Indiana Tribüne, Volume 24, Number 229, Indianapolis, Marion County, 6 May 1901 — Page 7
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Dr. J. A. Sutcliffe,;!,stsBlfi!Ült!,b,'am
Wund. Arzt, Geschlecht-, Urin ini ectn' Krankheiten. Offm 155 Oft Market Str. Tel. 941 Cfc-tmiU:: 9 M 10 Nh, on.; t M i Ut 51 Ar. I. Anhler, 206 Oft McEarty-Str. Sprechstunden: 3 til 9 Uhr Vorm., 2 feil 3 Uhr Nachm. ; 8 di 9 Uhr Add. ; Sonntag von 8 bi 9 Uhr Bonn, uni 7 bis 8 Uhr Abend. Tckth 1446. Otto Deppermann, Deutscher Zahnarzt. Majestic Gebeeade. Jier s. 7. 9t. 1 lirkpatrick : ftntxll - W?te?nkytte D rankh te e:mß. WWV?HWW '" We , tzM. t.: Kq Buiiiina, 11 OfttOkioftR Dr. 0, G. Pfaff ftt fttnc Cttte $ be WiKpughbv-Gebäude, ?. 224 Nord S?rr1Wen Ett., erste tagt Wr'.tjt. CfftettiiHkev: Bon L di 4 Hbt !Röirnitco,i U)fcn: L tfct UBsbnanq f.. t W?b?ung befindet mit b tt-z 1887 Nord Penaylvanla t CX C. Everts, Teutscher Zahnarzt, 8 Nord Pennsylvania Sir. ci irb tnf Wunsch ,nqk8Ndt. WALTER FRANZ Sahn-Arzt, W Oft Market-Straße, kossin 9d Sanier 48. Nflct!tiin&n : 8-12 Vm.: 18.: 7- Wrrt Sonntag Don 10 Udr Sn. btl 2 USt fhn. DU, J0S. E. M0RR0W, Dkschlkch und HarnKaskbaZk. so West Qhlo Stf. ßm i h nrüTSäsTa r, L, A. bhcmcK WDftltzU sä: 8k bt?NczRLS frafcr Xiirrt. iT Kri: rt ftirnt rrbtr. k8K.'''.'M!',. MM hlUr tbMitiia( UI vr irr iimi G k ts GJ 3Ctr. 00a. WYH I3M flkr&crt Hich lel t" de 1 1 r x: auf uud isert tt - .4: Bei l i, 'yr. rr K ich an mm m&S& mm tu in IiT 8t ti Inge cl nbtdige Alk a prtti8 -,tr BXtdcn HUri.t 4 CtRtfttcgt V r i l l e N CKch der. fetten Vutfcafttx aiflt na 8ftl 9t 8 81 8 Ksttz?!! Gälte S3d jlinc: Straße. M llnlrvxfiir.rte ladet die Deutsch fr t&tabt nl llmkend u einem jrtntc iattric tn utc 0Htff ecrBitrt, Y reife tri Dei scher .K:1 SsYa .Dior. ectge eetHnfitiV Mdolplz Geidentticker. Florea & Seidenstick er I Advokaten und Notare. 2?i Ei) kelttm Ltk. Telephon 1772. W Gelder f hypothekarische Vich hat M verleih. An vermiethen : Zimmer im MajesticGebsude zu reduzirren Preise. a feinste Offlce-Eeböude in der Stadt. Vollständig femrsicher. Schnelle Fahrftützk alt moderne Bequem ltchkeite. Nachzufragen bei Sl APFEL, Sornici. ffti die Jdiaapoli Ga Gg, y?rm GIERKE, Teutscher :-: Buchbinder. 8, ck8 it.. v m89W908 " MGch AW8WW 8WWW
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Carl Piper,
Roman von Woldemar Nrban.
(Fortsetzung) Ader Sie haben doch eine, gerviffe Erfahruny. wissen mehr als Andere und können" sich auf Ihren geschäftlichen Scharfblick verlassen. Das will Alles nichts he-en. Wenn Sie mich fragen: Was ist's mit den Vlendheimer Acten und was wird daraus werden? so ist das gerade so. als wenn ich Sie fragte: Was ist in vier Wochen für Wetter? Da werden Sie auch sagen: Warten Sie ab. dann werden Sie tl ja sehen. Genau so ist es mit dem Glück von Blendheim. Ich weiß davon nur, was alle anderenLeute auch wissen oder doch wissen könnten, wenn sie Acht geben, daß nämlich diese Actien 'sich als ein überaus gefährliches Sperrüationspapier erwiesen und daß daran viele Leute ihr Geld verloren haben. Und Sie sind nicht der Meinung. Herr Director. daß die Verluste wieder einzubringen sein werden, in Zukunft? fragte Herr von Perlewitz mit etwas zitternder Stimme. Sternfeld antwortete nicht sogleick. Die Aufregung des Gutsbesitzers entging ihm nicht, aber sie ließ ihn kalt. Er dachte vielmehr daran, seiner Jreundin und liebenswürdigen HelftTin, Eva von Blendheim, einen Gefallen zu thun, wie sie ihm gefällig gewesen war. Wenn Herr von Perlewitz .gar so sehr am Gelde seines Schwiegervaters hing, so mochte er auch d Folgen tragen. Nein. Herr von Perlewitz, antwortete Herr Sternfeld nach einer kleinem Pause bestimmt, ich habe dieseMeinun?. nicht. Ich habe vielmehr die Meinuna. daß Jeder froh und glücklich sein kann, der die 'Hände davon läßt und nichts von dem sogenannten Glück von Blendheim" weiß. Diese Auskunft schien dem Herren Perlewitz zu genügen. Er stand auf und erklärte, die kostbare Zeit des Herrn Tirectors nicht weiter in Anspruch nehmen zu wollen, und bedankte sich für die erhaltene Auskunft in fast rührender Weise. Wenigstens rührte sie Sternfeld. denn dieser stand, auck nachdem ihn Herr von Perlewitz verlassen hatte, noch lange nachdenklich am Fenster. Wie zappelten doch die MenscbM alle an demselben Faden, sagie er sich. Man brauchte nur an der Strippe ihres Egoismus, ihres Gejdinteresses zu ziehen, und man hatte sie sofort ganz in seiner Hand. Alle? Nein. Gott jei Dank. Tafle noch nicht. Sei Docwr Fe lif Sellentin hatte Sternfeld auch an der Strippe gezogen und jener hatte stf gar nicht oerührt. Da mußte erst ein anderer, stärkerer Einfluß auftaut". Es wäre doch auch gar zu jammervoll, dacbtc Herr Stcrnfeld, wenn die 27it.. schert alle an derselben Strippe gel 7.7.gen härten. Nun würde Herr von Pcrlewitz rxrmutblich hingehen und seine Verlobung auflösen weil sein zukünftige: Schwiegervater sein Geld verspiel: hatte, konnte irgend ein ve:nii'':i'". Mensch darin irgend einen Zusammc.hang finden? Weil Herr Sternfeld ein wei'.ig den Egoismus des Herrn von Perewitz auf die Beine gebracht, würde nun die ganze Herrlichkeit von 2kU und Treue. Hingabe und Ve:?ini7.:.7 für's ganze Leben zusammenfallen. Wäre das Herrn Sternfelds Schuld gewesen? Warum nicht gar. Er machte sich keine Vorwürfe. Es ist Jedermanns eigene Sefculd, wenn sein Glück in einem solchen Kartenhause wohnt. Sternfeld lächelte sogar selbstzufri:den. Aber neugierig war er doch aus die Entwickelung der wunderlichen Angelegenheit. Es war ihm seinerzeit mit seiner jetzigen Frau ähnlich ergangen. Seine Frau hatte ihm ein kleines Vermögen nicht der Rede werth, einige tausend Mark zugebracht, aber selbst das hatte man dem damals noch arimn Eommis nicht gegönnt. Man hatte Lieschen so lange beschwatzt, bis sie sich mit einem Gerichtsreferendar verlobte, der sich dann Schulden halber ersäioß. Seitdem that sich seine Frau nich:s mehr auf ihr Vermögen" zugute. Da'Trauerspiel mit dc Gerichtsreferendar hatte sie gewitzigt und sie wußte setzt, worauf es in einer guten Ehe ankommt. Director Sternfeld stand noch in solchen Betrachtungen versunken, als der Buchhalter Borgt noch einmal bei ihm eintrat. Herr Director Was ist denn schon wieder los. Voiyt? Ich habe Ihnen doch gesagt, daß ich ungestört sein will! Herr Director. ich bitte um Verzeihung. aber es ist nicht meine Schuld, wenn ich Sie nochmals stören muß. Draußen steht der Gutsbesitzer Gustav Sellentin aus Blendheim. der mir erklärte, nicht von der Stelle gehen zu wollen, bis ich Ihnen gesagt, daß er mit Ihnen zu sprechen verlangt. Verlangt? sagte Director Sternfeld erstaunt. Ja. So trug er mir ausdrücklich auf. zu sagen. So? Sagen Sie mal Voigt. es ist dem Manne wohl geschrieben worden, wegen Deckung. Ja. Herr Director. wie den Anderen auch, wo das die Sachlage erforderlich machte. Gut. Gehen Sie also zurück und sagen Sie dem Herrn, daß ich meinerseits verlanae. nickt mit ibm au lvre-
chen! Und nun lasten Sie Mch n Ruhe. Er soll sich an den betreffenden Beamten wenden. Ich halte nrcht über hundert Leute in der Bank, damit ich schließlich Alles selber besorge. Der Director war ärgerlich. In wenigen Minuten aber hatte er den Borgang wieder vergessen und saß bei seiner Arbeit.
20. Gustav Sellentin konnte also wieder geben. Er war sein Geld los und man verlangte nicht weiter, mit ihm zu verbanheln. Er konnte nun wieder auf sein Dorf hinau-sfahren und ruhig warten, bis man ihn zum Gespött aller Leute zu Haus und Hof hinauswarf und das Gütchen pfändete. nnn er nicht vorzog, sich einen hübschen Baum seines Gartens auszusuchen, an dem er sich aufhängen konnte. Als er die Treppe hinunterging, lachte er laut auf. Die Leute sahen sich nach ihm um, weil das Lachen so hohl, so verrückt klang, und einer der Umstehenden fragte. was ihm fehle. Er antwortete grob und ging weiter. Das Bankgebäude bildete ein Eckhaus und auf der gegenüberliegenden Seite der Nebenstraße war ein Hauseingang. zu dessen rechter Seite eine Bonerische Bierstube war. Es war ein kleines enges, düsteres Local, in dem wohl mehr Weißbier und Schnaps getrunken wurde unpdas die Bezeichnung als Bayerische Bierstube mehr der Renommage halber führte. Auch das Publikum, das dort verkehrte, bestand meist aus Packträgern, Ausläufern und allerlei ssanten der benachbar en Hauptst?at, die rasch und billig eh;'.'.. einen Trunk thun und sich etwas vdk ruhen wollten. In dieses Local ging Gustav &t lentin. Der Eingang in di kv.:. BMI nicht von der Straße, sonlxrn von dem schon erwähnten Hausg'Zng, der durch das ganze, nicht sehr groüe Haus führte und in den Hof des Nack barhauses mündete, durch das man denn wieder auf die Hauptstraße gelangte. Das kleine Haus hatte also zwei Zugänge. ei::cn von der Hauptstraße und einen anderen von der Nebenstraße. Gustav Sellentin. der zunächst suchend und forschend herumging, sah das zufällig, weil er Leute, die vielleicht eine kleine Wegkürzung machen wollten, durch den Gang gehen sah. Er folgte ihnen und sah auf diese Wdse, wie die Lage beschaffen war. Er setzte sich nun in das Local an's Fenster, so daß er das gegenüberliegende Bankgebäude im Auge behalten konnte, zunächst um sich zu beruhigen. Um einen gleichgiltigen Eindruck zu machen 'iahm eine Zenug zur Hand und blätterte darin herum. Es war ihm aber unmöglich, auch aur eine K.i!e zu lesen. Immer wreder schielte er über den Rand der Zeitung durch ! Fenster Iräus und von Zeit zu Zti: murmelte er sogar, ohne daß er ewußte, ingrimmig vor sich hin: Wenn du für mich keine Zeit hast, so habe ich doch welche für dich. Warte nur, Bursche. Du sollst gleich wissen, tver Guftav S?llentin ist. Endlich verließ er die Bierstube wiedc7. nxil er plauzte, durch einen längeren Aufenthalt auch hier Aufschcn zu ericgen, und ging in der Straße und her, immer die Thür im Auge bel'...'.:end. di? in das Ü?an!g:bäude führ-, te. Es urde duntel. Man brannte die Launen an. Punkt sechs Uhr kam Sternfds Wagen und b.ieb, vermuth-iict-weil in dcrHauptstraße zu viel Verkehr war, in d:r Nebenstraße stehen, um seinen Herrn zu erwarten. Das wr der Augcnrlick. auf den Gustav Sellentin schon so lange gewartet hatte. Slcrnfeid. dachie er. iu. nun um die Ecke herumbiegen, um nach seinem Wagen zu gehen und einzusteigen. Das waren kaum vier oder fünf 'Schritte. Während dicser mußte er ihn treffen. Er schlick sich also am Bankgebäude hin und stellte sich einen Augenblick hinter den Wagen. Den Revolver hielt er schußfcrtig in der Tasche. Es dauerte aber doch noch einige Minuten, ehe der Director erschien. Plötzlich bog Sternfeld richtig um die Ecke, den Schirm in der H:nd. den Ueberrock, da es nicht sehr kalt war. üter den Arm gehängt. In demselben Augenblicke sielen zwei Schüsse, einer unmittelbar nach dem anderen, und Sternfeld hielt, als ob er sich dadurch schützen könne, den Arm vor, über dem der Ueberrock hing. Gleich darauf taumelte er aber einige Schritte zurück und faßte nach der Mauer, wie um sich daran festzuhalten. Der Arm schien aber diesen Dienst nicht nhr verrichten zu können und Sternfeld fiel ohnmächtig auf den Fußsteig, Gustav Sellentin sah ihn noch wanken und stürzen, weiter aber nichts. In der Uebereilung ließ er den Revolver fallen und sprang, den Hut fest in die Stirn druckend, über die Straße hinweg in den gegenüberliegenden Hausgang hinein. Es war ihm. als ob Jemand hinter ihm geschrieen hätte: Haltet ihn! oder: Dort läuft er! oder Aehnliches. Er war in einer so köpflosen Bestürzung, daß er nicht genau hätte zu sagen gewußt, was in diesem Augenblick um ihn her passirte. Er sah sein Opfer fallen und lief fort. Weiter wußte er von der ganzen Sache nichts. Als er auf der anderen Seite des Nachbarhauses wieder die Hauptstraße betreten wollte, zögerte er unwillkürlich. Er hatte das Gefühl, als ob er beim Heraustreten gefaßt und unter dem wüsten Halloh der Menge fortgeschleift werden würde. Hinter ihm blieb es still. Entweder hatten
tyn seine Verfolger ln oer Dunkeiyeil verloren, oder sich im Hause verirrt. Sie konnten aber jede Secunde wieder seine Spur finden und da sein. Er mußte also vorwärts auf die Straße hinaus. Das alles schoß ihm wie der Blitz durch das Hirn. Im nächsten Moment stand er schon draußen auf der Straße und ging ruhig weit. Das wunden? ihn fast. Er war also glücklich entkommen und in Sicherheit! Denn wer wollte ihn denn nun in der nach Tausenden zählenden Menge der in der Hauptstraß: hin und her hastenden Leute herausfinden? Um nicht den Anschein der Flucht oder der Eile zu erwecken, blieb er ruhig vor einem Schaufenster stehen. Zufällig hing in diesem Schaufenster ein Spiegel, aus dem ihm unvermuthet sein Gestcht zurückfiel. Unwillkürlich ging er weiter. Er sah fürchterlich aus und konnte seinen eigenen Anblick nicht ertragen. Wie kam es nur. daß ihm die übrigen nicht seine That gleich auf dem Gesicht ablesen konnten? In demselben Augenblicke lief ein Schutzmann in Uniform an ihm vorüber. Wahrscheinlich war er auf der Suche nach dem Mörder. Aber er hatte es offenbar viel zu eilig, als daß er ihn hätte finden können. Dann ging Gustav Sellentin weiter, was sollte er nun thun? Sein Rachegefühl war befriedigt, sein Gegner todt, wenigstens glaubte Gustav Sellentin. daß er todt sei. weil er ihn hatte fallen sehen. Was aber geschah nun mit dem Mörder? Er mußte fort! Das war sein erster Gedanke. Nur das wohin war ihm ein ' -rsel. Nach Blendheim? Warum . : gar. Drrt würde man ihn am a ersten cn fen. Und wenn das auch nicht der Fall war, was sollte er denn in blendheim? Zusehen, wie : -7. ihn zum Bettler machte? Nein, das war vorbei, vorbei für immer. Aöcr wohin? Wohin? Er wußte, wie die Sache jetzt stand, das Licht des T?ges, das ihn beschien, fürchten, sich in irgend einen obscuren verlorenen Winkel verkriechen. Wenn er nur einen fand, der verborgen und sicher 'genug für ihn war. Und selbst dann, wenn es auch für längere Zeit, für immer gelang, seinen Verfolgern zu entfliehen, welche Existenz stand ihm selbst dann bevor? Von seiner Baarschaft konnte er wohl noch einen Monat, wenn er sehr sparsam war. vielleicht auch zwei leben. Und was kam dann? Würde er diesen fürchterlichen und entsetzlichen Zustand, in dem er sich befand, auch nur zwei Taae ausbcilten? In dem Augenblick, als er zielte und schoß, war es ihm gewesen, als ob Sternfeld ihn fest angesehen und mit dem Schirm hatte nach seiner Waffe schlagen wollen. Dazu war es ja nicht gekommen, aber der Blick seines Opfers verfolgte ihn wie ein böser Geist. Immer sah er wieder den Mann vor sich, wie er halb erstaunt, halb drohend und erschrocken ihn fest ansah. Gustav Sellentin war davon überzeugt, daß ihn der Blick wahnsinnig machen mußte, wenn er ihn nicht wieder aus dem Gedächtniß los wurde. Es war eine fortwährende seelische Qual, der sein Kopf und seine Nerven nicht gewachsen waren. Seine Nerven waren jetzt schon überreizt. Er konnte sinnen, wie er wollte, und Hinblicken, wo er wollte, er sah keinen Ausweg, keine Rettung, keine Zukunft, und was ihm im grauenhaften, ungewissen Dunkel als seine Zukunft erschien, das war zu gräßlich, als daß er hätte daran glauden mögen. Immer näher und nähcr kam ihm der Todesgedanke, der Gedanke an den Selbstmord, an sein eigeries Ende. Das Glück von Blendheim" forderte, wie die alten sagenhaften. gefräßigen Ungeheuer, immer neue Opfer. Eben war es Director Sternfeld und nun war es der Gutsbesitzer Sellentin selbst, der in den unersättlichen Schlund hinabgezogen wurde. Das war ein schönes ..Glück", das lockend und lachend, höhnisch und hämisch die Menschen wahnsinnig machte und einen nach dem andern in die Grube stieß. Man hätte die neue Unternehmung nicht ..das Glück", sondern den Fluch von Blendheim" nennen sollen. Oder war die Unternehmung an sich unschuldig, und hatten dieMenschen sie erst zu dem gemacht, was sie ihnen nun wurde? Das Leben auf denDtraßen, durch die er ging, erstarb aumälig. Müde, abgehetzt, geängstet stand er plötzlich auf der Jannowitzbrücke still, ohne daß er gewußt hatte, wie er dahin kam. Er sah den dunkeln quirlenden und plätschernden Fluß unter sich, der im Widerschein der Uferlaternen unheimlich brodelnd und gurgelnd dabwfloß. Er lief wieder fort, weiter auf feiner Leidensstraße. furchtsam und ängstlich, als ob er davor erschrecke, daß er in der Verzweiflung der Verfolgung vielleicht doch sich über das Gitter schwang und hinab in die Fluth sprang. Wieder lief er in den Straßen umher, unschlüssig, was er thun solle, ein wahres Bild des bösen Gewissens, und nach etwa einer halben Stunde stand er wieder auf der Brücke. Das passirte ihm in dieser Nacht dreimal. Es war, als ob ihn eine geheimnißvolle Macht wie an den Haaren nach der verwünschten Brücke hingezogen hätte. Er lief immer im Kreise herum, so sehr er sich auch Mühe gab. das zu vermeiden, und kam infolge dessen immer wieder auf denselben Punkt, als ob darin ein Fingerzeig des Schicksals läge. Mußte er wirklich da hinunter? In den kalten, schmutzigen, unheimlich finftern Fluß, in das nasse Grab? Das beste wäre es wohl gewesen. Dann
war es mir einem Mal aus uno vorbei. Aber noch schauderte er zurück. Diese letzte, große Brutalität gegen die Natur dünkte ihm doch gar zu graßlich. So trug er sein Elend weiter. Aber auch die Angst, daß man ihn greifen und fangen könnte, steigerte sich von Minute zu Minute. Dieser Jubel und diesesHohngelächter, wenn es in Blendheim hieß: Man hat den Gustav Sellentin in Berlin als Meuchelmörder aufgegriffen und wird ibn wohl zum Tode verurtheilen. Die Aufregung, die Procedur selbst nein! Das ertrug er nicht. Alles nur das nicht. Er konnte vor Müdigkeit kaum noch gehen und stehen. In einer einsamen Straße, durch die er lief, fah er von weitem noch eine einzelne Laterne, und als er näher kam, erkannte er, daß es eine von den vielen Nachtklappen war. die ihre Gäste bis um zwei Uhr in der Nacht behalten dürfen, dann aber weiter schicken mußten. Es konnte kaum Mitternacht fein. Er hätte also eine Stunde oder zwei noch da drinnen
schlafen können. Aber auf der Treppe, die in das Kellerlokal führte, standen zwei Leute, an denen er hätte vorbeigehen müssen. Er zögerte, das zu thun und hörte dabei unwillkürlich bas Gespräch, das die beiden führten. Was? fragte der eine erschrocken oder doch überrascht, am hellen, lichten Tag? Kurz nach sechs Uhr. auf offener Straße, mitten unter Tausenden von Leuten. Der Mann muß verrückt gewesen sein. Sie haben ihn nicht? Nein! Die Schutzleute sind zu Hunderten aufgeboten, Geheimpolizisten haben alles umstellt und die ganze Gegend abgesucht. Und nichts gefunden? Nichts. Und der andere ist todt? Ich weiß nicht. Man trug ihn für todt fort. Morgen früh werden wir's ja in der Zeitung lesen. Wird sich hübsch machen. ..Ter Mord in der Fi'.edrichstraßi", oder ähnlich, und die guten Berliner Spießbürger werden die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und werden sagen, daß man ja in den Abruzzen sicherer sei als in dem Herzen von Berlin. M-aß doch ein rabiater Kerl gewesen sein. Da soll man noch einmal etwa? von uns sagen, wenn wir einmal ein bishen frech mit dem Brecheisen cperi ren. Da sind wir ja die reinen Waisenkinder dagegen. Damit gingen die beiden Männer, die eben aus dem Lokal herauskamen, weiter, die Straße entlang. Gustav Sellentin fühlte plötzlich einen heftigen Frost, der ihn so durchschüttelte, daß seine Zähne klappernd aneinanderschlugen. Er wußte nun schon, wo er war. Das war einer von den berüchtigten Verbrecherkellern, von denen er immer in den Zeitungen gelesen und geglaubt hatte, die Leute hätten sich diese Schauergeschichten aus denFingern gezogen. Nun stand er davor. Er war auf seiner richtigen Straße. Da gehörte er hin. Sogar die gelernten Spitzbuben entsetzten sich vor seiner That und waren gegen ihn ..die reinen Waisenkinder"! Gern wäre er wieder weiter gegangen, aber es war unmöglich! Er wäre zusammengebrochen. So stieg er denn die Stufen hinunter, Schritt für Schritt, immer tiefer und tiefer. Er hatte so etwas wie eine Ahnung, als ob er in eine Falle gegangen wäre, welche die Berliner Polizei gut kennt und eben für das Gelichter seinesGleichen aufstellt. Aber Fieber und Entkraftung verwischten und verwirrten schon seine Gedanken und machten ihn immer unempfindlicher für das. was um ihn her vorging. Das Lokal, in das Gustav trat, war ein mäßig großer Raum, in dem gerade so viel Tische und Stühle untergebracht waren, als überhaupt möglich war. Dem Eingang gegenüber stand eine Art Büffet oder Ausschank. in dem der Mrth mit seinen Gläsern und Tassen hantirte. hinter dem Büffet befand sich eine Thür, die gerade offen stand. Gustav Sellentin sah. daß sif in einen finstern Raum führte, der, soviel er bemerken konnte, mit allerhand Vorräthen des Wirthes, Fässern und Flaschen, Cigarrenkisten, einer kleinen Leiter, Aufwaschkübeln, Scheuerlappen, Besen und ähnlichem Hausrath angefüllt war. Das ist wahrscheinlich ein Versteck oder ein zweiter Ausgang für den Nothfall, dachte Gustav Sellentin, der für derartige Lokalbeschaffenheiten ein gewisses Interesse hatte. Es waren etwa zwanzig oder einige zwanzig Personen im Lokal. Als Gustav Sellentin bleich und verstör' in das Lokal hineinftolperte, machte das einen Eindruck, wi? wenn sich etwa ein Fremder an einenStammtisch ooer in eineGesellschaft eindrängt, die gewohnt ist. unter sich zu sein. Man hob den Kopf neugierig in die Höhe und fchaute den Fremden verstohlen an. die Gespräche verstummten und an ihre Stelle rrat ein leises Flüstern und halbunterdrücktes Fragen und Tuscheln, aus . dem man nur einzelne Worte und abgerissene Sätze vernehmen konnte. Wie? fragte Jemand, der Nicht recht verstanden hatte. Weiß nicht, antwortete ein anderer achselzuckend, indem er prüfend nach Sellentin hinsah, habe ihn nie gesehen. Muß ein schwerer Junge sein. Sieht verflucht verpetzt aus, fügte ein Dritter flüsternd bivi:? (Fortsetzung folgt.)
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