Indiana Tribüne, Volume 24, Number 253, Indianapolis, Marion County, 30 May 1901 — Page 1
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ilns öra öculfcOrii JftuS. Tie Königm Wilhclmine am Tonnerftag in Potsdam erwartet. Am Freitag wird sie formell in Ber!in willkommen geheißen werden. Jrnrnösifdje Offi.iere bei der Earde Varade ans dem Tempeltjofer Zelde. Ter Krieg in Südafrika. 42 Todte und 101 Verwundete Scrlorcu die Briten allein vom 22. bis 25. Mai. Mehr als $13,000,000 Soll die Kanalisiruug und Pslastcrung von Havana kosten. Aus dem deutschen Reich. Berlin. 30. Mai. Am Mittwoch hielt der Kaiser Wilhelm eine Revue iber die erste Garde-Brigade auf dem TeiTivelhofer Felde ab. Auf dem Rücknarschk ritt der Kaiser an der Spitze oer Brigade durch die Stadt. Der Rcrifer war von einem glänzenden Ge'olge umgeben, in dem sich auch Gene:al Bonnot und die anderen französi'chen Offiziere befanden. Später speite der Kaiser mit den Offizieren. Während des Banketts sab der französische General - Major Bonnal 3ur sinken des Kaisers, der einen Toast auf )ie französischen Gäste ausbrachte und ich mit ihnen angelegentlich unterhielt. Ter Ver. Staaten Militär-Attacke. tfiajor Kerr, war auch zu dem Banfeit 'ingeladen worden. Auf Wunsch des Kaisers Wilbelm vird am Freitag der Bürgermeister Kirchner nach der Frühjahrsparade, die Stöntgin Wilhelmine von Holland am Brandenburger Thor empfangen und ie in Berlin willkommen heißen. Am Donnerstag Abend wird au Eh:en der Königin in Potsdam ein grozer Zapfenstreich stattfinden. Die Vossische Zeitung" ist der Anicht, daß Deutschland in diesem Jahre n Folge der schlechten Ernte. 1.500,000 Tonnen mehr Weizen und 760,000 Tonnen mehr Roggen importiren muß lls im letzten Jahr. Die sämmtlichen Mächte haben ihre Zustimmung dazu gegeben, daß der Ärzf von Waldersee das Oberkomnando über die verbündeten Truppen n China niederlegt und in den nachten Tagen China verläßt. Die Ver. Staaten haben, indem sie dem Vorchlag zustimmten, den außergewöhnlihen Takt und das Geschick des Grafen on Waldersee gelobt, mit denen er sich eine? schwierigen Pflichten entledigt, vie auch seine den amerikanischen Of'izieren gegenüber stets bewiesene Höfichkeit. Die anderen Mächte, namentich England, haben sich in ähnlicher Weise ausgedrückt. In deutschen Kreisen ist man fest von überzeugt, daß der Vorschlag ks solle China die Entschädigung in Bonds bezahlen, mit jährlicher TheilZahlung von Kapital und Zinsen, angenommen werden wird, vielleicht sogar 'instimmig. Die in der Provinz Pe Chi Li zukückbleibenden Truppen werden unge'ähr 4000 Mann stark sein. In hieslzen Beamtenkreisen wird in Abrede geteilt, daß Deutschland diese Truppen ?ort lasse, um Privat-Pläne zu verolgen. Die Truppen bleiben nur dort, im darauf zu sehen, daß die FriedensBedingungen auch erfüllt werden. Berlin. 30. Mai. In Gumbinaen. Ost-Preußen. begann am Mitiroch der Prozeß gegen drei Unteroffiziere vom XL Dragoner-Regiment Nanens Marken. Hicket und Domning. lllle Drei sind angeklagt, den Chef der dritten Eskadron, Rittmeister von ffrosigk, am 22. Januar ermordet zu haben. Es liegen nur Umstandsbeveise gegen die Angeklagten vor. Interessante Probefahrt. London. 30. Mai. Eine intertffante Dampfkessel-Probe ist von dem arlanients-Kommittee, das den relaiven Werth der verschiedenen Dampf'essel für Marinezwecke untersuchen soll, arrangirt worden. Die beiden Kreuzer zweiter Klasse ..Hyacinth" und .Minerva", von je 5600 Tonnen Deolacement. von denen der erstere mit Lelleville-Kesseln versehen ist und der letztere mit schottischen Kesseln, haben Befehl erhalten, gleichzeitig von Portsmouth aus nach Gibraltar abzufahren und die ganze Reise unter vollem Dampf zu machen. Es soll dabei fest-
zeneul werden, welche Ärt von Dampfkesseln eine lange Reise bei vollem Dampfdruck am besten aushalten kann. Keine Konskription für Finnland. Stockholm. 30. Mai. Es wird )ier versichert, daß der russischeStaatsrath nacd langer Debatte mit großer
Majorität den Vorschlag des Kriegs- ' Ministers Kurupatkin, daß m Finnland die Konskription eingeführt werden soll, verworfen habe. Der Groß, fürst Wladimir, ein Onkel des Zaren, stimmte mit der Majorität. Der Krieg in Südafrika. London. 30. Mai. Eine am Mittwoch Abend vom Kriegsamt oeröffentlichte Verlustliste enthalt die Namen von 42 getödtetcn und 101 verwundeten Briten. Die meisten dieser Verluste entfallen auf die Zeit vom 22. bis 25. Mai. und wurden in den Kämpfen zwischen Bethel und Standerton. im östlichen Transvaal, erlitten, wo General Blood operirt. Kapstadt. 30. Mai. Zweibun-. dert Boeren haben sich in Pelapye. Betschuanenland. ergeben und 42 Wagen mit Männern. Frauen und Killern haben sich in Fort Tuli, Rhodesia, erzeben. Aus China. Tien Tsin, 30. Mai. Zwei britische Transportdampfer sind vor Taku angekommen, um Truppen für Indien an Äord zu nehmen. Ein an?erer Dampfer, der während des Zagei erwartet wird.- wird das BeluchistnRegiment nach Wei Hai Wei bringen. General Lorne Campbell, der hiesige britische Kommandeur, sagt, daß die internationale Situation in Tien Tsin letzt besser sei wie zu irgend einer Zeit eit d?rLandung der Truppen, obgleich Die Russen Einwand dagegen erhoben, Daß die Briten ihre Flagge über einer Brücke aufhißten, nachdem die amerikalifche Flagge eingezogen worden war. Der russische Kommandeur. General Wogack. zog aber später seine Einwän)e wieder zurück. Trauen den Russen nicht. St. Petersburg. 30. Mai. llus Persien kommt die Nachricht, daß toi von Rußland angebotene Darleben ?on 15.000.000 bis 20,000,000 Rudel icht angenommen worden sei, da der -chah die von Rußland verlangte Sicherheit und die von Rußland beg?hr-. ten werthvollen Privilegien in SüdVersien nicht bewilligen wollte. Man schreibt hier das Zerschlagen der lln'erHandlungen britischen Einflüssen zu. Paderewski's Oper .M antu". Dresden. 30. Mai. Paderewski's dreiaktige Oper Manru" .vurde im königlichen Opernhaus hierselbst aufgeführt und mit großem Beifall aufgenommen. Der Text behandelt :ine Tragödie aus dem polnischen Zizeunerleben und Zigeunermusit ist in meisterhafter Weise eingewoben. Die B e u l e n p e st. London. 30. Mai. Sir Henry Blase, der Gouverneur von Honakong. hat an das Kolonialamt berichtet, daß in der am 25. Mai beendeten Woche in Hong Kong 187 Personen an der Beulenpest gestorben seien. In Willesden. einer Vorstadt von London, ist ein Mann gefunden wo:den, der an einem leichten Fall von öculenpest leidet. Der Mann ist isoiirt norden und befindet sich unter ärztlicher Beobachtung. Die Zionisten - Bewegung. London. 30. Mai. Dr. Theodor Herzl. der Gründer der Zionisten-Be-negung und der Palästina-Association, hatte in den letzten Tagen mehrere Audienzen bei dem Sultan in Konstantinopel. Der Sultan hat ihm einen hohen Orden verliehen und ihm werth?olle Geschenke gemacht. Dr. Herzl hat werthvolle Konzessionen für sein Projekt, die Kolonisirung des südlichen Palästina mit Juden, vom Sultan erlangt. . . Mordangriss aus einwog chen. Des Moines. Iowa. 30. Mai Charles Neil. 19 Jahre alt. betrat am Mittwoch I. W. Mercers Haus in hiesiger Stadt und begann, ohne ein Wort zu sagen, auf die dreizehn Jahre alit Effie Mercer zu schießen. Obgleich ei drei Schüsse abfeierte und jedesmal sorgfältig zielte, blieb dasMädchen unverletzt. Neil entfloh dann, er wurde aber bald eingefangen. Er bekannte sich später des Mordangriffs schuldig und wurde an die Großgeschworenen überwiesen. Man glaubt, dak der junge Mann irrsinnig ist. wenngleich er den lnorua macyl, ais oo er ganz vernünftig sei. Southampton.29. Mai. Ab gegangen: Kaiserin Maria Theresia". Von Bremen, nach New Jork bestimmt.
Schreckliches Synch-
Gericht
Ein Neger in Bartow, Fla., lebendig verbrannt. Er hatte eine weiße ZZrau vergewaltigt und ermordet. DynamwEfPlosiou in Booneville, Mo. Eine Dank in Vradner, O., um $4,000 beraubt. Oelauellen in Louisiaua und Tennessce augebohrt. Tie Reumou der Konfödentteu-Vctc-rancn. Am Pfahle verbrannt. Bartow. Fla.. 30. Mai. Ein schauderhaftes Verbrechen wurde hier auf ebenso schauderhafte Weise geführn. Der Neger Fred. Rochelle, welcher Frau Lena Taggart, eine geachtete weiße Dame, vergewaltigt und ermordet hatte, wurde lebendig am Pfahle verbrannt, auf derselben Stelle, an der er sein verabscheuungswürdiges Verbrechen begangen. Am Dienstag Vormittag um 10 Uhr befand sich Frau Taggart in einem Boote auf dem Piaco-Bache, um zu fifchen. Kurz vor Mittag legte sie, um sich nach Hause zu begeben, ihr Boot an der über den Bach führenden Brücke an. Ein Neger stand zur Zeit auf der Brücke, von wo aus er seine Angel ins Wasser geworfen hatte. Frau Taggart hatte nur wenige Schritte in dem Sumpflande nach ver Prairie und der Hauptstraße dieses Ortes zurückgelegt, als sie von Rochelle, welcher sich in dem Sumpf versteckt hatte, überfallen wurde. Schreiend riß sie sich los und gelangte auf die Prairie. Hier wurde sie indessen von dem Neger eingeholt und vergewaltigt. Auf seinem wehrlosen Opfer kniend, zog dann der Mordbube sein Tafchenmesser heraus und durchschnitt der Frau den Hals von einem Ohr zum anderen, so daß sie sofort den Geist aufgab. Er begab sich dann zu dem auf der Brücke fischenden Neger, der mit Entsetzen Zeuge des Mordes gewesen war, und fragte diesen. wohin er die Leiche bringen könne. Dieser sagte ihm. er solle sie liegen lassen wo sie wäre. Rochelle trug den blutenden Leichnam dessen ungeachtet nach dem Bache zurück, warf ihn in den Sumpf und verschwand selbst in dem Dickicht des Sumpflandes. In wenigen Minuten war die Mordthat bekannt geworden und die ganze Stadt war auf den Beinen. Blutbunde und Sheriffsmannschaften durchstreiften nach allen Richtungen das Land, aber bis Mittwoch Morgen ohne Erfola, Rochelle war anscheinend entkommen. Um Mittag brachte indessen ein Kommittee die Nachricht, daß der Verbrecher von zwei anderen Negern drei Meilen südlich von der Stadt gefangen genommen worden sei. Sofort machten sich Hunderte nach dem Platze auf, die Neger wichen mit ihrem Gefangenen indessen den rachedurstenden Verfolgern aus und lieferten den Gefangenen sichei in der Stadt an die Behörden ab. Aber in weniger als 10 Minuten hatte die erregte Menge trotz des energischen Widerstandes des Sheriffs und seiner Beamten das Gefängniß erbrochen und sich des Gefangenen bemächtigt und schleiften den vor Furcht zitternden Neger dem Schauplatze seines scheußlichen Verbrechens zu. Die Menge war zwar ruhig und ordentlich, aber augenscheinlich fest entschlossen, die furchtbare Blutthat auf noch furchtbarere Weise zu sühnen. Vom Hängen war gar keine Rede, dem Verbrecher war ein qualvoller Tod bestimmt. An derselben Stelle, wo Frau Taggart hingeschlachtet worden war, wurde ihr Mörder auf ein leeres Faß gestellt und mit Ketten an einen Pfahl gebunden. Seine Bitten um Gnade verhallten ohne Eindruck auf die Äenge. Kannen mit Petroleum wurden gebracht und der Inhalt über den Verbrecher und das Faß ausgeleert und dann Feuer an dasselbe gelegt. Im nächsten Augenblicke schlugen die Flammen hoch auf und die flackernde Lohe verhüllte den in Todesqualen sich windenden Körper des Verbrechers. Als die Flammen nachließen, waren die Schmerzensschreie des Negers verstummt und nur die Zuckungen der Gliedmaßen verriethen. daß noch Leben in dem Körper war. Fünfzehn Minuten lang blieb de.rse.lbz den. Flammen ausgesetzt und
nacy einer yalden Stunde war von dem Verbrecher nur noch ein Häufchen verkohlte Knochen übrig. Die Menge zerstreute sich ebenso schweigend wie sie gekommen war und am Abend herrschte wieder völlige Ruhe in der Stadt. Der Unterschlagung von $18.200 angeklagt. New Orleans. La.. 30. Mai. Philip Schumacher, der frühere Zahlcerlk der Teutonia Bank, wurde am Mittwoch von der Grand Jury der Unterschlagung von $18,200 angeklagt. Am 14. Mai. Abends, wurde Sckuwacher halb besinnungslos und aus einer Wunde am Bein blutend, im Bankgebäud? aufgefunden. Er sagte später, daß er von zwei Dieben überfallen morden sei, die mit mehreren Packeten von Banknoten entkommen seien. Die Geschichte von dem Ueberfall wurde von keiner Seite bestätigt, es wurde aber ein Defizit von $18,200 gefunden und die Großgeschworenen schlössen sich offenbar der Ansicht der Bankbeamten an, daß Schumacher die Geschichte erfunden hat, um seine Unterschlagungen verdecken zu können. Eigenthümlicher Todesfall. Lexington, Ky., 30. Mai. Milton I. McCarty, 68 Jahre alt. starb am Mittwoch Abend in einem hiesigen Hospital. Die Aerzte sagen, daß der Mann an Hydrophobia gestorben fei; infolge der eigenthümlichen Umstände aber, die den Fall umgeben, wird eine Autopsie der Leiche vorgenommen werden. McCarty's Frau begab sich amDienstag nach Cincinnati. Als der Mann, der sich zur Zeit anscheinend in bester Gesundheit befand, seiner Frau Leb? wohl sagte, erklärte er plötzlich, daß sie ihn nicht wieder lebend sehen würde, da er fühle, daß er während der Nacht sterben werde. Später begab er sich zu s:inem Sohn, den er aufforderte, mit ibm zu kommen, damit er bei seinem Tode zugegen seir könne. Am dem Wege nach seiner Wohnung stellten sicki schnell alle Symptome von Hydrophcbia ein und der Mann wurde dann nach dim Hospital gebracht, wo er unter schrecklichen Leiden starb. Der Defenbach-Unger-Prozeß. Chicago. Jll., 30. Mai. In dem Prozeß gegen Dr. Unger und Andere, die in Verbindung mit dem Tode der Marie Defenbach angeklagt sind, sich zur Beschwindelung von Versiche-rungs-Gesellschaften verschworen zu haben, machte am Mittwoch Dr. E. H. Schroeder wichtige Aussagen. Er sagte, daß er fünf Stunden vor dem Tode der Defenbach bei dieser gewesen sei und das Mädchen sich dann in keiner Gefahr befunden habe. Ihr Befinden sei in der That ein so günstiges gewesen, daß er ihr sagte, sie könne am nächsten Tage wieder ausgehen. Frl. Defenbach sagte dem Arzte jedoch, daß sie erwarte während der Nacht noch sehr krank zu werden und sie ihn in dem Falle rufen lassen werde. Während des Tages stellte es sich auch heraus, daß im September 1893 ein Bruder des Dr. Unger in New Aork unter ähnlichen Umständen wie Marie Defenbach gestorben war. Er war damals als Leiche in seinem Zimmer im Grand Union Hotel gefunden worden, und die Coroners-Jury gab den Wahrspruch ab. daß er in Folge von Selbstmord oder auf andere Weise ums Leben gekommen sei, und zwar durch Vergiftung." Es wurde eine LebensVersicherungspolice für $5000 gesunden, welche Summe der Schwester Unger's vermacht worden war. Dr. Unger war als Trustee genannt, seine Kontrolle über das Geld war aber keine absolute. Die American Surety Company von New Aork wurde mit der Verwaltung des Geldes beauftragt. Dr. Unger soll nun von der Surety Company die Erlaubniß erhalten haben. das Geld selbst für seine Schwester anzulegen. Als die Letztere davon nichts zu sehen bekam, verklagte sie die American Surety Company, weil sie kein Recht gehabt habe, das Geld Dr. Unaer auszuliefern. Die Klägerin soll auch die $5000 zugesprochen erhalten haben, während ihr Bruder der Verfolgung entging, weil man seinen Aufenthalt nicht feststellen konnte. Handelte in Selb st vert h e i d i g u n g. London. Ky.. 30. Mai. Das Beweismaterial gegen John Webb. der Ermordung von Chas. Hall angeklagt, beides Gegner in der Gerrard-White-Vendetta, wurde am Mittwoch Nachmittag den Geschworenen übergeben, welche indessen schon nach 5 Minuten einen auf Nichtschuldig lautenden Wahrspruch verkündeten. Hierdurch wurden auch die Anklagen gegen Bill McCollum und Taylor Spurlock, welche als Theilnehmcr an dem Verbrechen bezichtigt waren, hinfällig und dieselben wurden seitens des Gerichts entlassen.
Die Geschworenen erkannten, datz Webb in Selbstvertheidigung gehandell harte, da Hall auf ihn feuern wollte und ihn getödtet haben würde, wenn seine Pistole nicht versagt hätte. George Hall, der Bruder des Getödteten. machte während der Mittagspause einen Angriff auf den Vertheidiger Webös. den Anwalt Sam. Cash. und würde ihn getödtet haben, wenn ihn nicht Freunde daran verhindert hätten. Hall würd? am Nachmittag untc? $1000 Bürgschaft gestellt. Anwalt Cash theilte dem Gericht mit, daß auf ihn durch das Fenster seines Hauses geschossen worden sei. daß er Hall für den Thäter halte und daß derselbe wiederholt Mordversuche auf ihn unternommen habe. Am Abend war Alles ruhig und weitere Unruhen werden nicht befürchtet. Dynamit - Explosion. Booneville, Mo., 30. Mai. Die Laurine", ein kleines Frachtboor. das zwischen Booneville und Rocheporr auf dem Missouri fährt, ist in Folg: einer Dynamit - Explosion ganz zer, stört worden, und zwei Arbeiter sin; wahrscheinlich bei der Explosion um' Leben gekommen, denn die Beiden, eir Weißer und ein Farbiger, sind seitden nicht mehr gesehen worden. Das Boot gehörte der Rccfcpor Ferry and Packet Co. und war im Begriff, mit Material für die neue Et senbahn nach Rocheport abzufahren, al! die Explosion stattfand. Die Laurine' wurde von einer Gasolin - Maschim getrieben und in dem Augenblick. U ein Streichholz in die Nähe des Gene rators gebracht wurde, fand die Explo sion statt. Der Kapitän und die Bemannung verließen im Augenblick da Boot. Das Feuer verbreitete sich indessen schnell und erreichte bald die Gasolin - Behälter, worauf eine zweit: Explosion erfolgte. Im Hinteren Ende des Bootes befanden sich 2100 Pfund Dynamit, IOC Fäßchen mit Sprengpulvei, acht Kister mit Zündschnur und 1000 Zündhüt: chen. Als das Feuer das Pulver un: das Dynamit erreichte, fand eine Erplosion statt, die auf Meilen im Umkreis verspürt wurde. Nicht nur würd, das Boot ganz auseinander gerissen sondern es wurde auch in der Stad Schaden im Betrage von Tausender von Dollars angerichtet. Das Fährboo Joseph L. Stevens", das 500 Yardi oberhalb der Stelle lag, an der die Ex plosion stattfand, wurde zum Betrag' von $1500 beschädigt. Drei Wohnhäuser, die 600 Fardj vom Fluß entfernt liegen, wurder ebenfalls stark beschädigt, und an Mail Straße, eine halbe Meile entfernt, sint 15 Spiegelscheiben in Geschäftshäuser? zerbrochen, wie auch im Umkreis von ei ner Meile fast sämmtliche Fensterschei: ben und die Scheiben in Glasthürer zersprungen sind. Die Reise des Präsidenten. Washington. D. C., 30. Mai. Der Präsident und seine Begleiter sind heute Bormittag wieder in Washington eingetroffen. Der letzte Tag der Reise brachte die Gesellschaft durck den Heimaths - Staat des Präsidenten. Nur orer 'ucai oieir ve, Zug an, am längsten in Canton, wl derselbe 20 Minuten hielt, um Fra: McKinley Gelegenheit zu geben, ihr Schwester, Frau Barber, und derer Tochter zu begrüßen. Viele alte Freun de und Bekannte des Präsidenten er. warteten ihn am Bahnhos. Frau Barber blieb im Wagen be Frau McKinley, bis der Zug sich wie; da in Bewegung setzte. Ihre Tochter Frl. Jda Barber, blieb auf dem Zuge um mit Frau McKinley nach Wash ington zu reisen. In Frau McKinley's Gesellschaft befindet sich auch Frl Mary Barber. welche sie nach dem We sten begleitete. Diese ist ebenfalls ehr Nichte von Frau McKinley und ein Schwester von Frl. Jda Barber. Viele Stationen entlang er Reiseroute waren mit amerikanischen Flaggen geschmückt. In Lima Hatten dn Sckulkinder einen Halben Feiertag erhalten, um den Präsidenten zu sehen Frau McKinley fühlte sich Verhältniß mäßig recht wohl und das Wiederseher mit ihrer Schwester schien ihr sehi wohlgethan zu haben. Um 7 Uhr 3.' Minuten traf der Zug in Pittsburc ein und setzte eine halbe Stunde späte; die Reise nach Washington fort, wo e? am Donnerstag Morgen um 7 Uhr 3( Minuten eintreffen wird. In Pittsburg fand kein weiterer Empfang statt, und die Menge, welch, sich auf dem Bahnhofe eingefunden hatte. verhielt sich möglichst ruhig, un? Frau McKinley nicht zu stören. Du Menge grüßte den Präsidenten durck Schwenken von Taschentüchern, wa dersell. durch Abnehmen des Hutes er widerte. E s war ein Prominenter" St. Joseph, Mo., 30. Mai. E. 6. Lamberson. der Mann, der an
Dienstag Abend hier veryasiei muroe. nachdem er ein Pferd und Bugoy gestöhlen hatte und der auf dem Weg nach der Polizeistation Selbstmord durch Erschießen beging, war ein prominenter Bürger von Wallace. Mo und Superintendent der MedothistenSonntagsschule dortselbst. Neue Oel-Quellen. N e w O r l e a n s , La.. 30. Mai. Auf der Terrebonne Plantage. 40 Meilen westlich von hier, ist eine außerordentlich ergiebige Oelquelle angebohri worden. Alles Land in der Umgegenr hat über Nach einen doppelten und dreifachen Werth erlangt. K n o x v i l l e . Tenn.. 30. Mai. - Aus Jamestown. Tenn.. wird berichtet. daß in der Nähe der Kentuckyer Grenze, ungefähr zwei Meilen nördlich vor Jamestown, Oel angebohrt worden ist Es ist dies die zweite ergiebige Oel quelle, die in jener Gegen gefunder worden ist. Die Pythiasritter von Ohio. S p r i n g f i e l d . O., 30. Mai. Die Grohloge der Pythiasritter. die hier in Sitzung war, hat sich am Mittwoch vertagt und wird ihre nächste Sitzung im Jahre 1902 in Cincinnat? abhalten. Zu Trustees für das Staatsheiir wurden vor der Vertagung erwählt: John Winn von Cincinnati. Zacharr Taylor von Springfield. Dr. I. L. Simon von Cleveland und James Goetz. Es wurde auch beschlossen, eine Auflage von einem Dollar von jedem Mitglied zu erheben, um mit dem Ertrag ein Administrationsgebäude für oas Staatsheim zu errichten. Von einem Eisenbabnzug überfahren. N i l e s , Mich.. 30. Mai. Ein Passagierzug der Big Four Eisenbahn überfuhr am Mittwoch Abend einen Zigeuner Wagen, der das Geleise vor dem heranbrausenden Zug zu kreuzen im Begriffe war. Ethel Whipple. 3 Jahre alt. wurde auf der Stelle getödtet ; ihr Bruder Pabot wurde tödtlich und der Vater, Chas. Whipple, gefährlich verletzt. Müssen nach China zurück. O g de n s b u r g, N. Y., 30. Mai. T ie Fälle von 60 von den 99 Chinesen, die wegen ungesetzlicher Einwanderung in die Ver. Staaten sich im hiesigen Gefängniß befinden, sind am Mittwoch entschieden worden. In 20 Fällen ist Deportation nach China angeordnet worden, und auch in den noch übrigen Fällen wird bei einem großen Prozentfafe das Nämlicbe angeordnet werden. Lebendig verbrannt. Watseka, Jlls., 30. Mai. In einem nordwestlich von hier gelegenen einsamen Farmhaus sind am Mittwoch drei Personen lebendig verbrannt. Die Verunglückten sind: Frau Mary Hershberger, 70 Jahre alt; Frau Hattie Magee, 22 Jahre und Calvin Magee, 5 Jahre alt. Das Haus ist ganz niedergebrannt. Drei Männer ertrunken. S a n d u s k y , O., 30. Mai. Dennis Cummings. Wm. Griffith von Fayetteville. N. Y.. und Otto Adams von Oak Harbor. Ohio, segelten am Dienstag Abend von hier aus in einem kleinen Segelboot nach Johnsons Jsland; dasBoot wurde aber wahrscheinlich von dem Sturm überrascht, denn am Mittwoch Morgen wurde es kiel, aufwärts, mit allen Segeln gesetzt und ohne Steuer ans Land geworfen. Es scheint gewiß, daß alle drei Männer ertrunken sind. Griffith war ein Civil' Ingenieur und die beiden Anderen wa ren Steinbrucharbeiter. Die Reunion der Konföderirten Veteranen. M e m p h i s . Tenn., 30. Mai. Die Reunion der Konföderirten Veteranen beendigte am Mittwoch alle Geschäfte und vertagte sich, nachdem deschlössen worden war. die nächste Reunion in Dallas. Texas, abzuda.ien. General John B. Gordon wurde wieder zum Oberkommandeur erwählt. Am Mittwoch fand eine prächtige Blumenparade statt und am Abend folgte der Ball der Äeteranensöhnc in der Confederate Hall, dem 2000 Personen beiwohnten. Am Donnerstag findet die Parade der alten Soldaten statt, die Grundsteinlegung für das Forrest -Denkmal und am Abend der große Bat. der Veteranen. Todt aufgefunden. H untiugton, W. Va.. 30. Mai. C. K. Lawrence, ein Geschäftsreisender von Lima. Ohio, wurde am Mittwoch im Arlington Hotel in hiesiger Stadt todt aufgefunden. Lawrence war ungefähr 55 Jahre alt und reiste für eine Juwelier - Firma. Der Coroner beschäftigt sich jetzt mit dem Fall.
Weitere Depeschen ans Seite 5.
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