Indiana Tribüne, Volume 24, Number 240, Indianapolis, Marion County, 17 May 1901 — Page 1
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Vrsctfeint jeden la4Tmiiiag mti frornttAfl orge. Jahrgang 24. Indianapolis, Ind.. Freitag, den 17. Mai 1901. gzg 240 . ; !
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in Tie britische Armee-Reor ganisationsvoriage Vom Unterhaus definitiv angcnommen. Ccr.eral Vt et oiucbüd) nu: der in Die Tiapkolouic eingedruiigen. , Tie Pulver - Explosion in Kalgan. sieben deutsche K.wllcristcn dabei ge töötct. prominente Zionisten osferiren dem ulmn eine Anleihe Zur den Fall, daß er das Projekt der Palästina Gesellschaft akzeptirt. Abermals Hungersnoth in Indien. London, 16. Mai. Das Mitzratfaen. der Sommerernte in Indien macht sich bereits in empfindlicher Weise fühlbar. Lord George Hamilton, der Staatssekretär für Indien, sagte am Donnerstag im Unterhaus, daß jetzt ungefähr 381.000 Personen von der Regierung unterstutzt wurden, und man erwartet, daß die Zahl schnell anwachsen werde. Die britische Armee -Vor-läge angenommen. London, 17. Mai. Die von dem Kriegs-Sekretär Herrn St. John Broderick eingereichte Armee Reorganisations - Vorlage wurde am Donnerstag Abend vom Unterhaus definitiv mit 327 gegen 211 Stimmen angenommen. Herr A. I. Balfour hielt noch eine längere Rede zu Gunsten der Vorlage. Auf den Umstand Bezug nehmend, daß Dr Reorganisationsplan von höheren Militärs angegriffen worden sei, sagte Herr Balfour, daß es unmöglich sein würde, die Zustimmung aller Offiziere zu irgend einem Plane zu erlangen, einerlei wie werthvoll er auch sein und von wem er herrühren möge. Die Angriffe auf den vorliegenden Plan seien fantastisch und grundlos. Zum Schluß sagte er, es würde ein Verbrechen gegen die Zukunft sein, wenn man, nach den Erfahrungen der beiden letzten Jabre. die Gelegenheit und den noch beim Volke herrschenden Enthusiasmus nicht ausnütze, um die Armee in der dringen) nöthigsten Weise zu reorganistren. Vom Krieg in Südafrika. London. 17. Mai. Von Rosnead, in Kapland, ist die allerdings noch unbestätigte Nachricht eingetroffen, daß General DeWet mit einem kleinen Kommando und einem Lonqtom" in den Zurnberg - Distrikt der Kap-Kolo-nie eingedrungen ist. Zionisten in Konstantinopel. K o n st a n t i n o p e l , 17. Mai. Dr. Theodor Herzl. der Gründer d.'r Zionisten - Bewegung und der Palä-stina-Gcsellschaft. ist hier mit Vertr tern der Rothschilds und der Blei,hröder angekommen. Die Herren beadsichtigen. dem Sultan Abdul Hamid eine Anleihe zu offeriren. unter der Bedingung. daß er das Projekt der PalästinaGesellschaft, die Kolonisirung von Palästina durch Juden betreffend, akzeptirt. Aus Cuba. Havanna. 17. Mai. In einer am Donnerstag ftattgefundenen Sitzung des Kommittees für auswärtige Beziehungen beschloß die Majorität, der konstituirenden Konvention am Samstag einen Bericht zu unterbreiten, in dem die Annahme der Platt-Amen-dements empföhlen wird. Die Minorität verlangte mehr Zeit, um einen Minoritäts-Bericht auszuarbeiten. und es wurde ihr auch dafür Zeit bis Freitag gegeben, wann eine abermalige Sitzung des Kommittees stattfinden wird. Aus dem deutschen Reich. Berlin, 17. Mai. Das Kriegsamt hat eine Depesche aus Peking über die Explosion im Arsenal zu Kalgen erhalten. Der Leutnant Kummer wurde darin als der verletzte Offizier angegeben. Die Explosion wird in der Depesche als eine sehr ernste bezeichnet. Sieben Kavalleristen werden vermißt oder wurden todt aufgefunden und drei Mann wurden außer dem Leutnant Kummer schwer verletzt. Die Franzosen in Afrika. Rom, 17. Mai. Es wird vier versichert, daß die französischen Truppen sich der Oase von Ghadames bemächtigt hätten, wodurch sie thatsäck'lick die Kontrolle über Tripoli erlangen.
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den. Stockholm. 17. Mai. Dik zweite Kammer des schwedischen Paclainents hat ein Amendement zur Armecvorlage angenommen, derzufolge die allgemeine Wehrpflicht eingeführt werden. die Dienstzeit aber nur acht Monate betragen soll, während die R?gierunq eine einjährige Dienstzeit verlang! hatte. Will seinen Geburtstag i in M a i feiern. London. 17. Mai. Der König Eduard, der am 9. November 1641 geboren wurde, hat beschlossen, daß fein Geburtstag alljährlich am 24. Mai. dem Geburtstag der Königin Victoria. gefeiert werden soll. Es ist dies theilweise in Uebereinstimmung mit der in den Kolonien begonnenen Bewegung geschehen, den Geburtstag der Königin Victoria im ganzen Reich als Feiertag zu begehen. Die Bevölkerung von Groß-London. London. 17. Mai. Die Bevölkerung des äußeren Ringes der Vorstädte von London beträgt jetzt 2,042,750, gegen 1,405,489 im re 1891, 950.957 im Jahre 1881 und 631,831 im Jahre 1871. Die Gesammtbevölkerung von Lonvon. einschließlich des äußeren Ringes der Vorstädte, beträgt somit 6,578,764 Seelen. Aus China. Peking, 17. Mai. Die britischen Militärbehörden verlängern die Eisenbahn den Pei Ho entlang bis nach Tung Chow. Dies wird das Zurückziehen der auswärtigen Truppen wesentlich erleichtern und die Bahn wird dem Norden, nachdem der Frieden wteder berqestellt ist, in kommerzieller Hinsicht sehr zu statten kommen. L o n d o n. 17. Mai. Dr Morrison telegrapbirt von Peking aus wie folgt an die ..Times" : Der deutsche Stab hat die Verbün-i deten benachrichtigt, daß er die Absicht j habe, abermals eine Expedition zur! Unterdrückung der Boxer im südlichen Theil der Provinz Chi-Li. jenseits von ' Ching-Cbing, abzusenden, und er hat, die Verbündeten ersucht, sich daran zuj betheiligen Die Abreise der französifchen Truppen ist weiter verschoben worden." Schrecklicher Mord. C h i l l i c o t h e. O., 17: Mai. -Ein brutaler Mord, über dessen Beweggrund nicht das Geringste betMönj ist. ist am Donnerstag Morgen hier oe gangen worden. Ein ungefähr 45 Jahre alter, fremder Mann, anscheinend ein Arbeiter, wurde in dem Hause von Walter Hand, einem Maschinisten der B. & O. Eisenbahn, getöotet. Die Nachbarn hörten Schüsse und Hilferufe und alarmirten die Polizei, worauf Hand aus einem Fenster sprang und entkam. Die Kehle des Fremden war mit einem Rasirmesser durchschnitten, der Schädel war ihm mit einem Beil eingeschlagen worden und sein Körper wies auch ein: Schußwunde auf. An der Leiche wurde die Photographie einer Frau mit mehreren Kindern gefunden, die von Ellison. an 5. Straße. Cincinnati. aus genommen worden war, und ein LohnKouvert der George Füller Co. von Pittsburg. Pa., mit dem Namen John Flinn. Hand wurde später verhaftet. Er war betrunken. Der geheimnihvolleMori in Washinaton. Washington. D. C., 17. Mai, Fast das ganze Detektiv-Corps bei Stadt beschäftigt sich mit dem AyersMord. Einer der Detektivs erklärte während des Tages, daß das Geheimniß. das den Fall umgiebt, noch vor morgen aufgeklärt werden würde. Willie Wolfe, ein 14 Jahre alter Knabe, der dem Hotel gegenüber wohnt, in dem Ayres wohnte, erklärte während des Tages, daß er in der Nacht drei Revolverschüsse gehört habe und sofort an's Fenster geeilt sei. Er habe dann gesehen, wie eine Frau, in einen dunklen Rock gekleidet, aus dem Feilster von Ayres' Zimmer gestiegen und die Feuerleiter hinabgeklettert sei. bis zum zweiten Stock, wo sie durch das Parlor - Fenster verschwand. Die stimmt mit den am Mittwoch von einem Herrn Baker gemachten Aussagen überein. Der Coroner ist fest davon überzeugt, daß Ayres nicht Selbstmord begangen hat. Bankerott. New York. 17. Mai. Gustav Edward Grass und Thomas F. Nevins. die Mitglieder der Firma G. Edward Graff & Co.. Aktien-Makler, haben am Donnerstag eine Eigenthumsübertragung zu Gunsten ihrer Gläubiger vorgenommen. Die VerKindlichkeiten der Firma belaufen sich auf 5300.000 und die Aktiven au 8150.000.
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Hniei). Am Morgen glaubte man, daß das Ende nahe sei. Gegen Abend trat aber eine leichte Befferung ein, Tas Befinden aber immer noch ein sehr prekäres. Der ilriisident hat alle Engage tneiite abgesagt. Auch Gouv. Nash iu San Francisco erfreust. Ter Straßenbahn- streif in Albany. ! Die Truppen gezwungen Feuer zu geben. Drei Personen tödtlich und mehrere hundert leichter verletzt. Zwischen Tod und Leben. San F r a n c ' s c o. 16. Mai. Frau McKinley ist dem Tode nahe und tann jeden Augenblick verscheiden. Am Morgen kurz vor Tagesanbruch nahn.en ihre Kräfte plötzlich in rapider Weise ab und man fürchtete, daß der Tcö eintreten würde, ehe ihr künstlickie Velebungsmittel eingegeben werden konnten. Die wirksamen Stimulantien erhöhten indessen die Herzthätigkeit djilD nieder und während des Tages ertiolte sie sich soweit, daß die Möglichkeit ruf ihre Wiederherstellung nicht ausgeschlössen war. wenn die Aerzte auch nur geringe Hoffnung auf die letztere Eventualität geben zu können glauben. Jbr Leben hängt an einem Faden. Seit ihrer Ankunft hier ein Sonntag hat sie keinerlei substantielle Nahrung zu sich gtnommen und die Aerzte glauben nicht, daß sie einen anderen Schwächeanfall, wie den am heutigen Morgen übersteden würde. Frau McKinley leidet nur wenig und erträgt Alles mit Geduld. Während der Perioden, wo die Besinnung zurückkehrte, war sie klaren Geistes. Der Präsident weicht nicht von ihrer Seite cnt obgleich durch das unablässige Wachen erschöpft, erträgt er die Prüfung mit bemerkenswerther Festigkeit. Alle ihm zu Ehrer. geplanten Festlichkeiten sind natürlicher Weise abgesagt und die ganzeStadt erwartet mit ängstlicher Sorge den Ausgang des Kampfes um Leben und Tod, den Frau McKinley kämpft. Falls sie sterben sollte, so wird der Präsident und seine Begleiter innerhalb 24 Stunden mit drn sterblichen Ueberresten seiner Gattin nach Washington zurückkehren. Der Zug. welcher die Gesellschaft hierher brachte, wird sie auch zurückbefördern und es sind alle Vorbereitungen getroffen worden, auf dem kürzesten Wege noch Washington zurückzukehren. Falls Frau McKinley die Krisis überstehen sollte, so wird es nicht möglich sein, st: vor Montag in 8 Tagen zurückzutransPortiren. Alle Mitglieder des Kabinets. mit Ausnahme des Sekretärs Lonz werden bis zum Ende hier bleiben. De? Letztere erwartet jed.;n Augenblick, telegraphisch nach Colorado Springs gerufen zu werden, wo seine Tochter in kritischem Zustande darniederliegt. Die Krankheit der Frau McKinley, die sie in wenigen Tagen an den Rand des Grabes gebracht hat. begann kurz nach der Abreise von El Paso. Sie hatte die Reise-Strapazen trefflich überstanden, mit Ausnahme eines unbedeutenden Schwächeanfalles in New Orleans. Derselbe ging indessen schnell vorüber und sie fühlte sich ungewohnlich wohl auf der Fahrt durch Texas, bis El Paso erreicht wurde. Dort entwickelte sich ein Knochengeschwür, das sehr schmerzhaft und für das Allgemeinbefinden der Patientin in Folge der Nervenreizung sehr nachtheilig war. Staub und Hitze auf der Fahrt durch die Wüste von Neu-Mexiko und Arizona trugen ebenfalls dazu bei. ihre Kräfte zu untergraben. Ehe der Zug Los Angeles erreichte, was das Geschwür von Dr. Rirey aufgeschnitten worden. In Los Angeles wurde ihr Leiden indessen durch schwere Verdauungsstörungen noch verschlimmert und sie hatte eine sehr unruhige Nacht in Gray Otis, der Villa des Generals Harrison. Sie versuchte jedoch, ihre körperliche Schwäche zu überwinden und bestand, selbst gegen den Rathschlag des Präsidenten und der anderen
Neevegietter. mit Entlchtedenheit darauf, den ihr auferlegten gese.llschaft-
heben Verpflichtungen nachzukommen. Die Anstrengungen waren indessen zu groß und sowohl der Präsident wie Dr, Rirey erkannten die Gefahr ihres Zustandcs bald nach der Abreise von Los Angeles. An einer kleinen Station Namen? Surf hielt der Zug eine halbe Stund? an. um Dr. Rixey Gelegenheit zu geben. einen zweiten Einschnitt in daKnochcngeschwür zu machen, da die Patientin große Schmerzen litt. Ihr Zuftnd verschlimmerte sich von da an rapide und als der Zug in Delmonte emtraf, brach sie vollständig zusammen. Die Ruhr, die die Patientin befallen hatte, wollte trotz der sorgfältigsten Behandlung nicht weichen und der Präsident sowohl als Dr. Rirey wurden sehr besorgt. Man beabsichtigte zuerst, einen Arzt in San Franciscc zur Konsultation kommen zu lassen und Frau McKinley im Hotel in Delmonte absolute Ruhe zu gewähren, aber nach längerer Ueberlegung hielt man es doch für besser, die Patientin nach San Francisco in das Haus des Herrn Scott zu bringen, wo sie besser gepflegt werden konnte und die besten Aerzte der Stadt zu ihrer Disposition standen. Seit ihrer Ankunft daselbst hat bis Patientin fast nichts mehr zu sich genommen und es ist immer noch nich! gelungen, die Ruhr zu beheben. Dr. Hirschfelder, welcher zur Äonsultation herbeigezogen wurde, war dem Präsidenten nicht bekannt unt wurde auf Rath des Herrn Scott zugezogen. Als Herr Scott dem Präsidente? mittheilte, daß Dr. Hirschfelder ..brutal aufrichtig" sei, ging dieser mit ihn in ein Nebenzimmer, um seine Ansich: über den Zustand der Patientin zu fjören. Als die Herren wieder herauskam men. bemerkte der Präsident, daß Her? Scott den Dr. Hirschfelder richtig taxirt habe, aber von diesem Augenblick an brach auch bei dem Präsidenten di: Ueberzeugung durch, daß seine Gattir sich in sehr kritischer Lage befinde. Später gab Sekretär Cortelyou cir Bulletin aus, daß hoffnungsvoller lautet: Seit Donnerstag Morgen hat siel das Befinden der Patientin erhebiick gebessert und die Kräfte nehmen wieder zu." Gouverneur Nash erkrankt. San F r a n c i s c o, 17. Mai. Mai. Alle Festlichkeiten, die zu Ehrcr des Gouverneurs Nash von Ohio unt seiner Reisegesellschaft arrangirt wor den waren, sind am Abend in Folge de: Ertrankung des Gouverneurs Nasl abgesagt worden. Der Gouverneu; zog sich am Montag, als einer de? qzotzen Bäume bei Santa Cruz ihm zu Ehren getauft wurde, durch die Be: rührung einer Gift-Eiche eine Vergift tung zu. Er ist halb erblindet und ei litt am Mittwoch, als er im Union League Club eine Rede hielt, großk schmerzen. Am Donnerstag hat t das Bett nicht verlassen unv es befinde: sich beständig ein Arzt bei ihm. wie auck ein Krankenwärter. Wenn auch feint Erkrankung keine gefährliche ist. so is! er doch nicht im Stande, das Zimmer zu verlassen. Heute war Ohio-Tag im Golden Gate Park. Die Tallyho-Fahrt un: das Bankett finden statt, der Empfanc im Freien mit den Reden wurde aber aufgegeben, da Gouverneur Nash nich! zugegen war. Auf dem Bankett wurde auf das Wohl des Präsidenten McKinley uni des Gouverneurs Nash getrunken unr dann tranken die Anwesenden auck schweigend und stehend auf die Genesung der Frau McKinley. Auch das Bankett der Ohio-Gesell-schaft von Californien, das dem Präsidenten zu Ehren gegeben werden sollte und dem mehr als 100 Gäste von Ohio beiwohnen sollten, ist abgesagt worden. Der Straßenbahn - Strei! in A l b a n y. Albany, N. Y., 16. Mai. -Furchtbare Aufregung herrschte während des größten Theils des Tage wieder in hiesiger Stadt. Drei Männer wurden tödtlich verwundet unr .mehrere hundert andere mehr oder we niger schwer verletzt. Die Straßenbahnwagen, die im Betrieb waren, waren von Soldaten besetzt, aber nicht ein einziger Passagier wurde befördert Beim Einbruch der Nacht gaben sich du städtischen Behörden und die Führer des Streiks die größte Mühe, bic Straßenvahngesells chaft zu veranlassen, sich auf einen Kompromiß einzulassen, der dem Streik -mit einem Schlag ein Ende bereiten würde. Die tödtlich Verwundeten sind : William Walsh und Leroy Smith. Kaufleute, die Beide von Nationalaardisten geschossen wurden, und Wm, Marshall, ein nicht zur Union gehöri-j
ger jagenlUyrer. oer einen Schade!-
bruch erlitt. Außerdem sind schlimm verletzt! George Booze. Bajonnettstich in's Gesicht; William Rooney. der von einem Naiionalgardisten. und Gilbert Hall, ein nicht zur Union gehöriger Wagenführer. der von den Streikern geschossen wurde. Das Blutvergießen kam nach einem Tage verhältnißmäßiger Ruhe. Vom frühen Morgen an hatten sich dir Streiker und ihre Anhänger vor den Bajonnetten und Schrotgewehren der Truppen und Polizisten zurückgezogen Unter starkem militärischem Schutz waren eine Anzahl Waggons in Betrieb gesetzt worden und man hatte geglaubt, daß Ruhe und Friede wieder im Anzug seien. Es fanden allerdings einige unbedeutende Demonstrationen statt, namentlich in Nord-Al-bany, es wurde aber kein Schuh abgefeuert und später am Tage erregte das Laufen der Cars nur wenig Aufmerksamkeit. Die Salve, die am Nachmittag von einer Abtheilung Soldaten von 23. Regiment am Broadway abgefeuert wurde und bei der Leroy Smitb und William Walsh. zwei bekannte Bürger, tödtlich verwundet wurden, veränderte die Sachlage mii einem Mal. Die Nachricht von dem Vorgefallenen verbreitete sich mit Blitzesschnelle durch die Stadt und überall herrschte in der kürzesten Zeit dik furchtbarste Aufregung. Die beiden Männer waren bloße Zuschauer, befanden sich aber in einem Volkshaufen, bei die Nationalgardisten mit Steinen be worfen hatte, und sie wurden unglück licherweise getroffen, als die Truppen Feuer gaben. Der Krawall war nich! sehr ernster Natur und die Augenzeugen erklären, daß das Schießen ungerechtfertigt gewesen sei. Die Soldaten thaten aber nur ihre Pflicht, denr sie hatten Befehl erhalten zu schießen wenn sie angegriffen werden würden Selbst die Aussicht auf eine baldig! Beilegung des Streikes hat die Wutk der Streiker und das Rachegefühl dei Menge nicht erstickt und wenn sich dit Lage nicht bald ganz wesentlich klärt, ist weiteres Blutvergießen mit Sicher heit zu erwarten. Es war am Abend, als die von der Fabriken heimkehrenden Arbeiter sick schon zum Theil mit den Streikern un ihrem Anhang vermischt hatten, als di Schießerei stattfand. In der Nähk von Columbia Str. versperrte ein Lastwagen das Geleise und der Kut scher, von den Streikern angehetzt weigerte sich anfangs. Platz zu machen Die Menge benahm sich sehr lärment und es herrschte eine Zeit lang du größte Konfusion. Die Car fuhi schließlich voran bis in den nächster Block, wo abermals ein Stein nach dei Car geschleudert wurde. Es erfolgt, dann ein kurzesKommando und als di, Car langsam weiter fuhr, wurden vor den Soldaten vier Schüsse abgefeuert Leroy stand auf der Treppe vor seinen Geschäft und Wm. Walsh, sein Nach: bar. sowie eine Anzahl anderer Män ner standen bei ihm. Auf diesen kleinen Haufen schössen die Soldaten au! ungefähr zwanzig Fuß Entfernung Smith und Walsh wurden beide in der Unterleib geschossen und brachen zu sammen. wo sie gestanden hatten. Eir dritter Mann, William Rooney, würd, ungefährlich verwundet. Einige Soldaten sprangen von der Car ab unt luden ihre Gewehre aufs Neue, in nächsten Augenblick fuhren sie abei schnell davon. Smith und Walsh stie ßen Verwünschungen gegen die Truppen aus. Smith ist ein Mitglied der Firma Smith und Herrick. Schuhfabrikanten und ein reicher und prominenter Mann Er ist Mitglied des Albany Club! und ein Whist-Experte von nationalen Ruf. Er ist 50 Jahre alt und hat ein, Familie. Walsh steht an der Spitz, eines großen Plumber-Geschäfts unk ist in Geschäftskreisen gut bekannt Keiner der beiden Männer hatte sick an der Demonstration betheiligt, die zr der Schießerei führte. Die übrigen Cars machten die Fahr' nach Nord-Albany und zurück ohn, Schwierigkeit und als sie in den Quai' Str. Remisen ankamen, wurden si dort für die Nacht untergebracht. Di, Truppen, toe draußen auf Poster standen, wurden dann ebenfalls zurückgezogen. Um elf Uhr Abends hat General Ro, das 9. Jnfanterie-Regiment, von Nett Dork. Oberst Norris, Kommandeur herausbeordert und ihm Befehl geschickt, sich am Freitag Abend in Albany zum Dienst zu melden. Wm. Walsh, einer der Männer, di, am Nachmittag geschossen wurden, is am Aöend im Hospital gestorben. Bis spät in die Nacht hinein fander am Donnerstag Konferenzen statt, ar denen alle in den Streit verwickelte Elemente theilnahmen. es gelang abci nicht, das Ende des Streiks herbeizuführen. Die Streiker ließen zuletzt die Z?or
oerung ganz sauen, dafe die NichtUnion isten entlassen werden sollen unt c- ist wahrscheinlich, daß das ExekutivKrmmittee der Union Traction Com pcmy den Vorschlag am Morgen annehwen und damit dem Streik ein Envk machen wird. General Roe trifft indessen alle Vorsichtsmaßregeln. um die Situation in Hand zu behalten. Das 9. Regimen! von New Aork. das am Freitag erwartet wird, ist 800 Mann stark, und wenn der Streik bei Ankunft dieser Truppen noch nicht zu Ende ist. dann werden mit Hülfe der Truppen weitere Linien in Betrieb gesetzt werden. Die tödtliche Verwundung von Lerot; Smith und Walsh übte einen sehr deprimirenden Einfluß auf die Mitglieder des 23. Regiments aus. Als am Abend die Posten bei den Quail Str Remisen mitSteinen beworfen wurden, zogen sie es vor nicht zu schießen. Zwei Soldaten wurden durch Steinwürft verletzt, keiner von ihnen gab ober Feuer auf die Angreifer. Die Offiziere und die Soldaten stimmen darin überein. daß der Befehl zum Feuern durchaus gerechtfertigt war. sie drücken aber alle Bedauern über die Folgen aus. Nach Ankunft des 9ten Regiments, am Freitag, werden sich 3000 Mann Nationalgarden in der Stadt befinden. Steeple - Jack" William? gestorben. C l e v e l a n d. O.. 17. Mai. -Steeple Jack" Williams, der im ganzen Lande bekannte KirchthurmspitzenVergolder. dem in schwindelnder Höh niemals ein Unglück passirt ist. wurde CM Mittwoch in hiesiger Stadt beim Kreuzen einer Straße von einem Straßcnbahnwagen überfahren und gctödtet. Der Mann bitte in dn mc'ften nrofcen Städten des Landes hohe Kirchthürme gemalt und reparirt und die sie überragenden Kreuze etc. vergoldet und dabei häufig eine fast unglaubliche Kühnheit zur Schau getragen. Er hinterläßt keine Angehörigen und wird von der Brüderschaft der Maler und Dekorateure beerdigt werden. Familien - Tragödie. New York. 17. Mai. Giogiona Brusoto, ein italienischer Barbier, erschoß in der Nacht zum Donnerstag seine Frau, sein elf Monate altes Kind fcnd machte dann auch seinem eigenen Leben mit einem Revoloerschuß ein Ende. Was den Mann zu der That rcranlaV baben kann, ist nicht bekannt. Hülfe für die hungernden Chinesen. New York. 16. Mai. Baron Mumm von Schwarzenstein, der deutsche Gesandte in Peking, hat auf eine gabeldepesche des ..Christian Herald" von hier im Namen des Grafen von Waldersee geantwortet, daß die Militärbehörden der Vertheilung von Lebensmitteln in den von Hungersnoth heimgesuchten Distrikten Chinas nicht das Geringste in den Weg legen würden. Commander Crookhill hat ebenfalls telegraphier: Wir sind bereit, den Ankauf vonLebensmitteln zu besorgen und die Vertheilung zu überwachen. Li Hung Chang hat mich ersucht, den Hülfe - Spendern seinen herzlichen Dank auszudrücken, wie auch den Dank der Hülfsbedürftigen in der Provinz Shan Si. Feuersbrünste. Birmingham. Ala.. 17. Mai Um 6 Uhr Morgens brach eine Verderb liche Feuersbrunst in Talladega aus. wodurch die Talladega-Mühle und theilweise das Gebäude und die Borräthe der Talladega Mercantile Co. zerstört wurden. Verlust M).000. Versicherung 535.000. Verzweifelter Se l b st m o r dversuch. Birmingham. Ala.. 17. Mai. Frank Miller, ein Einbrecher undMörder. der am 28. Juni gehängt werden sott, tränkte am Donnerstag Morgen in seiner Zelle im hiesigen County - Gefängniß sein Bettzeug mit Petroleum, worauf er es anzündete. Das Feuer wurde aber noch rechtzeitig entdeckt un? gelöscht, ehe es viel Schaden angerichket hatte. Miller hatte beabsichtigt, sich lebcndig zu verbrennen. Zur Kontrollirung des Ren ns Port inKent ucky. L e x i n g t o n. Ky.. 17. Mai. Die Besitzer von Rennpferden in der hesigenGegend beabsichtigen die nächw Legislatur zu ersuchen, den Rennspor! in Kentucky zu reguliren. Eine bezügliche Vorlage ist bereits im Entwurf fertig. Sie ist dem Percy Gesetz von New Dort nachgebildet, und es wir: darin die Ernennung einer StaatskomMission, die Kontrolle über alle Wettrennen Haben soll, vorgesehen. Eim Verfügung der Vorlage ist. daß di, Rennen auf keinem Rennplatz mehr als 30 Taae dauern dürfen.
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