Indiana Tribüne, Volume 24, Number 254, Indianapolis, Marion County, 31 May 1901 — Page 7
Jndiana Tribune, 81 Mai nun.
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Weltmacht.
Roman von M.. S t ahl. (Fortsetzung) Da? Schriftstellern war ihm ein ungewohntes Handwerk und vollzog sich unter Schwierigkeiten. In dicke Tabakswolken gehüllt, saß er ächzend am Schreibtisch oder lies im Zimmer auf und ab, indem er sich bald mit allen zehn Fingern durch die Haare fuhr, Sätze vor sich hin murmelte und zuweilen ein höhnisches Gelächter ausstieh. Er verspritzte Tinte in Strömen, bis an die Wand, Alles um ihn und an ihm war mit Tinte befleckt, und sein Papierconsum war ein ungeheurer. Wenn sich eine Fliege im Zimmer regte, wurde er rasend, und die leiseste Störung verursachte stets, daß ihm gerade der beste Gedanke verloren ging, von dem alles abhing. Seine Frau war in solchen Stunden eigentlich darauf angewiesen, sich in Luft zu verflüchtigen, denn es wurde ihr keine Berechtigung zur Bethätigung ihres Daseins gelassen. Entschieden kritisch wurde ihre Lage, wenn er ihr das Erzeugniß seiner Feder vorlaß. Sie sollte über jeden Satz ihr Urtheil abgeben, und er wiederholte die Vorlesung so lange, bis er etwas aus ihr herauspreßte. Sie wußte gewöhnlich nicht, was sie sagen sollte zu dem wunderbaren Machwerk und sagte darum stets etwas Verkehrtes, was ihn in Harnisch brachte. Es war eine Erlösung für sie, wenn das Normal - Gartenhaus" für einige Wochen die Broschüre in Vergessenheit brachte. Als der Sommer zu Ende gegangen und die letzte große Arbeit des Herbstes, die Obsternte und Kartoffelernte, beseitigt war. befiel Wulfhild eine tiefe Mutlosigkeit bei dem Danken an die kommende Ruhe des einsamen Winters. Die Arbeit allein batte ihre Lage erträglich gemacht und der Reiz des Ungewöhnlichen, der für sie in der Tbätigkeit lag, die hauptsächlich Männer ausüben, erhielt ihre Nerven in Spannung. Aber die alltägliche Gewohnheit schwächte diesen Reiz ab. und sie hatte jetzt die kleine Wirthschaft so vollkomwen beherrschen gekrnt und so gut im Zuge, daß sie ihr bei der eintretenden Ruhe des Winters nicht genügend Deschäftigung bot. Im Frühling war das Drama, das sie im Laufe des letzten Winters geschaffen, an die Intendanz des H?ftheaters der Residenz abgesandt worden. Ehe sein Schielsal entschieden, fühlte sie sich nicht im Stande, ei.ien neuen Versuch zu machen und mit jedem Tag. der verging, ohne ihr den gehofften Ticktererfolg zu bringen, lltt sie stärker an der lähmenden Tepiession der Enttäuschung. Von ROderich kamen die Nachrichten immer seltener. Er war mit dem Bahnbau in Gegenden beschäftigt, die ihn zeitweise von Postoerbindung'n abschnitten, und außerdem mit Arbeit überbürdet. Seine Briefe lauteten zwar hoffnungsfroh des guten Erfclges. aber sie enthielten nur dürftige Thatsachen, und er konnte sich nicht wie früher auf intimen Gedankenaustausch mit ihr einlassen. Von Rauschnigk, der getrennt von ihm. an einer anderen Stelle am Bahnbau arbeitete, wußte er schon längere Zeit nichts Näheres. Im Frühling hatte sie die Anzeige von der Verbindung Else Eichlers mit dem Bankier Normann erhalten. Das war ein doppelter Schlag geWesen, es kränkte sie doch, daß Else Roderich so schnell vergaß. Und daß gerade Normann ihr Gatte wurdc, mußte trennend zwischen sie treten, denn ihr Vater verzieh diesem das Unglück nicht, das er über ihn gebracht, und nahm großen Anstoß an seiner zweiten Vkrehelichung, die seinen Groll heftiger entfachte. Seiner Meinung nach war die Ertraaganz dieser Heirath ein Verdrech?n gegen ihn, da der Bankier vor allen Dingen danach trachten mußte, seine Schuld gegen ihn gut zu machen. Außerdem nannte er Nor,mann einen Narren und einen Esel, weil er ein so junges und schönes Mädchen zur Gattin gewählt. An einem milden, grauen Novembernachmittag hatte Wulfhild Hut und Mantel genommen und ging durch den Wald dem Postboten entgegen, der um diese Stunde die Landstraße daherzukommen pflegte, und wenn er twas für den Waldhof abzugeben hatte, in den Fußpfad einbog, das Gehölz durchschreitend. Sie ging ihm jetzt fast jeden Tag entgegen, immer auf eine erlösende Nachricht hoffend, und ihre Muthlosigkeit wuchs. Dank der regen Thätigkeit, die sie bei jedem Wetter ins Freie führte, und ihrer gesunden Lebensweise, hatte sie sich körperlich auf das vortheilhafteste entwickelt. Sie war kerngesund geworden und kräftig wie eine junge Tanne. Das Uebermaß an Lebensfülle und Jugendkraft wurde ihr fast zur Last und quälte sie. Ihre Augen zeigten erhöhten Glanz, und das blühende, warme Eolorit verrieth den Einfluß von Sonne und frischer Luft. Sie war fast noch schlanker geworden bei den Strapazen der Landarbeit, aber ihre Glieder hatten sich fester gerundet und
die elastische tegsamkelt der Muskelkraft angenommen. Sie stand jetzt im 22. Jahr, und ; ihre Schönheit hatte die volle Mädchenreife der ersten Jugend erlangt, j Diese Schönheit besaß oft eine seltsam l quälende, aufreizend Macht über sie. i Wie alles im Leben nach Bethätigung ! und Nutzanwendung drängt mit dem j Jnstinct zu seiner Zweckbestimmung, so j lag auch rn dieser gesunden, oollvluyen-; den Schönheit das unbewußte Verlan- i gen. ihren Zweck zu erfüllen. Es war ein geheimes Sehnen und Verlangen, ! ein Drängen und Treiben nach Un- j nennbarcm. Unfaßbarem und doch beängstigend Ahnungsvollem, zwischen Wonne und Grauen schwankend, was ! ihr oft Ruhe und Gleichgewicht raubte, i Und dazu die heimliche Seelenangst, sich wie in einem Kerker zu fühlen, wie j abgeschieden und abgetrennt von der l Welt, von dem großen, hochwozenden ! Str?m alles Lebens, dessen Rauschen !
sie nur im Traum wie herrliche, brausende Musik von ferne hörte. Die Angst, hier in der Enge und Dürftigkeit vergessen und wie begraben zu bleiben, langsam zu verblühen, zu welken, bis sie müde und abq?storben war, schnürte ihr Herz und Seele zusammen und lag wie ein erstickender Alp auf ihr. Sehnsüchtig erwartete sie einen Brief von Roderich mit dem heimlichen Verlangen, auch einmal wieder Nachrichroon Rauschnigk zu erhalten. Sie wunderte sich nicht, daß er nie direkt geichr:eben. denn in ihrem Gesellschaftskreis galt die Eorrespondenz eines Mannes mit einem jungen ?A'älchen für unstatthaft, wenn sie nicht sci. ne Braut war. und ein heimliche? Briefwechsel war unter obwalten.7 Verhältr.tssen unmöglich. Außeoer.i hätte sich Wulfhilds peinliches Ehrgefühl, in den Vorurtheilen ihres Standes groß gezogen, schwer dazu verstauden. Heftig klopfte ihr das Herz vor Erwartung, als sie jetzt die bekannte Gestalt des Postboten von der Chaussee abbiegen und den Waldpfad daher kommen sah. Geflügelten Schrittes eilte sie ihm entgegen und hielt bald einen an sie persönlich adressirten Brief in der Hand, 'der den Poststempel der Residenz trug, sehr vornehm aussah, ein feines, durchdringendes Parfüm verbreitete und in den outrirt großen,! festen Zügen der Handschrift die modeine Damenhand verrieth. Erstaunt und neugierig öffnete ! Wulfhild das Schreiben und las zu ihrer großen Ueberraschung zuerst die Unterschrift: Elvira, Prinzessin von X. ? er Inhalt lautete: Gnädiges Fräulein! Mit großem Interesse habe ich das von Ihnen an die Intendanz unseres Hostheaters gesandte Trauerspiel gelescn und kann dem Wunsch nicht wiOerstehen, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen. Seit Jahren gehört dem modernen Drama mein ganzes Interesse, und wenn auch Ihr Werk in seiner jetzigen Fassung für unsere Bühne nicht möglich ist, so verräth es doch eir: Talent, dem ich um der Eigenart der Persönlichkeit willen, gern näher treten möchte. Unter dem Zwang der Verhältnisse, die Ihnen nicht unb?konnt sein dürften, erscheint es mir -boten, unsere erste Begegnung oyne Zeugen stattfinden zu lassen. Ich werde am Freitag Nachmittag in dem Pavillon ..Feenluft" den Thee nehmen, und es wird mir eine Freude sein. Sie dort ungestört zu empfangen. Wenn Sie mit der Dampfstraßenbabn bis Rottenbühl fahren, wird mein Wagen Sie an der Endstaticn erwarten. Geben Sie dem Kutscher ihre Karte, und er bringt Sie nach der ..Feenluft". Ihrem Dichterwerk nach zu urtheilen, sind Sie vorurtheilsfrei. objektiv und weitherzig genug, um sich über Familienzwang und Tradition hinwegzufetzen und mir ebenso wie ich Ihnen ein rein menschliches Interesse entgegenzubringen. Ich fühle die verwandte Seele in Ihnen beim Lesen Ihres Werkes und möchte mir den seltenen Genuß einer solchen Bekanntschaft nicht verfaaen. lölvira Pnnzessin von K. Betroffen und mit den widerstreitendsten Empfindungen starrte Wulfhild den Brief an. Die Einladung der Prinzessin befob den unwiderstehlichen Reiz des Romantifchen und Außergewöhnlichen, aber Wulfhild war mit so starker. Vorurtheilen gegen das herzogliche Haus erzogen, daß der Gedanke, zu einem Glied desselben in nähere Beziehungen zu treten, sie wie ein Verrath an der eigenen Familie anmuthete. Sie wußte ganz genau, daß ihr Va ter nie die Erlaubniß zu diesem Rendezvous mit der Prinzessin geben würde, es konnte nur heimlich geschehe?., wie ja auch deutlich aus dem Briefe der Prinzessin hervorging, daß sie Heimlied zu Werke ging. Diese Heimlichkeit gab zwar de ganzen Sache oen Reiz des Romanhaft ten. aber Wulfhilds Stolz bäumte sich doch dagegen, so gewissermaßen nur über Hintertreppen Zutritt erhalten zu sollen. Gerade in der demüthigenden Lage ihrer gesellschaftlichen Deklassirung fühlte sie die Zumuthung de? Prinzessin fast wie eine Beleidigung. Sie redete sich selbst em: eine Dell menhorst ginge nur durch die Front thür in des Herzogs Palast und schliche nicht durch Hinterthüren ein, und sie wußte dabei noch nicht, daß es ihr ganz unmöglich sein würde, dem Ruf nach der Feenlust" nicht zu folgen.
Das furcuare aeisnae und seelische
Darben und Entbehren ihres jetzigen Lebens machten es unmöglich, der Verfuchuna zu w'.d:rstehen. einmal dem Kerker de? Dürftigkeit zu entfliehen und wieder einen Athemzug der gewohnten Lebens - Atmosphäre zu thun, und in ihrer entsetzlichen Verlassenheit konnte sie nicht anders, als nach der sich bietenden Hand greifen wie ein Ertrinrender. der auch nicht frag:, ob Freund oder Feind ihm zu Hilfe kommt. Bereits in der. folgenden Nacht überlegte sie, wie sie ihre Eltern über den Ausflug nach der Feenlust" täuschen könnte. Es war nicht so schwer, da sich schon zu wiederholten Malen die Nothwendigkeit für sie ergeben hatte, zu Einkäufen nach der Stadt zu fahren. Der nahe gelegene Bahnhof war leicht zu Fuß zu erreichen, und in einer halben Stund fuhr sie nach der Residenz. Eine zweite halbe Stunde brachte sie mit der Dampfstraßenbahn nach dem Vorort Rottenbüh!, wo der Wagen der Prinzessin sie erwarten sollte. Die unbesiegliche Lust, diesen AuSflug zu unternehmen und die Bekannt''chaft der Prinzessin zu machen, die ihr durch die Anerkennuno ihres Talents und durch das schmeichelhafte Interesse für ihre Person in sympathischem Lichte erschien, ließen sie endlich alle Scrupel überwinden. Sie redete ihren Eltern einen nöthigen Einkauf in der Stadt vor. den sie thatsächlich auf dem Rückweg besorgen wollte. : i 18. Capitel. ?i'm Freitag zur besttmmien Stunde lV:i?g Wulfhild mit einigem Herzklor'en die Equipage, die für sie in Rottcnbühl bereit stand. Es war eine offene, leichte Chaise, Kutscher und Diener in einfacher dunkler Lior, ohne Abzeichen ihrer Hofstellung. Elvira liebte es zuweilen, auf ihren Ausflügen nicht erkannt zu werden. ,t Die Feenlust", ein Rococo-Patnl-Ion, lag in einem englischen, großen Park, von dem meilenweiten herzoglichen Forst umgrenzt. Außer Elvira besuchte ihn niemand von der Herzogsfamilie, sie hatte jedoch eine Vorliebe für seine waldumrauschte Einsamkeit gefaßt, weniger aus poetischer Neigung zur Naturschwärmerei, denn sie war nickts weniaer als eine poesievolle Natur. sondern weil er die beste Gelegenheit bot zu allerlei Heimlichkeiten. Sie hatte stets heimliche Pläne und Anschläge hinter dem Rücken ihres Vaters. und wenn eine Audienz oder Berathung Verborgenheit wünschenswerth machten, war der Pavillon das geeignete Terrain dazu. Er enthielt in einem versteckten Wandschrank, der nur mit besonderer Kenntniß seiner Ver-schluß-Mechanik geöffnet werden konnte. die verschiedensten Documente und Aktenstücke ihrer verbi rgenen Thätigkeit. Selbstverständlich besaß der Pavtllon die geheimen Wandschränke und Tapetenthüren, die in den Abenteuern seiner Vergangenheit eine Rolle gespielt hatten und mit der Chroniqu scandaleuse des Herzogshauses in dem üblichen Zusammenhang standen. Mit der ihr eigenen Nüchternheit hatte Elvira alle weiteren Spuren seiner früheren Bestimmung aus dem Wege räumen lassen. Die Portraits schöner Maitressen langvermoderter Herzöge. Andenken an dieselben, die Einrichtung eines Schlafgemachs von raffinirtem Lurus und ein GemäldeCyklus von hohem künstlerischem Werth, der intime Scenen aus dem Liebesleben Jupiters darstellte, all diese anstößigen Dinge waren in einer Dachkammer dem Verstauben und Vermodern preisgegeben. Sie hatte die alte Liebesbude", wie sie sich ausdrückte, rehabilitirt. und wieder zu einem Aufenthalt für anständige Menschen gemacht. Aneinem zierlich gedeckten, mit feinem Gebäck und Confitüren reichlich besetzten Theetisch erwartete sie jetzt mit einiger Spannung ihren Besuch. 'Es war vor allen Dingen die Neigung zur Intrigue gegen ihren Vater, die sie gereizt hatte, mit der Familie seines Feindes anzuknüpfen. In zweiter Linie trieb sie die Langeweile, das schreckliche Uebel, an dem sie qualvoll litt, wieder einmal eine neue Bekanntschaft zu suchen. Die Erfahrungen des letzten Winters raubten ihr die Lust zu einem Aufenthalt im Ausland, und der Gedanke, die ganze Saison mit der konventionellen, sich immer gleich bleibenden Geselligkeit der Kleinstadt-Re-sidenz zuzubringen, war zum brechen", wie sie ihrem jüngsten Bruder kürzlich klagte. Das literarisch - künstlerische Inte resse für Wulfhilds Talent war nur Mittel zum Zweck. Sie gehörte nicht zu den Wenigen, die die Kunst und die heilige Wissenschaft um der Schönheit und der Wahrheit willen lieben und sich ihrem Dienste mit reiner, selbstloser Begeisterung ergeben, sie besaß nur Verstand genug, um die Macht zu erkennen, die diese Culturfactoren auf die Gemüther und Geister ausüben, darum trieben sie Eitelkeit und Ehrqeiz, ihrer an und für sich unbedeutenden Person diese Macht sich dienstbar zu machen. Fräulein von Dellmenhorft", mel dete jetzt der alte Diener, der eine Art Aufseher und Castellan - Posten in der Feenlust" bekleidete. Er hatte Befehl gehabt, die junge Dame unverzüglich einzuführen. ' Die Prinzessin aina Wulkbild ein
paar Schritt entgegen. Sie hatte sich doch eine ganz andere Vorstellung von dem heruntergekommenen LandfräuUm"; dem Blaustrumpf vom Dorfe", gemacht und fast mit einer Anwandlung von Verlegenheit ließ sie die herablassende Protectormiene fallen. Obgleich dunkel und einfach gekleidet, fah Wuslhild unbeschreiblich vornehm und reizend aus. Ihre weiße Gesichtsfarbe hatte einen zarten, rosigen Anflug von jenem wundervollen Schmelz, den nur eine kerngesunde Natur und blühende Gesundheit verleihen. Die dunkelgrauen Sternaugen waren noch größer und strahlender geworden, von innerem Feuer durchglüht, seitdem ihr ganzes Wesen sich in Energie verwandelt und in Sehnsucht brannte. Die unverschuldeten Demüthigungen des Schicksals stachel ten unaufhörlich ihren Stolz und lie ßen sie ihr Haupt noch höher und freier tragen als zu Zeiten des Glücks. Der ganze, vom Vater eingeimpfte und anerzogene Familientrotz erwachte in ihr in dem Augenblick, als sie zum ersten Male einem Glie,d der Herzogsfamilie gegenübertt. Sie hatte sich in sich selbst geirrt, als sie geglaubt, der Prinzessin vorurtheilsfrei begegnen zu können und sie brachte es nicht über sich, den steifen Nacken so weit zu beugen, wie es die Etiquette erforderte. Elvira aber sah in ihr auf den ersten Blick nur das schöne, von der Natur begnadete Weib, und sie wußte, daß diese Schönheit eine viel größere Macht bedeutete, als ihre ganze fürstliche Würde. Sie beugte sich dieser Macht und war sofort entschlossen, sie für sich zu benützen. Darum sah sie über alle Formfehler des der Hofetiquette unkundigen Gastes hinweg und reichte Wulfhild mit gnädigem Lächeln die Hand zum Gruß. Meine liebe Baromß, Sie glauben nicht, wie Sie mich durch Ihren Besuch erfreuen! Nein, und wie überrascht ich bin!" sprudelte sie mit nervöser Lebendigkeit hervor. Der geisti gen Reife Ihres Werkes nach, zweifelte ich teinen Augenblick, einer Dame in höherem Lebensalter zu begegnen! Wie ist es möglich, so entzückend jung zu sein und so etwas zu schreiben?" Hoheit haben befohlen, und ich konnte der Einladung nicht widerstehen," sagte Wulfhild immer noch mit einem Anflug von hochmürhiger Steifheit. Ich erlaube mir jedoch zu bemerken, daß ich diesen Besuch nur heimlich ausführen konnte. Deshalb komme ich mit schlechtem Gewissen. Ich muß betonen, daß die Verantwortung dafür einzig und allein auf mich fällt." Natürlich heimlich, liebste Baroneß. ebenso heimlich wie ich! Das ist ja gerade das Reizende bei diesem tte-ä-tete," rief Elvira mit affectirter Jugendlichkeit in die Hände klatschend und lachend. Endlich einmal etwas Außergewöhnliches, etwas, was sich nicht all Tage von selbst versteht, wie mejn ganzes übriges Leben. Nun sagen Sie, ist es nicht pikant, ist es nicht romanhaft, ba wir uns hier seelen verwandt zusammenfinden, während der reine Montechi- und CapulettiZwist unsere Familien trennt?" Dem ersten Eindruck nach war Wulfhild diese Seelenverwanotschaft zweifelhaft, darum wußte sie nicht recht, was sie sagen sollte. Elviras Aeußeres, ihre forcirte Jugendlichkeit und zappelnde Lebendigkeit berührten sie unsympathisch. Die Prinzessin trug eine Toilette, die sie ganz erdrückte. eS fehlte ihr das Verständniß dafür, daß eine unschöne Frau sich nicht ideal kleiden darf, wenn sie ihre mangelnden Reize nicht in das grellste Licht setzen
will. Das mit Zobelstreifen verbrämte altdeutsche Edelfräuleincostüm von veilchenfarbenem Sammet, mit dem schmalen, silberblitzenden Gürtel machte die Dürftigkeit ihrer Gestalt und ibren fablen Teint ziemlich fühlbar. (vriietzung folgt., Alte Jungfer (vom Raub der Sabinerinnen lesend): Ach ja! Die ! gute alte Zeit!" B e i U i s ch. Gattin: ..Ich fange jetzt schon an. zu einem Wihnacbtsaeschenk für Dich zu svaren."- Gatte: Das merke ich." Gattin: Woran denn?" Gatte: Am Essen!" Gewiß. Seitdem ich oerheirathet bin. sitzt kein einziger Knovf an meinem Rocke." Aber ich bitte Dick. wen Du ledig geblieben wärest, wären die Knöpfe auch abgesprungen." Boshaft. Schriftsteller : Diese Gedichtsammlung werde ich trotz elledem meiner ehemaligen Braut widmen, die mich so treulos verlassen hat!" Freund: Weißt Du. das ist aber eine sehr unedle Racbe!"
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