, als höchstes Strafe maß zu gewärtigen. 7 Nach Schluß des Prozesses gab Rev Keller eine schriftliche Erklärung ab. in der er die Beuptungen der Frau Barker für unwahr hinstellte. Drei des Mordes angeklagt. . , Alturas. Calif.. 22. Juni. Die Großgeschworenen von Modoc County. die sich mit dem Lynchen von Calvin Hall, seiner drei Söhne und seines Schwiegersohnes, die alle wegen angeblich begangener zahlreicher kleiner Diebstähle am 30. Mai aufgeknüpft wurden, befaßt hatte, hat am Freitag drei Anklagen auf Mord erhoben, und zwar gegen Robert Scranton. Jsom Eades und James W. Brown. Es wurde festgestellt, daß diese drei Manner hauptsächlich für den fünffachen Lynchmord verantwortlich waren. C i v i l -R e g i e r u n g auf den Philippinen. Washington. D. C.. 22. Juni. Sekreiär Root machte am Freitag die Ordre des Präsidenten bekannt, derzufolge auf den Philippinen eine CivilRegierung etablirt wird. Laut dieses Befehles wird der Militär-Gouverneur der Philippinen von der Ausübung seiner Civildienst-Pflichten vom 4. Juli an enthoben, er wird diese Pflichten aber auch noch in Zukunft in den--jenigen Distrikten ausüben, in denen die Insurrektion noch nicht unterdrückt ist. Herr Wm. H. Taft, der Präücn: der Philippinen - Kommission, wird zum CivU-Gouverneur ernannt.
TchiffsnaHri nten. New York. 21. Juni. Ar.gekommen: Belyravia" von Genua mrt Neapel; Pennsylvania" von ftm bürg; Columbia" von Hamburg. Genua. 21. Juni. Angekommen Bolivia" von New York. Liverpool. 21. Juni. Angekommen: .Michigan" von Boston H a v r e, 21. Juni. Angekommen ..La Lorraine" von New York. M o v 1 1 1 1, 21. Juni. Abgegan. gen: Astona". von Glasgow, nack New Fork; Parisian". von Liverpool nach Montreal. Q u e e n s t o w n. 21. uni. Ab gegangen: Commonwealth", von Li verpool. nach Boston. S o u t h a m p t o n, 21. Juni. Ab gegangen: Fürst Bismarck. von Ham bürg, nach New )oit. Weitere Depesche ans Seite 5. ' k
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