Indiana Tribüne, Volume 24, Number 235, Indianapolis, Marion County, 12 May 1901 — Page 3

V Lndtan Tribüne. Tonntag, 12. ai 1901.

ln der Mitte.

Von Rud. Leonhan, A. M. Copyright 1900 by th Germ an Pres A Plate C. (8. Fortsetzung.) Ado'pH Hatte sich nicht geirrt. Klaus und MartHa wußten nicht, ob sie ihren Ohren trauen sollten, und einige Augenblicke waren sie geneigt, anzunehmen, Ihre Kinder erlaubten sich einen unschuldigen Scherz mit ihnen. Die Bibel jedoch war ein zu schlagender Belveis. dauernde Zweifel zu gestatten. Tlls sie sich ein wenig von ihrem Erstaunen erholt hatten, sagte Adolph: Dies ßiot der Erbschaftsangelegenheit eine neue Wendung. Die Broeng'S sind Miteröen, und wir haben kein Recht, ihnen die Nachricht ihrer Rechte vorzuenthalten." Der Antritt dieser Erbschaft würde sie all in's Verderben stürzen," sagte MartHa. Das ändert die Sache nicht. Wir sind nicht ihre Vormünder und haben deshalb kein Recht, die Moral der Sache für sie zu entscheiden. Francisco sagt mir, das Testament Carlos' sei im hiesigen Gerichtshof registrirt, und ich halte es für meine Pflicht, dasselbe zu untersuchen." Und hast Du Zeit. Adolph? Wenn nicht " Ja. Vater, ich habe die nöthige Zeit und da ich morgen ohnehin nach der Stadt muß, will ich versuchen, zwei Fliegen mit einer Klappe zu todten." Als Paul am Abend erfuhr, daß Claire sich als seine Base, obschon im höchst entfernten Grade, herausgestellt habe, war er ebenso erfreut wie erstaunt. Das Mädchen hatte seine Neigung wie die aller Anderen erobert und die Verwandtschaft mit ihr gab ihm nun gleichsam das Rechi, sie zu bevormunden, nicht weil er glaubte, das ihr Charakter eine solche Bewachung derlangte, sondern weil er die Gefühle kannte, welche Fritz Brown für sie hegte, und weil er glauben mochte, daß ihr von dieser Seite Gefahr drohte. Wir werden später sehen, ob diese Befürchtung gerechtfertigt war oder nicht. Capitell?. Zu spat! Hatte der Strom der Zeit aufgehört, zu fließen? Hatten die Minuten einen Schneckengang angenommen? Drehte sich die Erde nicht mehr um d:e Sonne? Diese und ähnliche Fragen folterten die Seele Frederick Browns während der letzten Woche, welche verfließen mußte. tfje, dem Testament gemäß, die Erbschaft unbestritten sein war. Zu sagen. Fred habe während dieser Woche auf Nadeln gesessen, hätte die Beschaffenheit seiner Qualen nur schwach ausgedrückt. Fegefeuer wäre derWahrheit näher gekommen. Allein der alte orthodoxe Begriff Hölle" kam seinem Eeelenzustande gewiß am nächsten. Je näher der Termin kam. desto unerträglicher wurde Freds Seelenfolter. EndItch brach der Tag an welcher ntscheiden sollte, ob gierige Räuber das Vermögen Carlos Brunos mit ihm genieHen sollten oder nicht. Der zwanzigste Seotember! War je ein anderer Tag so endlos gewesen? An Arbeit war an diesem Tage nicht zu denken, und selbst seine einflußreichsten Clienten wurden an seine Gehilsen verwiesen. Jetzt setzte er sicb an sein Pult, um eine halbe Stunde später nach demGerichtsHofe zu eilen und nachzuforschen, ob irgend ein Verwegener dieKühnheit gehabt hatte, das Register der Testamente zu untersuchen. Wenn er einen solchen angetroffen, so ist schwer zu sagen, was die Folge gewesen sein würde, denn Frederick Brown war während dieser PrüfungsWoche kaum zurechnungsfähig zu nennen, und es ist leicht möglich, daß er versucht haben würde, durch eine zweite Mordthat die Nothwendigkeit einer Theilung abzuwenden. Von dem Gerichtshofe eilte er nach seiner Office zurück, um schon nach wenigen Minuten die Zwickmühle zu wiederholen. Jetzt schlägt es zwölf; noch ein halber Tag und er ist gerettet. Noch ein halder Tag und das kolossale Vermögen ist unbestritten lein. Es ist schon jetzt sein; sollte es wenigstens sein; denn hat er nicht unsägliche Qualen dafür ausgestanden? Der Nachmittag bringt die Aufregung des Morgens in erhöhtem Maß. Eins, zwei .drei, vier noch zwei Stunden und die Folter ist vorbei. Oh könnte er den Lauf der Zeit beschleunigen! Wieder eilt er nach dem Gerichtshofe und bewacht mit Luchsäugen die Registratur. Niemand ist dort und er verläßt das Gebäude, um nach seiner Office zurückzukehren, als er putzlich Paul Braun entdeckt, weleher in seinem Federwagen angefahren kommt, beimGerichtshofe anbindet und raschen Schrittes das Gebäude betritt. Ein Fieberschaue? schüttelt Freds Glieder. Schweißtropfen sammeln sich auf seiner Stirn und eine Ohnmacht droht ihn zu überwältigen. Dann erfaßt ihn ein Gefichl unbeschreiblicher Wuth. Die Rechte gleite.' nach der Hüftentasche, wo er seinen Revolver verbirgt, und schon ersteigt er die Stufen, als plötzlich Paul in der Thür erscheint, ein Papier faltet und in die Tasche steckt und dann die Stufen hinabeilt, um im nächsten Augenblicke fortzufahren. Er ist kaum eine Minute im Gerichtshofe gewesen, und diese kurze Zeit hatte sicherlich nicht hingereicht, eine Untersuchung anzustellen. Fred athmete deshalb einen Seufzer der Erleichterung; allein der leiseste Zweifel ist unerträglich und e eilt deshalb zurück in die Registratur um sich zu erkundigen, ob Paul Braun dort aeweien sei. Man n Paul Braun, versichert den daß während der jemand in red eilt ich dem

Gerichtshofe zurückzufliegen, als die Thurmuhr fünf schlägt. Noch eine Stunde! Eine einzige Stunde! Er will hier bleiben, er will die Minuten bewachen; er will sich überzeugen, daß nicht noch in den letzten Augenblicken ein frecher Eindringling ihn um seine sauer verdiente Beute betrügt. Jetzt weist die Uhr auf halb sechs, jetzt auf drei Viertel, und jetzt oh süßer Klang, voller Sphärenmusik! Die Glocke schlägt eins. zwei, drei, vier, fünf sechs. Mein! hallt es jetzt in seiner Seele wieder und jeder Nerv echot: Mein! Dann erfaßt ihn ein Schwindel und Fred Brown würde unfehlbar zur Erde gestürzt sein, wenn ein Beamter n'c)t seinen Zustand tu sannt hätte und rasch zur Hilfe gesprungen wäre. Ein Trunk Wasser, einige tiefe Athemzüge und die Schwäche ist vorüber. Mit ein paar Worten desDankes eilt er aus dem Gebäude und nach seiner Office, wo er sich völlig erschöpft in einen Sessel wirft und eine halbe Stunde ausruht, ehe er den Weg nach der Insel antritt. Leser, ist es uns gelungen, Dir ein klares Bild der Tortur zu entwerfen, welche dieser Elende bei der Gelegenheit erduldete und oft vorher erduldet hatte? Möchtest Du um solchen Preis ein Millionär werden? Vergleiche mit diesem Elenden unseren Freund, Dr. Braun, welcher, der getroffenen Verabredung gemäß, am nächsten Morgen den Gerichtshof besucht?, um das reaistrirte Testament Carlos' zu untersuchen. Der Leser weiß, daß er um einen Tag zu spät kam, allein er sollte auch ohne unser Zuthun wissen, daß diese Entdeckung seinen Gleichmuth nicht im Geringsten aj'icirte. und daß er den Gerichtshof mit derselben frohen Miene, demselben leichten Schritte verließ, welche er beim Hingänge gezeigt hatte. Der Flug der Sekunden ;ji bestäudig derselbe, und nur unsere Gefühle und Gedanken sind die Ursache, daß wir uns einbilden, sie fliegen oder schleichen. Der Herbst verfloß und machte dem Winter Platz und dieser harte in seinem Gefolge jenes Fest, welches alle anderen in den Schatten stellt und uns die köstliche Erinnerung an eine selige Jugendzeit in's Gedächtniß bringt. Seliges Weihnachtsfest, was wäre die Kindheit wohl ohne Dich. Kein anderes ist. wie Du, im Stand?, den erhebenden Grundsatz zur Geltung zu bringen, daß Geben seliger ist als Nehmen!" Ach, wie gern möchten wlr den Leser einladen, sich mit uns dim erquicklichen Strome der Geselligkeit zu überlassen, auf welchem die Braunsche Sippe ihre Mußestunden verbringt. Allein wir haben wichtigere Mittheilungen zu machen und müssen uns deshalb darauf beschränken, einen kurzen Abriß des diesmaligen Weihnachtsfestes zu geben. Schon am Nachmittage des viermidzwanzigsten langen die verschiedenen Fuhrwerke am Hause an und entladen sich der glücklichen Eltern und der noch glücklicheren Kinder; denn gibt es wohl ein wahreres Lied als jenes, welches den Vers enthält: Oh, selig, oh, selig, ein Kind noch zu sein?" Schon am Tage zuvor ist im Klaus'schen Flügel ein Tannenbaum geschmückt worden, welcher nun. beim Eintritt der Däm

merung, nach dem Parlor geschmug-! gelt wird. Dichte Fensterläden bieten den Versuchen der Kinder Trotz, das Christkindlein beim Vertheilen der reichen Gaben zu ertappen. MartHa und Marie sind als seine Stellvertreter ernannt worden, und ihnen werden nun die verschiedenen wohlverpackten Bündel anvertraut, mit der Weisung, sie auf solch' und solchen Platz zu legen. Jetzt ist Alles geordnet, und nun beginnen die zwei Assistenten, die zahlreichen Lichter anzustecken. Dann öffnet Martha die Thür und Marie läßt die Klingel erschallen. Horch! Vom Seitenflügel nahen zahlreiche Schritte und nun bricht sich eine menschliche Fluth in der Thür. Der Lärm ist ersterben,' und nur ein Ah!" des Staunens, der Bewunderung und der Freude wird vernommen. Dies jedoch dauert nicht lange; denn auf die Aufforderung der Assistenten, näher zu treten und die Gaben des Christkindleins zu erspähen, fluthet der Strom den Tischen zu und dann um dieselben hin und her. Und nun welche Spannung! Welcher Jubel! Welch' wachsender Lärm! Welch' großartigen Entdeckungen und entzückten Ueberraschungen! Leser, wir können der Gelegenheit nicht gerecht werden und fordern Dich auf. Deine Phantasie zur Ausmalung der Scene zu verwenden. Denke nur an die seligen Stunden zurück, welche Du in Deiner Kindheit auf ähnliche Weise verlebtest, und Du brauchst wahrlich unsere ungenügende und plumpe Hilfe nicht. Die Mexikaner und die BroengZ sind auch gegenwärtig, rnd alle sind reichlich bedacht. Claudx erhält einen guten Anzug nebst Stiefeln und einer Pelzkappe, während Betsie mit einem warmen zum Anziehen fertigen Wollkleide bedacht ist, ein glücklicher Umstand, indem sie weder Zeit noch Geschicklich keit in Handhabung der Nadel besitzt. Als die Bescheerung vorüber ist, ladet Marie die Gesellschaft in's Eßzimmer, wo Chocolade, Kuchen und andere Leckerbissen ihrer harren. Wein wird nicht servirt, allein er ist gänzlich überflüssig. die Stimmung der Gesellschaft in den siebenten Himmel zu erheben. Wir überlassen Alle der Seligkeit der Stunde und machen vor Schluß des Capitels rtoch auf Claire aufmerksam, deren geschmackvolle Garderobe ihre natürlichen Reize in's beste Licht setzt und die Blicke der Bewunderung rechtfertigt, welche von allen Seiten auf das Mädchen geworfen werden. Paul ist unter diesen Bewunderern und was sagst Du. Leser? Du hättest das vorher gewußt? Nun. genieße Deinen Triumph. Wir sind in einer viel zu seligen Weihnachtsstimrnung, als daß wir daran denken könnten, Dir denselden zu verleiden.

Capitell?. Verdeckte Strom u n g e n. Als das neue Jahr anbrach, war Cla're im Stande, ein Buch ohne besondere 'Schwierigleiten fließend und .üi Verständniß zu lesen. Zu den ansänlichen Studien war noch Grammatik rnd Geographie hinzugefügt worden und solche Ausdrücke wie Ma'm", weeß" u. s. w. verschwand aus Clairens Wörterbuch. Dies ist theils der Grammatik zuzuschreiben, theils aber auch ihrem Umgange mit gebildeten Leuten. Wir haben Personen gekannt, welche niemals Grammatik studirt hatten und doch fehlerfrei redeten, aus keiner anderen Ursache, als daß sie beständig mit Leuten verkehrten, welche richtig sprachen, so daß sie absolut keine Gelegenheit hatten, fehlerhafte Ausdrücke zu hören. Der Umgang mit gebildeten Leuten hatte ferner die Wirkung, Clairens Manieren zu verbessern, so daß sie sich bald mit Anstand zu benehmen wußte. Marie bemerkte jedoch zu ihrem großen Bedauern, daß geistige Fortschritte viel schneller zu machen sind, als moralische. Vorzüglich unangenehm wurde sie von Clairens Neigung berührt, sich UnWahrheiten zu erlauben, wenn sie sich einbildete, Vortheile aus solchen Lügen zu ziehen. Wir haben schon früher auf die Finesse aufmerksam gemacht, welche mit der Dürftigkeit und der damit verbundenen Nothwendigkeit verknüpft ist, sich zu winden und zu drehen wie eine Schlange, um gewisse Vortheile zu erlangen. Marie hatte von Anfang an erkannt, daß ein fortgesetzter Umgang mit den Broengs keineswegs wünschenswerth sei, allein was sollte sie machen? Wäre es recht gewesen, diesen Umgang gänzlich zu verbieten und dergestalt eine totale Entfremdung zwischen Eltern und Tochter zu bewirken? Sie bezweifelte, ob sie das Recht dazu besaß. Was übrigens die Sache verschlimmette, war der fatal- Umstand, daß diese Besuche des Abends gemacht werden mußten, wenn sie überhaupt stattfinden sollten. Des Tages über war Claire mit ihren Studien beschäftigt, während Betsie meistens außerhalb des Hauses arbeitete und deshalb nur des Abends im Stande war. die Tochter zu empfangen und deren Gesellschaft zu genießen. Unter den Umständen hatte Marie nicht umhin gekonnt, solch' nächtliche Besuche zu gestatten, obschon sie darauf bestand, daß Claire um acht Uhr zurück sein sollte, eine Beschränkung, der sich Claire soweit geduldig gefügt hatte. Marie fand es indessen unmöglich, sich quälender Gedanken zu enthalten, welche schließlich so unerträglich wurden, daß sie beschloß, dem Broer:g'schen aufe bei solchen Gelegenheiten unerwartete Besuche abzustatten, um sich mit eigenen Augen zu überzeugen, daß Alles in Ordnung vor sich ging. Kaum war dieser Entschluß gefaßt, als sie sich erhob. ihn auszuführen. Wir wissen. daß sie ihr Eigenthum nicht zu verlassen brauchte, um das fragliche Haus zu erreichen. In einen Shawl gehüllt, durchwanderte sie rasch den Hofraum und befand sich noch vierzig bis fünfzig Schritte vom Ziel ihrer Wanderung, als eine lärmende Lustigkeit ihr Ohr

unangenehm berührte, in welcher das helle Gelächter Clairens deutlich hörbar wurde. Erschreckt stand sie still und faltete unwillkürlich zitternd ihre Hände. Ihre Ahnung hatte sie also nicht betrogen, und in jenem Hause tragen sich Dinge zu. welche kaum umhin konnten, das moralische Wohl ihres Schützlings zu gefährden. Ihr Zögern war indessen nur momentan, und mit der Erkenntniß der Gefahr entstand in ihrer Seele der feste Entschluß. derselben ein schnelles Ende zu bereiten. Sie ging deshalb rasch auf die Thür zu, und klopfte laut und energisch. Sofort entstand im Innern tiefe Stille, nur unterbrochen durch Schritte, die sich schleunigst der Thür nahten. Dieselbe wurde vorsichtig geöffnet, ein Kopf erschien in der Oeffnung, und Betsies Stimme fragte neugierig: Wer ist draußen?" Ich, Frau Broeng," sagte Marie kalt; ich komme auf ein paar Minuten, um zu sehn, nnc'. Euch geht und was Ihr treibt. Ihr Mint ja einen ordentlichen Carnioal da drinnen zu haben." Kaum hatte Bet sie die Stimme erkannt, als sie sich versucht fühlte, einen Schrei des Schreckens zu äußern. Nur ihr angeborene Schlauheit bewahrte sie vor diesem faux pas", und veranlaßte sie. so laut zu rufen, daß drinnen ihre Worte verstanden werden mußten: Herrje, Frau Doctorin, sein Sie es? Na, diese Ehre! Bitte treten Sie ein und nehmen Sie fürlieb mit unsere einfache Einrichtung. Diesen Weg, Frau Doctorin." Damit führte sie den Besuch durch eine enge Halle zu der offenen Thür des Wohnzimmers, wo sich, beim Scheine einer mattenOellampe, ein unerquickliches Bild Mariens Augen bot. An einem Tische saßen drei Männer, und vor ihnen standenGläser und Flaschen als deutliche Anzeichen eines Trinkgelages. In zwei der Männer erkannte Marie Gust und Claude; der dritte jedoch bot ihr den Rücken und erst, als die Geberden der Andern die- ! sen Dritten bewogen, sich umzudrehen, : erkannte sie zu ihrem Schrecken die Züge Fritz Browns. Der junge Mann befand sich augenscheinlich unter dem Einfluß berauschender Getränke.' denn seine Bewegungen waren schwankend und seineStimme linkisch, als er sagte: Hallo, Frau Doctorin, entzückt, Sie zu sehen. Sind gerade dabei, Bacchus ein kleines Opfer zu bringen. Ihre Gesundheit. Frau Doctorin; kann ich mit einem Glase Punsch auftvarten?" Marie war stehen geblieben. Nein, ich danke, Herr Brown," sagte sie ernst, und in ihre Stimme mischte sich ein Ton des Bedauerns wie Mißbilligung. Ich kam, diesen Leuten inen kurzen Besuch abzustatten, sehe jedoch, daß ich Eins zu viel bin und komme

reßhalb lieber ein ander Mal wiede?. Claire. nimm Deinen Hut; es ist halb echt und Du gehst deßhalb gleich mit mir." Diese Worte waren so entschieden gesprochen, daß sie keine Einwendung zuließen, und augenblickliche Beachtung fanden. So. sag' gute Nacht. Kind. Ich selber komme ein ander Mal, wenn es besser paßt. Gute Nacht." Kein Wort wr?rde unterwegs gewechselt. Als die Zwei Mariens Schlafzimmer erreicht hatten, wies dieselbe auf einen Stuhl und sagte ernst und traurig: Claire, wußtest Du, dah-Du Fritz Brown im Hause Deiner Eltern treffen würdest?" Ne j ja, Tante;" sie war kürzlich angewiesen worden. Adolph und Marie Onkel und Tante, und 5ttaus und Martha Großvater und Großmutter zu nennen, ohne zu wissen, wie nahe sie damit der Wahrheit kam. Und triffst Du ihn häufig dort?" Ne ja, Tante." Marie stieß einen Seufzer aus. Und weißt Du nicht, daß dieser Mensch ein Wüstling, ein Trunkenbold ist?" Vater trinkt auch. Tante," entgegnete sie schmollend. Ja, leider; unglücklicherweise können wir Zwei das nicht abstellen; allein die Kenntniß seines Characters sollte Dich verhindern, seine Gesellschaft zu suchen." Aber er ist so spaßig. Tante." sagte sie mit einem Versuche zu lachen. Das verräth einen schlechten Geschmack. Claire. Trunkenheit ist immer roh, nie spaßig." Aber mit Fritz ist es anders als mit Vater. Er ist reich und wenn ich ihn Heirathe, bleibt immer noch genug über für mich, inHerrlichkeit und Freuden zu leben." Heirathen?" rief Marie entsetzt. Hat er gewagt. Dir von Heirathen zu reden?" Ja. und Mutter denkt, er ist ehrlich und aufrichtig darin." Deine Mutter sollte dies besser wissen. Er hat dies mehreren armen Mädchen wiß gemacht und sie verlassen. als er sie ruinirt. Oh, Claire, Claire! Welchen entsetzlichen Gesahren hat Dein Leichtsinn Dich ausgesetzt!" Oh, habe keine Angst, Tante. Laß ihn nur wagen, mich anzurühren, und er wird sehen, wie es ihm rechts und links um die Ohren pfeift!" Marie schrak vor diesen Rückfall in frühere Rohheit zurück. Claire," sagte sie, den Kopf schüttelnd, die Unschuld eines Mädchens kann nicht mit der Faust bewahrt werden. Ein Hauch genügt, seinen Rus zu zerstören, und wenn es bekannt würde, daß Du mit diesem Menschen Umgang pflegst, so wäre der Deinige auf immer dahin. Du kannst ihn unmöglich lieben . . Ich liebe ihn nicht, Tante." Dann solltest Du nicht daran denken, ihn zu heirathen, denn Heirath okne Liebe ist die reinste Unzucht. Dies muß ein Ende nehmen, Claire. Ich N?roe mit Deinen Eltern reden, und nxnn sie mir nicht gelobsn, daß dieser unheimliche Umgang aufhört, so muß ick Dir den Besuch des elterlichen Hau-

I ses verbieten, so ungern ich auch solchen tetirtüt thue. Nun küsse mich, Kmd, und gute Nacht. Du bist ein vernünftiges Mädchen und mußt einsehen, daß ich Recht habe.Capitel 19. Die Strömungen werden dunkler. Am nächsten Morgen hatte Marie eine längere Unterredung mit Clairens Eltern. Gust war gegenwärtig, doch nur wie eine Puppe, welche auf Befehl den Kopf schüttelt oder zustimmend nickt. Er war, wie wir wissen, zum reinsten Blödsinn hinabgesunken und that, was Betsie ihm auftrug. Bei der Letzteren aber stieß Marie auf einen Widerstand, welcher ebenso hartnäckig wie unerwartet war. Betsie hatte zu lange die Qual ausnehmender Armuth empfunden, um nicht die tiefste WürI oigung des Reichthums und eine Verehrung desselben zu empfinden. Vergebens versuchte Marie, die Frau durch , Hinweisung auf den moralischen Standpunkt zu beeinflussen. Das mit j der Dürftigkeit verknüpfte Elend hatte ihr Gewissen so gänzlich abgestumpft, ' daß sie für derartige Einflüsse gänzlich rimv war. Wenn Man aus die schreck lichen Folgen der Trunkenheit hinwies, begegnete sie der Gleichgültigkeit, welche eine lange Berührung mit diesem Laster geschaffen hatte. Fritz Brown. sagte sie. sei reich, oder werde es eines Tages sein, und dann öffneten sich seiner Frau all Freuden und Genüsse des Lebens. Was nützte es, diese Frau auf eine Rohheit hinzuweisen, welche sie selber nicht empfunden hatte? Für sie fragte es sich nur, ob Geld genug fll? Claire übrig bleiben würde? Geld, Geld, das war alles, das war genug, und Marie erkannte, daß sie die Basis ihrer Operationen ändern müsse, um ihren Zweck zu erreichen. Fritzens Vater ist allerdings reich, Betsie." sagte sie, allein wo ist die Gewißheit, daß der Sohn des Vaters Reichthum erben i wird? Ich weiß aus sicherer Quelle, daß der Advocat mehr als einmal ge- ; droht hat. seinen liederlichen Sohn zu enterben, und wenn er sich nicht bessert, so ist ein solcher Schritt nicht nur mögi lich. sondern sogar wahrscheinlich. Bej denkt in solchem Falle Clairens Loos! Sie würde demselben Schicksal Versallen. das Euch vor der Zeit alt gemacht hat. Doch das ist nicht alles. Wer giebt Euch die Garantie, daß Fritz es ehrlich mit Eurer Tochter meint? Ihr sagt, er betheuere die Ehrlichkeit seiner Absichten, allein es ist sicherer, einen Menschen nach seinen Handlungen als nach seinen Versprechungen zu beurtheilen. Ich weiß bestimmt, und kenn Euch die bündigsten Beweise liefern, daß Fritz Brown ein volles Halb

dutzend armer Mädchen betrogen und verführt hat. Ist es nicht wahrscheinlich, ja sicher, daß er dies in Bezug auf Eure Tochter beabsichtigt? Oh. Betsie. wenn Ihr Eure Tochter liebt, wenn Ihr ihr wahres Wohl im Auge habt, lauscht meiner Warnung und verhindert einen Umgang, welcher das Verderben Eures Kindes so sicher herbeiführen wird, wie morgen früh die Sonne am Himmel stehen wird." Diese Mahnung wirkte. Sie haben mir ordentlich erschreckt, Frau Doctorin." sagte sie, die Hände faltend. Ich hatte nicht gewußt, daß Fritz ein solcher Taugenichts sei. Nein, nein, wenn, was Sie sagen wahr ist, und ich glaube Sie, ich glaube Sie, so soll der Bursche nie mehr meine Schwelle übertreten. Sie dürfen sich drauf verlassen. Frau Doctorin." Mar.e fühlte sich ein wenig beruhigt durch dieses Gelübde; allein sie kannte Betsies Charakter, sie wußte welchen Einfluß Geld und Ueberredung auf das menschliche Gemüth ausüben, und beschloß deshalb, selber eine kluge Aufsicht zu üben. Sie stattete den Broeng's unerwartete Besuche ab, konnte indessen keine Spur von Fritzen entdecken. Sie lud ferner Gust und Betsie häufig in ihr Haus ein, und suchte sie auf eine Weise zu unterhalten und belustigen, welche ihrem Verstandnisse angemessen war, und verringerte auf diese Weise die Möglichleit für den Wüstling, ihren Schützling mit seinen Aufmerksamkeiten zu belästigen. Wir haben schon früher angedeutet, daß die Entdeckung der bestehenden Verwandtschaft in Adolph wie Paul den Wunsch erweckte, belehrend und bessernd auf Clairens Familie einzuwirken. Mit Gust war es augenscheinlich zu spät, indem der langjährige, übermäßige Genuß berauschender Getränke seinen Geist abgestumpft hatte, daß äußerliche Eindrücke fast undenkbar schienen. Mit Claude dagegen stand dies anders. Er hatte allerdings einen Appetit für Wein und Schnaps, allein dieser Appetit war noch nicht zur Leidenschaft geworden und Paul

hielt es für möglich, in vor gänzlichem Rum zu schützen, wenn man den richtigen Weg einschlug. Am Abend nach dem Auftritte im Broeng'schen Hause stattete er ohne vorhergehende Meldung einen Besuch im Broeng'schen Hause ! ab. Gust saß in einem Lehnstuhl und rauchte eine irdene Pfeife, wahrend Claude auf dem Fußboden ausgestreckt lag und mit finsterer Miene zur Decke emporstarrte. Seine Mutter gab ihm mit einem Fußtritte zu verstehen, daß die Gesetze der Höflichkeit es verlangten. daß man sich beim Erscheinen eines Besuches erhebe und die üblichen Floskeln der Begrüßung wechsele. In Folge dieser handgreiflichen Mahnung stand Claude aus, sagte mürrisch Guten Abend", und überließ es dann Paul, die Unterhaltung zu eröffnen. Claude." sagte er freundlich. ..ich lomme heute Abend, um Euch zu sragen. ob Ihr nicht Lust habt. Schritte zu thun, welche zu angenehmerer Ardcit und besserm Lohne führen." Wie meint Ihr das. Mr. Braun?" Ich meine nur. daß Eure vernachlässigte Erziehung Euch verhindert. Arbeiten auszuführen, welche entweder Kenntnisse oder Geschicklichkeit erfordern. Ich schlage deßhalb vor. daß Ihr damit anfangt. Lesen und Schreiben zu lernen, damit Ihr im Stande seid, Stellen anzunehmen, welche diese Fä-. higkeit verlangen. Ich sein zu alt zu lernen. Mr. Braun. Helft lieber, den Millionärs die gestohlenen Schätze zu nehmen, und unter die Armen zu vertheilen." Um diese Theilung einen Monat später von Neuem zu unternehmen. j Nicht, daß ich unsere sozialen Zuständen in jeder Hinsicht billige! Im Gegentheil, ich verlange, daß Alle gleiche Gelegenheit im Leben haben sollen; allein wir müssen die Dinge nehmen, wie ste sind, nicht wie sie sein ! sollten, und unser Theil thun, die erlehnten Schatze zu verdienen. Ihr wollt doch nicht sagen, daß das Lernen von Lesen und Schreiben Eenen zum Millionär mache?" Nein, der ich sqge, daß ohne solche Fertigkeit die Erwerbung eine reine Unmöglichkeit fei. Kommt. Claude, wir haben Beide bei Tage keine Zeit; allein wennJhr einwilligt, so komme ich jeden Abend uud ertheile Euch den nöthigen Unterricht. Ich wette, in drei oder vier Monaten könnt Ihr so gut lesen und schreiben wie Einer, und dann machen wir uns an's Rechnen und andere Zweige des Wissens." Claude schüttelte den Kopf. Ich sein zu alt, Sir, und habe außerdem keine Lust nicht. Die Zeit werd kommen. wo die Reichen ausschellen müssen. und bis dahin kann ich warten." Paul zuckte die Achseln ob diesen abgeschmackten Bemerkungen, hielt es aber für angemessen, gegenwärtig keine weiteren Bemerkungen zu machen. Ich muß jetzt ge.n. Ctofcde," sagte er; allein ich komme morgen Abend wieder, um Euecn Bescheid zu hören. Bis dahin, adieu." Als Paul am nächsten Abend in's Broeng'sche Haus trat, war Claude abwesend, was er als Ablehnung seines Anerbietens deutete. Er kehrte jedoch mehrere Abend wieder, bis er j endlich die Ueberzeugung gewann, dah sein Bemühen vergeblich war. und es deßhalb mit Bedauern aufgab. Mit Claude war übrigens um diese Zeit eine Krisis eingetreten. Bisher hatte er sich mit Murren und Schimpfen begnügt; allein kurz nach Paul? Borschlag erblicken wir ihn auf einer Bank unweit des Abgrundes sitzen, wo er sich seiner Gewohnheit nach in halblauten Reden ergeht, tz sicher ist, daß er nicht gehört werden kann. Hm," brummte er vor sich mn; wozu nutzt all dies Knurren und V. . it n cm i . l. - en . I sen 7 'cacyl es o elcyen mn tzen herausrücken? ProstmahlJch bin's müde, und denke, es

ist Zeit, an's Handeln zu geen. Schreiden und Buchstabiren! Uebermorgen. Ich sein keen Narr nick. Paul Braun, und werde Mittel anwenden, welche die Schätze schneller bringen, als Dein Abc-Buch. oder oder auch das Zuchthaus. Nun. sei es. alleö ist besser als dies ewige Warten. Ich denke, der Dietrich und das Brecheisen das ich mer gemacht, werden schon ihre Dienste thun. Eene Blendlaterne ist ooch in Bänken, und so wollen mer denn heute Nacht mal sehen, ob der Geldschrant des Advokaten dort so gut gespickt ist, wie sie sagen. Horch! da schlägt es neun noch eene Stunde und mer wollen uns an's Werk machen." Diesmal war es Claude, welchem die Zeit einen Schreckensschritt angenommen hatte. Er nahm dann und wann eine Schnapsflasche aus der Tasche, um den Lauf der Minuten zu beschleunigen und sich Courage zu ertrinken. allein trotz dieses Stärkungsmittels nahm Claudes Aufregung fort während zu. und als endlich die ferne Thurmuhr die zehnte Stunde verkündete. hätte er wahrscheinlich seinen verztoeifelten Vorsatz aufgegeben, wenn der Geist in scinem Magen nicht in's Gehirn gestiegen wäre, und den dort weilenden gekräftigt hätte. ' Leisen Schrittes betrat er das Brown'sche Grundstück und schlich sich hinter das Haus, bis er die Stelle erreicht hatte, wo die Leiter zum Balkon führt. Schon legt er die Hände auf die Sprossen. um das Erklimmen zu beginnen, als er plötzlich dicht hinter sich ein zorniges Knurren hört. Das Herz schlägt ihm heftig, als er sich plötzlich erinnert, daß er deu Hund kennt, und der Hund ihn. Er sagt deßhalb leise: Pluto, komm her, Pluto, das ist ein guter Hund." Der Hund wedelt mit dem Schwänze und leckt ihm die Hand. Liebkosungen welche er damit erwidert, daß er dem. Thier auf den Rücken klopft. Dann steigt er zum Balkon hinauf und untersucht das Fenster; es weicht seinem Drucke und er gleitet in's Gemach. Er weiß, dies ist Fritzens Zimmer und er schaut nach dem Bette, um zu sehen, ob er daheim ist. Ja. beim Scheinines

schwachbrennendeu Gasbrenners steht er den jungen Brown auf dem Bette liegen, im tiefsten Schlafe befangen. welchen wahrscheinlich reichliche Libationen hervorgerufen haben. Ein Grinsen der Verachtung umspielt Claudes Lippen, als er an's Bett tritt. die Kleider Fritzens nach Werthsachen zu untersuchen. Im Portemonnaie findet er nur wenige kleine Siloermünzen, allein in der Westentasche steckt die goldene Uhr und im Busen funkelt eine Diamantennadel, welche Claude nebst der Uhr einsackt. Dann zündet er seine Blendlaterne an und tritt durch die Thür in die Halle. Jetzt beginnt das Rtstfo seiner gewagten Unternehmung. und dies Bewußtsein treibt die Dünstt des Fusels theilweife aus seinem i&tHirn und mahnt ihn zur äußersten Vorsicht. Er weiß, daß der Advokat im Zimmer gegenüber schläft, allein während er denkt, daß dort die erwünschte Beute zu suchen ist, weiß er auch, daß er hier mit einem viel ge fährlicheren Gegner zu thun hat. Leise und vorsichtig schleicht er an die Thür und dreht den Knopf; die Thür ist geschlössen. Er stellt die Laterne auf den Flur, nimmt den Dietrich aus der Tasche und steckt ihn in's Schlüsselloch, um mittelst seiner den Eingang zu gewinnen. Armer Stümper! Geh, mache Deine Lehrzeit durch, ehe Du versuchst, mit einem solchen Gegner anzubinden. Claude dreht und dreht, allein ohne Erfolg. Verlassen wir ihn nun, und betreten das Zimmer, wo Fred Brown schlafend im Bette liegt. Allein sein Schlaf ist leicht, wie derjenige aller Geizhälse, welche beständig in Angst leben, daß man damit umgeht, ste ihrer Schätze zu berauben. Plötzlich fährt er empor und lauscht: ist nicht Jemand am Schlosse, mit der Absicht, einzubrechen? Richtig! Wart. Du Schuft, wir wollen Dir einen warmen Empfang bereiten!" Wir haben zu verschiedenen Malen die Absicht ausgesprochen, daß Fred Brown nicht recht bei Verstände war. Ein Mensch mit gesundem Verstände begabt, hätte ohne Zweifel Lärm gemacht, indem ein Zusammenstoß mit einem verzweifelten Einbrecher mit großer Gefahr verknüpft ist; doch nicht so Fred. Leise erhebt er sich, mmm.tr die Nachtmütze ab. stopft eins derKopsrissen hinein und arrangirt, daö Ganze dann so. daß der Einbrecher denken muß. der Bewohner des Zimmers liege im festen Schlummer. Dann schlüpft er in seinen Schlafrock, erfaßt seinen Revolver und schleicht sich in einen Wandschrank dicht neben der Zimmerthür. nachdem er zuvor den letzten Gasbrenner abgedreht hat. Dann hält er das Ohr an die angelehnte Thür und lauscht. Noch immer raspelt es im Schlosse; doch jetzt hört das Geräusch auf, die Thür öffnet sich und ein Mann tritt' in's Zimmer. Dann schwebt ein matter Schimmer durch das Gemach und bleibt endlich auf dem Sekretär haften. Es ist das Licht der Blendlaterne, welche Claude üder's Zimmer gleiten läßt, bis es auf das erwähnte Möbel fällt. Ha! dort ist der Platz, wo der Schatz zu suchen ist und Claude schleicht auf den Zehen zum Sekretär. Schon sieh! welch' plötzlicher und schlagender Wechsel. Man hört ein leichtes Kratzen und plötzlich steht das ganze Gemach im hellsten Lichte. Der Einbrecher erschrickt und sein erster Gedanke ist selbstverständlich Flucht. Flucht indessen ist unmöglich, denn steht nicht eine Gestalt zwischen ihm und der Zimmerthür? Dann kommt der Gedanke an Gewalt. Claude macht einen Satz gegen die Gestalt; allein der Lauf eines Revolvers erhebt sich drohend und eine Stimme droht: .Noch einen Schritt und Du bist ein Kind des Todes.(Fortsetzung folgt).

Fr die Köche.

Sachsische Sooleier. Will man sie gelb, so kocht man sie mit reichlich Zwiebelschalen, sonst in gewöhnlichem Wasser ganz hart. Nun werden sie ringsum geklopft, so daß.dieSchale zerdrückt ist. Dann legt man sie 24 Stunden in Salzwasser, welches ss stark sein muß. daß es ein Ei trägt. Sodann sind sie für die Tafel bereit, bleiben aber so lange im Salzwasser, bis sie sämmtlich aufgezehrt sind. Milchreis mit Chokolade. Ein halbes Pfund Reis mit kochendem Wasser gebrüht, in 2 Quart Milch mit etwas Salz und einer hal den Schote Vanille langsam weich gekocht und mit ein Viertel Pfund Zucke? versüßt, worauf man den Reis auf einer Schüssel anrichiet und mit ein Viertel Pfund feiner, mit etwas Wasser oder Milch ganz dickflüssig gekochter Chokolade übergießt. Kartoffeln, gebacken e, mit Hering. Man vestreicht eine Porzellanform mit Butter, legt eineScbicht gekochter und in Scheiben geschnittener Kartoffeln hinein und auf diese gut gewässerten, ausgegräteten und in Würfel geschnittenen Hering. Mit saurem oder süßem Rahm und einigen zcrquirlten Eidottern übergießt man jede Lage Kartoffeln und Hering. Die oberste Schicht bestreut man mit geriebener Semmel und legt Burterflöckchen darauf, nachdem man nochmals mit Rahm und Ei Übergossen hat. Das Ganze bäckt man bei mäßiger Hitze. Gebackene Omelette. Drei Eidotter werden mit drei Eßlöffeln Zucker eine Viertel Stunde gerührt, danach der festgeschlaaene Schnee der drei Eiklare. drei Löffel Mehl und etwas Obers zugemischt. In einer viereckigen Bratpfanne läßt man Butter oder reines Schweinefett heiß werden. gießt den Teig fingerhoch darauf, läßt ihn bei starkem Feuer 10 Minu ten auf der einen Seite backen, dann dreht man ihn mit dem Schaufelchen um, backt ihn 10 Minuten auf der anderen Seite, bestreicht den heißen Ku chen mit beliebiger Marmelade und rollt ihn zusammen. Holländische Sauce. 3 Eidotter und 1 Theelöffel Mehl werden mit Wasser glatt gerührt und mit etwas Muskatblüthe und Muskatnuß gewürzt. Man bringt es unter beständigem Rühren bis zum Kochen, ' nimmt es rasch vom Feuer und bringt es in eine Schüssel, in der man Pfund Butter zu Sahne gerührt hat. Man schärst es mit Essig oder mit Citronensaft ab und bringt es in einer erwärmten Sauciere zu Tische. J nachdem man die Sauce zu Fischen, Geflügel oder Kalbfleisch benutzen will, würzt man ste außerdem noch mit Sardellen, Kapern und Mostrich. Lamm in Ragout. Zwei Pfund Schlegel schneidet man in mundgerechte Stücke, dünstet sie mit Butter. Salz, einigen Pfefferkörnern und Schalotten halbweich. Jnzwischen blanchirt man in kochendem Wasser 4 in Würfel geschnitteneKohlrüben. 2 länglich geschnittene gelbe Rüben, einen zertheilten Kohlkopf und 3 feinqeschnittene Kartoffeln, gibt das Gemüse zu dem Fleisch, gießt etwas Suppe zu und dünstet olles weich. Separat kann man auch Schwämme und grüne Erbsen dünsten, die man dazu giebt, wenn die Kartoffeln ganz zer dünstet sind, so daß sie nur die Sauce dicklich machen. Dann stürzt ma das Gemüse auf die Schüssel, richtet es bergartig auf, legt die Fleischftücke herum, giebt gebackcne Semmelscheibe dazwischen, gießt den Saft darüber und reicht Reis zu dem Gerichte. Kalbfleifchfrrcasfee mit K a pern. Kalbfleisch wird blan chirt. in Würfel, geschnitten und dann in einer Sauce von gerührter Butter rmd Mehl, welche mit Fleischbrühe aufgefüllt und mit Citronensaft.Salz, Zucker und einem Eßliffel voll Kapern gut abgeschmeckt wurde, eine Stunde lang langsam geschmort. Man reicht Semmelklöße zu diesem schmackhaften und doch so einfachen Gericht. Gnlasch in der Form. Der Boden einer Mehlspcisenform wird mit rohen Kartoffeln, welche man r Scheiben schneidet, belegt, darauf thut man einige Zroiebelscheibeu, Gewürz. wenig Lorbeerblatt und eine Schicht' fingerdicker Scheiben von rohem Rind fleisch (Schwanzstück), welche gu: ge tlopft sein müssen. Dann loieder jtac toffeln etc. und Fleisch etc. De Schluß machen Kartoffelscheiben. Da : rüder wird übriggebliebene Brate sauc:e gegossen, sowie etwas Effifc' Salz und ein Stückchen Zucker. Ma stellt es drei Stunden vor dem Anrnh ten zu. läßt es zuerst von unten so chen und stellt es die letzte Stunde i der Röhre hoch oben auf naen Drei fuß. daß es von eben etwas backen kann. Man reicht eingelegte Gurken, rothe Rüben oder Mixed Piekles dazu. Kalbslunge. Die Lunge wird recht rein gewaschen, in Salzwasser i einer halben Stunde weich gekochr und. wenn sie kalt geworden ist, nudel artig gejchnitten. Nun röstet man Butter mit einem Kochlöffel Mehl, sowie mit klein geschnittener Zwiebel und Petersilie ein wenig, röstet die Lunge etwas mit. giebt einen SchöpflAftl Fleischbrühe oder Lunaenbrühe, j wenig Salz, ein Stück Eitronenscheu etwas Essig daran, kocht alles ordentF. ttch durch und richtet mit Semmelklo ßen cn. Gedauttnspitter. Das Leben ist wie ein Freund, nebe dem wir oft lange gleichgiltig herge hen; erst bei drohendem Verluste ein pfinden wir seinen vollen Werth. Ehrli cistlle. machen stch

chr daben.

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