Indiana Tribüne, Volume 24, Number 258, Indianapolis, Marion County, 5 June 1901 — Page 7
Jndiana Tridune, 5. Juni hmh
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Weltmacht.
Roman von M. S t ahl, (Fortsetzung) Ich habe nichts mehr mit Euch zu schaffen macht, was Ihr wollt, ich habe keinen Theil mehr an Euch!" ftieß der unglückliche, ins Herz getroffene Mann bebend vor Empörung und Aufregung hervor. 'Es wird für Dich und uns das Beste sein, wir trennen uns." versicherten ihm beide Söhne mit kalter Ruhe. I Ein Zusammenarbeiten mit Dir ist j auf die Dauer ein Ding der Unmöglichkeit. Mr zahlen Dir nach stattgehabter Abrechnung Deinen Antheil j heraus sodak Du mit unserem Ge schäft nichts mehr zu thun hast. Dann bist Du aller Verantwortung ledtg, und wir haben freie Bahn." Ich gebe," sagte Justus Normann, sich der Thür zuwendend, und lasse Euch freie Bahn. Euch allein treffe die Verantwortung für den guten Namen und die Ehre dieses Hauses!" Hastig verließ er das Zimmer. cl8 fürchte er abermals eine höhnende Antwort zu bekommen. Er schwankte, als er die Treppe hinaufschritt, und mutzte sich auf das Geländer stützen wie ein gebrochener, müder Greis. Das hätten wir erreicht." bemerkte Martin, sich vergnügt die Hände reibend. als die Thür sich hinter dem Vater geschlossen, die Plackerei mit dem Alten wurde unerträglich." Der kommt uns nicht wieder!" höhnte Gotthold. Dieser Löfflet ist ein Juwel! Er hat uns eine unbezahlbare Waffe in die Hand gegeben mit dieser netten, kleinen Geschichte von dem Tectfrühstück im chanibre wGp&rtel 21. Capitel. Alle bösen Geister, die Dämonen der
Zwietracht der Geldgier, des Miß-1 cbenhaften Schönheit, den feinen Kopf trauens und der Eifersucht, trieben in wie unter der Last der dunklen Flechdem alten Linde.haus ihr Wesen und ten gebeugt, stets von dem gleichen ' fi . rr t f
schlichen rnic häßliche Gespenster aus allen Winkeln hervor Ter Geist der todten, gallsüchtigen Frau hatte einst hier eine dose &zai gesäet die lanae verboraen aeleaen und !
nur heimlich gekeimt und trieben l?at- j Hen und ihr ganzes Leben auszufülte. Sie hatte des beirucktenden Au- len imstande Ware.
genblicks gewartet, und jetzt schössen die Giftlinge aus allen Spalten und Ritzen, aus allen Fugen und Mauerbrüchen, die ganze Luft mit ihrem Pesthauch verunreinigend. Es half nicht, daß die junge Frau is iiiuf, vup wtm jiyv I ihrer Wohnstube im ersten Stockm werk das Fenster weit geöffnet hatte. um den warmen, sonnengoldigen Frühlingseuft, der draußen durch die knospenden Linden wehte, einzulassen, der giftige Hauch, der von unten heraufstieg, hatte auch in den schützenden Mauern ihres Heims Spalten und Schäden gefunden, durch die er eindringen konnte. Unter seine? zerstör:nden Wirkung war aus dem einst blühend schönen Mädchen eine blasse stille Frau gew5.rden. Wie Elfe da am Fenster saß, über eine leichte Handarbeit gefugt, und zuweilen den Kopf hebend, sich nach der Thür wendend hinaushorchte, war ein Ausdruck von heimlicher Angst und Unruhe in ihren Aua-en und ein Zug von Qual und geistiger Abspannung in ihrem Gesicht, der auf eine seelische Marter schließen ließ, die das ganze Wesen wund drückt. Es half nicht, daß di große, helle Stube mit dem gediegenen, altväterli chen Hausrath, der bequemen, reicher! Ausstattung bis in alle Kleinigkeiten sauber und traulich gehalten war; die trüben, angsterfüllten Augen der Herrin erzählten, daß Glück und Frieden hier nicht heimisch wohnten. Plötzlich schrak Elfe leicht zusammen. Was war das für ein schleppender. schlürfender Schritt auf der Treppe? Welch ein unheimlicher Laut wie unterdrücktes Stöbnen? Eine Zusammenkunft ihres Gatten mit ihren Stiefsöhnen fürchtete sie mehr als alles, denn es brachte ihr stets schwere, bittere Tage, und diesmal sagte ihr eine Ahnung, daß sich etwas besonderes zugetragen habe. Sie nahm ihren Muth zusammen, um ihrem Gatten mit heiterem, l?eoevollem Lächeln entgegen zu gehen, aber dieses Läcbeln erstarb auf ihren blas sen Lippen, als sie seiner ansichtig wurde. So flnster und drohend hatte er sie noch nie angesehen! Und was hatten die beiden, sckrecklichen Söhne aus ihm gemacht? Einen elenden, gebrcchenen Greis! ?!ustus. was in Dir?" fraate sie
tief erschrocken, ihm entgegentretend. , verloren. Sie war schuld, daß er jetzt mit dem Versuch, den Arm um ihn zu wie ein Entehrter das alte Vaterhaus legen. verlassen und in die Fremde gehen Er stieß sie von sich. mußte! Hier konnte er ja niemand Geh' laß mich Du, die meine mehr in das Gesicht sehen, das Haupt Söhne eine Dirne nennen es nicht mehr erheben vor den Menschen, scheint, die ganze Stadt weiß von der wo die Spatzen auf den Dächern ihre Schande, die Du über mich gebracht!" Schande pfiffen. Elfe stand starr, wie leblos. Und als Lohn für alle diese blutiSeit sie verheirathet war. quälte ihr gen Opfer wollte sie ihn verachten? Mann sie bis zur Entnervung mit ih- Er zählte ihr alle Wohlthaten auf, rer Vergangenheit, mit der einen uns?- die er ihr erwiesen, und Elfe sank unligen, schmachvollen Stunde ihres Le- ter der Last dieser erdrückenden Thatbens, die sie doch nur durch Unerfah- fachen wie geknickt zusammen, renheit und hilflose Verlassenheit über j Es war ja wahr. Er hatte sie und sich gebracht. ihre arme sterbende Mutter fast vor Seine Leidenschaft für sie wurde ; dem Verhungern gerettet sie durfte immer mißtrau?! scher, versank tiefer 1 ihn nicht einmal verachten! und tiefer in Zweifel, und Scrupel. I Er hatt sie bettelarm in sein siche-
Taste er er be reute, sie geheirathet zu haben, und konnte sie doch nicht mehr entbehren, da seine Verliebtheit immer mehr und mehr zur zehrenden Leidenschaft wurde. Er gehörte zu den Menschen, die geknechtet nxrden müssen, um glücklich 1 t zu iem. jtne eoic, icyone reiyen, Die ihm Elfe ließ, konnte er nicht vertragen. ie ittüte ton auf eine Hoye, um zu ihm ausblicken zu können mit dem Verlangen, sich ihm unterzuord-i nen. und er verlor iiaglicy oas sleicygewicht. So gläubig, wahr und VertrauensSoll Elfe ihm entgegengekommen mar, jo tief verletzt zog sich ihre innerste Seele vor ihm zurück, als sie erfuhr, daß rr nicht imstande war, das Beste an id? zu begreifen, ihre Aufrichtigkeit ,und sahrhaftigkeä. Wenn der böse Geist des Zweifels, der eisersüchtigen Leidenschaft über ihn kam. hielt er sie für eine Lügnerin, die ihn betrogen, und das tonnte ein Herz wie das ihre nie mehr überwinden. Sie war auch nicht im Stand, sich selbst zu vertheidigen, sie brachte kein Wort der Betreuerung ihrer Unschuld über die Lippen, Alles in ihr wurde kalt und still, wenn er an ihr zweifelte und sich einen betrogenen Narren nannte. Ihr Schweigen, das er nicht verstand, wurde ihm erst recht verdächtig, und so war es auch in diesem Augenblick. Stöhnend fctrf er in einem Sessel zusammen und bedeckte das Gesicht mit den Händen. In der Seele seiner Frau war das Mitleid, das ihm erst so warm entgc-. gengekommen, gestorben. Still ging sie an ihrem Fensterplatz zurück unö I nahm ihre Arbeit auf. mechanisch den Faden hin und herziehend. Das reizte den gemarterten Mann. Thränen und Gegenvorwürfe hätten ion beruhigt. Und wie er sie sitzen sah in ihrer zarten, immer noch mädieoij urniic'KN. r er? ,a erz und leine Sinne bethört, wucks die örsersnchi riesengroß aus dem dunklen Gefühl empor, datz er nicht der rechte Mann für sie sei und unmöglich ihr Ein Anderer war vor ihm dagewesen, ein Anderer würde nach ihm da sein, aber dieser bedanke war Qual bis zur Raserei. 'Er setzte sich zu ihr und fing von neuem das alte, marternde Kreuzoer- , ' v bor über die Begebenheit im TheaterCY Ti . i . r, c Restaurant an. über all die widerlich?. empörenden Einzelheiten, deren Erinnerung Elfe krank machte. Und noch elender, kränker machte sie das Bewußtsein, wie eine feige Lügnerin angesehen zu werden, eine Entehrte, die ihre Schande einem braven Mann, ihrem Wohlthäter, und einem anständigen Hause aufgeladen hatte, um sich zu rehabilitiren und zu schützen. Ihr Gatte ging in dem Verlangen, sie zur Selbstvertheidigung zu zwingen, immer weiter. Er warf ihr sogar vor. ihn mit echter Weiberlist bethört zu haben, durch die Beichte ihres Abenteuers. Sie habe mit Berechnung seine schwache Stunde benützt, um ihm durch diese aufreizende Mittheilung m sinnlose Leidenschaft zu treiben und dann mit Weiberschlauheit an sein Mitleid appellirt. Das waren böse, gefährliche Worte in ihrer grausamen Ungerechtigkeit. konnte Elfe nicht schweigen, ihr tödtlkch verwundeter Frauenstolz schrie in ihr nach Rechtfertigung. Todtenbleich, mit gerungen-en Händen und flammenden Augen stand sie vor ihrem Gatten. Und wenn das alles wahr wäre, wenn Du wirklich so schwach, so erbärmlich, solch ein blinder Narr gewesen wärest, Dich von einer Verworfenen betrügen und bethören zu lassen, so verdientest Du, daß sie Dich obenein noch verachtete!" schleuderte sie ihrem Mann in das 'Gesicht und sah ihn mit einem Blick an, in dem zum ersten Mal Verachtung über Mitleid siegte. Gleich darauf brach sie in hoffnungslosem Jammer zusammen, denn für ihre weiche Seele war der Sturm, der ihr Inneres aufwühlte, wie ein verheerendes Wetter, der alle Blüthen ihres Lebens knickte. Und der Mann, ! der ihr Schutz und Stütze sein sollte. stieß sie immer tiefer in das Elend hin sin, ihn nicht mehr lieben und ehren zu können. S'e war die Ursache seines Zermürfnisses mit den Söhnen, um ihretwillen hatten sie die Achtung vor ihm
liine aue icywacven Aalurel nicht den Muth seiner That.
res. gutes )aus genommen sie mußte bei ihm bleiben und die Schuld abzutragen suchen, indem sie ihm mit endloser Geduld und Hingebung sich selbst und ihr Leben opferte. Die Last dieser Dankesverpflichtung brach den sich aufbäumenden Stolz, unwillkürlich glitt sie vom Stuhl und lag auf den Knieen neben ihm. Sie faßte nach seiner Rechten und zog sie demüthig an ihre Lippen. Verzeih mir sei gut ich will alles, alles für Dich thun, was ich kann!" flehte sie unter leisem Schluchzen. Jetzt hatte er sie in der Stimmung, die ihm allein eine Bürgschaft für ganzen, ungetheilten. ausschließlichen Besitz auf Lebensdauer schien. Sie mußte sich vor ihm klein und elend fühlen, um nie zu vergessen, welches Glück es für sie bedeute, seine Gattin zu fern. Er ließ sich erbitten und spielte den Großmüthigen. Die anschmiegende Berührung ihres weichen, schlanken Körpers venetzte ihn stets in den Rausch, der seine Leidenschaft explosiv machte. Und auf die vorangegangene Marter folgte die größere für die junge Frau: die zärtliche Leidenschaft des Gatten ertragen zu müssen, dessen Berührung ihr Widerwillen verursachte, seitdem sie ihn nicht mehr achten konnte. Es war ein Selbstopfer aus schuldiger Dankbarkeit in seiner Seele flüsterte das Mißtrauen, es sei die reuige Hingabe einer Schuldigen. Und mit dieser Schuld mußte er sie unauflöslich an sich ketten. Das war ein Vertheil, der ihm daraus erwuchs. Er rete wie ein g.:ter Kaufmann. Spat in der Frühlingsnacht, als er sefi auf seinem Lager schlief, hatte sich die junge Frau von seiner Seite zu dem offenen Fenster unter dem Lindenwipfel zurückgestohlen. Sie lag fast wie todt in ihrem weißen Nachtgewand in dem Sessel, den Kopf, von dem die hängenden Flechten wie breite, dunkle Bänder herabfielen, auf die verschlungenen Händen an der Fensterbrüstung lehnend. Starr und ausdruckslos hingen ihre Augen am Nachthimmel mit den ewigen Ster-
nen. Nichts als eine einzige, qualvolle Frage stand in diesen weit ofienen Augen: Ein anklagendes Warum?" Wo ist meine Schuld?" Wo ist das Unrecht, das ich gethan?" Und plötzlich wie in einer Vision sah sie ein altes, abgegriffenes Büchlein vor sich, den Katechismus ihrer Kindertage. Und vor ihren Augen tauchten in fetter Druckschrift die Worte auf: Ich, der Herr. Dein Gott bin ein starker, eifriger Gott, der die Sünden der Väter heimsucht an den Kindern bis ins dritte und vierte Glied " Ein Schauder ging durch ihren Körper vor dieser unerbittlichen GerechtigZeit von Ursache und Wirkung. Es war ein Rauschen und Raunen, ein leises Wispern und Flüstern draußen in der Frühlingsnacht um das alte Haus herum, als begehrten die guten Geister des jungen, lenzfrohen Lebens Einlaß in die alten Mauern, um die Dämonen des Unfriedens und der bösen Leidenschaften, des Grams und der Qual zu bannen. Aber das Böse hatte zu festen Fuß gefaßt, und seine unsichtbaren Fäden und Netze spannen sich um alle Menschen und Dinge. Es hing wie mit Krallen an allen, Wänden und hockte lauernd in jedem Schattenwinkel. Das Gespenst der todten Frau ging durch das nächtliche Haus und verbreitet Grabeskälte überall. Es streckt die eisigen Knochenfinger nach dem Herzen des jungen Weibes, um auch ihm das warme Blut in Gift und Galle zu verwandeln. Aber ein Frühlingsengel breitete schützend die leuchtenden Schwingen über die Gebeugte und wehrte dem Verderben. 2 2. C a p i t e l. An demselben Frühlingsabend strahlte der Eoncertsaal der städtischen Philharmonie im hellsten Glänze elekirischen Glühlichts, und alles, was zum Hof und zur Gesellschaft gehörte, wie alles, was Verpflichtungen, gegen diese fühlte und gern dazu gehört hätte, pilgerte zu den geheiligten Hallen dieses Kunsttempels. Schon tagelang vorher hatten große Reclamezettel ein WohlthätigkeitsConcert unter dem Protectorat der Prinzessin Elvira angekündigt. Das schreckliche Schicksal eines Dorfes in der Nähe der Resid:nz. das durch eine Feuersbrunst gänzlich zerstört war und sein Einwohner als obdachlose Bettler zurückgelassen hatte, gab der Prinzessin willkommene Gelegenheit, das Nützliche mit dem Angenehmen zu verbinden, zugleich die wohlthätige Landesfee und die kunstsinnige Fürstin zu bethättgen. Das Programm war besonders an ziehend dadurch, daß die debütirenden Künstler zum größten Theil der Gescllschaft angehörten. Was man bei diesen dilettantischen Productionen an Shrnstgenuß einbüßte, wurde reichlich durch das Interesse an den Personen selbst ersetzt, durch die angenehme Spannung, wie sich dieser Herr und jene Dame auf dem öffentlichen Podium benehmen und wie sie aussehen würden. Unter den bekannten Namen war ein unbetonter, der Neugier errears. Als Sänaerin verschirdener moder-
ner wieder war W. von Horst" genannt. Wer war W. von Horst? Man wußte nicht, wer es verrathen hatte, aber kurz vor dem Concertabend war das Gerücht im Städtchen lancirt, hinter diesem Pseudonym stecke das Freifräulein von Dellmenhorst, die bildschöne, verarmte Tochter des bankerotten Obersten, die Sängerin geworden sei und unfehlbar eine große Carriere macben würde. Der schnellbereitete Stadtklatsch flüsterte, daß sie vom Herzog protegiert würde und deshalb von ihrem Vater verstoßen worden sei. Jedenfalls machte dieser Klatsch die Sängerin so ungeheuer interessant, daß ihre Zugkraft sich bereits vor ihrem Auftreten als sehr ergievig für die Kasse erwies. Die Prinzessin hatte Wulfhild überredet, mit diesem Concert ihr erstes
Debüt zu geben, trotzdem, ihr Unterrichtscursus noch nicht beendet war. Ihr Lehrer hatte ihre Fortschritte für phänomenal erklärt und die Ansicht ausgesprochen, daß sie es ohne Furcht mit den Stümpern, die mit ihr auf dem Programm standen, aufnehmen könne. Ihre Einwilligung hatte allerdings fast einen Bruch mit ihrem Vater hcrbeigeführt. Trotzdem der Oberst in seiner Weltabgeschiedenheit und Waldeinsamkeit keine Ahnung von der fürstlichen Protection und von dem Stadtklatsch hatte. wollte er seine Erlaubniß zu diesem öffentlichen Auftreten nicht geben. Er bat und beschwor seine Tochter, diese Thorheit zu unter?asse.i. Roderich werde nun bald zurückkommen, und dann habe sie es ;a nicht mehr nöthig. Sie werde es bereuen. Mutter und Tochter, die sest ?usammenhielten, suchten ihm vergeblich klar zu machen, wie unbegründet dies Mal sein Vorurtheil sei. daß das Auftreten in einem Wohlthätigkeits-Con-cert in Gemeinschaft mit Herren und Damen aus der Gesellschaft, durchaus standesgemäß sei und wollte seine Tochter eben von diesem ersten Schritt zurückhalten, um Weiteres zu verhüten. Wulfhild blieb ebenso hartnäckig nd setzte ihm offenen Widerstand entgeen. Es kam zu den alten, unerauicklichen Auseinandersetzungen zwischen Vc:ter und Tochter, bei denen harte, böse Worte gesagt wurden, die wie Messer schneiden. Wulfhilds junges Gemüth verhärtete sich förmlich bei diesem Kampf. Ihr Vater hatte das Unglück, fast zerstörend auf ihren Charakter zu wirken, ln seiner Unfähigkeit, die größeren und besseren Motive ihres Handelns zu verstehen. Und ebenso war die Schrckiehe der Mutter Gift für sie. Der Conflict nahm den üblichen Ausgang. Der Vater blieb bei seinem heftigen, tyrannischen, logisch nicht zu rechtfertigenden Widerstand, und die Tochter setzte trotzdem ihren Willen durch. Das machte den Riß zwischen beiden tiefer, die Entfremdung unheilbarer. Frau von Dellmenhorst, die nur durch den ihr suggerirten Willen der Tochter Kraft sand, ihrem Eheherrn Opposition zu machen, wurde von dieser völlig ins Schlepptau genommen und sank ganz zu ihrem Widerstandslosen Werkzeug herunter. Nichts reizte und kränkte den Obersten mehr, als datz Wulfhild ihm die Gattin, von der er blinde Ergebung gewohnt war, abspänstig machte, und sein eifersüchtiger Zorn wandte sich gegen seine treulose Sklavin. Eine Stunde vor Beginn des Ccncerts stand Wulfhild vor dem Ankleidespiegel in einem ihr zur Verfügung gestellten Fremdenzimmer der Frau Musikdirector. Der Friseur, der ihr schönes, blondes Haar hoch toupirt und mit mattrosa Rosen aus dem herzoglichen Gewächshaus geschmückt hatte, war eben verabschiedet, und Wulfhild hatte ein weißes Atlaskleid mit Medicikragen aus Goldspitze angelegt. Elviras Hofschneider in Berlin war der Schöpfer der exquisiten Toilette. Die Prinzessin hatte Wulfhild zu dieser Extravaganz zu überreden gewußt, sie wollte ihr das Kleid schenken als Compensation dafür, daß sie in ihrem Concert sang. Gegen diese Großmuth lehnte sich der Stolz des Freifräulein von Dellmenhorst empfindlich auf, aber schließlich willigte Wulfhild ein, das Geld dazu geborgt zu nehmen. Borgen war mehr standesgemäß. Sie sah wunderschön aus in der hochmodernen Toilette, und befestigte noch einen Tuff auserlesener Rosen an ihrer Brust, dit ihr Prinz Arnulf soeben mit seiner Karte geschickt, als ihre Mutter eintrat, die ibr mit einem späteren Zuge nachgefahren war, um nicht bei dem ersten Auftreten ihrer Tochter zu fehlen. Wulfhild hatte ihr einen verborgenen Platz in einer Seitenloge des Concertsaals verschafft, wo sie in nächster Nähe des Podiums saß. ohne gesehen zu werden, denn sie scheute ein Wiedersehen mit alten Bekannten. In ihrem schleppenden, schwarzen Seidenkleid, mit der schwarzen Spi-
tzenbarbe auf dem sildergrauen Scheitel, einer Toilette aus früheren, besseren Tagen, konnte niemand der Baronin von Dellmenhorst die jahrelange Existenz auf dem Bauernhof ansehen. Sie war ein Typus der vornehmen Dame. (Fortsetzung folgt.)
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