Indiana Tribüne, Volume 24, Number 235, Indianapolis, Marion County, 12 May 1901 — Page 2

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Jndtana TrihKne, Sonntag, 12. Mai 1901.

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Im ffrühlins. Fon Georg Buffk'Palma. Herbst und Winter sind vergangen. Wieder naht ein neues Lenzen, Wieder ist die Zeit gekommen Sich mit Rosen zu bekränzen. Wieder ging ich in die Gärten Eirauß und Blüthen mir zu binden. Doch mein thränentrübes Auge Weiß die Rosen nicht zu finden, Könnt ich sie auch blühen seben. Weiß nicht, ob ich sie gebrochen, Denn noch fühl ich's. wie so schmerzlich Die verjährten mich gestochen . , . lfm Fall.

Ein Vachtbild von Han? Betbg, Einmal brachte ich im Sommer ei irige Wochen in dem kleinen norddeutjeden Dorf Teeburg zu. Es ist reizend gelegen, in einer fruchtbaren, an Bäumen reichen Gegend, durch die sich ein he.lles Flüßchen schlangelt. Dieses Flüßchen ist auf beiden Ufern mit Weiden bestanden, die ihre trauernden Znige in das Wasser niederhängen lafien, und in gewissen Abständen-mit hochragenden Silberpappeln, die wispernd auf ihr heroisches Spiegelbild in i dem Flußlauf niederschauen. Ich streifte damals diel im Freien hnum und iam während des Tages mit Menschen wenig in Berührung. Nur n einigen Abenden in der Woche ging ich m das Wirthshaus, um ein paar Stunden mit den Honoratioren des Oertchens, dem Arzt, dem Förster, zuweilen auch dem Pfarrer, zu verplaudern. 'Es -war ein besonders heißer Sommer, wir hatten lauter Tage voll Sonnc, alle Menschen sahen kupfern aus wie Zulus. Aber am Abend stellten sich zuweilen unvermuthet Nebel ein und verhüllten das Land. 5s waren gewöhnlich feine Strichnebel, die über die Felder und Wiesen zogen, gleich durchsichtigen seidenen Geweben oder wie verfitztes Garn. Sie verschoben sich unablässig, zerstoben hier und tauchten dort wieder auf, geisterhaft schön. Wenn dann noch oben die Sterne darüber zu scheinen anfingen oder der Mond seine blassen Strahlen in sie hineinwarf, daß sie funkelten wie Silbersträhnen oder perlenbesetzte Gewänder. so Kwr diese Landschaft ein Bild fo wunderbar, daß es nicht Wirklichkeit, sondern einem fernen Traum entstiegen zu sein schien. Eines Abends, als ich zur Thür meines kleinen Bauernhauses hinaus trat, um ins Wirthshaus zu gehen, sah ich das ganze Dorf im Nebel liegen. Er stand dick wie eine Mauer durch die Gasse hin und regte sich nicht. Ich war überrascht, so massig und leblos hatte ich ihn hur noch nicht gesehen. Aus den einzelnen Häusern schimmerten die abendlichen Lichter hervor, blutroth und trübe, von einem Dunstkreis umgeben. Ich tappte, halb ufs Gerathewohl, vorwärts und glaubte endlich bei dem Wirthshaus angelangt zu fem. Als ich aber die klingelnde Thür öffnete und eintreten wollte, bemerkte ich, daß eö gar nicht das Wirthshaus war. Der Nebel hatte mir einen Streich gespielt, ich war fehlgegangen. Und ich hätte doch, zum Teufel, als ich das Haus so vor mir hatte liegen sehen, wetten mögen, daß eö der Gasthof gewesen fett Nun. ein Kind des betreffenden Hauses brachte mich bereitwillig in das Lokal hinüber, wo der Arzt und der Förster schon auf mich warteten. Es war noch ein dritter Msch bei ihnen. ein Geschäftsreisender, der das Dorf gerade passsete. Die Männer rauchten Cigarren, tranken Bier und spielten Skat. Als ich mich zu ihnen setzte, ließen sie die Karten ruhen. Ich erzählte, was mir eben in dem Nebel zngestoßen sei. d. h. daß ich das WirthsHaus nicht hätte finden können. Seien Sie froh, daß Ihnen nichts Schlimmeres zugestoßen ist," sagte der Arzt. Wer diesen verdammten Nebel nicht kennt, der soll sich hüten vor il)m. Ich kann eine Geschichte davon erzählen Er spitzte die Lippen und ließ einen pfeifenden Ton hören. Erzählen, Sie, Herr Doktor, erzählen Sie, bitt schön." sprach der Geschäftsreisende. Der Arzt erzählte darauf: Das ist nun freilich schon eine Weile her. Ich wohnte erst ungefähr ein Jahr in diesem Nest, da ist es geschehen. Sie wisseit, ich habe Pferd und Wagen wegen der Patienten in den umliegenden Dörfern. Eines Tages wurde mir der Gaul krank und durfte den Stall nicht verlassen. In einer der folgenden Nächte kommt man und ruft mich dringend zu einem Kranken nach einem Ort etwa eine Meile gegen Osten hin. Ich fluche und wettere, aber am Ende muh ich den Mann zu Fuß zu seinem schwerkranken Vater begleiten. Es war eine helle, fteinklare Frühlingsnacht, weich und duftig, und eigentlich war es eine Lust, so durch die mondbeschienenen Felder zu schreiten. Die unbequeme Müdigkeit war bald au meinen Gliedern gewichen, mit ihr die schlechte Laune, und ich fand wirkliche Freude an diesem nächtlichen Spaziergang. Ick sah und hörte allerhand Heimliches, Ungewohntes, was mir reizvoll war. So das Piepsen mancher Vögel im Traum, von denen man nicht wußte, wo sie schliefen. So das merkwi'rdiqe Säuseln mancher Baumlronen, von Luftzügen bewegt, die man sich in rer stillen Nacht nicht zu erklawnte. So das unoermuthete In und Rennen im Feld, das gescheuchten Thieren herkam. jn teinbrückc hatten wir zreiten. Das lautstrahlte in un-

die eine rastlose, flimmernde Bewegung ging. Gleich jenseits der Brücke duckte sich eine kleine Schenke an den Weg, auf dem Dach lag der Mond wie

Schnee. Aus einem der niedrigen ffenster schien ein Licht in die Nacht. Wir gingen daran vorüber und hörten von drinnen einige lachende Stimmen. Mein Begleiter sagte mir, daß das italienische Arbeiter seien, die eine Straße tn der Nähe ausgebessert und in der Schenke wohnten. Bald war wieder die große Stille um uns her. schließlich gelangten wir an un ser Ziel, in das von ziemlich baumarmen Feldern umgebene Dorf, dessen Thurm wir schon vorher gegen den hellen Himmel hatten aufragen sehen. Bei dem Kranken war nicht mehr viel zn thun. Es handelte sich um einen der Fälle, die man allein sich zu Ende kämpfe lassen muß. Es war vorauszusehen, daß der Alte spätestens am Abend des folgenden Tages sich für immer ausstrecken werde. Ich konnte mich nur bemühen, ihm das Letzte möglichst leicht zu machen. Ich blieb etwa eine halbe Stunde am Krankenbett und wandte mich dann zum Gehen. Als ich das Wohnzimmer der Leute durchschritt, fragte mich der junge Bauer, ob ich nicht, ehe ich wieder heimwandere, irgend eine Stärkung zu mir nehmen wollte. Dies Anerbieten kam mir offen gestanden recht erwünscht: denn die nächtliche Wänderung hatte mir einen tüchtigen Hunger verursacht. Ich setzte mich also und befriedigte mit Genuß meinen gefunden Appetit, während sich einige Schritte von mir ein Mensch unter gelinden Schmerzen langsam auflöste. Endlich erhob ich mich, machte dem jungen Bauer noch einige Hoffnung und ging davon. Als ich inS Freie trat, sah ich, daß sich vielfache silberne Nebelstriche über die Felder gelagert harten. Sie schweiften und wehten leise hin und her. Der Himmel war noch klar und voll Sterne. der Weg gut zu erkennen. Ich schritt zn und merk nun auch, daß es kühler geworden war Mitunter, wenn die Nebel an mir vorüberstrichen, wehte mich ein ganz kalter Hauch an. Nach und nach bezog sich der Himmel, d'e Gestirne erloschen, und die Nebel wurden dichter und zahlreicher. Weiß der Himmel, woher sie kamen, sie schienen aus der Erde zu wachsen, sie thürmten sich wie Wolken übereinander, sie schoben und drängten sich, bis sie schließlich feststanden und sich nicht mehr regen konnten. Ich kam wieder an der Wegschenke vorbei, die jetzt ohne Licht, schlasend und lautlos an dem Flußufer hockte. Sie hob sich im Nebel nur wie eine dunkle, klobige Masse ab, wie ein unheimlich Lebloses, in dem aber das Leben doch wohnte und lauerte, daß man es weckte. Kurz darauf passirte ich die Brücke, ich schritt an dem linken Geländer entlang und konnte dabei das rechte noch wie einen Schatten wahrnehmen. Jenseits des Flusses wurde es noch schlimmer. Es kam mir vor, daß kleine Mrbel von Nebeln um mich her tanzten. Zuweilen eröffnete sich einmal ein Ausblick, einige Bäume, ein Stück Feld oder Gebüsch wurde sichtbar. Dann schnürte sich wieder alles zu, es wehte trügerisch durcheinander. Jetzt schob sich von da. jetzt von dort eine Nebelwand gegen mich vor. und ich bereute es herzlich, diesen nichtswürdigen Weg unternommen zu haben. Angst überfiel mich. Umzukehren, war es längst zu spät. Ich hatte keine Ahnung, wo ich mich befand, ob ich überHaupt auf dem richtigen Weg war, in welcher Richtung unser Dorf lag u. s. w. Ich hatte gar keine Anhaltspunrte mehr und tastete einfach auf gut Glück in die Finsterniß hinein. Dabei traten allerhand scheußliche Vorstellungen vor mich hin. So: wenn jetzt einige von den italienischen Arbeitern betrunken irgend woher auf mich zuwankten und mich niederschlügen; oder: wenn ich jetzt mit dem Kopf gegen den Stamm eines Baumes stieße und besinnungslos hinstürzte: oder: wenn ich jetzt an den Fluß käme und ihn nicht sähe? Zuweilen machte ich kopfschüttelnd Halt. Ich mußte mir sagen, daß eigentlich jederSchritt. den ich that, eine Thorbeit sei. Vielleicht ging ich in einer Richtung, die mich von dem Dorf immer mehr entfernte. Vielleicht war ich auch an dem Dorf schon längst vorbeigegangen; denn der Zeit nach hätte ich wohl schon zu Haus sein müssen. Es war eine Lage zum Verzweifeln, und ich machte mich auf das Schlimmste gefaßt. Dabei merkte ich zum Ueberflutz noch, daß ich von dem Fußweg abgekommen war und mich auf einem Stoppelfeld befand. Es war, um die Fassung zu verlieren. Ich schimpfte wüthend vor mich hin, aber das war ZU nichts nütze. Ich tastete weiter und war wie ein Blinder, den sein Führer im Stich gelassen hat. Plötzlich mnßte ich denken: wenn ich jetzt stürzte, in eine Sandkuhle etwa oder irgendwohin und müßte da die Nacht durch liegen bleiben und vielleicht auch nock den kommenden Tag über und immer so fort es war ein abscheulicher Gedanke! Während ich ihm noch nachging, merkte ich. daß ich den Boden unter den Füßen verlor. Ich fiel, schlug mit den Armen in die Luft, es war mir wie ein Krachen im Kopf, ein Schwindel folgte, und dann war alles still. Als ich zur Erkenntniß der Dinge kam. wußte ich, daß ich irgendwo lag. Ich spürte ein dumpfes Gewühl im Kopf und einen feinen Schmerz am Knöchel des linken Fußes. Ich betastete mich vorsichtig, fühlte nasse Erde an den Kleidern, und als ich mich rühren wollte, that der Fuß heftiger weh. Ich riß die Augen auf, es war stockdunkel und nicht die Hand vor dem Gesicht zu erkennen. Ich versuchte mich zu erheben, aber der Fuß ließ es nicht zu. Sobald ich ihn bewegte, hatte ich einen

Schmerz, als ob mir einer mit einem scharfen Messer die Sehne durchschneide. Ich wußte, daß das zum mindesten eine heftige Verstauchung, vermuthlich aber ein Bruch war. Da lag ich nun, krank, hilflos, in einer schauerlichen Nacht. Ich überlegte, was ich thun könnte, ich kam auf nichts. Ich fühlte mit den Händen nach allen Seiten und stieß überall auf Erde. Nach oben hin schien sie in ziemlich glatten Wänden aufznsteigen; es war allem Anschein nach eine leere Kalkgrube, in die ich gefallen war. Das setzte voraus, daß ich mich in der Nähe des Dorfes befand. Ich dachte daran, daß man mich vielleicht hören würde, wenn ich tüchtig riefe. Und nun schrie ich, laut und lauter, immer von neuem, in immer a äderen Tönen, und dann brüllte ich wie ein Thier. Meine eigene Stimme begann mir unheimlich zu werden, und ich hörte auf. Es war ja doch alles vergebens. Eine Antwort erfolgte nicht. Uederhaupt war weitum nicht ein Laut zu vernebmen. Nwi kam es mir in den Sinn, was aus mir wohl geworden wäre, wenn die Grube schon mit dem gelöschten weißen Kalk angefüllt gewesen wäre. Ich sah mich hineinsinken, langsam, ohne daß ich die Glieder regen konnte, und dann kam mir der schwammige Brei an die Kehle, ich schrie noch einmal. der Schrei erstickte im Kalk, und dieser drang mir sengend in Mund und Nase. Meine Lage war gewiß nicht beneidenswerth, aber wenn ich an den Kalk dachte das wäre doch noch ein gut Theil ekelhafter gewesen! Andere Bilder traten vor mich hin. Wenn sich jetzt zum Beispiel (so dachte ich) die Erde oben durch irgend einen Zufall lockerte, und die Grube bräche in sich zusammen und velschüttete mich. Ich würde es mir ruhig gefallen lassen müssen; denn ich konnte mich ja kaum bewegen, viel weniger mich erheben. Ich würde eben einfach nach einigen Minuten in der F.nsterniß ersticken. Unwillkürlich richtete ich das Auge nach oben, an die Ränder der Grube sie hoben sich kaum gegen das graue Einerlei des Nebels ab, der über ihnen dahinzog. Ich sah noch eine ganze Weile nach oben. voll Furcht, mein Herz schlug, daß ich es

horte, es stand am ganz außer Zweifel, daß die Grube einfallen müßte, ich wollte nur den Augenblick erwarten, dann die Augen schließen . . . Der Augenblick kam nicht, und ich würd wieder ruhiger. Ich begann zu stieren, es schien mir. als stelle sich Fieber ein. Ich hüllte mich, so fest es ging, in meine Kleider und zog den Hut ükr die Ohren. So lag ich. dösend, mit durcheinanderschwirrenden Gedankm. und jede Minute wurde mir zur Ew.gkeit. Was sollte nur aus mir werden? Ob man mich morgen finden würde? Ich brüllte noch einmal, mit Aufbietung aller Kraft, wild, wahnsinnig. Es verhallte ungehört. Alles blieb still. Nun gab ich es endgiltig auf. Einmal war es mir, als ob ein leises Knistern über mir am Rande der Grube hinhusche. Zuerst wagt,: ich nicht aufzuschauen, die Angst packte mich schon wieder. Dann schielte ich doch hinauf, und nun schien mir, daß dort oben in dem ziehenden Nelxl sich eine Gestalt über den Rand der Grube zu mir niederneige, eine vage, zerfließende, schweigende Gestalt, nur wie ein Schatten. Ich strengte meine Augen an und verhielt mich still. Als ich ganz fest hinschaute, sah ich schließlieh gar nichts mehr, und nun hätte ich über meine dummen Einbildungen beinahe gelacht. Es war nichts als ein Nebelstreifkn gewesen, natürlich, was sollte es denn sonst gewesen sein" Ja, und was war mir Thoren denn übe? Haupt Großes geschehen? War nicht diese Angst sinnlos und meine Lage im C.unt harmlos? Ich lag da in einer Kalkgrube, mit verletztem Fuß und vollem Magen, fror etwas und hatte einfach dem Morgen entgegenzusehen, wo die Arbeiter kommen mußten und mich finden würden. Man würde mich heraufholen, auf einen Wagen bringen und nach Hause fahren. Das war das Ganze. War das nun so etwas Gräßliches, wovor man ein Grauen haben konnte? Ich war recht kindisch. Nunmehr fing ich an, ganz ruhig und geduldig zu werden, und 'ügte mich in meine Lage mit .Gleichmuth. Bald fpürte ich, daß ich müde war, betäubend müde. Ich lehnte den Kopf an die eine Wand der Grube und schloß die Augen. Es war mir alles gleichgiltig, ich wußte nur, daß ich sehr müde war und schlafen mußte. Ab und zu fühlte ich noch kalte Schauer mich überfallen. Zuweilen war mir auch, als ob mein Herz stille stände. Tann trat mir endlich nichts mehr in das Bewußtsein, und ich begann hinüberzudämmern'. . . . Als ich erwachte und die Augen aufschlug, war es heller Tag. Ich hustete, fror und fühlte mich schlecht. Mein Fuß brannte wie Feuer. Ich sah ein, es war höchste Seit, daß etwas mit mir geschah, es konnte sonst leicht zu spät werden. Der Nebel war völlig verschwunden, ein hellblauer, strahlender Himmel leuchtete durch die viereckige Oeffnung der Grube zu mir herab. Plötzlich hörte ich ganz in der Nähe Stimmen. Hurra! Ich rief, rief. Dann lauschte ich. Die Stimmen brachen ab, mir schien, sie flüsterten. Einige Augenblicke später neigte sich der Körper eines Menschen über die Grube. Es war unser Pfarrer im Amtsornat, ich sehe noch seine großen, verwunderten Augen und das mächtige Sammetbarrett auf dem blonder Kopf. Wann schoben stch noch andere Köpfe vor, alle erschreckt und erstaunt. Man holte schnell eine Leiter und schob sie zu mir hinunter. Es kam jemand daran herabgeklettert und half mir hutsam an der Leite? hinauf. .Nun sah ich. daß ich mich auf dem

neu angelegten Theil des Kirchhofs befand. Ich hatte die Nacht in einem frisch geschaufelten Grab gelegen. Man trug mich vorsichtig nzch dem LeichenHäuschen hinüber, damit ich dort warte, bis ein Wagen käme und mich nach Hause brächte. Währen des Wartens sah ich durch die Fenster des Hauschens hindurch, wie man einen Sarg vom Leichenmagen lud und auf jene selbe Stelle hinabließ, wo ich die ver gangene Nacht zugebracht hatte,"

Erziehung nud Individualität. Bon M. zur Megede. Man wird vielleicht erwarten, daß ich der Rücksicht auf die Jndividualität, bei der Erziehung des Kindes zum Menschen, von vornherein die allererste Stimme einräume. Das ist nicht der Fall! Die Individualität eines Menschen zu erkennen, ist allemal ein feines und schweres Ding. Es gehört dazu: Verständniß, Erkenntniß, Erfahrung und Liebe. Der oberflächliche Beobachter, der jemand gut genug zu kennen glaubt, weil er ihn lange genug kennt, wird zu argen Trugschlüssen gelangen. Wer weder Menschenkenntniß noch Lebenserfahrung besitzt, kann leicht zu hoch oder zu gering schätzen. Ueber eine Eigenart, die freundlich oder feindlich unseren Weg kreuzt, gewinnen wir meist durch Zeit und Nachdenken das gerechte und abschließende Urtheil. Ja, selbst Vater und Mutter. Bruder und Schwester, vor allem aber Erzieher und Lehrer kommen oft erst durch Trennung, Alter und Tod in den rechten Sehwinkel zu denen, die sie liebten und fürchteten. Elternzärtlichkeit aber, namentlich jene erste, die noch in der Freude am Neuen, in der Bewunderung eines kleinen, schreienden, lachenden. plaudernden, behenden Wunders schwelgt, wird schwerlich ohne weiteres den untrüglichen Blick für das Angeborene, im guten wie im schlimmen besitzen. Darum sei die Regel, sich bei Heinen Leuten" nicht mit dem Suchen nach Besonderheit aufzuhalten, sondern sie nach der guten Schablone der Ordnung und der Consequenz: zur Anspruchslosigkeit, Reinlichkeit und Pünktlichkeit zu erziehen, denn wenn z. B. ein junger Weltbürger, dem sein Wille nicht geschieht, eine Viertelstunde schreit, während sein Kamerad bereits nach drei Minuten aufhört, so deutet es bei gleicher, verständiger Erziehung vielleicht auf einen unterschied in der Beanlagung, aber jedenfalls auf keinen, der einer besonderen Berücksichtigung verdient. Beobachten und ihre Schlüsse ziehen, sollten Eltern allerdings von Anbeginn. Sie sollten die Fehler und Tugenden. die in ihren Familien die Regel und die Ausnahme bilden, und ihre eigenen allgemeinen und besonderen Eigenschaften sorgsam studiren und immer von dem Wunsche beseelt sein, daß ihre Kinder dereinst einen Schritt vorwärts bedeuten sollten auf dem Weg der Menschheit, daß sie besser sein möchten als ihre noch so vortrefflichen Väter! Zu diesem Zwecke muß die Grundläge des Gehorsams, der Wahrheit?treue, des Pflichtgefühles und der Einfachheit festgelegt sein, ehe die Ausbildung der Individualität und zur Individualität beginnen kann. Und wer Prügel verdient, muß Prügel erhalten, mag man über die Kraftmittel in der Kinderstube auch sonst noch so skeptisch denken. Immer wieder aber soll betont werden, daß die Schläge, die Scene, das laute und zornige Wort nur Ausnahmen sein dürfen, daß sie dem Kinde im Gedächtniß bleiben müssen als etwas Unerhörtes, wie ein Naturereignitz, wie ein Gewitter! Ungebildete Leute mit und ohne Salonmanieren und Equipagen erziehen abwechselnd mit Prügel. Scheltworten und dem laisser faire und laisser aller. Der gebildete, denkende Leiter der Jugend wählt die vernünftige Strenge, das Gebot und Verbot, das ungestraft niemals übertreten wird, und in dem Lebensalter, wo die Vernunft zur Vernunft zu reden beginnt, die ernste und liebevolle Vorstellung, die eindrückliche Erklärung von Ursache und Wirkung! Nach Finessen unö Subtilitäten in der Individualität eines Kindes unter sechs Jahren suchen zu wollen, wäre sehr gewagt. Sind sie in Ausnahmefällen einmal da, so markiren sie sich für einen nicht geflissentlich von Elternliebe und Erzieherftrenge getrübten Blick auch bald scharf genug. Im großen und ganzen aber sind alle Kinder die gleichen, kleinen, schlauen, kritisirenden und nachahmenden Egoisten, die vorläufig nehmen noch angenehmer als geben, nicht gehorchen erfreulicher als gehorchen finden, die versuchen werden zu lügen, zu hintergehen, zu täuschen und die man gut thut, zu keiner kindlichen Dummheit für zu klug zu halten. Nicht thöricht nach Individualität forschen und suchen, heißt aber nicht, sie leichtsinnig übersehen oder geflis - sentlich unterdrücken. Die Jndividualität eines Menschen zu todten, vermag niemand. Wohl aber kann sie verrenkt, verzerrt und verschoben werden. um eines Tages doch siegreich wie der aufzuleben, zu spät oder zum Unglück! Wer gut geführt und richtig gelenkt, von vornherein doch sein darf, was er ist, wird sich zu seinem Heile vielleicht langsam ,aber doch sicher ent wickeln! Wer vierzig Jahre braucht, um auf dornenreichen Irrwegen die freie Straße für sein eigenstes Wesen zu erreichen, wird zu müde und verbraucht sein, um rie noch mit Freuden und Erfolg wandeln zu können. Denn nicht jede Eigenart ist so stark, daß sie ohie Schranken allen Gewalten zum Trotz sich erhält. Das Fremde. Anaelernje infiziert sie wie ein An

fteckungsstoff das Blut. Aber sie scheiden ihn auch wieder aus! Und so kommt es. daß wir uns nach Jahren so oft der Ideale" unserer Jugend schömen oder über die Seltsamkeit unseres Geschmackes wenigstens oenKopf schütteln und mit den Feinden und Gegensätzen jener Zeit die Freundschaften des späteren Lebens schließen. Erziehen wir also nicht zu viel! Beschneiden und leiten wir die Triebe der Menschenpflanzen, die auf Gnade und Ungnade in unsere Hände gegeben werden, doch versündigen wir uns nicht an ihnen, indem wir unbarmherzig und verständnißlos mit der plumpen Heckenscheere landläufiger Ansichten über ihre frischsprossenden, vielleicht auch ein wenig wild scheinenden Zweige hinfahren. Erziehen heißt nicht ummodeln! Erziehen heißt regulieren! Wer ein rechter Erzieher sein will, soll keine Stunde seines TaceZ vergessen, daß die Fehler eines Menschen nur die Schatten seiner Tugenden sind und umgekehrt. Leichtsinn und Frohsinn. Ordnung und Pedanterie. Sparsamkeit und Geiz, Lebhaftigkeit und Dreistigkeit. Bescheidenheit und Blödigkeit, ZurückHaltung und Feigheit sind nahe Verwandte. Daß der schwankenden, leicht beeinflußbaren Jugend, die noch mit hundert Augen und hundert Ohren hört und sieht, die ebenso leicht angezogen wie abgestoßen wird, der Segen ihrer Eigenart nicht zum Fluche wird und der Fluch sich womöglich noch in Segen verkehrt, dafür soll der erkennendc, pflichttreue, warmherzige Erzieher seine ganze Kraft einsetzen. Ich möchte die Wärme gleichsam unterstreichen. Denn vor allem anderen verlangt die Jugend unser Herz. Nichts wirkt verderblicher auf sie als Kälte, thörichter Hohn und billiger Spott. Wärme drängt nicht zum Verziehen, sondern zum Verzeihen, zum Berstehen, zur Erkenntniß und Unterscheidung dessen, was Charakterfehler ist und was Jugend, Thorheit! Es ist Thatsache, daß Eltern und Erzieher sich bei dieser Beurtheilung sehr häufig irren, daß sie über die Thorheit die

Hände ringend den Bannstrahl nach ihr schleudern, während sie den wirklichen Defekt, der seine ersten Blätter schon ganz sichtbar aus der Knospe reckt, nicht erkennen können oder nicht erkennen wollen. Die größten Feinde einer Kindererziehung im höheren Sinne, also unter verständnißvoller Berücksichtigung der Jndividialität sind Bequemlichkeit, blindes Vertrauen und die Sorge vor einem Anstoßen an das Herkommen und die rein äußerlichen Gesetze der Gesellschaft. Daß die Schule die Eigenart berücksichtigen soll, ist fast zu viel verlangt. Dazu ist die Menge der Schüler zu groß und die Stundenzahl des Zusammenseins zu gering. Das Kind, das still sitzt, sein Pensum im Kopfe und sein Löschblatt im Buche hat, wird in den Augen seiner Lehrer beinahe immer das begabte und gute Kind sein. Das Schulurtheil über Art und Befähigung eines jungen Schülers wird nicht selten gradezu auf den Kopf gestellt, wenn der" oder die" in die höheren und höchsten Klassen aufrückt. Und der unterschätzte Outsider gewinnt manchmal ein Rennen, das ankannten Lernkindern und vielgerühmten Musterknaben sicher schien. Hätte sich aber jemand der, Mühe unterzogen schon früher nachzuforschen, was dem kleinen Schwärmer, Träumer oder Unbotmäßigen im Wege stand oder ihn zum Abirren oder Auflehnen veranlaßte, die Ueberraschung würde weniger groß und das Kind hätte seine Füße nicht an so viel überflüssige Steine gestoßen. Doch, wie gesagt, die Schule ist nur in beschränktem Sinne auch Erziehungsanstalt. Verwunderlicher erscheint es, daß Lehrer und Lehrerinnen, deren Thätigkeit sich Jahre hindurch auf ein einziges oder ein paar Kinder beschränkt, die mit ihnen die Luft desselben Hauses athmen, ihre Tage und vielleicht auch noch ihre Nächte theilen, häufig mit ganz geschlossenen Augen an ihren Zöglingen vorbeigehen! Aber Lebhaftigkeit ist lästig. Zerstreutheit hemmend, Dreistigkeit beleidigend und ein Grab der Autorität. Da es zu weit führen würde, ihren Wurzeln nachzuspüren, sucht man einfach sie auszurotten und säet die Interesselosigkeit, der Heuchelei, die Verstocktheit und den heimlichen Haß an ihre Stelle. Warum hassen so viele Kinder die Lehrer und Erzieher ihrer Jugend, trotz aller Mühe, die diese sich mit ihnen geben, trotz alles Wissens, das sie ihnen verdanken?! Ich glaube nicht, daß die Schuld immer nur die unverständigen oder undankbaren Kinder trifft! Der Fehler der Eltern ist meist eine zu große Vertrauensseligkeit. In neunzig Fällen von hundert leben sie in dem schönen Glauben, daß ihre Kinder zu jenem und diesem einfach unfähig sind. Der vollendeten, unliebsamen oder gar bösen Thatsache genüber aber fallen sie so vollkommen aus der Rolle, daß keine Strafe ihnen hart und schwer genug erscheint. Der verhä'.ignißvollste Riß, der durch eine Familie gehen kann, die innerliche Trennung eines Kindes von seinen Eltern, wird nur zu oft durch diese überschwängliche Härte nach überschwänglicher, gedankenloser Duldung begonnen. Vater und Mutter haben nur geliebt, wo sie kennen zu fuhren sollten. Die eigenste Art ihres Kindes ist ihnen fremd geblieben und sie sind unfähig, die weiche Stelle zu finden, die jedem Menschen bleibt und von der aus er Mehr oder weniger leicht, aber doch immer zu regieren sein Wird. DenkendeEltern undErzieher, welche die eigeneJugend nicht vergessen haben,

sittlich höher entwickelte Menschen, die dem eigenen Selbst auch in reifem Alter noch als Kritiker und Richter gegenüberstehen, sollten von dem Grundsatze ausgehen: Auch mein Kind ist ein Mensch und nichts Menschlich? wird ihm auf die Dauer ganz fremd bleiben!Diesem Menschlichen aber, sei es gut. sei es böse, schon in der Knospe nachzuspüren, es zu heben, zu entwickeln, zu zügeln, das ist die gebotene Rücksicht auf die Individualität, denn jede Erziehung sich befleißigen sollte. Immer aber muß dabei das Auge auf ein höheres, allgemeines Ziel gerichtet bleiben. Nicht nur, was in der Zukunft nützlich und gedeihlich sein, was in der Welt und der Gesellschaft anstoßen und abstoßen könnte, soll als Maßstab dienen, sondern die schöne Freiheit einer edlen Individualität, die wahr redet und recht handelt, die sich zu entrüsten und zu begeistern, zu strafen und zu verzeihen, zu gehorchen und zu befehlen vermag. Und die ihre Augen nicht blinden läßt von Tand und Schein, von rein äußerlichem Glück und gefälschten Werthen, wie sie unsere Zeit an Stelle der wahren Güter und der wirklichen Erfolge zu setzen so eifrig und so siegreich sich bemüht.

Der Tanz im 19. Jahrhundert. Die Geschichte des Tanzes weist in keiner Epoche so mannigfache wechfeinde Moden auf. wie im verflossenen 19. Jahrhundert. Stand der Tanz der ersten zwei Jahrzehnte noch völlig im Bann steifer Etikette, bewegten sich die Tänzer nur in den Formen würdigster Grandezza, so wurde das mit einem Schlage anders, als 1819 Weber's Aufforderung zum Tanz" erschien. Die feurigen Weisen des deutschen Meisters wirkten auf das Tempo wie prickelnder Wein. Ein rasches AUegro kam in die Tanzmusik, cs wuchs noch, als vomPodium der Ballsäle der erste Strauß'sche Walzer erklang. Jahrzehntelang behielt der Walzer die Oberhand, eigentlich hat er sie ja noch heute. Von den anderen Tänzen unserer Bälle und Kränzchen ist der älteste wohl der Contretanz. er wurde 1821 zum ersten Male am Berliner Hofe getanzt und ging von da schnell in die anderen Kreise über. Wie er aus Frankreich nach Deutsch land verpfmnzt ist der Kotillon. der gleichfalls in den Zwanziger Jahren bei uns Aufnahme fand. Etwas jünger ist die Polka. In Berlin tauch sie zuerst im Jahre 1830 auf. In den Sechziger und Siebziger Jahren begann der Ball, wie auch heute noch, mit der Polonaise, der sich dann Walzer, Polka und Polka Mazurka anschlössen. In vornehmeren Gesellschaften folgte dann Quadrille ft la coar die wieder durch Rundtänze abgelöst wurde. Diesen folgte der Eontre, der Kotillon machte den Schluß. Neuerdings haben sich dazu noch andere Tänze gesellt. In den Achtziger Jahren durfte die KreuzPolka und Tyrolienne auf keinemProgramm fehlen. Jetzt sind sie etwas zurückgetreten. Dafür tanzt man die berühmte Washingtonpost, auch hat sich die Mode eingebürgert, alte Tänze vergangener Zeiten neu einzustudir?n und im Kostüm aufzuführen. Der Vater dieser Mode ist kein Geringerer als Gambetta. Auf einem Feste, das er den Deputirten gab, ließ er die Tänze der Revolutionszeit zu neuem Leben erstehen, man tanzte Pavanc und Volte, den Schluß bildete das berühmte Blumenballet aus Rameau's Indes galantes". Auch am deutschen Kaiserhofe wurden neuerdings vielfach historische Tänze einstudirt. Kranzostsche Vhefshwierigkeitc. Während man in Frankreich auf bei einen Seite bemüht ist, die Eheschei dung noch mehr als bisher zu erleichtern, läßt man auf der anderen Seite die lächerlichsten Bestimmungen aus der Urväter Zeit bestehen, durch du Eheschließungen erschwert werden. Eine dieser Vorschriften ist. daß ein Franzose unter 25 und eine Französin unter 20 Jahren nicht heirathen dürfen, ohne die formelle Zustimmung ihrer Eltern oder gegebenenfalls ihrer Großeltern oder Urgroßeltern. Im Alter zwischen 26 und 30 Jahren kann ein Franzose heirathen, vorausgesetzt, er hat durch einen Notar seine Eltern in Zwischenräumen von einem Monate dreimal respektvoll um ihre Einwillige ung gebeten. In seinen späteren Levensjahren braucht er es nur einmal zu thun. Wohm diese Vorschrift führen kann, zeigt folgender Fall, der die Pariser Gerichte beschäftigte. Michael Le. vy, dessen Eltern todt waren, hatte in London eine Engländerin geheirathet, aber versäumt vorher die Zustimmung seiner beiden noch lebenden Großmütter einzuholen, was nothwen big war, da er noch nicht 25 Jahre alt war. Als er dann mit sein jungen Frau nach Paris zurückkehrte, strenge ten di beiden Großmütter eine Klage auf Annullirung der Ehe an und lie ßen sich nur mit schweren Opfern er weichen. Vor kurzem hat eine andere Engländerin die Härte dieser gesetzli, chen Vorschrift erfahren. Sie hatte in Kensmgton einen französischen Zahnarzt geheirathet. In Paris wurde er ihrer überdrüssig, verließ sie. und als sie auf Alimente klagte, wandte er ein. daß er die Zustimmung seiner Eltern zu seiner Verheirathung nicht einge holt habe. Daraufhin erklärte das Gericht die Ehe für ungiltig und wies die Klage der unglücklichen Frau ab eine Warnung für Ausländerinnen ge, gen Ehen mit Franzosen! Erklärlich. Ede, Du wirst ja immer verurtheilt?" Na. is des een Wunder? 'n paar hundert Paragraphen in'sJesetzbuch gegen mir eenen

Menjchen!" .

Pech. Fadenbausen war ein kleines Stadtchen an der böhmischen G.'enze. da 5 seinen Namen mehr als mit Recht verdiente. Denn es gab wohl kaum eine Gegend in der Welt, die öder, langweiliger und unbehaglicher gewesen wäre als Fadenheim. Und wie die Stadt, so ihre Bewohner. Kleinlich, beschränkt, mißgünstig und ungemüthlich bis zum höchsten Grade. Man mußte eben ein Fadenhauser sein, um in solch einer Umgebung leben zu können; ein Fremder hätte es nie fertig, gebracht, und darum ging auch keiner hin. Und als eines Tages ein guter Freund dem Sekretär Hummel die Mittheilung machte, er wisse eine reiche Frau für ihn, so sprang dieser auf beide Füße und fiel dem Freunde um den Hals vor Rührung und Dankbarkeit. Als aber der Freund hinzusetzte, die Erwähnte sei eine Fadenhauserin, da stieß der Sekretär den Hinterlist! oen gleich einer giftigen Natter von sich. Und wenn sie eine Million hätte", rief er entrüstet, eine Fadenhauserin nehme ich nie und nimmermehr zum Weib!" Aber Zureden hilft. Was bist Du denn n.It Deinen hundertzwanzig Mark Gehalt im Mo-

nat?" kalkulierte der Freund. Ein ewiger Hungerleider? Und was kannst Du denn einer Frau in solch einer Stellung bieten? Den SeZretärstitel? Du lieber Gott! Der ist just soviel werth, wie ein Packträgerpatent. Du mußt es also geradezu als eine unverdiente Gnade des Himmels betrachten, wenn er Dir eine Frau mit Geld in den Schoß wirft. Was macht es. daß sie eine Fadenhauserin ist? In der Ehe und wenn sie erst einmal dem verpönten Nest entrückt ist. werden sich ihre Fehler verlieren, und übrigens bist Du ja Mann genug, sie ihr abzuge wöbnen. Du bist ein doppelter und dreifacher Narr, wenn Du diese Gelegenheit von Dir läßt. Die reiche Fadenhauserin wird keine alte Jungfer, verlaß Dich darauf. Nimmst Du sie nicht, nimmt sie ein anderer!" Wer hätte solchen Argumenten wi verstehen können? Sekretär hummel wenigstens konnte es nicht, und da der uneigennützige Freund sich mit dem größten Eifer ins Zeug legte, so war die Sache bald in Richtigkeit. Eine Bedingung hatte der Sekretär allerdings gestellt. Seine zukünftige Gattin mußte nämlich hoch und theuer geloben, unter keinen Umständen je mals wieder nach Fadenhausen zurückkehren zu wollen und auch nicht öfter als einmal jährlich Besuch ihrer Angehörigen zu empfangen. Die Fadenhauserin gelobte bereitwilligst und so stand denn einer entsprechenden glänzvollen Hochzeit nichts mehr im Wege. Um auch seinerseits etwas zu thun, den Glanz dieses Tages zu erhöhen, hatte Sekretär Hummel seinen Borg:setzten, den Herrn Kanzleirath, gebeten. die Feier durch sein Erscheinen zu verschönern, und der hohe Herr hatt wirklich zugesagt. Wie soll ich Ihnen danken. Herr Kanzleirath?" rief der entzückte Sekretär, als der illustre Gast pünktlich erschien. Ich werde diese gütige Herablassung Zeit meines Lebens nicht vergessen!" Pst. pst", wehrte der Kanzleirath ab. machen Sie keine Umstände, es ist mir ja selber ein Vergnügen. Und wenn ich Ihnen als Hochzeitsgeschenk auch nicht einen jener üblichen Gegenstände bringe, die oft genug ihren Zweck verfehlen, so komme ich doch nicht minder als Freudenbringer. denn ich habe eine Extraüberraschung für Sie. mein lieber Sekretär! Nicht wahr. Ihre Frau Gemadlin stammt doch aus Fadenhausen? Nun denn, so hören Sie und freuen Sie sich! Ich habe es nämlich beim Ministerium durchgesetzt, daß Sie auf Lebensdauer nach Fadenhausen versetzt worden sind." Ein echter Wltzvold. Ein Tichteiling fragt bei einer Witzblatt - Redaction an, ob er sich erlauven dürfe, einige Witze einzusenden; die Witze, glaube er, seien gut. nur wisse er keine passenden Ueberschriften dazu. Die Redaction antwortet ihm, ti möge nur einsenden, wenn die Witze brauchbar seien, werde sie die Ueberschriften selber machen. Der Dichterling schickt seine Witze ein und hat auch das Glück, dieselben zu verkaufen. Einige Wochen darauf kommt eine neue Sendung von ihm, der folgendes Begleitschreiben beiliegt: Geehrte Redaction! Neue Witze habe ich noch nicht wieder erdacht, aber ich sende Ihnen heute ein Dutzend Ueberschriften ein mit der Bitte, sich die passenden Witze dazu selbst zu machen. In Erwartung meines Honorars zeichne Hochachtungsvoll . Y. Z. Ihr Herzfehler. .Nun. Fräulein Irma, wo fehlt eS denn?" Ach, ich glaube, ich habe einen Herzfehler: ich kann nämlich Niemand mehr treu bleiben!" SoelnHeuchler! Ächkviegervater: Ostern kann meine Frau gänz gut ein paar Wocbn zu Jbnen kommen." Schwiegersohn: Ich möchte Sie keinesfalls berauben, lieber Schwiegerpapa !" Nothbehelf. Arzt (einen Patienten besuchend): Sie schreiben, Sie hätten Fieber, und jetzt sehe ich, Sie haben Rheumatismus! Patient: Ja. es konnte Niemand bei uns Rheumatismus schreiben! Das g u t e S ch m e st e r ch e Mama: Warum wein bv.. la,fc es !s doc )0UJ '' r es