Indiana Tribüne, Volume 24, Number 213, Indianapolis, Marion County, 20 April 1901 — Page 1
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???2SS5ES 8 tag und jj 8 Sonntagsblatt fi lOo Per Voche.
Wt3. Taac. und $ Sonntaasblatt lOc per Woche. feSSSSSS&S6S Erscheint jcden Nachtnittag und Sonntag Morgen. Lahrgaug 24. Indianapolis, Ind.. Samstag, den 20. April 1901. No. 213
M Mlllskst ÄM!M5. Die neueste Anarchisten' Verschwörung. Der Kaiser Wilhelm, Kaiser Ni. kolauv, das italienische KöuigSpaar nnd der Graf von Turin
Sollen als Opfer der Anarchisten ttusersehen morden sein. Tie Expedition nach Pao Tiag F aufgegeben. Ta Liu V?!schl erhalten hat, sich zurück' zuziehen. Ncuc Fricdcnsttntcrhanölnngcn mi! den Bocren. Bcrschicd?nes aus dem deutschen Reich. General von Hahnkc hat einen Nach' solgcr erhalten. Aguinaldo's Adresse. M a n i l a . 20. April. Aguinldo hat fönende Adresse an das filipinische Volk erlassen: J$ glaube nicht zu irren, wenn ich atinehme, dafc das traurige Geschick, welches rntch ereilt hat. Denen, welche mit dem Verlauf des Krieges vertraut waren, nicht unerwartet gelomMM ist. Die Lehren, die der Krieg bis jetzt gegeben und welche sich kürzlich Cftch mit mit unwiderstehlicher Kraft aufdrängt haben, lassen erkennen, da ein Aufhören der Feindseligkeiten und ein dauernder Friede nicht nur wünschenswerth. sondern unumgänglies) nothwendig sind zur Wohlfahrt der philippinischen Inseln. Die Filipinos haben trotz ihrer Schwachheit niemals den Muth verlsren oder gezögert, auf dem Wege, den ihnen ihr Muth und ihre Tapferkeit wies, voranzugehen. Die Zeit ist indessen gekommen, wo weiteres Fortschreiten auf diesem Wege verhindert wird durch eine unwiderstehliche Kraft, welche zwar den Filipinos Fesseln auferlegt, ihnen aber auch zu gleicher Zeit einen anderen Ausweg öffnet und ihnen Frieden bietet. Diese letztere Alternative ist von, der Mehrzahl meiner Landsleue mit Freuden begrüßt worden und dineiben haben s.ch bereits um das ruhmreiche souveräne Banner der Nerein-gten Staaten geschaari. Auf dieses Banner setzen fu ihr Vertrauen und glauben, daß unter seinem Schutze oie Fii'Nvs alle jene versprochenen Freih:iicn erhalten wenden, deren sie sich ,ent zu crf'?uen beginnen. Das La.id hat sich unzweifelhl zu Gunsten des Friedens aus j:fvr?cr;en. So geschehe denn sein Wille. Genug Blut, genug khroneu sind verz'sei:. genug Unglui gestehen. Dies?: Wunsch t:3 Landö sollte nicht von denjenigen meiner Landsleute ignorirt werden, welche noch unter den Waffen siehen. falls sie das wahre Woh!erzeh;n unseres Volkes im Auge haben. Ich beuge mich diesem Wunsche, nachdem ich von dessenVorhandensein mich überzeugt habe. Nach reiflicher Ueberlegunz erkläre ich. daß ich die nach Frieden rufer:; Stimme des Volkes, noch die taufen!)faltigen Klagen jener Familien, welch? ibre Angehörigen wiederhaben uns ;n Ruhe und Frieoen leben wollen, übnijören kann. Und indem ich die Oberhoheit der Vereinigten Staaten im ganzen Philippinischen Archipel anerkenne, was ich hiermit freiwillig und ohne jeden Vor behalt f;ue, glaube ich. daß ich dir. mein geliebtes Vaterland, am besten Diene. Mögest du glücklich sein." Um diesen wichtigen Moment im philippinischen Kriege entsprechend zu rnarkiren . hat General Arthur die Freilassung von 1000 gefangenen Filipinos angeordnet, sobalo dieselben den Vereinigten Staaten Treue geschworen haben. Die neue serbische Verfas sung. Belgrad. 20. April. Die neue Verfassung wurde am Freitag proklamirt und die sämmtlichen früheren Minister, die formell ihre Resignation eingereicht hatten, wurden sofort wiederernannt. Ebenso alle anderen Staatsbeamten. Georg Simies wurde zum Präsidenten des neuen Staatsraths bestimmt. Von den dreißig Senatoren, die vom König ernannt wurden, sind elf Radikale. 10 Progr?ssisten. vier Liberale und fünf Unabhängige. Friedensunterhandlungen. L o n d o n . 20. April. Die Sun" bestätigt die Nachricht, dein die zr.cie-
oensunteryandlungen zwischen X.'oro Kitchener und den Boeren-Generilen wieder eröffnet worden seien, und die Zeitung drückt die Ansicht aus. daß diesmal, während der Abwesenheit 3ir Alfred Milners. Aussicht auf eine Einigung vorhanden sei. Die ..Sun" erklärt auch, daß die Regierung noch uneinig darüber sei. wer zum Nachfolger der Sir Alfred Milner ernannt we den soll. Frau Botha soll wieder zwischen Lord Kitchener und ihrem Gatten oer Mitteln. Die russischen Studenten Unruhen. St. Petersburg. 20. April. Drei Studenten werden am Samstag dem Unterrichtsminister. General Vanncvski, eine Petition überreichen, in der baxi.iv. ersucht wird, daß den Studenten der Universität von St. Peiersburz gestattet wird, sich am Samstag zu versammeln, um darüber zu beschließen, ob sie sich an den Prüfungen betheiligen sollen. Einige der Stud'nten haden die Absicht, den Prüfungen ferniu-
bleiben, bis die in die Armee gesteckten Studenten wieder freigelassen und die von der Universität Ausgeschlossenen rr:::er zugelassen werden. Man glaubt, daß dieVersammlung stattfinden wird, wenn auch der Minister seine Zust'.mmung dazu verweigert. Die Studenten des großen KalugaSeminars bei Moskau beai?:a;n dieser Tag? Gewaltthätigkeiten all Art. Es wurde dabei auf den Bisckof von Kzluga und den Rektor des Seminars g schössen, es wurde aber keiner von den beiden Männern verletzt. Fünfzehn Studenten wurden verhaftet. Ein Asyl für die spani s ch e n Mönche. Montevideo. Uruguay. 20. April. Die Regierung hat beschloss sen, den Mönchen, die etwa aus Spanien bierher kommen sollten, zu gestatten, sich in Uruguay zu etabliren. E h i l i und Argentinien. Buenos Aires. 20. April. Die Regierung von Argentinien ist alarmirt darüber, daß Chili an jedem strategischen Punkt, der in argentiaisches Gebiet führt, einen Paß durch die Anden gelegt hat. Der Minister des Aeußern hatte eine Unterredung darüber mit dem Gesandten Chili's. da aber derselbe im Begriffe steht, nach Santiago. Chili. abzureisen, beschloß er. jetzt keine schriftliche Kommunikationen an diese Republik zu senden. Chili wird aber um eine Erklärung ersucht werden, ehe der Gesandte zu Hause ankommt. Der Gesandte Argentiniens in Chili wird angewiesen werden, eine Erklärung zu fordern. DieAnarchisten-Verschwö-r u n g. Buenos Aires. 20. April. Die Polizei der Stadt Rosario. in der Provinz Santa Fe. hat Papiere mit Beschlag belegt, die beweisen, daß thatsächlichen Paterson. R. I.. beschlossen worden ist. daß der Kaiser WilHelm, der Zar von Rußland, der König und die Königin von Italien und der Graf von Turin ermordet werden sollen. Die Untersuchung wurde hier begannen, nachdem von 58er!ir gemelbei worden, daß die dortige Polizei eine Verschwörung gegen das kben des Kaisers Wilhelm entdeckt habe. In diesen Depeschen wurde erklärt, daß in Argentinien lebende Anarchisten die leitenden Geister der Verschwörung seien und ein Mann Namens Romaguolt verhaftet worden sei. Die Bewegungen Romagnolis. der vor einiger Zeit das Land verlassen hat. sind von Regierungsagenten definitio festgestellt worden. Der Marn kam von Rosario. wo seit längerer Zeit eine Vereinigung von Anarchisten bestand und das Hauptquartier dieser Anarchistengesellschaft ist nun auch ausgehoben worden. Aus den dort vorgefundenen Papieren geht hervor, daß Romagnoli direkte Befehle von Paterson. N. I.. erhalten hat. Er ioar brieflich benachrichtigt worden, daß er durch das Laos bestimmt worden sei. den deutschen Kaiser zu todten, und daß er sich direkt nach Berlin zu begeben habe. Bald darauf verließ er Rosario und schiffte sich hier nach Europa ein. Er begab sich nicht direkt nach Deutschland, sondern direkt nach Rom. wo er sich wahr scheinlicb mit italienischen Anarchist? in Verbindung setzte. Von dort aus begab er sich nach New Jork. äugenscheinlich, um seine endgiltigen In struktionen in Paterson einzuholen. Von da reiste er nach Deutschland, wo er verhaftet wurde, ehe er sein Vorhaben ausführen konnte. Ob auch Männer ausgewählt war den sind, um den Kaiser von Rußland und das italienische Königspaa? zu ermorden, darüber ist von der Polizei nichts herauszubringen, die Gesandt schaften Deutschlands, Italiens und Rußlands sind alle von den Thatsachen unterrichtet worden.
rr - m - - -r -. - c c . u . v . t
Die Pao Ting Fu Efpedition aufgegeben. Peking. 20. Aprils In Folge energischer Vorstellungen, die bei dem chinesischen Hof gemacht worden sind, ist am 16. April ein kaiserliches Dekret erlassen worden, in dem den chinesischen Truppen in Huai Lui anbefohlen wird, sich sofort hinter die große Mauer zurückzuziehen. Es sind dies dieselben Truppen, die zu vertreiben augenblicklich eine deutsch-französische Erpedition in Pao Fu organisirt wird. Die Erpedition wird unter diesen Um ständen nicht abgehen. Peking. 20. April. General Chaffee besuchte den Feldmarschall Waldersee und drückte sein Beileid über den Tod des Generals Schwartzkopf und die Niederorennung des deutschen Hauptquartiers aus. Er stellte sich dem Feldmarschall zwecks iraend welcher Hilfeleistung zur Disposition. Die Leiche des Generals Schwartztopf rt ausgesunden worden und jeue .'rdigung wird morgen stattfindet, '..'neral Chaffee und sein Stab, sowie ein Tetachement seiner Truppen werden Hit Vereinigten Staaten bei der nigung repräsentiren. Auch iu :.: :?:en Mächte werden in derselben Weise vertreten sein. P a r i s , 20. April. Die Beam:m i französischen auswärtigen Ante geben die Entschädigungs Ansprüche nkreichs in China mit 200.000.00 "72nks an. Eine Depesche aus Pek: ng meidet, daß Oberstleutnant March:.::: der erste war, der hilfreiche Hand.jui Löschung des Feuers anlegte, we!J3 rat- Hauptquartier des FeldmarschaZ W.'.'.dersee zerstörte. Er leitete die Lösaiarbeiten bis das Feue: unter Kontrcsle war. Berlin. 20. April. D?r ,.Kölni'Äen Ztg." wird aus Peking gemelle: daß rrer Kompagnien des 2. oft csiat-schen Infanterie - Regiments unter Kommando von Major Mühlenels un: o:e gesarnmte Garnison von Pao Tin; Fu (mit Ausnahme eines K?mM2Nd?s von 400 Mann) am 17. Apr'I unter Führung der Generäle von Lessel vaCt Ketteler nach den Huai Lu Pässen abgegangen sind, um den chinesiscben General Liu anzugreifen. Von Zuverlässiger Seite wird indes jen dersichert. daß die deutsche Regierung nicht glaubt, daß die Expedition gegen General Liu zu Kämpfen führen wird, da er kaum den vordringenden Erpeditwnstruppen Stand halten dürste. Die Expedition hat mehr den Charakter einer Demonstration wie ei ner kriegerischen Aktion. Auch der militärische Mitarbeiter des Berliner Tageblatt" ist dieser Ansicht und weist auf den Fall von Poa Ting Fu hin. wo der chinesische General durch vOrzeitige Veröffentlichung der beabsichiyten Bewegung seitens der englischen und amerikanischen Presse und durch Information, welche er von den chinesischen Gesandten im Ausland? erhielt, in den Stand gesetzt wurde, sich oor Ankunft dir verbündeten Truppen zurückzuziehen. Diese vorzeitige Ver'öffentlichung militärischer Pläne hat überhaupt schon ungeheuren Schaden angerichtet. Aus dem deutschen Neich. Berlin. 20. April. Der Reichstag nahm am Freilag in zweiter !esung die Vorlage an, derzusolge die Ailloren-Rechte auf dramatische und musikalische Produktionen von 30 auf 50 Jahren verlängert werden. Am Freitag wurde ein Dekret der Regierung veröffentlicht, demzufolge der polnische Unterricht in den Gymnasicn Posens abgeschafft wird. General-Major von Heßler ist vom Kaiser zum Nachfolger des Generals von Hahnke als Chef des Militärkabinets ernannt worden. Auch mehrere andere Veränderungen sind im Militärkabinet vorgenommen worden. Es heißt, daß General von Hahnke in letzter Zeit sich in Sachen eingemischt, die ihn nichts angingen, und der Kaiser, unwillig darüber, seine Absetzung beschlössen habe. In Uebereinstimmung mit früher ge troffenen Vereinbarungen sind am Freitag gleichzeitig in Straßburg, BerIin, Augsburg und München ÄilitärBallons aufgestiegen. Es handelt sich dabei um wissenschaftliche Beobachtungen. In Augsburg machte der öfterreichische Erzherzog Leopold Saloatoc den Aufstieg mit. Fürst Herbert Bismarck hielt am Freitag in Gentsin, Provinz Sachsen, eine Rede, in der er wieder sarkastische Bemerkungen über den Kaiser Wilhelm und den Grafen von Bülow machte. Er drückte dabei die Befürchtung aus. daß die auswärtige Politik Deutschlands ..eine Reihe sorglos gelegter Mi nea gegen den Osten" sei. New Y ork loTApril. Angekommen: ..Nomadic" von Liverpool. Liverpool. W. April. AngesZonlmen: Germansc" von New Jorö; (Commonwealth" von Boston.
Zrr 8Ian! i)rr Uchölle.
Herr John A. Kaffon m Hat seine Verbindung mit dem Staatsdepartement gelöst. ?cr Kipley'pro;eß. Das Schicksal des Angeklagte jetzt in den Handen der Geschworenen. Ein 70jähriger Franenmörder. Tornado im Süden. Falsche .Z5-Gold stücke. D'üsscnwcise in Michigan im Umlauf. Der Stand der Geschäfte, New York. 20. April. R. G. Dun & Eo.'s dieswöchentliche Ueber sicht über den Stand der Geschäfte in den Ver. Staaten lautet wie folgt: Gute Ernte - Aussichten, sehr groß! Umsätze in den Clearinghäusern, ungewöhnlich große Einnahmen der Eisenbahnen. gute Nachfrage nach Früh' jahrs- undSommerwaaren und prompte Kollektionen bilden das Ebarakteristische der Geschäftslage. Wollen- unt Baumwollenwaaren haben einen festeren Markt, wenn auch zum Theil in Folge des Schließens mancher Fabriken. Wolle ist stätig. trotzdem die achsrage nur mäßig groß ist und in den meisten Industrien herrscht ein sehl zuversichtlicher Ton. In einigen Bran chen sind die neuen Bestellungen sehr bedeutend, während in anderen dik Nachfrage nicht mehr ganz so dringend ist, in allen Zweigen der Eisen- und Stahlfabrikation ist aber die Produktion kaum hinreichend, um die sehr starke -Nachfrage zu decken. Bei den Aussichten auf ein gutes Erntejahr hab?n die Fabrikanten von AckerbauGerätschaften sehr starke Einkäufe von Stangeneisen gemacht und auch di Nachfrage nach Struktureisen unH Brückenmaterial hat ganz bedeutend zu genommen. Auch sind abermals groß: Bestellungen für Stahlschienen plazirl worden. Die Nachfrage nach Platten hat trcd der kürzlichen Preiserhöhung nicht nachgelassen. Daß man in maßgebenden Kreisen großes Vertrauen in die Zukunft hat. geht daraus hervor. dar die Anlage neuer Eisen- und Stahc' werke mit riesiger Kapazität geplan: werden. Die Versendung von Schuhen mri Stiefeln vom Osten, die vor zwei Wochen sich auf 94.453 Kisten belief. ist auf 86,547 zurückgegangen, sie ist aber immer noch bedeutend größer wie vol einem Jahr. Die Situation ist im Allgemeinen befriedigend und entschieden besser wie vor einem Jahr. Die Preist für Schuhe sind behauptet, Stiefel sin! aber allgemein im Preis zurückgegangen. Leder ist schwächer und Haut sind in Chicago etwas fester, obgleich die Gerbereien nicht sehr stark ein kaufen. Der niedrige Preis, auf dem siBaumwolle hält, hat zur Folge, daß ein weniger großes Areal in Baum wolle bepflanzt wird. Der Mangel an Arbeitern, der durch die wachsende In dustrie im Süden verursacht wird, wird auch zur Folge haben, daß dik Produktionskosten höher sein werden. Die Baumwollspinnereien in Georgia sind in vollem Betrieb, in anderen Süd' staaten ist dies aber nicht der Fall. Die Ausfuhr von Weizen, einsckließlich von Mehl, belief sich während der Woche auf 5.306,217 Bu. gegen 6.405.601 Bu. in letzter Woche und gegen 3. 898.451 Bu. in der korrespondirenden Woche vorigen Jahres. Und vom 1.' Juli bis jetzt belief sich die Ausfuhr aus 167.533,246 Bu. gegen 157,814,711 Bu. im vorhergehenden Jahr. Die Zahl der Bankerotte belief sich in den Ver. Staaten während der Woche auf 206. gegen 184 im letzten Jahr, und in Canada auf 21 gegen 17 im letzten Jahr. Ein Tornado. Miami. Fla.. 20. April. DaDörfchen Bisca. sieben Meilen von hie, gelegen, wurde am Freitag Morgen von einem Tornado zerstört. Eiri Mann, Namens John Peters, wurdk getödtet und ein anderer. Wm. Cook. schlimm verletzt. Peters war ein wohlhabender Gemüse-Gärtner. Sein Haus wurde ganz zerstört. Der Ripley- Prozeß. Frank fort. Ky.. 20. April. Der Fall des Kapt. Garnett Ripley. der der Mitschuld an der Ermorduno Wm. Goebels angeklagt ist. würd heute Nachmittag der Jury übergeben Herr I. T. O'Neal hielt die Schlußrede für die Vertheidigung am Vormittag und am Nackmittaa bielt der
Staatsanwalt Franklin die Schlußredk für die Anklage. Herr O'Neal erklärte, daß das größte Verbrechen Ripley's darin bestanden habe, daß er zu viel geredet, unc daß er sich dadurch verdächtig gemacht, daß er versucht habe, übermäßig wich' tig zu thun. Wenn man das Beweis' material untersuche, müsse man aber zu der Einsicht gelangen, daß er mit der Verschwörung auch nicht das Geringste zu thun gehabt habe. Richter Cantrill instruirie die Jury, daß sie sich während der Nacht nicht mehr mit dem Fall befassen, sondern denselben erst am Morgen um neun Uhr aufnehmen solle. Soll 35.000 unterschla. gen haben. P i 1 1 s b u r g. Pa.. 20. April. A, I. Schroth. Buchhalter in der Ersten Nationalbank von Birmingham, in hiesiger Stadt, wurde am Donnerstag Abend von dem Ver. St. Marschall Leonard auf die Anklage hin verhaftet, von d?n Geldern der Bank $35,000 unterschlagen zu haben. Er wurde später gegen Stellung von $10.000 Bürgschaft wieder freigelassen. Das Manco wurde von dem Nationalbank-Erami-nator Slack entdeckt. Der Letztere erklärt, daß sich die Bank in sehr gutem Zustand befindet und durch die Unterschlagung in keiner Weise gefährdet werde. Die Bank hat ein Kapital von 5100.000 und einenUeberschuh von $206.000. Maqor Johnson geht energ i s ch vor. C l e v e l a n d , ., 20. April. Mi! der Untersuchung der Office desStadtClerks, die von dem Mayor Johnson angeordnet wurde, ist am, Freitag begönnen worden, und schon ist in den Büchern des Licenz-Clerks ein Defizit von $3000 entdeckt worden. Der frühere Stadtclerk Burgeß gieb! zu. daß der Licenz-Clerk $1500 unter: schlagen hatte, er behauptet aber, daß das Geld nach und nach zurückbezahlt worden sei. Es scheint dies aber nichi wahr zu sein. Schachspiel per Kabel. New York, 20. April. Da große Sckach-Ereigniß desJahres. das internationale Spiel per Kabel zwi schen England und Amerika wurde am Freitag unter den Auspizien desBrooklyner und des Britischen Schachklubs begonnen. Keine der vorhergehenden Serien, ausgenommen vielleicht die erste, hat ein so allgemeines und intensives Interesse erweckt, wie das gegenwärtige Spiel. Als Preis wird die NewnesTrophäe dem Steger übergeben werden und falls die Amerikaner auch diesmal wieder, wie in den zwei vorhergehenden Jahren. Sieger bleiben, sc fällt ihnen die Trophäe, etn tudem Becher, definitiv zu. f. : u e Eisen- und Stahlwerke. Detroit. Mich.. 20. April. Im Russell House in hiesiger Stadt sind am Freitag die endgültigen Arrangements für die Errichtung riesiger Eisen- und Stahlwerke in Saulte St. Marie, auf der canadischen Seite, getroffen worden. Das Aktienkapital der neuen Kompagnie wird $50.000.000 betragen und die Werke werden, wenn ganz im Betrieb, 10.000 Arbeiter beschäftiaen. Ti? Wasserkraft des Soo-Kanal-wird benutzt werden und eventue!! werden auch Werke auf der ameri konischen Seite angelegt werden. Mord aus Eifersucht. M i ! t o n, Cal.. 20. April. John H. Gorbam, Vormann der Union Kuder-Mtne, hat am Donnerstag Abend in Copperopolis einen Mann. Namens George B. McCarthy. erschosfen und sich dann selbst das Leben genornrnen. indem er sich mit Sprengpuloe? in die Luft sprengte. Eifersucht war die Veranlassung zu der That. Von den Philippinen aus gewiesen. San Francisco. Cal.. 20. April. Der Transportdampfer Rosecrans" hat von Manila fünf Männer mitgebracht, die von den dortigen Militärbehörden ausgewiesen wurden. Einer davon ist Santiago Maceo. ein Sohn des cubanischen Insurgentenführers Antonio Maceo. der Sergeant bei den Macabebe-Kundaftern auf der Insel Luzon war. Er wurde angeklagt, den Filipinos Information über die Bewegungen der amerikanischen Truppen gegeben zu haben und aus der Armee entlassen, und schließlich. da General MacArthur seine AnWesenheit auf den Philippinen für unerwünscht hielt, nach den Ver. Staaten zurückgeschickt. Mißbrauch der Post. B e l l ! f o n t a i n e. O.. 20. April. Zwei Männer sind hier am Freitag auf die Anklage hin verhaftet worden, die Postgesetze verletzt zu haben. Einer der Männer. A. F. Firestine. ist angellagt, weit und breit Eier von fei-
ucn yurzneri orten zu 5! das Dutzend annoncirt. den Bestellern aber ganz ge wohnliche Eier geliefert zu haben. Der Andere. Sereno Weeks, ist angeklagt, unter falschem Namen Waaren bestellt und den Namen des hiesige Postmeisters und desjenigen von Sidney aks Sicherheit angegeben zu haden. Der Zoll auf russischem Zucker bleibt. New York. 20. April. Die Ber. St. Waaren -Abschätzungsbehörde hat am Freitag ihre Entscheidung in Bezug auf die Verzollung von aus Rußland irnportirtern Zucker abgegeben. Die Majorität der Behörde bat entschieden, daß die Ver. Staaten berechtigt seien, einen Zuschlagszoll van russischem Zucker zu erheben. Fallche $5-Goldstücke. Niles. Mich.. 20. April. Jr diesem Theil des Staates sind ein? große Menge von falschen $5-GoId stücken im Umlauf. Diese Münzen, dik sehr gut gemacht sind, tauchen so massenhaft auf, daß die Geschäftsleute sich fürchten, überhaupt noch $5-Goldstück anzunehmen. Soweit waren die Bemühungen der Geheimdienstagenten, den Falschmünzern auf die Spur zu kommen, vergeblich. Gattenmord. Jackson. Mich.. 20. April. Da vid H. Crech. ein 70 Jahre alter Kapi :alist, der seit 50 Jahren in hiesiger Stadt ansässig war. tödtete am Nachmittag auf der Straße seine Frau, indem er ihr vier Kugeln in den Kopf, Hals und Mund schoß, während er si mit der linken Hand festhielt. Frau Creech war vierzig Jahre alt und seil zwölf Jahren verheirathet. Vor ihre, Verheiratung mit Creech war sie dessen Haushälterin. Die Ehe war bei von Anfang an eine unglückliche. Vor einiger Zeit reichte die Frau eine Scherdungsklage ein und nachdem das Paat noch mehrmals versucht hatte, zusam. menzuleben. wurde der Frau di Scheidung bewilligt und der heutig Mord war die Folge. Als Creech ver. haftet wurde, wurde ein zweiter geladener Revolver an ihm gefunden. Er sagte, daß er die Absicht gehabt habe, auch sich selbst zu tödten. John A. Kasson resignirt Ws hing ton. D. C.. 20. April Herr John Ä. Kasson hat seine offi. ziellen. Beziehungen zu dem Staatdepartement gelöst, mit dem er seit den Beginn der ersten Administration de! Präsidenten McKinley in Verbindune gestanden hat. Er war speziell da-, mit beauftragt, die Unterhandlungen zu führen, die zu dem Abschluß einei Anzahl Reciprozitäts - Verträge unl Arrangements unter dem Dingley-Ge-setz mit anderen Mächten geführt haden, welche Verträge aber nicht vor Senat bestätigt worden sind. Obgleich er seine offizielle Verbin dung mit dem Staats-Departement gelöst hat, erklärt Herr Kasson, daß er zi jeder Zeit bereit sei. die besonderen Informationen. die er über Handels-An-gelegenheiten etc. besitzt, der Regierunc zur'Versügung zu stellen. Das Bureau im Staats-Departement. da, Herr Kasson organisirt hat. wird indeß weiter bestehen, sodaß die in diese schwierigen Angelegenheiten erfahrener Beamten 'm Bereich des Departement sind, wenn beschlossen werden sollte, di, Rcciprozitäts-Unterhandlungen wiedei auszunehmen. Schrot - Patronen. Columbus. O.. 20. Api'I. -General - Adjudant Gyaer hat beschlos sen. die Staatsmilizen mit Schrotpatronen zu versehen, welche bei Tumul ten statt der bisherigen Kuael-Patronen zur Anwendung kommen sollen. Die im Centrum der Schrotpatronen besindlichen Hagelkörner treffen mit ziem licher Sicherheit das ZielobKkt. wahrend sich die übrigen zerstreuen. Die Patronen sind deshalb auf kurze T)istanz wirksam genug und tödten keine unschuldigen Leute auf große Entfer nungen. wie dies mehrfach mit den Ku gelpatronen vorgekommen ist. Freibrief aufgehoben. Columbus, O.. 20. April. Staats - Versicherungs - Kommissäe Vorys hat den Freibrief der Manhat tan Feuer - Versicherungs Gesellschaft von New York temporär widerrufen, da die Untersuchung des Standes dr Gesellschaft durch die New Yorker Bebörden ergeben hat, daß die Gesellschct weniger Baarbestände besitzt, wie unter den Gesetzen von Ohio erforderlich sind. Die Gesellschaft erhielt 10 Tage Frist, um Gründe anzugeben, warum ihr Freibrief nicht definitiv widerrufen werden sollte. Weitere Depeschen aus Seite 4.
P. und L. M. Navvaport. Anwälte und Notare sür Rechtssachen jeder Art. Zimmer ?!o. 821 und 22, Law Building, Ost Market Str., zwischen Delaware u . Pennsylvania Str.
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