Indiana Tribüne, Volume 24, Number 249, Indianapolis, Marion County, 26 May 1901 — Page 3

Lndtana Trlblmc, Sonntag, z. Mai moi.

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In der Mitte.

Von Rud. Leonhart, X M. Copyrighted by the Gonnan Press 4 PUte Go.) (10. Fortsetzung.) Es wäre überflüssig, die nächsten Wochen eingehend und ausführlich zu beschreiben. Die Beschreibung eines Umzuges ist fast ebenso ermüdend wie dieser Umzug selber, weshalb wir den Leser damit verschonen wollen. Marie und Laura standen den Freunden bei der Auswahl der Einrichtung getreulich bei, während Paul ihnen sein Fuhrwerk zum Transporte derselben nach der Insel zur Verfügung stellte. Auf ihre Erkundigung erfuhr JoHanna, daß ihr Piano, welches sie schon eine Woche vor ihrer Abreise von Leipzig spedirt hatte, angekommen sei und vier Tage nach ihrer Ankunft in New Zork bezogen sie die neue Wohnung, welche jetzt einen wohnlichen Anstrich gewonnen hatte. Paul seinerseits war dem neuen Freunde behülflich, in der Metropolis bekannt zu werden. Wenige Tage nach Karls Ankunft hatte er seine Pläne der Frau Bandervilt übergeben; allein da er keineswegs eine übertrievene Ansicht von seinen Verdiensten hegte, und sich deshalb keineswegs mit übertriebenen Hoffnungen trug, miethete er eine Office in der Stadt und stellte seine Pläne in den verschiedenen Kunstsalons aus, eineMaßregel, welche die gewünschte Wirkung hatte und ihn dem Publikum bald und vortheilhaft bekannt machte. Schon nach wenigen Wochen erhiell er verschiedeneAufträge, welche ihm ein bescheidenes aber genügendes Einkommen gewährten. So verging der Sommer, und der Herbst brachte dann die frohe Botschaft, daß ihm in der Eoncurrenz um das Bandervilt'sche Schloß der Preis zugesprcchen war. Gleich darauf erhielt er eine Einladung von der Millionärin, sich in ihrer Wohnung einzufinden. Wir wissen, daß Karl der englischen Sprache vollkommen mächtig war, so daß cr nicht die mindeste Schwierigkeit hatte, mit seiner Patronin die nöthigen Anrdnungen zu treffen. Die Errichtung des Gebäudes sollte erst im nächsten Frühjahr beginnen: allein die Anfertigung der nöthigen Baurisse beanspruchte geraume Zeit, so daß Karl sofort die erforderlichen Schritte thun, und die Gehülfen anstellen mußte, welche mit der Arbeit betraut werden sollten. Wir überlassen ihn diesen Berufspflichten, um eine seltsame Entdeckung zu berichten, welche kurz nach den Bezug der nem-ti Wohnung im Hause der Mexicaner gemacht wurde. K a p i t e l 23. Trotz alledfm richtig! Es ist der Morgen nach dem Einzuge in die neue Woknung. Alles ist in der schönsten Crdrniwj. Teppiche decken die Fußböden; im Parlor steht das stattliche Piano, welches Johanna von Deutschland mitgebracht hat und avn-efmntJTn Wnftpf 2tpr?n 9JfurfiIVWMIlUJIV MLHI fT QlVVVlfc V 1 Ud' Wohn- und Schlafzimmer. In demjenigen Johannas finden wir sie, Laura und Mercedes. Laura kniet vor einem Koffer, welchem sie den Inhalt Stück auf Stück entnimmt, um ihn Mercedes zu überreichen, welche ihn ihrerseits an Johanna befördert, um von dieser in ei- ' ner Kommode deponirt zu werden. Der Koffer ist nahezu leer, als Laura ein nett gebundenes Buch heraushebt, bei deen Anblick sie einen Ruf der Verwunderung ausstößt. Unsere Bibel!" ruft sie. Wie i;: aller Welt kommt die in Deinen Koffer, Mama?" Mit diesen Worten öffnet sie das Buch, und hält es fragend gegen Johanna ausgestreckt. Bei dieser Gelegenheit entschlüpft dem Buche eine Photographie, welche mit der rechten Seite nach oben auf dem Fußboden fällt. Jetzt ist Merdes an der Reihe, Rufe des Erstaunnens und desFrohlockens auszustoßen." Heil'ge Mutter Gottes schreit sie. Sennor Carlos Bild! Gewiß und wahrhaftig! Sennor Carlos Bild!" Johanna war jetzt aufmerksam geworden und schaute sich um, die Ursache der Aufregung ihrer Gefährtinnen , zu entdecken. Beim Anblick der Bibel trübt sich ihr Blick und als sie das Bild auf dem Fußboden sieht, füllen sich ihre Augen mit Thränen. Laura schaut sie fragend an, so daß sie wehmüthig erklärt: Es ist das Bild meines verftordenen Gatten und dies Buch schenkte er mir gleich nach unserer Heirath." Und Mercedes behauptet steif und fest, es sei das Bild ihres theuren Herrn, Carlos Bruno!" Aber Carlos Bruno war ein Spanier, und mein Gatte ein Deutscher." Vielleicht rührt dies nur von seinem Aufenthalte in Mexico her. Carlos Bruno würde einfach Karl Braun auf Deutsch sein. Weißt Du was. Mama? Laß uns zu Papa eilen und ihm den Sachbestand mittheilen. Er ist ein Mann von Verstand und Erfahrung und wird Dir gewiß einen Weg aus diesem Labyrinth zeigen. Komm, Mercedes. geh Du mit uns, und sag Dater was Du weißt. Halt, wir müssen das Zimmer verschließen, sonst möchte ein Dieb Deine Sachen mitgehen heißen. So, und nun schnell." Mit eilenden Schritten ging es nach dem Braun'schen Wohnhause, wo sie Dr. Adolph in seiner Office fcmden. Jetzt. Mercedes, hol Mutter so geschwind Du kannst und sag ihr. ihre Gegenwart sei hier dringend nöthig." Dann theilte sie ihrem Vater die lSntdecklng der Bibel und des Bildes mit. Er stutzte und wollte Fragen stellen, als Laura ihn unterbrach, indem sie protestirend erwiderte: Warte, bis , ' FA F r V m vier in. .ier mn )vu ja icyon, n'uvT't sagen. Papa?" ccr. rtst-n ohnnnrt lNd

mit der der Leser vertraut ist und die wir deßhalb nicht zu widerholen brauchen. Als sie geendet hatte, sagte Adolph: Es unterliegt keinem Zweifel, daß Ihr verstorbener Gatte und Carlos Bruno ein und dieselbe Person waten. Sie sagen, JhrMann sei kurz nach seiner Ankunft in New Aorl gestorben; dasselbe war der Fall mit Carlos Bruno, welcher in jener Villa hinter dem Gewächshause starb. Sie haben ohne Zweifel unwiderlegliche Beweise ihrer Trauung?" Leider nein. Mein Vater, welcher uns traute, stellte zwei Scheine aus, von denen er Karl einen, mir den andern gab. Kurz nach der Abreise meines Mannes brach Feuer in unserem Hause aus, welches nicht nur alles zerstörte, sondern meinen meinen armen Vater iöotei. Zwei Nachbarn wohnten der Trauung als Zeugen bei; doch sie fielen beide ein paar Monat später in der Schlacht von Woerth, so daß der zweite meinem Manne anvertraute Trauschein den einzigen Beweis unserer Trauung bildet. Der Wunsch, diesen Beweis zu finden, war einer derHaupttriebfedern meiner Rückkehr nach Amerika, indem nichts als unbestreitbare Zeugnisse im Stande sind, die Lästermäuler zu stopfen." Oh. Mama. Du willst doch nicht etwa andeuten, daß sie wagten, sich an Deinem guten Namen zu vergreifen?" fragte Laura entrüstet. Doch Laura, nicht offen und ehrlich, sondern hinter meinem Rücken, wie gewohnlich. Oh, ich gäbe viel darum, wenn ich positive Beweise meiner gesetzlichen Heirath erlangen könnte!" Adolph dachte in diesem Augenblicke an den schrecklichen Argwohn eines entsetzlichen Verbrechens. Wenn derselbe begründet war, blieb der armen Frau auch nur der schwache Schatten dei Hoffnung, daß der Mörder den Trauschein hatte bestehen lassen. Aber Vater", unterbrach Laura jetzt sein Sinnen, ist die Eintragung der Hei rath in das Register der Bibel nicht ein hinreichender Beweis der Heirath?" Dcoralisch, ja; gesetzlich, nein. Dies ist doppelt zu bedauern, da Karl Braun der gesetzliche Erbe des Carlos'schen Vermögens ist." Oh, darum gebe ich wenig. Wenn nur die Wolke des Aerdachies von unserem Horizonte entfernt werden kann, so mag Mr. Brown gern seine Schätze behalten." Das Eine schließt das Andere ein, Johanna, und es soll und muß deßhalb unsere Aufgabe sein, die Erlangunz des Trauscheines anzustreben, ob schon ich leider gestehn muß. daß ich die Aussicht für äußerst trübe erachte." Und wirst Du die anderen Glieder der Familie in das Geheimniß einweihen, Vater?" Die Erwachsenen, ja; die Kinder, nein. Je größer die Zabl der Eingeweihten, desto schwieriger seine Bewahrung. Nachbar Brown ist ein gefährlieher Feind, Johanna und ich fürchte, wenn er Kenntniß von Euren Ansprüchen hätte, würde er keinen Anstand nehmen, Euch aus alle mögliche Weise zu schaden." Tann setzte er Johanna von der Verwandtschaft mit den Broengs in Kenntniß, so wie Karl und Paul von der gemachten Entdeckung. Dieselbe erregte ebensoviel Erstaunen wie Befriedigung, und Marie sagte lächelnd: Ich begreife nun, warum mir Karl so bekannt vorkam. Er besitzt eine unverkennbare Familienähnlichkeit mit Paul." Mir ging es ähnlich. Mama", sagte Laura lachend. Als ich Karl zum ersten Male sah. wußte ich. daß ich seinem Ebenbilde irgendwo begegnet sei." Es ging Euch Beiden wie dem Manne, welcher denWald nicht vor den Bäumen sehen konnte", sagte Adolph lachend. Wir suchen oft in weiter Ferne, was in unmittelbarer Nähe liegt." Aber", bemerkte Martha lächelnd, welchen Verwandtschaftsgrad besitzen alle diese Familienmitglieder zu einander?" Paul sprang erschreckt von seinem Stuhle auf. ES ist neun Uhr", sagte er protestirend. indem er auf die Wanduhr schaute. Ich wünsche allerseitig eine gute Nacht. Ich muß früh aus den Federn und kann deßhalb die ganze Nacht unmöglich zur Lösung dieses gordischen Knotens verwenden." Mit diesen Worten schlüpfte er unter dem herzlichen Gelächter der Anderen aus dem Zimmer, ein Schritt der augenblicklich nachgeahmt wurde.

24. Kapitel. Dem Verd i e n st e seine Krone. Wir haben bis jetzt keine Gelegenheit gehabt, Laura dem Leser als Virtuosin vorzustellen. Als sie in New Iork ankam. war die Conzertsaison so nahezu vorüber, daß im Familienrathe beschlössen wurde, ihr Debüt bis zum nächsten Winter zu verschieben. Sie hatte indessen sofort mit dem Unterrichte lernbegieriger Schüler beginnen können, indem solche sich in Menge einstellten und um Aufnahme baten; allein Dr. Braun legte sein Veto ein. Laura hatte ihren Studien in Leipzig mit solchem Eifer obgelegen, daß eine physische und geistige Erschöpfung unoermeidlich war. so daß der Doctor auf Ruhe und Erholung bestand. Laura hatte indessenGelegenheit, während des Sommers manche Collegen kennen zu lernen, bei denen ihre Fertigkeit, ihre Schönheit, Liebenswürdigkeit und In telligenz die verdiente Anerkennung fanden. Sie fand überdies keine Schwierigkeit, mehrere ihrer musikalischen Compositionen, Lieder sowohl wie Instrumentalmusik, an Verleger abzusetzen. Diese Sachen ersi? ienen mit An druch des Herbstes, und fanden so ollgemeinen Beifall, daß man ihrem Debut mit gespannter Erwartung entgegensah. Endlich brach die Saison an.

und Laura erhielt zahlreiche lÄnladungen, bei Concerten mitzuwirken. Sie wählte endlich eins, welches in einer der größten Hallen der Metropolis stattfinden sollte. Wir übergehen die unwichtigen Vorbereitungen und wollen selbst von dem Conzerte nur insofern Notiz nehmen, wie es unsere Helbin anging. Die große Halle war überfüllt und auf den Gesichtern las man deutlich die gespannte Erwartung der Anwesenden. Zuerst trug das Orchester eine der berühmtesten Beethoven'schen Svmphonien vor. Dann trat eine belannte Primadonna auf und entzückte das Auditorium mit einer brillanten Arie. Dann kam Laura. Die trefflichen Leistungen ihrer Vorgänger hatten die Erwartungen der Versammlung auf den Siedepunkt gehoben, ein Umstand, dessen sich Laura wohl bewußt war. und der sie vielleicht hätte verwirren können, wenn sie nicht zu verschiedentlichen Malen vor den besten Kritikern Leipzigs gespielt hätte und deßhalb frei von jener Befangenheit war. welche Debütanten nur zu oft anklebt. Sie trug ein weißes Seidenkleid, wies aber sonst nicht die geringste Spur von Schmuck und Juwelen auf, welche bei solchen Gelegenheiten gewöhnlich zur Schau gestellt waren. In ihren goldenen Locken trug sie nur eine einzige weiße Rose; allein so reizend war das Bild welches sie gewährte, als sie sich anmuthig verneigte, ehe sie sich ans Clamer setzte, daß ein leises Summen prohcr Ueberraschung dieVersammlung durchflog. Jetzt begann sie zu spielen. Es war eine der schwierigsten Lizst'schen Compositionen; allein schon die ersten Takte zeigten, daß sie vollkommen Meisterin derselben war, ein Umstand, welcher die Zuhörer von jener Unbehaglichkeit befreite, womit man gewöhnlich stümperhaften Aufführungen lauscht. Uebrigens wich die Bewundernng ihrer technischen Fertigkeit bald dem Zauber, welcher stets mit genialen Leistungen verknüpft ist. Laura besaß eine tiefe Erkenntniß der Jnspiration, welche das fragliche Kunstwerk geschaffen hatte, und war deßhalb im Stande, es durch ihren Vortrag der Versammlung zu verdolmetschen. Mit athemlosen Schweigen lauschte die Menge der Composition, und selbst als Laura geendet hatte, währte dies Stillschweigen noch einige Sekunden, als sei die Versammlung nicht im Stande, sich von dem Zauber der Musik zu befreien. Dann aber brach ein Beifallssturm los, wie die Halle ihn wobl selten gesehen hatte. Welle auf Welle erhob sich, um einer noch mächtigeren Platz zu machen, und der enthusiastische Applaus hörte erst auf als Laura sich lächelnd zu einem Encore niedersetzte. Diesmal gab sie eine ihrer eigenen Compositionen zum Besten. Das Stück war nicht halb so schwierig als das erste; allein so lieblich war die Melodie, so kunstgerecht glitten die Accorde harmonisch in einander über, daß man diesmal womöglich mit größeremEntzücken lauschte als zuvor, und die Virtuosin mit Beifallsüberzeugungen förmlich ürschüttete. Dieselben dauerten fort, bis sie hinter dem Vorhange verschwunden war. Laura trat den Abend noch zweimal auf; allein wir könnten unsere Worte nur wiederholen, wollten wir den Fortgang des Concertes berichten. Wir bemerken deßhalb nur, daß Laura am Schlüsse eifrig umdrängt wurde, und daß man sich um die Ehre eine? Vorstellung stritt.Sie hatte gesiegt, und eine glänzende Laufbahn stand ihr offen. Am nächsten Morgen erhielt sie zahllose Briefe, in denen sie entweder aufgefordert wurde, späteren Concerten beizuwohnen, oder ersucht, Schüler anzunehmen. Sie hätte demgemäß jede Stunde ihrer Zeit lohnend füllen können; allein sie besaß die weise Mäßigung. welche die Braun'sche Familie kennzeichnete. Sie bewahrte sich hinreichende Stunden der Muße zur körverliehen Erholung, zu geistiger Fortbildung und geselligen Vergnügungen. Die weitere Ausbildung Clairens wurde außerdem eine ihrer willkommensten Pflichten und angenehmsten Beschäftigungen. Claire war jetzt über das A-b-c des Wissens hinaus, und Laura fügte von Zeit zu Zeit neue Zweige hinzu, welche von der Schülerin leicht und rasch erfaßt und bemeistert wurden. Marie hatte von Anfang an ihre musikalischen Studien überwacht und Laura übernahm es nun, sie weiter in das Reich der Kunst einzuführen. Außerdem jedoch übte unsere Heldin den entschiedensten und wohlthätigsten Einfluß auf die moralische Entwicklung ihrer jungen Verwandten aus. Marie war so viel älter als Claire. daß es ihr trotz ihrer warmen Liebe zu ihrem Schützling nicht gelungen war, ihr-völliges Vertrauen zu gewinnen. Mit Laura war dies anders. Sie war von fast gleichem Alter, so daß Claire ihr unbedacht alle ihre Gedanken, Nei-

gungen und Wünsche offenbare. Die - i selben waren, wie der Leser weiß, keineswegs tadellos. Das Mädchen verrieth noch immer Spuren jener Schlauheit, welche mit Selbstsucht gepaart ist und sich nicht scheut, zu Lug und Trug die Zuflucht zu nehmen, wenn dadurch ersehnte Vortheile zu erlangen sind. Laura entdeckte diese Schwächen gar bald, schrieb sie aber, gleich ihrer Mutter. dem bösen Einflüsse vergangenen Elends zu. und hütete sich wohl, das Zutrauen der Base durch Gardinenpredigten zu gefährden. Dagegen zeigte sie einen so unverhohlenen Abscheu gegen alles Niedrige und Falsche, gegen Luge und Hinterlist, daß Claire anfing, diese Fehler mit gleichen Gesinnungen zu betrachten. Sie wußte, daß Laura so viel klüger und besser war als sie; war es denn ein Wunder, wenn sie im Schreine ihres Herzens dieselben Grundsätze als Richtschnur aufstellte? Laura hob Claire sozusagen in eine höhere, moralisch gesündere Athmosphäre, was die Wirkung hatte, daß sie bald mit gleichem Widerwillen ans Ge-sinnun-gen blickte, welcv sie früher un-

geprüft und deßhalb ungescheut gehegt hatte. Karls Fortschritte in seiner Carriere waren ebenso erfreulich und schmeichlerisch wie diejenigen Lauras. Die Kunde seines Erfolges in der Conkurrenz in der Bandervilt'schen Preisausschreibung war ein mächtiger Hebel in seinem Rufe als Baumeister gewesen. Personen, welche beabsichtigten, ähnliche Bauten in der nahen Zukunft zu unternehmen, besuchten seine Office, um die Pläne in Augenschein zu nehmen, welche alle andern in den Schalten gestellt hatten, und bald wurden ihm von andern Seiten ähnliche Aufträge ertheilt, so daß er während des Winters die Hände wie den Kopf voll hatte. Als der Frühling sich nahte, traf er Anstalten, sein Geschäftslokal nach dem Plateau der Insel zu verlegen; theils, weil die bevorstehende Errichtung des Bandervilt'schen Schlosses seine Gegenwart dort verlangte, theils wei! er fürchtete, zu viel zu unternehmen, ein Verfahren, dessen Schattenseiten er wohl schon früher geahnt hatte, die ihm indessen jetzt durch das Beispiel seiner neuen Freunde doppelt klar wurden. Die Braun'sche Familie verfolgte diesen Winter wie immer ihren gewohnten, durch Mäßigung und Vernunft charakterisirten Lauf, und genoß tagtäglich Freuden, deren Beschaffenheit nicht nur nicht schadet, sondern im Gegentheil veredelt und erhöht. Der Leser bilde sich nicht ein, daß wir damit sagen wollen, das diese Familie von den Unannehmlichkeiten, Verdrießlichkeiten und Plackereien verschont blieb, welche allen Irdischen zu Theil werden; wohl aber, daß sie diesen Prüfungen nicht gestatteten, das schöne Gleichgewicht der Seele und die ruhige, glatte Oberfläche ihres Lebensstromes zu trüben oder kräuseln. Der Biene gleich, verstanden sie es, den Blumen des Lebens ihren Honig zu entziehen, ohne das darin enthaltene Gift zu berühren. So verging der Winter; allein als der Frühling sich nahte, stiegen am Horizonte ihres Daseins Wolken auf, so schwarz und drohend, daß es ihres ganzen Gleichmuths, ihrer ganzen Festigkeit bedürfen wird, den nahenden Sturm mit Fassung zu ertragen. Laßt uns sehen, wie sie die Prüfung bestehen werden.

Capitel 25. EinWrackundseineFolgen. Die Uebersiedlung Karls von der Stadt nach der Jnjel war mit einigen Unannehmlichkeiten und Unbequemlichkeiten verknüpft. Die Zeichner waren in einem Zimmer der an sich kleinen Wohnung untergebracht, allein sie waren so gedrängt in dem neuen Quartiere, daß eine erfolgreiche Thätigkeit unmöglich gewesen wäre, wenn sich Marie nicht freundlichst erboten hätte, ein Zimmer ihres eignen Hauses zu ähnlichen Zwecken herzugeben. Karl nahm nur ungern an und war deßhalb froh, als Adolph ihm ein paar Tage später sagte: .Karl, es ist mir ein Grundstück zum Kaufe angeboten worden. welches an mein eigenes grenzt. Te- Preis ist mäßig und die Termine leicht und da Du in der nächsten Zukunft eine eigene Heimath zu gründen gedenkst . . Hörst Du. Mama? Wie wäre es. wenn wir mit Papa das Eigenthum in Augenschein nähmen?" Johanna war bereit, und die Drei besichtigten demgemäß das Besitzthum. Das Haus war augenscheinlich vernachlässigt, allein einige Reparaturen genügten, es in wohnlichen Zustand zu setzen, so daß Johanna sagte: Wenn es Dir zusagt, mein Sohn, so wollen wir Adolph bitten, den Ankauf für uns zu machen." Mir gefällt es gut genug. Die Bäume und Sträucher sind in gutem Zustande und aus dem Hause läßt sich machen, was man will. Kann man gleich Besitz ergreifen?" Morgen, wenn Ihr wünscht." Dann thue, bitte, die nöthigen Schritte." Dies geschah und am nächsten Tage siedelten die Zeichner nach dem neuen Quartiere über. Das Grundstück, worauf das Bandervilt'sche Schloß errichtet werden sollte, lag zwischen Klippen Avenue und der nächsten Straße landeinwärts, so daß die Bewohner der Villa wie des Braun'sckzen Wohnhauses den Lärm der Arbeiten hören konnten. Zahlreiche Arbeiter gruben die Keller aus. und Fuhrleute schafften in großen Wagen die Erde fort. Andere Fuhrleute brachten die Steine, das Bauholz und all' die andern Dinge, welche zum Bau eines solchen Schlosses nöthig sind. Die Brauns wurden nur oberflächlich durch diesen Lärm berührt; allein in Bellas unruhiger Seele erweckte er neue Pläne und Gedanken. Lucie", sagte sie zu ihrer Tochter, dieser Neubau erinnert mich, daß unser eignes Haus alt und baufällig wird und verschiedener Reparaturen bedarf, um unsernZwecken ferner zu dienen. Außerdem werden manche der Möbel so hinfällig, daß sie erneuert werden müssen, wenn wir nicht wollen, daß sie zusammenbrechen. Da ist zum Beispiel der alte Sekretär in Fritzens Zimmer; ich habe große Lust. Charles den Auftrag zu ertheilen, ihn nach dem Holzhause zu bringen und Feuerholz daraus zu machen." Nein, Mama, thue das nicht. Der Sekretär ist ein Andenken an Carlos Bruno, dem früheren Herrn von Franzisco 'ind Mercedes. Wenn Du ihnen das alte Möbel anbietest, werden sie nur zu froh sein, es nach ihrer Wohnung zu transportiren." Nun. wie Du willst; nur sieh zu. daß wir es bald loswerden." Lucie wußte, das die Mexicaner im Gewächshause arbeiteten und erbot sich, franzisco von dem Anerbieten in Kenntniß zu setzen, wahrscheinlich beeinflußt durch die Erwartung, Paul bei dieser Gelegenheit sehen und spre-

chen zu können, indem die Feierstunde nahte. Sie schlenderte nach dem Gewächshause, wo ihr Auge aufleuchtete, indem Paul eben angekommen war. Er erwiderte ihr warmes ..Gute Abend!" herzlich aber kalt und unterbrach dann die nächste Bemerkung auf ihren Lipp?n mit: Entschuldigen Sie, Miß Brown. ich habe Franzisco einen Auftrag zu ertheilen, der keinen Aufschub leidet. Franzisco! Franzisco!" Ah. das erinnert mich an den Zweck meines Kommens. Ich habe gleichfalls mit dem Mexikaner zu sprechen." In diesem Augenblicke erschien der Gefene und als Paul mit ihm gesprachen hatte, sagte Lucie zu ihm: Franzisco. Mama wünscht einige Reparaturen in unserm Hause zu machen und den alten Sekretär los zu werden, der einst Euerm alten Herrn gehörte. Sie wollte ihn entzwei hacken lassen, als ich ihr sagte. Ihr würdet wahrscheinlich froh sein, das Möbel zu bekommen. Wenn ich Recht hatte, kommt und holt es." Oh. Dank Sennorita. Wann soll ich kommen?" So bald wie möglich, indem Mainz ihn los zu werden wünscht." Wohl. Sennorita, mich kommen nach Feierabend." Als eine halbe Stunde später die Glocke sechs schlug, eilte Franzisco zum Broeng'schen Hause und sagte zu Gust: He. bast Lust, ein Vierteldollar zu verdienen?"

3a, aber wie?" .Komm denn und trag ein Sekretär mit mich von Villa nach mein Haus." Gust war einverstanden und die Zwei gingen nach der Villa, wo sie Bella von ihrer Absicht in Kenntniß setzten. Gut." sagte diese. Nora, zeig diesen Leuten den Weg nach Fritzens Zimmer, sie wcllen den alten Sekretär wegschaffen." Das Mädchen gehorchte und eine Minute später standen die Männer vor dem Sekretär, der inzwischen ausgeleert worden und so zum Transport hergerichtet war. Das alte trockne Holz war sehr leicht und Franzisco und sein Gehülfe fanden deshalb keine Schwierigkeit, das Möbel zum Erdboden vor der Veranda zu tragen. Hier ruhten sie eine Weile aus und schleppten dann den Sekretär unter viel Gestöhn und häufigen Rasten bis zum Fuß der Veranda, welche zum Hause der Mexicaner führte. Um diese Zeit war Gust. welcher wie gewöhnlich halb benebelt war, nahezu erschöpft. Er pustete wie ein Delphin und ti klärte, daß er das Möbel nicht viel weiter tragen könne. Ja, ja. Gust, nur dies Treppe auf und in Parlor das Alles." Stöhnend faßte Gust wieder an und langsam und mühsam erstieg das Paar die wenigen Stufen. Gerade als sit die obere Stufe erreichten, war Gust's Kraft am Ende. Er ließ das Möbel fahren, was natürlich Franzisco zwang, das Gleiche zu thun, und da es den Flur der Veranda noch nicht erreichte, begann es mit Holtergepolter den Rückzug zur ebenen Erde, welche es schließlich mit einem ominösen Krach erreichte. Den Lippen des Mexicaners entschlüpften mehrere Kraftausdrücke, allein da dieselben im Spanischen geäußert waren, konnte Gust nicht entscheiden, ob es Segenswünsche oder das Gegentheil waren. Roch standen di: beiden Leidensgefährten unschlüssig, als eine heitere Stimme rief: Hallo, ein Schiffbruch? Wart, Franzisco, ich werde Dir helfen, das Möbel hincintragen. Wo willst Du es hin haben, in den Parlor?" Si, Sennor; aber bitte warten eine Minute, ich will dies Mann bezahlen." Mit diesen Worten reichte er Gust eine Münze und trug dann mit Karl den Sekretär ohne weitern Unfall in den Parlor, wo man ihn niedersetzte und dann nachforschte, ob und wo er Schaden gelitten habe. Dies wurde nur zu bald klar, denn plötzlich fiel der Boden ab. oder vielmehr zwei Böden, und dann kamen zwei Bretter von der Tiefe des Möbels zum Vorschein. Dies jedoch war nicht alles, denn zwischen den Brettern wurden ein Buch und zwei Papiere sichtbar. Kaum hatte Franzisco die Papiere erblickt, als er eins derselben aufhob und mit allen Zeichen der größten Aufregung ausrief: Oh, Sennor, diese Carlos' Papier, selbes das er mich und Mercedes bringte. um Namen hinzuschreiben." Karl hatte mittlerweile das zweite Papier aufgehoben und sah nun, daß es deutsche Schrift enthielt und daß die erste Reihe las: Trauschein von . . Seine Aufregung verhinderte ihn. weiter zu lesen. Es flimmerte ihm vor den Augen, denn vor seinem Geiste stieg die Ahnung auf, daß dies die so lange verlorenen und so sehnlichst erwünschten Papiere seien. Franzisco hatte inzwischen das Buch geöffnet und sagte nun, halb frohlockend, halb schluchzend: Sennor Karl, dies Carlos Tagebuch! Er es mit seinen eignen Hand schreiben!" Karls Aufregung wuchs von Sekünde zu Sekunde. Hier erblickte er zum ersten Male die Handschrift seines Vaters, von dem ihm die Mutter so oft aber immer mit Thränen in den Augen erzählt. Hier fand er die ersten direkten Spuren von ihm und eben wollte er sich erheben und das Tagebuch näher untersuchen, als er plötzlich eine muntere wohlbekannte Stimme rufen hÄrte: Ah. hier ist der Herr. Neue Entdeckungen? Was ist los? Man scheint ja ganz in Ertase zu lein." Karl drehte sich um und erblickte nicht nur Laura, sondern auch seine Mutter, welche verwundert auf der Schwelle standen und das Wrack betrachteten Wenn Laura allein gewesen Wäre, würde er sie frohlockend in's Geheimniß gezogen haben; allein durfte er dies mit seiner Mutter wagen? War keine Gefahr vorhanden, daß diese Reliquien ihres theuren Gat- ! ic8 sie der Gefahr hysterischer Convul

sionen aussetzen würden? Und doch, was konnte er thun? Da lagen die Papiere, und ein Versuch einer rasch erfundenen Fabel mochte die Sache verschlimmern anstatt sie zu verbessern. Er kniete deßhalb vor seiner Mutter nieder, umschlang sie mit den Armen und sagte kosend: Mama, wir fanden Papiere in diesem alten Sekretär, welche von der größten Wichtigkeit für uns beide sind. Bist Du im Stande, die Mittheilung mit Fassung zu ertragen? Sie haben Bezug auf meinen theuren Vater." Qu8 Schrei entwand sich ihren Lip' pen: Sind es es sind nicht " Der Trauschein und ein Dokument, das ich noch nicht näher untersucht habe." Johanna begann nervös zu schluchzen. so daß Laura sich veranlaßt sah. sie liebkosend zu empfangen und tröstend zu sagen: Fasse Muts), Mama, dies sind ja tröstliche Nachrichten." Kark hielt einen Augenblick inne und fragte dann Franzisco: Wie kamt Ihr zu diesem Sekretär ." Es sein Carlos, Sennor. Mrs. Brown wollcn es nicht länger haben, so geben es mir. Gust helfen tragen, aber voll SÄnaps, so lassen fallen." Ah. ich verstehe!" rief Karl. Dies ist Vaters Schrank. Mama. Mr. Brown, wenn Sie gewußt hätten, was dieser Sekretär enthielt. Sie würden ihn nimmermehr aus den Händen gclassen haben." Aber Karl, das andere Parier?" sagte Laura. So viel ich urtheilen kann, ist es ein zweites Testament. Mama, wollen wir hinüber zu Lauras Eltern? Sie sind weise und erfahren: Sie werden uns sagen, was in dieser Sache zu thun ist." Johanna erhob sich zitternd und würde schwerlich im Stande gewesen sein, den kurzen Weg allein zurückzulegen. Karl bot ihr deßhalb den Arm.

warnteFranzisco, das Geheimnis für 3 Erste zu bewahren und führte die Frauen dann nach der Braun'schen Wohnung, wo er den Doctor und Marie auf der Veranda sitzen fand. Der Trauschein ist gefunden. Vater, nebst andern Papieren von meines Vaters Hand!" rief Karl schon am Fuße der Stufen. Als Adolph den Sinn der Worte erfaßt hatte, sagte er warnend: Nicht so laut, mein Sohn. Kommt in's Haus zu meinen Eltern, und dann theilt mit, was Ihr entdeckt habt." Klaus und Martha waren nicht wenig überrascht, als sie ihre Kinder mit allen Zeichen der Aufregung in's Zimmer stürzen sahen; doch kaum hatten sie gehört, um was es sich handelte, als sie diese Aufregung theilten. Es ist unnöthig, jedes gewechselte Wort zu berichten. Wir wollen nur bemerken, daß das zweite Dokument wirklich ein zweites Testament war, welches das erste annullirte und Frau und Kind zu alleinigen Erben seines Vermögens einsetzte. Der Inhalt des Tagebuches ist uns bekannt, mit Ausnahme der letzten Eintragung, vom 19. December. dem Tage vor seinem Tode. Adolph las den Inhalt des Tagebuches vor, und kein Auge blieb trocken, währcnd sich ein edler Gedanke nach dem andern kundgab. Wir berichten die letzte Eintragung: 10. Tec.. 9 Uhr Abends. Kehrte soeben von Franzisco und Mercedes zurück, welche ich aufsuchte, damit sie die Unterschrift meines neuen Testamentes beglaubigen könnten. Wird dieses Testament aber Aufsehen erregen, sowie die Nachricht von meiner Verheirathung und der Geburt eines Prinzen. Ich beabsichtige. Fred die Summe von $100,000 zu schenken und dies nebst seiner einträglichen Praxis sollte genügen, die Familie vor Mangel zu schützen. Ich muß gestehen. Freds Blicke gefallen mir nicht: er sieht so wild darein, wenn er sich unbeachtet glaubt. Kann er möglicherweise erfahren haben... nun. gleichviel: mvrgen ist die Offenbarung Carlos Brunos an der Tagesordnung, und ich bin froh, wenn die Sache vorüber ist. Ich muß noch diese Papiere im geHeimen Fache verbergen, und dann, zu Bette!" Ein stilles Grauen überfiel die ZuHörer bei dem Gedanken, daß dies die letzten Worte, die Carlos geschrieben, die letzten Lebenszeichen, welche er von sich gegeben; allein man enthielt sich aller Bemerkungen, aus Furcht, die arme Johanna noch mehr aufzuregen. Doch besprach man die beste Ar: und Weise, die Erbschaftsangelegenheit zu betreiben. Die Sache hatte jetzt einen ganz andern Anstrich erhalten, indem der sehnliche Wunsch Johannas, die Rechtmäßigkeit ihrer Ehe vor der Welt zu etabliren. die Nothwendigkeit einer Erhebung von Ansprüchen auf die Erbschaft in sich schloß. Johanna und Karl erklärten schon jetzt ihre Absicht, die Erbschaft ehrlich mit ren andern Gliedern der Familie zu teilen, oder dieselbe zur Errichtung einer wohlthätigen Anstalt zu benutzen. Es wurde schließlich beschlossen, den Professor und seineSchwestern in's Geheimniß ?u ziehen und ehe der Familienra.h aufbrach, hatte Adolph Vollmacht txXyol ten, einen erfahrenen und geschickten Juristen zu Rathe zu ziehen und denselben mit den erforderlichen gerichtlichen Schritten zu beauftragen. (Fortsetzung folgt.) Am meisten kommt einer in die Hitze, wenn man ihn kalt stellen will. Man hört meistens etwas läuten, wenn Herzen für tinortt: schlagen. Das getheilte Herz. Baron: Entsetzlich für mich, daß t so viele Verehrer haben. Betty. Aönnen Sie sich denn gar nicht enischließen, nur mich allein zu lieben?" Balleteuse: Warum nicht. Herr Baron? Wenn Ahnen der Spaß nur dann nicht zu theuer toitV

Für die Knche.

Gebackene Leber. Frische Kalbs- oder Schwein leber läßt man $ Stunde in Wasser ode': noch besser in Milch liegen, trocknet sie ab, schneidet dünne, halbhandgroße Schnitzchen da von. wälzt sie in Mehl, zerklopftem Ei und Semmelbröseln und bäckt sie in lxißem Fett aus und salzt sie dann. Als Beigaben zu Spinat oder grünem Erbsengemüse passen sie sehr gut. Lieblingsschnitten. Man reibt Parmesankäse, verknetet ihn zu gleichen Theilen mit Butter, mischt 2 Eidotter und ein Eiweiß, zu halbem Schnee geschlagen, soloie etwas Pa prika und weißen Pfeffer (Salz nur. wenn nöthig) an die Masse, streicht sie auf Semmelschnitten und bäckt sie in der Röhre hochgelb, bis sie aufgehen, wie anderes Gebäck. Sie kommen sehr heiß zur Tafel. Süße Rhabarbersuppe. Etwa 2 Pfund Rh7b7.?derstengel werden geputzt, abgeschält ,n Würfel geschnitten und mit kochendem Wasser gebrüht, dann mit kaltem Wasser. Citronenschale. einem Stückchen Zimmt weich gekocht, durch ein Sieb gerührt, mit Zucker aufgekoäi!, einige Körnchen Salz dazu und mit Kartoffelmehl, da mit kaltem Wasser verrührt wurde, die Suppe gebunden. Gebratenes KalbsbrieS. Das Briesstück mit dem daran hängenden Fleisch wäscht man. salzt es nicht zu stark und bestreicht es mit zerlassener Butter. Dann bring, man es in einer Pfanne in das heiße Rohr und läßt es unter fleißigem Begi-.'ßen mit eigenem Saft rasch gar braten, zuletzt gießt man einige Löffel Milch dazu. Geschmortes Sauerkraut. Man bringt gar kein Wasser an das Kraut, setzt es in einer Kasserolle mit einem guten Stück S.' weinefett, einer ganzen und drei gewiegten Zwiebeln zu und läßt es auf langsamen Feuer eine halbe Stunde schmoren. Beim Anrichten schmeckt man nach demSalze und legt die ganze - Zwiebel in die Mitte. Rinderbraten. Ein fettes Stück Rindfleisch von der Oberschale im Gewicht von etwa 4 Pfund wird mit einem Holzhammer überall geklopft, abgewaschen und mit Salz eingerieben. Man nimmt dann ein Stück Butter oder auch halb Butter, halb Nierentalg und läßt es ziemlich braun werden. Sodann legt man das Fleisch hinein, bratet es unter stetem Begieße auf scharfem Feuer gelbbraun, gößt dann nach und nach kaltes Wasser an und giebt auch etliche Zwiebeln und gestoßene Wachholderbeeren daran. So bratet man es gar. und erst dann fügt, man einen halben bis ganzen Tassenköpf voll dicke saure Sahne bei. Die Sauce giebt man durch ein Sieb zu dem Braten, der mit Kartoffeln oder Klößen und Schmorkohl oder Salat gereicht wird. Wildenten zubraten. Man gebraucht die Wildente, wo es irgend angeht, gleich am ersten Tage. Sie wird gut gerupft, flambirt und in steigender Butter mit 4 6 zerdrückten Wacholderbeeren gar gebraten, d Sauce wird von der Pfanne losgepinsclt und mit 1 Messerspitze Kartoffelmehl. die in kaltem Wasser verquirlt wurde, durchgekocht; dann giebt man einen Guß Min daran, giebt die Sauce durch ein Sieb in die Saucire und reicht sie zu der zierlich tranchirten Ente. Manche stecken in das Innere, der Ente beim Braten eine Mohrrübe, um etwaigen thranigen Geschmack des Thieres dadurch zu entfernen. D Mohrrübe, welche vor dem Anrichten herausgenommen wird, zieht nämlich denselben an. Sehr fein schmeckt die Ente auch, wenn man die Brust vor dem Braten noch mit Citronensaft einreibt oder 2 Citronenscheiben mitbraten läßt. Im Uebrigen verfährt man wie oben. Marinirte Rindszunge. Die Zunge wird tüchtig geklopft, vorzüglich am schmalen, härteren Ende. Dann wird sie mit etn5as Salpeter, Salz. Pfeffer und Nelkenpfeffer ringerieben, einige Lorbeerblätter und Wachholderkörner hinzugethan unddies so einige Tage stehen gelassen, wobei man es täglich umwendet. Dann muß man die Zunge ein paarmal abwascben und mit kaltem Wasser zusetzen. Wenn dieselbe schnell aufgekocht ist. so läßt man sie langsam gar. doch nicht zu weich kochen, zieht sie ab. indem man sie zum besseren Abgeh:n derHaut ein paar Minuten in kaltes Wasser wirft und läßt sie kalt werden. Dann schneidet man sie in dünn: Scheiben. Das schmaleEnde schneidet man etwas schief der Länge nach durch, so daß eö auch ansebnliche Scheiben 'iebt. Man schichtet sodann die Zungenstücke mit recht feingeschnittenen Zwiebelscheiben, etwas ausgezacktem Kohlrabi. Mohr rüben und in Figuren geschnittenem Sellerie in ein Gefäß ein, legt auf jede Zungensä'eibe eine halbe Citronenschcibe. strcut Lorbeerbläer. ganzen Pfeffer und Nelkenpfeffer dazwischen und gießt kalten, abgekochten Wein esüg darauf, den man mit etwas Mo strich, feingcwiegten Sardellen und Olivenöl tüchtig gequirlt hat. Beim Auflegen wird die Zunge mit dem Wurzelwerk und den Ciironenscheiben garnirt und noch mit gerissenen Sa?dellen ausgeputzt. Wenn es die Iahreszeit bietet, kann man auch Blumenkohl, Erbsen und Spargel hinzunehmen, doch muß alles schon vorher ab gekocht sein und in Essig und Oel gele gen haben. Fataler Doppelsinn. Fräulein (im Hotel, das nicht recht weiß was es essen will): Bitte. Her? Kellner, bestellen Sie mir liebe? statt Gans einen Hering!" Kellner (in d Küche rufend): .Also sür die Gan5 einen Hering!"