Indiana Tribüne, Volume 24, Number 232, Indianapolis, Marion County, 9 May 1901 — Page 1
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Cogc und f onntagsblatt lOopcr Woche. Grsckxeint jede Und 'mittun nd Sonntag Morgen. Jahrgang 24. Indianapolis, Ind. Tonncrstag, den 9. Mai 1901. No. 232
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China Mich bmachlichligt
Wie viel Schadenersatz es den Machten bezahlen soll. Tic Tumme betragt Millionen Taels. Eine politische Zlede des Gene rais Chassee, m Tie grohes Aufsehen erregt hat. Ein 7Q Ztztzn alter Mann in Ontario verhaftet. Angeklagt lerne fünf Kinder lebendig verbrannt zu haben. Blutige Krawalle in Barcelona. Mehrere der Sriwalliörn standrechtlich erschossen. Verschiedenes aus dem deutschen Reich. V u S China. P e Z i n g , 9. Mai. Die auswärtigen Gesandten haben am Mittwoch beschlössen, eine Kollektiv-Note an die cbiaesische Regierung zu richten, in welcher oiese benachrichtigt wird, das; die Mächte insgesammt eine Entschädizung von 450.000.000 Taels verlangten. Tie chinesische Regierung wird zleichzeitig in der Rote aufgefordert werden zu erklären, in welcher Weise sie die Summe zu bezahlen gedenke. Eine Antwort wird noch vor Ende der Woche erwartet und China wird wahrsckeinlich vorschlagen, dah die Entschäkizungssumme durch eine Erhöhung der Zölle aufgebracht werden soll. Es ist wahrscheinlich, daß die Mächte hierzu ihre Zustimmung geben, vorauszesetzt, daß China andere Konzessionen macht, wie die gänzliche Abschaffung ver Jnlandzölle (Likins), die Placirung der Einfuhrzölle auf eine Goldbasls. wirklich freie Schifffahrt in chinesischen Gewässern und die Aufhebung aller Hindernisse für die Schifffahrt und der Steuer in Woo Sung. Die Gesandten konnten sich nicht auf den Vorschlag nigen. daß das ganze chinesische Reich dem Handel geöffnet und den Ausländern gestattet werden soll, sich überall in China niederzulassen. Einige der Gesandten waren der Ansicht, daß China damit eine zu grotze Verantwortlichkeit aufgeladen werden nd unter dem jetzigen Regierungssystem es unmöglich sein würde, die SiHerheit der vielen Ausländer zu garaniiren. die ohne Zweifel sich ins Innere begeben würden, wenn das Reich den Fremden ganz geöffnet werden würde. Eine politische Rede, die General Chaffee vor einigen Tagen bei einem Feste hielt, das ihm zu Ehren der britische General Gaselee im Tempel des Himmels veranstaltet hatte, macht viel von sich reden. Die folgende Version der Rede wurde in dem offiiellen Organ der britischen Gesandtschaft veröffentlicht und allgemein als richtig anerkannt: Die Könige. Minister und Politiker mögen sagen, was sie wollen." erklärte General Chaffee. .ich kann Ihnen aber die Versicherung geben, daß Sie nie erleben werden, daß Amerikaner und Briten sich im Feld gegenüberstehen. Unsere nationale Politik mag ja darauf hinauslaufen, allen internationalen Komplikationen aus dem Wece zu gehen, wenn es sich aber doch ereignen sollte, daß wir eine Wahl treffen müssen, dann werden Sie uns auf Seite der Briten finden." L 0 n d 0 n . 8. Mai. Emer Depesche der ..Daily Erpreß" aus Shanghai zufolge ist Pater Paoli. ein italienischer Missionär, der seit letztem Herbst vermißt wurde, in der Provinz Shen Si lebendig begraben worden. Als Verletzung des Völker, rechts bezeichnet. Konstantinopel.9. Mai. Die hiesigen Vertreter der Mächte haben eine identische Rote an die Mächte geschickt, in der die Fortnahme den europäischen Regierungen gehöriger Postsacke seitens der türkischen Postbehörden als eine Verletzung des Völkerechts bezeichnet und der Pforte angekündigt wird, daß sie für die Folgen verantwortlich gehalten werden würde. Einer der am Sonntag von den Türken geöffneten Poftsäcke enthielt die Korrespondenz des deutschen BotschafterS. Die Pforte hat im Lauf des Tages auf den Protest der Gesandten geantwortet. das ottomanische Post-Depar-tement bestehe darauf, daß es das ausschließliche Recht habe, die auswärtige ?iost in Empfang zu nehmen und zu b:-Ndern.
Zu Ehren desZukunstrgen, Rom. 9. Mai. König Victor Emanvel III. hat in einem Schreiben
, an den Premierminister Zanardelli seinen Dank für die Vorbereitungen Ausdruck gegeben, mit welchen das italienische Volk das in der Königsfamilii bevorstehende freudige Greigniß zu feiern gedenkt. Er räth jedoch den Bürgern und Munizipalitäten. keine Kosier zu machen und wird keine Geschenke vor ihnen annehmen. Das dafür bestimmt: Geld soll zu wohlthätigen Zwecken verwendet werden. Aus dem deutschen Re ich. B e r l i n, 9. Mai. Das auswärtige Amt stellt in der entschiedenste? Weise in Abrede, daß die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland gespznnter Natur seien, wie dies von einigen englischen Zeitungen behauptet wurde. Es wird versichert, daß die BeZiehungen zwischen den beiden Mächten die allerbesten seien. Der Reichstag beschloß am Mittwoch mit 185 gegen 40 Stimmen, daß die Mitglieder Meilengelder undBezahlung für die Sitzungen, denen sie beiwohnen, erhalten sollen. Der Abstimmung ging eine lebhaft Debatte voraus, in der Herr Singer. Sozialdemokrat, auf ten angeblichen Ausspruch des Kaisers: Was, Bezahlung wollen die Kerl: haben?" Bezug nahm. Er sagte, der Reichstag müsse zeigen, daß er aus Kerlen" bestehe, die sich nicht einschüchtern ließen. Der Staatssekretär des Inneren. Graf von Posadowsky Wehner. erklärte, daß der Kaiser niemals etwas Derartiges gesagt habe und das Gerückt eine leere Erfindung sei. Das Syndikat, das die Stahlwerke ir Differenzen und die DannenbaumKohlengrube kontrollirt. befindet sich in finanziellen Schwierigkeiten und hat feine Gläubiger um Verlängerung der Zahlungsfrist ersucht. Die Darn.siädter Bank hat die Reorganisation der Kompagnie übernommen und ofierirt den Gläubigern 20 Prozent m Saar und den Rest in fünfprozentig?ri Prioritäts - Aktien und Obligationen. Nach der endgiltigen Annahme der Wein-Vorlaze nahm der Reichstag einen Beschluß an. die Regierung zu ersuchen, sobald als möglich ein Gesetz zur Regelung des Nahrungsmittelund Getränkehandels durch SpezialBeamte im Reichstag einzubringen. Graf v. Posadowsky-Wehner antwortete jedoch, daß ein derartiges Gesetz in die Polizeigewalt der einzelnen Bundesstaaten eingreifen würde. Das neue Ministerium hielt am Mittwoch seine erste Sitzung ab und wurde von dem C rafen v. Bülow mit einer kurzen Ansprache begrüßt. Der Reichsanzeiger" veröffentlicht Briefe an Herrn Brefeld und Baron v. Hammersiein. worin der Kaiser ihnen für ihre werthvollen Dienste dankt und ihnen Orden verleiht. Die Berliner Post" enthält einen inspirirten Artikel über den Zwischenfall in Tien Tsin. wo am Samstag auf den britischen Schlevpdampfer Ego" von den Deutschen Feuer gegeben wurde. Danach gehöre das Boot einer englischen Licbterschiff-Gesell-schaft. war aber zur Zeit von Chinesen benutzt worden. Das Boot stieß in die Brücke über den Pei-Ho. welche die Deutschen besetzt hielten und da das Boot auf Zurufen nicht anhielt, im Gegentheil die Mannschaft versuchte, sich schnell davon zu machen, so wurde nach dem dritten Anrufe gefeuert. Der ganze Vorgang entbehrt jeder politischen Bedeutung. Die Zeitungen bringen interessante Details über die Karriere des neuen preußischen Handelsministers Herrn Möller. Im Dezember 1897 erschien er als Zeuge gegen einen Amerikaner, welcher sich in einer Berliner Weinstube der Majestätsbeleidigung schuldig gemacht hatte. Herr Möller hatte dabei mit dem Amerikaner, der angeblich angetrunken war. eine scharfe Kontroverse und drohte, ihn durch die Polizei hinauswerfen zu lassen, wenn er nicht innerhalb von fünf Minuten das Lt-kal verließe. Vor ungefähr einem Jahre interpelline Herr Möller die Regierung über die Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten und wie die deutschen Interessen in Washington wahrgenommen würden. Die sozialistische Leipziger Volkszeitung" versichert, daß Herc Möller in der bekannten 12,000-Mark-Affaire. welchen Betrag der Centralverein der deutschen Industriellen behufs Agitation zur Annahme der Zuchthausvorläge beigesteuert haben soll, eine leitende Rolle gespielt habe. Glukose zur Bierzuberei t u n g. London. 9. Mai. Sir Cuthbert Qu'-lter von derRein-Bier-Kommission theilte dem Schatzamtssekretär mit, daß die von Deutschland. Frankreich und Holland importirte Glukose von 70.273 Centner im Jahre 1896 auf 36..
470 Centner im ayre ii3UU getane;! sei. während der Import der billigeren amerikanischen Glukose im selben Jahre von 1.468.000 auf 1,733.000 Centner gestiegen sei. Er schlug vor. die billigere Glukose höher zu besteuern. Sir Michael Hicks Beach sagte, daß er verschiedene Vorschläge für Differentialzöle auf Glukose, je nach Qualität. erhalten habe, daß er aber im Budget keine Aenderung machen könne, da dies nur durch einen neu,:n Parlamentsbeschluh statthaft sei. Unruhen in Spanien. Barcelona. 9. Mai. In hiesiger Stadt haben am Dienstag und Mittwoch wieder ernstliche Unruhen stattgefunden. Die Truppen mußten einschreiten und in den stattgefundenen Kämpfen wurden mehrere Personen getödtet und viele verletzt. Die Behörden sind der Ansicht, daß die Krawalle von ausländischen und spanischen Anarchisten veranlaßt werden, die aus dem Exil zurückgekehrt sind, und die mit de;i extremen Sozialisten cooperiren. Es sind eine ganze Anzahl Personen verhaftet worden, namentlich auswärtige Anarchisten, wie auch viele Feuerwaffen. Dolche etc. beschlagnahmt wurden. Die Behörden erklären, noch selten einen Pöbel gesehen zu haben, der so rasend war wie derjcnige. der am Dienstag und Mittwoch die Unruhen veranlaßte. Tie Madrider Presse fordert die R?gierung auf. ganz energisch vorzugehen, um die Unruhen in Catalonien zu ur. zerdrücken. London. 9. Mai. Spezialdepescken aus Madrid zufolge sind bereits mehrere der Krawallisten kriegsrechtlich erschossen worden. Von den Philippinen. Manila. 9. Mai. Oberst A'tilla. der Jnsurgenten-Gouverneur der Pr2vinz Jnfanta. hat sich mit 10 Offizieren. 180 Mann. 170 Gewehren und 10 GesckÜFen den amerikanischen Truppen ergeben. Gestrandet. Port Antonio. Jamaica. 9. Mai. Der deutsche Dampfer .,Sckl?swig". Kapitän Schlüter. ist am Diensnn s,?? tflnrt Wnrra slfftrnnhpt und ietlt
-ein vollständiges Wrack. Die .vj, " ' " " . . . r. gan : Mannschaft wurde gerettet. Ermordet. B r i s b a n e. Queensland, 9. Mai. Eine Expedition, die soeben von NeuGuinea zurückgekehrt ist, hat die halbverzehrten Ueberreste des Rev. James Chalmers und des Rev. Oliver Tom Zins von der Londoner Missions-Ge-sellschaft, sowie ihrer eingeborenen Rei-' sebegleiter aufgefunden. Die Leute waren im April von Eingeborenen von Neu-Guinea am Fly Rivr ermordet worden. Es hat sich herausgestellt, daß. als Chalmers mit seinen Begleitern sich .dem Lande näherte, die kleine Gesellschaft von Canoes umgeben wurde. die mit bewaffneten Eingeborenen angefüllt waren. Die Missionäre wurden nicht wieder labend gesehen. Die Straf-Erpedition zerstörte die Dörfer und die Canoes in dem Distrikt, in dem der Mord verübt wurde und tödtete 2i Eingeborene. Das australische Parlament eröffnet. Melbourne. 9. Mai. Der Herzog von Cornwall und Jork eröffnete am Donnerstag Mittag das erste australische Parlament. Die Ceremonie war eine äußerst brillante. Wenceslav Borda's Lügen. 9. Mai. Am Mittwoch wurden in hiesiger Stadt Zettel vertheilt, auf denen ein Interview mit Wenceslav Borda, Ir., abgedruckt ist. das am 5. April in der New Forker Times" erschienen war. Borda soll darin gesagt haben: Die Lage in Porto Rico ist eine so hoffnungslose, daß Väter ihre Töchter verkaufen, um zu verhindern, daß sie Hungers sterben." Die Bevölkerung ist darüber so aufgebracht, daß Borda seines Lebens nicht sicher wäre, wenn er jetzt nach Porto Rico zurückkehren würde. Unter schrecklicher Anklage. PerrySound, nt.. 9. Mai. Am 30. April d. I. brannte in Heradville das Haus eines Mannes Namens Joseph Parton nieder und fünf Kinder. von denen das äteste 18 Jahre alt war, kamen in den Flammen um. Parton, der 70 Jahre alt ist, wurde nun am Mittwoch auf die Anklage hin verhaftet, die Kinder absichtlich auf diese schreckliche Weise ermordet zu haben. Aus, Südafrika. K a p st a d t , 9. Mai. Herr Gregory, der höchste Gesundheitsbeamte der Kapkolonie sagt, er könne die Beulenvest nicht eher ausrotten, bis die Ratten in der Kolonie ausgerottet seien. Drei Farbige und drei Weihe erkrankten am Mittwoch an der Pest. Ein Farbiger und ein Europäer sind gestorben.
, Schlirßung m 4fl6ri6rn. Tie U V. Tteel Eorporation will den Betrieb centralifiren,
And deslialb viele kleine Etab lisscmettts schließen. Tarunter auch eine Anzahl in Ohio. Brandungluck in Zlcw gork. Mehrere Personen ums Leben gekom men. Großes Baumwollen - Feuer in Au gusta, Ga. Der Präsident iu Los Angeles, Calif.. angekommen. R. N. Pollock, der fluchtige Bank-Prii. sidcnt von Clcveland, ., Hat in Seattle, Wcfh, Selbstmord begangen. Schließung von Fabriken. Pittsburg, Pa.. 9. Mai. Die Commercial Gazette" veröffentlicht heute Morgen das Folgende: Die U. S. Steel Corporation hat einen großen Centralisirungsplan angencmmen. Sie wird alle kleineren Etablissements aufgeben, wie auch diejen:cen, die ungünstig liegen und die nich! mit Profit betrieben werden können Die Arbeit, die bisher dort gethan wurde, wird in Zukunft von den besser und mehr central gelegenen Eta!)ljssemen: geliefert werden. Die Ausführung des Planes, dessen Einzelheiten noch zu erledigen s:nv nird vor allem dem PittsburgerDistrikt zu Statten kommen, der von der u. z Steel Corporation am meisten bezünstigt wird. Wenn, wie beabsichtigt, alle die kleineren Etablissements aufgegeben werden, dürften innerhalb eines Jahr.'volle 50.000 Arbeiter aus anderen Geginden. zum großen Theil ans Oh o, nach dem Pittsburger Distrikt transferirt werden. Und nicht nur wird die Zahl der Eisenarbeiter in Pittsburg riesig vermehrt werden, sondern die Zahl der Arbeiter in der Coke - Region wird auch wesentlich vergrößert Werder müssen. Nicht nur verfolgt die U. S. Stee' Korporation den oben erwähnten Plan sondern auch jede einzelne Komp2gni des riesigen Syndikats thut dasselbe So beabsichtigt die American Bridge Co. Z1,000.000 für ein Etablissement im Pittsburger Distrikt auszugeben, Tie Werke dieser Kompagnie sind über den Osten zerstreut und liegen zum Theil in wenig günstigen Gegenderi. Einige der Fabriken werden deshaik aufgegeben und die Arbeiter nach dem neuen Etablissement transferirt werden. Die kürzlich gemachte Ankündigung, daß die American Sheet Steel Co. den Plan aufgegeben habe, die neue unc mit großen Kosten errichtete Fabrik in Ehester. W. Va., in Betrieb zu setzen, ist eine Folge der neuen Politik der MorganCompagnie. Seitdem die Sheet Steel Co. organisirt wurde, sind eine ganze Anzahl der kleineren Fabriken aufgegeben worden, und ihre Maschinen und auch zum Theil die Arbeiter, wurden nach Vandergrift geschickt. Die Kompagnie beabsichtigt auch die Fabriken in Cambridge, East Liverpool. Coshocton, Denison. Dresden. Niles. Canton. Canal Dover und Piqua. Ohic und in Carnegie und in Hyde Park. Pa.. aufzugeben, und die Maschinerie etc. nach dem Riesen - Etablissement in Vandergrift zu transferiren. Die American Steel & Wire Co. beabsichtigt den größten Theil ihres Betriebes in Neville Island zu konzentriren, wo jetzt Fabrikanlagen, die 510.000.000 kosten, konstruirt werden, Dies hatte bereits zur Folge, daß mehrere Fabriken in Worcester. Mass.. aufgegeben wurden, und auch die Etablissements in C i n c i n n a t i, O.. die Portage Fabrik in Nemburg, N. und die Fabrik in Everett. Wash.. werden wahrscheinlich aufgegeben werden. Von den Weihblech - Fabrikin tverden wahrscheinlich diejenigen in Agnew und Johnstown, Pa.. und Canal Dover, Ohio, nach New Kensington verlegt werden. Die Carnegie Steel Works und die Etablissements der Föderal Steel Company werden ungefähr bleiben, wie und wo sie sind. N e w Y o r k . 9. Mai. Herr William F. Piel. jr.. Präsident der National Starch Mfg. Co.. gab am Mittwoch zu. daß die Kompagnie die Schlietzung ihrer sämmtlichen Fabriken angeordnet habe. Er saqte. daß dies eine
Folge der wahnsinnigen 'jjcaiz-ptru-lation und des Mais-Corners in Chicago sei und die Kompagnie zu den jetzigen, durch die Spekulation unnatürlich in die Höhe getriebenen Preisen kein Welschkorn mehr kaufen werde. Herr Piel fügte hinzu, daß die Kompagnie den Schritt nur gethan habe, um sich zu schützen, und die Fabriken wieder in Betrieb gesetzt werden würden. sobald Mais billiger geworden sei. Präsident McKinley in Californien. L o s A n g e l e s. Calif., 9. Mai.Präsident McKinley und seine Reisegesellschaft kamen am Mittwo auf californischem Boden an. De, Gouverneur Gage und die Kongreßr.'. präsentanten von California warer dem Präsidenten bis Redlands, im Sar Bernardino - Thal entgegengefahren, wo sie ihn im Namen des Staates will kommen hießen. Nach mehrstündigem Aufenthalt in Redlands wurde di Fahrt hierher fortgesetzt, wo der Zu.' am Nachmittag ankam. Die Stadt iß prächtig dekorirt und mit Besucherr überfüllt. Am Bahnhof wurde der Prä üdent von General Shafter. dem Kom mandeur des hiesigen Militär - D; partements und seinem Stäbe empfan gen. Die Offiziere, alle in Gala-Uni form, waren vom Presidio gekommen Von einer Kompagnie Infanterie be gleitet, fuhr der Präsident nach den Vannuys Hotel, wo er mit dem Gou verneur Nash von Ohio und der yioe? Kongreß - Delegation zusammentraf die eine Stunde vorher angekommen war. In der Rotunda des Hotels wur de der Präsident formell von dem Mayor von Los Angeles willkommen geheißen. Am Abend speisten Herr und Frar McKinley in Bioouac". der hüo,cer Residenz des Generals .arrison Gre! Otis. und nach dem Diner fand dor ein Privat-Empfang statt. Gouverneur Nash hielt am Nachmittag ein?n Empfang in der Handelskam mer ab. und eine Anzahl der Herren vor der Gesellschaft des Präsidenten bestie gen den 6000 Fuß hohen Mount Low von wo aus man eine prächti" Aussicht über die südcalifornische Ebene uni den pazifischen Ozean hat. Erhielt den rothen Hut. Baltimore, Md.. 9. Mai. Se bastian Martinelli. Bischof i. p. vor Cphesus und neuernannter Kardinal
empfing aus den Händen des Kardi nals Gibbons den rothen Hut und wurde mit den Gewändern investirt, welch, seinen soeben erhaltenen Rang bezeichn nen. Die Ceremonie, welche die zweit, Stufe bei der Erhöhung zum Kardina' bildet, wurde mit all' dem Pomp, tvtl chen die Kirche bei solchen Gelegenheiter entfaltet, vorgnommen. Die Ceremonie fand in der altehrwürdigen Käthe drale statt, welche das erste Gebäudi dieser Art auf amerikanischem Boder war und in welcher der erste amerikanische Priester und der erste amerikanisch, Bischof ordinirt worden sind. Zahlreiche Besucher. Diplomaten Mitglieder der Legislatur. Journalisten und eine große Anzahl Geistliche, wohnten der feierlichen Handlung bei Unter letzteren befanden sich etwa eir halbes Dutzend Erzbischöfe und 5( Bischöfe sowie andere hohe Geistliche Kurz vor Eintritt in die Kathedral, übergab Kardinal Gibbons im erzbifchöflichen Palais den rothen Hut ar Herrn Marchetti. den päpstlichen Adlegaten in Amerika, worauf kurze Ansprachen seitens der Betheiligten gehalten wurden und die Prozession von Culvert Hall, etwa einen Block von bei Kathedrale entfernt, sich in Bewegung setzte. Der Zug bot durch die Anwesenheit so vieler hoher Kirchenfürsten welche alle in glänzendem Ornat erschienen waren, besonderes Interesse Um 10 Uhr betrat der Zug, nachdem der Kardinal Gibbons vor dem erzbischöflichen Palais sich demselben ai Letzter angeschlossen hatte, die Käthedrale. Der neu ernannte Kardinal Martinelli hatte inzwischen die Käthedrale durch eine Seitenthür betreten und bei der Begegnung verneigten sick die beiden Kirchenfürsten tief voi einander und bestiegen dann die für si bereitstehenden Thronsessel. Sobald sie sich gesetzt hatten, wurde das päpstliche Breve über die Verleihung der Kardinalswürde an Erzbischof Martinelli verlesen. Nachdem das geschehen war, stieg Kardinal Gibbons von seinem Thror herab und begab sich mit seinem Gefolge, den rothen Hut in den Händen vor den Altar. Kardinal Martinelli erhob sich ebenfalls und, von dem Vertreter der Nobelgarde und dem Päpstlichen Kammerherrn begleitet, begab ti sich ebenfalls zum Altar, wo er voi Kardinal Gibbons niederkniete. Dann nahm Letzterer den rothen Hut vor dem silbernen Tragbrette, hob ihn hock empor, sodaß die Gemeinde ihn seher konnte, und setzte ihn dem neuernannten Kardinal auf's Haupt. Kardinal Martinelli erhob .sich da-
rauf und hielt eine rurze mmfriSS ' dann zog er sich in die Sakristei zurück. wo er die Soutane des Erzbischofs. welche er bisher getragen, mit der Pur purrobe des Kardinals vertauschte Dann celebrirte er eine Messe. Erzbi, schof Rvan von Philadelphia hielt die Festpredigt und mit dem Segen dee Kardinals Gibbons endete die imposante eer. S e l b st m o r o. Seattle, Wash., 9. Mai. Eir Mann, der wahrscheinlich R. N. Pollock, der verschwundene Präsident de, Cuyahoga Savings and Banking Co von Cleöeland. ist, hat sich am Mittwoch im Hotel York in hiesiger Stad: erschossen. Außer dem Revolver, mi dem sich der Mann tödtete. wurden in Zimmer noch gefunden: ein Rastrmesser. zwei Unzen ..Rough on Rats" un ein Fläschchen mit 100 Aconit-Tablet.-ten. Alle Papiere, die er im Besih hatte, hat der Mann verbrannt, ehe ei sich tödtete. und eine Jdentifizirunc würde sehr schwer gewesen sein, wenr sich nicht der Name R. N. Pollock au dem Futter des Rockes eingenäht borgefunden hätte. Der Rock trug auch der Namen einer Clevelander Schneiderfirma. Pollock kam am Montag hier an und trug seinen Namen als James Ftshe, ins Fremdenbuch ein. Er wurde an Dienstag nicht gesehen und die Thüi zu seinem Zimmer wurde schließlich erbrachen. Der Mann wurde dann aU Leiche gefunden. Augenscheinlich Hai er sich nicht mehr gerührt, nachdem e, den Schuß, der seinem Leben ein Ende machte, abgefeuert. Pollock, der gu: gekleidet war. hatte noch $30 in der Tasche. C l e v e l a n d. O.. 9. Mai. R. N Pollock, der sich in Seattle erschossen hat. war der Präsident der Cuyahoga Savings & Banking Co. von hier, dik am Montag die Thüren geschlossen hat Er war 38 Jahre alt. verheirathet unr Vater von drei Kindern. Er verschwand vor mehr als zwei Wochen und seitdem hatte man nichts mehr vor ihm gehört, bis heute die Nachricht von seinem Selbstmord eintraf. Ueber den Stand der Bank, die n ruinirt hat, ist vorläufig noch nichtbekannt. Die Untersuchung der Bü cher ist noch mcht beendet, soviel stehi aber fest, daß Pollock, als er die Stadt verließ, das in der Bank befindlich Geld unberührt ließ. Er hatte das Geld der Bank in verschiedene indu ftrielle Unternehmungen gesteckt, die nicht erfolgreich waren. Vti in L o u i s t a n a. New Orleans. La.. 9. Mai. Äladdin Vincent hat am Mittwoch auf seiner Farm. 17 Meilen vom Lake Zharles entfernt. Oelangebohrt. Das Del schießt nicht aus der Quelle herzus. dieselbe ergiebt aber ungefähr 25 öbls. täglich. m- , chWk Die Lage in Jacksonville. ' Jacksonville. Fla.. 9. Mai. Die Milizen, welche die Vorräthe von Lebensmitteln, Kleidern u. s. w. bewahen, die von allen Seiten hier eintreffen. werden wahrscheinlich noch ihre schwere Last mit den Negern haben. Liele der Neger weigern sich unter al len Umänden, zu arbeiten, und dabei erklären sie, wie alle anderen Bewohner acksonvilles zu ihrem Theil der in die Ztadt geschickten Vorräthe berechtigt zu ,'ein. Die Leiche einer Frau Solon Robinon wurde am Morgen in den Ruinen hrer früheren Wohnung gefunden. Sie var die Wittwe von Solon Robinson, oer viele Jahre lang Artikel über Landwirthschaft für die New York Tribune" schrieb, und aus Jndiana gebürtig. Der Exekutiv-Ausschuß des Hilfsffommittees hat beschlossen, sofort zroße Zelte errichten zu lassen, in denen Frauen und Mädchen, die ihren Ledensunterhalt mit Nähen verdienten, beschäftigt werben sollen. Sie werden Kleider für die Nothleidenden anfertizen und anständig dafür bezahlt werden. Gute Aussichten. Harrisburg., Pa.. 9. Mai. Die Arbeiter der Pennsylvania Stahlverke sind benachrichtigt worden, daß som 1. Juni an ihre Löhne uni zehn Prozent erhöht werden würden. Dies kommt beinahe 7,000 Männern zu gut. DasVerbrechenbeiLeaven. w o rt h. Leavenworlh. Kas.. 9. Mai. Zthel Bonnie. die achtzehn Jahre alte Tachter des Maschinisten im Staatszuchthause, die am Dienstag von einem unbekannten weißen Mann niedergeschlagen, geschändet und dann in einer, alten Brunnen gewnrfen wurde, befindet sich noch am Leben, man glaubt zber nicht, daß sie wieder genesen wiro. Von dem Schurken, der das Verbrechen, oerübt. hat man soweit noch keine Spur zefunden. Weitere Depesche ans Seite 5.
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