Indiana Tribüne, Volume 24, Number 216, Indianapolis, Marion County, 23 April 1901 — Page 1
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Tribüne.
LSSSSSTSl Tage- und Tac- und onntagsblatt lOo per Woche. onnlagsblatt IOo Per Wschc. SSSSSSL Grsrtxeittt jeden ttarirmiitag und Ksnntag Morgens. Jahrgang 24. Indianapolis, Ind.. Dienstag, den 23. April 1901. No. 2l
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Die Lage in tzhina.
10,000 Franzosen werden im Sytai abziehen. Mau hegt deshalb allerlei Befürchtungen. Kriegerische Operationen in der Wandlchurci. Ter Stand der Saaten in Preufzen. Ein außerordentlich schlechter. Die Mordvcrschwörung gegen den Kaiser Wilhelm. Ter Vesuv nieder in Thätigkeit. Der französische Minister Tclcasse in St. Petersburg angekommeu. Aus China. Peking. 23. April. General Voyron. der Kommandeur der französtjchen Truppen in China, hat den 6tneral Chaffee benachrichtigt, daft im Mai 10.000 französische Soldaten China verlassen würden. Li Hung Chang ist der Ansicht, daß Die chinesischen Truppen unter dem (öeneral Liu über die Grenze zurückgezo- :: werden, die der Feldmarschall von Waldersee als die Grenze der Operations - Sphäre füc die verbündeten Gruppen bezeichnet hat. Dcr Gouvertut von Shan Si wurde vor mehr als rinn Woche telegraphisch angewiesen, k Truppen zurückzuziehen, und der :'?hl muß spätestens am Freitag im agn des Generals Liu eingetroffen n. Die meisten deutschen und fran "schen Zeitungs - Korrespondenten, die in Pao Ting Fu mobilisirte Er- . ::tion gegen den General Liu beglei- - wollten, sind am Montag nach Pezurückgekehrt, da sie überzeugt sind. i die Erpedition nimt abgehen wird. Hsi Liang. früher Gouverneur der Provinz Shan Si und ein notorischer vremdenhaer. ist zum Gouverneur der Provinz Hupei ernannt worden. Tie zuswärtigen Konsuln in Hankow. wel Hes die Hauptstadt von Hupei ist. haben 'legen diese Ernennung bei dem Vizetönig Chang-Chi-Tung protestirt. Die Ernennung so vieler Chinesen, die als Fremdenhasser bekannt sind, zu hohen Remtern, verursacht nicht gerinzes Aufsehen in Peking. Selbst die zuswärtigen Gesandten geben zu, dag so viele Ernennungen dieser Art eine Erschütterung des Vertrauens in die guten Absichten der chinesischen Regierung zur Folge haben müsse, und die Missionäre und Andere hegen wieder Die ernstesten Befürchtungen für die Zukunft. Die Nachricht, daß im Mai 10.000 französische Truppen China verlassen werden, beunruhigt die in China ansässigen Franzosen ; mehr aber ncdi Die unter dem Schutz französische? Mislonäre stehenden eingeborenen Konver .itrn Die Letzteren erklären, daß ihien täglich gesagt wird, was ihnen alles Jassiren wüde, wenn die Truppen einmal abgezogen sind. Ein von Sian Fu gekommener Chitiefe, der mit dem Hof in enger Verbinoung steht, stellt in Abrede, daß Genecal Tung Fu Siang rebelliri habe. Er ist der Ansicht, daß die Missionäre, die cie Nachricht von der angeblichen Rebellion überbrachten, davon gehört haben mußten, wie Tung Fu Sianc. die .n seine Hände fallenden Banditen behandelt hat. Es ist aber Thatsache, daß der General häufig die Befehle des Hofes unbeachtet gelassen hat. Als er im Januar Befehl erhielt. 5000 seiner Truppen zu entlassen, befolgte er zwar diesen Befehl, er weigerte sich aber, die Gewehre und die dazu gehörige Munition an den Hof zurückzuschicken. Ehe er nach Kan Su abging, hatte er eine Audienz bei der Kaiserin-Witt-we. Bei dieser Gelegenheit soll er gesagt haben: Alles, was Dein Diener gethan hat. war, daß er die Befehle des Hofes ausgeführt hat. Er ist bereit, auf dem Schlachtfeld für Dich zu sterben. Wenn er aber hingerichtet werden sollte, weil die Ausländer es so befehlen, dann würde er nur mit Widerstreben sterben." Die Kaiserin soll ihm darauf ihren sollen Schutz versprochen haben. Derselben Autorität zufolge sind die iKathgeber des Hofes verschiedener Ansicht. Lu Chuan Lin, ein notorischer Reaktionärer, der immer noch nichts gelernt hat. räth, die Barbaren" mit Waffengewal! aus dem Lande zu jagen, während andere nur rathen, daß der Hof sich vorläufig noch von Peking fernhalten soll. Nur Weng Weng Shao und Sun Chia Nai drängen darauf, da?: der ftof sich den Mächten füge und
die gestellten Bedingungen prompt annehme. Zwei der Mächte haben sich privatim verpflichtet, den Hos mit allen Soldaten. die ihnen zur Verfügung stehen, zu beschützen, wenn dies nothwendig werden sollte. Der Plan Sir Robert Hart's zur Vermehrung der Einnahmen Chinas würde ungefähr 20.000.000 Taels jährlich werfen, die auswärtigen Gejchäftsleute brotestiren aber leiji schon gegen diesen Plan, da die auswärtigen Geschäftshäuser den größten Theil der Summe bezahlen müßten St. Petersburg. 23. April. In der Mandschurei dürften in der nächsten Zeit wieder ernstliche kriegerische Ereignisse stattfinden. Chinesisch? Truppen sind an drei Punkten in der Umgebung von Mutden stark verschanzt. Sie sind mit Mausergeweh-
l-ren versehen und haben dreißig Kruppgeschähe. Oestlich von Mukden stehen 12,000 Mann unter dem Borer-General Lutanse und nordwestlich, bei Kulo. 6000 Mann unter dem früheren Gouverneur von Mukden. während in der Mongolei und in der Nähe des In Shan Gebirges weitere 9000 Mann unter dem chinesischen General Schu stehen. Admiral Alexiew hat deshalb eine Erpedition unter dem General Zerpinsky organisirt. die die Chinesen aus der Nähe von Mukden vertreiben soll. (Seitdem die meisten russischen Truppen aus Mukden abgezogen sind ist das Leben in der Stadt sehr unsicher. Fast in jeder Nacht werden russische Schild wachen todt aufgefunden. Sie wurden fast immer von hinten niedergeschössen. Herr Delcasse in St. Pe tersburg angekommen. St. Petersburg. 23. April. Der französische Minister des Aeußeren. Herr Delcasse. ist hier von Paris angekommen. Es werden ihm zu Ehren eine Anzahl Diners veranstaltet werden und der Zar wird ihn am Mittmoch in besonderer Audienz empfangen. England's Ein- und Ausfuhr. London. 23. April. Die Einfuhr in das Ver. Königreich im Jahre 2900 belief sich auf 523,075.153. gegen 485.035,582 im Jahre 1899; und die Ausfuhr belief sich auf 354.373.754. gegen 329.534.653 im Jahre 1899. Eruption hes Vesuv. Neapel. 23. April. Der Vesuv ist wieder in voller Thätigkeit und von allen Seiten kommen Leute hierher, um sich das prächtige Schauspiel anzusehen. Die ersten Anzeichen von dem Ausbruch machten sich in letzter Woche bemerkbar. Drei Tage lang entströmten dem Krater dichte Rauchwolken; dann kam hin und wieder einmal ein Aschenregen und aif Meilen im Umkreis wurde dann der Boden mit einer dünnen Schicht von Asche bedeckt. Jetzt strömt bereits Lava an den Seiten des Berges herunter und des Nachts ist die ganze Umgegend des Berges durch die beständig aufsteigenden Feuersäulen prächtig erleuchtet. Soweit sind nur zwei leichte Erderschütterungen verspürt worden. Drastische Maßregeln. H o n g K o n g. 23. April. Der Lizekönig To. von Kanton, hat drasiische Maßregeln ergriffen, um dem Räuber- und Piraten-Unwesen in den beiden Kwang-Provinzen ein Ende zu machen. Er hat einen Plan zur Ausführung gebracht, von dem er hofft. Daß er die Hinrichtung von 3000 Räubern in diesem Sommer zur Folge haden wird. Der Vizekönig hat Cirkulare an die Noiabeln in jeder Stadt und in jedem Ort geschickt, in dem sie aufgefordert werden, den Mandarinen die Namen aller Männ:r von schlechtem Ruf in ihrem Distrikt zu liefern. Wenn die Listen einmal zusammengestellt sind, werden solche Leute, deren Namen darin angeführt sind, wenn sie bei irgend kinem Verbrechen oder auch nur Verzehen abgefaßt werden, ohne Weiteres hingerichtet werden. Angeber werden gut belohnt, und jeder Räuber, der dazu hilft, drei andere Räuber der ge rechten Strafe zu überliefern, wird be znadigt. In den letzten paar Monaten sind im Lanko-Distrikt auf der Insel Hatnan 18.000 Personen an der Beulenpest gestorben. Proteftiren gegen den Kohlenzoll. L o n d o n, 22. April. Am Montag fanden überall in den Kohlen-Centren starkbesuchte Versammlungen von Besitzern von Kohlengruben, von Kohlenzräbern und Kohlen-Exporteuren statt, in denen der Ausfuhrzoll auf Kohlen stark verdammt wurde. Es wurde auch gedroht, daß der ganze Kohlenhandel des vereinigten Köniareicks susvcndirt !
werden wurde, wenn der Ausfuhrzoll
in Kraft treten sollte. Zu gleicher Zeit ist die Versendung 0l?n Kohlen aber wieder aufgenommen morden, nachdem der Schatzamtskonzler versprochen hatte, daß Kontrakte, die vor der Einreichung des Budgets abgeschlossen wurden, von der Steuer frei sein sollen. Fünffacher Mord. C h a r t r e s. Frankreich, 23. April. Furchtbare Aufregung hat hier die Ermordung von fünf Kindern und, die versuchte Ermordung des Vaters derselben, eines Mannes Namens Briere, verursacht. Zwei Landstreicher waren am Sonntag Abend in Abwesenheit Vrieres in das Haus eingedrungen und hatten die vier Mädchen im Alter von 14, 11, 5 und 4 Jahren stehend, sowie den siedln Jahre alten Knaben im Bett ermordet. Briere kehrte zurück, während die Mörder das Haus ausraubten. Sie hörten ihn den Hof betreien und griffen ihn sofort an. und nach :inem desperaten Kampf liehen sie ihn, mit vier Stichwunden im Kopf, für todt liegen. Die Mörder entkamen mit 1600 Francs in Baar und den Schmucksachen, die sich im Haus besunden hatten. Im Innern des Farmhauses sah es schrecklich aus. Die Schlafzimmer waren mit Blut und Gehirn bespritzt. Die Mörder hatten den Kirdern die Schädel eingeschlagen und dann die Kehlen durchschnitten. Das kleine, fünf Jahre alte Mädchen war offenbar aufgewacht, denn es lag mit ausgestreckten Armen, wie um Gnade bittend, im Belt. Der Hofhund war von den Kerlen mit einem Knüppel erschlagen morden Briere rief, als er von den Mördern angegriffen wurde, laut um Hilfe, sein nächster Nachbar ist aber stocktaub uno hörte ihn nicht. Die ganze Gegend wird von Gendarmen nach den Märdem durchsucht. Schlechte Ernte-Aussich-t e n. Berlin. 23. April. Der soeben bekannt gemachte offizielle Bericht über den Stand der Saaten in Preußen ist de? ungünstigste, der je veröffentlicht worden ist. Der Stand von Winterweizen wird als 3.910 angegeben gegen 2.810 im letzten Jahr. Die BeZeichnung geht von eins bis vier eins ist sehr gut und vier sehr schlecht. Der Stand von Winter-Roggen wird, wie im letzten Jahr, auf drei angegeben. Von dem jetzt mit Winterweizen bestellten Areal wurde 26.6 Prozent vom Frost geschädigt und muß umgepflügt werden,, gegen nur 2.8 Prozent im letzten Jahr. Dem Bericht zufolge hat auch daZ falte Wetter im März bedeutenden Schaden angerichtet. In manchen Distrikten ist der Stand der Saaten ein sehr schlechter. . . i Aus Südafrika. K a p st a d t. 23. April. Albert Cartwright. der Redakteur d:r South Asrican News, der im Februar verhaftet wurde, weil er in einem Artikel der Zeitung behauptete. Lord Kitchener habe im Geheimen seine Truppen instruirt, daß sie im Kampf mit den 33o:ren keine Gefangenen machen sollten, ist der Aufreizung und der krimineU-n Vrläumdung schuldig befunden und zu einem Jahr Gefängniß verurtheilt worden. crd Kitchener hat eine Proklamation erlassen, dahinlautend. daß irgend ein Bewohner der unter dem Kriegsgesetz stehenden Distrikte, der mit den Waffen in der Hand ergriffen oder dabei betroffen werden sollte, daß er zum Kampf gegen die Briten aufsordcrt; dem Feinde Beistand leistet oder durch Hinterlist die britischen Truppen in Gefahr bringt, kriegsgerichtlich pro zessirt und schwer, selbst mit dem To bestraft werden solle. Pretoria, 23. April. KomMandant Bokburg hat sich mit 106 Mann, allen Wagen und vielen Gewehren bei Middleburg im Transvaal den britischen Truppen ergeben. Aus der Reichshauptstadt. Berlin. 23. April. Ueber die aus Amerika gekabelte Nachricht einer Verschwörung gegen das Leben Kaiser Wilhelms und anderer europäischer Potentaten, wird in offiziellen Kreisen strenges Schweigen bewahrt, doch wurde dem Berichterstatter der Associirten Presse soviel bekannt, daß die Nachrichten durchaus nicht unbegründet sind. Schon am 6. April wurde Seitens des Berliner Polizei - Präsidiums der strengste Befehl zur Verhaftung eines angeblichen Anarchisten Namens Rodolfi Romaqnoli alias Romalisio al'las Langwick Müller gegeben. Der Verhaftsbefehl wurde auch allen ausländischen Polizei - Behörden übertandt nebst einer Photographie und dem BertilloN - Maß desougeblicheri Anarchisten. Wie der Berliner .Polizei mitgetheilt
wuroe, tn nomagnol! von dem Anarchisten - Öerrtn in Paterson. N. I.. formell gewählt worden, den Kaiser Wilhelm zu ermorden. Romagnoli habe sich zuerst nach Buenos Ayres und von dort am 27. März mit dem LloydDsmptek .ölle" nzch Bremen eingeschifft. v die obigen Angaben korrekt sind, kann nur aemuthmaßt werden. Da sie der angeütlch aus offizieller Quelle stammen, so ist man geneigt, ihnen zu glauben. Kaiser Wilhelm wurde von Obigem in Kenntniß gesetzt und befahl dem Polizei-Präsidenten Baron Windheim, ihm alle etwa eintreffenden werfcren Nachrichten bezüglich des Ver schwörers und der Verschwörung sofort zu übermitteln, daß aber die Angelegenheit unter keinen Umständen zurKennkNlß der Kaiserin gebracht werden sollij, Thatsache ist, daß die hiesige Polizel schon seit Monaten die hier befindlichen Anarchisten scharf überwacht. Ein bekannt?r Anarchist. Antonio Porporello, gegen welchen Verdachtsgründe vorlagen, entfloh aus der Stadt, wur.de aber in Bentheim ermittelt und verhaftet. Ueber angebliche Anschläge gegen Kaiser Nichol.':.ls und König Victor Emanuel scheint die Berliner Polizei nichts zu wissen. Der Kaiser hat dem jüdischen Krankenhause in Berlin ein Geschenk von 2000 gemacht. Man glaubt, daß die russische Regierung mit China wieder Verhandlungen wegen der Mandschurei anknüpfen wird, sobald die jetzigen Wirren in China erledigt sind. Man glaubt auch, daß die reguläre chinesische Armee vor der auf dem Weg befindligen Expedition sich bereits zu rückzieht und daß die Befehlshaber de? Verbündeten jetzt darüber verhandeln welche Truppen sie nach Hause schicker können. In Abrede gestellt. L i s s a b o n. 23. April. Die in der Ver. Staaten veröffentlichte Nachricht daß sich das portugiesische Königspaa' wegen religiöser Differenzen getrenn habe, ist unwahr. Der König und fci. Königin bewohnen wie gewöhnlich da: hiesige Schloß. Der König Karl unternahm am Sonntag eine Dachtfahrt von der er am Dienstag zurückkebrer wird. Dr. Leyd's protestirt. Brüssel. 23. April. ..Le Peti' Bleu" behauptet. Dr. Leyds habe an Montag ein Schreiben an das deutsch, auswärtige Amt geschickt, in dem -for mell dagegen protestirt wird, das Deutschland die britische Regierunc mit Geschützen, Gewehren etc. versehe.
Zum Tode verurtheilt. W a b a s h, Ind.. 23. April. Der Richter Shivelq vom hiesigen Kreisaericht wies am Montag das Gesuch um einen neuen Prozeß in dem Falle von John Rinkard ab. der schuldig befunden worden war, seine Frau in Marion ermordet zu haben, und er verhängte dann das Todesurtheil über den Mann, der am 23. August, vor Tagesanbruch. hingerichtet werden soll. Rinkard sprach, als er gefragt wurde, ob er noch etwas zu sagen habe, warum das Urtheil nicht über ihn gefällt wer den solle, volle zehn Minuten. Er behauptete. daß die Zeugen für die Anklage Meineide geschworen hätten.' Die Reynolds-Bande noch belagert. L o n d o n.Ky.. 22. April. AusLetcher County wird berichtet, daß am Sonntag Morgen zu früher Stunde zwischen der Sheriffs-Mannschaft und der noch immer belagerten Reynolds-Bande ungefähr hundert Schüsse gewechselt worden seien. Soweit dies in Erfahrung gebracht werden konnte, wurde Niemand auf Seiten der Sheriffs-Mann-schuft verletzt. Der Hilfs-Bundesmar-schall Hollyfield befindet sich mit zwanzig ausgesuchten Männern bei der Sheriffs-Mannschaft. Der Richter Blair und die besten Bürger im County geben sich die größte Mühe, die Rey-nolds-Bande zu veranlassen, sich zu ergeben. Es heißt, daß das zufällige Entladen eines Gewehres die Schwietzerei am Sonntag Morgen veranlaßt habe. Ganze Heerden im Schnee umgekommen. Knoxville. Tenn., 23. April. Eine Anzahl Viehhirten, die der ungewohnlich starke Schneefall aus den Smoky Mountains vertrieben hatte, kamen am Montag , hier an. Sie ecklären 400 bis 500 Stück Vieh im Stich gelassen zu haben, die bis jetzt wahrscheinlich alle umgekommen sein werden. Der Schnee lcg vier bis sechs Fuß hoch, als die Leute am Donnerstag beschlossen, sich und ihre Pferde in Sicherheit zu bringen. Die Pferde waren so steif vor Kälte, daß sie keinen Reiter tragen konnten, und sie mußten am Zügel geführt werden.
M MMmmmiulM Alle Gefahr in Pittsburg vorüber.
Ver 7!uß bereits unter die Gefahrlinie zurückgetreten. Steigt aber noch zwischen Pittsbürg und Cinciunati. Ein Hotel durch eine NatnrgaS Explosion zerstört. Vier Personen dabei umS Leben qtkommen. Versuch, ein Kind lebendig zu begrabe Tle schuldigen wahrscheinlich verhaftet. Das Hochwafser. Pittsburg. 22. April. Die Fluthgefahr 'ist hier vorüber. Trotzdem am frühen Morgen die Aussichten auf ein weiteres Steigen des Flusses Schlimmes erwarten ließen, so kann doch am heutigen Abend bestimmt versichert werden, daß für Pittsburg und die oberhalb liegenden Ortschaften seine Gefahr mehr vorhanden ist. während die Gefahr für die Städte am Ohio unterhalb von Pittsburg wegen des starken Regens im Ohiothale in den letzten 24 Stunden noch nicht vorüber ist. Alle oberhalb von Pittsburg gelegenen Punkte melden, daß es aufgehört hat zu regnen nd zu schneien und daß der Fluß fällt. Der Ohio stand um 1 Uhr Abends am hiesigen Damm 19 Fuß 8 Zoll und fiel. Die Fluth hat eine Masse Schlamm hier abgelagert, welchen das zurückweichcnde Wasser an den Ufern und den dort befindlichen Werken liegen läßt, Es wird mehrere Tage nehmen, bis dik niedrig gelegenen Fabriken von diesem Schlamm soweit gereinigt sind, daß sie den Betrieb wieder aufnehmen können, Bei einigen sind die Maschinen so verschlämmt, daß sie auseinandergenom' men werden müssen. Die Bäche und Zuflüsse in der Nachbarschaft. welche durch das Hochwassei so viel Schaden angerichtet haben, sind bis zum Abend alle ziemlich in ihr Bett zurückgetreten. Carnegicborough wird schnell wiedei in Stand gesetzt und der vom Chartres Creek angerichtete Schaden ausgebessert. Ebenso wird in McKees Rocks und anderen überschwemmten Punkten der Betrieb wieder aufgenommen. Die Bahnen lassen wieder Züge laufen, doch kann die fahrplanmäßige Abfertigung aller Züge voraussichtlich erst in einigen Tagen erfolgen. , In und um Pittsburg werden sick; die durch das Hochwasser entstandenen Verluste auf ca. 51.000.000 belaufen. Rechnet man hierzu die Verluste, welchk die Eisenbahnen und die industriellen Etablissements in unmittelbarer Näh von Pittsburg erlitten haben, sowie dii Verluste an Arbeitslöhnen durch Einstellung der Betriebe, so wird der Ge. sammt-Verlust sich auf mindestens tz2.000.000 belaufen. P o m e r o y. O., 22. April. Der Fluß stand hier am Abend auf 55 Fuß und war ungefähr stationär. Der Geschäftstheil der Stadt steht von viel bis sechs Fuß unter Wasser und di Geschäfte sind gänzlich suspendirt. Dik Kaufleute haben ihre Waaren alle iu die oberen Stockwerke ihrer Häuser gr schafft. Seit Samstag ist hier kenn Post angekommen und auch W' ab gegangen. Alle Gefahr einer noch schlimmeren Überschwemmung ist abei geschwunden. Es herrscht hier kein Noth und Jedermann ist im Stande, für sich zu sorgen. Maysville, Ky., 22. April. Dei Ohio hat hier einen Stand von 5( Fuß erreicht, und er wird wahrschein: lich am Dienstag Morgen seine größt Höhe erreichen. Das Wasser steht jetz! bis an die Wohnhäuser an Front Str, Die meisten Keller an Zweiter Str. sind mit Wasser angefüllt. Gallipolis, O.. 22. April Der Ohio steht hier auf 55 Fuß 5 Zol' und steigt noch einen Zoll die Stunde Im Jahre 1884 stand der Fluh voll, zehn Fuß höher. Soweit hat der Was serstand noch keinen Schaden angerich tet. Vergiftungsversuch. ' Denver, Col.. 23. April. Air Sonntag Abend wurde ein Versuch ge macht. Joseph Hannelt zu vergiften der sich auf die Anklage hin im hiesiger Countyaefängniß befindet. John Bari und Frau Bessie Hodge bei de Berau bung der Frau Dr. Flora Betts ge holfen zu haben., Hannelt hatte in August vorioen wahres, an cmen
Sonntag Frau Betts ausgefahren. unl das Paar wurde dann an einer einsamen Stelle von einem Mann und eine Frau überfallen, mit vorgehaltene? Revolvern gezwungen, auszust?iger und Frau AeM wurde dann um Difr manten in? Werth von $7000. die si, trug, erleichtert.. Daß Hannelt nich den geringsten Versuch zur Vertheidigung machte und auch die Pferde nich' antrieb, um möglicherweise zu entkom men. lenkte den Verdacht auf ihn und als er bald darauf verhaftet wur de. gestand er auch ein. daß er mit Bar, und Frau Hodge den Plan verabrede! gehabt habe. Frau Betts zu berauben Er trat als Staatszeuge gegen Bari und Fran Hodge auf. als diese vor t niger Zeit prozessirt wurden, die Gefchworcnen in dem Falle konnten sick aber nicht auf einen Wahrspruch einigen. Der zweite Prozeß soll in den näch sien Tagen beginnen, und es scheint daß ein Versuch gemacht wurde, der gefährlichen Zeugen aus dem Wege zi schaffen. Ein alter, unbekannter Manr brachte am Sonntag Abend einer Vpfel-Pie und ein Stück Käse sü Hannelt nach dem Gefängniß, der Gr fangene hatte aber nur ein ganz kleine; Stück von dem Käse gegessen, als ei mit allen Anzeichen von Vergiftunc schwer erkrankte. Es wurde ihm sa fort ein Brechmittel verabfolgt und da Leben wurde ihm damit gerettet. Ei' ne am Montag vorgenommene Untersuchung ergab, daß der Pie und dei Käse genug Cyankali enthielten, un sämmtliche Insassen des Gefängnisse; zu vergiften. Mutter und Kinder ver. b r a n n t. Galesburg. N.-D.. 23. April Frau Hannah K. Joren. eine Wittwe und ihre zwei im Alter von 0 und 1( Jahren stehenden Knaben, sind o Sonntag Abend in ihrer Wohnung verbrannt. Die Leiche der Frau wa, fast zu Kohle verwandelt, als sie gfunden wurde. Die Unglückliche wur de. den jüngeren Knaben im Arm? bal tend. vom Tode ereilt. Versuchter Kindesmord. New York. 23. April. - Durck den reinsten Zufall wurde am Montae ein zlvei Wochen altes Kind, da non einem Mann und einer Frau lkbendic begraben worden war. von Patrick M Evoy. einem Arbeiter von Ha st, naß, gerettet. Das Kind war von den Beiden iv ein ungefähr drei Fuß tiefes Loch geworfen worden, welches das Paar mit den Händen ausgegraben hatte. Eir kleines Mäntelchen des Kindes ,va, über das Gesicht gefallen und es befank sich genug Luft darunter, um das Bavr einige Minuten am Leben zu erhalten, McÄvoy warf die frisch aufgeschaufelt Erde bei Seite und brachte das klein, Opfer ans Tageslicht, aerade, als cj seinen letzten Athemzug thun wollte. 4 Ein Mann und eineFrau. auf welch, die Beschreibung, welche der Retter d Kindes gab. genau paßt, wurden ein. Stunde nach dem Mordversuch verhaftet. Der Mann gab an. Givoki Duit . cavolo. von Manhattan, zu sein. Er isi verheirathet und Vater dreier Kinder Das Frauenzimmer ist seine Nichte, dte achtzehnjährige unverheirathete Francisca Stinella. eine Kleidermacherin. Sie leugnete, daß das Kind das ihrige sei, ebenso wollte Duttacaoolo nichts lon dem Mordversuche wissen. Nach :inem Verhör vor Richter Tomkins von Hastings wurde das Paar ohne Bürgschaft dem County - Gefängniß zu White-Plains überwiesen. Na turgaS-Explosion. St. Marys. W.-Va.. 2o. April. Montag Morgen fand im Comm.lal Hotel in hiesiger Stadt eine furchtbare Naturgas-Erplosion statt, bei der vier Personen um's Leben kamen. Das ganze Hotel, ein großes Holzgebäude, stand im Augenblick in Flammen und brannte gänzlich nieder. Die Verunglückten sind: Sam Cunningham. von Rixford. Pa.; John George, von Butter, Pa.; Harro. Robinson, von Corning. O.. und John Slater. der 15 Jahre alte Sohn des Eigenthümers des Hotels. Es ist möglich, daß noch andere Leichen in den Ruinen gefunden werden. Mehrere Personen wurden schlimm verbrannt, sie werden aber alle mit dem Leben davonkommen. Ertrunken. M a r i e t t a. O. 23. April. Drei Personen sind hier am Montag Nachmittag ertrunken. Ein Boot, in dem sich neun Männer befanden, wurde unter das Werftboot getrieben und Jos. Eperett. ein Glasarbeiter, ertrank dabei. Später ertranken am selben Platze zwei Knaben Namens Henley, 14 und 7 Jahre alt. Weitere Depeschen aus Seite 5.
