Indiana Tribüne, Volume 24, Number 249, Indianapolis, Marion County, 26 May 1901 — Page 2

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Jndiana Tribüne, Sonntag, sg. Mai 1901.

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Tom und Bob.

Von Ludovic Halevr, Es war im April des Jahres 1899, in dem prachtvollen Vorzimmer einer berühmten Schneiderin. Auf einer Bank saßen zwei kleine Grooms und unterhielten sich. Sie waren alte Freunde; hatten sich seit zwei bis drei Jahren aas dem Gesicht verloren, doch an einem Decemberabend sahen sie sich, im Vorflur des Theatre Francais- wieder. Emile!" Prosver!" Nein, ich heiße nicht mehr Emile!" Ich auch nicht mehr Prosper!" Tom!" Ich Bob!" Tom hieß der Grrom, der vor mir bei der Frau Herzogin war." Du bist bei einer Herzogm?" Bei einer richtigen Du weißt, es giebt Herzogin und Herzogin, aber meine Herzogin ist das Vornehmste, vas es in dem Artikel giebt." Dabei nannte Tom einen der altesten und vornehmsten Namen Frankichs, Aber den Namen kenne ich ja ... . der kommt zu uns!" .Zu euch?... Wo ist das?" Zu Madamei Und Madame fcas nt nicht die erste beste!" Dabei nannte Bob den Namen einer schr berühmten nd hübschen Overertendiva. Ob ich sie kenne? Nicht nur un Bilde! Ich habe sie spielen sehen!" Und wie iernrni es, daß Du jetzt Bob heißt?" Also! Als ich zn Madame kcrm, fragte sie mich nach meinem Namen, und ich antwortete Prosper". doch das gmg nicht, denn ein guter Freund von Madame hieß gerade so mit dem Vorkamen. Da hat mich Madcnne denn Bob genannt; das war der Name wes schokladefarbenen Pudels, den sie sehr liev hatte, und der eine Woche vor meinem Dienstantritt fortgelaufen war." Bob und Tom sprachen an jenem Abend nichs mehr viel miteinander. Der Vorhang war üb dem zweiten Akte von Figaros Hochzeit" gefallen, und die beiden Damen kamen, in ihre Pelze eingewickelt, langsam die Treppe des Theaters hinunter. Einige Tage darauf sahen sich die Grooms im Wartezimmer der Tchneiderin wieder, die für die Schauspielerin und für die vornehme Dame arbeitete. Na." sagte Tom. ihr sollt ja in der vorigen Woche mit einem neuen Stück einen Bombenerfolg gehabt haden." Na, und ob! Da war ein Couplet! Viermal hat Madame es wiederholen müssen!" Ich kannte das Couplet schon! Wenn ich auf Madame im Thealer während der Proben warten muß. dann schleiche ich mich immer rein! Ich stehe mit der Portiersfrau sehr gut; sie läßt mich durch! Ach. sind solche Proben komisch! Da ist denn der Direktor und die Autoren, die schreien und Skandal machen. Und Madame schickt sie aUe zum Teufel! Bei dem Stück, das jetzt gespielt wird, hat's im vor'.gn Monat genug Geschrei und Skandal gegeben. Man fing gerade an, den dritten Akt in Scene zu setzen.... In Scene setzen, das heißt Ach. ich weiß schon, was 'n Inscenirung ist! Ich habe einen Onkel, der im Chatelet - Theater Lampenanzünder ist." v Na, also! Madame probirte, und auf. dem Theater standen der Direktor undie beiden Autoren. Der eine sagt plötzlich zu Madame: Gehen Sie nach links." Warum?" fragt sie. Weil das besser aussieht!" Das finde ich nicht." Ich finde es aber!" Na. und nun legen sie los. Die Sache wird imrner erregter. Nun ist's genug." sagte der Autor. ..Ich wünsche, daß Sie nach links gehen, und Sie werden nach links gehen; ich bin der Autor nnd habe zu bestimmen. Sie sind unerträglich!" Bei diesem Wort kocht Madame über, wie eine Milchsuppe. Was haben Sie gesagt?" Daß Sie unerträglich sind und ich genug habe!" Lassen Sie sich ihr faules Stück spielen, von wem Sie wollen!" Damit wirft sie dem kleinen Autor ihre Rolle ins Gesicht." Ihre Rolle?" So nennt man ein Heft, in dem die Dummheiten stehen, die die Autoren die Schauspieler sagen lassen." Ach so!" Und während der Autor aus LeiKeSkräften schreit: Sie beleidigen mich!" rafft Madame ihre Röcke, macht rechtsum Kehrt li.td verduftet. Ich verdufte auch und laufe durch die Gänge, um noch vor Madame zum Wagen zu kommen. Sie erschien aber mcht allem, hinter dnin trippelten der Direktor, der kur und der andere Autor. Tarachen sie alle auf Madame ein suchten, üe zurückukialten neine Liebe" Aber, mein Na. Margot" Sie rm& ffarguerite. aber auf dem Theazu Hause nennen sie ihre H und Freundinnen Margot. kadame Margot verschwand, ohne li m erwidern. Atbemlos tom wir alle fünf zum Wagen. Mate ipringt m lyr lioiipe unv ruft .. m nt w m w x zu: Zns ois.Boo. icyneu. juneB .Tbür und ftciac auf den Bock'" ch ich konnte die Thür mcht znmachen, denn der Director hielt sie fest. Mr klammerte sich an die Thür und sagte zu Madame: Mein Kind, seien Sie verniknflig, Sie können uns doch Dicht so sitzen lassen . . ." Und die beiden anderen sprachen: Kommen Sie, meine Liebe, kommen Sie!" SchließSich bat der Director Madame so lanOe. bis sie sagte: Na. meinetwegen:

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Ich werde aussteigeii. aber unter einer Bedingung: er mutz sich bei mir entschuldigen." Ja. kommen Sie; er wird sich entschuldigen; ich verspreche es Ihnen." Nein, er soll sich hier bei mir entschuldigen. Ich werde nicht her aus dem Wagen steigen, ehe er sich nicht entschuldigt hat." ... Hier auf dem Trottoir?" Ja. auf dem Trottoir." .... Aber das ist ja unmöglich."... Dann adieu! Steig auf den Bock. Bob. und ins Bois." Als der Director sah. daß Madame nicht nachgeben würde, sagte er zu ihr: Wir werden ihn holen." Während sie fortgingen, rief sie ihnen zu: Ich gebe Ihnen fünf Minuten Zeit!" Sie hat vor sich im Coupe eine kleine Pendule hängen Es ist 2 Uhr 5 Minuten; wenn Sie um 2 Uhr 10 Minuten nicht da sind, verdufte ich." Sie verschwinden, um den andern Autor zu holen. Madame kuschelt sich in den Wagenfond. Sie wüthete, und sah auf die kleine Pendule. Die fünf Minuten waren fast vorüber, als wir den bewußten Autor im Corridor auftauchen sahen .... Er geht also an den Wagen heran, entschuldigt sich, und die andern flüstern ihm immer die Worte zu, die er sagen sollte. Endlich war alles in Ordnung,

Madame wollte eben aussteigen; da bleibl sie noch, als sie schon halb aus dem Wagen ist. auf dem Trittbrett stehen und sagt: Das heißt, ich steige nur unter einer Bedingung aus; ich gehe nicht nach links, sondern bleibe rechts!" Er zuckte ein bischen zusamwen, der kleine Autor, aber der Director zwickte ihn in den Arm, und nun sagte er zu Madame mit erstickter Stimme: Ja. ja. es ist abgemacht; Sie bleiben rechts." Das finde ich famos . . . Du, übngens. vorgestern war bei uns ein großes Diner, etwa dreißig Personen . . . Wenn mehr als fünfzehn Personen bei Tische sind, muß ich immer helfen .... Ich höre dabei die Unterhaltung mit an. Ach. ich liebe den Luxus! ... Ich könnte in keinem kleinen Hause bei Bürgersleuten dienen aber bei einer Schauspielerin, wie deine Herrin, würde es mir gefallen .... Sie sieht so gutmüthig aus!" Das ist sie auch . . . ." ..Na. also .... bei diesem Diner war der Herr Graf von Bonnelles und der rr Marquis von Vallieres. Zwischen ihnen saß eine vornehme russische Dame, die in der Gesellschaft Eomödie spielt . . . umsonst, zum Vergnügen Sie sprachen von eurem Stück und sagten zu der Prinzessin: ..Oh, heut Abend werden Sie uns das Couplet aus dem zweiten Akt vorsingen. nicht wahr?" Und sie hat es gesungen .... Und als man fortging, sagte einer der Herren zu seinen Freunden: .Nicht übel, nicht übel, aber so gut wie die Margot ist sie doch nicht!" Dann sind sie fortgegangen und haben mit erhobenenArmen ausgerufen: Margot! Margoi!" Sie haben recht, der Madanre kommt keine gleich. Sie hat aber auch einen Erfolg! Man schlägt sich an der Kasse um die Billets. Ein solcher Erfolg war noch nicht da. Darum hat man Madames Gage auch verdoppelt. Sie hatte nur 3(X) Francs, jetzt hat sie 600!" Monatlich?" Täglich . . . Und Madame war da rüber so glücklich, daß sie uns allen sofort 20 Francs monatlich zugelegt hat. Sie ist sehr gutmüthig . . . Und mich hat sie sehr lieb. Das ist noch nicht alles. sie findet, ich habe Veranlagung fürs Theater und würde einen guten Schauspieler abgeben." ..Tu?" Ja ich! Das ist so gekommen. Da ich immer bei den Proben dabei bin, so kenn! ich alle Lieder von Madame und weiß, wie Madame sie singt; ich copire Madame. Daher sagen sie in der Küche beimNachtisch oft zu mir: ..Na, Bob. sing uns ein Lied von Madame!" Eines Tages singe ich ihnen um 2 Uhr, beim Frühstück, ein Lied von Madame vor, und sie lachten und klatschten und riefen: Da capo! Da capo!" Madam, war im ersten Stock, in ihrem Boudoir, mit zwei Freunden, die bei ibr gefrühstückt hatten, einem kleinen Gesandtschaftsattache, und einem reichen, sehr reichen Spanier. Mitten in dem Lärm hören wir die elektrische Klingel von Madame; dreimal das galt Birginie. der Kammerzofe. Virginie kommt nach einigen Minuten wieder zurück. Bob, Madame verlangt nach Ihnen." ,.Habsn Sie es ihr gesagt ?" Ich muhte ja; sie hatte die Melodie des Liedes erkannt; aber haben Sie keine Angst, sie hat es sehr lustig aufgenommen." Ich gehe also; aber Angst hatte ich trotzdem. Glaubst Du, daß sie mich das Lied hat singen lassen? Der kleineSecretär mußte die Melodie auf demKlav'er spielen, und während ich sang, klimperte er ein bischen auf dem Piano dazu. Das nennt man Begleitung. Er wollte mich zusrst nicht begleiten, der kleine Gesandtschafts - Secretär. Madame mußte ihm erst sagen: Na. los. Fred, stellen Sie sich nicht so dumm an." Da schlug er denn reckt übelgelaunt auf dem Klavier herum. Doch der Spanier, der reiche Spanier, j wand sich vor Lachen und wiederholte fortwährend: Ach, das ist echt Paris, das ist echt Paris!" Als ich fertig war, sagte Madame zu mir, ich wäre ein wahrer Affe; darüber habe ich mich zuerst geärgert. Doch Virginie, die die Theaterausdrücke kennt, hat mir gesagt, das hieße: ich würde einen guten Schauspieler abgeben. Die Operette, würde mir liegen, weil ich Stimme habe. Ich nehme deshalb auch Musik stunden. Bei uns in der Nähe, in der Rue Prony. wohnt ein Zeitungshändler; dessen Tochter ist musikalisch. Sie gibt mir Unterricht zu 20 Sous die Stunde. Wenn ich Groom bei Madame bleibe, dann kann ich später ! nichts weiter, als Diener werden. Das

ist nicht wie bei dir. du hast bei deiner Herrschaft eineZukunft vor dir. bei den Pferden kann man Carriere machen." Ja, das kann man! Die Frau Herzogin hat mich liebgewonnen. Sie ist so gütig zu mir, weil ich ihre Pferde gut reite und ihre wilden Ponies zu leiten verstehe." Und was verdienst du?" Hundert Francs monatlich, abges:hen von den Neujahrsgeschenken und den Trinkgeldern. Und es ist ein wahres Glück, daß ich solche Stellung be kommen habe: da kann ich Mama Geld geben. Wir haben Unglück in der Familie gehabt; Papa hat in seinem kleinen Pferdehandel schlechte Geschäfte gemacht, hat zu trinken angefangen und wird oft zornig und bösartig gegen Mama; er ist Kutscher geworden und fährt einen häßlichen Fiaker. Siehst du. vor fünf, sechs Monaten wartete ich vor der Thür eines Ladens in der Rue de la Paix auf die Frau Herzogin. Da kommt Papa mit seinem Fiaker vorüber, in dem gerade eine alte Dame mit einem kleinenHund saß. Papa hält sein Pferd an, steigt vom Bock und verlangt von mir, ich solle ihm 10 Francs borgen. Ich habe Nein" gesagt und ihn gebeten, er möchte nicht so thun, als kenne er mich, ich würde dadurch meine Stelle verlieren, er wäre zu schlecht gekleidet und zu häßlich gegen Mama. Da qeräth er in Wuth, erklärt, ich müsse ihn u spectiren, er wäre mein Vater; die alte Dame schrie inzwischen vom Wagen aus, sie käme zu spät und würde den Zug versäumen; der kleine Hund heulte; die Passanten blieben lachend stehen; und während dessen kommt die Frau Herzogin aus dem Laden. Als sie im Hotel aus dem Coupe stieg, hat sie mich ausgescholten, weil ich mich auf dem Trottoir mit einem Fiakerkutscher unterhalten hätte. Ich weinte, und da hat sie mich denn ausgefragt. Ich habe ihr alles gesagt: daß Papa meine arme Mama unglücklich machte, daß er Geld haben wollte, daß mein Geld aber für Mama und nicht für ihn wäre, besoi'.ders jetzt, wo meine kleine Schwester krank wäre." Die Frau Herzogin Hai wohl gesehen, daß ich die Wahrheit sprach, und zu mir gesagt: Na, weine nicht, weine nicht." Am nächsten Tage kommt sie um vier Uhr hinunter, um auszufahren. Ich stand am Coupe. Doch die

förau Herzogin fragt, bevor sie einsteigt: Wo wohnt denn deineMama?" Rue de Puebla No. 7." Ich werde sie besuchen. Also vorwärts, nach der Rus de Puebla." Wir kamen an, und die Frau Hc?zogin sagte zu mir: Geh voran; ich folge dir!" Ich gehe hinauf, und sie steigt mir nach. Wir gehen zu Mama hinein, und die Frau Herzogin ist eine ganze halbe Stunde dageblieben, hat freundlich mit meiner' kleinen Schwester geredet und ihr Spielzeug und gute Sachen zum Esscn versprochen. Dann hat sie. bevor sie fortging, Mama zwei Hundertfrankscheine in die Hand gesteckt. Mama wollte sie nicht nehmen; sie sagte, sie brauche sie nicht; ich wäre ein guter Sohn und gäbe ihr alles, was ich verdiente; da hat mich die Frau Herzogin angesehen, so mit zufriedenen Augen, hat mir einen kleinen Klaps auf die Backe gegeben und zu mir gesagt: Das ist recht. Tom. das ist recht!" Das hat mich tief gerührt, und ich habe wieder zu weinen angefangen, zu weinen und zu lachen zu gleicher Zeit und seit dem Tage weiß ich nicht mehr, was ich für die Frau Herzogin nicht thun würde! Ich würde mich ins Wasser, ins Feuer für sie werfen und vom Eiffelthurm herunterspringen und es thut mir leid, daß sie so leidet!" Sie leidet? Weswegen denn?" Wegen des Herrn Herzogs. Der Herr Herzog reitet schon seit fünf bis sechs Monaten mit der Frau Herzogin nicht mehr morgens aus. Er steht spät, sehr spät auf und schläft bis zum Mittag, weil er spät, sehr spät, um 4. 5, 6 Uhr morgens nach Hause kommt. Man spannt Abends nie mehr für ihn an; er will nicht, daß man erfährt, wo er hingeht. Er benutzt die Clubwagen. Und Pauline, die Zofe der Frau Herzogin, sagt, es sei das schlimmste Zeichen, wenn Jemand, der vierzehn Pferde im Stalle und zehn Wagen in der Remise hat. Clubwagen benutzt. Er spielt jede Nacht Baccarat und verliert sehr, sehr große Summen. Neulich soll er im Epatant" in ir Nacht 60.000 Francs verloren haben." Im Epatant"? Madames Spanier geht ja auch alle Abend in den Epatant", aber der scheint äugenblicklich Glück zu haben, denn er gewinnt alles, was er will. Vielleicht hat er die 60,000 Francs gewonnen." Schon möglich!" .Na, das ist aber komisch!" Warum"' Weil dein Herzog deiner Herzogin das Geld nimmt und es im Epatant" an unseren Spanier verliert, der es wieder Madame Maraot gibt. So j Hebt das Geld spazieren. Sag' mal, zanlt sich deine Herrschaft?" Nem! Scenen gibt es nicht, dazu ist der Herzog viel zu sehr Weltmann. Aber Thränen! Die Frau Herzogin ! besucht jetzt häufig ihre Mutter, öfter j als früher, und immer kommt sie mit ! rothen Augen heraus! Der Kutscher ! sagte erst gestern zu mir: Wir haben ; wieder einmal bei der Mama geweint!" ; Oft läßt die Frau Herzogin auch seit , einiger Zeit den Wagen vor irgend einer Kirche halten." Ganz wie bei Madame Margot im j vorigen Herbst. Sie hatte auch Kummer. Ihr Freund war damals ein niedlicher junger Chasseur - Licute- ' nant. Er machte in La Marche ein Hindernißrennen mit. Wir hatten so- ; gar in der Küche alle aus ihn gesetzt. . . Ich bin um meine zehn Francs gekommen und habe sie nie wiedergesehen... . Er war schon Erster, der Herr v. BraI mont, da strauchelte sein Pferd plötzlich. und er fiel auf den Kopf. Drei

Tage lag er bewußtlos, und in den drei Tagen verbrannte Madame Margot in allen Kirchen Kerzen. Deine Frau Herzogin ging vielleicht auch nur so viel in die Kirchen, weil ihr das Herz wegen einesFreundes wehe that." So etwas darfst du nicht sagen! Siehst du. wir wir wissen doch mancherlei, aber über die Frau Herzogin ist nichts zu sagen." Die Frauen der vornehmen Welt, ich habe das von Madame Margot gehört, sollen es aber ebenso treiben wie die Frauen vom Theater." Die Frau Herzogin nicht! Und dabei wäre es ihr doch gar nicht schwer, Liebhaber zu finden. Ich würde ihr umsonst dienen, nur um daS Vergni gen zu haben, so im Galopp hinter ihr drein zu sprengen. Dabei betrachte ich dann im Bois die jungen Herren, die sich zur Rechten und Linken niedlich machen. Das nützt ihnen nicht viel, und inzwischen schläft der Herr Herzog, um sich von den Dummbeiten und tollen Streichen der vergangenen Nacht auszuruhen. Dazu braucht er nicht die schönste Frau von Paris zu haben." Die schönste?" Ja wohl, die schönste." Madame Margot ist doch auch sehr hübsch." So hübsch so hübsch, wie die Frau Herzogin ist Niemand! Da sieh, da kommt sie!" Sie kam in der That in Begleitung einer der Directricen des großen Hauses in das Vorzimmer, und ging an den beiden Grooms, die aufgestanden Waren, vorüber, während Bob leise zu Tom sagte: Dein Herr Herzog ist wirklich ein Dummkopf, daß er zu uns kommt, anstatt bei solcher Frau zu bleiben!"

Guter Rath. Humoreske ron C. Cauttcr Meine Unternehmungen waren gänzlich fehlgeschlagen. In meiner Tasche regte sich nichts; in meinem Kopfe drehte sich alles. Ich kam nicht über die Frage weg: Was beginnend Was denn nur gleich?" Nachdem ich dieselbe Frage hunoerttausenddreihundertundsiebenundsiebenzigmal in die Luft gefragt hatte, kam ein lichter Moment über mich: ich erinnerte mich seiner Freunde. Also ging ich zu einem derselben und bat ihn, mir zu rathen, was ich in aller Schnelligkeit anfangen könnte, um mir mein täglich Brot zu erwerben. Mein lieber," sagte mein Freund in lautem und energischem Tone, vor allen Dingen will ich Ihnen den guten Nath geben: lassen Sie nur den Muth nicht sinken, hören Sie? Ihr Zutrauen zu sich selber dürfen Sie unter keinen Umständen verlieren, verstehen Sie? Sobald Sie sich nur zusammennehmen, wird und muß es Ihnen gelingen, alle Schwierigkeiten zu überwinden das sage i ch Ihnen, und ich habe Erfahrungen hinter mir, verlassen Sie sich daraus. Nehmen Sie nur guten Rath an, dann kann es Ihnen gar nicht fehlen. Ich kenne das Leben, wissen Sie. Also Kopf hoch, allen Muth und alle Willenskraft darangcsetzt und, hallo, voll Dampf voraus! Sehen Sie. dann komm: ganz von selbst der Erfolg, den ich Ihnen übngens von Herzen wünsche. Leben Sie wohl!" Ich bedankte mich, ging und hatte Hunger. Ich suchte einen anderen Freund auf und legte ihm die Frage vor, auf welche Weise ich ein Stück Brot verdienen könnte. Er klopfte mir wohlwollend auf die Schulter und sagte weich und gefühlvoll: Mein Bester. Sie sind durch den harten Schicksalsschlag gewissermaßen betäubt. Es liegt mir fern, Ihnen einen Vorwurf daraus machen zu wol len. denn ich finde das menschlich, begreiflich. Was ich Ihnen nun in be ster Absicht dringend an's Herz legen möchte, das ist ein Rath, der Ihnen von größtem Nutzen sein wird, wenn Sie sich danach richten. Zersplittern Sie Ihre Arbeit nicht in Kleinigkeiten Die zahllosen Gebiete unseres enorm entwickelten Verkehrs bieten ja tausendfache Geleaenheit zu qewinnbrinj aender Arbeit, aber halten Sü sich nicht bei unbedeutenden Tagesvortheilen auf. sondern fassen Sie ein großes Ziel in's Auge, schrecken Sie vorKampf und Entbehrungen nicht zurück und j Sie werden es hoch bringen, davon bin ich überzeugt, sehr hoch: Millionär ja, tot brauchen mich nicht so zweifelnd anzuschauen, befolgen Sie nur meine Rathschlage, und wir wer den uns wieder sprechen. Bis dahin leben Sie wohl!" Ich bedankte mich, ging und war sehr hungrig. Ich begab mich zu einem dritten Freunde. Er legte seine Stirne in nachdenkliche Falten und sprach ernst und gewichtig: Hm. Ich rathe Ihnen, entweder eine Stellung anzunehmen, oder sich selbstständig zu machen. Wenn Sie lieber das Letztere thun, so möchte ich Sie ausdrücklich darauf hinweisen, daß die Selbstständigkeit ein Risiko und schwankende Einnahmen mit sich bringt. Dem gegenüber sind die Chancen des selbstständigen Geschäftsbetriebes im Allgemeinen besser, als die einer salarirten Thätigkeit, auch wenn diese mit Tuntiemenbezügen verbunden ist. Ohne Sie von der Annähme einer Stellung irgendwie abhalten zu wollen, möchte ich Ihnen doch rathen, ein Geschäft nur mit genügendem Kapital zu begründen. Unter Umständen erreichen Sie das am besten dadurch, daß Sie sich mit einem kapitalkräftigen Theilhaber assciiren. Es wird mich freuen, mit Ihrer Firma in Geschäftsverbindung zu treten, lassen Sie nur bald ven sich hören und leben Sie einstweilen wohl." . .

Ich bedankte mich, ging und hatte

gewaltigen Hunger. Ich wanderte zu einem vierten Freunde. Ei, das müßte ja mit dem Teufel zugehen, wenn Sie's nicht ganz fix wieder zu was bringen sollten, rief mein vierter Freund lebhaft und schlenkerte mit den Armen. Können Sie beispielsweise nicht rasch was componiren? So, wie der Mann mit dem Cokes oder Tararabumdieh? Da wird ein Heidengeld verdient, an so'n Kram." Ich bin nicht musikalisch." flüsierte ich. Ach. das ist ja eigentlich Neben sache," sagte mein Freund. Aber gut. wenn Sie daD nicht wollen, ich weiß noch was Besseres, passen Sie auf. Ich will Ihnen einen Rath geben, aus dem Bit Gold machen können, -pures Gold. Also denken Sie mal an das Cri-cri erinnern Sie sich noch?" Nein," flüsterte ich. Thut nichts, es kommt so genau nicht darauf an," sagte mein Freund. Es war 'ne Art kleine Blechschachtel - wenn man darauf drückte, machte sie: klack, knack. An diesem allereinfältigsten dümmsten Svielzeug ist der Erfinder ein schwerreicher Mann geworden. He, merken Sie was? Nicht wahr? Sie brauchen nur ganz einfach etwas noch Blödsinnigeres zu erfinden, und im Handumdrehen sind Sie steinreich. Also . Beiläufig. den Gencralvertrieb JhreS Artikels werden Sie naturlich mir übertragen? Ihr Handschlag genügt -mir hat mich sehr gefreut auf Wiedersehn. Ich ging und häng? mich in meiner Wohnung am Sviegelbaken auf. Dort hänge ich noch. Wem r.icht zu rathen ist, dem ist nicht zu helfen. Heuchelei. ?on Francs? Baumann. Pudern? Ich begreife nicht, wie man sich pudern kann!" Ich auch nicht. Es ist doch stets zu sehen." Außerdcm verdirbt es den Tel.it." Wirklich? Ich dachte, das ttCn nur Schminke " Puder ganz ebenso. Wie könnte es auch anders sein, da er die Poren vcrklebt! Fortdauernd gebraucht, schadet er sogar der Gesundheit." Ach, und wcnn das schließlich auch nicht der Fall ist. so bleib das Pudeln doch eine unwüroige Gewohnheit." Selbstverständlich. Ich muß offen gestehen, daß ich zwischen Pudern und Schminken keinen rechten Unterschied zu finden vermag. Mit beiden verschafft man sich Reize, die die Natur Einem versagt bat mit anderen Worten, man spiegelt der Welt falsch: Thatsachen vor. Wer sich aber so weit erniedrigt, um zu lügen und zu betrügen. nur um des bischen Aeußeren willen- der der wahrhaftig, mir fehlen die Worte, um solche Handlungsweise zu charakterisiren." Die Frau des Hauses hat dies mit einem Aufwand von sittlicher Entrüstung gesprochen, der genügt haben würde, um die That eines Einbrechers zu kennzeichnen. Doch auch die anderen Damen geben ihrem Abscheu gegen die Unsitte des Puderns kräftigsten Ausdruck. Mein Mann würde es mir nie erlauben." Was Papa wohl sagen möchte, wenn ich mich pudern wollte!" Und mein Mann nun gar! Nichts auf der Welt ist ihm so verhaßt, wie ein mehlbestäubtes Gesicht. Man sieht wie ein Clown damit aus, behauptet er immer So und ähnlich schwirrt's durcheinander, und zum Schluß versichern die Damen nochmals sammt jd sonders, daß sie gar nicht zu begreifen vermöchten, wie man sich pudern könnte. Eine Frau, die sich pudert, gehört überhaupt nicht in einen Salon der besseren Gesellschaft, man sollte sie von seinem Umgangskreise ausschließen." äußerte die Gastgeberin mit Applomb. Wer weiß, welche furchtbaren himmlischen und irdischen Strafen man noch in christlicher Milde auf das schuldige Haupt solcher Missethäterin herabgerusen haben würde, wenn nicht gerade der Diener gekommen wäre, um seiner Gebicterin zuzuflüstern, daß das Souper servirt sei. Beim Aufstehen von der Tafel Passirt es einer der Geladenen, daß ihr Jemand auf den Kleidersaum tritt und ein Stuckchen der Balayeuse abreißt. Um den Schaden sofort auszubessern, geht sie mit einer Freundin in das Ankleidezimmer der Hausfrau, vermuthlich giebt es dort in Hülle und Fülle Stecknadeln, mit denen man die Rüsche anstecken kann. Auf dem Toilettentisch stehen eine Menge himmelblau emaillirterDöschen und Schälchen, mit modernen Ornamenten bemalt. In der Erwartung, das Gewünschte darin zu finden, hebt die eine der Damen den Deckel von t'u.zx niedlichen kleinen Büchse; doch wie zur Salzsäule erstarrt, bleibt sie in der vorigen Stellung stehen. Frau Direktor ," haucht sie mit ersterbender Stimme, sehen Sie doch nur." Ja. was denn, was?" Da. da Beider Köpfe neigen sich über die blaue Emaillebüchse, eine Weile verharren sie in sprachloser Verblüffung, dann brechen sie in Ausrufe der Entrüstung aus. Diese Heuchlerin!" Wie sie über das Pudern redet!" Unglaublich!" Empörend!" Nachdem die Damen sich von ihrem ersten Erstaunen erholt haben, lüften sie auch von den anderen Döschen den Deckel. In den meisten ist P,i...r enthalten in einem rein weißer, in dem zweiten gelblicher, in einem dritten

rosa für die Wangen Auch ein besonderer Puder für elektrische Beleuchtung, ein Feitpuder bei windigemWetter im Freien zu gebrauchen kurz, Puder für jeden nur erdenklichen Zweck findet sich vor. Die Beschauerinnen hätten nimmer geglaubt daß es so viele verschiedene Sorten Pndc. geben könnte so versicherte sie sich gegenseitig. Ich bin von jeher mißtrauisch gewcsen, wenn eine Dame behauptete.daß sie sich nicht puderte," meinte die Frau Direktor, aber von unserer Wirthin hätte ich's trotzdem nicht geglaubt. Nach der Art, wie sie sich äußerte Es kommt mir wirklich so vor, als ob ich die Einzige wäre, die dieser Unsitte nicht huldigt," fällt die Andere ein. Die Einzige?" wiederholte die Direktorin etwas pikirt. Jedenfalls bin ich doch die Zweite." Beide Damen schauen sich plötzlich gegenseitig mit scharfen, musternden Blicken in's Gesicht, darauf ziehen sie wie auf Verabredung ihre parfümirten Taschentücher hervor und fächeln sich Luft zu, wobei sie mit dem feinen Battistgewebe Wangen. Nase und Kinn wiederholt berühren. Vermuthlich ist dies Bedürfniß dadurch entstanden, daß sie sich über die Heuchelei der Gastgeberin gar zu sehr entrüstet haben!

Haarpflege. Die Pflege des Haares richtet sich nach seinem Kolorit. Dunkles Haar soll mehr durch Bürsten als durch Waschungen glänzend erhalten werden. Bekanntlich wird durch langes anhaltendes Streichen mit einem dichten Kamm, sorgfältiges Bürsten mit einer steifen Haarbürste der schönste Glanz des Haares erzielt; deshalb soll man sich zum Frisiren stets die genügende Zeit nehmen, denn glanzloses Haar ist der beste Beweis dafür, daß man es nicht sorgsam genug behandelt. Beim Bürsten des Haares sollen die Striche stets entweder vom Scheitel oder von der Stirne aus bis zu den Haarspitzen geführt werden; dadurch wird ein Verwirren des Haares, das sonst leicht vorkommen kann, verhindert. Die Art des Bürstens und Kämmens des Haares richtet sich nach der Frisur, ragt man das .yaar geicheitelt, o bürstet und kämmt man es von der Theilung nach beiden Seiten hin. Wird ein Schöpf getragen, fo streicht nian vom Haaransatz aus. Das Waschen des Haares soll stets des Abends vorgenommen werden. Man läßt das Haar dann einige Zeit offen und flicht es hernach lose, d. h. wenn die Waschung im Hause geschieht. Allerdings sind die Kopfreinigungen beim Frifeur. die mit Hairtonic vorgenommen werden, entschieden vorzuziehen; binnen einer Viertelstunde trocknet das Haar bei einer derartigen Waschung während des Kämmens. Blondes Haar behandelt man auf folgende Art, um es hell zu erhalten: In Zeitabschnitten von etwa 7 bis 6 Wochen wird es mit einem ausgekühlten Absud entweder von kleinen Kawillen oder Lindenblüthen des Abends gewaschen, dann gehörig abgetrocknet und sorgfältigst des anderen Morgens mit einer weichen Bürste behandelt und gekämmt, nachdem man die Haarwurzeln mit wenig flüssigem Rindsmark eingefettet hat. Bei der Waschung berechnet man auf 1 Pint Wasser zwei Eßlöffel voll Lindenblüthe oder Kawillen. Vielfach ist die irrige Ansicht ver. breitet, daß das Haar durch Abschneiden besser wächst, dem ist aber nicht so; es ist wohl dem Wachsthum des Haares sehr zuträglich, wenn man es stutzt, besonders dann, wenn seine Spitzen sich spalten. Schneidet man das Haar aber um Bedeutendes ab, so läuft man Gefahr, daß es nie mehr die Länge erreicht, die es gehabt hat. Vor dem Schlafengehen soll das Haar gelöst, sorgsam gekämmt und zu herabhängenden Zöpfen geflochten werden ;zu den Frisuren bediene man sich keiner spitzen Stahl - Haarnadeln, sondern verwende Schildplattnadeln, die man in jeder Länge und Stärke erhält. wdtr im Theater. In den römischen Volkstheatern ist es eine alte, unverbrüchliche Sitte. Säuglinge mitzunehmen; die römischeu Frauen pflegen ihre Kinder oft bis ins dritte und vierte Jahr an der Brust zu stillen. Wenn das Bambino im Zuschauerraum Unbequemlichkeiten verursacht, übergiebt man es der Thürschließerin oder der Garderobe. Verlangt das kleine Wesen nach seiner ü,dlichen Mahlzeit, so hat die Theaterbesucherin unweigerlich ihren Mutterpflichten zu genügen, damit die Vorsiellung nicht durch anhaltendes Gefchrei gestört werde, und das Publikum pflegt in solchen Fällen stets Partei für den durstigen Erdenbürger zu nehmen. Kindergeschrei von Säuglingen ist in den römischen Theatern durchaus keine Seltenheit. Eine Mutter aber, die ihres Amtes nicht rasch genug waltet, setzt sich erzürnten Zurufen aus der Zuhörerschaft aus. Das Stillgeschäft wird nicht nur in d Garderobe, sondern auch oft in den Logen oder im offenen Zuschauerraum besorgt, und niemand fällt es in Jtalien ein. indem man das Natürliche als etwas Natürliches nimmt, darin etwas Absonderliches oder gegen die öffentliche Schamhaftigkeit Verstoßendes zu erblicken. Die stillende Frau mit dem Kinde an der Brust ist in den römischen Theatern und sogar in den Kirchen während des Gottesdienstes keine ungewöhnliche Erscheinung. Drastischer Vergleichs . ? r . 5 5 . r i r w - . m 2o, oie .yeiia oeriooi ncv 10 oyisl .Ja. sie macht's wie die Bäume sie setzt jedes Jahr einen Ring an."

Schön Holdcrchen.

Von Martin Grcis. Wo leise sich bewegt im Wind Der wilde Fliederbcum. Ruht dort im Wald ein lockig Kind Und lächelt froh im Traum: Schön Holderchen. eö fchläft. Wie sie so liegt in tiefer Ruh' Vom Fliederduft umhaucht. Fliegt eine ihr der Elfen zu, Urplötzlich aufgetaucht: Schön Holderchen. es schläft. Sie pflückt sich von des BaumeS Pracht Was ihr am nächsten blüht, Und sticht ins Haar dem Liebling sacht Den Flieder, thaubesprüht: Schön Holderchen. es schläft. Das lükt der Anuocr. DaS größte Uebel der Menschheit, insbesondere die wahre Glückszerstörerin der Jugend, ist die Furcht. Wie leicht ist es. das Kind vor diesem entsetzlichen Uebel zu bewahren, und wie wenig geschieht, um es zu thun, ja, wie viel geschieht in gedankenloser und ruchloser Bequemlichkeil, um die Furcht im Kinde künstlich zu wecken und zu steigern! Man muß sich nur klar machen, was das heißt. Wir wissen, daß es eine sehr schwierige Sache ist um das Glück im Leben. Förmlich prädestinirt, glücklich zu sein, ist die Kindheit. In den späteren Lebensaltern, wenn die Erkenntniß einmal dreinredet, stellt sich die Geschichte ganz anders dar. Wer nun die Kinder liebt, der wird Alles daransetzen müssen, ihnen jegliche Trübung ihres Glücks fern zu halten. Der höchste Triumph aller Erziehungskunst ist wohl der. daß ein Kind auf die Frage, ob es sein Leben, wie es bisher war. noch einmal von vorne anfangen und noch einmal genau so durchleben möchte, mit fröhlichen Augen und lachenden Mundes erkläre: Mit Vergnügen! Wie die Jugend aber in höherem Maße empfänglich ist für das Glück, fo auch für das Unglück. Es ist eine ganz unverzeihliche Thorheit der Großen. über das Unglück" der Kinder überlegen zu lächeln, weil es ja danach ist." Das Unglück des weinenden Kindes, sei es so klein, als es sei. das Kind oder das Unglück, ist gerade so echt, wie das Unglück, das die Großen bedrückt, und häufig sogar noch echter. Denn gar kein Unglück, keine Noth, keine Krankheit, überhaupt kein Uebel ist an sich eine reale, absolute Größe. Das Maß wird erst bestimmt durch die Meinung, die wir davon haben. Man braucht gar kein Unglück, um unglücklich zu sein; man braucht es sich nur einzubilden und man ist es. Man braucht auch keine Krankheit, um von all' ihren Qualen gepeinigt zu werden, es genügt vollkommen, wenn sie in der Einbildung besteht. Die ganz oescheidten Großen nehmen sich selten oie Mühe, sich hineinzuversetzen in die Anschauungswelt der Kleinen und sich ihr anzubequemen. Es ist doch wirklich kein Unglück, meinen sie, wenn das Kind auch zehnmal im Tage mit Drohungen geschreckt wird und wenn es sich ordentlich fürch tet und ängstigt. Geschehet? wird ihm ja doch nichts, dafür soll schon gesorgt werden, und das bischen Angst wird ihm nichts schaden. Es gibt doch wohl nichts Unsinnigeres und Grausameres. So ein Großer sollte es sich doch einmal klar machen, was das heißt sich fürchten! Am eigenen Leibe hat es Jeder erfahren, daß unter allen Uebeln, welche die Welt für uns in Bereitschaft hält, es kein entsetzlicherem, kein qualvolleres gibt, als die Angst, die schreckliche Angst. Unv dabei hallen manche es für eine äußerst harmlose Sache, ein Kind zu ängstigen. Soll sich nur ängstigen, hat nichts zu bedeuten. wird ihm ja doch nichts geschehen. Wahrhaftig, darauf gehörte körperliche Züchtigung, aber nicht für die Kinder. für die sie vollkommen überflüssig ist. Wenn ein Kind sich fürchtet, fo ist fein Unglück so echt, wie nur irgend eines in der Welt. Man macht sich im Allgemeinen viel zu wenig Gedanken über das Unglück des Kindes. Eine durch ein Verbot verdorbene Freude verdorben oft genug durch ein überflüssiges und ungerechtfertigtes Verbot die Angst vor einem Schreckgespenst oder vor einem finsteren Zimmer, die Furcht vor der Strafe, das Schuldgefühl als Folge eines schlechten Schulausweises wer wird sich damit aufhalten! Man macht ein finsteres Gesicht, laßt sich rubigen Gemüthes zu einem künstlichen Donnerwetter herbei oder, beinahe noch schlimmer und unsinniger, man geräth wirklick in leidenschaftlichen Zorn und beginnt im toben, und damit hollah die Geschichte wird sich schon heben. Inzwischen aber hat man den hellen Spiegelglanz einer Seele getrübt, hat man ein Glück zerstört wer will er messen, auf wie lange? hat man etwas vernichtet, was einfach unwiderbrinalich und unersetzbar ist. E.in vr nünniges. gütiges Wort hätte nu Glück erhalten, den werioooltsten Sckan des Lebens. Noch unentschieven. Ich war ein Jahr lang abwesend. Vor meiner Abreise haben sich Biron Eichinger und der Bankier Rosenheim um Ihre hübsche Nichte beworben. Hat sie sich schon entschieden. Frau Baronin?" Ja, lieber Graf." Und wer ist der Glückliche: Eichinger oder Rosenbeim ..Sie hat Baron Eichinger t: vier Wochen ;cnomine; Punkt ist also schieden.

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