Indiana Tribüne, Volume 24, Number 245, Indianapolis, Marion County, 22 May 1901 — Page 1
dinnn Tribüne - ! rc5öiS83 Cage nb öonnwgsblaU '4 C2$ UNd i nntsblatt 10ßcr WoÄc. 3 ICH per Woche. iiiSÄSSSSi Vrsrtzeint sedcn la4?mittap nD Sonntag Itlorgcua. Jahrgang 24. Indianapolis, Ind. Mittwoch, den 22. Mui 1901. No. 245
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Die chincsllche Smgc. Tic Mächte noch nicht einig darüber
lUic die Sckja)enersa!;snm:ne bc inljlt werden soll. Tic Vorschläge der britischen Nc. gicrnng. Königin Trag wieder genesen. Sie Frauzoien wieder einmal irritirt Wegen der Anwesenheit des russischen Botschafters in Teutschlaud i Sei ber Truppev-Revuc in Metz. S- . Soul de Castellane will die Regierung v -- darüber intcrpcllircn. .. - Tic Bevölkerung von Irland und peffe gjrtHtrt.itgpy Som britischen Parlameni.n VcrrI London. 22. Mai. Das UnterHaus stimmte am Dienstag mit 300 zegen 123 Stimmen den Antrag oes Liberalen Sir Henrtt Fowler rieter, zaß die Budgetvorschläge der Regieung verworfen werden sollten. Vor o:r Abstimmung erklärte Herr A. I. Zalfour. daß die Regierung die V:rverfung des Budgets als ein Miirauensv?tum ansehen würde. Die Zrländer enthielten sich der nung. Lord Cranborne. der Untersekretär ?es auswärtigen Amtes, gab eine länzere Erklärung über die Lage in China ib. Er sagte, daß die Bemühungen ?er Regierung jetzt hauptsächlich da raus gerichtet seien, die SchadenersatzForderungen der Mächte so viel als nöglich zu reduziren und darauf zu sehe, daß die Handelsinteressen nicht gefährdet würden. Aus diesem Grunze sei die Regierung ganz entschieden zaqeaen. daß die chinesischen Einfuhrsolle um 10 Prozent erhöht würden. lluf alle diesbezüglichen Vorschläge ha?e England geantwortet, daß es zu eirer solchen Erhöhung nur dann seine Zustimmung geben würde, wenn das chinesische Verwaltungssystem abgeänert würde, und z. B. die Likins (Inandzölle) aufgegeben würden. Was die Herabsetzung der ganzen Entschädigungssumme betreffe, so gäbz 's mehrere Wege, dies zu thun, und die Last, die hina zu tragen habe, könnte zanz bedeutend durch die Art und Weise, wie die Zahlungen gemacht werzen müßten, erleichtert werden. In Bezug auf den Vorschlag, daß ie Entschädigungssumme mit einer )on den Mächten zu garantirenden Anleihe gedeckt werden solle, sagte Lord Tranborne, daß China unzweifelhaft zie Verpflichtung habe, die Entschädijung an die Mächte gemeinschaftlich zu zahlen, und daß wenn eine solche Anihe garantirt werden müsse, die 'ämmtlichen Mächte gemeinschaftlich zie Garantie geben müßten. Die Re;ierung hoffe aber, daß dies nicht nöchig sein werde, denn es seien so genichtige Gründe gegen eine solche geneinschaftliche Operation vorhanden. Naß sie nichts damit zu thun haben volle. In Anbetracht des Umstandes. vaß der Kredit Englands höher stehe wie derjenige irgend , eines anderen c. indes, und England nur einen kleinen Theil der Schadenersatzsumme beinspruche. sei es beinahe Wahnsinn !iner gemeinschaftlichen Garantie der Anleihe zuzustimmen. Die Regierung habe deshalb den Vorschlag gemacht, daß China den Mächten für den Betrag ihrer Fördecungen Bonds geben solle, die. mit vier Prozent verzinslich, nach einer Reihe :cn Jahren eingelöst werden sollten, zu welchem Zweck ein Amortist-ns-.Zonds angelegt werden solle. Die Einnahmen aus gewissen Quellen, dir ,'ür diese Zwecke speziell reservirt werden müßten, sollten in regelmäßigen Zwischenräumen an eine Kommission zon Finanziers ausgeliefert werden, welche die Vertheilung der urnme pro Rata unter die Mächte vorzunehmen habe. Wenn dann China nicht bezahle, würden die sämmtlichen Mächte gleichmäßig dadurch betroffen und es sei dsnn ihre Sache, gemeinschaftlich auf der Bezahlung zu bestehen. Lord Cranborne fügte hinzu, daß wenn dieser Plan angenommen würde, und die Mächte sich sonst etwas nachsichtiger gegen China zeigen würden, jenes Land damit eher in den Stand gesetzt werde, seinen Verpflichtungen nachzukommen, als wenn es gezwungen würde eine Anleihe aufzunehmen. 5kn Bezug auf das Zurückziehen der
Gruppen lagte Lord iranvorne. daß 3,?'X Briten sofort China verladen würden. Von Anfang an habe England dagegen Einwand erhoben, daß (5rreditionen w:i: van Peking forlgeschickt würden. Er glaube, daß auch andere Mächte in dieser Hinsicht mit England übereinstimmten, und den Augenblick börbeiwünschten. in dem es möglich sei. sich ganz aus China zurückZuziehen. Von den Philippinen. Manila. 22. Mai. Die Jnsurg.mten machten am Dienstag einen erfolglosen Angriff auf Macarlan in der Provinz Laguna de Bay. Ein Soldat vom 8. Infanterie - Regiment wurde in dem Gefeckt getödtet. - Aus dem offiziellen Bericht über dos kürzlich bei Pasacoa. in der Provinz 3üd Camarines. stattgefundene Gefeckt. gebt hervor, daß drei ameritanische Soldaten getödtet wurden und ein eingeborener Kundschafter den Iniurgenten in die Hände fiel. GrafBoni läßt wieder von sich hören. Paris. 22. Mai. Graf Boni de Castellane. der sich kaum von feiner schweren Krankheit erholt hat. kündigt an. daß er 'in der Deputirtenkammer eine wichtige Interpellation stellen wolle. Er hat an den Minister des Aeußeren. Herrn Delcasse. geschrieben und ihn ersucht, einen Tag festzusetzen, an dem er. Castellane. die Regierung in Bezug auf die jüngsten Vorgänge bei Metz, die dem Besuch des Herrn Delcasse in St. Pecsburg gefolgt sind, interpelliren könne. Graf Boni nimmt auf die Anwesenheit des russischen Botschafters in Berlin bei der großen Revue Bezug, die der Kaiser Wilhelm zu Ehren des Geburtstages des Zaren über ein ganzes Armeekorps bei Metz abgehalten bat. Tie Anwesenheit des russischen B.: schafters hat in Frankreich einen unangenehmen Eindruck gemacht. Russische Spione. Yokohama. Japan, 22. Mai. Drei runische Offiziere, die Zeichnungen des Hafens von Nagasaki in der 3iähe der Befestigungswerke aufaenommen hatten, nach ihrer Verhaftung aber wieder auf freien Fuß gesetzt wurden, sind jetzt in contumaciam" zu je sechs Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Auswanderung aus Porto Rico. SanJuan dePortoRico, 22. Mai. Neunhundert Auswanderer schifften sich am Dienstag wieder in Guanica an Bord des Dampfer Calisornian" nach Hawaii ein. Vierhundert andere warten auf den nächsten Dampfer. Tie Auswanderer und ihre Angehörigen waren alle guten Muthes. Die Auswanderungsagenten haben $10.000 für das Engagiren der Leute und ihren Unterhalt bis zur Abfahrt zusgegeben. Günstige Nachrichten aus Hawaii von den vorher Ausgewanderten haben die Auswanderungslust wieder gehoben. Die Bevölkerung von Jrland und Schottland. London. 22. Mai. Irland hat. oer neuen Zensusaufnahme zufolge. 4.456,546 Einwohner, oder 5.3 Prozent weniger als vor zehn Jahren. Die Abnahme ist aber nicht so groß wie im vorigen Jahrzehnt. Schottland bat eine Bevölkerung von 4,471,957 Seelen. Die Delegationen beim Kaiser. W i e n . 22. Mai. Die österreichischungarischen Delegationen wurden am Dienstag mit dem üblichen Ceremoniell von dem Kaiser Franz Joseph in der Hosburg empfangen. In seiner Anspräche an die Delegaten sagte der Kaiser, daß die Beziehungen mit den alliirten Mächten unverändert die allerherzlichsten und mit den übrigen Mächten cer freundschaftlichsten Art seien, sodaß oer Frieden auch fernerhin noch lange aufrecht erhalten werden würde. Der übrige Theil der Rede des Kai-
sers war ohne internationale Bedeutung. Angriffe aufEngland. Brüssel. 22. Mai. Der Senat verwarf am Dienstag mit 37 gegen 22 stimmen eine von dem Sozialisten Lefontaine eingereichte Resolution, in der vas Verhalten der Transvaal - Regierung gelobt und Bedauern darüber ausgedrückt wird, daß Belgien nichts in der Angelegenheit thun könne. Der Minister des Aeußeren, Herr De Favereau. antwortete auf die gegen England erhobenen Beschuldigungen, nfe britische Soldaten Boeren-Frauen und -Kinder massakrirt und die Boeren in sonstiger Weise mißhandelt hätten, daß dies nicht wahr sei. daß England die Civilisation nach allen Ländern der Welt getragen und überall die Freiheit der Person und des Gewissens vertheidigt habt.
rus der Reichshauptstadt Ä e r l i n. 22. Mai. Die deutsche Presse widme: den Kommentaren statt zösischer und russischer Blätter über die Feier des Geburtstages des Kaisers Richolaus in Metz eingehende Beachtuna. Die Vossische Zeitung" betont dabei, daß die garze Sache ohne politische Bedeutung sei. Kaiser Wilhelm pflege den Geburtstag des Zaren stets da festlich zu begehen, wo er sich an diesem Tage gerad,: befinde, und da der Kaiser sich an dem betreffenden Tag? in Metz befunden labe, so habe dort die offizielle Feier stattgefundn. Die ..Norddeutsche Allgemeine Zeituru" veröffentlich: eine Verordnung des Polizeioepartements. wonach russrfdjes Geflüael. besonders Gänse, welche in Berlin eintreffen, einer scharfen Inspektion zu unterzieren sind. Eine Depesche aus St. Petersburg meldet eine sensationelle Affaire, nämlich die Flucht eires notorischen Verbrechers Namens Piletzki aus dem Gefänanisse für qenteskranke Sträflinge. Xie Flucht wurde mit Hilfe eines Komplicen bewerkstelligt, der sich als inspizirender Arzt unter dem Namen Dr Masurkewitsch" einführte. Letzterer lie sich auf Grund gefälschter Dokument cls Arzt im Hospitale anstellen mit zwar nur. um air diese Weise Piletzt befreien zu können. Beide Verbreche sind verschwunden. Ferner wird aus Petersburg geme! det. daß Jnaenier.re Herrn De Witte dem russischen Fmanzminister. einer Plan unterbreitet haben, das Schwary. und das Caspische Meer durch einer Kr.nal zu verbinden. Derselbe soll 5iX Werst lang werden und sind die Koster auf 500 Millioner. Rubel veranschlagt Die Regieruncs-Werfte in Wilhelmshaven wird vergrößert werden um dort Schiffe bis zu 12.000 TonGebalt bauen zu können. Die Arbeit ten werden ca. ein Jahr in Anspruck nehmen. Die Deutsche Tages-Zeitung"bringl die Nachricht, daß oer preußische Landtag im August aufgelöst werden wird, Der Vertreter der Associirten Presse ha! jedoch aus zuverlässiger Quelle ersahren. daß diese Nachricht unrichtig ist. Tie ..Kreuzzeitung" sagt, daß die Kon servativen die Auflösung nicht zu fürcht ten brauchen, dieselbe indessen doch auz den Grunde vermieden sehen möchten, weil dieselbe den revolutionären Parteien" in die Hände arbeiten würde. Dr, von Leuthod. der öeibarzt deKaisers, bemerkte kürzlich bezüglich deWeiland'schen Attentats, daß eine Abweichung von nur einem halben Zoll von der Wundstelle oem Kaiser daLeben gekostet haben würde. Die kaiserliche Familie wird nächstem Samstag das neue Palais in Potsdam beziehen. Das Berliner Tageblatt" und di? National-Zeitung" drucken Stelle? aus einem Interview mit Schatzamts sekretär Gage ab. welches in einer Chi cagoer Zeitung erschien. Sie deuten mi? Befriedigung auf die Worte des Sekre tärs hin. daß die Vereinigten Staate:' den anderen Ländern gewisse Konzessionen machen müßten, wenn sie ihrer Erport-Handel ausdehnen wollen. Königin Draza wieder gen e s e n. Belgrad. 22. Mai. Es ist hie: offiziell bekannt gemacht worden, daf die Königin Draga am Dienstag ibren Platz an der königlichen Tafel wiedei eingenommen habe. Berlin. 22. Mai. Auf das neuerdings wieder auftauchende Gerücht Bezug nehmend, daß der König Milan seinerzeit versucht habe eine Heiratlzwischen demKönigAlerander und einet deutschen Prinzessin von nicht sehr bohem Rang zu Stande zu öningen. was dadurch vereitelt wurde, daß der Könia Alexander plötzlich Madame Draga Maschin heirathete. sagen die Münchener Neuesten Nachrichten" : Xu Unterhandlungen wurden vor ungefähi einem Jahr in Carlsbad begonnen, unr die in Frage stehende Dame war eins-Lippe-Schaumburgifche Prinzessin, dik bereits ihre Zustimmung gegeben hatte." Verunglückt. Chicago. Jlls.. 22. Mai. Durch das Einstürzen eines Theils des Trottoirs vor der Central Musik Hall, am Dienstag Nachmittag, wurde ein Mann getödtet und ein anderer töd'.lich verletzt, während fünf andere mit geringeren Verletzungen davonkamen. Getödtet wurde Joseph Finley und Edward Sullivan ist tödtlich verletzt. Das Trottoir, aus Steinplatten bestehend, befand sich über einem Kellerräum, der bis in die Straße hinausreichte und lag auf mehreren hölzernen Stützen. Eine große Anzahl von Arbeitern stand auf dem Trottoir vor der Mustkhalle. die jetzt abgerissen wird, um für ein Departementsgeschäft Platz zu machen, und wartete auf Ablösung, als die Stützen unter einem Theil der Steinplatten brachen und die daraus Stehenden in den Keller binabfielen.
2er ,MW!ittm-5lreik.
Gute Aussichten, daß c: bald zu Cnde sein wird. m Wenigstens in den meiftcu Städten des Landes, k , Der Alircs.Rordfall in Wash' r'-' illyton. D Iran Bonine den Geschworenen ol überwiese, ä Tie Revolte in West Point. Fünf Kadetten werden entlassen und sechs suspendirt werden. Präsident McKinley in San Francisco Tas Befinden der Frau McKinley bch scrt sich sehr schnell. Verheerende Ilebcrschwemmuuaen. Der Maschini st en - Streik. W a s h i n g t o n. D. C.. 22. Mai. Der Präsident O'Connell von der internationalen Association der Maschinisten sagte am Abend, daß die bis um sechs Uhr Abends eingelaufenen Nachriedten eine baldige Beendigung d!.'s Streiks andeuteten. Aus den im Lauft des Tages eingetroffenen Nachrichten geht hervor, daß weitere 120 Firmen in verschiedenen Theilen des Landes de7 Neunstunden - Tag bewilligt haben. Herr O'Connell sagt, daß sein?Wissens in San Francisco 6000 un7 r Cincinnati 3000 Mann am Streik seien. In Chicago baben alle größerer? Etablissements die Forterungen ve: Arbeiter bewilligt und dieselbe Na:f : richt kommt auch aus anderen Theiler? Landes, namentlich vom Süder,. Tie Hälfte der Firmen in Philadelphia l..ben nachgegeben und die and:rr r.?den wahrscheinlich bald folgen. L o u i s v i l l e . Ky.. 22. Mai. Eine Vereinigung der Maschinen-Fabrikan-ten wurde hier am Dienstag Nachmittag organisirt. Zweck der Organisation ist, die am Streik befindlichen Arbeiter besser bekämpfen zu können. Die Fabrikanten erklären, dak die Streiter zurückkehren könnten und hoherö Üohne erhalten würden, daß die Union aber nicht anerkannt werden würde. Sie versuchen jetzt Arbeiter in anderen Städten zu engagiren. Zwei der Falriken, die der Organisation nicht beigetreten sind, haben einen Kompromiß mit ihren Arbeitern abgeschlossen. D u n k i r k . N. Y.. 22. Mai. Weil die in der Brooks'schen Lokomotivenfabrik angestellten Maschinisten einen Streik zur Erlangung eines neunstün digen Arbeitstages und einer Lohnerbohung von 12 Prozent inaugurirt baben, hat der Präsident Stevens am Dienstag angeordnet, daß die Fabrik bis auf Weiteres geschlossen werden soll. Es kommen daourch 2600 Arbeiter außer Beschäftigung. Die Brooks Co. ist eine der Firmen, die zur American Locomotive Co. gehören und es ist unmöglich zu sagen, wie lange der Lockout dauern wird. Die Lokomotivenfabrik ist die Hauptindustrie der Stadt und die Betriebseinstellung ist ein harter Schlag für die Geschäftsleute. Sollen mebr Steuern veza h l e n. C l e v e l a n d. O., 22. Mai. Aus Antrag von Mayor Johnson hat Richter Stromple vom Common PleasGericht einen Gerichtsbefehl erlassen, wonach etwa 8 oder 9 County-Audi-tors. welche zur Zeit hier als Behord? zur Besteuerung der Eisenbahnen in Sitzung sind, gezwungen werden.Bahnbeamte zu vernehmen, um Gewißheit über den wirklichen Werth des Bahneigenthums zu erhalten. Mayor John: son behauptet, daß das Eigenthum der Bahnen zu etwa 12 bis 18 Prozent des wirklichen Werthes eingeschätzt sei. während andere Realitätenbesitzer bis zu 60 Prozent eingeschätzt seien, und daß diese Begünstigung der Bahnen deshalb stattfinde, weil die Auditors von denselben gewisse Vergünstigungen erhalten. Die Cleveland. Lorain und Wheeling Bahn war am Dienstag der Gegenstand der bezüglichen Verhandlungen. Mayor Johnson will, da die Abschätzung seiner Ansicht nach vie? zu niedrig ist. durch gerichtliches Verfahren den Clerk verhindern, die eingeschätzte Summe auf das SteuerDuplikat zu setzen. Überschwemmungen. A s h v i l l e . N. C.. 22. Mai. Der schlimmste Wolkenbruch seit Jahren ging am Dienstag über der hiesigen Geaend nieder. Der Schaden an
Brucien uno ULcgen grctz. Das Wasser steht in den Häusern bis zum ersten Stock, die Feuer in der elektrischen Lichtanlage wurden durch das Wasser gelöscht und Finsterniß hüll: in Folge dessen die Stadt ein. In Beltmore wurde das Geleise der Soulrun Ry. unterwaschen und die Geleise vollständig zerstört. Beltmore ist der bekannt? riesige Landsitz der Vanderbilts und der dort angerichtete Schaden ist beträchtlich. Viele Villen stehen unter Wasser. Der Eisenbahnverkehr wird auf 24 Stunden untcrbrochen bleiben. K n o x v i l l e . Tenn.. 22. Mai. Im obern östlichen Tennessee sind Regengüsse niedergegangen, wie sie in dieser Gegend noch niemals vorgekommen sind. Der Eisenbahnverkehr von NordCarolina ist unterbrochen. Auch die Züge von Chattanooga sind in Folge von Unterwaschungen des Bahnbettcs vielfach verspätet. Nachrichten aus Gegenden nördlich und östlich von Knorville melden einen Wasserstand der dortigen Flüsse, der höher ist wie je zuvor. Alle telegraphische Verbindung mit jenen Plätzen ist unterbrochen. Präsident McKinley in San Francisco. San F r a n c i s c o. 22. Mai. Präsident McKinley hielt am Dienstag eine Revue über die 45.000 Schulkinder h'.esiger Stadt ab, die auf beiden Seiten der Van Neß Aoenue von Jackson bis Market Straße aufgestellt waren. Der Präsident fuhr, von den Mitgli.'dcrn des Kabinets und' hiesigen Beamten begleitet, von Jackson bis nach Market Str. und wieder zurück. Der Empfang, der ihm seitens der Kinoer. die alle mit amerikanischen Fähnchen versehen waren, bereitet wurde, war ein überaus enthusiastischer. Der Präsident wurde buchstäbltch mit Blumensträußcn. die nach ihm geworfen wurder?. überschüttet. Später fuhr der Präsident mit seinem Gefolge nach dem Presidio. wo er vcn General Shafter und seinem Stab empfangen wurde. Er besichtigte die Gebäude, das Lager etc.. und fuhr dann nach der Stadt zurück. Wenn nichts dazwischen kommt, wird der Präsident am Mittwoch einem Empfang der Tempelritter von California beiwohnen. Dem Empfang wird eine Parade der Tempelritter vorangehen. Die Genesung der Frau McKinlcr, schreitet rasch vorwärts und wenn sie nickt einen Rückfall erleidet, was kaum wabrscheinlich ist. dann Wird sie im Stande sein, am Samstag mit d?m PräsidenreN die Rückreise nach Washington anzutreten. Sie war am Dienstag im Stande auf zu sein und die Zeitungen zu lesen. Des Mordes angeklagt. L e w i s st o n. Jdaho. 22. Mai. Jobn N..King. ein bekannter Geschäftsmann, ist hier auf die Anklage hin verhaftet worden, am 15. Juli 1893 Charles E. Thatcher, seinen damaligen Geschäftstheilhaber, in dem Laden der Firma in Lapwai. zwölf Meilen von Lewiston entfernt, erschossen zu haben. King hatte damals vor dem Coroner ausgesagt, daß zwei maskirte Männer in den Laden eingedrungen seien und Thatcher todtgeschossen hätten. Zwei Kugeln von verschiedenem Kaliber wurden in dem Körper Thatcher's gefunden. Es wurde damalß eine Belohnung von $3000 für die Verhaftung der Mörder ausgesetzt, man fand aber nicht die geringste Spur. Der Verhaftsbefehl gegen Kinz wurde auf Veranlassung eines Bruders des Ermordeten. Harrn Thatcher von Gennessee. ausgestellt. Der Staat wird versuchen, den Beweis zu führen, daß King und Thatcher sich gezankt batten und daß King zwei Revolver aus dem Vett nahm, das die beiden Männer gcmernschaftlich benutzten, und aus jedem Revolver Thatcher eine Kugel in den Leib jagte. King ist der Leiter einer großen Mahlmühle in hiesiger Stadt und hat auch noch einen Laden in Lapwai. DieRevolte in derMilitärAkademie. W a s h i n g t o n. D. C., 22. Mai. Oberst Mills, der Superintendent der Militär-Akademie. hatte am Dienstag eine lange Unterredung mit demKriegssekretär betreffs der Widersetzlichkeit der Kadetten in West Point. Die Akten, die auf die Fälle der Kadetten Bezug haben, welch' letztere von en zuständigen Behörden prozessirt worden sind, befanden sich seit einiger Zeit im Kriegsdepartement, es war bis jetzt aber noch keine Entscheidung getroffen worden. Superintendent Mills gab Erklärungen über die Zustände in der Akademie und er sagte, daß viele der im Umlauf befindlichen Gerüchte üdertrieden seien. Die jetzigen Verhältnisse sind eim Folge des Bemühens, das Fuchsprelle zu unterdrücken, seitdem Col.Mills Superintendent der Akademie geworden ist. Mills sprach die Ansicht aus dak in :rhältniwäkia luxitx Zeit vi
normalen Beryaltniste wtede? zurückkehren würden. Später hieß der Kriegsfekretär daBorgehen der Offiziere von West Point
gut. dre die Entlassung von fünf adetten und die Suspendirung von sechs anderen empfohlen hatten. Die Nc men der so gemaßregelten elf Kadetten ver. den am Mittwoch Mittag bekannt gemacht werden. Mysteriöse Dynamit - Exp l o s i o n. Cambridge. Mass.. 22. Mai. -Am Dienstag Vormittag um viertel voi elf Uhr fand in der Cambridgeporl Nationalbank in hiesiger Stadt eim furchtbare Explosion statt. Die eine Seite des Bankgebäudes wurde gan zerstört und der Kassirer Wm. F. Roa wurde schlimm am Kopfe verletzt. Wodurch die Explosion 'verursach: wurde, ist unbekannt, es scheint aber die Explosion einer Dynamitbombe gewesen zu sein. Wenn es sich dabei un. einen Plan handelte, die Bank zu berauben, wie die Polizei glaubt, dann ist er mißglückt, dmn es wird nichts von Werth aus der Bank vermißt. Das Banklokal befindet sicrin einen vierstöckigen Backsteingebäude mitten in Geschäftstheil von Cambridge. AdmiralSchley inNewYork angekommen. New York. 22. Mai. Admiral W. S. Schley ist am Dienstag mit den Dampfer Kaiser Wilhelm der Große' von England hier angekommen. Et hatte London in aller Eile verlassen, als er benachrichtigt worden war. das sein Sohn. Dr. Winfield Scott Schley gefährlich krank sei. Dr. Schley. de, an Blutvergiftung leidet und sich in St. Lukas Hospital befindet. wurd erst am Dienstag für außer Gefahr er: klärt. Die Ermordung des Jame S. Ayres. W a s h i n g t o n . D. C., 22. Mai, Die Coroners-Jury. die eine Untersu chung in Bezug auf die Ermordung dec jungen James S. Ayres geführt hat. der am Mittwoch Morgen letzter Woch tccht im Kenmore Hotel aufgefunder, wurde, gab am Dienstag einen Wahr spruch ab. daß Avres von Frau Lolc Jda Boninc getödtet worden sei. und daß die Frau den Großgeschworenen überwiesen werden solle. Eine ganze Anzahl Zeugen wurden verhört, ehe die Jury den Wahrspruck abgab. Es wurde ein Versuch gemacht zu beweisen, daß Frl. Minas. die das Zimmer neben demjenigen Ayres' bewohnte, leicht Stimmen hätte hören können und auch, daß sie durch die Fu: gen m der "Thür hatk? seffikk köVrfer? ob Licht in dem Zimmer war. Frl, Minas erklärte aber, daß sie zur Zeit der Schießerei kein Licht gesehen habe Sie sagte auch, daß die Hilferufe, du aus Ayres' Zimmer kamen, von einen Manne herrührten, und nicht von eine, Frau. Sie erklärte ganz bestimmt, daß es nicht die Stimme der rau Bonim war. Dies steht im Widerspruch mit den Aussagen der Frau Bonine. die ir ihrem Geständniß am Montag erklärte, daß die einzigen Laute, die währenr des Kampfes in Ayres' Zimmer ausge. stoßen wurdrn. von ihr herrührten. Frau Bonine hatte sich geweigert, vo, der Coroners-Jury zu erscheinen. Die mit der Schreibmaschine herge stellte Kopie desGeständnisse:, der Frar Bonine wurde am Nachmittag bei Frau vorgelegt, damit ste den Inhalt beschwöre, denn als sie am Montag da Geständniß ablegte, befand sie sich nich' unter Eid. Frau Bonine weigerte sick in der bestimmtesten Weise, die eidlich, Erklärung abzugeben. Sie berief sick dabei auf ihren Advokaten, der ihr ge rathen habe, nichts mehr zu sagen uni nichts zu unterschreiben. Nachdem die Coroners-Jury de? Wahrspruch abgegeben hatte, wurde du Frau, die sichseit gestern im Detentionshaus befand, nach dem stäotische Gefängniß gebracht. t C h a s. A. Bauteile, f B o st o n. Mass.. 22. Mai. Der frühere Kongreßrepräsentant Charles A. Boutelle, von Bangor. Me.. ist am Dienstag im McLean Asyl in Waverly. Mass.. gestorben. Er befand sich lange Zeit in der Anstalt, in der er wegen eines Gehirnleidens behandelt wurde. Der Tod war in Folge einer Lungenentzündung eingetreten, an der Herr Boutelle erst seit Sonntag litt. Der Verstorbene war 62 Jahre a't und im letzten Winter nach seinem Austreten aus dem Kongreß als Ma-rine-Kapitän auf die Pensionsliste gesetzt worden. Er hinterläßt drei Töchter. Herr Boutelle erkrankte zuerst am 21. Dezember 1899. als er in einem Hotel in Boston plötzlich die Besinnung verlor. Es stellte sich heraus, daß er an einer Gehirnentzündung litt und er hat sich seitdem nie wieder von den Folgen dieser Krankheit erholt. Weitere Depeschen auf Seite 5
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