Indiana Tribüne, Volume 24, Number 269, Indianapolis, Marion County, 16 June 1901 — Page 2

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v Jndtana Tribüne, Sonntag, 16. Jni 1901.

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Humoreske von Friedrich Tbieme. Seit Mnschngdnken gab tl in Muckelsberg nur zwei Doctoren, den Tr. med. und den Dr. Phil. Der Dr. med. war der Arzt des Städtchens, der Dr. phil. der Rector des Gymnasmms. Beide Doctoren lebten im besten Einvernehmen, denn die Zahl der Honoratioren war nicht groß und die großen Geister suchten sich. Beide, der Dr. phil. Keßler und der Dr. med, Blum. waren gutmüthige, verständige, allgemein beliebte lte Herren, dafür bekannt, daß sie nur schwer Qus ihrer Gemüthsruhe herauszubrmgen waren. Es mußte schon stark tomrne, wenn die musterhafte Fassmg des einen oder .andern von ihnen in'ö Wanken gerathen sollte. Aber 'es kam wirklich so stark. Bei dem Empfang der Nachricht, daß den Technikern und Ingenieuren nun auch der Doctortitel verliehen oder wenigfiens dessen Erwerbung ermöglicht wordn: sei, schäumten die beiden Doctoren .toi die wilden Eber. Beide fühlten -sich in ihrer Doctorehre auf das Tiefste verletzt. .Es ist unerhört!" rief der Dr. phil. ...So ein halber Handwerker soll sich Herr Doctor nennen dürfen wie unsere-iner; ein Mensch, der weder griechisch noch hebräisch noch lateinisch versteh.!" .Es ist unerhört!" stimmte der Dr. med. .bei. Was ist unsereiner noch in der Meinung der Welt, wenn sich jeder Bauführer in Zukunft als Doctor brüsten kann." jßeute, die nicht einmal den Homer in d Ursprache lesen können," klagte der Dr. phil. Leute, die mit ihren Bauten bloß Unglücksfälle verursachen, aber nicht wieder heilen können," klagte der Dr. med. .Leute ohne classische Bildung," stöhnte der Dr. phil. .Leute ohne Kenntniß des menschlichen Körpers," stöhnte der Dr. med. Das weiß ich, nie in meinem Leben werde ich den verhaßten Titel in den Mund nehmen," betheuerte der Dr. jhU. .Und ich werde, falls er allgemeiner wird, den Doctortitel an den Nagel hängen," betheuerte der Dr. med. Mit solchen guten Vorsätzen nahznen die-Freunde voneinander Abschied. Zum Unglück für unsere guten Toctoren ereignete es sich nun, daß Muckelsberg einen neuen Stadtbaumeiste? bekam und daß der neue Beernte als einer der ersten Techniker in deutschen Landen, die dieser Ehre theilhaftig geworden, den Titel .DoctorIngenieur" führte. '.'s ist ein Schmach, daß nun auch noch in Muckclsberg so ein Mensch herumlaufen muß," räsonnirte der Dr. med., und der Dr. phil. räsonnirte noch mehr, denn der neue Doctor-Jn-genieur war seit ein paar Jahren mit seinem einzigen Kinde, seiner Tochter Jenny, so gut wie verlobt. .Wie kanr ein Mann, der meine Tochter heirathen will, sich so etwas herausnehmen!" grollte der alte Herr, wüthend in seiner Studierstube auf und ab gehend und förmliche Gewiterwolken aus seiner Pfeife stoßend. Jenny", rief er heftig seiner bildhübschen Tochter zu, .ich verbiete dir, weiter mit ihm zu verkehren und wenn t mich besuchen will, so heißt es, ich sei ausgegangen. Verstanden?" .Aber Papa Bernhard ist vch " .Schweig' und gehorche. Ich dulde ckeine Insubordination in meinem 'Hause. iFur mich ist der Mosjö nicht mehr iri der Welt, damit hasta!" Je,nny kam jedoch dem Befehl des gestrengen Zapas nur halb nach. Insofern sie nämlich Sorge irug, die beiden Antipoden nicht zusammen zu bringen; soweit sie selber in Frage stand, benutzte sie im Gegentheil jede Gelegenheit, die beglückende Nähe des Geliebten zu genießen. .Liebe Jenny, was soll nur daraus noch weiden?" fragte eines Tages Bernhard verstimmt. Wir können doch nicht ewig hinter deines Vaters Rücken zusammen kommen? Am besten, ich erzwinge mir morgen eine Audienz und rede von der Leber weg!" .Noch nicht. Bernhard," bat Jenny, es ist noch nicht Zeit. Habe nur Geduld. wir werden den Vater schon noch Dersöhnen." .Zum Kuckuck." rief der junge Wann. Doctor-Jngenieur klingt doch gar nicht schlecht und viele Väter würden stolz sein, ihre Da schloß ihm Jenny mit einem tß den Mund. .Kommt Zeit, kommt " trosttte sie lächelnd. Rector Keßler wohnte an dem die tadt nach Westen zu bearenzenden breiten Mühlbach. Auf dem jenseitigen Ufer desselben, gegenüber seinem Hause, besaß er eine stattliche Portion Wiesenlandes, das er vor Jahren einmal ans einem Nachlaß billig erworien hatte. Das Land hatte nur wert mimmalen landwirtschaftlichen Werth, niemand wollte es ihm abkaufen und auch mit dem Verpachten hatte er seine liebe Noth. Die Pächter wollten jedes Jahr weniger zahlen und neue fanden sich nur schwer, Jedes mal nxnn der Verpachtungstermin herannahte, befand sich denn auch der Herr Dr. phil. in denkbar schlechtester Stimmuna. Jenny hatte in erster Linie darunter zu leiden denn eine Mutter, uf die sich das erste Wetterleuchten entladen konnte, war nicht mehr da und sie klagte ihre Noth eines TageS ihrem Geliebten. .Wenn Papa nur das alberne Lano nicht hätte es verdirbt ihm wachen.Mg die Laune ich wünschte, tt Lcheukte es gleich nxa." . .

Da wäre er ein schöner Narr." ernt wortete lächelnd der Ingenieur. .Dieses Land ist für den, der es klug auszunutzen versteht, eine wahre Goldgrübe." Wie meinst du das?" .Ganz einfach. Wäre es mein, würde ich Baustellen daraus machen oder selbst Häuser darauf bauen. Muckels bcrg vergrößert sich jetzt bedeutend, es fehlt an besseren Wohnungen. Und das ist die Westseite was für ein wunderschönes Villenviertel könnte man hier einrichten." Jenny beeilte sich, ihrem Papa die Aeußerung des Ingenieurs zu überMitteln, ohne daß sie selbstverständlich die Quelle verrieth. .Ach. dummes Zeug." polterte der Rektor, .wer wird sich da drüben anbauen 's führt ja gar keine Brücke hinüber. Die Anwohner müßten einen halbstündigen Umweg über die weit entlegene Stadtbrücke machen, um nach Hause zu kommen." Das junge Mädchen rapportirte des Vaters Erwiderung prompt ihrem Bernhard. Der Einwand ist richtig," lachte dieser. Wer hindert aber deinen Papa, neben seinem Hause unter Preisgebung eines Streifens seines Gartens eine provisorische Brücke hinüber zu bauen? Das ist ein billiges Vergnügen, das sich hundertfach rentirt." Als Jenny dem Alten die Brückenidee vortrug, stutzte er. Allerdings brummte er nur hm, hm." aber im Stillen beschloß er, dem Gedanken nä her zu treten. Die guten Muckelsberqer erstaunten nicht wenig, als der alte Doktor auf einmal über den Mühlbach eine breite Brücke schlagen ließ. Sie meinten erst, es rappele in seinem Kopse. Bald jedoch blickten sie klarer, als sie nämlich die Annonce, worin der wackere Mann seine ausgezeichneten Baustellen anpries, im Wochenblättchen lasen. Mit dem Bauen selber mochte sich der unpraktischechulmann nicht abgeben, aber das war gar nicht von nöthen, die Baustellen gingen reißend ab und der Herr Rektor steckte ein erkleckliches Sümmchen in die Tasche. .Jenny, Hand aufs Herz, der Plan stammt nicht aus deinem Kopfe," rief der Rektor, sich vergnügt die Hände reibend, seiner Tochter zu. .Nein, Papa, er rührt von Bernhard her." Hm, hm." Der Rektor rieb sich verlegen den cäsarischen Scheitel. Warum will der Mensch sich partout Doktor nennen ich gebe ?u. daß er sein Geschäft verstebt. aber 's ist eben doch nur ein Geschäft man könnte ebenso gut Doktor Heringsbändiger als Doktor - Ingenieur werden." Und er ließ voller Verdruß seine Pfeife ausgehen. In Muckelsberg mußte eine neues Gymnasium gebaut werden. Sintemal das alte nach dem Gutachten von Sachverständigen kaum für die Hälfte der Schüler Raum bot und außerdem seinen Insassen eines schönen Tages über dem Kopf zusammen zu brechen drohte. Jeder Schuljunge erkannte letztere Thatsache auf den ersten Blick, allein die Muckelsberger Stadtregierung berief erst ein halbes DutzendAutoritäten aus allen möglichen Residenzen, um von diesen auf das Genaueste zu erforschen, ob die alte Baracke nicht möglicyrweise noch einige Monate am Leben erhalten werden könnte und erst nachdem sie unter Auswendung von ein paar hundert Thalern es sechsmal schwarz auf weiß in Händen hatte, daß die fernere Benutzung der humanistischen Scheune, wie der Doktor-Jnge-nieur sie nannte. -. frevelhaftes Attentat auf Leben u.io Gesundheit der Jugend und Lehrerschaft darstelle, faßte man den feierlichen Beschluß, den höheren Söhnen ein neues Heim zu errichten. Die Ausführung des Baues wurde in die kundigen Hände des Doktor-Jn-genieurs gelegt. Nun mußte der Herr Dr. phil. sich wohl oder übel entschließen, mit Bernhard Stavelius in Verbindung zu treten, doch tröstete er sich damit, daß dies nur in amtlicher Eigenschaft geschehe und empfing den Functionär der Stadtregierung stets nur in seinem Amtszimmer im Schulgedäude. Der Rektor hatte sich in seinem Kopfe eine Art Plan des neuen Gebäudes zurecht gelegt, den er für äußerst praktisch und schön hielt und auf den er sich nicht wenig zu gute that. Wie erstaunte er aber, als der Ingenieur ihm nun nachwies, wie unbrauchbar in Wahrheit seine Idee in der Praxis ausfallen würde und ihm an der Hand eines schnell entworfenen Grundrisses demonstrirte. daß sein Gebäude nicht mehr noch weniger sein würde, als die etwas vergrößerte humanistischeScheune in zweiter Auflage. Und was hatte er nicht alles außer acht gelassen! Aber wie riß er erst die Augen auf, alsBernhard ihm nun erst sein eigenes Project und den von ihm angefertigten Entwurf vorlegte! Dabei gab letzterer ihm einen Abriß der ganzen Entwicklung der Schulbaukunst von den alten Eanvtern bis au den Constructicmen des 20. Jahrhunderts, belehrte ihn über die neuesten Grundsätze eines solchen Baues, über die Anforderungen der Technik und Hygiene, setzte ihm auseinander, wie die Zimmer eingerichtet und ventilirt-, die Bänke beschaffen sein müßten, wie sich der Schulgärten und die Turnhalle gestalten ließen, furz, verbreitete sich über alle Details einer solchen Arbeit und warf so viel mit technischen Ausdrücken, mit Stilen. Fassaden, Pfeilern, Trägern, Kapitälen, Architraven, Archivolten. Spitzbogen, Fundamenten, Ornamenten und dergleichen um sich, doch der alte Schulmonarch ihn kaum zurHälfte verstand und den diffizilen Berechnungen, die der Ingenieur spielend aus

stellte, kaum zu folgen vermochte, yimmel, was für einen Aufwand gelehrter Kenntnisse, was für eine Fülle von Wissen doch allein so ein Schulbau erforderte und das war doch nur erst ein Zw?ig der umfassenden Thätigkeit dieses Mannes! Und wie viel besondere Wissenschaften mußten noch hinzugenommen werden, um die wichtigen Fragen der Heizung. B:leuchtung. Ventilation, Wasserversorgung u. s. w. nach Gebühr zu erledigen! Wie warf dieser Nrensch mit den schwierigsten mathematischen Regeln um sich und wie wußte er sie in der Praxis zu handhaben! Der Rektor hatte sich immer für einen vorzüglichenRechner gehalten, aber diese Zahlenkunststücke machten ihm wirklich den Kopf wirr! .Es steckt doch weit mehr dahinter, als man denkt," erklärte er etwas kleinlaut seinem Freunde, dem Doktor Blum. Möglich, aber den Homer in der Ursprache zu lesen oder einen Menschen zu kuriren, dazu gehört doch noch mehr." versetzte dieser verächtlich. Der Schulbau wurde nach dem Plane des Doktor-Jngenieurs in Angriff genommen und je mehr er vorrückte, je höher wuchs die Freude des Rektors. Der Bau war sein SteckenPferd, er stellte sich täglich ein, dieFortschritte desselben zu besichtigen und fand immer mehr Gefallen daran, sich mit Bernhard über dieses neutrale Thema zu unterhalten, 's ist wirklich ein prächtiger Mensch," brummte er manchmal auf dem Nachhausewege in den Bart, und wenn er blos nicht den vermaledeiten Titel hätte, so möchte ich keinen andern Schwiegersohn haben!" In der altehrwürdigen Stadt Muckelsberg gab es alle Jahre einmal eine mehr oder weniger respektable Ueberschwemmung. Durch die Errichtung einiger Dämme und eine entsprechende Regulirung des Flusses hätte dem Naturereigniß und seinen Folgen zwar wirksam vorgebeugt werden können, aber einerseits hatten sich die Muckelsberger seit Menschengedenken daran gewöhnt und zweitens kostete die Abstellung des Uebels ein hübsches Stück Geld, und die Frage, wer dieses auszubringen habe, bildete seit hundert Jahren einen Gegenstand nie endender Erörterungen zwischen der GemeindeVerwaltung von Muckelsberg und oem Fiskus. Die Stadtregierung erklärte, daß der Fiskus, und der Fiskus behauptete. daß die Stadt hierzu verpflichtet sei. Bevor diese Vorfrage nicht erledigt war, konnte man natürlich an die Inangriffnahme der Arbeiten nicht denken, aber jedesmal, wenn eine größere Ueberfluthung stattgefunden hatte, entstand ein großes Geschrei, die Presse schimpfte, die Bürger hieltcn Versammlungen ab und faßten geharnischte Resolutionen. Gemeinderath und Landtag debattirten über das Thema, und das Endergebniß bestand stets in dem Beschlusse, einerseits von namhaften Fachmännern Projekte und Kostenanschläge einzufordern, andererseits zunächst in die Erörterung der Vorfrage einzutreten, wer die Kosten der Regulierung zu tragen habe. Die Berathungen und Streitigkeiten begannen von Neuem und die AnGelegenheit verlief nach Jahr und Tag im Sande. Seit hundert Jahren war für die zahlreichen Projecte schon so viel ausgegeben worden, daß die Hälfte der Kosten des Anschlags recht gut damit hätte bestritten werden können. Nachdem der Doktor - Ingenieur seine Stellung als Stadtbaumeister angetreten hatte, bestand eine seiner ersten Arbeiten in der Aufstellung eines Projectes zur Verminderung oder gänzlicher Beseitigung der Hochwassergefahr. Der Anschlag war praktisch und billig, aber der Gemeinderath versteifte sich auf die alten Behauptungen. Mit Recht machte Bernhard zwar geltend, man solle die Flußbauten nur erst einmal ausführen und die Kostenfrage dann regeln, entweder indem man sich mit dem Fiskus und den anderen betheiligten Gemeinden in den Betrag theile oder indem man sich die Auslagen, eventuell im Prozeßwege, zurückerstatten lasse. Der Gemeinderath lehnte den Antrag mit großerMajorität ab. der Rektor und der Doktor stimmten ebenfalls dagegen, und als der Februar und mit ihm der Thauwind kam, hatte Muckelsberg wieder seine kapitale Überschwemmung. Und war für eine! Die ältcsten Leute konnten sich nicht erinnern was sie anscheinend niemals können und was das schlimmste war. mitten in der Nacht brach sie ganz unerwartet herein, und ehe sich dieGefährdeten nur zu retten vermochten, standen ihre Häuser bis an das zweite Stockwerk unter Wasser. Welch eine Schreckensnacht! Hunderte von Neuaieriaen umlagerten das Lberfluthete Terrain, die in ihren Häusern eingeschlossenen Personen schrieen und jammerten, denn ein Theil der alten Buden drohte einzustürzen, Möbel und Kisten und Trümmer schwammen herum, Hunde, Schafe, Schweine gondelten im Wasser und der Thauwind heulte dazu und peitschte vor sich tintenschwarze, unheimliche Wolken. Die Gefahr, daß ein Theil der Gefährdeten mit ihren zusammenbrechenden Baracken in der Fluth bearaben werden könnte, lag nahe, denn wie alknthalben, so zeigte sich auch in Mu-

ckelsberg die seltsame oder vielmehil r st . . y. i r . l v wegen iyrer (Vewoynucyleli nicyi icii-i same Erscheinung, daß gerade die dem Andrang der Hochfluth am meisten ausgesetzten Häuser am jämmerlichsten gebaut waren und meistens nicht einmal massive Fundamente besaßen. Rathlos irrte alles durcheinander, die Leute mußten gerettet werden, aber wie? Kähnc standen zwa zwei zur Verfügung, aber da man nach j berühmten Muster den Übliche

Grundsatz befolgte, sie allemal nach veendeter Ueberschwemmung inspiziren und repariren zu lassen, sich aber nachher niemals wieder darum bekümmerte, so erwiesen sich beide als völlig unbrauchbar. Was nun thun? Alles schrie, aber Niemand konnte helfen, einige BeHerzte vertrauten sich trotz der eisigen Kälte der gurgelnden Fluth und brachten sich schwimmend in Sicherheit, ein Anblick, der sich bei der schwankenden, flackernden Fackelbeleuchtung doppelt unHeimlich ausnahm und den Zuschauern das Herz im Leibe erbeben machte. Aus den umflutheten Häusern drang das Gekreisch verzweifelter Frauen und Kinder herüber, Männer fluchten und brüllten, es war eine aufregende Situation. Da scholl plötzlich eine laute befehlende Stimme durch die Nacht: Hierher. Leute die Balken hierher macht Platz!" Der Doktor-Jngenieur war es, wclcher mit einigen Arbeitern herbeieilte, letztere schleppten große Balken, während er selbst mit Stricken und Ketten beladen war. .Was hat er vor? Was macht er?" fragten die Umstehenden. Was wollen Sie machen, Herr Ingenieur?" interpellirte ihn der Rektor, der sich dicht herangedrängt hatte. .Ein Floß wollen wir bauen Achtung Vorsicht Platz hierher die Balken holt Bohlen und Stricke und lange Stangen vorwärts!" Commando aufCommando erklang, während die Gaffer mit fiebernder Aufmerksamkeit die Fortschritte des Werkes verfolgten, und viele von ihnen bereitwillig Holz und Stangen mit herbeischleppten. Der Baumeister ordnete an, wie alles geschichtet und befestigt werden mußte, und nach einer halben Stunde lag das riesige Floß, von mehreren an Pfählen befestigten Laternen beleuchtet, fix und fertig im Wasser. Bernhard selbst mit zweiArbeitern, alle drei mit -langen Stangen ausgerüstet, unternahmen die nicht ,anz gefahrlose Fahrt, schon nach einer Viertelstunde kehrte das rohe, aber geräumige Fahrzeug mit ein paar Dutzend Geretteten zurück, worauf es zum zweiten Mal abstieß, um den Rest zu holen. Unter den Geborgenen der zweiten Abtheilung befand sich auch Doktor Blum mit seiner Frau und seiner jüngsten Tochter. Dankbar drückte er. als man das Ufer gewonnen hatte, die Hand des Baumeisters und sagte reuevoll: Nun sehe ich, daß Sie nicht blos Menschenleben geführten, sondern auch erretten können; ewig der Ihrige. Herr Doktor-Jngenieur!" Doch nicht nur vom Dr. med.. sondern auch vom Dr. phil. hörte sich der junge Mann heute zum ersten Mal mit seinem ehrlich und sauer erworbenen Titel angeredet. Herr Doktor-Jngenieur," sagte er, seine Hand ergreifend, es wird mir eine Ehre sein, Sie morgen Mittag als Gast bei mir zu sehen. Jenny wird schon Sorge tragen, daß Sie JhrLeibessen auf der Tafel vorfinden." Der Doktor-Jngenieur hatte gesiegt auf der ganzen Linie! In der ganzen Stadt flötete man seinen Ruhm in allen Tonarten, und selbst der Rektor ließ sich seinem glückstrahlenden Töchterlein gegenüber zu der in seinemMunde bedeutsamen Anerkennung herbei: Was doch so ein Ingenieur alles kennen und verstehen muß!" Nach dem Essen pfiff der alte Vogel aber noch ganz anders. Bernhard hatte ihm mancherlei erzählt von Constructtonen von Riesenbrücken. Eisenbahntunnelen undCanälen, er hatte ihm erklärt, wie man Spannungen berechnet und die Tragkraft der Brücken und die Widerstandskraft der Dampfkessel feststellt, wie man Telephon-, Telegra-phen-und Kabelanlagen herstellt und viele andere Jnierna seines Berufes demonstrirt, kurz, der Rektor kam aus dem Erstaunen gar nicht heraus, in seinem Kopf ging förmlich ein Mühlrad herum, und ganz ehrlich bekannte er sich nach beendeter Mahlzeit, als Bernhard sich empfehlen wollte, mit folgenden Worten als überwunden: Herr Doktor-Jngenieur. ich bin perplex ich hätte nie gedacht, daß ein Ingenieur eine so ungeheure Menge von Wissenschaft in sich aufnehmen müßte! Offen gestanden, ich hegte manchmal bei mir selbst gelinde Zwe!fel, ob ich das nur auch alles hätte lernen und begreifen können. Verzeihen Sie mir meine Anmaßung. Herr Dok-tor-Jngenieur, ich weiß jetzt einen vernünftigen Maßstab an Ihren Beruf zu legen, ich gestehe Ihnen ganz aufrichtig, daß ich Sie nicht hiermit voll und ganz als Collegen anerkenne, sondcrn sogar auf solchen Collegen stolz bin und nickt nur auf den Collegen, sondern noch mehr auf den Schwiegersöhn. Empfangen Sie, Herr DoktorIngenieur, aus meiner Hand Ihre Gattii- und Lebensgefährtin, die erste Frau Doktor-Jngenieur in Deutsch-land!"

I n der Verlegenheit. Frau: ..Was sehe ich. Du streichelst der Zofe die Wange?" Arzt: Ach, ich wollte nur sehen, ob sie geschwollen wäre Der w a d ? e Patriotin :n u ?. Unteroffizier: Kerls, wenn Ihr au? einem patriotischen Anlasse Hi:rr.1 schreit, müßt Ihr ($2$ dab:i bar Begeisterung die Mundwinke! blulia reinen!" Z u u n b e si i m m t. Stimme (durch's Telephon): Ist das Herr Schmidt.'" Schmidt: Jawohl. Wer sind denn Sie?" Stimme (durch 's Tclctchvr.: Ich bin's, ich, Dein Liebchen." Schmidt: . Hm kannst Du nicht ein Bischen bestimmter sein?"

Trotzkops.

Von Paul Rouget. Laß Dir sagen,, Marcella..." Nein, Du hast unrecht, damit ist alte gesagt." Du lässest Dir ja gar nicht erklären . . ." Was ist da viel zu erklären? So cft Du zu spät kommst, hast Du stets dieselbe Ausrede Du hast diesen oder jenen getroffen. Doch wer beweist mir das?" So lüge ich also? Sag's nur frei heraus!" Das will ich nicht behaupten. sfef ich möchte doch gern wissen, was diese chronischen Verspätungen eigentlich zu bedeuten haben." Höre mich an, Marcella. Daß ich heute zu spät zum Diner gekommen, lag daran, daß ich fast eine Stunde mit Rardin, dem Intimus Morlands, des Direktors der großen überseeischen Manufakturi.ien, verbringen mußte. Ich möchte letzterem gern ein ; vielverheißendes geschäftliches Projekt unterbreiten und wünschte daher schon seit Wochen mit Nardin zu reden, der immer sehr beschäftigt und fast nie zu Hause zu finden ist. Heute traf ich ihn zufällig und forderte ihn, um Gelegenheit zu ungestörter Unterredung zu finden, auf. mich in ein Cafee zu begleiten. Da hast Du die Erklärung meines Ausbleibens. Doch anstatt froh darüber zu sein, daß Nardin mir seine Unterstützung zugesagt hat. schmollst und grollst Tu, als könntest Du die Wichtigkeit dieser Unterredung für mich durchaus nicht begreifen!" Sehr gut! Nun wird mir sogar mein Begriffsvermögen angezweifelt! Warum sagst Du es nicht lieber gleich mit dürren Worten, daß ich eine stupide Frau bin?" Wenn Du mich liebtest. Marcella. würdest Du nicht so reden." Gut. Einigen wir uns auch darin. daß ich kein Herz habe. Das hat nur noch gefehlt." Pierre erhob sich mit heftiger Beweaung und warf seine Serviette auf den Tisch. Ich habe es satt." rief er. Solch' lächerliche, grundlose Scenen ertrage, wer da mag." Doch in diesem Augenblick fiel sein Blick auf Dita, sein kleines, vierjähriges Töchterchen, das, in einer Ecke des Speisezimmers mit ihren Puppen spielend, erschreckt aufgehorcht hatte, als der heftige Wortwechsel der Eltern an ihr Ohr drang. Die klaren, blauen Kinderaugen vor Bangen geweitet, i blickte sie unruhig von einem zum an- , dern. Auf die Kleine zutretend, schloß j Pierre sie in die Arme und drückte sie , zärtlich an die Brust. Dann flog sein Blick zu Marcella hinüber. Offenbar wartete er nur auf ein Wort von ihren Lippen, um zu ihr zu eilen und ihr zu sagen, daß er seine Heftigkeit bereue. Sie aber sprach dieses Wort nicht aus. Das Kinn in die Hand gestützt, mit zusammengezogen? Brauen und starren Zügen, verharrte sie schweigend, regungslos. Doch in ihrer Seele tobte ein Kampf, denn sie liebte ihren Pierre von ganzem Herzen und fühlte wohl, daß er ihr die Wahrheit gesagt. Allein ihr Stolz, ihr Starrsinn waren stärker als ihre Liebe. Da verlieh Pierre erbittert das Gemach, dessen Thür er hinter sich in's Schloß warf. Es war nicht der erste derartige Zwist in ihrer fünfjährigen Ehe. Und doch war ihre Heirath eine Lieveshei--rath gewesen. Aus dem reizenden jungen Mädch?n war ein berückendes junges Weib a.'worden. Von mitlerer Größe, schlank, graziös, mit Haaren von venezianischem Blond, Augen von leuchtendem Azurblau, erregte sie überall Bewunderung. Doch leider besaß sie zwei Fehler: Eifersucht und hochgradigen Starrsinn, der ihr niemals gestattete, ein Unrecht einzugestehen, sondern sie bewog, stets in ihrem Trotz zu beharren, selbst wenn sie selbst einen Streit provozirt hatte. Und da PK'.re seinerseits nicht allzu geduldig war, kam es oft zu Mißhelligkeiien zwischen den Gatten, kleinen Zwistigleiten, die nicht lange währten. Doch stets war es Pierre gewesen, der den ersten Schritt zur Versöhnung gethan, und sogar um Verzeihung gebeten hatte. Doch allgemach, je heftiger der Wortwechsel wurde, desto tiefer, nachhaltiger wirkten die kleinen Nadelstiche. Das Gemüth des im Grunde herzensguten Pierre wurde schließlich verbittert. Sie hat kein Herz!" dachte er oft. Würde sie mir wenigstens, sobald sie zur Einsicht gekommen, bei meiner Rückkehr ein freundliches Gesicht zeigen! Aber auch das nicht! Ich fürchte, wenn es so weiter geht, wird auch meine Liebe enden." Schweren Herzens stieg Pierre jetzt die Treppe hinab. Auf die Straße gelangt, schritt er auf's Gerathewohl geradeaus, als ihm plötzlich einfiel, daß er für diesen Nachmittag eine wichtige geschäftliche Zusammenkunft hatte. Und meine Papiere?" dachte er, stehenbleibend. In seiner Arsreaung hatte er das Haus verlassen, ohne der Dokumente zu gedenken, deren er nothwendig bedurfte. Was blieb ihm übrig, aii umzukehren und sie zu holen. Als er daheirn die Treppe hinanstieg, klopfte sein Herz seltsam. Mochte er seine Frau im Geiste auch mit Vocwürfen überhäufen, er liebte sie dieserhalb nicht minder und litt schwer unter diesen stetig wiederkehrenden Zwistigkeiten. Ach, wenn Marcella wenigstens Reue zeigen würde, wie ern wollte er ibr dann verzeihen!

' Geräuschlos öffnete und ' schloß er die Korridorthür und schritt durch den kleinen Salon zum Speisezimmer. Dita weilte allein darin. Eifrig mit ihren Puppen, zwei großen und einer kleinen beschäftigt, vernahm sie das Nahen des Vaters nicht. Unter der Portiere stehend, ließ Pierre den Blick voll Zärtlichkeit auf der Kleinen ruhen. Er wollte auf sie zuschreiten, doch die Worte, die jetzt von den Kinderlippen tönten, hielten

ihn zurück. Du bist Papa und Du bist Mama . . . und Du Du bist die kleine Dita So. und nun wollen wie Erzürnen spielen. Ein Sonnenstrahl spielte in dem blonden Gelock des Kindes und umgab dasselbe mit einem Glorienschein, während die Kleine fortfuhr: Alo Ihr sitzt jetzt zu Tisch, Papa, Mama und Du, kleine Dita. Und die kleine Dita hat Angst, weil Ihr beide so döse werdet. Jetzt stehst Du. Papa, schnell auf und läufst hinaus und wirfst die Thür zu. Nachher mußt Du, Mama, zu weinen anfangen. schrecklich weinen -mußt Du Und die kleine Dita ist traurig, weil sie die Mama weinen sieht. Warum weint Mama? fragt sie. Aber Mama hört nicht, sie halt das Tafchentuch vor d,e Augen und geht hinaus und läßt ihre kleine Dita ganz, ganz allein " Während des Spieles hatte die Kleine die beiden großen Puppen unter ihrer Schürze verschwinden lassen und schaute jetzt nachdenklich auf die kleine Dita in ihrer Hand. Pierre, der sehr blaß geworden, verharrte immer noch regungslos auf der Schwelle. War dieses Puppenspiel des Kindes nicht ein getreues Bild der Scene, die sich vorhin im Speisezimmer abgespielt. Aber... Das Weitere? War auch das Wahrheit? Ward Marcellas anscheinend so kaltes Herz dennoch weich, sobald er fort war? Warum aber fand er sie dann bei seiner Rückkehr stets mit derselben kalten Miene und abweisenden Haltung? Auch auf diese Frage gab Dita ihm Antwort. Nun ist es spät geworden," fuhr sie in ihrem Spiel fort. Mama kommt zurück Sie weint nicht mehr, sie hat Angst, daß Papa es sieht, weil er sie dann gewiß schelten würde. Und nun sind sie böse. Papa und Mama, und küssen sich nicht mehr. . . ." Hör'. Tato. hör, Lily." wandte sie sich an die beiden großen Puppen, die mittlerweile wieder zum Vorschein gekommen, Ihr müßt nicht länger böse sein Dita will es nicht Ihr müßt Euch wieder vertragen; ja?..." Pierre hatte genug gehört. Schnellen Schrittes eilte er durch den Salon und öffnete die Thür von MarcellaS Zimmer. Dort saß sie. das thränenfeuchte Gesicht in den Händen verborgen. Bei seinem Eintritt fuhr sie jäh empor und versuchte hastig, die Thränenspuren zu trocknen. Allein er hatte dieselben bereits bemerkt. Marcella." sagte er leise. Doch plötzlich wandelt s'ch de? Ausdruck ihrer Züge zu ei,'ger Starrh:it. Ihr Stolz, ihr Trotz gestatteten es nicht, Pierre ihr Herzeleid merzen zu lassen. Marcella." wiederholte er dessenungeachtet in sanftem, weichem Ton, komm mit mir " Er war zu ihr getreten, hatte ihre Hand erfaßt und zog sie mit sich. Aber leise, damit wir kein Geräusch machen." flüsterte er. An der ?hür des Speisezimmers hemmte er den Schritt. Drinnen setzte Dita ihr Spiel fort. Ihre beiden großen Puppen waren in einem neuen Streit begriffen, der denselben Verlauf wie der erste nahm. Stumm, mit fieberisch klopfendem Herzen lauschte das Elternpaar. Als die Kleine dann verstummte, schauten sie einander tiefbewegt in die Augen, ihre Hände fanden sich in innigem Druck. Welche Lehre hatten sie Beide empfangen! Marcella . . . flüsterte Pierre. Lieber Papa Und unter hervorstürzenden Tbränen barg die junge Frau den Kopf an des Gatten Brust. Es ist also wahr, mein Lieb, sobald ich fort war, hast Tu stets geweint . . . ? T, warum hast Du mir keinen Einblick in Dein Herz gegönnt, mich nicht ahnen lassen, daß Du unter unserer Entfremdung gelitten . . . . ? Nun hielt ich Dich für gleichgiltig und kaltherzig und grollte Dir diescrhalb." Ich grollte mir selbst, aber c'et&it )lus fort quo moi. Ich glaubte es meiner Frauenwürde schuldig zu sein, mein Leid nicht zu verrathen, nicht den ersten entgegenkammenden Schritt zu thun. Nun. das Unrecht war wohl auf beiden Seiten, das hat Dita uns bewiesen. Aber jene garstigen Scenen sollen keine erneute Auflage erfahren, nicht wahr, meine Marcella? Wir dürfen unserm kleinen Liebling keinen Kummer bereiten Nein, nein! Ich selbst bin dadurch zu hart gestraft worden. Und nun Du alles weißt, mein Pierre, will ich mich fortan nicht mehr von meinem Trotz, sondern einzig von der Stimme des Herzens leitet lassen." Und zur Besegelung ihres Gelöbnisses schlössen die Gatten einander in die Arme und tauschten einen langem, innigen Kuß.

Neues Wort. A.i ..Was ist Ihnen heute Gutes passirt? Sie schen ja so vergnügt aus. B. (der seine Schmirgermutter beerdigt hat): Ha!rt alle Ursache, bin heute ent schwiegermutiert."

Tie Schleppe.

Won jeher haben sich einsichtsvolle Leute, als Weltweise. Dichter. MoralPrediger, und die hohe Obrigkeit auf allerhand erdenkliche Weise um ihre Beseitigung bemüht, jedoch vergebens, denn obgleich dieser weibliche Modegünstling zeitweise durch die allmächtige Mode selbst verbannt wurde, so tauchte er nach kurzer Vergessenheit von Neuem auf. das betreffende Dichterwort bestätigend: Dr Mohr bleibt schwarz, der Thor bleibt dumm. Das ist sein Privilegium." Was nun das Alter der verpönten Kleiverschleppe anbelangt, so könnte man ohne Gefahr auf die ..klassische Ani'.ke" zurückgehen, denn sckon ioketle Griechinnen trugen Obergewänder, welche nachschleifend gleichsam die eigene Fußspur verwischten, und verheirathete Römerdamen zogen nicht nur eine mit breiten Purpurstreifen verbrämte und mit echten Perlen besetzte Ausladung der bekannten Tunika" hinter sich her, sondern auch der gewöhnliche Umwurf. palla" genannt, war beim Besuche des Theaters einem Schleppkleide ähnlich. Zur Zeit der Kreuzzüge, als der weibliche Rock besonders stoffreich herabfiel und die Füße umrauschte mit einer Schleppe, durchdrungen mit Gold" und kunstvoll gefaltet, scheint gleichsam das nur ab und zu unterbrochene Regiment dieser sehr bald verhaßten Modethorheit" begonnen zu haben. Natürlich gehörte damals die Schleppe nur zur Festtrackt vornehmer Leute und bestand meist aus Scharlach oder rother Seide. Während oben die höfischen" Kleider eine athembeschroerende Engz aufweisen, waren sie unten ungeheuer weit, lang nachrauscbnd. den wirbelnden Staub." o erhoben sich denn auch schon am Ende des 12. Jahrhunderts die feindlichen Stimmen gegen das übermäßig ausladende Swänzelein" des weiblicoen Gewandes. Meister Jakobus sagt, ein gewisser Heiliger habe den Teufel lachen sehen, und als er ihn gefragt habe, warum er lache, habe derselbe geantwortet, daß eine Dame, als sie zur Kirche ging, auf ihrer Schleppe einen seiner Genossen mitschleifte, und als sie um eine schmutzige Stelle zu überschreiten das Kleid aufgehoben, fei der Teufel in den Schmutz gefallen." Trotzdem eroberte sich die Sckileppe ! ein immer größeres Gebiet und stieg von den adeligen Geschlechtern sogar zu groß- und kleinburgerlicren Leuten herab. Sollen doch bereits anno 1220 die Mädercher" der Stadt Mainz einen langen Schlepp" mit sich berumgezogen haben, und sofort wurde auch die sittliche Entrüstung gegen sie laut. Dock selbst satyrische Waffen prallten wirkungslos an jenem Eostümwuchs ab, sogar die öffentliche Stellungnahme der Kirche gegen ihn. im Jahre 1240, vermochte kein besseres Resultat zu erzielen. Schillers bekannte Jsabeau". die prunksüchtige Jsabella von Banern. Gemahlin Karls VI. von Frankreich (13801422). hatte ganz besonders lange Schleppen zufzuweisen. so daß sie sich ohne den zum Transportiren derselbe?, nöthigen Pagen" gar nicht fortzube.vegen vermochte. Ein kleines Gemälde jener Tage zeigt eine vornehme Dame, deren lange Ueberkleid von unten auf gleichsam in zwei Theile gespalten ist; die vordere Hälfte trägt sie selbst auf dem linken Arm. während ein besonderer Diener die andere Partie emporhebt. Es scheinen dann später jedenfalls fürstliche Damen die zu allgemein gewordene Schleppe zeitweise verbannt ! zu haben, denn geistliche Sittenrichter schildern dieses beliebte Modeungeheuer schon als eine arge Erfindung des Satans." Indeß, zwischen 1550 und 1000 brachte spanische Tracht die fließende Scbleppe in Deutschland wieder zur Geltung. Bei ihrer Krönung als Gemablin Karls IX. von Frankreich hatte z. B. Elisabeth von Oesterreich (1550) ein Schlevvenkleid an. das 20 Ellen lang nachschleifte, während ihre Gefolgsdamen nur fünf bis sieben Ellen binter sich den Weg mit ibrem Kleiderschwanze bedeckten. Ja. bei der Bestattung der Leiche Heinrichs II. (um's Jahr 1559) folgte dessen Sohn Franz II. dem Sarge in einem langen, viotetten Kleide von 30 Ellen Stoffausladung und drei schleppenartigen Ansätzen, die insgesammt von fürstlichen Personen nachgetragen wurden. Noch zur Glanzzeit Napoleons I. verliehen clAe Damen des französischen Kaiserbofes ihren griechisckn Gemändern gern das prunkende Schleppenzubehör. bis nach und nach die runden Rooen überHand nahmen. Jetzt spielt die harmlose, mittelmäßig lange Schleppe nur noch bei feierlichen GeGelegenheiten eine gewisse Rolle. Zerstreut. Postbeamter (zum Professor, der einen Brief auf giebt): Auf diesem Briefe fehlt die Adresse!" Professor: ..Hm. hm. sollte ich sie auf dem Wege hierher verkoren baben?" Bescheiden. Onkel: Nun Kinder, was wünscht Ibr Euch denn dieses Jahr zum Ebristkindl Der kleine Neffe: Die Mama hat gesagt, wir dürfen um nichts bitten. das wäre unbescheiden. Wenn Tu aber gar keine Ruhe gäbst, hat sie sie gesagt, dann darf ich mir eine goldene Uhr. der Hans ein Belociped und die Fanny einen Pelzmantel wünschen!" E i n H i e b. Sie: Du strickst nnmer von den vier Jahren unserer Ebe ... es sind doch heute erst :,7oei?" Er: Aber. Bertha. weißt Du denn nickt daß Kriegsjahre doppelt zäh len?"

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