Indiana Tribüne, Volume 24, Number 255, Indianapolis, Marion County, 2 June 1901 — Page 2

?

Jndiana Trihstne, Sonntag, 2. Juni 1 01 .

Ter berühmte ohn.

Von B. RittwegeQ Excellenz Bü:stenrieder. Wirklich? Heheimrath und vortragender Nach im CuttusminiZterium, ist verstimmt. Er hal inen Brief erhalten, fei ihm etwas Unliebsames gemeldet hat. Daß seine fettern, die alten Leute im Thüringer Waldoörschen. bald ihre goldene Hochjeii feiern, das ist ja nichts Unliebsavvti, aber daß irran seine Anwesenheit dabei verlangt! Wo der Gottfried nur hindenkt! Der meint, der älteste Bruder müffe auch dabei sein. Sonderbare Idee'. Aber da steht's: .Alle sieben, die noch laben von die Geschwister, wollen zusammentsmmen, das Best zu begehen mit ihre Kinder und Männer und Frauen. Sie sizzen ja alle rinksherum und haben nicht weid nachhaus. Nur Du. lieber Bruder Georg, der älteste von di sieben, bist soweit fort, aber wir leben der Hoffnung das die fiele Geschafft Tich einmal freimachen und herkommen das Best zu feiern, so selten es ist. Daß ganse Dorf freut sich schonst darauf." Ein entsetzlicher Brief, in der That. . Unwillig springt der Geheimrath auf und läuft eine Weile im Zimmer hin und her. Was thun? Der Aufforderung zu folgen, daran ist ja nicht zu denken, also am besten, gleich die Absage zu schreiben. Unangenehme Dinge soll man so schnell als möglich erledigen. So setzt er sich wieder an den Schreibtisch, legt einen Briefbogen zurecht und da steht auch schon die Ande: Lieber Bruder. Doch dann will dem gewandten Schreiber kein Wort mchr aus der Feder. Was soll er nur als Grund für seine Absage angeben? Versichern, er habe keine Zeit, das geht diesmal nicht so ohne Weiteres. Es ist ine zu dumme Geschichte! Was soll er in der Heirnath. der er so ganz entwachsen ist. die er seit seinem vierundzwanzigsten Jahre nicht mehr gesehen hat? Am liebsten hätte er's ganz verHessen, daß er noch eine Heimath dort hatte auf der Höhe des Thüringer Waldes, wo die kümmerlichen Fichien nur mühsam fortkommen und ein kärgliches Leben bei harter Arbeit das Loos der Bewohner ist. Er hat ihr nichts zu danken, dieser Heimath. Was er ist. dankt er sich selbst, seiner Begabung, seinem eisernen Fleiß, seinem unablässigen Sireden und der Protektion seiner Göner. Nichts davon der Heimath. Den Eltern eben nur das Dasein und daß ft ihn widerstandslos seinen Weg ziehen ließen, als er, nachdem er die Dorfschule durchgemacht, erklärte, weiter lernen, studireu zu wollen. Sie tonnten ihm fast nicts dazu geben, nur eine ganz kleine Beisteuer in den ersten Jahren. Dann fand er bereits in der Gymnasialstadt Gönner, die den begabten Knaben förderten, und so fing's weiter. Unter Entbehrungen und Anstrengungen kam er vorwärts. rr WQ? gut, angeschrieben bei seinen Vorgesetzten und den größten Schritt zur Hohe that er mit seiner Heirath, durch die er in Verbindung mit einer der ersten Familien der Hauptstadt kam. Seine Gattin steht mit vollendeter Eleganz seinem Hause vor. zwei Kinder, ein 5wabe und ein Mädchen, wachsen ihm heran, Zierden ihres Standes. Nichts erinnert ihn mehr an die kümmerliche Enge, in der seine 5lindhit verflossen. Ein schlechter Sohn ist er nicht. Er schickt alljährlich ine namhafte Summe für die Eltern und erkundigt sich nach ihrem Befinden. Was hätte er sonst thun sollen? Die Alten haben noch sechs Kinder außer ihm. Fabrikarbeiter und Handwerker die Söhne, die Töchter an solche verheiiathet. Man mußte sehr vorsichtig sein, daß nicht zu viel von diesen VerHältnissen in die Öffentlichkeit drang. Seiner Gattin ist's immer noch sehr peinlich. Fast wäre einst seine Heirath daran gescheitert. Nur seiner bezwingenden Persönlichkeit hatte er's zu danken, daß sie sich über seine Herkunft hinwegsetzte. Er sprach nie mit ihr don seiner Heimath und sie fragte ihn auch nie danach. Und nun so plötzlich diese Aufforderung! Eine fatale Geschickte! Er wird nicht reisen, auf seinen Fall, doch eine Absage will ihm durchaus nicht aus der Feder. So verschiebt er die Beantwortung vorläufig. Am anderen Morgen wieder ein Brief, diesmal vom Pfarrer seines Dorfes; da heißt es: Die ganze Gemeinde nimmt freudigen Antheil an dem bevorstehenden Zweite. 5cf erlaube mir. in aller Ehrerbietung die Ansicht auszudrücken, daß es dem festlichen Tage eine ganz besonder Weihe geben würde, wenn der älteste Sohn des Jubelpaares, der den Namen der Eltern zu einem vielgenannten, berühmten gemacht hat, es mit seiner Gegenwart beehren würde. Im Hinblick auf eine Festrede wäre es mir von Mrth, etwas Sicheres über das Erscheinen Ew. Excellenz zu tu fahren." So auch das noch! Der Geheimrath ist außer sich. Nun ist die Sache schon gewissermaßen officiell und es wird ihm schließlich nichts Anderes übrig bleiben, als zu reisen. Was Angelica wohl dazu sagen wird? Er muß es ihr doch erzählen. Sie sagt nicht diel. Nur 'sehr erstaunt ist sie, daß er wirklich dem Feste beiwohnen will. Er seufzt leise. Ohne daß er sich'S eingestanden, hat ei im Stillen die Hoffnung gehegt, Anae lica würde sich vielleicht erbieten, mit ihm zu reisen und die Kinder ach. Unsinn! Wird er nun gar noch senti mental über diese goldene Hochzeifz atz er ne nur nrcyt ganz vergltzt im Drang der Geschäfte! Die Briefe vernichte: er, nachdem er sie kurz in beja hendem Sinne beantwortet. Ein Ge schenk? Natürlich, das mu auch sein. Angelica mag er nicht damit oeschwen. Die kennt ja auch gar nicht die Bedürfnisse solcher Leute". Er aller dwgs ihm sind sie auch fremd ge worden. Indessen, ei grobe Kiste

mit einer Anzahl Flaschen guten Rheinweins und zwei Sessel für die alten Leute, das muß doch passend sein. Beides wird bestellt und er braucht sich um weiter nichts zu bekümmern bis zur Abreise. Hell und strahlend ist die Sonn über dem armen Dörfchen auf der Höhe des Thüringer Waldes aufgegangen. Ter Thau glitzert aus dem Boden und aus feinem Frühnebel heben sich die grauen Schindeldächer, bestrahlt von der Morgensonne, silbern heraus. Auch auf allen Gesichtern liegt's wie Sonnenglanz und im ganzen Dorfe herrscht frohe Feststimmung. In aller Frühe schon, als das Jubelpaar sich kaum erhoben, stellt sich di Dorfmusik vor dem niedrigen Haus chen auf, ein Ständchen als ersten Festgrüß zu bringen. Im Innern des Häuschens geht's emsig zu. Auf dem großen eichenen Tische, der sain Generationen gedient haben mag, sind die Geschenke ausgestellt: Tassen mit goldenem Rand und mit der Aufschrift: Heil dem Jubelpaar! Teller und Basen. dem ländlichen Geschmack der Geder und der Empfänger entsprechend. Das alte Ehepaar in einfacher, fauberer Sonntagstracht macht einen ergreifenden Eindruck; es ist umgeben von dem Sohn und der Schmiegertochter. die im Haus mit wohnen, und von allen Seiten ist es schon am frühen Morgen herbeigeströmt, die übrigen Söhne und Töchter mit ihren Familien. Ein Glück, daß es just ein Sonntag ist, da haben sie alle Zeit, zu feiern! Eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes, da fährt ein Landauer vo? und ein stattlicher Herr im eleganten Reiseanzug entsteigt ihm. Und es flüstert in der Runde: Das ist er, der berühmte Sohn, die Excellenz! Wie stolz der ausschaut! Ob er noch wen kennt? Gott bewahre, er ist ja eine Ewigkeit net daheim gewesen! Ich bin mit'm confirmirt worden! Und ich hab' neben dem Georg in der Schul' gesessen! Der Gottfried, der Sohn, der bei den Eltern wohnt, scheut sich fast, dem fremden feinen Herrn die Hand zu reichen und ihn als Bruder zu begrüßen, und die Schwägerin, der die Pflichten der Hausfrau obliegen, nöthigt ihn mit linkischer Freundlichkeit zum Eintreten. Die Excellenz stößt mit ihrem Haupt? an beim Durchschreiten der niedrigen Hausthür, und dann, angekommen in der engen Stube, die noch enger erscheint durch die Geranienstöcke an den Fenstern und die vielen Vogelbauer, beklemmt es ihm ordentlich die Brust. Oder ist es nicht die Enge, ist's mehr der Anblick der beiden Alten, die Hand in Hand auf der Ofenbank sitzen und nun schier verwundert die Begrützung und denGlückwunsch des ältesten, des berühmten" Sohnes entgegennehmen Die Mutter, die bei aller körverlichen Rüstigkeit geistig schon etwas schwach ist, vermag in dem feinen Herrn ihren ältesten Jung" gar nicht mehr zu erkennen. Und als ihr Mann ihr in's Ohr schreit: Alte, er ist's doch, der Georg, glaub's nur! da schüttelt sie den Kopf und meint: Nä, net mein Jung, ein Herr, ein großer Herr und dann wischt sie die Hände an der Schürze ab und streckt ihm die Rechte hin und spricht verschämt: Aber eine große Ehr. die Sie uns anthun, daß Sie doch auch herkommen zu unserm Festtag. Fünfzig Jahr sind lang, gar lang, und elf Kinder und vier sind auf'm Gottesacker, und unser Aeltester ist ein gar großer Herr geworden, ja wohl. Der kommt nimmer, der Georg, und war doch einmal ein gar schön's Büble. unser erstes. Nu ja, das is nu so. Machen's sich der Herr nur kommod. Und der alte Bürstenrieder, der vergeblich die Rede seiner Frau zu unterbrechen gesucht hat. lächelt verlegen und meint: Mußt's halt der Mutter net anrechnen, wie sie spricht. Sie wird's schon noch capiren. Sonst ist sie noch ganz bethulich. nur heut' kommt's ein bisle bunt, das verwirrt sie halt. Sollst sehen, Georg, heut' Abend beim Tanz, da macht sie noch ihren Hoppser mit mir. daß 's eine Art hat. Die Schwägerin hat schnell eine Ecke des Tisches frei gemacht und bringt nun Brot und Wurst und Schnaps. Einen Bissen vor der Kirch muß der Herr Excellenz doch essen, mein: sie. Er dankt und bittet nur um ein ungestörtes Plätzchen, sich für den Gottesdienst umzukleiden. Die Schwägerin weist ihn in die Kammer der Alten. Der Juchtenkoffer wird in die Kammer gebracht und der Geheimrath verschwindet hinter der Thür, um bald darauf in voller Gala wieder zu erscheinen, in Frack und weißer Binde, auf der Brust ein paar funkelnde Orden. Nun ist er der Mutter noch fremder. Mit scheuer Bewunderung steht sie und staunt über den Glanz und schüttelt den Kopf. Die Stube, der Flur füllen sich immer mehr. Der Geheimrath fragt nach den Geschwistern und drückt bald einem kräftigen Manne, bald einer früh gealterten Frau die Hand, den Brüdern und Schwestern, den Schweizern und Schwägerinnen; zahllose Kinder werden ihm als Neffen und Nichten vorgesuyrr. vann erscyemt der Ortsgeistliche und begrüßt in wohlgesetzter Rede den hohen Gast und das Jubelpaar, und nun läuten die Glocken zum dritten Mal und der Festzug ordnet sich zum Kirchgang. Voran der Geistliche zwischen den zwei Alten, dann der Geheimrath mit den anderen Kindern und Enkeln, der Dorfschulz, der GemeindeRechnungsführer und andere angesehen Gemeindemitglieder. Die Excellenz athmet aus, als dr Zug in die festlich geschmückte kleine Kirche eingetreten ist. Dies ist doch eher zu ertragen, als der Aufenthalt im Elternhaus, das doch nicht ganz so dürftig in seiner Erinnerung gestanden. Wirklich, die Feier in der Kirche findet er sogar sehr hübsch, sehr stimmungsvoll, förmlich ergreifend. Trotzdem die alte Orgel

s

nur dünne Töne hergibt, trotzdem die Chorsänger mit mehr Begeisterung als Kunst eine Festmotette singen, trotzdem er das Gefühl des Fremdseins auch hier nicht ganz los wird! Bei der feierlichen Einsegnung bleibt kein Auge trocken und auch der Geheimrath ist ganz gerührt. Es ist wie ein ergreifendes Bild, die beiden alten Leute vor dn Altar knieen zu sehen. Fast wünscht er in diesem Augenblick Angelica und die Kinder herbei. Dies hätte ihnen vielleicht auch gefallen! Nach erledigter kirchlicher Feier be gibt sich der Geheimrath in's Pfarrhaus und dankt dem Geistlichen für seine tief empfunden Rede. Dann erkündigt er sich nach den Verhältnissen der Gemeinde, nach dem kirchlichen Sinn, nach den Lasten, die auf dem Dorfe ruhen, und zum Schluß übergibt er dem Pfarrer ine ansehnliche Summ für die Armen. Das Festmahl im Wirthshaus! Der Geheimrath ist entsetzt. Aber es muß erlitten werden. Alle Teilnehmer außer ihm 'scheinen sich sogar außerordentlich wohl bei diesem Mahl zu fühlen. Das Jubelpaar voran. Das i Behagen an Essen und Trinken ist auf I allen Gesichtern zu lesen. Die dicke Reissuppe mit den fetten Stücken Rindfleisch verschwindet nur so. Die Excellenz bringt nur mit Anstrengung 1 in paar Löffel voll herunter. Der j Braten geht schon eher, ein echter Thuj ringer Sauerbraten und dazu rohe j Kartoffelklöße. Das ist ein Gericht. das angenehme Erinnerungen weckt in dem Geheimrath. Aber diese entsetzliche Art des Servirens! Der dicke Mrth und seine Frau umkreisen die I lange Tafel, er mit der Bratensschüssel. ; sie mit den Klößen. Jeder hält in der , Rechten eine mächtige zweizinkige Gabel und damit spießen sie jedem Gast ein derbes Stück Braten, einen Riesenkloß aus den Teller. Ländlich, sittlich! Hat der Geheimrath vorhin beim Gottesdienst einen Augenblick fast bebauert, daß seine Gattin und die Kinder ihn nicht begleitet haben, jetzt dankt er im Stillen Gott. Die Excellenz sitzt neben der Mutter, der Pfarrer neben dem Vater. Die goldene Braut hat doch allmälig begriffen, daß der seine Herr" wirklich ihr Georg ist, aber sie redet ihn nach wie vor mit S" an. Der Respect ist zu groß. Auch auf die Stimmung der übrigen Gäste wirkt die Gegenwart des berühmten Sohnes" etwa dämpfend. Erst nachdem die Bierkrüge mehrere Male geleert und wieder gefüllt worden sind, wird es etwas lauter. Und einer wie der ander der Brüder und Schwäger naht dem Excellenzbruder" zum Anstoßen und erzählt ihm dabei zutraulich von seinem Ergehen. Der Geheimrath sindet für Jeden ein paar Worte, aber es ist ihm eine gewaltige Anstrengung. Nach aufgehobener Tafel flüchtet er sich in's Freie und lehrt erst nach einer Weile wieder in dem schindelgedeäten Hause ein. Seine Geschenke, die Sessel und die Kiste mit Wein, die im Laufe des Nachmittags, leider etwas verspätet, von der nächsten Station herübergeschafft worden sind, haben inzwischen ihren Pla gefunden. Die Sessel nehmen sich sonderbar aus in der Umgebung. Er findet sie jetzt sehr lächerlich, aber die Mutter streicht doch wohlgefällig über den Plüschbezug und fragt, ob solche der Kaiser in Berlin hat. Der Geheimrath hat eigentlich über Nacht bleiben wollen, aber schon vor dem Gottesdienst hat er beschlossen, vor Abend abzureisen, und hat den Wagen bleiben heißen. Nun läßt er durch einen der Buben aus der Verwandtschaft das Anspannen bestellen. Nein, es ist nicht von ihm zu verlangen, daß e? zusehen soll, wie Vter und Mutter einen Hoppser" zusammen machen. Nochmals zieht er sich zurück in die jetzt aufgeräumten Zimmer, den Reiseanzug wieder azulegen. Dann hält der Wagen vor der Thür. Die Geschwister drängen sich um ihn mit ihren Männer, Frauen und Kindern, es ist ein Händeschüttcln und Adieusagen. Keines jedoch spricht: Auf Wiedersehen! Dann beugt sich die Excellenz zu dem Jubelpaare, das eben probirt, wie sich's in den Sesseln sitzt." Er Drückt dem Vater die Hand und will der, Mutter in einer plötzlichen Auf'.oallung die welke Wange küssen. Aber die alte Frau wehrt förmlich erschrocken ab: Das that sich doch nicht schicken." Noch ein Winken mit der Hand in der Runde, und dann besteigt der Gehenurath den Wagen und der fährt im raschen Trabe zum Dorfe hinaus. Als er auf der ersten Anhöhe angelangt ist. sieht sich Excellenz noch einmal um. Das Dörfchen liegt friedlich da, die Sonne Zebt noch ziemlich hoch am reinblauen jptmmcl. DaS Elternhaus wimmelt von Menschen, und jetzt schallen die grellen Klänge der Dorfmusik, die einen munteren Marsch spielt, herüber. Der lädt zur Tanzbelustigung im Wirthshaus. Aufathmend lehnt sich der Geheimrath in die Kissen des Wagens zurück. Drunten im Dorfe greift nach des berühmten Sohneö" Abreise erst die fröhliche Stimmung so recht Platz. Aus dem Tanzsaale tönen bald luftige Weisen, lautes Lachen und Jubeln, welch' letzteres seinen Höhepunkt erreicht, als das alte Hochzeitspaar sich munter im Tact dreht. Erst gegen Mitternacht legen sich die Wogen des Festgetrieves. Di Musik geleitet das Jubelpaar nach Hause und dann verläuft sich Alles und nächtliche Ruhe senkt sich auf's Dorf herab. Du, meint die alte Frau zu ihrem Manne. Du, ist mir denn recht, sie sagen Alle, der Georg wär' dagewesen heut', unser Aeltester, weißt, aber ich kann mich doch gar net auf'n besinn'! Freilich. Alte, herrjeh. Haft's denn noch net begriffen? Die bunten Stühl und der Wein, die find doch vom Georg und er hat doch selbst neben Dir geses-

en im Wirthshaus mit seinen vielen Orden, unser berühmter Sohn.

Ach. ja so. Ich weiß schon, ich besinn' mich schon, abe: mein Jung war's doch net. das machst mir net weis, daß das mein Jung gewesen wär'! Und damtt blast die ant Frau das Licht aus. Ein Puppeuroman. Die Jnfantin Maria Anna Victoria. Tochter Philipps V. und Elisabeths von Spanien, zählte drei Jahre, als man im Namen Ludwigs XV. von Frankreich um ihre Hand anhielt. Mit ihrem weißen und rosigen Gesichtchen, ihren blonden Lockchen und dem silbergestickten Prinzessinkleidchen war sie damals m richtiger Velasquez. Der Beschluß der Diplomatie belebte das anmuthige Püppchen: es mußte aus seinem goldenen Rahmen heraustreten und sich erst aus denWeg nach Frankreich machen. Was hat diese bizarre Verlobung veranlaßt? Neuere archivare Forschungen erklären es, warum der schon im Jünglingsalter stehende Ludwig XV. sich um die dreijährige Prinzessin beweroen mußte. Die Interessen des Herzogs von Orleans, welcher während derMinderjährigkeit des Königs Frankreich regierte, erheischten diese Verbindung. Der Regent wollte seine etwas mißrathene Tochter.Fräulein v. Montpensier, an den Sohn Philipps V. verheirathen; der Handel kam nur unter der Bedingung zu Stande, daß Ludwig XV. die Jnfantin zur Frau nehme. Auch diese Combination war dem Regenten ganz recht. Wenn Ludwig XV. sich mit einer dreijährigen Prinzessin verlobte, so konnte er nicht früher als in zwölf Jahren Nachkommen haben. Während dieser Zeit konnte ber der schwächliche Konig auch kinderlos stetben; und in diesem Falle wäre die Familie des Regenten auf den Thron gelangt. Dem jungen König, dem man diese Argumente verschwieg sie hätten ihm ohnehin nicht eingeleuchtet erschien eine dreijährige Braut keineswegs willkommen. Die Hofwürdenträger mußten ihn wochenlang einzcln bearbeiten, bevor er mißmuthig, ja weinend seine Einwilligung gab. Nun erst konnte der Austausch der Prinzessinnen stattfinden. Auf der Fasaneninsel, an der Grenze zwischen Spanien und Frankreich, wo der berühmte Pavillon mit zwei gleich großen Flügeln beide Territorien verband, wurde Fräulein v. Montpensier von den spanischen, die kleine Jnfantin von den französischen Abgesandten in Empfang genommen. Die Finanzen beider Länder scheinen schon damals sehr ungleich gewesen zu sein, denn während Frankreich der Jnfantin Geschenke im Werthe von drei Millionen überreichen ließ, erhielt Fräulein von Montpensier vom spanischen Hof Andenken, die man auf 60 Pistolen schätzte. Nach der feierlichen Austauschceremonie setzte Fräulein von Montpensier ihren Weg nach Madrid fort, wo sie später die Wächter der Etikette durch ihre ordinären Manieren und ihre seltsamen Einfälle sie liebte es, die Hofleute im Evakostüm zu empfangen zur Verzweiflung bringen sollte. Die Jnfantin hingegen reiste mit ihrer Erzieherin, der Herzogin v. Ventadour, nach Paris. Dort empfing sie der König. Bei seinem Anblicke kniete die Jnfantin nieder. Der König erröthete, zog sie empor und sagte nicht eben im liebenswürdigsten Tone: Madame, ich bin glücklich, daß Sie gesund eingetroffen sind." Sofort formte sich dann der feierliche Aufzug. dessen Mittelpunkt die Karosse der Jnfantin bildete. Die künftige Königin von Frankreich saß auf dem Schooß ihrer Gouvernante und hielt ihrerseits ihre Lieblingspuppe in der Hand. Die Fahnen flatterten, die Musik ertönte, alles glänzte von Gold und bunten Farben, kurz, es war das reizendste Kinderbälle:, das man je gesehen. Im Louvre hielt die kleine Königin oßen Empfang. Herzöge und Fürstinnen.Bischöfe und Cardinäle brachten ihr ihre Huldigungen dar. dann kamen die Gesandten der fremden Höfe, und die Delegationen des Parlamentes und der Akademie hielten lange Ansprachen an sie. Maria Anna Victoria machte inzwischen mit ihren Händchen unverständliche Bewegungen in der Luft und wollte alle küssen. Endlich kam auch der König und überbrachte seiner Braut feierlich dasHochzeitsgeschenk: eine Puppe, welche zwanzigtausend Livres gekostet haben soll. Er war noch immer mißmuthig. Während des Festmahls, wo der'König und die Jnfantin an besonderen Tischen speisen mußten, fiel sogar die traurige Miene Ludwigs XV. auf. Von da an lebte die arme Jnfantin am Hofe von Paris ein trauriges Lebcn. Mit feinem Instinkt begabt, errieth sie bald, daß der König ihr nicht besonders zugethan sei. Um ihr Liebesbedürfniß zu stillen, mußte man.' ihr einen kleinen König aus Wachs schenken, mit dem sie die zärtlichsten Gespräche führte. Sie wuchs heran, aber ihre Aussichten wurden immer schlimmer. Denn eigentlich wurde sie nur älter, aber sie wuchs nicht heran. Sie blieb klein, klein wie ein Filigranfigürchen, und böse Zungen behaupteten, sie würde niemals größer werden. Inzwischen starb der Regent, und sein Nachfolger, der Herzog von Bourbon. hatte ganz andere Interessen als jener. Ihm war es gerade darum zu thun, den König baldmöglichst zu verheirathen. da er im Falle des kinderlosen Verscheidens desselben um seineStellung gekommen wäre. Damit war das Schicksal der Jnfantin entschieden. Die Verlobung wurde aukaelöst. die Jnfantin mubte

gehen. Man wagte es nicht, der Kleinen offen zu sagen, daß sie zurückge schickt werde. Es wurde vorgeschützt, daß ihre Eltern, die an der Grenze Frankreichs seien, sie zu sehen wünschten. Die Jnfantin fügte sich, nicht ohne den wahren Sachverhalt errathen zu haben. Denn als sie ihre Ellern sah. erklärte sie ihnen, daß sie nicht mehr heirathen wolle, oder, wenn es durchaus geschehen müßte, daß ihr Gemahl sie holen müßte.denn sie wolle nicht mehr zurückgeschickt werden. Maria Anna Victoria zählte damals sieben Jahre. So endete der Roman der Jnfantin: sie war verlobt und geschieden, zur Königin befördert und entthront, in einem Alter, wo andere Mädchen das Kinderzimmer noch nicht verlassen. Das Kinderballet war auS. das kleine, blondgelockte Velasquezpüppchen mußte in seinen goldenen Rahmen zurückwandern. vaumaneken.

Von Hermann Nerese.Wietbolz. Ueber den Parkweg hoch durch die Luft schießen sie in schmalem Fluge heran, drei, sechs, acht Wildenten, eine ganze Kette! In leicht gesenktem Fluge fallen sie auf dem See ein, hoch auf spritzen rechts und links die Tropfen und sprühen zurück auf die von der Abendsonne überstrahlte Wasserfläche. Der Tag geht zur Neige, aber Frau Sonne mag noch nicht untergehen. Solch eine Frau, so eine Herbstsonn?, die glänzt für drei; sie schimmert über die höchsten Wipfel der Kiefern am See, malt den halben Himmel gluthroth an und kost über die bleichen, schaukelnden Seerosen, und tauchte ein Nixlein aus dem Wasser empor mit weißem Hals und weißer Brust, wer weiß, was Frau Sonne thäte? Am Ende würde sie auch solch ein verteufeltesHerenwesen mit rothem Golde über. gießen! Dort am Gutshofe aus der Höhe steht Marieken, Twallmarieken. wie sie von dem ganzen Dorf genannt wird, weil sie nicht ganz richtig im Kopfe ist. Wie die Sonne Twallmarieken noch mal auftakelt, man könnte sie von Weitem fast für ein junges Mädchen halten. Früher, ja, da war das mal ein hübsches, forsches Mädel, damals, als sie noch ihre gesunden fünf Sinne beisammen hatte, und ehe ihr letzter Schatz ihr durch die Lappen ging. Aber jetzt sagt selbst die alte Mamsell von ihr und den Mannsleuten: Ne, nich mehr rögan." Und solch alte pommersche Gutsmamsell die weiß Alles, was im Dorf vorgeht. Und Mariekens letzter Schatz war auch ein strammer, hübscher Kerl, und immer lustig und anstellig bei der Arbeit. Er war einer von den Sachsengängern", da hinten von der russischen Grenze her, ein halber Pollack mit serr guttem Deutsch, schwarzen Haaren und keckem schwarzen Schnurrbärtchen über den blitzenden Zähnen. Das war mal so ganz was Anderes. als die jungen Mannsleute aus dem Dorf, und lange dauerte es auch nicht, da stand er mit ihr Abends in allen Ecken herum. Das war ein Getusche! und Gethue, Gehabe und Geknutsche ohne Ende, und er hatte ihr sogar versprochen, daß er sie ganz gewiß heirathen werde. Wenn man erst einig ist, liebt man sich auf dem Lande ohne viel Reden, und das war für die Beiden ein wahres Glück, denn er war gewohnt, polnisch zu sprechen und sie plattdeutsch. Und auf 5)ochdeutsch ging das Reden Beiden recht ungelenkt. Aber in der Hauptsache verständigten sie sich ganz gut. . . So ging die Liebelei immer weiter. Der Roggen lag längst im Tas, dem Scheunfach, nun war auch die Kartoffelernte zu Ende, und die fremden Arweiter mußten in ihre Heimath zurückkehren. Und als am letzten Abend vor der Abreise Marieken ihn fragte, wann er wiederkäme und sie in sein Dorf nachhole, da sang er ein langes, schwermüthiges Lied, ein altes polnisches Volkslied, das klang ihr so. als ob einem etwasLiebes gestorben wäre, wenn sie die Worte auch nicht verstand. Und plötzlich den Gesang abbrechend, riß er das Mädchen zu sich auf den Boden und bedeckte ihren Mund mit heißen, verzehrenden Küssen. . . Die Schnitter reisten ab. Marieten hörte nie wieder etwas von ihm. Und Hoffen und Harren machte auch Marieken närrisch. Es stieg ihr zu Kopf. So wurde sie zum Twallmarieken. dem alten, verdrehten Mädchen, das zu nichts mehr recht zu brauchen war. Aber jetzt so in der Abendsonne sieht sie wirklich noch ganz manierlich aus. Das Federvieh muß nun in den Stall, die Sonne wird gleich unteraehen. Eifrig jagt Marieken hinter den Hühnern und Enten her' denn von selbst wollen sie alle nicbt binein. Die aeioe Henne i)i immer vie wlderjvcnstigste. Dat is äwer grad tau dull. dat ull verfluchtig gehl (gelbe) Hauön will wedder nich inne Stall" schilt Makieken so laut, daß es bis zum See hinübertönt. Krieg ick di, ick schnied di de Hals af. du ull Söckfaut (Humpelfuß) du!" Twallmarieken! Twallmarieken, heft Du wedder 'n Brutmann?" tönt plötzlich die schrille Stimme eines Dorfjungen hinter dem Zaun des Herr, schaftlichen Gartens hervor. Bru u utmann" äfft das Echo drunten am See. dort hinten, wo die stets wispernden und tuschelnden Fluddereschen stehen, dem Jungen nach. Brutmann? En Brutmann", murmelt Marieken verstört. Sie treibt das gelbe Huhn und das andere Federvieh in den Stall, schließt durch emen Zug an der Leine die Klappe des Taubenschlages am Hausaiebel und schreitet dann zwische

dem Pserdestall und der Scheune hin durch zum See hinab. Einen scheuen Blick wirft sie hin

über zu dem alten, breitästigen BirnUUU AU UC III Ulll.ll, UltliU ilUU bäum unter dem der Letzte, den sie iuk nrt i. n3J liebte, von ihr Abschied nahm Dieses Hexenweib Frau Sonne, die für jeden Lumpen ein Lächeln hat, kann zwar nicht mehr mit dem moddriqen Seeufer schön thun, denn es liegt zu tief, aber ihr letzter Strahl l.ä r k5 L LS I v2 . S7f F m Uch gelben Gwfel der Baume im Park und den nach oben gerichteten Flügel , v cm- l -li t w i n,... der W.ndmuh auf dem Berge, Auch ?"?lu,', Ju P. benden Lichtes. Ihr wird so weh ums Herz bei dem letzten Abendsonnenglänz. Ein altes Lied fällt ihr ein. das sie tn ihrer Jugend fang. S:e singt die Strophen in den aufsteigenden Abendnebel. Ein Fähnrich zog zum Kriege, Wer weih, kehrt er zurück. . . Wer weiß, kehrt er zurück." wispern die geschwätzigen Eschen am See. Zurück ", warnen die Kiefern bedächtig. Aber Twallmarieken hört und sieht nicht mehr. Schon steht sie auf dem zum Wäschespülen weit in den See hinausgebauten Steg. Noch einmal klingt es: Ein Fähnrich ist gefallen. Ist todt und lebt nicht mehr dann ein kurzer Aufschlag. Gurgelnd steigen Wasserblasen aus dem moorigen Grunde, und kleine Wellenringe dehnen sich nach allen Seiten aus. Die Wildenten schrecken aus dem ersten Schlaf empor, ziehen die Köpfchen unter den Flügeln hervor, recken sie schief in die Höhe und horchen herum. Vom Guteshof klingt die schärfe Stimme derLeuteköchin herüber: Marie Marieken all Twall, !vc blifst Du? dat Elen steht al lang uppem Disch!" Es wußten ja noch niemand außer den Seerosen, dem Rohr und Schilf, den blanken Fischen und glotzäugigen Krebsen, daß der Aerger über die gelbe Henne und den dummdreisten Dorfjungen Twallmarieken in den Tod getrieben hatte. NeiSwerfen. Das Werfen mit Reis bei Hochzeiten ist eine alte Sitte der Hindus, denn bei ihnen gilt der Reis für das Sinnbild der Fruchtbarkeit, das Werfen mit Reis ist demnach der Ausdruck für die Hoffnung, daß die Braut einst glücklich Mutter werde. Während der Hochzeits - Feierlichkeiten in Indien wirft der Bräutigam drei Häjide voll Reis über die Braut, und die Braut thut dasselbe mit dem Bräutigam. Als einleitende Feierlichkeit wird ein irdenes, mit Wasser gefülltes. Gefaß auf einen Haufen Reis gestellt; die Brahminen verrichten dann über dem Gefäß ihre Gebete, rufen Veruna, die Göttin des Wassers, an. den Inhalt desselben zu segnen, und gießen diesen dann über den Kopf des Bräutigams. Nun waschen drei weibliche Verwandte die Füße des jungen Paares dreimal mit Milch, während sie in einer Schaukel sitzen. Sie werden nun geschaukelt und singen dabei das Lob Krischnas. des Beschützers der Hirtinnen. Kugeln von Saffran mit. Rei' gemischt werden darauf nach den vier Himmelsgegenden geworfen. Dies ist ein Opfer, welches den Göttern und den abgeschiedenen Geistern gebracht wird, von welchen man annimmt, daß sie alle als geladene Gäste erschienen sind. Saffran gilt bei den Hindus als vorbeugend und ist bei Hochzeiten ebenso unentbehrlich, wie Orangenblüthen oder Myrthen bei den Europäern. Indem der Vater dem Bräutigam die Braut übergiebt, reicht er ihm rothgefärbte Reiskörner zugleich mit Betelblättern. Am Schluß der Feierlicbkeit ißt man geröstete Reiskörner. So wie die Abendländer bei Gelegenheit von Hochzeiten ihren Freunden Hochzcitskuchen und Karten schicken, so vertheilen die Hindus Betelblätter, Nüsse der Areka - Palme und roth gefärbte Reiskörner. Im Innern von Indien begegnet man einer merkwürdigen Sitte, welche vielleicht die Gewohnheit erklärt, daß den Brautjungfern Geschenke gegeben werden. Die Kurw - Mädchen wollen scheinbar das Fortgehen der Braut verhindern. Wenn sie dem Bräutigam nahe genug sind, werfen sie ihn mit gekochtem Reis, dann ziehen sie sich scheu zurück, während die Brautführer ihnen solgen. An der Thür des Hauses de: Braut machen sie Halt und gestatten den Männern erst einzutreten, wenn diese einen Zoll in Gestalt von Geschenken an sie selbst gezahlt haben. Iraianiiv AMlfC. Tante Cenzi. die bei ?ustratcrs einaeladen. läßt, da sie sehr geschwätzic) istNiemand zu Worte kommen. Der kleine Hans, der neben ihr sitzt, hat sä'cn dreimal angesetzt, um etwas zu sagen aber vergeblich! Da springt er' plötzlich auf den Stuhl hinter der Tante und wirft ihr eine Serviette über den Kopf. Aber Hans!" ruft die Mutter entsetzt; ..was fällt Dir denn ein. Du ungezogener Junge?!" Ja weißt Du. Mama," entgegnet frans pfiffig, so macht's immer der Pipa. wenn der Kanarienvogel still sein soll. AucheineKriti k. Lieber Herr. Sie kritisiren mir mein Drama so abfällig: ich glaube Sie legen einen j zu hohen Maßstab an als Kritiker.! Denken Sie. Sie wärenZuschauer; wie, würde Zhnen da zu Muthe lein? 5!u schauerig! . .

Der Berobnngskuft.

Das EUtekränzchen de Kasinos, mmf2 V- 1-l r t wt Januar des Jahres 1900 stattfand. Neigte sich bereits seinem Ende zu. Nur noch wenige unermüdliche Paare tanzten bei den nicht mehr sehr feurigen Weisen einer Polka - Mazurka und eirnge Mitglieder des Orchesters, welches auf der Galerie des Saales unteraebracht war. ließen ab und zu schläfrig Zf , 'T. " " "T ' T ruven. um verstohlen zu qahnen oder T , , iä m i ichallmr,en Dienern fuhren bereits unten am Portale des Kasinogebäudes vor. In einer Ecke des Saales saß in traulichem Geflüster ein junges Paar. Er hatte seine Hand leichthin um ihre zierliche Taille gelegt und sie bob errö khend ihr blondes Köpfchen, um ihm darauf in seine schwärmerischen, tiefdunklen Augen zu schauen, als ob sie daraus ein Geheimniß enträthseln wol le. Die beiden hatten sich an diesem Abende verlobt. Er war ein junger, talentvoller Maler, der trotz seiner Jugend bereits einen großen Ruf hatte. während sie an derselben Akademie, alf welcher er einen Lehrstuhl bekleidete. Studien machte. Wie sie so dasaßen, die beiden schönen Gestalten, hätte man glauben können, Amor und Psyche seien zu einem Rendezvous auf jenes Kränzchen gekommen. Bist Du damit einverstanden, lieber Erwin?- fragte sie ihn zärtlich, und wiederum huschte einer ihrer fragenden Blicke zu ihm hinüber. Aber Trudchen," sprach er bekümmert, so j lange möchte ich doch nicht warten? mem Geburtstag lst allerdings im Fe bruar. jedoch Sie schnitt ihm neckisch das Wort mit einem kleinen Scherze ab. bat ihn. sie zu ihrem Wagen zu begleiten und wenige Minuten später rollten sie durch die nur spärlich erleuchteten Straßen jenes Städtchens, in welchem unsere Geschichte spielt, nach ihrer Wohnung zu. wo er mit einem innigen Gute Nacht" von ihr Abschied nahm. So sonderbar es auch klingen mag: Trudchen hatte in ihrem von uns nur theilweise belauschter. Gespräch ihrem Verlobten die Bedingung auferlegt, daß er ihr den Verlobungswß erst an seinem Geburtstag geben dürfe, weleher, wie wir vernommen haben, im Februar stattfinden würde. Sie war eine äußerst romantisch angelegte Natur und träumte sich in eine fieberhafte Glückseligkeit hinein, deren Höhepunkt jener Tag, den sie jedoch vorläufig noch nicht kannte, bilden sollte. Ihre neugierige Frage, an welchem Tage er sein Wiegenfest feiere, hatte er unbeantwortet gelassen und bei ihren stürmischen Erkundigungen nur immer trübselig vor sich hingelächelt. Der Februar neigte sich bereits seinem Ende zu, ohne daß sie den gewünschten Aufschluß erhalten konnte. Ja. Erwin schien bei ihren ferneren Fragen noch verschlössener und betrübter als früher zu sein. Endlich konnte sie ihre Ungeduld nicht länger bemeistern. Sie ging zu dem Meldebureau, ließ sich von dem betrefsenden Beamten gegen Hinterlegung der üblichen zwanzig Pfennige den Anmeldezettel ihres Verlobten aufschlagen und erfuhr zu ihrem Entsetzen. daß das so lange verschwiegene Datum der neunundzwanzigste Februar war. Leichenblaß verließ sie das Meldeamt und irrte mit stürmischen Gefühlen in der wogenden Brust durch die Parkanlagen, die sich um das massive Gebäude ogen. stundenlang umher. Wir sind am Morgen des ersten März angelangt. Unter den Briefen, die Erwin erhielt, befand sich auch ein großes Counrt, welches einen ominösen Inhalt vermuthen ließ. Mechanisch öffnete er es. um demselben einen großen Wandkalender zu entnehmen, über welchem mit schöngemalten Buchstaben die Worte standen: Herzlichen Glück wünsch zum Geburtstage, Trudchen" und als sein Blick den Kalender verwundert überflog, bemerkte er. daß hinter dem achtundzwanzigsten der neunundzwanzigste Februar mit rother Tinte eingetragen war. während der erste März fehlte. O Frauennatur, wie bist Du doch so unergründlich und erfinderisch!" flüsterte er selig vor sich hin und wollte eben seinen Gedanken eine Schleuse öffnen, damit sie sich voll und ganz über jenes unüberhörbare und unbegrenzte Gebiet ergießen könnten, als sich de Thüre öffnete, Trudchen hereineilte, ihrem Erwin enthusiastisch um den Hals fiel, um ihn stürmisch zu küssen. ..Du Böser." rief sie ein über das andere Mal. hätte ich gewußt, daß Du erst im Jabre 1904 wieder Geburtstag hast, so würde ich mir diese harte Bedingung nicht auferlegt haben!" Er erwiderte ihre Zärtlickkeit glückselig und gab nunmehr selbst seine bisher verschwiegene Ansicht kund, daß die Schaltjahre für einen derartigen Vorsatz, wie ihn Trudchen gefaßt hatte, eine sehr unpraktiscb. ja sogar unangenehme Einrichtung seien. Daß für jenes Liebespaar der Monat März im Jc.hre 1900 nur dreißig T:7,e gehabt hat. läßt sich nach dem Vorhergesagten kaum bezweifeln. Vretchens lagelied. Meine Ruh' ist hin. Mein Herz ist schwer. Ich finde sie nimmer Und nimmermehr! Wenn ick ihn nicht hab', Ist mir das Grab! Die ganze Welt Ist mir vergällt! Nach ihm nur jcbau ich die Äugen mir aus. Nach ihm nur geh' ick Aus dem Hus! Sein schöner Kopf, Sein breiter Rand. Sein' edle Fa-on, So elegant. Und der Garnirung Duftiges Weiß! Sein zanur (5 h c' aw IN U5l ' i'nun Jiuy ij nr); TOnh' ,n hin i schwer Meii Hut Mir aj