Indiana Tribüne, Volume 24, Number 217, Indianapolis, Marion County, 24 April 1901 — Page 1
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ssees Jndiann C3i3 TaHe und 5onntazsblatt lOc per Woche. Erscheint jeden Uarhnrtttag und Sonntag Morgens. Jahrgang 24. Jndmnapblis, Ind.. Mittwoch, den 24. April 1901. v No. 217
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Ueber den Besuch des sranzöfischen Ministers Telcasse in Zt. Petersbürg. , I Allgemeinen legt man ih:n in: nig Wichtigkeit bei. D Verschiedenes aus China. Die deutsch russischen yietzml' ycu. Bon der deutschen Presse wieder aifc mein erörtert. D e r Besuch des Herrn Delcasse in St. Petersbürg. St. Petersburg. 24. April. Die Thalsache, daß der französische Minister des Aeuheren. Herr Delcasse. bei seiner Ankunft Hierselbst, außer von dem französischen Botschafter. Graf von Montebello. nur von einem Untersekretär im auswärtigen Amt empfangen wurde, wird als Beweis dafür angesehen, daß der Besuch des französischen Ministers kein Ereigniß von großer Bedeutung ist. Die rufstsche offizielle Welt ist anscheinend froh. Herrn Delcaffe empfangen zu können, sie ist aber der Ansicht, daß die Reift nicht nöthig war. um die Stabilität der russisch-französischen Allianz zu sichern oder auch nur um wichtige Geschäfte zu erledigen. Man erinnert sich, daß der Besuch, den seinerzeit Herr Delcasse bei dem früheren Minister des Aeußeren. Graf Muraview. gemacht hat. auch ohne besonders wichtige Resultate war. Es heißt, daß Herr Delcasse Hauptsächlich gekommen sei. um eine Menge oon Einzelheiten zu erledigen, die sonst eine lange Korrespondenz nöthig machen würden. Es wird offiziell in Abrede gestellt, daß es sich um eine russische Anleihe handelt oder daß die chinesische Angelegenheit eine Unterredung unter vier Augen nöthig mache. Auch glaubt man nicht, daß Herr Delcasse zu einem solch außergewöhnlichen Mittel gegriffen hat. um die Ersetzung des jetzigen russischen Botschafters in Paeis, der ihm nicht genehm ist, durchzusctzen. Im Allgemeinen ist man hier der Ansicht, daß Herr Delcasse die Reise unternommen hat. um in Paris den Ilauben zu erregen, daß er die Nation gerettet habe, mit der Absicht, eventuell zu dem Amt des Premiers emvorzurücken. Eine Version, welche trotz der offenbaren Widersinnigkeit hartnäckig festze-'-alten wird, ist die, daß die französische Regierung von zuverlässiger Quelle Rachrichten über einen Plan erkalten habe, welche die Absicht eines englischdeutschen Krieges gegen Frankreich enthalte, wahrscheinlich in einer der kommerziellen Interessensphären. Herr Delcasse soll diesen Plan dem russischen Botschafter in Paris mitgetheilt hab?n, -reicher indessen die ganze Angelegenheit für einen schlechten Spaß erklärte. Damit habe sich indessen Herr Del:zi nicht zufrieden gegeben, sondern er habe sich telegraphisch an den russischen Minister des Auswärtigen. Graf Lamsdorff. gewandt, ob ihm sein Belh in-St. Petersburg zur persönlichen ksprechung der Angelegenheit genehm ei, und Graf Lamsdorff habe mit GeEinigung des Kaisers bejahend geantvortet. Herr Delcasse hat dem Grafen Lamsrorff ds Großkreuz der Ehrenlegion überbracht. Berlin. 24. April. Die Rationalzeitung bemerkt zum Besuche Del:asse's in Petersburg, daß die gemeinsame Aktion von Deutschen und Franzosen bei der augenb licklichen Ezpedition gegen die Vertragsbrüchigen Chilesen, in Rußland übel vermerkt woroen sei. Rußlands Studenten. St. Petersburg. 24. April. Der Rektor hat am Dienstag die Stuoenten benachrichtigt, daß der Untercichtsminister Graf Bannoffsky sich geweigert hat, die Prüfungen bis zum Herbst zu verschieben, oder den Studirenden irgend welche anderen Konzessionen zu machen. Obgleich der betiebte Professor Petroicky die Studenten bat. nichts zu thun, was es dem liberalen Minister schwer machen würDe, seine wohlwollenden Absichten auszuführen, so beschlossen die Studenten Doch mit 684 gegen 649 Stimmen, nicbt m den Prüfungen Theil zu nehmen. Doch beschlossen sie. sich aller DemonKationen zu enthalten. Das elektrotechnische Institut, die IngenieursSchule und die medizinische und akaoemische Abtheilung der weiblichen
Kurie werden sich ebenfalls gegen
Theilnahme an den Prüfungen ent- ; scheiden. Die aufrichtigen Freunde der Studenten bedauern diesen Schritt und sind der Ansicht, daß die Studenten die Zurückberufung der Entlassenen als ?inen Gnadenakt seitens der Regierung anerkennen und keine Konzessionen zu erzwingen suchen sollten. Aufgeklärt. L o n d o n , 24. April. Seit einigen Tagen war hier das fsxfationelle (Btröcht verbreitet, daß König Eduard ei- j ner rau Harimann, eine Ämerilanerin und Mitglied der vornehmen Gesellschaft, die an Berkeley Squar wohnt, White Lodge, Richmond Park, für ihren ausschließlichen Gebrauch auj Lebenszeit überlassen habe. Da Whitt Lodge eine der begehrenswertheften, da königlichen Familie gehörigen Residenzen ist, hat das Gerücht nicht geringes Aufsehen erregt und der Rame des Königs wurde sogleich in unliebsamer Weise mit demjenigen der Frau Hartman in Verbindung bracht. Dies hatte zur Folge, daß nun von maßgebe luv v . v L) uu ü r Seife eine Erklärung über, dic saktion abgegeben wurde. Siü Tran lautet wie folgt: Frau Hartman. der von dem König Eduard die Benutzung von Whit Lodge" (Richmond Park) gestattet roorden ist. ist keine Amerikanerin und hat keine Verbindung mit Amerika. Auch hat der König der Dame das Schloß nicht zur Benutzung überlassen". Die Sprache ist irreführend. Thatsächlich hat Frau Hartman auf lange Zeit das Schloß gepachtet, das seit dem Tode der Herzogin und des Herzogs von Teck ein weißer Elephant in Händen der königlichen Familie war. Es waren ausgedehnte Reparaturen zu machen und Verbesserungen vorzuneh: men und außerdem kostete es viel Geld, den Platz ordentlich im Stande zu halten. Und weder der Herzog und die Herzogin von Aork und Cornwall. noct die anderen Mitglieder der königlichen Familie waren im Stande, oder hattcr. Lust dazu, das zu thun. Frau Hartman ist außerordentlich reich; sie hat ein prächtiger Haus an Berkeley Square; ist eine Schwester dei Gräfin de Jacourt von Paris und wai niemals eine Freundin des Königs. iaf Tolstoi aus Rußland ausgewiesen. W i e n . 24. April. Einer hier eingetroffenen Spezialdepesche zufolge soll der Zar eijn Dekret unterzeichnet haben, demzufolge der Graf Leo Tolftoi aus Rußland ausgewiesen wird. Das Dekret sofidem Grafen bereits eingehändigt worden sein. Die neuen deutschen Zölle London. 24.- April. Eine Depesche aus Berlin zufolge werden die folgenden Zollsätze die Grundlage für die von Deutschland abzuschließenden neuen Handelsverträge bilden: Weizen, Roggen und Hafer 5 Mark per 100 Kilogramm; Mais 2i; Ger stenmalz 54; anderes Malz 8; Stiere., Kühe und Kälber 5 Mark per 100 Ki- j logramm: Ochsen 9, Schafe 5 unt j Schweine 8 Mark per 100 Kilogramm Der Untergang des Trans! Port - Dampfers A s l a n". j Konstantinopel. 24. April, j Den letzten Nachrichten aus Jeddah zu-; folge sind bei dem Stranden des tür-, tischen Transport-Dampfers Aslan". ! bei Jembo an der arabischen Küste.! 180 bis 200 Personen ertrunken. Die , Matrosen und Soldaten kämpften tv'u i verzweifelt um den Besitz der wenigen Boote, die sich auf dem Dampfer befan- j den. t Der Kapitän und ein Theil bei; Mannschaft bemächtigten sich schließlich; der Boote, mit denen sie das Schifs, verließen. Die Soldaten und Mekka- j Pilger, von denen sich 300 an Bord be-' fanden, wurden gewaltsam von den! Booten ferngehalten. Die Ueberleben , den wurden 48 Stunden nachdem das Schiff aufgelaufen war von Booten. die von der Küste kamen, gerettet. Die Mordthat bei Char. tres. C h a r t r e s. Frankreich, 24. April Der Verdacht, die für?f Kinder des Farmers Briere, der in der Nähe hiesiger Stadt wohnt, ermordet zu haben, fällt jetzt auf den Vater der Kindes selbst. Es scheint, daß Briere die Kin-! der in trunkener Wuth tödtete, denn es ; ist bekannt, daß er den ganzen Abenc : getrunken hatte. Auch von den beider j Landstreichern, die angeblich die Thatj verübt haben sollen, ist keine Spur ge-! funden worden. Auffallend ist, das! während die Kinder mit einem Hami mer oder einem Knüppel erschlager wurden, der Vater nur gestochen uni verhältnißmäßig leicht verletzt wurde Das Messer mit dem die Wunden verursacht wurden, gehörte in das Haus I und eine blutbefleckte Jacke, die Brienl gehörte, wurde im Hof, unter einem j Strohhaufen versteckt, acwnden. Brieri j
wurde verhaftet. Als er mtt den fcetchen seiner ermordeten Kinder kznfron tirt wurde, blieb er ganz ruhig. Wird versetzt. Rom. 24. April. Monsignol Francais Tarmassi. päbstlicher Nuntius bei der Regierung im Haag, soll zum Apostolischen Delegaten in der Vereinigten Staaten ernannt werden. Aus China. London. 24. April. Einer Depesche aus Peking zufolge ist Li Huno Chang in einem kaiserlichen Edikt streng dafür getadelt worden, daß nachdem die Franzosen und Chinesen sich auf eine westliche Grenze geeinigt hatten, die Deutschen, die die Sache gar nichts anging, westlich marschirter und die Chinesen bedrohten. In den Edikt soll Li Hung Chang den Befehl erhalten haben, die angedrohte Expedition zu verhindern, widrigenfalls el für die Folgen verantwortlich gehalten würde. Der Kaiser erklärt auch in den Edikt, daß die Vizekönige von ankin und Hankow beauftragt wurden, x, Hung Chang und dem Prinzen ChinZ bei den Unterhandlungen mit der Mächten berathend zur Seite zu stehen daß Li Hung Chang sich aber nicht ini Geringsten um ihre Ansichten kümmere Er wird deshalb aufs Neue angewiesen, in Zukunft sich in allen wichtigen Angelegenheiten mit den beiden anderen Vizekönigen zu berathen. Peking, 24. April. Die Gesandt ten von England. Frankreich, Amerika Holland. Belgien und Italien, die mil der Aufgabe betraut worden waren, zu bestimmen, welche und wie viele del chinesischen Provinzialbeamten noch bestraft werden sollen, haben dem diplomatischen Korps einen Bericht unterbreiter, in dem die Enthauptung ran vier weiteren Beamten und die sonstig Bestrafung von 80 anderen, durch Degradirung etc., verlangt wird, Di Forderung wurde sofsrt den cbinesischeu Friedensbevollmächtigten zugestellt. Feldmarschall Graf von Waldersee hat denVorschlag gemacht.daß dasThol zur Verbotenen Stadt" von den Amerikanern ge.'äumt und von deutschen Truppen besetzt werde. General Chaffee hat indessen erwidert, daß die Amerikaner vorläufig noch die Wachen ain Thore beibehalten würden. Hierüber sind die Deutschen ärgerlich, da es Mißtrauen in ihre Ehrlichkeit setzt, unc sie sagen, daß die Amerikaner, falls sie die Polizeiaufsicht in der Stadt mit durchführen wollten, genügend Truppen für diesen Zweck zur Disposition haben sollten. Daß die paar Mann, welche sie zum Schutze der Gesandtschaft in Peking haben, das Thor, welches innerhalb der deutschen Quartiere liegt, besetzt halten sollten, könne nicht gestattet werden. Falls General Chaffee bei seiner Weigerung bleiben sollte, wird man zu diplomatischen Verhandlungen greifen müssen. Berlin. 24. April. Die Kölnische Volks - Zeitung" enthält ein Schreiben von einem deutschen Missionar in China, in dem behauptet n.'-d daß sich die Boxer im südlichen Theil der Provinz Pe Chi Li abermals auj einen großen Aufstand vorbereiten, namentlich in der Umgegend von Kuanc . Ping Fu und Nai Hing Fu, wo die Bevölkerung wegen der allgemeiner Verarmung, in Folge schlechter Ernten mit den Boxern sympathisirt. Der Korrespondent erklärt auch, daf Au Hsten. der frühere Gouverneur vor Shan Si, dessen Hinrichtung weger, der Ermordung einer Anzahl Mission näre und ihrer Familien, im Ganzer 54 Personen, dekretirt worden ist. entfloben und alle Spur von ihm verlorer s. Aus dem deutschen Reich Berlin, 24. April. Der Kaise, Wilhelm hält das Gerücht von einer beabsichtiqten Verschwörung gegen fein Leben für eine ..Tartaren Nachricht ; er billigt aber die Schritte, die von der Behörden gethan werden, um ein mögliches Attentat zu verhindern. Die Kaiserin las einen Bericht übel die Verschwörung und sie warnte sofort den Kaiser, dieser lachte aber übe, die Angelegenheit und es gelang ihn, sie zu beruhigen. Auf Veranlassung des Kaisers wiri jetzt eine Vereinigung der deutschen Männergesangvereine vollzogen. Ek geschieht dies vornehmlich, um es möglich zu machen, daß reguläre Preise für die Komposition melodiöser, gef'ihlvoller Volkslieder ausgesetzt wer oen können, dercn meisterhafte Wiedergäbe der Kaiser außerordentlich liebt Der Kaiser hat versprochen, zu derr Fonds 30,000 Mark beisteuern zu wollen. Auf ausdrücklichem Wunsch deß Kaisers, werden die deutschen Gesang vereine im Ausland, namentlich diejenigen in den Ver. Staaten, ersucht werden, der Föderation bei.lukrcten.
Dle kurzlichen Aeußerungen der ruifischen Presse geben den deutschen Zeitungen wieder einmal Gelegenheit, sich übe? die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland auszulassen unc selbst die russenfreundlichen Zeitungen geben zu. daß sich in Rußland eine Deutschland feindselige Stimmung immer mehr bemerkbar macht. Ein in dem St. Petersburger Viedomosti", dem Organ des Fürsten Uchtomsky, erschienener Artikel erregt all gemeine Aufmerksamkeit. Die Kreuzzeitung" veröffentlicht den vollen Text, um zu zeigen, daß die telegraphisch berichteten Auszüge sehr milde herabgestimmt worden waren, während der Artike! selbst außerordentlich deutschfeindlich ist. Als die Aufmerksamkeit offiziell Kreise speziell auf das Verhalten "bcr russischen Presse aufmerksam gemacht wurde, wurde geantwortet, daß die BeZiehungen zwischen Deutschland unt Rußland durchaus befriedigender Art seien. Die Aeußerungen der russischen Presse." sagte ein hoher Beamter, mögen die deutsch-feindlichen Gefühle gewisser offizieller Persönlichkeiten in Sl Petersburg repräsentiren, Rußland iy aber kein homogenes Land und die verschiedensten Ansichten herrschen in del Bevölkerung vor." Der Geburtstag des Königs Albert von Sachsen wurde am Dienstag allgemein in ganz Sachsen gefeiert. Der Kaiser Wilhelm kam am Mittag in Strehlen an und er verbrachte den Rest des Tages im königlichen Schloß zu Strehlen, wo er mit dem König Aibert und seiner Familie speiste. Am Abend um 8 Uhr fuhr der Kaiser nach Bonn weiter. Er wird in Halle mit dem Kronprinzen zusammentreffen und Vater und Sohn werden von da aus die Reise gemeinschaftlich machen. Die Behörden von Bonn haben di? weitgehendsten Vorsichtsmaßregeln , für die Sicherheit des Kaisers getroffen. Polizei-Verstärkungen sind von Düsseldorf. Köln und Elberfeld herangezogen worden. Halboffizielle Nachrichten von P.'rsonen. welche dem Finanzminister Dr. Miguel nahe sieben, besagen, daß di:
englische Zuckersteuer der Ausfuhr deutkoen-Zuckers nach den Ver. Staaten via England, um die Differen 11: zolle zu vermeiden, ein Ende machen wird. Die deutsche Shakespeare-Gesellschaft hat den Großfürsten Konstantin üov. Rußland für die Uebertragung Hamlets ins Russische zum Ehrenmitglied erwählt. Bremerhaven, 24. April. Der Dampfer Halle" vom Norddeutschen Lloyd, der am Dienstag von Buenos Ayres hier ankam, wurde von der Polizei genau nach dem Anarchisten Romagnoli durchsucht, der angeblich durch das Loos bestimmt worden sein soll, den Kaiser Wilhelm zu todten, es wurve aber keine Spur von ihm gefunden. Es befand stch jedoch ein anderer verdächtiger Italiener an Bord, dem zwar erlaubt wurde, sich ans Land zu begeben, der aber von der Polizei scharf berwacht wird. Nachrichten von Graf Wald e r s e e. Berlin. 24. April. Im Krieg-5-Ministerium sind die folgenden Nachrichten von Graf Waldersee aus Peti.-.a eingetroffen: Die Patrouillen, die nach dem Kal-gan-Distrikt ausgeschickt wurden, fanden dort keine chinesischen Truppen vor. Li Hung Chang hat mich benachrichtigt, daß die Truppen des Generals Liu sich bereits am Mittwoch letzter Woche in die Provinz Shan Si zurückgezogen hätten. Der Mörder des Hauptmanns Bartsch vom Zweiten Jnfanterie-Regi-ment wird an der Stelle, wo er das Verbrechen begangen hat, hingerichtet werden." In einer zweiten Depesche meldet Graf Waldersee: Die Kolonnen unter General Bailloud und General von Ketteler sind an der großen Mauer angekommen, wo sie die Grenze von Sban Si bildet, ohne auf Widerand gestoßen zu sein." ErzherzogFranz gemäßregelt. London, 24. April. Einer Depesche aus Wien zufolge soll infolge des unliebsamen Aufsehens, das die kürzliche Rede des Thronfolgers, Erzherzog Franz Ferdinand, gemacht hat. der Erzberzoq auf Befehl des Kaisers seine Verbindung mit der Katholischen Union gelöst haben. SchiffSnachrichten. R e w ?? o r k, 23. April. Angekommen: Kaiser Wilhelm der Große" von Bremen; Aller" und Scotia" von Genua. Bremen, 23. April. Angekommen: ..Rbein" von New Nork.
Eiknöahlt Zleöcrfall'. Ein Zug der Choctaw, ArkansasGulfR.Jj.
In Arkansas von sechs IatiDiici ausgeraubt. Der farbige Porter des Zuges 1 bcnsgefährlich verwundet. Lynchgericht in Springfield, Tenn Aus 76,000 Mann Soll die reguläre Armee bestehen. int Toktor.Rccknung von 190,000, . Tas Einkaisiren wird seine Echwicrig ketten haben. Ueber die Niagara Fälle iu den Tod Eisenbahn - Hebers 11 Memphis. Tenn., 24. April. - Der Expreßzug der Choctaw. Oklahoma und Golf R. R., der um 11.4( Montag Aceno von hier abging, wura, um ungefähr Mitternacht bei Bridgl Junction. Ark.. von ungefähr sech; maskirten Banditen, angehalten und be raubt. Der farbige Porter, Drem. wurde von einem der Räuber geschosser und lebensgefährlich verletzt. Der Schauplatz des Ueberfalls f eine einsame Eisenbahnkreuzung, viel Meilen vom Fluß entfernt. Der Zuc hatte, nachdem er den Fluß gekreuzt, ir Bridge Junction, Art., angehalten. Ar. dieser Stelle wurde er von sechs maskirtcn Männern, ungesehen von den Zugpersonal, bestiegen. Als der Zuo an einer, eine halbe Meile westlich von Jron Mountain ' Crossing entfernter Stelle angekommen war, wollte der Expreßbote Meader von dem Gepäckwagr nach dem Expreßwagen gehen, als v'i ober die Thür öffnete, sah er sich viei maskirten Männern gegenüber, die ihrr zwei Revolver und zwei Schrotgewehrk entgegenhielten. Er wurde sofort von einem txr Räuber gepackt, der ihm der Revolver, den er an- einem Gürtel trug, abnahm. Der Zug fuhr um diese Zei! langsam und er kam bald ganz zum Stehen. Die beiden anderen Räuber, die sick auf der Hinteren Platform des zweiter Waggons befanden, hatten sich inzwischen des Porters Sidney Drew bemächtigt und ihn gezwungen, die ersten beiden Waggons von dem übrigen Zug loszukuppeln. Drew weigerte sick zuerst und folgte erst dem Befehl, als einer der Räuber ihm eine Kugel in den Schenkel geschossen hatte. Zwei der Banditen hatten stch inzwischen auj die Lokomotive begeben und zwangen jetzt den Lokomotivführer Johnson, eine halbe Meile vorauszufahren. Dei Platz, wo die Lokomotive anhielt, befindet ich inmitten eines Sumpfes unt 15 Meilen von der nächsten Wohnstättk entfernt. Das Geleise ist 15 Fuß höher als das Niveau des Sumpfes. Als die Lokomotive anhielt, spranz George Ward, ein 17 Jahre alter Knabe von Cincinnati. der als blinde: Passagier in dem Gepäckwagen mitgefahren war, ab und er flüchtete sich in das Schilf, ein Schuß von den Räubern brachte ihn aber wieder zum Zu zurück. Der Anführer der Bande, de: einzige, der völlig ruhig war, während die anderen alle sehr aufgeregt schienen und sich wie Neulinge im Geschäft benahmen, befahl dann dem Expreßboten unter Todesdrohungen, den kleinen Geldschrank zu öffnen. Meader gehorchte dem Befehl und die Leute ließen schnell den Inhalt des Geldschrankes in einem mitgebrachten Sack verschwinden. Meader und Ward erhielten dann Befehl, sich in den vordersten Waggon, den Gepäckwagen, zu begeben. Der Expreßbote befolgte den Befehl vielleicht nicht schnell genug, denn der Räuber, der mitging um ihn zu bewachen, versetzte ihm mehrere heftige Schläge mit seinem großen Revolver über den Kopf und er fuhr auch noch fort ihn zu mißhandeln, als er in dem Waggon angekommen war. Die anderen Räuber sprengten dann den großen Geldschrank, den Meader nicht öffnen konnte, mit Nitro Glycerin. Die Thür wurde ganz abgesprengt und 20 Fuß weit fortgeschleudert. Der Inhalt des Scbrankes wurde dann ebenfalls in den Sack gethan und die Banditen sprangen dann ab. Der Lokomotivführer fuhr so schnell wie möglich zurück, um den Rest des Zuges zu holen, er mußte aber bis nach dem 12 Meilen entfernten Edmonson fabren. ehe er den Ueberfall melden konnte. Der Superintendent telegraphirte sofort nach dem Sträflingslager ir, öulbert. das sick fünf. Meilen dies-
"erts von czm &Xiüvuc? ocs "e Zerfalls befindet, daß Bluthunde geschickt werden sollten. Diese konnten aber nichts ausrichten, da die ganze Gegend überschwemmt ist. Auf wie hoch sich die Beute der Räuber beläuft, ist nicht bekannt. Die hiesigen Detektivs haben eine ziemlich gute Beschreibung der Räuber erhalten. Unverschämte Forderung. P i t t s b u r g, Pa., 24. April. Die Testamentsvollstrecker des verstorbenen Senators C. L. Magee haben die Rechnung des Doktors Walter C. Brownmg, welcher für ärztliche Dienste während der letzten Krankheit Magee's 5190.000 verlangt, dem Wanengericht von Allegheny County zur BegutacytuNa überwiesen, dessen Genehmigung sie abwarten wollen, ehe die Rechnuno beglichen wird. Herr H. S. Stewart, einer der Testaencsvcllstrecker. erklärt die Rech, nung für übertrieben hoch und daß die Testamentsvollstrecker zu ihrer eigenen S:ch?rl eit dieselbe beanstanden mutzten 7. Browning soll erklärt haben da st M z.iee ihm für seine Dienste soqal Z30,000 habe aussetzen wollen unt daß die von ihm eingereichte Rechnuno dem zwischen ihm und Magee getroffenen Abmachungen entspräche. Die bevor st ehende Hinrichtung Black Jack" Ketch u m ' s. Denver, Col.. 24. April. BlacZ Jack" Ketchum, der Eisenbahn-Räubei und Mörder, wurde am Dienstag von Santa F nach Clayton, N. M.. gebracht, wo er am Freitag hingerichte! werden wird. Der Mann wurde aus einem Spezialzug nach Clayton gebracht und er war von einer starken Abtheilung gutbewaffneter Männer bcgleitet, die ihn auch im Gefängniß zu Clayton bis zu feiner Hinrichtung bewachen werden. Es heißt, daß die gefährlichster Desperadoes im Slldwesten sich vereinigt hätten, um ihren notorischen An.führer gewaltsam zu befreien. Wollen ins Gefängniß. W i ch i t a. Kas., 24. April. Frar Carrie Nation, Frau Lucy Wilhite Frau Julia Evans und Frau Lydia Muntz, die vier Frauen, die vor ein paar Monaten in hiesiger Stadt mehrere Wirthschaften zerstört haben, haben beschlossen, keine Bürgschaft zu leisten und ins Gefängniß zu gehen. Du Bürgschaften der vier Frauen sind abgelaufen oder widerrufen worden uni sollten am Mittwoch erneuert werden Die U e be r s ch w e m m u n g . Hdntington, W. Va.. 23. April. Der Ohio erreichte am Abend hier eine Höhe von 56 Fuß und stieg noch ungefähr einen Zoll in der Stunde. Die 2. Avenue und ein Theil del 3. Avenue stehen ganz unter Wasser. In den Straßen von Catlettsburg. Ky.. steht das Wasser sechs Fuß hoch. M a r i e t t a, O., 23. April. Da Fluß war am Morgen stationär rnü fiel dann etwas, er war am Abend abel wieder am Steigen. Man glaubt in deß, daß er am Mittwoch wieder fallen wird. Der von dem Hochwasser hie? angerichtete Schaden wird $5000 nicht übersteigen. Ungefähr 100 Familien mußten in Folge der Ueberschwemmung ihre Wohnungen verlassen. I r o n t o n, O., 23. April. West. Jronton und alles niedrig gelegene Land in derUmgegend ist überschwemmt und Hunderte von Familien sind obdachlos Dazu kommt noch, daß die Zufuhr von Naturgas abgeschnitten ist. Alle Fabriken haben den Betrieb eingestellt. Der Fluß steht auf 57 Fuß und steigt noch einen Zoll in der Stunde. Viele obdachlose Leute sind in den öffent lichen Gebäuden einquartiert. Lynchgericht. S P r i n g f i e l d. Tenn.. 24. April. Ein Haufen von einhundert Männern drang am Dienstag Abend um 9 Uhr gewaltsam in oaS Gerichtsgebäude in hiesiger Stadt ein und holte den Neger Wyatt Mallory heraus, der in dem Gebäude von einer Anzahl Hilfs-Sheriffs bewacht wurde. Der Neger wurde dann ohne Weiteres an der Veranda vor dem Gerichtsaebäude aufgehängt unc zum Ueberflutz noch mit Kugeln gespickt. Mallory hatte am Montag ohne jegliche Veranlassung einen Weihen, Namens I. H. Farmer, erschossen. Ueber die Niagara-Fälle. Niagara Falls, N. Y.. 24. April. Arbeiter, die an einer neuen Fabrik am Ufer des Niagara beschäf tigt sind, berichten, gesehen zu haben, wie am Montag Nachmittag ein Mann in einem Boote über die Fälle getragen wurde. Der Mann hatte augenschcin lich versucht, über den Fluß zu rudern Als er die Strömung zu stark fand, wollte er ans Ufer zurückrudern, es war aber schon zu spät. Der Strom riß ihn fort und er wurde über den Hufeisen?vall getragen. Weitere Tcp eschen aus Seite 5.
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