Indiana Tribüne, Volume 24, Number 207, Indianapolis, Marion County, 14 April 1901 — Page 2
Jndtana Tribüne, Sonntag, 14. April 1901.
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( Zwei Fahrten.
Von fc. Ritter. Es liegt ein Städtchen im G:birge. das für Jeden, der es zum ersten Male fteht. ei Entdeckung, ein unvermuthek Schatzfinden bedeutet; wie ein Eckstein liegt es tief unten in felsig Spalte, die in dem Hochlande des Äbirges klafft. Ueber grüne Weiden und düftere Haiden kommt man heran uny steht plötzlich am Rande einer gähneniden Thalschlucht, die ein- Fluß durchbraust. Auf den schmalen Borten 3 beiden Seiten des rauschenden Wasers ist das. Städtchen aufgebaut; angeklebt an die Felsen in dichten Strafcenikn. Altmodische, stattliche Patrizierhäuser mit Wetterfahnen und Wasserspeiern ragen auf und über ihoen thronen auf schroffen Felskanten düftere Burgtrmnmern. Von der Hochebene herab ziehen von drei Seiten her die weißen Bänder der Landftraßen in die Gassen, die in ihrer Lebendigkeit, mit dem Gewerbefleiß und bürgerlichen Behagen in erstaunlichem Gegensatz stehen zu der Gebirgswildiß. die man Stunden lang durchwandert hat. Auf der einen der Landstraße geschahen die beiden Fahrten, damals, in der guten, alten Zeit, in der wir noch jung waren Schnee deckt alle Berge ringsum. An den Felswänden hängt er in glitzernden Streifen und Fetzen, unterKrochen von dunklem, senkrecht abfalJentem Gestein und den Mauerleisten der Terrassen, auf denen die Fabrikanten ihre Tuchstücke ausspannen. Auf btn alten Häusern ruht er in dicken Wappen; an den Rinnen und Wasserspeiern der Dächer hängen mannslange 'Eiszapfen. Eisborten haben die Fluth des Gebirgsflusses zu schmaler Rinne eingeengt. Eine klare, kalte Luft liegt über dem Thalkessel. Auf den Bergkämmen fließt eine wunderbare Färbung in ihre krystallene Helle, ein blauvioletter Aquarellfarbenton auf der einen Seite, in glänzend goldgelber Streifen, der die Silhouetten des Buschwerks und der Tannen durchfunkelt, auf der anderen Lergeshöhe. Dort über den goldumrandeten Kämmen stand bis vor wenigen Augenblicken die Sonne. Zögernd sank sie hinter die Berge, denn ein lustiges Schauspiel im Thal fesselte die uralte, immer heitere Weltenmutter. Die Jugend des Städtchens fährt Schlitten auf der Landstraße, auf der wundervollen, sanft abfallenden Bahn, die es in solcher Vollkommenheit nirgenowo widergibt. Eine dunkle, eisgeglättete Fährte läuft zwischen Schneestreifen über die Mitte der Landftratze. Auf ihr jagen lange Kufenschütten abwärts. Gleich schwarzen Pünktchen erscheinen sie, einer hinter dem anoeren, oben an der Biegung. Sie vergrößern sich in rasender Gect :;.üigktt. Eine eng aneinander getlammerte Gruppe kleiner Menschlein sitzt auf jedem. Man sieht einen Augmblick ihre hinter einander gereihten vinterrothen und vergnügten Gesichter, tif zum warnenden Schrei weit aufzeriffenen Münder. Dann sausen sie rcbei auf donnernden Kufen, bis daun. wo ein Schlußsprung auf's Strazenpflaster die Reise beendet. Dort ergreift einer der Mannschaft die Zugleine des Fahrzeuges, und fo trabt man Wieder aufwärts neben der glatten Bahn her. inmitten eines Gewimmels eilfertiger Menschlein und Schlitten und eines vergnügten Stimmengewirrs, das an den Berghängen widerhallt. Auch Postillons Wilhelm stampft neben der Bahn zur Höhe der Straße. Er hat keinen Schlitten bei sich, aber fahren will und wird er doch, kraft seiner Autorität, die ihm, dem gefürchtetsten Schlager und Stratzenbenge! des Städtchens, einen Platz auf jedem Schlitten sichert. Ein vierschrötiger Kerl von etwa vierzehn Jahren ist er, mit breitem, rothem Gesicht und breitgezogenem Munde. Eine aus einem abgelegten Uniformrocke seines Vaters geschneiderte Jacke umspannt mühsam seine Schultern und läßt die rothen Fäuste an den rothen Armen lang aus den Aermeln heraushängen. Postillons Wilhelm knufft sich trabend durch das Gewühl der Kinder. Eine lachende und schreiende Gruppe, die er von ferne cn der Abfahrtsstelle erblickt und die zweifellos ein sich prügelndes Knabenpaar umsteht, läßt ihn für den Rest des Weges seine Eile verdoppeln. Was ist los? schreit er schon von Weitem und schlenkert die geballten Fäuste. Man kennt seine Stimme, wie 25r -f. . i m c -1 Ins VJHJjCUC uu uucii 4uiwii kennt, und man öffnet eilfertig den Ring, um dem Matador die Ursache des Auflaufes zu zeigen. Enttäuscht, entrüstet sieht er sich einem etwa zehnjährigen Mädchen gegen- . nur 11 i n u urc 11 . uiiuiauuiu ivii. . . . i Uhan --Hiflisi.ian tii IC IUIUUI, UUICI Ull UUÖ JUIHUcn ' rr ' v . - sj. . lem Gesicht zwei schwarze Augen angstvoll aufblicken. Was ist los? brüllt Wilhelm die lachenden Jungen ringsum an. Der Sebmerzensreich ist das! jubelt die ?ande. $)a geht Wilhelm ein Licht auf. Das :dchen ist die Tochter des Direciors im Städtchen gaftirenden Thecterppe. Er hat die Kleine vongen jaintag bei der Genofeva-Borstellüng der Rolle des Schmerzensreich beundert. Sie hat heute theilnehmen len am Wintervergnügen, es ist ihr ' .ngen wie dem bunten Vogel ferner im. wenn er unter Spatzen gerätö )iese X. öen sine o,?r.i?.n u.tj grau sagt )2s Wädchn in fremdartiaber uaheimlich correctem Hochund mit aufoereqier Schnellio e reißen nur den Schlitten herbeweisen mich mit'Schneebal'DMchaa? der umstehend? Schlin el bricht in neues Gelächter aus. Zr dyast erscheint lhn das Mädchen,
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essen Haltung und Miene theatralisch Abscheu und Zorn ausdrücken. Ein Bengel wirft abermals eine Hand voll Schnee nach der weißen Pelzmütze, trifft aber unglücklicherweise Postillons Wilhelm. Dieser säumt nicht, er fällt über den Thäter her. wirft ihn zu Boden, kugelt noch einige andere Jungen über ihn hin und zwingt die ganze Gesellschaft. eilig ihr Heil auf denSchlitten zu suchen. Einem feingekleideten Fabrikantensohn jedoch entreißt er sein Fahrzeug mit der Miene eines siegreichen Piraten. Ich fahre jetzt einmal. Du kannst warten, bis ich zurückkomme, erklärt er kurz und bündig. Du bist sehr stark, sagt das Theaterprinzeßchen und sieht bewundernd, wie Wilhelm sich zur Abfahrt rüstet. Geschmeichelt wendet er sich um. Warum fährst Du nicht? fragt er wohlwollend. Ich verstehe es nicht und komme stetA aus der Bahn mit dem kleinen Schlitten, den mir unsere Wirthin borgte. Er sieht das Ding verachtungsvoll an. Das ist nichts. Komm her. Du kannst einmal mit mir fahren! Sie läßt es sich nicht zweimal sagen und nimmt eilig hinter Wilhelms Rücken Platz. Bringe die Füße nicht vor den Kufen auf den Boden und halte Dich fest an mir, commandirte dieser. Es geht los. Wilhelm dreht die Schnur fest um die Faust, rückt mit einigen energischen Bewegungen den Schlitten in Fahrt, lehnt sich nach hinten und steuert gewaltig mit den Beinen. Anfangs langsam gleitend, schießt das Fahrzeug bald mit oerdop pelter und verdreifachter Schnelligkeit abwärts. Ein grauenvolles Entzücken läßt das Herz der Kleinen stillstehen an der gefährlichen Biegung der Straße, wo dem ungeübten Fahrer der Abhang zum Fluß mit jähem Absturz droht. Aber Wilhelm legt sich zur Seite, mächtig mit den Beinen rudernd fährt er in elegantem Bogen um die Ecke. Schnee spritzt auf und blendet für einen Augenblick das Mädchen. Dann sieht es, scheu neben der Schulter des Burschen hervorlugend, wie sie auf
die lange, gerade Strecke gelangen, bedeckt mit Schlitten, eingefaßt von der Doppelreihe der Aufwärtsstrebenden, deren Figuren schattenhaft vorbeihuschen. Gewaltig brüllt der Führer, um Bahn zu bekommen und einige langsame Schlitten seitwärts zu scheuchen Dann sind sie wie der Blitz zwischen den Zögernden. Sie fassen ein Fahrzeug, das angefüllt ist mit den Peinigern von vorhin, in der Flanke und stürzen es um, ein zweites schleudert Wilhelms Fußtritt in denStraßengraben. Genofeva und Schmerzensreich! schallt das Hohngeschr der Verunglückten ihnen nach. Jetzt fahren wir erst recht zusammen, sagt, unten angelangt, Wilhelm grimmig zu seiner Begleiterin, und die Kerls bekommen Prügel. Willst Du noch? fragt er das schmächtige Mädchen. Ob sie will! Dankbar schaut sie auf zu dem großen Jungen. Der setzt sie auf den Schlitten, nimmt die Schnur und trabt neben der Bahn aufwärts. Wo er den höhnischen Ruf nochmals vernimmt, wirft er denStrick zu Boden und liefert ein eiliges, siegreiches Gefecht. Der rauhe Bursche hat immer mehr Vergnügen an seinem zierlichen Schützling. Wie das Mädchen lachen kann und plaudern, unaufhörlich zwitschernd mit Heller Stimme, wie der Buchfink in den Zweigen! Stets lustiger wird sie; ihre Backen und Augen strahlen, unsägliches Vergnügen glänzt aus dem feinen Gesichtchen. Auch der Fabrikantcnsohn. der jetzt seinen Schlitten mit benutzen darf, befreundet sich mit dem seltsamen Persönchen. Unzähligemal jagen sie zu dritt die Bahn hinunter. Das Theaterprinzeßchen klascht in die Hände; es gibt nichts Herrlicheres als solche Schlittenfahrt. Erst als die rothen Lichter des Städtchens aufleuchten und tausend Sterne am dunkeln Himmelsschilde glänzen, fährt Wilhelm das fremde Mädchen nach Hause. Ach, wir können nie wieder zusammenfahren, klagt Anita vor ihrer Hausthür. Morgen reisen wir ab, ich muß immer weg, wenn es schön an einem Orte ist. Sie weint fast, und Wilhelm schaut mit einem seltsamen Gemisch von Rührung und Verlegenheit auf das feine Gesichtchen. Warte, sagte das Mädchen, ich schenke Dir etwas zum Danke. Es eilt hinauf und er wartet. Geduldig trabt er auf und ab vor dem Hause und blickt nach dem erleuchteten Fenster des Oberstockes. Aber Anita kommt nicht zurück. undWilhelm, der sich schon mit dem Gedanken an einige Aepfel angenehm vertraut gemacht hat, schliddert verdrießlich über die gefrorenen Straßenrinnen heimwärts. Fünfzehn Jahre sind vergangen. Es ist Frühling im Gebirge. Neben der Landstraße, die zum Städtchen hinabzieht, flammt der Ginster auf in den Lücken der grünen Büsche. Ginstergold rieselt die steilen Abhänge am Flusse hinunter. Die nackten Berge über dem Flusse sind mit leichtem Pinselstrich in Helles Grün gemalt; Heidekuppen sitzen auf ihren Häuptern wie ein fahlbrauner ftila. besteckt mit blühenden BüIchcil. er Tannenwald aus der andern Seite der Straße hat helle Kerzen aufgesetzt. Finkengeschmetter schallt aus allen Büschen. Durch die Frühlingsherrlichkeit, vorbei an den Ebereschen, die in ruhiger Feierlichkeit mit mattgrünem Blattwerk und weißen Blüthendolden dastehen, rollt der gelbe, Postwagen. Lässig hintenüber gelehnt sitzt der Postillon auf dem Bock, ein kräftiger Mann mit starkem Schnurrbart im breiten Gesicht. Plötzlich zieht er die Zügel an, man hat ihm aus dem Wagen her geklopft. Der Wagen hält, und der Postillon springt vom Bock, um sich nach den Wünschen seiner Passagiere zu erkundigen. zweier Damen, einer älteren und emer lungen, bildhübschen. Tbue es nitfi Anita, bittet d äl-
lere. Was sollen die Leute sagen, wenn ihr Gast so einzieht. Die junge lacht ein übermüthiges, silberhelles Lachen, und tritt aus der geöffneten Wag.enthür. Was die Leute denken, ist mir gleichgiltig, sagte sie, und ich möchte hier die Gegend besser betrachten können. Wollen Sie mir etwas Platz auf dem Bock gewähren.
fragt sie den Postillon. Natürlich will er. Das Vergnügen leuchtet ihm vom Gesicht, während er der Fremden beim Aufstieg zum Bock behilflich ist. Dann rollen wieder die Räder, klirren die Ketten, klappern die Hufe. Mit träumerischen Augen schaut die Fremde in die Frühlingsherrlichkeit, in die tiefe Thalschlucht neben der Straße, wo der Fluß rauscht, hinüber zu den Höhen, an deren Rand einige Kornfelder in der Bergluft wogen, wobei ein dunkler Schimmer, gleich leichtem Rauche über ihre Aehrenhäupte? fliegt. Me wunderschön, flüstert sie leise vor sich hin. Hier muß es gewesen sein, ruft sie plötzlich laut und lebhaft, als drunten die Ruine und die ersten Häuser des Städtchens auftauchen. Sagen Sie. Postillon, fährt die Stadtjugend nicht auf dieser Landstraße im Winter Schlitten? Doch, sagt er verwundert. Eine Jugenderinnerung fährt ihm durch den Kopf, eine Ähnlichkeit fällt ihm auf. Ueber das Gesicht der jungen Dame fliegt ein sonniges Lächeln. Hier habe auch ich einmal Schlitten gefahren, sagte sie. Es war das erste und einzigste Mal, daß ich derart fuhr, aber es war herrlich. Dann bin ich vielleicht mit Ihnen gefahren, stottert der Postillon. Sie sieht ihn starr an. Sie sind der Wilhelm von damals? jubelt sie. Solch' ein Wiedersehen, das ist ja ganz romanhaft. Wie glücklich bin ich. Sie wieder zu schen und Ihnen endlich zu danken für die schöne Fahrt! Ich fühle noch das Leid von damals, als mir die Mutter, der späten Stunde wegen, verbot, zu Ihnen herunterzukommen. Wissen Sie. daß allein unsere Schlittenpartie mir die Erinnerung an Ihr Städtchen lebenoig erhielt, daß. als die Herrschaften hier mich so sehr um MitWirkung bei ihrem Concerte baten und ich den Ortsnamen nochmals hörte, mich eine wirkliche Sehnsucht, den Ort wieder zu sehen, packte. So sprudeln die Worte aus ihrem Munde, unterbrochen von silberhellem Lachen. Von ihrem feinen Gesicht leuchten Glück und Vergnügen, wie damals bei der Schlittenfahrt. Sie kommen doch heute Abend zum Concert? fragt sie lebhaft. Auf seinem breiten Gesicht kämpfen das Glück, neben der berühmten Dame zu sitzen, von der das Städtchen schon tagelang gesprochen, sie zu kennen von früher her. und der Ausdruck tödtlichster Verlegenheit. Das ist nur für die feinen Leute, stammelt er schließlich. Unsinn, sagte sie bestimmt, Sie kommen. Hier meine Karte geben Sie am Eingang ab. Er tritt dann auch einige Stunden später in den hellerleuchteten Concertsaal, eingezwängt in einen schwarzen Feiertagsrock, der ihm zu eng ist. Die alte Dame empfängt ihn und führt ihn zur ersten Stuhlreihe. Dort setzt er sich scheu auf den Eckplatz. Die Herren werfen auf den Postillon verwunderte Blicke, die Damen flüstern sich lachend kleine Bemerkungen zu. Der städtische Chor singt, und dann singt die berühmte Fremde. Stürmisch wird sie begrüßt, als sie auf der Bühne erscheint, strahlend in reicher Toilette, eine Reihe blitzender Steine auf dem weißen Hals. Der Postillon jubelt nicht und spendet keinen Beifall, er ist sozusagen erstarrt in Staunen. Er versteht nicht ganz den Sinn derArien, die Anita singt, aber er hört ihre silberhelle Stimme, die ihn, den armen Teufel, in ein Märchenreich trägt. Das Publikum ist außer sich, es jubelt Beifall mit der stürmischen Begeisterung, die da zu Hause ist, wo dem Gebildeten selten künstlerischer Genutz zu Theil wird. Die Sängerin begeisiert sich an ihrenZuhörern und an demandächtigen Gesicht ihres Schützlings dort an der Ecke. Sie lächelt ibm zu. sie fühlt sich in einer glücklichen Laune, sie findet, daß sie niemals schöner gesungen. Lied um Lied gibt sie zu, kleine, herzige Volksweisen, duftig wie Blumen in Hag und Haide. Die Kindheit ist in ihr lebendig geworden, die Zeit der glühenden Phantasien und Hoffnungen, die ihr. dem Kind der l fahrenden Leute, eigentlich recht wenig an frischem und Frohem geboten hat, die ihr aber heute überstrahlt erscheint von dem Erinnerungsschein des einen schönen Kindheitstages. Das Concert ist u Ende. Wie aus wohligem Zauderbann gerissen erheoen sich die Zuhörer. Sie umringen die Künstlerin, um noch ein Wort, einen Blick von der Spenderin so vielerKunst und Poesie zu erHaschen. Die Herren mdrängen die gefeierte Dame, alle begehren sie die Ehre, diese zu ihrem Gasthof zu geleiten, wo ein Festmahl ihrer harrt. Postillons Wilhelm ist es zu Muthe, als sei er aus einem unsag bar herrlichen Himmel auf die Alltagserde zurückgefallen. Langsam und :mbemerkt will er au dem Saale schleichen, aber Anita winkt ihm. zu bleiben. Sie eilt auf ihn zu und schiebt ihre Hand unter seinen Arm. Meine Herren. sagt sie übermüthig, ich muß für ihre Ritterdienste danken. Ich habe h'.er einen Beschützer, einen alten 'f - reund von früher her. dem Ste meine Anwesenheit hier überhaupt verdanken. Er darf ältere Rechte geltend machen und wird mich nach Hause geleiten. Wie er sich benommen hat in jenem großen Augenblick, wie er, der Postillon. die berühmte Sängerin über die Straße geleitet hat. das ist Wilhelm niemals ganz klar gewesen. Er war wie berauscht von Glück, Schönheit und Stolz. Als ein Märchen würde er
später manchmal sein Erlebniß betrachtet haben, hätte nicht daheim im Schubfach ein Ring mit kostbarem Stein gelegen, den ihm beim Abschied die Sängerin geschenkt. Wilhelm ist heute ein alter, grauer Junggeselle. Er fährt noch den Postwagen, den letzten, der noch in das Städtchen rollt, ein Fahrzeug, das selten benutzt wird. Das Städtchen ist todt und traurig geworden. Der fröhliche Strom des Verkehrs ist aus seinen Gassen geschwunden, öde stehen die Patricierhauser, stumm sind die Spinnereien, die snunteren Herren und Damen sind verschwunden, verzogen die reichen, lebensfrohen Familien. Abgeschabt, langweilig todt erscheint die Welt, wenn man heute durch das Städtlein wandert; sie ist gar nicht zu vergleichen mit der schönen, romantischen Zeit, in der man jung war und Erlebnisse hatte, die da glänzen im Alltagsleben, wie der Ring in WilHelms Schublade, wie die zwei Fahrten und das Concert in den Erinnerungen des alten Postillons. Verwandt.
Ron A. v. Hedenfijerna. Elly Birk war vor einigen Monaten nach der Residenz gekommen, um dort eine Stellung als Correspondentin anzunehmen. Mit ihrem Zigeunerköpfchen und ihrer Elfengestalt sah sie entzückend aus und schien nicht recht in die nüchterne Atmosphäre des Comptoirs zu passen. Heute war sie unerlaubt zerstreut, denn von einer Bekannten hatte sie erfahren, daß Herr und Frau Oberst Bentzelius in der Hauptstadt eingetroffen waren. Die Frau Oberst war eine Cousine ihrer Mutter und hatte sich einen ganzen Sommer im Pfarrhause aufgehalten, als Elly erst acht Jahre alt war. Als sie sich später verheirathete, ließ sie zwar nichts mehr von sich hören, aber in Ellys Heim wurde doch nur freundlich ihrer gedacht. Daher fand sich Elly verpflichtet, ihr einen Besuch im Hotel zu machen, und war überzeugt, daß die Tante sich ; riesig freuen würbe, sie zu sehen. War m ooa, als caocuen caraa oenc Freundin gewesen! Und hatte sie nicht mit Elly gespielt und sie mit besonderem Entzücken geliebkost und verhät-, '$2 m . , . . , Die Frau Oberst hatte sich jedoch seit dem Sommer vor zehn Jahren bedeutend geändert. Sie erschien weder froh noch gesund, und es bereitete ihr anscheinend Mühe, die Erinnerung an das gastfreundliche Pfarrhaus ins Gedächtniß zurückzurufen. Verwirrt wollte Elly sich schon emptehlen. als der Oberst eintrat, der jeoocy losort umkehren wollte. als er oas yuoicye lgurcyen im vtauen Promenadenklcid erblickte. Seine Frau winkte ihm jedoch zu: Das ist Elly Birk. Du erinnerst Dich vielleicht.... .3 gewiß, erwiderte er hoslich, . - , . . . . indem er wohlgefällig das schwarzlockige Kopfchen, welches so kindlich aus-
iay uno oie großen nrayienoen Augen, Schönheit aufzufinden. Schon die bein denen jetzt jedoch ein wehmüthiger rühmten Schönheiten Frankreichs. Ni-
Ausdruck lag. betrachtete. Elly stammelte verlegen: ,,0) will etc mcyt langer Itoren, ". V , Herr Oberst!" Du sagst Onkel Franz zu mir, und heute Abend kommst Du mit mir in die Oper," sagte er halb freundlich, halb befehlend. Elly wagte keinen Widerspruch, und als sie sich einige Stunden später im yeaier einiano, irar ne aucy einen 4 l. ri I 1 ' ä rr - mm blonden, stattlichen Herrn in Gesell schaft ihrer Verwandten. Mein Neffe Adolph, Referendar,
unsere Nichte Elly Birk" stellte sie teln zu suchen. Die modernen Naturder Onkel vor. ' Wissenschaften verweisen den Menschen Es war ein wunderbarer Abend für auf ein gesundheits- und vernunstsgeElly. Sie kam selten in die Oper, mäßes Leben, auf eine weise Beund so fein hatte sie noch nie gesessen. Nutzung derjenigen Hilfsquellen, .welDer Onkel hoffte, daß sie den Haus- ch die Natur und die Erfahrung in so schlüssel mitgenommen hätte, denn sie reicher Weise für die Erhaltung der
müßte natürlich mit ihnen soupiren, und es gefiel ihr auch sehr gut in dem eleganten Weinrestaurant, wohin sie sich nach Schluß der Ope: begaben. Beim Champagner sagte Onkel Franz: Adolph und Elly, Ihr könnt ruhig Du" zu einander sagen. Ihr seid ja doch verwandt!" Seine Frau zog die Augenbrauen in die Höhe und sah aus. als ob sie das ganz unnütz fände; aber die beiden jungn Menschenkinder hoben ihre Gläser und lächelten, während die lugen blitzten und Ellvs Herz jo destig schlug, daß sie selbst erschrak über ihre jubelnde Freude. Denn sie war vergnügt. Es war das erste Mal in ihrem Leben, daß solch ein stattlicher Mann ihr so eifrig die Cour machte. Was im übrigen der Champagner in ihrem kleinen Köpfchen anrichtete, und was sie eigentlich fühlte, als der Referendar seine heißen Blicke in ihre blitzendem Augen versenkte, das konnte sie nicht verstehen. Erst spät brach man auf. Die beiden Alten waren zu müde, um Elly zu begleiten, und so besorgte ihr der Onkel eine Droschke, in die auch der Referendar überflüssiqerweise einstieg. Als sie vor Ellys Thür angelangt waren, sprang er aus dem Wagen, schlang seinen Arm unnöthig fest um ihre schlanke Taille und kam mit seiner Wange den schwarzen Locken unmotivirt nahe. Aber Adolph . . . keuchte sie. Wir sind ja verwandt," scherzte er. In den nächsten Monaten trafen sie sich ab und zu auf der Straße, und wenn er Zeit hatte, begleitete er sie ein Stückchen. 'Einmal ruhten große Wolken auf seinem hellen Gesicht. Du bist heute mißgestimmt? frag ic lic iqn uciurgi. x. r. . :t x- i
Habe auch a U," lautete die
Veranlassung da-
urrrsche Antwort.
Heute mehr als sonst?- fuhr sie eigensinnig fort. Aber Elly! Zwar unter Verwand-
ten ist das nicht so schlimm, da kann ' ich es auch sagen. Ich habe Schulden. Große sogar. Denk mal' Ella, wie romantisch!" Am nächsten Mal jedoch war wieder Sonne in seinem Blick, und auch später hielt die gute Laune an. Auch Elln jubelte und träumte manch' lieblichen Traum. Infolgedessen war sie mehr als gewöhnlich zerstreut, und sie brauchte den ganzen Zauber ihrer rleinen Persönlichkeit, um sich im Bureau die Gunst der Herren und der alten Collegin zu erhalten. Sie müssen unbedingt mehr Ordnung halten," behauptete diese. Sie sind ein richtiger Wildfang versicherte der Chef. Da traf sie wieder nach längerer Zeit den Referendar. Er schien ganz in Gedanken versunken und ließ sie fast ausschließlich die Kosten des Gesprächs tragen. Dann blieb sie plötzlich stehen, sah ihm gerade in die Augen und fragte: Ist wieder etwas Unangenehmes passirt?" Das nicht. Im Gegentheil! Aber ich stehe vor einem wichtigen WendePunkt in meinem Leben!" Was denn? Erzähle!" Nein, nein, das ist ein tiefes Geheimniß. Aber Dir kann ich es doch erzählen. Ich werde mich in den nächjten Tagen mit dem reichen Fräulein Seldin verloben ..." Seitdem sind mehr als zwei Jahre verflossen. Es ist möglich, daß aus Elly eine tüchtige Correspondentin wird. Sie ist viel schweigsamer als früher, und der Chef sagte neulich anerkennend von ihr: Ein nettes Wesen hatte sie immer, aber nun fängt sie auch an, eine vorzügliche Arbeitskraft zu werden. Moderne Schönyettspstege. on Dr. med. S. Scherberl. Der Beginn des zwanzigsten Jahrfnnhrt Miefari eine .hinft aus wl'ssenschaftlicher Grundlage aufbauen zu sollen, die vor einem Jahrhundert durch die von Mystik umgebene Charlatanerie eines Cagliostro und Graftn Saint-Germain gar arg in Mißcredit glommen war. Der Stein der Weisen". den jene zu besitzen vorgaben, und ber die verlorene Jugendlrast und Schönheit wiederherstellen sollte, ist gsiar auch heute noch nicht gefunden worden. Aber die Sehnsucht nach Schönheit besteht auch jetzt noch in der Menschheit, und nicht bloß bei dem ! weiblichen Theile derselben, in unverminderte? Kraft und Stärke, Seit jeher haben die Denker und tcDmtT nack Mitteln aesucbt. welche die schwindenden Jugendsäfte aufzu frischen, die äußeren Formen und die Spanntraft der Jugend zu erhalten im Stande waren. Immer mehr ist man jedoch im Laufe der Jahrhunderte zu w ' der Ueberzeuauna aelanat. dak es kaum je gelingen werde, ein Elixir zur Erhaltung und Wiederherstellung der non de l'Enclos, Diana von Poitiers und andere, von denen man bebauvtete. " daß sie im Besitze wunderbarer Tinkturen und Schönheitswässer gewesen seien, haben bekannt, daß das geheimnißvolle Mittel, mit dem sie Fürsten und Könige so lange Zeit an die Reize ihrer Jugend und Schönheit zu fesseln vermochten, der Gebrauch des Was ftrs gewesen ist und insbesondere des Reqenwassers. i - Die neueren Forschungen haben es zum größten Theile längst aufgegeben, nach derartigen aebeimniftvollen Mitugendfrische und der Schönheitsreize bieten. Nichtsdestoweniger finden sich in unserem Heilschatze auch Mittel, die zweifellos eine verjüngende, auffrischende, verschönernde Kraft auszuüben vermögen. Dazu gehört der Arsenik. Unter dem Einfluß des Arsenikgebrauches nimmt das Körpergewicht zu. steigert sich der Fettansatz, runden sich die Formen und stellt sich ein allgemeines Wohlbehagen ein. welches dem Menscher, das Gefühl erneuter Jugndfrische und ein besseres Aus- ; sehen verleiht. Aber Arsenik ist und bleibt doch ein Gift, und eine Arsenikkur" trägt zu viele Gefahren in sich, als daß sie zur Verschönerung empfohlen werden könnte. Wie wir oben schon andeuteten. wohnt dagegen dem Wasser in ausgezeichnet Weise eine auffrischende, verjüngende und verschönernde Kraft inne. sei es in der Form der Kaltwasserbehandlung, sei es durch laue oder warme Waschungen und Bäder, sei es in der Gestalt der Wildbäder. Au diesen letzteren gehören vör allem die Bäder von Gastein, Jschl, Ragaz, Wildbad, Johannisbad. Lan1eck. Warmbrunn usw. Bei den Wildbädern soll die Elektricität eine große Rolle spiesen. für welche das Wildbadwasser eine bedeutende Leitungskraft besitzt. Deshalb scheint auch neben der Wasserbehandlung die gleichzeitige Anwendung der Elektricität (neuerdings auch elektrischer Bäder) ein Mittel zur Verjüngung und Verschönerung des Menschen zu sein. Ob aber nun die Elektricität angebracht ist und ob bei der Wasseranwendung der Mensch warm" oder kalt" behandelt werden muß, das je nach der Persönlichkeit des Betreffenden zu bestimmen, wird wohl am besten Sache deö Arztes und insbesondere des Kosmetikers sein. Und ein Gleiches wnd auch für em
anderes Mittel gelten, welches sich seit einiger Zeit zur Wiederherstellung geschwundener körperlicher Vorzüge hauptsächlich bei körperlich Herunterzekommenen, mageren Personen außerordentlich bewährt hat. nämlich für die sogenannte Mastkur, vornehmlich in der Art. wie sie von Pläyfair-Mit-chell angegeben worden ist. So unschön der Name dieser Kur erscheint, von so segensreichen Folgen kann sie sein für die Abrundung und Verschönerung der äußeren Körperformen und auch des Gesichtes. Auf die Einzelheiten dieser Kur hier einnigehen. würde uns zu weit führen und wtr wolle nur bemerken, daß es sich um die Zuführung größerer Mengen leicht verbaulicher Nahrungsmittel handeU während mehrerer Wochen, bei kör perlicher und geistiger Ruhe, namentlich Bettruhe, und Fernhaltung von allen Familien- und sonstigen Sorgen. Unterstützt wird die Mastkur durch zweckmäßig angewendete Massage (als Ersatz für die unterbleibende Bewegung und Muskelthätigkeit), wie denn überhaupt die Massage auch sonst ebenfalls als ein Mittel zur Verjüngung. Auffrischung und Verschönerung gilt und neuerdings auch für die Gesichtspflege in vortheilhafter Weise angewendet wird. Mit der Massage Hand in Hand gehen dann in geeigneten Fällen die Zimmergymnastik, das Turnen, der Garten- und Radfahrsport usw. Die Aufgabe des Arztes ist es. zu bestimmen, welche dieser Methoden" in den einzelnen Fällen am Platze ist und den meisten Erfolg verspricht. Das wichtigste Unterstützungsmittel aller Verschönerungskuren" ist und bleibt jedoch die gesundheitsgemäße Gestaltung und Regelung der gesammten Lebensweise und Lebenshaltung. Viele und mannigfache Verhaltungsmaßregeln sind dafür angegeben worden. Sie lassen sich aber in folgende Vorschriften zusammenfassen: 1. die Aneignung einer nicht pessimistischen Lebensanschauung (keine Schwarzseherei). Zufriedenheit, gute Laune und heiterer Sinn; 2. Vermeidung von Ansteckung; 3. Abhärtung des Körpers ; 4. reichlicher Genuß reiner Luft; 3. früh zu Bette gehen und nicht zu lange schlafen; 6. Regelmäßigkeit und Ordnung; 7. Einfachheit und Mäßigkeit im Essen und Trinken; 8. Arbeitsamkeit; 9. Hautpflege. Mäßigkeit und Mäßigung! So lauten die Schlagworte und Grundsätze der Gesundheits- und auch der Schönheitspflege. Mäßigkeit in körperlicher und geistiger Beziehung. Vermeidung von Aufregungen und großm Anstrengungen, Beherrschung der Leidenschaften, sie sind eine unerläßliche Bedingung für dieErhaltung undWiedergewinnung der jugendlichen Frische und Schönheit. Dazu gehört auch die Fernhaltung von jedem Uebermaß im Essen und Trinken, von dem gewohnheitsgemäßen Alkohlgenuß in größeren Mengen; desgleichen Vermeidung zu gewürzter, zu fetter Speisen. vielen Kaffees und dergleichen mehr. Ein besonderer Nachdruck ist noch bei der Frauenwelt auf die Vermeidung enger Korsetts zu legen, welche Blutstauungen in den Organen und Veränderungen in der Hautthätigkeit hervorrufen. Immer mehr wird von den Aerzten darauf hingewiesen, daß eine wespenartige Taille eine Verirrung der Mode ist und nichts mit den Grundformen der Schönheit zu thun hat, wie sie in ganz anderer und in plastisch-harmonischer Weise in den altgriechischen Statuen der Venus her-
vortreten. Unserer Damen- und Herrenwelt gilt auch die Mahnung, in den gesellschaftlichen Vergnügungen, im Besuche von Bällen u. dgl. Maß zu halten, denn ein Uebermaß davon ist nur zu sehr geeignet, den Schmelz der Schönheit frühzeitig von den jugendfrischen Menschenblüthen abzustreifen. Wir können also sagen, daß die Grundsätze der modernen Schönheitspflege sich in der Erkenntniß z' mmenfassen lassen, daß Schönheit in e7ster Linie Gesundheit ist. daß nichts schön sein kann, was nicht auch an sich und in sich gesund ist, und daß jedes Mittel, welches die Gesundheit vorthcilhaft beeinflußt, auch gleichzeitig ein Förderungsmittel der menschlichen Schönheit ist. Wenn nun aber doch, nach unerbittlichem Naturgesetze. dieJugend schwindet und die Schönheit verblüht, dann tritt die Kunst in ihrer Rechte, welche es sich zur Aufgabe macht, den welkenden Reizen wenigstens den schönen Schein von Jugend und Anmuth zu erhalten, und diese Kunst ist die Kosmetik (Hautverschönerungskunst). Die Mittel zur Erneuerung der Jugendreize können aber immer nur dann die Schönheit des Körpers wirklich und wirksam fördern, wenn sie auch auf die Gesundheit vortheilhaft einwirken. Dazu gehört eine gründliche Pflege der Haut, besonders des Gesichtes und der Hände, der Nägel, der Haare und de? Zähne, worauf wir ein andermal zurückkommen wollen. Schönes denken und Gutes thun; Diesen Satz Dir als Leitspruch wähle. Schöne Gedanken vertiefen den Geist, Gute Thaten veredeln die Seele. -0 ( l U 11 VUl(9 i C U i Uj. EntschuldigenSie jitigst. ich heeße Sie Maier Ne, thun Sie das nicht, mir Maier zu heißen, denn ich heeße Müller Unter Freundinnen. ! Es ist doch was Schönes um die ! Wohlthätigkeit! Ich möchte auch so ?( x a .w.? c?s i r -t wohlthatic, sein können wenn ich s. nur hätte!" ,Na, Du Hast's doch!' Steck das Smgen und Klavierspielen' auf!-
IM Wechsel der Zeiten. Lon 5U. Lehniensuk. Alt Mütterlein zur Ecke geht. Dort, wo ihr altes Spinnrad steht Und setzt sich hin und richt' sich g'rad' Und neigt den Kopf und tritt das Rad. Und summt ein altes Lied dab Eine liebe, fromme Melodn. Jung Töchterchen zur Ecke geht. Hin, wo ihr neues Fahrrad steht Und setzt sich drauf und richt' sich grad' Und hebt den Kopf und tritt das Rad. Und pfeift ein neues Lied dabei Eine lust'ge, kecke Melodei. O alte Zeit, o neue Zeit! Wie seid ihr voneinander weit, Die alte: still und fromm gesinnt. Die neue: wie ein Wirbelwind; Die alte eng beschränkt dabei Und die neue frisch und keck und frei. Ter vting jitings.
Es sind jetzt 300 Jahre verflossen, seit Robert Devereux Graf von Essex auf Befehl der Königin Elisabeth von England hingerichtet wurde, nachdem er 13 Jahre lang ihr ausgesprochener Günstling gewesen war. Seitdem er einst, in Gegenwart anderer hochstehender Personen, von der Fürstin geohrfeigt worden war. hatte er sich immer mehr von der Frau frei zu machen gesucht, die er nie geliebt, sondern die er nur als gefügiges Werkzeug seiner ehrgeizigen Pläne betrachtet und benutzt hatte. Als er wegen verschiedener Insubordinationen. die er sich hatte zu Schulden kommen lassen, bei der Königin wieder einmal in Ungnade gefallen war, ließ er sich mit dem Könige von Schottland in ein geheimes Bündnih ein. welches nichts weniger bezweckte als den Sturz der englischen Königin. Der Plan wurde vereitelt und dem Grafen der Prozeß gemacht, der mit seiner Verurtheilung zum Tode wegen Hochverraths endete. Bekannt ist die Erzählung, daß Graf Essex von der Königin einst einen Ring erhalten haben soll, mit der Weisung, ihr das Liebespfand zuzusenden, wenn sie ihm einmal zürnen sollte, er werde dann unbedingt Verzeihung erhalten. Die Gräfin von Nottingham, der der Verurtheilte den Ring übergab, damit sie ihn seiner Gebieterin überbringe, soll das Kleinod unterschlagen haben und somit die eigentliche Schuld an der Hinrichtung Esse?' tragen. Diese Geschichte ist indessen völlig unhistorisch. Nur ein gleichzeitiger englischer Schriftsteller, Manningham, erwähnt bei der Mittheilung der Beziehung Essex' zu Elisabeth einen Ring, der aber, ganz entgegen der gewöhnlichen Darstellung, der Königin von dem Grafen gegeben worden war, und den sie bis zu ihrem Tode trug. Erst etwa 40 Iahre später erwähnt ein anderer Schriftsteller. Clarendon, die Geschichte mit dem Ring, die er indessen für weiter nichts als leeres Gerede hält. Das Gerücht wurde jedoch allezeit von dem Volke gern geglaubt, bei dem Essex außerordentlich beliebt war. von dessen persönlichem Heldenmuthe man sich Wunderdinge erzählte und um dessen Person sich bald allerlei Sagen zn spinnen begannen. Es ist daher g nicht zu verwundern, daß im Jahre 1650 ein Roman veröffentlicht wurde unter dem Titel Geschichte der Königin Elisabeth und ihres Günstlings, des Grafen von Essex", der grvßen Absatz und dessen Schilderungen überall willigen Glauben fanden. In diesem Buehe wird ganz ausführlich erzählt, wie sich, außer der Königin, die Gräfin von Nottingham und die Gräfin von Rutland um die Liebe des Grafen bewarben, und wie die Gräfin von Nottingham, von Eifersucht geplagt, den Ring, den sie der Königin überbringen sollte, unterschlug. Diese Darstellung fand allgemein im Volke Glauben, der nunmehr auch durch andere Geschichtsschreiber, die die geheimnißvolle Ringgeschichte als Thatsache hinstellten, verstärkt und infolge dessen immer allgemeiner wurde. Ter Stoff war zu dankbar, als daß er nicht auch dramatisch hätte verwerthet werden sollen, und so dichtete dn .Engländer I. Banks im Jahre 1682 seine Tragödie Der unglückliche Günstling", die großen Beifall fand. (U. a. hat auch Laube die Geschichte in dem Trauerspiel Graf Essex" dichterisch behandelt.) Allerdings gab es auch damals Skeptiker, die es für unmöglich hielten, daß Essex gerade der Gräfin Nottingham den Ring überge ben haben sollte, weil sie die Gemahlin seines Todfeindes war, der seit langem eifrig an seinem Sturze gearbeitet hatte. Wie es dennoch möglich war, daß die Gräfin den Ring erhielt, erzählte gegen Ende des 17. Jahrhunderts Lady Elisabeth Spelman. und sie stützt ihre Behauptungen auf die Autorität ihres Borfahren. Sir Rabert Carey. Danach soll Graf Essex einem Diener den Ring mit der Weisung übergeben haben, ihn der Schwester der Gräfin von Nottingham, der Lady Scrope, zu bringen, die sich in der Umgebung der Königin befand, und der Diener habe ihn irrthümlicherweise jener gegeben. Im Anschluß an diese Erzählungen wird dann weiter berichtet, daß die Gräfin von Nottingham. als sie auf dem Sterbebette lag, der Königin das Geständniß abgelegt habe, daß sie unrechtmäßigerweise den Ring behalten habe. Elisabeth soll im höchsten Grade erregt darüber geworden sein, von Stund an wurde sie krank, bis sie nach zweijährigem Siech thum starb. M m Guter Rath. Junggeselle: mi& weiß nicht, das Essen in der Kneipe schmeck; mir garnicht mehr: Ehekrüppel: Heirathen S. heiWl Sie. lieber Freund, ann zcon-
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