Indiana Tribüne, Volume 24, Number 264, Indianapolis, Marion County, 11 June 1901 — Page 7

Jndtana Tribune, 11. Juni JiHH.

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Weltmacht.

Roman von M. L t a hl. (Fortsetzung) S7. Capitel. Am folgenden Tage in früher NachMittagsstunde hielt ein städtischer , Miethswagen vor der Thür des S&rn ernhauses auf dem Waldhofe, dem ein Herr und eine Tame entstiegen. Mit klopfendem Herzen stand Wulfhild hinter dem Fenstervorhang ihres Stüdchens verborgen und spähte hinab. um einen Eindruck der Gaste zu gewinnen, ehe s zur Begrüßung hinunterging. Nein, das war kein protzenhafter Parvenü, der da unten Rderich herzlich die Hand schüttelte, wie ste im Stillen gehofft hatte! Es war auch kein Schimmer vom internationalen Weltbummlei und ga? kein Nachäffung vom anglo - amerikanischen Wesen an ihm! Es woi derselbe Mann, der einst mit ihr getollt, gelacht, schwärmt hatte eine kurze, selige Zeit der ihr freies, unbesteZtes Herz zur Liebe und sie in seine Arme gezwungen, zu jenem einen, süßen, schmachvollen &u! Derselbe! Und doch wie herausgeWachsen aus sich, so viel mehr Mann, in des Wortes höchster Bedeutung! Und das war sein Weib? Rvderich hob sie eben aus dem Wagen. -ri reizendes Geschöpf! Zierlich, geschmeidige Grazie in jeder Bewegung, ein pikantes, holdes Gesicht von amerikanischem Typus, gekleidet wie eine Pariserin vom feinsten Geschmack! Wulfhild hatte ihr Haupt noch nie so hoch getragen, noch nie so sehr das Freifräulein von Dellmenhorst mit einem der ältesten Stammbäume im LcmÄe markirt. wie in dem Augenblicke der Begrüßung mit Frau Nellie Rcmschnik. Man konnte sich kaum zwei größere Gegensätze denken, als diese beiden Frauengestalten, die sich gegenseitig mit vQllende:er Höflichkeit und mit jener instinktiven, heimlichen Feindseligkeit begrüßten, die stets beim ersten Blick wie ein Verhängniß gefühlt wird. Wulfhild überragte Frau Rauschmgk fast um Haupteslänge, und trotz der schwellenden, blühenden Pracht ihrer Jugendfülle hatte ihre Erscheinung etwas Herbes neben der weichen Ueppigkeit der Amerikanerin. Mit dem ganzen Aufgebot ihrer raffinirten Eleganz konnte die Fremde sie nicht in ihrem schlichten, weißen Frühlingskleid mit dem einzigen Schmuck ihres Herrlichen Blondhaares verdunkeln. Es trat sogar der umgekehrte Fall ein, Wulfhilds lichte, hehre Erscheinung drückte di? eleqante Ausländerin zu Boden. Nellie Rauschnigk fühlte das mit dem Feingefühl, das alle eitlen Frauen in dieser Beziehung besitzen. Sie war jedoch mit dem Bewußtsein unendlicher Ueberlegenheit und mit maßloser Geringschätzung für das Deutfchthum im Allgemeinen und für die verarmte Familie vom Dorfe ganz speciell gekommen. Die ileberraschung, hier eine durchaus ebenbürtige Rivalin zu finden, wirkte daher sehr ungünstig auf ihre Stimmung. Dietrich Rauschnigk stutzte, als er Wulfhilds zuerst ansichtig wurde. Er hatte in dem großen, nervenanspannenden Arbeitskampfe der vergangenen Jahre ?-!ne Zeit zu Sentimentalitäten übrig gehabt. Selbst die schönste Er. innerung verblaßte allmälig in dem grellen, nüchternen Licht jener Schaff fens - Atmosphäre, in der er lebte. Sein? Augen waren unverwandt auf das eil Ziel gerichtet gewesen, das Großcapital" hieß, er hatte in der fast üdermensch'ichen Anspannung sei' nes Jntellects und seiner Energie sich selbst und alles Andere vergessen. Seine Ehe war nur eine Stufe gewesen auf der Leiter, die zu diesem Ziele führte, und erst heute, erst in diesem Augenblicke, gewann einc todte Erinnerung durch Wulfhilds Anblick Leben. Und so verschieden sind Mann und Weib in ihrem Empfindungsleben. daß er ohne Vorwurf und nur mit Freude an die frühereu Beziehungen zurückdachte, an jenen einen, heiß empfunden.en Abschiedskuß, den er dem schönen Mädchen gegeben. Er war ganz stolz darauf, als er sie jetzt in herrlichster Entfaltung der damals knospenhaften Schönheit vor sich sah. Mit herzlichem, ganz unbefangenem Händedruck begegnete er Wulfhild und diese Unbefangenheit verrieth dem jungen Mädchen Alles. Sie fühlte sofort daß sie eine angenehme Erinnerung für ihn sei, und das machte sie gan: kühl und ruhig. Sie haßte in diesem Augenblicke nur sich selbst für den Aufwand an Gefühl, den sie an ihn verschwendet. Es blieb ein Trost für sie. daß sie vorgestern den Prinzen im Walde gcküßt. Wie unsäglich albern wäre sie sich vorgekommen, wenn sie diesem Manne bis zur Stunde die Treue gehalten hatte! Alle diese Empfindungen zogen nur blitzartig durch Beider Seelen; in dem Tumult des Wiedersehens und der Begrüßung blieb keine Zeit, seinen privaten Gedanken nachzuhängen. Herr und Frau von Dellmenhorst begrüßten Rauschnigk fast wie einen , heimgekehrten Sohn und kamen seiner ! Gattin mit der herzlichsten Zuvorkom-

menheit entgegen. lu dem seinen Tact der echten Vornehmheit übersah Frau von Dellmenhorst die kleinen Ungezozenheiten der Ausländerin, die nicht Feingefühl genug besaß, die freiherrliche Familie von ihrer Umgebung zu trennen und die letzlere zu ignoriren. Mit naiver Ungenirtheit fand sie Alles in Deutschland ..schauderhaft", begriff nicht, wie man in solch' einer Kleinstadt wie die herzogliche Residenz überhaupt existiren könne. Sie war sogar tactlos genug, den Waldhos mit einem anrikanischen Landsitz ihres Vaters zu vergleichen und fragte schaudernd, .'b man denn überhaupt ohne Telephon und Elektricität das Leben zu ertragen im Stande sei. Wulfhild besaß nicht die Langmuth ihrer Mutter, sie wandte der DollarPrinzessin bald spöttisch den Rücken, nachdem sie ihr eine scharfe Antwort gegeben. .Wir legen mehr Werth auf Herkunft und Erziehung eines Menschen als auf Aeußerlichteiten." sagte sie von oben herab. Und wenn die Amerikaner Deutschland so unerträglich finden. muß man sich sehr wundern, daß es der höchste Ehrgeiz amerikanischer Erbinnen bleibt, irgend einen deutschen Baron. Grafen oder Prinzen zu heirathen!" Frau Nellie besaß nicht Schlagsertigkeit genug, ihr eine entsprechende Antwort zu geben, sie bemerkte nichlssagend: O, meinen Sie?" Man konnte ihr jedoch ansehen, daß sie sich ärgerte. Wulfhild wandte sich dem Männergespräch zu. das sich mit großer Lebhaftigkelt um die Thätigkeit und Erfolge der beiden jungen Männer im Auslande drehte. Der Oberst war seit der Rückkehr seines Sohnes wie ausgetauscht. Die gallige Bitterkeit und nervöse Gereiztheit seines Wesens hatte sich in die beste Laune verwandelt. Mit großer Freimüthigkeit bekannte er stch als völlig besiegt, eingedenk ihrer früheren Meinungsverschiedenheit über den Werth und Unwerth des Großcapitals. Rauschnigk und Roderich waren gute Karneraden geblieben. Sie sprachen jegr mit vielem Vergnügen von ihren gemeinichafllichea Erlebnissen, von den Abenteuern, Gefahren und Widerwärtigkeiten. die sie erlitten, und gaben einige besonders interessante und fchM'.erigeGeschäftLcinplicationen zum Besten. 2 is Interesse, mit dem Wulfhild zubörte, veranlaßte Rauschnigk. sich ausschließlich an sie zu wenden, und er erstaunte über das Verständniß und die schnelle Auffassungsgabe des jungen Mädchens für alle Culturerscheinungen. Denie Dir nur," sagte Roderich mit einem zärtlichen Blick auf seine Schwester zu Rauschnigk, Wulfhild hat sich bier völlig zur Herrin der Situation gemacht und dieses Bauerngut bewirthschaftet wie ein Mann. Was sagst Du dazu?" Das toben Sie gethan mit Ihrer Erziehung und den traditionellen deutschen Borunheilen gegen solche Artxit für Flauen?" fragte Rauschnigk staunend. Wie sind Sie zu dieser großer:, inneren Freiheit gekommen? Ich hätte Sie dessen früher nicht für fähig gb.-.l-ten!" Ich glaube, wir kennen selten alle Fähigkeiten, die in uns liegen," erwider :e Wulfhild. Die Noth ist die beste Lehrmeisterin auf Erden." 5iomm. Dieter." rief Roderich, geh' nur mal mit durch di: Ställe und in den Hof und Garien! Du wirst staunen, was sie aus dieser Bauernwirthschaft zemacht hat! Und wenn man weig, mit wie wenig Mitteln und unter welchen Schwierigkeiten das zu Wege gebracht ist, kann man sie wirtlich für ein organisatorisches Genie halten!" Als die drei jungen Leu von ihrem Rundging durch die Wirthschaft zurückkehrten, hatte sich Rauschnigts Bewunderung für Wulfhild in tiefen Respect verwandelt. Er fand Hof, Garten und angrcnzende Aec!er nicht nur in musterhafter Ordnung, fondern fein Scharfblick erkanntc, d.:fc der höchste Nutzen aus dem Wirthschaftsbetrieb gezsgen war und Set in der einfachsten und praktischsten Weise. Unter den Einrichtungen waren einige geradezu genial zu nennen und zeugten von erfinderischem Jnicllect. z. B. die Bewässerung des Gartens, die Leitung des Getränks in die Futtercanäle des Kuhstalls, der ganze Betrieb desKuhstalls mit seinem streng geregelten Milchverkauf, die Federviehzucht, die Verwerthung von Obst und Gemüse im Garten, und andere Ttails. In allen Dingen gab Wulfhild klaren. streng sachlichen Bescheid, er erkannte mit Bewunderung, wie sie die ganze Wirthscha't mit allen Einzelheiten im Kopfe hatte, wie zweckmäßig Einnahmen und Ausgaben geregelt waren. ..Sie besitzen thatsächlich die bei Frauen so ungeheuer seltenen Eigenschaften: Initiative und Organisationstalent." sagte er mit warmer Anerkennung. und Sie haben das Alles aus sich, ohne dazu erzogen und angeleitet worden zu sein. Im Gegentheil, Ihre frühere Lelsweise und Umgebung hat diese Anlogen in Ihnen unterdrückt und unentwickelt göaffen." Ein Freudensehein der Genugthuung ging Über Wulfhrlvs Gchcht. Heute, wie noch n. kühlt sie. .daß

sie nicht umsonst gearbeitet. Größer j als der materielle Erfolg war der j ideale, der das Wachsthum ihrer ganzen Persönlichkeit bedeutete. Alles, was sie an Demüthigungen l und Entbehrungen in den letzten Iahren gelitten, war in diesem Augenblicke wie ausgelöscht. Eine innere Stimme sagte ihr, daß nichts sie in den Augen

des Mannes an ihrer Seite so hoch stellen konnte, als die Fähigkeiten, die er soeben anerkannt, die Fähigkeit zur Selbsthilfe. Wäre sie m den alten, glänzenden Verhältnissen geblieben, so hätte sie nie diese Kraftprobe ihres Charakters leisten können. Nebenbei hat sie noch Zeit gefunden, ihre Stimme auszubilden und Dramen Zu schreiben," erzählte Roderich, der gar nicht stolz genug auf seine Schwester sein konnte. Aber hilf mir doch mal. Dieter, ihr die Bühnen - Carriere auszureden. Abgesehen von allen Stan-des-und sonstigen Vorurtheilen kannst Du Dir Wulfhild als TheaterPrinzessin vorstellen?" Rauschnigk sah Wulfhild nachdenklich an. Sie standen unker dem alten Nußbäum im Hofe, und eben traten Frau von Dellmenhorst und Nellie unter die Hausthür, um nach ihnen auszuspähen. Ich würde nicht wagen. Ihnen von vornherein den Erfolg abzusprechen," erwiderte Rauschnigk, aber ich glaube. Sie sind zu sehr die reine, gesunde Luft in freier Natur gewöhnt, um die mit so diel unzuträglichen Miasmen künstlich vergiftete Bühnenatmosphäre vertragen zu können. Sie würden krank daf n ran. Nellie trat jetzt zu ihrem Gatten. Ich glaube, es wird Zeit zum Aufbrück, mein Lieber." ,. ch habe keine Eile," erwiderte er gelassen. Du hättest mit uns durch r?? 'Jftii'tm mtft neben fnl!n um an ! v....;)-. j..,... Q sehen, was eine deutsche Frau leisten kann." Nellie nahm mit zierlicher Grazie die seidenen, spitzenbesetzten Röcke zusammen. Ich besitze gar keinen Ehrgeiz, es ihnen gleich zu thun, und Landwirthschaft langweilt mich tödtlich." sagte sie mit amerikanischer Unverfrorenheit. Als der Wagen mit den Gästen vom Hofe gerollt war, athmeten Wulfhild und die Eltern wie von einem Banne befreit auf. Die kleine Amerikanerin hatte das Talent, Kälte und Unbehagen um sich zu verbreiten und ihre Geringschätzung für Alles, was keinen baaren Dollarwerth besaß, in deprimirender Weise zum Ausdruck zu bringen. Die Frau ist charmant," bemerkte der Oberst, aber nur zum Ansehen. Ich möchte sie nicht geschenkt. Gott sei Dank, daß uns Roderich rncht solch eine Ankleidepuppe als Schwiegertochter in's Haus gebracht hat." Roderich war mit Rauschnigks nach der Stadt zurückgefahren, um dort eine Wohnung zu suchen. Lange saß Wulfhild an diesem Abend am Fenster in ihrem Stübchen und hielt Zwiegespräche mit sich und der feuchtweichen Frühiingsnacht. Wieder war eine tiefe Muthlosigkeit über sie gekommen. Leid und Lust des Lebens schienen werthlos. Könnte sie wenigstens einen großen, wahren Schmerz empfinden über die Enttäuschung, aber sie war auf dem besten Wege, den ersten Liebestraum ihrer Seele ebenfalls zu einer netten Erinnerung" zu machen. Es blieb ihr ja nichts Anderes übria. 28. Capitel. T'.e ganze Stadt sprach von dem Heimgetehrten und von den wunderlx:ren Schicksalswechseln der Familie Dellmenhorst. Selbstverständlich übertrieb das Gerücht und ließ die mitgebrachten Millionen der beiden Freunde Rauschnigk und Tellmenhorft zu märchenhaften Summen anwachsen. Rauschnigk hatte vorläufig eine Villa mit Garten und Stallungen im Westen der Stadt für seinen Haushalt gemiethet. Das ganze Anwesen lag rrautzen vor den Thoren, denn es bildete den Beginn zu einer Villencolonie, der bis jetzt ohne Fortsetzung geblieben war. Rauschnigk erklärte jedoch sofort diese Gegend und diese Villa für die einzige anständige Gelegenheit der Stadt zum Wohnen, und mit dem Scharfblick des Geschäftsmannes und Speculanten erkannte er den Mangel eines Villen - Vororts für eine großartige Gelegenheit, seine Millionen zu ixrvielfachen. Nicht weit davon, in der modernsten und vornehmsten Straße der Resi.xnz, miethete Rodcrich seiner Familie eine elegante Etagen - Wohnung, und auch Wulfhild ließ sich überreden, den Waldhof einstweilen bei Hanne und Siebert in Administration zu geben, um mit den Eltern in die TismarckS:raße zu ziehen. Roderich war mit seinem Vater einig geworbn, ihm den Waldhof abzukaufcn, um seiner Schwester das Bauerngut zum Geschenk zu machen. In diesem selbstständigen Besitz sollte sie das Gefühl der Abhängigkeit von ihm verlieren, um den verzweifelten Entschluß zur Bühnenlaufbahn ein für alle Mal aufzugeben. Wie gut sie im Stande war, das Gut selbst zu verwalten, hatte sie zur Genüge bewiesen. Er wollte da? Bauernhaus ausbauen und standesgemäß Errichten lassen.

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mm W i WftftM damit es auch den Ettern einen annehmbaren Sommeraufenthalt bieten konnte, wenn diese das Bedürfniß nach Landluft fühlen sollten. Wulfhild freute sich des Geschenkes von dem geliebten Bruder. Jetzt erst, wo sie den Waldhof verließ, fühlte sie, wie lieb er ihr geworden, wie sie ganz mit ihrer Schöpfung zusammengewachsen war. Wenn das Leben für ste dort nicht mehr Armuth und Entbehrung, wie Deklassirung aus ihrer Gesellschaftssphäre bedeutete, würde es große Reize für sie haben! Sie wollte sich nur besuchsweise bei den Eltern in der Stadt aufhalten und die Sommerwoeben der Erntezeit wieder auf dem Waldhofe zubringen. Es war eine , tröstliche Beruhigung für sie, jederzeit, ! wenn ihr der Boden in der Stadt zu ! beiß wurde, in dies entlegene Dorf flüchten zu können. Mit einem gewissen Bangen begleitete sie die Eltern in die Stadt, denn das beklemmende Vorgefühl einer für sie unausbleiblichen Schicksals - Katastrophe lag ihr in den Nerven. Ihr Verhältniß zu dem Prinzen und seiner Schwester barg Zündstoff genug in sich, um eine bedenkliche Familienkrise herbeizuführen, und eine ; bedrückende Ahnung, die noch nicht zum . klaren Bewußtsein durchgedrungen war. sagte ihr, daß Rauschnigk und seine Gattin ganz die geeigneten Per-, sonen waren, um den Funken in das Pulverfaß zu werfen. Rauschnigk ivar am Tage nach feinem ersten Besuch ohne seine Gattin mit Roderich nach dem Waldhof gekommen. Und dieses Zusammensein gestaltete sich ganz anders wie das erste. Es erinnerte lebhaft an ihren früheren Verkehr. Es war ein sommerwarmer Tag. an dem die weiße Baumblüthe wie Schnee in dcis grüne Gras fiel. Wulfhild mit Gartenhut und großer Schürze grub und pflanzte eigenhändig auf den Blumenbeeten und riß eben mit fester Hand wuchernde Dornwildlinge und Unkraut heraus, wobei sich ihre Wangen im Eifer der Arbeit heiß rötheten, als Rauschnigk den Gartenweg, daherkam. (Fortsetzung folgt.) Auf der A m t s t a f e l des Civillandesgerichtes in Wien ist eine Bekanntmachung veröffentlicht, derzufolge Frau Marie Pavani, geborene Mayer, Waligasse No. 7 in Mariahilf wohnhaft gewesen, wie es wörtlich in dem Edikt beißt, eine Frau von auffallender Schönheit, seit 1870 spurlos verschwunden ist. Die Bekanntmachung besagt weiters. daß Frau Pavani unter Zurücklassung ihrer vier kleinen Kinder und ihres Färbereigeschäftes mit einem Agenten, dessen Name nicht bekannt ist, durchgegangen ist. Einige Jahre später erhielten ihre Schwestern, welchen dieFlüchtige 2000 Gulden schulde, aus Urfahr ohne jedes Begleitschreiben 10 Gulden zugesendet; seither ließ sie jedoch nichts von sich hören. Es wurde nun, da seit ihrem Verschwinden dreißig Jahre verga?.gen sind, von ihren Verwandten um die Todeserklärung der Verschöllenen angesucht. Das Edict schließt mit der Aufforderung an Marie Pavani, bis längstens 1. December dieses Iahrs sich beimEivillandesgericht zu melden. ..oder in anderer Weife von ihrem Leben Kenntniß zu geben", widrigenfalls mit der Todeserklärung oorgeeiQT.ZiZ. wtTv'cN wirb. z,?y U. glore. George WHwQWf' Idolph Veidenftickee. Florea & SelüanstECker, Morsten M Nota 1$ m hlmtt Telephon 1772. ?ar Gelder auf hypothekarische Gkchr, drik 8 verleiben. Theodore F. Smither grctuSter unö zuverlässige? Dachdecker, Lech- und Kicsdächer, Tächer von Asphalt uud Gilsonit. Engros-dändler in allen Arten vonTach' Materialien. Telephon M. 301 West Maryland Ttratze. üdwestl. ESr von Senate Arc. nd Meryland EN.

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