Indiana Tribüne, Volume 24, Number 240, Indianapolis, Marion County, 17 May 1901 — Page 7

Jndiana Tribune, 17 Mai 1901.

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The Eminent Kidney and Bladder Specialist.

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Weltmacht.

Roman von M. S t a hl. (Fortsetzung) & ja, ich denke es mir sehr schön, eine Jphigenia, eine Prinzessin Leonore, ein Clärchen oder eine Amalie zu spielen. Und ich glaube, ich habe Talent. Bei unseren Schulaufführungen mutzte ich immer die erste Rolle spielen, und ich hatte großen Erfolg. Alle sagten, ich habe ein ausgesprochenes Talent ur Declamation und ein sehr gutes Organ. Vorläufig soll mein Entschluß aber tiefes Geheimniß bleiden, Mama will es so. Denn wenn ich bei der Prüfung nicht reussire. braucht überhaupt niemand etwas da- ! von zu erfahren. Nur Dir, liebe Wulf- ' hild. konnte ich es nicht verschweigen. ich muß Dir doch die Wahl lasten, ob Du noch mit mir verkehren willst,wenn ich Schauspielerin werde. Und Du solltest meine Motive wissen, damit Du nicht denkst, Eitelkeit oder Leichtsinn treiben mich dazu, gerade diese Carriere zu wählen." Du bleibst unter allen Umständen für mich dieselbe", erwiderte Wulfhild sehr warm, außerdem bin ich weder engherzig noch altmodisch. Ich interesst micb leboaft für die moderne I Frauenbewegung und würde am liebften selbst etwas lernen, etwas Ordentliches. was auf eigene Füße stellt. Wenn Du Erfolg hast, würde ich Dich entschieden beneiden. Hast Du denn mit Deinem Vormund darüber gesprochen?" Jetzt noch nicht. Erst will ich mi vorstellen und prüfen lassen, und wenn Dr. Blumberg hier mich in seine Theaterfchule aufnehmen will, werde ich Herrn Normanns Erlaubniß einholen." Und niemand, niemand außer nur soll davon wissen?" fragte Wulfhi'.d mit Betonung. Nein, nein, bitte!" rief Elfe dringend. Auch Roderich nicht? Willst Tu es ihm nicht erzählen? Ich möchte wilsen, was er dazu sagt. Auch er vt vorurteilsfrei, aber er kennt die Welt besser als ich und kann Dir darum besser rathen." Nein, nein!" wiederholte Elfe noch dringender. Um keinen Preis möchte ich es ihm sagen und nicht wahr, Du giebst mir Dein Wort, mein Geheimniß vorläufig zu watzren. Ich weiß ganz genau, daß er mir abreden würde, ich weiß alles, was er sagen wi'.rde. Ich habe mir das alles selbst gesagt und bin doch zu dem Entschluß gekommen, oaß ich es thun muß. Spater, wenn ein Erfolg da ist. sieht s'ch die Sache aber ganz anders an a!s jetzt, das kannst Du mir glauben. Dei7 Bruder würde mir jetzt jedes Talent und jede Befähigung zur Schauspiel'rin absprechen, und das entm.uthigi mich unnütz." Gut, Kleine, Du mußt thun, was Du nicht lassen kannst, aber ich muß doch gestehen, ich mache mir Sorgen um Dich und Deine Zukunft", sagte Wulshild mit einem Seufzer. Elfens Tapferkeit und charaktcrvolles Streben gefielen ihr außerordentlich, sie wußte, welch ein Aufwand von Heroismus für das verträumte Waldkind dazu gehörte, zur Bühne hen zu wollen, und daß nur oas Pflichtgefühl sie dazu trieb. Darum steigerte dieser Entschluß den moral:schen Werth ihres Lieblings in ihren Augen, aber sie zweifelte an ihrer Bcfählgung. Gewiß, sie besaß Schönbe!!. ein angenehmes Organ, tiefes, feines Empfinden und den Sinn für d2s Große, Hohe, aber ob sie jenen Funken Genialität hatte, der allein einen großen Künstler macht? Und wie würde Roderich sich da,',u stellen? Wulfhild war ihrer Sache nicht ganz sicher. Sie hatte seine Neigung für Elf: mit Freude b:crkt '.ind m'i der sanguinischen Warmherzigknt der Fugend fressend gewünscht, diese beiden '!)r so lieben Menschen möchten ein Paar werden. Natürlich war alles e'.".e Frage der Zukunft und f)ing von Rodericbs Erfolgen ab, denn sie wußte, daß er große Ansprüche an das Leben wackle. Es war schon gut, daß Elfe ihre Zu kunft nicht allein auf ihn baute, und ihr Stolz, sich selbst helfen zu wollen, verdiente die höchste Anerkennung. Aber es wäre doch zu schade, wenn ihr Entschluß trennend zwischen sie und den Bruder treten sollte! So blieb Wulfhild im Zwiespalt d?r Gefühle und wußte nicht recht, ob ):t abreden ."der zureden sollte. Zu gleich.'? Zeit bcfand sich Frau von Dellmenhorst mit Frau Forsii : ster Eichler in intimem Gespräch 'n der noch ungestörten Ruhe ihres SarnS, da die anderen Gäste auf sich warten ließen. Mit Lammcsged. hörte sie die nicht endenden Klagen ihres Gastes an über chronischen Rheumatismus und Nervenkopfweh, über die Unmöglichkeit, sich die nothwendige Badekur in Wildbad und einen Aufenthalt an der See zu verschaffen, über die Unwissenheit der B.'schen Aerzte und die Unmöglichkeit, eine Capacität zu consultiren. über die Rücksichtslosigkeiten der Männer im allgemeinen und die des seligen Gatten im besonderen, .der in der Ehe ihre Gesundheit ruinirte, über die drei Treppen und zahlreichen Mißstände der Stadtwobnuna und die

Unmöglichkeit, eine eigene Villa zu dewohnen, über mangelhafte Bedienung. da Elfe in einer Person Köchin, Stubenmädchen und Krankenpflegerin machen müsse u. s. w., ein endloses Register von Bitternissen und Kümmernissen, mit galliger Verdrießlichkeit vorgetragen. Frau von Dellmenbcrst gab sich die erdenklichste Mühe. Trost und Rath zur Erleichterung all dieser Leiden zu finden, aber selbst ihre herzlichste Theilnahme wurde sebr ungnädig aufgenommen. Jeder tröstliche Zuspruch schien Frau Eichler zu ärgern und ?u reizen. Sie klagte auch ernstlich über ihre Tochter, die zu wenig Verständniß für ihr Unglück habe und für ihre oiclfachen körperlichen Leiden. Sie gliche ganz ihrem Vater und habe dessen spießbürgerlichen Sinn, der sich 'm Kleinleben beschränkter Verhältnisse wohl fühle. Beide hätten nie begriffen, daß sie ihre Geburt und Herkunft nicht verleugnen könne und an der Misere ihres Schicksals zu Grunde zu gehen berechtigt sei. Die Ankunft der übrigen Gäste machte endlich diesem Lamento ein Ende, da Frau von Dellmenhorst nicht die Energie und den Muth besessen hatte, ihm vorher zum Schluß zu verhelfen. Frau Eichler hatte heut die Abwesenheit des Hausherrn benutzt, um ihrem Herzen gründlich Luft zu machen und ihr willenloses Opfer, die Jugendfreundin, das ganze Unrecht fühlen zu lassen, sich in besserer Lage zu befinden als sie. Der Oberst, der sie nicht aussteht konnte, während er für Elfe eine h ihm seltene Schwäche zeigte, hatte längst zum Schweigen gebracht. ti erwiderte seine Abneigung von ganzem Herzen, fürcbtete sich ab-r vor ihm und nahm sich in seiner Gegenwart zusam-men.

6. Capitel. Mitternacht war vorüber, die letzten Gäste waren bereits vor einer halben Stunde vom Hof gefahren, und der Oberst blieb immer noch aus. Frau von Dellmenhorst hatte sich mit den Uebrigen zur Nachtruhe ;urückgezogen, kam aber nach einemWeilchen im Schlasrock auf die Veranda zurück, um nach dem heimkehrenden Gatten hinauszuhorchen. Man konnte in der Stille der Nacht einen Wagen schon von weitem die Landstraße daher kommen hören. Sie traf Roderich, auf der Gartenterrasse mit der brennenden Cigarre auf- und abgehend. Er konnte noch nicht 'chlafen. sein junges, heißes Blut war in Wallung, und seine Gedanken arbeiteten zu lebhaft. Alles, was jetzt an ihn herangetreten, die hochgestimmte Freude nach bestandenem Examen, die ZukunitsPläne, dazu die heutige angenehme Erregung seines Geburtstagsfestes die schönen Mädchen, die reichlich genössene Erdbeerbowle, die hochgradige Heiierkeit bei Spiel und Tanz und er der Mittelpunkt des fröhlichen Jugendkrcises alles das hing noch wie "in wonniger Rausch über ihm, machte sein Herz stärker schlagen und raubte ihm die Lust zum Schlaf. So still und dunkel war die tiefe Mitternacht wie ein heimlicher Liebesträum! Das Gewitter, das am Nachmittag auch über Stockhausen gegangen, hatte längs: ausgetobt, es lag wie tiefe Müdigkeit über der erfrischten Natur. Regungslos standen die alten Baumriesen im Park, und unter dem sternenlosen, dicht verhangenen Himmel dufteten die Rosen und die blühenden Linden betäubend. Der großen, schweigenden Finsterniß der Nacht war nichts geblieben als dieser Duft und ein leises Rieseln un-d Tropfen, das oft seltsam klingesde. tönendc Laute annahm. Und auö dieser geheimnißvollen, duftenden, tonenden 'Dunkelheit oyr hin und ohne Grenzen tauazter Mcirchengestalten vor Roderichs erhitzicn Sinnen auf. Bald war es der herrliche, nackte Xieib der Glücksgöttin mit dem fliegenden Coldbaar auf einer schillernden, schwebenden Seifenblase, bald Delas kokettes, herausforderndes Figürchen. mit den schmollenden Augen. die um seine Gunst buhlten. Bald Gräfin Liane, mager, rothhaarig, priide und doch aufreizend durch die brennende Sinnlichkeit ihrer graugrünen Augen und blutrothen, dicken Lippen in dem bleichsüchtigen Gesicht. Und diese Augen hatten wie hypnotisirt an ihm gehangen, es war fast lächerlich, wie sie der ganzen übrigen, langweiligcnPerfönlichkeit widersprachen! Steif wie eine Bachstelze ging sie mit ihren seidenen Stöckelschuhen und ihrer flachen Brust durch die gcheimnißreiche Finsterniß an ihm vorüber. Und immer wieder taucht eine holde Gestalt auf. vor der alle anderen weichen. Elfens süßes Märchenbild! Ihre großen Sternenaugen sehen ihn zärtlich, leidvoll an. Ihr weißes Kleid leuchtet und flies;! wie Nebel um die biegsame, keusche Schönheit ihrer Glieder, und von den Rosen in ihrem braunen, schweren Gelock geht ein schimmernder Glanz aus. der einen lichten Schein um ihr Haupt webt. Sie lächelt und winkt mit weißer Hand aus der schwarzen Nacht heraus. Mit Entzücken dachte Roderich der verflossenen Stunden, an den übermüthigen Flirt mit allen iunaen Damen

und das heimliche Werben um die Eine, die ihm von allen die Liebste war. Er wußte, daß er der erste, schüchterne Liebestraum ihrer erwachenden Seele war, und daß diese Seele tief und klar wie ein Brunnquell des Waldes. Sie sollte fein werden eines Tages, sein alleiniges Eigenthum, aber ??st galt es das Glück zu erjagen, das glänzende, schimmernde Glück auf der rollenden Schicksalskugel. Er wird es erreichen, es war ihm ja hold von Kindheit an. es hatte chm ja viele gute Gaben in die Wiege qelegt! Und es steht ihm lächelnd zur Seiie. Es hat ihm den Zauber verliehen, der oie Herzen gewinnt, es wird ihn uuch den Zauber .lehren, das Gold aus der Erde dunklem Schacht an sich zu locken, das gleißende Gold, das der Schlüssel ist zu allem Großen. Schönen in der Welt! Er kann sich nicht mit dem Mittel maß begnügen, nein! er fühlt sich berechtigt. nach den höchsten Höhen des Lebens zu streben. Sein Freund Rauschnigk steht ihm darin zur Seite, sie wollen beide das große Loos in der Lotterie des Lebens ziehen. Er steht still un d athmet tief. Das Feuer der Jugend und feine erregte Phantasie malen lockende Bilder in das nächtige Dunkel hinein. Es ist berauschend, sich geliebt und begehrt zu wissen. AU die glänzenden, lachenden Mädchenaugen haben ihm heut gesagt: Du brauchst nur zu wollen und das eine Augenvaa", das dem seinen auswich, verrieth am deutlichsten: ich liebe Oick! ber noch ist es nickt Zeit für ihn. die herrliche Iüthe der Liebe zu breeben, darum ist er auch heute Herr seiner Gefühle geblieben. Darum hat er mit allen getändelt und gescherzt und nur heimlich verstohlene Augensprache mit Elfe geredet, nur manchmal bei Spiel und Tanz mit flüchtigem Händedruck gesagt: Du bist mir die Liedste. während er öffentlich mit der koketten Delia liebelte und Liane huldigte. Nur einmal im Walzertanz, unter den alten Linden im Park, die mit farbigen Lampions zauberisch erleuchtet waren, hat er sie mit stürmischer Gluth an sick gedrückt und im Schatten hängenden Gezweigs die Lippen in ihr weiches, duftendes Gelock gepreßt. N?ch fühlt er das Beben ihres Körpers in seinen Armen, noch sieht er die dunkle Gluth auf ihren Wangen, als seinBlick darauf den ihren suchte! Selige Augenblicke, deren Wonnerausch jetzt noch in seinen Adern

glüht! Und wie er steht und träumt und den Duft seiner Havanna mit Wohlgefallen athmet, legt sich eine leichteHand auf feinen Arm, er sieht sich um und sieht in das sorgenvolle, vergrämte Gesicht seiner Mutter. Wie Frau Sorge in eigener Perion stand sie in ihrem grauen Schlasrock mit en angstvollen Augen neben ihm, und dieser Anblick machte ihn vollständig nüchtern, riß ihn aus all seinen hochfliegenden Träumen. Aber Mama. Du hast mich . erschreckt. Du kommst ja wie aus dem Boden gewachsen", sagte er etwas nervös; denn es berührt immer unangenehm, aus den Wolken gestürzt zu werden. Und in den Augen seiner Mutter stand nahendes Unheil so deutlich, daß ihm ein kaltes Mißbehagen den Rücken heraufkroch. Er hätte seine Mutter lieber heut Abend nicht mehr gesehen, denn mit dem Egoismus der Jugend wußte er ihrer stillen Sorge bis jetzt aus dem Wege zu gehen, und nun vertrat sie ihm plötzlich den ..örst Du noch nichts?" fragte sie mit dem Ausdruck gespannten Hinausborchens. Was denn? Was soll ich hören? Den Wagen. Dein Vater ist im mer noch nickt zurück." Gott, Mamachen, darUder wirst Du Dich doch nicht aufregen? Dazu bist Du doch schon zu lange verheirafy::. Er wird eine Skatpartie in der St? st gefunden haben, ist wahrscheinlich in sein Regiments-Easino gegangen." Frau von Dellmenhorst schüttelte den Kopf. Dazu ist er heut nicht aufgelegt. Ach, Gott, Roderich. Du weißt nicht, wie ich mich ängstige!" Liebes Mamachen, ich kenne Dich überhaupt nicht anders, wie in irgend einer schrecklichen Angst. Wenn gar keine andere Ursache mehr erfindlich ist, dann ängstigst Du Dich, die Decke könnte über Dir einstürzen oder ein toller Hund könnte einen von uns beißen." Ich sürchte. liebes Kind, der Scherz würde Dir vergehen." erwiderte Alberta von Dellmenhorst mit einem wehmüthigen Lächeln, wenn Du wüßtest, wie die Dinge stehen." Bange machen gilt nicht. Mamachen. Aber so schütte mir doch ein Mal Dein Herz aus über die Gespenster, die Du siehst. Komm, wir setzen uns hier, die Nachtluft ist so schön frisch, und im Hause ist es nock stickig." Er schob zwei Gartenstühle an den Rand der Terrasse und legte den Arm um den Stuhl der Mutter. Von Jahr zu Jahr ist eS abwärts mit uns gegangen, bis Dein Vater der verbitterte, menschenfeindliche Charakter geworden, der er jetzt ist", klagte Frau von Dellmenhorst. Von dem aroßen Besitz der Familie, die eine der

begütertsten im Lande war, in unnur dies eine Gut geblieben, und ich weiß, daß es Deinem Vater Mühe und Sorgen genug macht, es zu halten. Er sagt mir ja so gut wie niä'ts über seine Geschäfte und Geschäftsso?gen. aber von Jahr zu Jahr legt er sich und unserem Hausstand größere Einschränkungen auf." Wir leben doch immer noch recht angenehm", fiel Roderich ein. weißt Du. Mamachen, etwas mußt Tu bei Papa auch auf das zunehmende Alter schieben. Alte Leute werden oft merkwürdig verdrießlich, und so viel ich weiß, war Papa von jeder eine gallige Natur. Irgend einen heftigen Zorn gegen wen oder was hatte er stets auf dem Herzen." Ach, Tu hast ihn nicht in semen guten Jahren gekannt, was für ein liebenswürdiger Mann er war und wie generös!" seufzte die Mutter. Damals war ihm nichts gut genug für mich, und jetzt höre ick nichts mehr als Vorwürfe, selbst über die nothwendigen Ausgaben unseres HausHalts. In letzter Zent ist das fast unerträglich geworden, er mutz in ernsten Verlegenheiten sein. Er schläft oft ganze Nächte nicht, er weiß nur nicht, daß ich es höre, wie er in seinem Zimmer auf- und abgeht und herumrumort. Fragen darf ich nicht, dann fährt er mich an und sagt mir doch nichts. Ach, wie anders wäre alles gekommen, wie anders ständen wir da, wenn der Herzog das Lehen nickt selbst eingezogen hätte, statt es Deinem Vater zu verleihen, dem es doch rechtmäßig zukam. Und diese Ungerech-tigkeit-hat seinen Charakter verbittert." Wie ist eiqentlich die Sache m,t oem Lehen?" fragte Roderich. Ich erinnere mich als Kind oft davon gehört zu haben wie von einer großen Zukunftshoffnung und dann wie von einer fürchterlichen Enttäuschung, verbunden mit einer empörenden Willkür des Herzogs. Aber weil man später in Papas Gegenwart nie mehr davon reden durfte, habe ich das Für und Wider nie so recht erfahren." l Fortsetzung folat.)

Ein sensationeller ucordProzeß. W i l l i a m s o n, W. Va., 16. Mai. Der Achtb. S. D. Stokes, der angeklagt war, am 5. Dezember 1900 den Rev. John H. Wohl, Pastor der Ersten Presbnterianer - Kirche, ermordet zu haben, wurde am Mittwoch Abend nach einem kurzen Prozeß von den Geschworenen freigesprochen. Die Tragödie war eine etwas außergewöhnliche. Wohl hatte in seinen Kanzelreden die Bürger der Stadt, darunter auch die Frauen, wegen des Trinkens und des Tanzens in einer mehr als beleidigenden Weise angegriffen. Stokes. der sich beleidigt fühlte, richtete ein energisches Protestschreiben in seinem und seiner Freunde Namen an den Pastor, der aber darauf antwortete, indem er am nächsten Sonntag die anstößigen Redensarten von der Kanzel berab in womöglich noch fchärferer Weife wiederholte. Am nächsten Abend trafen sich die beiden Männer an der Gartenthür vor Wohl's Wohnuno und es kam fofort zu einem heftigen Streit. Die Haushälterin des Pastors. zu der Stokes gesprochen hatte, als der Rev. Wohl hinzukam, die einzige Augenzeugin des Geschehenen, er' klärte, daß Wohl Herrn Stokes einen Schlag ins Gesicht versetzt und ihn in die Hüften geschossen habe, ehe Stokes seinen Revolver zog und Wohl mit zwei wohlgezielten Schüssen todt zu Boden streckte. Stokes. der ein sehr populärer Mann ist. befand sich die ganze Zeit gegen Bürgschaft auf freiem Fuß. Die sensationelle Predigt, die Veranlassung zu der Tragödie gab. lautete zum Theil wörtlich wie folgt: Ich fage Ihnen, daß diese Stadt von diesem furchtbaren Uebel, dem Trinken, gereinigt werden mutz. Die junge Dame, die ihre Freunde mit Schnaps regalirt. giebt ihnen ebensoviel Unzen Höllenfeuer. das ihre Seelen verzehren wird. Die Frau, die mit einem jungen Mann Wein trinkt, steht an der Schwelle ewiger Verdammniß, Vom Weintisch bis zur Völlerei ist nur ein Schritt. Die verheirathete Frau, die Wein trinkt, darf im selben Augenblick einen ihrer Freunde in der Juristenwelt zur Vertheidigung eines Schei-dungs-Prozesses engagiren, denn sie ladet den Freund ein, der ihr Leim zerstört, die Familie beschmutzt und Ursuche dessen ist. daß der Gatte nicht weiß, ob es seine Kinder sind, die er ans Herz drückt." Wohl schloß mit einer pathetischen Verdammung des Höllenwassers", vas schwer Reiche tnd Herrscher ruinire. und zog nun gegen das Tanzen los. Er begann mit der Geschichte der Tochter Herodes und Johannes des Täufers und fuhr dann wie folgt fort: So lange als Sie. meine Lieben, den Fußstapfen der Sünde folgen, so lange Sie sich dem Zauber des Tanzes ergeben, stehen Sie an dem Abgrund der Verzweiflung und am Morgen wird sich Ihre Freude in Trauer verwandeln. Wer bei diesem Teufelswerk mithilft, öffnet seiner Schwester, seinem Weibe die Pforten der Hölle. Der Mensch ist noch nicht geboren, dessen Gedanken beim Walzer nicht ein Insult für das Weib sind, dessen vulsirenden Busen er an seiner Brust fühlt, und sein einziges Vergnügen bei dieser Unterhaltung ist die Hoffnung, daß sein? eigenen bösen Gedanken sich in ihrer Seele widerspiegeln mögen."

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