Indiana Tribüne, Volume 24, Number 262, Indianapolis, Marion County, 9 June 1901 — Page 2
Jndtana Tribüne, Sonntag, 9. Juni 1901.
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Meine Aeltefte".
Von M. Go)in. I. In einem Eoupe lxs Schnellzuges. der von Hamburg nach dem Rhein, von dort nxiter nach Paris fährt, saßen im Htrbst des vorigen Jahres zwei Passagiere schon seit einer Reih von Stunden sich gegenüber. Der Zug war an diesem ag: schwach besetzt, die beiden diletn, von Bremen aus. ohne weitere Reisegesellschaft. Solche Gelegenheit, einander kennen zu lernen, war nicht unbenutzt geblieben; der Ton des Gespräches verrieth sogar eine gewisse Vertraulichkeit. Eben j:tzt entnahm der junge Mann, der rückwärts saß. seiner gediegenen Brieftasche eine Photographie und reichte sie der ihm gegenüber sitzenden Dame, indem er etwas bewegt sagte: Sehen Sie. das ist meine Mutter!" Seine treuherzigen Augen folgten dem kleinen Bildniß. Er hatte starkes. dunkelblondes Haar, eine freie Stirn, ein dunklerer, leichter Schnurrbart verbarg nicht den blühenden Mund. Seine aus den besten Stoffen gute gearbeitete Kleidung sah etwas nachlässig, ein Krawattenzipfel, der sich rückwärts aus dem Kragen stahl, verrieth Gleichmütigkeit gegen den Spiegel. Sie gleichen ihr sagte die in den sogenannten besten Jahren stehende behäbige Dame, indem sie' ihr lebendigen Augen zwischen ihm und dem Bilde hin und her schweifen ließ. Wie freundlich sie aussieht und wie klug dabei. Daß wir uns gleichen, sagt jeder," entgegnete er; nur war sie weit klüger als ich! Seit ich sie nicht mehr habe, fehlt es an allen Ecken und Enden. Ganz verloren find' ich mich in unsem Hause mit den vielen leeren Zimmern. so ÖV und einsam, wie sich's gar nicht sagen läßt." Warum heirathen Sie nicht? Eine junge Frau bringt Leben genug in's Haus!" Den Rath hat mir schon mancher gegeben, ich selbst nicht zum letzten. Wo aber eine Frau hernehmen, die für mich paßt? Wissen Sie. alle diese jungen Mädchen von heutzutage sind mir zu prächtig! Und wie kommt man dazu, sie auch nur kennen zu lernen? Auf der Straße oder in Gesellschaften, deren ich wenige besuche, ist mir noch keine begegnet, der ich zugetraut hätte, daß ihr ein stilles Leben gefiele, so wie ich's daheim immer gewohnt war. Man müßte sie in ihrem Hause sehen das ist aber nicht so leicht. Unsere paar alten Hausfreunde haben zufällig keine Töcbter. und lant man sich bei fremden Familien einführen, so wittert lle Welt gleich den Freier. Das paßt mir nicht." Die Dame schwieg und saß eine gute Mile nachdenklich in ihrer Ecke. Auf 'ihrem frischfarbigen, gescheiten Gesicht Dritten sich allerlei Geister der Ernstbaftiakeit wie des Humors. Die im
Schooße ruhenden rundlichen Hände j ielte, die Leichtigkeit, womit sie die undrehten sich lebhaft umeinander, ihre ! geduldigen Pferde zum Stehen beFußspitze klopfte auf und ab, ohne daß schwichtigte, gefielen Holst ebenso, wie sie es merkte. Nach einer geraumen j ihre offene Weise, zu sprechen, zu bePause hob sie mit einem Ruck den richten, zu hören während der Fahrt. Kopf, beugte sich etwas vor, sah ihrem Der Wagen fuhr landeinwärts einem Gegenüber gerade in die Augen und stattlichen Gehöfte zu. dessen solides
fragte resolut: .Wie fornme ich Ihnen vor?" Der juirge Mann sah sie erstaunt an und wieberholte unsicher: Wie Sie mir vorÄmmen, gnädige Frau?" Jaja. ganz wörtlich! Wir sind nun so und je viele Stunden miteinander gefahren, haben uns so und so vieles erzählt, Namen getauscht und so weiter da bekommt man doch einen Begriff von einander. Sie z. B. kommen mir als durch and durch braver, .zuverlässiger Mensch vor. Jetzt möcht' "ch auch wissen, tva Sie von mir halten?" Nun. gnädige Frau." sagte er ganz ernsthaft, würde ich wohl von meinen persönlichen Verhältnissen, von meinen Ansichten so freimüthig zu Ihnen gesprachen haben, wenn Sie mir nicht das größte Vertrauen eingeflößt hätten durch Ihre darf ich es sagen? durch Ihre mütterliche Art, Ihre antheilsvolle Güte?" .Dann also heraus!" entgegnete sie
frisch. Erscheint Ihnen, was ich vor- stellte vor. und trat in's Haus. Lotte schlagen möchte, vielleicht wunderlich. ' verschwand, um ein-n Blick in das stets so werden Sie mich doch wenigstens bereite Fremdenzimmer zu werfen, wonicht falsch taxiren. Daß ich Wittwe , hin der Gast sehr bald geführt wurde, bin und mein Mann mir ein schönes um es sich bequem zu machen. Weingut hinterlassen hat, wissen Sie Um 8 Uhr sah die ganze Hausgeschon; auch, daß ich drei Töchter habe, meinde um den sorgfältig gedeckten Seben Sie sich diese Mädchen einmal und' bedienten Eßtisch. Ein Athem
an. Wir neuen vor oer mnmic, icu lade Sie ein. als Hausgast bei mir einzukehren. Sie haben ja noch acht bis vierzehn Tage freie Zeit. Den Mädels werde ich sagen. Sie seien mir empfohlen, das sind Sie auch durch Tibtt beiden ehrlichen Augen. Sie tmn n - . I cm.!(.f. - km da die Sieleaenbeit. ZU sehen. tvie Tochter eines guten bürgerlichen Dauses sich dcheim betragen. Von ralitt und Schönthuerei wissen alle drei nichts. Mich däucht, meine Aelteft könnte für Sie vassen: sie ist ein
großes frisches Mädel, wirthlich und j von seinem besonderen Gesichtspunkte allerzeit guter Dinge. Therese. die ; aus. interessant. Sie schienen ihm zweite, ist em bischen still, nicht dazu j sehr von einander verschieden. Die angethan, ein Haus viel aufzumun- stille Therese. mit ihrem hellen Gesicht, tan, auch glaub' ich, sie hat schon so ! dem röthlichen. schweren Haar, den vaö im Kopf. Unsere Kleine ist noch schön geschweiften Kippen, stand den ein halbes Kind, erst seit Ostern aus lebhafteren Schwestern an Reiz nicht lrn Institut der englischen Fräulein n7ch. Sie sprach in der That nicht heimgekommen, ein rechter Sausewind, viel, verstand aber in einer Weise zuzufcen man am Schlafittchen erwischen hören, als sei sie an allem, was beuh. bis sie stand hält, was Ordent- rührt wurde, ganz wesentlich betheiligt. Kches zu thun Natürlich haben Uebrigens ließ auch Traud, die Jüng Mlle drei ihre Schulen durchgemacht, ste. ihr Glockenstimmchen wenig hören. MV nicht dumm, auch nicht ungeschickt, Dem Gaste blieb ungewiß, ob seine abrc doch keine Stadtdämchen von der j fremde Gegenwart sie etwas einschüchSorte, die Sie fürchten macht. An ! tere. Das tief brünette, lebenswarme Freiern fehlt es nicht, die Kinder wer- 1 Gesicht mit den nußbraunen, großen den auch nicht ohne Pfennig aus dem 'Augen war beweglich genug in stets ?lflllf ftthtn iUar kl2ttlAJH Wm rty 1 j n a m 0s 1 1 ?. X l" rt
Vuuil bv7v" auu yciucc uiviuiijvii , rgenH Wenn Sie sagen. 1er hält über junge Fräu's zu erfahren, so gilt das
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noch viel mehr bei ßuch jungen Leuten. Die Kinder haben keinen Vater mehr, da muß die Mutter dop pelt bedacht sein. Sie gefallen mir, Herr Holst, und wenn Sie einschlagen, bleibt mir alle Freiheit, mich nach Ihnen zu erkundigen. Gegenseitige volle Freiheit ist überhaupt selbstverständlich. Ueberlegen Sie sich jetzt die Sache; wir sind nicht mehr weit von Köln, dort wartet mein Wägelchen auf der Bahn. Reisen Sie weiter, so geben wir uns die Hand als gute Freunde und sagen Ade." Während sie in einem Zuge so hinsprach, hatte Fritz Holst's Gesicht sich langsam tiefer gefärbt. Seine klaren Augen verließen die Sprechende nicht; indem er zuhörte, ohne eine Bewegung zu machen, trat ein neuer Ausdruck in sein sympathisches Gesicht, etwas Be stimmte,, verständlich Nachdenkliches. Seine Gönnerin lehnte sich, nachdem sie ausgesprochen, ganz gelassen in ihre Ecke zurück und begegnete zuweilen sei nem forschenden Blick, ohne die gering ste Ungeduld über sein andauerndes Schweigen zu verrathen. Ein langanhaltender Pfiff kündete die Nähe eineS größeren Haltepunktes. Der Zug fuhr in die Halle des Kölner Bahnhofes ein. Ein leises Lächeln glitt über Fritz Holst's volle Lippen. Er streckte seiner Reisegefährtin seine Rechte entgegen und sagte heiter: Sehr dankbar nehme ich Ihre freundliche Einladung an, gnädige Frau. Ich habe schon immer gewünscht, eine Weinlese zu sehen!" Beide lachten ein wenig. Sie dürfen mich daheim aber nicht gnädige Frau tituliren." wehrte Frau Weber ab. wir vom Rhein hören uns lieber bei Namen rufen." II. Der Zug hielt. Aus dem Menschengewimmel, das den Perron füllte, löste sich eine schlanke Gestalt, kam schnell und sicher auf das Paar zu und begrüßte freudig die heimgekehrt Mutter, ohne des jungen Mannes zu achten, der das Hauptgepäck aus dem Waggon nahm und dann stehen blieb, bis Frau Weber sagte: Ich bring' uns einen Hausgast mit, Lotte. Herr Fabrikbesitzer Holst aus Linden meine Aelteste!" Seien Sie willkommen," sagte das junge Mädchen ohne jedes Erstaunen und bot dem Fremdling die Hand. Diesem selbst erschien es merkwürdig, daß er sich ebenso unbefangen fühlte. Während er Mutter und Tochter
folgte, die einem leichten, mit kräftigen Braunen bespannten Wagen zuschritten. denen Kutscher mit den Gepäck- ! scheinen entsandt wurde, betrachtete er die ihm Zugedachte ungestört. Sie mochte etwa 22 Jahre zählen; ihre elastische, voll entwickelte Gestalt, reickes, dunkles Haar, die lebendigen Augen der Mutter, frische Farben ließen sie dos Prädikat eines ungewöhnlich hübschen Mädchens verdienen. Die Sicherheit, womit sie ihre Mutter und deren Kleingepäck bequem einschachWohnhaus m seiner freundlichen Farbung entsprechend wirkte. Es dämmerte bereits. Noch war der Wagenschlag nicht geöffnet, als die Hausthür zurückflog, ein leichtes Figürchen herausglitt und auf den Wagentritt sprang. Ueber den Arm des jungen Wesens hing ein Ende grünen Laubgewindes, das wohl eben hatte befestigt werden sollen. Der freudige Mädchenkopf einer Achtzehnjährigen, deren Lebenstage bisher im mer in der Sonne gestanden hatten, neigte sich mit halb geöffneten Lippen der Mutter zu. entdeckte im gleichen Moment den Dritten im Wagen, und öffnete seine Augen weit, wie die eines überraschten Kindes. Sofort sprangen ihre Füße zu Boden, und sie verschwand, ohne Laut, wie ein zerstiebtes Schneeflöckchen. Frau Weber lachte. Inzwischen war die dritte Tochter in Begleitung des Dienstmädchens zum Vorschein gekommen. Man stieg aus. beqrüßte sich. behaglichen Wohlseins durchwehte den Raum. Holst hatte sich lange nicht so als ein voller Mensch gefühlt, wie hier. So natürlich, so einträchtig erschien jedes getauschte Wort, jede Regung. Obne den Gast zu vernachlässigen. wurden häusliche Angelegenheiten zur Sprache bracht ; als deren MtttelPunkt erschien die nahe Lese, wozu während der Mutter Abwesenheit alle j Vorbereitungen getroffen waren Die drei Schwestern im Stillen ziz veraleicken. war für Holst, nicht nur iuiuy 1 1 1 n iuu uu:viuu. Spät Abends, als die Schwestern Ruhe gegangen waren und das gelöscht hatten, wurden im Ma
crnzimmcr Neugier und Kritik laut. Lotte und Therese gaben dem von der Mutter Mitgebrachten gtte Censuren: sympathisch ein netter Mensch recht unterhaltlich und kein Geck. Bei diesem letzten Lobe, das sich um ein am Rhein vieldeutiges Wort knüpfte, kam ein halbunterdrücktes Lachen zu Gehör. Die Trubel hat natürlich wieder was auszusetzen." meinte Therese halb schläfrig. Ich. o gar nichts! im Gegentheil! es war so spaßhaft zuzuschauen, wie der hellgraue Zipfel an seinem Halse immer hin und her hüpfte, so oft er den opf drehte. Mein kleiner Finger sprang jedesmal mit!" Kindskopf! Schlaf lieber. Du denkst blos an Narrnei." Die folgenden Tage waren erfüllt von Geschäftigkeiten. Holst sah. wie sehr Lotte die Seele des Hauses, die rechte Han ihrer Mutter bedeutete, der ihre Aelteste ganz nach ihrem Sinne gerathen war. Das große Geschäft der Jahreszeit erforderte vielerlei Mitthätigkeit der Frauen, Gäste fanden sich an den Haupttagen der Lese in großer Zahl ein aus der Nachbarschaft, wie aus der Stadt. Vom Morgen biK zum Abend nahm das Bewirthen kein Ende, was Holst komisch genug erschien, während er doch an der Herzlichkeit und Natürlichkeit, womit Geladene und Ungeladene aufgenommen wurden, seine Freude hatte, und nicht übersah, wie hoch seine Gastgeberin bei allen in Ehren stand. Auch Frau Webers Wort, daß es an Freiern nicht fehle, wurde ihm durch eigene Veobachtung bestätigt. Die Mädchen waren sehr umgeben, was namentlich für Lotte galt. Den Bevorzugten der Stillen herauszufinden, war nicht schwer; die Aelteste aber schien in ihrer frischen Weise mit jedem gleich gut zu stehen; sie zeichnete Niemand aus, auch nicht den Hausgast, der sich viel zu ihr hielt, unoich täglich sagte, daß er noch keinem Madchen begegnet sei, mit dem sich gleich angenehm und leicht verkehren ließ. Für Therese ward er zum stets bereiten Helfer. Nachdem aller Trubel und Jubel der Lesetage verklungen war, blieb nur Holst noch auf dem Gehöfte zurück, wobei sich ergab, daß er mit praktischer Hand und aufmerksamen Augen überall mit eingetreten war, wo sich dazu Gelegenheit bot. Jeder Hausgenosse rühmte seine Umsicht und Gefälligkeit, auch das Gesinde hatte ihn, wie Frau Weber es nannte, in Affektion" genommen. Selbst die Thiere zeigten sich ihm geneigt. Nur Traud hatte, zum wirklichen Aerger ihrer Schwestern. beständig etwas an ihm auszusetzen, nahm sich wohl gar heraus, ihm in's Gesicht allerlei an seinem Thun und Lassen zu bemängeln, und war immer die erste, vom Tisch oder aus dem Garten zu laufen, wenn alle gemüthlich zusammensaßen. Die Schwestern schalten ste. die Mutter nannte sie verdreht, es half nichts, sie blieb, wie sie war. . . Fritz Holst's Zeit war um; er hatte sie ausgedehnt bis zur letzten Frist. Morgen sollte er reisen. Mit nicht geringer Spannung erwartete Frau Weber in jeder Stunde der letzten paar Tage seine Aussprache, seinen Antrag. Daß ein solcher nicht ausbleiben könne, stand ihr außer Zweifel, sonst würde er nicht bis zum letzten Moment geblieben sein. Auch daß es sich nur um ihre Aelteste handeln könne, schien ihr sicher, obgleich nicht zu leugnen war. daß er sich oft und gern an Therese geschlossen, ihr bei ihrer Thätigkeit geholfen, sie wohlgefällig angesehen hatte. Was die beiden Mädchen selbst dachten, dar über war die Mutter keineswegs sicher: noch war ja auch Therese frei. Das Bewußtsein eigener Hinterlist, womit sie den etwaigen Freier in's Haus geschmuggelt, hatte sie ängstlich vor der leisesten Neckerei zurückgehalten, um nur ja an nichts zu rühren. So behaglich ihr Naturell wai. spürte sie doch eine beschleunigte Herzthätigkeit, als Holst am Tage vor seiner Abreise nach dem Familienfrühstück im Zimmer zurückblieb nd. sobald die Töch1er ihren Morgengeschäften nachgegangen waren, seinen Stuhl dicht zu dem ihren rückte. Trotz dieser persönlichen Nähe vergingen Minuten, ohne daß der junge Mann ein Wort laut werden ließ. Sie blickte endlich von ihrer Strickarbeit auf und sah ihn an. Fritz Holst saß da mit lebhaft geröthetem Angesicht offenbar in einem Zustande schwer überwindbarer Verlegenheit. Da fuhr ein plötzlicher Schreck durch Frau Webers Gemüth. Wenn er am Ende doch nicht das wäre eine dumme Geschichte für alle Beide! Und zugleich wurde ihr bewußt, wi? sehr sie wünschte, diesen lieben Menschen, über dessen Ruf und Verhältnisse sie erfreulichste Auskunft gewonnen hatte. Sohn nennen zu dürfen. Ihre resolute Natur war aber nicht dazu angethan, irgend welche Entscheidung zu fürchten. Sie ließ ihre Arbeit auf den Schooß fallen, legte die Hände einander, blickte Holst freundlich an und sagte ermiithigend: Nun?Jetzt stieg ihm die Blutwelle bis unt?r die Haare. Tann schien auch er sich einen innerlichen Stoß zu geben, that einen tiefen Athemzug und sagte tapfer: ..Liebe Frau Weber, mein Glück liegt in Ihrer Hand! Glauben Sie mir. Ihre Tochter anvertrauen zu dü: fen?" ..Lieber Herr Holst, meine Aelteste wird Sie kam nicht weiter. Fritz stand schon auf den Füßen, ganz dicht vor ihr. erfaßte ihre beiden Hände und stieß schnell hervor: Ich spreche von Ihrer - Jüngsten !" Hätte sich das Haus umgedreht, und hätte es plötzlich mit der Giebelspitze auf der Erde gestanden, so hätte der
Mutter Verblüfftheut nicht grenzenloser sem können. .
'Die Trubel? Das Kind?" brachte sie rathlos hervor. Aber Ihr habt ja nie was mit einander geredet!" Doch, wir haben schon mit einander geredet, liebe Mama, und ich weiß. Traud sagt nicht Nein, wenn Sie frau gen. ..Aber Herr Du meine Güte, sie ist ja wie ein Neugeborenes, kann nichts, weiß nichts, und das soll eine Hausfrau vorstellen?Man ist ja jung, um zu lernen." meinte Holst fröhlich. Ich selber weiß und versteh' auch nicht viel andeces. als was meines Fabrikamtes ist. da machen wir zwei unsere kleinen Fehler mit einander, bis wir's besser können . . . Sagen Sie ja, liebe, beste Frau Weber! Wenn ein paar junge Menschen sich lieb haben und des täglichen Brodes sicher sind, giebt auch der liebe Gott seinen Segen dazu." Die Mutter stand unschlüssig; halb unoewußt murmelte sie: Was wird meine Aelteste sagen!" Fritz lachte nur leise. Sie weiß es schon!"
Vom ugen der Kinder. Rom M. Kogak. Lügenhaftigkeit ist, sofern nicht eine krankhafte Disposition vorliegt, keine Eigenschaft, die uns angeboren wirb, sondern lediglich eine sekundäre, die sich unter allerhand Einflüssen aus bestimmten Anlagen heraus entwickelt. Wie oft giebt nicht z. B. eine allzu lebhafte Einbildungskraft den ersten Anstoß zum Lügen! Die Kinder haben irgend etwas gesehen, was in hohem Grade ihr Interesse erregt hat, und noch ganz erfüllt davon, erzählen sie es ihren Angehörigen, wobei sie sich bemühen, ihrenEindruck recht anschaulich wiederzugeben. Damit ihnen dies gelingt, übertreiben sie unwillkürlich diejenigen Punkte, die ihnen am erstaunlichsten erschienen sind, und zwar oft bis über die Grenzen des Möglichen hinaus. Ein Hund, dessen Größe ihnen auffiel, wächst zu einem Ungeheuer von den Dimensionen eines Pferdes, aus einem ein paar Sätze sprechenden Papagei wird einer, mit dem sie sich lange über alle erdenklichen Fragen unterhalten haben. Es wäre jedoch ungerecht, in solchen Fällen bereits von einem Lügen zu sprechen, da das Kind, dessen Phantasie sich an den eigenen Erzählungen berauscht, gar nicht das Bewußtsein hat, etwas Unwahres zu sagen. Aber solche aus Wahrheit und Dichtung gewobenen Schilderungen können doch leicht der Keim zur Lügenhaftigkeit werden. Das Uebertreiben wird eben zur Gewohnheit, und wenn das Kind noch gar merkt, daß eS mit seinen Münchhauseniaden Beifall erntet, so kann es sich gar nicht genug damit thun. Aus dem unwissentlichen Uebertreiben wird bewußtes Lügen. Daher sollten Eltern und Erzieher rechtzeitig darauf achten, den Inhalt von Kindererzählungen auf den wahren Thatbestand zurückzuführen. Nicht freilich mit Schelten, sondern nur durch vorsichtige Fragen: War das thatsächlich so? Du mußt Dich entschieden irren, besinne Dich nur darauf, wie es war." Bedenklich wird das Lügen, wenn es über die Lust am Fabuliren hinausgehend, als Mittel zur Erreichung eines ganz bestimmten Zweckes auftritt. Worin dieser Zweck besteht, dürfte, wenn auch für die Beurthei lung des Charakters von Wichtigkeit, so doch für die des Fehlers an sich ziemlich gleichgiltig sein, denn wenn es dem Kinde erst eigenthümlich geworden ist, so wird es sich bei jeder Gelegenheit geltend machen, bei der cs seine Absichten durchzusetzen wünscht. Vordem waren ihm die Gesetze, die sein Dasein regeln, unumstößliche Nothwendigkeiten, denen es sich, wenn auch seufzend, fügen mußte, jetzt hat es gelernt, daß es sie unter Umständen mit List auch beugen kann, ohne unangenehme Folgen auf sich herabzuziehen. In dieser Macht aber, welche die Lüge dem Kinde giebt, liegt zum großen Theil ihre demoralisirende Wirkung. Zuerst greift es vielleicht nur zur Unwahrheit, um sich einen Leckerbissen oder ein Vergnügen zu verschaffen oder um einer ihm unangenehmen Arbeit aus dem Wege zu gehen, bald aber wird es noch schlimmer. Bald kann die Lüge zur Verleumdung werden, das Kind will nicht nur sich nützen, fondern auch anderen schaden, und das )t nur conjequent. ist dte natürliche Entwickelung der Lügenhaftigkeit. Bei jedem Menschen ist der Aerger. den er über einen anderen I empfindet, eng mit dem Wunsch, ihn ! r.rt f rr , I jcnjeiocn enigcnen zu lauen, 0klknüpft, nur besitzt der Erwachsene in den meisten Fällen Vernunft und sittliche Kraft genug, um ihm nicht nachzugeben, und nach einer Weile ist außerdem die böse Regung verflogen nicht so bei dem Kinde, das nach Impulse handelt und sich die Beweggründe und Tragweite seiner Handlungen nicht klar macht. Daher sollte man sein Urtheil über dasselbe nicht? zu sehr von der einzelnen That hängig machen. Ueberhaupt muß man sich hüten, ein lügenhaftes Kind voreilig zu verdämmen. Wer weiß denn, wie es geschah. daß der Fehler Macht über sein besseres Selbst gewann! Vielleicht hat man das Kind hart und ungerecht behandelt und ihm die Freuden, die anderen seinesgleichen gegönnt werden, entzogen, vielleicht auch ihm Unglauben gezeigt, wo es Glauben verdiente! Gewiß können keinerlei Umstände die Unwahrhaftigkeit rechtfertjgen, aber immerhin vermögen sie, sie zuweilen bis zu einem gewissen Grade zu entschuldigen. Vor Allem thut das der letztgenannte Umstand, denn nichts kränkt und verbittert mehr, als ungerechtsertigtes Mißtrauen, nichts verdirbt so sehr den Charakter. .Wozu
soll ich die Wahrheit sprechen, da man mir doch nicht glaubt?" denkt das Kind, dessen ehrliche Aussagen mit Zweifel entgegengenommen werden. Das Wort von dem Verbrecher aus verlorener Ehre" besitzt seine tiefe Begründung und man kann es bei der Erziehung gar nicht genug beherzigen. Manche Irrthümer würden dann vermieden, manche richtigeren Gesichtspunkte für die Beurtheilung der Kinder gewonnen werden. So hält man z. B. ein Kind, dem eS schwer wird, eine Lüge einzugestehen, leicht für verstockt, während es sich derselben oftmals nur zu sehr schämt, um sich zu ihr zu bekennen. Das trifft gerade bei gut gearteten Kindern zu. die sich ausnahmsweise aus Leichtsinn einer Unwahrheit schuldig gemacht haben, und je länger sie leugnen, desto weniger gewinnen sie es über sich, zu sagen, ja. ich habe gelogen". In solchen Fällen kommt es darauf an. den kleinen Missethätern die Ueberzeugung zu geben, daß man trotz des von ihnen begangenen Fehlers keine schlechte Meinung von ihnen hat und sie wie bisher liebt. Mn sollte auch unter allen Umständen ihnen die Beschämung ersparen, die Sache zur Kenntniß anderer Menschen zu bringen oder gar in Gegenwart von Geschwistern oder sonstigen Personen ein Verhör mit ihnen anzustellen. Der Lügner darf niemals beschämt werden. Daher hüte man sich auch ihm gegenüber vor entehrenden Strafen. Für Kinder, die noch nicht gewohnheitsmäßig lügen, wird' in der Regel das Eingestehenmüssen des Fehlers eine hinreichende Strafe sein; wo sie jedoch nicht genügt, da kann man ihnen ja irgend ein Vergnügen entziehen oder ihnen eine unliebsame Arbeit zudiktiren, in jugendlichem Alter dürften auch Schläge angebracht sein, jedoch niemals in Gegenwart vonZeugen. Es ist zweifellos nicht leicht, hier das Richtige zu finden, da selbst bei sehr ähnlich veranlagten Geschwistern die gleiche Maßregel gänzlich verschieden wirkt, aber gerade dieser Umstand macht Vorsicht bei der Anwendung der einen oder anderen doppelt nothwenbig. Wir sind leider nur zu sehr geneigt anzunehmen, daß wir mit jeder Strafe den Zweck erreichen, den wir dabei im Auge haben, während vft genau das Gegentheil zutrifft. Nur sorgfältigstes, unermüdliches Studium der Kinder ohne Voreingenommenheit kann uns die Richtschnur für unser Verhalten gegen sie geben. Das gilt in allen Dingen der Erziehung, aber auf dem besprochenen Gebiet mehr als auf jedem anderen, denn die sämmtlichen übrigen Untugenden behandelt man am besten erst dann, wenn sie zu Tage treten, während hinsichtlich des Lügens die Erziehung im wesentlichen mehr eine vorbeugende sein muß. Wie kann sie hier vorbeugen? Oft heißt es, man muß das .Kind die Wahrheit als höchstes, sittliches Gebot erkennen lassen, es dieselbe lieben lehren. Das sind schön klingende Worte, aber doch nur Worte. Was weiß das Kind von sittlichen Geboten? Was denkt es sich darunter? Um irgend einen Begriff damit zu. verbinden, müßte es in diesem Falle erst den der Lüge in sich aufgenommen haben. Das aber wäre gefährlich, denn sie soll ihm etwas völlig Fremdes sein, das es überhaupt in keine Beziehung zu sich selbst zu setzen vermag, mit anderen Worten, es soll gar nicht auf die Idee kommen, daß es lügen könnte. Diese beste Schutzwehr gegen die Lüge aber giebt ihm nur das vollkommene Vertrauen, das zwischen ihm und seinen Eltern herrscht. Das Kind, das mit seinen Schmerzen und Freuden zu seinem Vater und seiner Mutter, als zu seinen besten Freunden kommt und dort jederzeit ein offenes Ohr, Theilnähme und Rath bei seinen kleinsten Angelegenheiten findet, wird sie nie belügen. Muß es sich mit dem, was sein junges Herz erfüllt, dagegen zu Fremden flüchten, so ist jene unsichtbare Brücke herübe? und hinüber, die von Anbeainn immer bestebt und nur zuweilen durch die Gedankenlosigkeit .:nd Bequemlichkeit der Eltern zerstört wird, abgebrochen und statt der guten Geister, die darüber in die Kindesseele ihren Weg finden sollen, ziehen allerhand böse darin ein. Doch noch einen anderen mächtigen Schutz gegen die Lüge giebt es das Beispiel der Wahrheitsliebe. In großen Dingen ist sie demGebildeten wohl meist zu eigen, aber in kleinen sündigt er nur zu oft dagegen. Eine Nothlüge!" jagt man, wenn man dem Dienstmädchen den Auftrag giebt, einem unwillkommenen Besuch mitzutheilen, daß man nicht zu Hause ist, während man doch gemächlich im Wohnzimmer sitzt. Eine Nothlüge!" Damit meint man, der UnWahrheit die Spitze abgebrochen zu haben und nach unseren conventionellen Begriffen hat man ja auch thatsächlich kaum etwas gethan, was Tabei verdiente. Das Kind aber, das von diesen nichts weiß, hört nur die Lüge, ohne daß es eine sie erforderlich machende Nothwendigkeit erkennt. Bei der nächsten Gelegenheit folgt cs dem Beispiel der Eltern. Was kcnnen Ermahnungen nützen gegenüber solchem Beispiel? Man möge ihnen doch überhaupt keine allzu große Kraft beimessen. Zumal nicht den langathmigen. Einen Tadel muß der Lügner felbstverständlich hören, aber je kürzer er ist. desto zweckdienlicher. Ein paar kurze, scharfe Worte machen aus ein Kind einen furchtbaren Eindruck, aber mit jedem weiteren Wort schwächt derselbe sich ab. Das Gleiche gilt auch für das Verhör, das man anzustellen hat, um dem Lügner auf die Spur zu kommen. Wenn man ein Kind ohne weitere Einleitung, möglichst leise und langsam sprechend, fragt: Hast Du
das gethan?" so dürfte eS fast ansnahmslos wahrheitsgemäß antworten; während längerer Vorreden gewinnt es nur Zeit. Ausreden zu ersinnen. Es kann ja vorkommen, daß eS im ersten Augenblick so verblüfft über die plötzliche Frage ist. daß es lediglich aus Verwirrung eine falsche Aussage m.cht. aber wenn man streng befiehlt: Sprich die Wahrheit!" so wird diese Mahnung schon ihren Zweck erfüllen. Gänzlich verfehlt dürften aber fast immer Versuche sein, die Kinder durch eine Appellation an ihr Gefühl auf den Weg der Wahrheit zu führen. Es liegt darin sogar eine doppelteGefahr. Einerseits werden die Kleinen besonders wenn die Mutter ihnen häufig ihren Kummer über ihr Benehmen durch Worte oder Thränen zeigt in ihrem Empfinden verhärtet und andererseits wird sie selbst ganz ungerechterweise gegen jene erbittert. Denn sie faßt es als Verstocktheit und Herzlosigkeit auf. daß die Kinder sich nicht rühren lassen, während dies doch nur in der Abneigung gesunderJugend gegen alle Sentimentalität seinenGrund hat.
l5ine uralte Mode. Wie alt ist der Volants - Glockenrocke? Jede Modistin dürfte diese Frage sofort dahin beantworten, daß diese zur Stunde noch hochmoderne Kleidungsform unserer Damen im vorigen Jahre zuerst an der Seine auftauchte. Daß diese Annahme auf einem gewaltigen Irrthum beruht, hat die Wissenschaft in jüngster Zeit nachgewiesen. Professor Paul Walters in Würzburg, früher Sekretär des deutschen Archäologischen Instituts in Athen, veröffentlicht in dem Jahrbuch des Instituts einen Aufsatz, in dem er die Ergebnisse der von dem Engländer Evans in Knossos auf Kreta gemachten Ausgrabungen aus der Zeit beschreibt, in der die Griechen noch nicht das phönikische Alphabet angenommen hatten. Hier wurden auch Wandgemälde gefunden, auf welchen man die Tracht der damaligen Frauen zu studiren vermag. Professor Wolters schreibt nun über die mykeuischen Damen, deren Zeit hinter der des Trojanischen Krieges liegt: Auf dem schneeweißen Grunde des Kalkvutzes sind mit schwarzcn Strichen die Figürchen zierlicher Damen hingesetzt, dann ihre Gewänder m" hellem Blau, roth und gelb colorirt; der weiße Grund giebt die Farbe des Inkarnats ab. die in langen Flechten herabfallenden Haare sind schwarz gemalt. Das Wort Dame" klingt vielleicht Manchem arg modern, wo von Bildwerken vorhellenischer Epoche die Rede ist, aber ich finde keines, was auf diese kleinen, niedlichen, koketten Wesen besser paßte Vom Gürtel abwärts umhüllt sich der breite, mit vielen horizontalen Streifen verzierte Rock (es ist der Volants - Glockenrock, wie er jetzt nach dreieinhalb Jahrtausenden genau wieder Mode geworden ist); ihr Oberkörper zeigt von Kleidung nur weite, bis zum Ellenbogen reichende bunte Aermel, der Busen ist ganz nackt. Daß die Aermel im Rücken vereinigt waren, ist an sich einleuchtend und auch aus einigen Spuren zu schließen." Der selige Ben Akiba hat wieder einmal Recht. Im ieblömai. Z?on Richard Zoozmann. Ter Frühling kommt im Blumenkleid. In hellen Morgenröthen; Zur Maienzeit Klingt's weit und breit Von Geigen und von Flöten. O Liebchen, reich mir deine Hand Und laß uns wandern gehen, Im Wandern dvrch das blühende Land Wirst du dein Hecz verstehen O wundersüßer Maientag! Mir ist. als hätt' ich Flügel; In Hain und Hag Tönt Amselschlag. Und grün sind Thal und Hügel. Wir jauchzen in die Welt hinein, Zwei lustige Vaganten Frohsinn und Scherz folgt hinterdrein Als treuliche Trabanten. Wovon ist doch so roth dein Mund? Das möcht' ich gerne wissen, Trum thu' mir's kund! Tu lächeltst und Sprichst leis': von deinen Küssen! So laß denn küssend mich durchs Land Mit dir, Geliebte, gehen Und Wunder, die du nie gekannt Wirst du mit Staunen sehen! Auf Erden Mai, im Herzen Mai! O Wonne, nicht zu sagen! Nun komm' herbei, Was es auch sei. Wir wollen's tapfer tragen. Zwei Herzen 'taxt, zwei Herzen jung Sind nicht zu unterjochen, o lang darin mit frischem Schwung Noch Lust und Leben pochen! Ein Liedlein möcht' ich singen gar Doch fehlen Ton und Worte: Dein flatternd Haar, Dein Augenpaar Da wär' kein Lied am Orte! Der Ton verklingt, das Wort verschwebt, Gern will ich drum verzichten: Wer selbst ein Liebeslied durchlebt, Der braucht es nicht zu dichten! Späte Reue. Sie: Weißt Du, Otto, ich werde nie verg:ssen, wie dumm Du Dich anstelltest, als Du um meine Hand bat'st!" Er: Dumm anstelltest? 5tö war dumm!" Eine Kalauert. Er: .Heirathen Sie mich und ich bette Sie auf Rosen!" Sie: Au!" Er: .Wieso au?" Sie: .Nun, keine Rose ohne Dornen!"
Nur immer praktisch. Von Arthur chleitaer. In der guten alten Zei: war es, etwa um dieMitte der dreißiger Jahre, da residirte in einer Amtsstadt ein überaus practischer, alter Landrichter, der nach der damaligen Organisation Richter und oberster Verwaltungsbeamter des Bezirkes in einer Person war. und mit seinem ersten Assessor nicht eben in beste: Harmonie lebte. Nach Ansicht Sr. Gnaden deß Herrn Landrichter arbeitete der Herr Assessor zu langsam und werde mit U: Aibe:: nicht fertig. Den Assessor wurmte die öfter ertheilte Rüge: wochenlang sann er darübe? nach, wie dem Vorgesetzten bewiesen werden könnte, daß die Ar beitslast eben zu groß fei und nicht im tvniTH) furios bewältigt werden könne. Alles Sinnieren blieb vergeblich. der Landrichter rüffelte lveiter, ja er verstieg sich zu der Behauptung, daß es dem Assessor an der richtigcn Praxis fehle. Dieser Vorwurf brachte eine Jde? zum Reifen; der Assessor will den Nachweis liefern, daß nicht nur seine Arbeitslast zu groß sei. sondern auch der Landrichter selbst trotz aller Amtspraris ihrer nicht Herr werden könne. In Ausführung dieser Idee suchte der Assessor alle in den Acten schwebenden Fälle säuberlich zusammen und schickte an über ein Dutzend Parteien die Vorladung zu Gericht auf einen Vormittag. Der Tag kam. und früh Morgens ließ sich der schlaue Assessor krank melden. Im Gerichtshause wimmelte es von ..geladenen Menschen". Bauern. Burschen und Mädchen hockten auf den Bänken des Vorplatzes, standen im Eorridor herum, schwatzten und schimpften, das letztere natürlich nicht laut, denn der Respect vor dem ..Herrgott" des Landgerichtsbezirkes ist riesengroß. Bestürzt ob der großen Menschenansammlung fragte der Gerichtsdiener berum. ob denn wirklich diese vielen Parteien auf diesen Vormittag vorgeladen seien. Die Leute zeigten Cita tions-Zettel vor. die Sacke hatte also ihre amtliche Richtigkeit. Ein Pech ist cs aber, daß der Assessor gerade heute krank sein muß. Der Gerichtsdiener meldet dem Landrichter, daß eine wahrhaftige Massenansammlung stattgefunden habe und die vielen vorgeladenen Menschen um Erledigung ihrer diversen Anliegen bitten möchten. Seine Gnaden blieben ganz gelassen und äußerten: ..Nur immer practisch! Das macht gar nichts, es geht auch ohne den Assessor, wir werden bald fertig sein! Die erste Partei soll hereinkommen!" Der Gerichtsdiener fuhrt einen Burschen und ein dralles Mädel in die Kanzlei des gestrengen, gefürchteten Landrichters und überreicht Sr. Gnaden die Vorladungszettel. Der Landrichter erkennt den Bur schen sogleich: Ah. der ParasolFranzl! Gerichtsbekannte Persönlichkeit! Immer die alte Geschichte von der Lustbarkeit, die nichts kosten soll! Bloß das Weibets ist alle Jahr ein anderes! Meinst Du denn, das geht alleweil so fort? Heh. Gerichtsdiener, führ' Er die zwei ab. geb' Er jedem zehn Stockstreiche, aber ordentliche!" Der erschrockene Parasol-Franl wimmert vor Angst und bittet, man möge von der Prügelstrafe Abstand nehmen. Das Mädel vollführt einen Kniefall und fleht um Eroarmen. Hinaus! Und auf die Gerichtsban? mit Euch! Zehn Hiebe ir iedes!" Der Gerichtsdiener schleppt das zeternde Paar hinaus, und bald dringt daZ Geheul der Justificirten durch alle Räume des Gerichtsgebäudes. Wieder vor den Landrichter gebracht, zeigt sich der früber bockbeinige Bursche zum gewünschten Vergleiche bereit, der Fall ist in wenigen Augenblicken erledigt und flink dictirt der Landrichter das Vergleicksprotocoll. Nur i mmer practiscb! Der Assessor wird es nie!" Das Paar verscbtSindet in aller Eile. Der Landrickiter schellt und besieblt Wm eintretenden Geritsdener. nunmehr die nächste Parte: bereinzulassen. Geborsim geht der Dien'r binaus. kommt wieder in die Ka'lei und meldet: ..Geborsmst Ew. Gnaden auf,uhvirfn, eS ist niemand mebr draußen?" e?mt fflcf 2onVTf'r: ..Na also? irV8 ja gewußt! Nur immer practiscb!"
Gegenseitige Ueberraschung. Gnädige rsu kommt gerade hinzu, als das Hausmädchen an einer Tor e nascht,: Aber. Anna ich bin erstaunt!" 5?ausrrädZten: ..Und ich erst, gnädige Frau! Ich glaubte. Sie wären ausgegangen?" Ohne Geld. Docwr: Nun. haben Sie auch meine Verordnungen befolgt und möglichst diät gelebt?" Neconvalescent: Allerdmgs, bester Herr Doctor. nachdem ick Jbre RechNUN1 "-Wfn, blieb mir ja nichts andereS übrig." Anders gemeint. Wirth: "Na. wie ist das Beefsteak?" Gast: Einfach großartig; gegen Ihre Iran Gemahlin bin ich nur ein Stümper!" Wirth: Sind Sie denn Koch?" Gast: Nein, ich fabrizire unzerreißbare Bilderbücher!" Enttäuscht. Floor Walker (im Dry Goods Store) : Sagen Sie mal, das Fräulein, welches eben den rothen Stoff kaufte, sah immer nach mir herüber; auf die habe ich wohl Eindruck gemacht?" Verkäufer. .Nein, wir konnten bas richtige 'Rotb nicht finden, und da hat sie mir Ähre ! Nase als Muster öezeichnet."
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