Indiana Tribüne, Volume 24, Number 193, Indianapolis, Marion County, 31 March 1901 — Page 2
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- Simses.
Andlana Ttlune, Sonntag, 31. März 1901.
Von R. Volker.
Die AM pfeift ihr erstes Lied
Hell dutch der Linde Höh'. Durch M erstarrten Lande zieht Süßscernd Lust und Wh. Und selig thaut bei ihrem Sanz Das letzte fyaxtt Eis. Aufschluchzen möcht' ich sehnsuchtsi bang Und weinen tief und heiß. O Frühling, Frühling nahe Dich Mit Deinem warmen Mund. Umfang' mit weichen Armen mich Und küsse such gesund!
iJra zarten Alier.
Die geistige Entwickelung deZ Kindes 311 beobachten, gewährt ein uner'schopsliches Vergnügen, und man ist Zeicht versucht, ste durch allerlei HilfsMittel vor der Zeit zu reizen und zu -fordern. Anstatt aber dem Kinde eine Wohlthat dadurch zu erzeigen, macht Man es ran: nervös und aufgeregt und Drwgt es in der -natürlichen EntwicleZung der körperlichen Kräfte zurück Durch Aufmerksamkeit aus die Winke 'der Natur wird man am Besten den 3&td erreichen, die Kindheit glücklich zu gestalten und den Geist zu nähren.
Je lunger ein Jtinb it, umsowenlger Bedarf es äußerer Hilfsmittel zu sei--ner Unterhaltung. In den ersten Moziaten genügt schon das Lösen seiner Umhüllung, um ihm durch die Befreining isdner kleinen öliedmaßen von Zeglichem Zwange das Gefühl unsäglichen Behagens zu verschaffen und ihm die krähenden, jauchzenden Laute zu -entlocken, welche dem Mutterherzen so entzückend klingen. Dann fängt es an, mit den eigenen Händchen und Ttiiftckxn zu fvielen: allmälia ist seine
Aufmerksamkeit durch irgend etwas Glänzendes. Farbiges oder Bewegliches zu fesseln, bls es immer mehr die 'IX, i i t ' i e cn 1 t i
-jjyyiicu cnangi, ourcy ergieicn cic Gegenstände zu erkennen. l 'm iekhnHfZ Oinh V 0sf,w,A
W V l V V V VV VVl " sung. weshalb man ihm nicht znmu4aen kann, fortwährend mit demselben Mgensiande stch zu beschäftigen, dielrnihr entferne man denjenigen, dessen i überdrüssig, und bringe ihn erst nieder zum Vorschein, wenn er halb vergessen ist; dann wird er neue Freude und neues Interesse erregen. Die Spielsachen der ganz kleinen Kinder müssen elastisch und die daran befindlichen Farbe.: unschädlich sein, sonst entstehen daraus leickt übele Fol-
-un. ine allen. Kindern fast ohne AusTeeinsame Kiaenibünilickkeit
i der JerorungLtrieb, sie bethätigen jhn sogar I den liebsten Spielsachen, zadlesejbs kiewinnen erst recht in ' 'ihttAugefcCwenn sie einigermaßen demolirt jtnd. Es liegen diesem Triebe so natürliche Ursachen zu Grunde, daß man ersti dagegen einzuschreiten braucht, wenn mit dem Thun ein Versiäudniß des Unrechts, also ein bewußies Zuwiderhandeln gegen ein Gebot txrbunden ist. Bekommen die Kinder gar Spielsachen, welche ihrem Alter noch nicht angemessen sind, so ist es ihnen gar nicht zu verargen, wenn ste keinen Respect vor ihrer Schönheit haben, sondern tyrrn vebermuth daran auslassen. Diesen Mißgriff begehen oft junge Väter, welche es z. B. nicht erwarten können, ihren Erstgeborenen hoch zu Noß zu sehen und ihn womöglich schon am ersten Jahrestage mit einem Wiegenpferd beglücken, dann aber seh? erstaunt sind, wenn der kleine Reiter jämmerlich schreit, sobald er auf das gefürchtete Ungethüm gesetzt wird. Später, wenn er erst ein paar Jahre älter gewesen wäre, würde ihn das Schaukelpferdchen sicher hoch erfreut haben. Ebenso wie das Zufrüh ist das Zuviel in den Spielsachen eine Versuchung, sie zu vernichten, denn was in Masse vorhanden ist. wird immer weniger geachtet, als das Selten, und daneben geht die Genügsamkeit und der Sinn 'für.Einfcchheit verloren, die so viel zum Liebreiz des Kindes beitragen, wogegen die Uebersättigung. welche die fast unausbleibliche Folge davon ist, einen betrübenden Eindruck macht. Auch ist es nicht richtig, womöglich jede, zerbrochene Spielzeug, wenn das Kin$ darüber weint, sofort durch ein xxh zu ersetzen. Ein nur beschädigter Gegenstand wird noch lange zur Unterhaltung dienen können oder dop-
Uit Freude verursachen, wenn er eine zeit:'ang beseitigt und dann reparirt wieder zum Vorschein gebracht wird. DaZ Kind lernt dadurch die Folgen seines Muthwillens oder Ungeschickes kennen und begrüßt ein solches wiedergefundenes Spielzeug meist mit großer Freude. Vergessene Höflichkeit. Richter: Also Sie wollen den Mann nicht kennen, mit dem Sie gemeinschaftlich den Diebstahl usgeführt haben?- - .Nein. Herr Gerichtshof, wir ' hatten in der -Eile vergessen, uns einender vorzustellen."
Boshaft. Mein Mann tauft ' -r CY'L ' C. - . ! ' .'-t 1 .
AUiverieoe icvcs geiouniHic Sud." fV Du sagst ihm j!den-
röesitze des Gewünschten
'zwanzig Jlhre junger
Die schwarze Kravatte.
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einen Satz, m welchem h" vorkommt. Aus die
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. - M?) Carl '(den Finger Erhebend): Ein Substantiv. t. Lehrer: So in wie fern? nn derPlural.von essend r-'.esbewutzter 'Miene): Lehrer.. ' , '
Nach dem JranzSsischcn von Cisella Wertheimer. Es war an einem Mittwoch, dem Empfangstagc der Marquise von Canley, auf Schloß Hautes-Futaizs. Unten drängten sich zahlreiche Wagen in dichten Reihen. Im Hintergrunde erstreckte sich der Park mit seinen sorgfältig geharkten Alleen. Um einen kleinen Pavillon, der für Photograph!sche Zwecke des jungen Canley in eine Dunkelkammer verwandelt wurde, zog sich ein Beet von Geranien, die sich zart und leuchtend vom Rasen abhoben. , Im Salon saß eine Anzahl schöner Damen um einen mit Thee. Früchten und köstlichem Gebäck überladenen Tisch und plauderte leise mit einander Man merkte bald, daß die ganze Gesellschast in Trauer war. allerdings in eleganter, aber tiefer Trauer: Atlas, Sammt, Spitzen. Kein einziges Schleifchen in Lila oder Grau unterbrach die einförmige düstere Kleidung. Und inmitten dieser ernsten Gesellschast erschien Jacques im grauen Anzug. die Kravatte aus grellblau getupften? Foulark. Er grüßte, wie gewohnlich: lächelnd, heiter, als Mann. der sich unter intimen Bekannten bcfindet und daher eines liebenswürdigen Empfanges sicher ist. Aber zu seinem großem Erstaunen wurde ihm eine abstoßend kalte Aufnahme zutheil. Die Hände, die sich ssnst in die seinen leglen, ließen keinen freundschaftlichen Tuck fühlen, die Lippen blieben aneinandergepreßt und die Blicke waren voll beftiaer Vorwürfe. Die HerzoginWtttwe vvnKelbassaing ging noch wek ter. Als Jacques sich ihr näherte, um sie ehrfurchtsvoll zu begrüßen, drehte sie ihm voll Entrüstung den Rücken und ging erhobenen Hauptes zum Fenster des Salons. um Teufel! Was haben sie nur ? fragte sich Jaques, ein wenig außr Fassung gebracht, trotz des unleugbaren Selbstbewußtseins, das er aus seinen früheren Erfolgen schöpfte. Er liebte es nicht, lange nachzudenken, noch gründlich zu beobachten; trotzdem durchzuckte die Frage blitzschnell sein Gehirn, ob er vielleicht eine Missethat verübt oder irgend einen neuen muthwilligen Streich begangen, der bis in die benachbarten Schlösser gedrungen. Aber nein; seit mehr als drei Wochen war er nicht in Paris gewesen, um Sylvia Rychon zu sehen eine Enthaltsamkeit, die schrecklich auf ihm zu lasten begann. Er war artig bei Papa und Mama geblieben, ging auf die Kaninchenjagd.ritt, radelte und machte der kleinen Wittwe Mcomtesse von Bois-Dnrpbin platonisch und vorläufig hoffnungslos den Hof, eine Huldigung, die übrigens gerne geduldet und äußerst wohlwollend entgegengenommen wurde. Die Jugend muß doch auf dem Lande kleine unschuldige Zerstreuungen haben! Also was, was war es ? Jacques zerbrach sich den Kopf und fand nichts. Plötzlich bemerkte er in einer Ecke die Vicomtesse, die ihn voll Theilnahme und Schmerz betrachtete, indem sie dabei ihren Thee schlürfte. Auch sie war in Schwarz gekleidet und bewies aufs neue, daß Trauer die Schminke der Blondinen ist. Schwarz stand ihr ganz bezaubernd. Meiner Treu'", sagte sich Jacques, auf dieser Seite wenigstens werde ich eine Verbündete, eine moralische Stütze finden, und da die Madame von VoiZ Darphin ohne Zweifel die hübscheste von Allen ist. lassen mich die Uebrigen sehr gleichgiltig. Noch nie erschien sie mir so anbetungswürdig wie heute." Er schlich sich in die Nähe des Theetisches, küßte fast mit Gewalt eine kleine Hand, die ihm scheinbar widerstrebend gereicht wurde, während eine Stimme traurig flüstert: Ach! Mein armer Freund, welch ein Verstoß! Sie, in Ihrer Stellung, und in einer conservativen Gegend wie die Ihre!" Aber zum Teufel, was für Verstoß?" Hören Sie mich an. Ich will Sie hier nicht ausschelten. Jeder beobachtet uns und ich sehe schon, man nimmt es mir übel, freundlicher gegen Sie zu sein als die Andern. Ich habe nicht das Herz, Sie in Acht und Bann zu thun. Gehen wir in den Garten, dort werde ich Ihnen Alles auseinandersetzen. Ja. ja, gehen wir!" rief Jacques. Nun hab' ich's satt; diese Situation ist nicht mehr zu ertragen." Kaum im Garten gelangt, rief die Vicomtesse: Aber aufrichtig, lieber Jacques, wa-
rum sind Sie nicht m Trauer? In Trauer? Ich habe ja, Gott sei Dank, Niemand aus meiner Familie verloren!"
Nicht um Ihre Familie, es handelt sich um den Grafen von Paris. Sahen Sie denn nicht, daß Alle bei der Marquise von Canley schwarz gekleidet waren?" In der That! Das hatte ich kaum bemerkt. . . Als weil der Graf von Paris gestorben?" Deshalb. Ihre blaugetupfte Kravatte hat einen wahren Sturm der Entrüstung hervorgerufen." Jacques lachte laut auf. Lachen Sie nicht, oder lachen Sie wenigstens etwas trauriger. Dieser Mißgriff ist viel ärger, als Sie glauben. Sehen Sie, ich, ich habe vom Scheitel bis zur Sohle, große Trauer angelegt, sogar die Strümpfe. . ."
Auch die Strumpfbänder trau-
tt
ern5"
Aber natürlich, obwohl die Frage indiskret ist. Selbst diese sind aus schwarzer Seide." Meine theure Freundin, wenn es aus Ueberzeugung geschieht, haben Sie vollkommen Recht, vom Hut bis zu den Strumpfbändern Trauer anzulegen, vanz anders steht es um mich. Mein Cttßvato war mit Jahren unter
dem Kaiserreich General; mein Vater Officier unter Napoleon IH. Sie begreifen also, daß ich keinen Grund habe Orleanist zu sein." Aber Jacqueö! Sie verstehen die ganze Sache nicht. Es handelt sich um eine Kundgebung der Adligen, der Si: sich nicht entziehen können!" Also einer Schrulle wegen?" Was wollen Sie damit sagen?" Daß man aus reinem Chic derlei Ueberzeugungen heuchelt. einrn Schmerz, den man gar nicht empfindet. und da Sie mich um meine Meinung fragen, so will ich Ihnen nur gestehen, daß ich all dies höchst lächerlich finde." Bitte, lieber Freund, debattiren Sie nicht; trauern Sie um meinetw'llen. Strengstenfalls könnte Ihr grauer Anzug noch gehen; wenn nur die compromittirende blaue Kravatte nicht Wäre! Ach! Wenn Sie eine schwarze hätten, gliche sich Alles wieder aus, und ich wäre so glücklich!" Sie hatte seinen Arm ergriffen und streifte ihn ganz nahe, so nahe, daß ihre blonden Löckchen seine Wange gleich einem Dust ltedkosten. Und die blauen, von langen Wimpern beschatteten Augen flehten so allerliebst, so inbrünfüg!. . . yoren Sie," sagte Jacques ganz verwirrt, ich verlange nichts sehnsüch tiger, als Ihnen angenehm zu sein; aber Sie begreifen, daß ich nicht mit Kravatten in der Tasche reise. Waö beginnen? Haben Sie ein Band, irgend ein Stückchen Seide an sich, das ich zur Noth als Schleife zurechtmachen könnte?" Ich fände frohl einen Ausweg," sagte die Vicomtesse erröthend, aber ich habe nicht den Muth. . ." Doch, doch, wagen Sie es nur. da es sich um die Bekräftigung einer guten Sache handelt." Man war in die Nähe des in eine Dunkelkammer umgewandelten Pavillons gelangt. Als hätte sie einen plötzlichen Entschluß gefaßt, trat Madam: von Bois-Darphin rasch in das Gartenhaus. Jacques folgte mit erregt k!opfendem Herzen, und die Thür fiel verschwiegen ins Schloß Als das Pärchen den Pavillon wieder verließ, knotete Jacques triumphirend um seinen Kragen ein schwarzscidenes Strumpfband, das unter dem sorgfältig zugeknöpften Rock die Täuschung vollendete. Als Jacques nach diesem reizenden Spaziergang den Salon wieder betrat, sah er, wie alle Gesichter freundlich erstrahlten, sich ihm alle Hände zärtlich entgegenstreckten, während die Herzogin-Wittwe ganz gerührt. Thränen in den Augen, der Vicomtesse lächelnd zuflüsterte: Sie reizende, kleine Frau, Sie haben also eine Bekehrung zu Stande gcbracht? Das ist recht, sehr recht!" Honni soit qui mal y pense!" fügte Jacques hinzu, indem er seine schwarze Kravatte zärtlich streichelte.
Ter Strom.
Lon Max Grad. Sie weiß und fühlt, daß er sie auch noch bekommen wird! Die anderen hat er ja schon alle! Aus der alten Muhme wird er sich wohl nichts machen; und so recht gehört sie auch gar nicht zilr Familie. Die kommt auch nie zu ihm und schwemmt nicht einmal die Wäsche in seinem Wasser. Sie fürchtet ihn. und die geheimnißvollen Reize, die er birgt, sind ihr fremd. Sie ist so alt, die Muhme, und hat alles hinter sich! Das Mädchen seufzt und nestelt am Mieder. Es drückt und ist ihr zu eng. Zu ihren Füßen läuft der Fluß dahin und durchquert träge und schwarzgrau das Moor. Es ist. als schnitte er ihr ein Gesicht, während sie so zu ihm hin ab starrt. Ja, es ist ein Gesicht! Sie sieht es deutlich. So gierig, grausam und wollüstig, als hätte er den jungen. warmen Mädchenleib schon umflossen. All die ihm dienstbaren Arme der alten, versunkenen Weidenstrunke und Vaumwurzeln, die sein Grund b!rgt. strecken und recken sich nach ihr. Und ein gutes Veit liegt da unten: So we'ch und lind ist's. Faulige, schwarze Erde und glattes Schilf, von Tang und Algen durchzogen. Und wenn si: dann erst darauf läge, würde er sich über sie werfen, dann aber weiter fließen, rauschen, und endlich am Gefalle donnern und aufschäumen. , Lustige Perlen würde er den kreischenden Mähderinnen ins Gesicht spritzen, harmlos n'ckend. Ein ganz anderer als der kriechende, heimtückische Geselle aus dem öden Moorgrund, mit seinem listigenAugenzwinkern und Lächeln. Die Weiden, die sein rechtes Ufer säumen, leuchten purpurn im Sonnenschein, und qelb und blau flimmert es streifig im Wasser auf. . Das sind d'e Büsche, die sich spiegeln, und der lichtblaue Himmel mit hartgetönten Wolkenfetzen. Des Mädchens Blick haftet an den ersten Lebcrblümchen, die blauviolett am Boden blühen, und jede Hautpore ihres Körpers will die warmen Sonnenstrahlen einsaugen. An der Wiesenseite sind die Weidmruthen voll silberner Kätzchen. Sie greift darnach, und ein klein;s bleibt
ihr zwischen den Fingern. Sie drcht das Knöspchen mechanisch hin und ber.
und reibt es an der Innenseite des Armes. Wie zart und weich!' Wie ein Kinderkörper, dem noch kein .'ultzuz angekommen. Ein zartes neuceborenes Kind! Sie schauert zusammen, schüttelt das bleiche Haupte und geht einige Schritte weite? das Ufer hinauf. Da scheint daS Wasser im deckenartig erweiterten Flußbett zu stehen, ruhig und glänzend. , Hier war es. wo im Herbst das Hasclgebüsch gestanden. Im Sommer blühten in großen Büscheln gelbe Lilien daneben. Später hatte sich Iahn dort in dem Gebüsch eine Hütte für die En- . .'. . .. . ,
lensagd gemacht, mit Strohdach und
Wänden. Da war's geschützt und warm drin aewesen. lang noch, bis in den Spätherbst. Und sie fühlte sich ja immer so einsam. Da schlüpfte sie
dann dort hinein zu ihm, das war ihre
ganze Welt.. Die Stare sammelten
sich; w schwarze Wolken verdunkelten sie auf Augenblicke das Firmament und fielen dann, in Colonnen g:theilt. lär-
mend in's Schilf e'n. Iahn lochte, daß
seine blanken Zahne schimmerten, und
sie küßte ihn, gerade auf einen der
zuckenden Mundwinkel. Hoch oben zogen Kraniche in der Luft dahin, und wo dasMoor trockener war. fand Iahn bei der Heimkehr glänzende Silber-
disteln.
Damit schmückten sie später die En-
tenhütte und steckten noch leuch'ende, rothe Essigbeeren und Hagebutten dazu. Enten hatte Iahn damals nie
aeschossen. Se?ne WwAt stand rub'a
m die Ecke gelehnt. Er hielt seinMäd chen avf dem Schooß und küßte es. Sie sagten sich wenig, aüer si? wußten
das Beste sie tiedten sich! Gegen
Abend wurde es schon kalt, aber kemes fühlte es. Sie hielten sich zu heiß und
fest umfanqen. Wie der V!ond cu ge
gangen, siel sein Licht hart und frostig in die Hütte. Und morgen sollte Iahn
fort! Ihr Iahn! Wen hatte se sonst auf der Welt? Di: alte Muhme und die zerfallene Käthe auf dem Moorgründ drüben! Also nichts! Di: Leute im Dorfe verachten sie ja doch. War es denn ihre Schuld, daß der Strom sie alle verschlang? Erst den Vater, sie sagten im Rausche. Tann die Mutter, auf dem Arm den kl.inen Bruder. Von den Gendarmen, die sie in's Eefängniß bringen sollten, war W weggesprungen in das schwarze Wasser. Eine Diebin! Wie hungrig waren sie gewesen n'ch Vaters Tode! Der Strom hatte sie. der Reihe nach, alle behalten, k ines fand man mehr, und das ew'e. nasse Grab blieb ihnen. Es würde, cewiß auch bald das ihrige sein! Iahn war damals gegang'N und hatte gesagt, daß er wiederkäme, wenn die Haide grüne. Sie blickte auf das moor'ge Land hinaus, mit tief gesenktemKop e. Ein warmer, grünlich-r Ton liegt schon duftig darüber. Wie lano.3 währt es, und die Haide grünt wirklich. Ob er dann auch kommt? Kein Wellchen kräuselt und trübt den Wasserspiegel vor ihr. Nun siebt sie sich. Sie schlägt die Hände vor's Gesicht und schleicht weinend über den elastischen Boden der Hütte zu. Die Haide grünt längst, die erste Erika ist schon verblüht; auch die ältesten haben grüne Blätter und sehen aus wie seltsame Greisengestalten mit drolligen Perrückcn. Die Sonne brennt heiß, und betäubend steigt es auf aus der Torferbe bei jedem Spatenstich. Wie sie vespern gehen will, erzählen es 'sich die Arbeiter, Iahn sei todt! Sie sagen es nicht laut, wispern zusammen und blicken scbeu auf das arme Mädchen, das schwerfällig die mächtige Schaufel trägt. Dann aber erzählen sie sich's laut und immer lauter im ganzen Dorf. Sie ist wie erstarrt, gebärdet sich wie eine Irrsinnige; endlich läuft sie zum Pfarrer. Der weiß es auch; sogar durch ein Schreiben. Iahn ist todt! In Hamburg nein in Bremen in einer Schenke einer Dirne wegen, wer weiß nicht was Neues, Anderes! Und alle sagen es ihr einzeln und besonders, was sie glauben, denken, vermuthen, und was sie an ihrer Stelle thun würden. Manche zucken auch blos die Achseln. Wieder andere dehnen die Augenbrauen, sehen an ihr herunter und haben sich gleich so was gedacht, und daß noch etwas Schlimmes kommen müsse." Hinter der Haide sinkt blutroth die Sonne, und wie Streifen flüssigen Goldes durchzieht es die blauvioletten Wolken. Ein Trupp Arbeiter aus dem Torsstich, Weiber und Kinder, stehen jammernd am Flußufer. Vom Dorfe her kommen sie mit Stangen, Netzen und Stricken. Wo Jahns Hütte war und der Fluß sich so weit ausbuchtet, ist das Wasser tief, aber klar. Man kann weit hinunter sehen, seit die grünen Algen weggenommen sind, die sich wie ein Kranz darüber wölbten. Ein dunkler Körper liegt zwischen den Weidenstrunken. Kur.e Windstöße kräuseln das Was, ftr, das gurgelnd an's Ufer schlägt. Die Leute stoßen sich an und weisen kreidebleich hinunter. .Hört ihr, wie es gluckt? Wie es wispert und grollt? Nun hat er sie Olle!" Die Männer mit den Gerätschaften zum Bergen der Leiche kommen. Weit offnen sich die dürren, schwarzen Arme da unten, sie sind jetzt leer. Gott sei der armen Seele gnädig!" Aus dem Grund rauscht es auf, von der Ferne tönt es wie höhnisches Lachen. Gelbe Butterblumen säumen die moorigen Ufer; dazwischen schleicht der Strom noch eine Weile dahin, da und dort reißt er ein Stückchen der nassen,
mit Moos bewachsenen Erdschollen mit.
Weiter hinten hört das Moos endlich auf, Wiesen und Felder dehnen sich an den Ufern hin. Munterer rauscht und fließt nun das Wasser, in lustigen,
bläulichen Wellen stürzt es endlich über
das Gefalle.
Kleine Kinder spielen an der Brücke und winden sich Kränze. Lachend wehren sie den glänzenden Perlen, die ihnen
der Strom in's Gesicht spritzt.
Am Wehr staut sich eine schwarze
Masse. Der Korper emes Weib?s!
Das lichte Haar steigt strahlenförmig nach oben, grünlicher Tang hängt
dazwischen. Wirbel auf Wirbel fchleü-
dert die Leiche hin und her. plötzlich verschwindet sie ganz.
Der alte Strom hat auch sie nicht
mehr beraeaeben.
Zur Kritik des Herzei-i. Von Paul Tonat. Er kommt immer noch nicht!"
seufzte die junge Frau, die w ihre
elegant eingerichteten Boudoir bei dem durch einen rothseidenen Lampenschirm
gedämpften Scheine einer Astrallampe
betrübt saß und sich vergeblich bemühte, an einer Stickerei zu arbeiten, die sie endlich ganz bei Seite legte, um ihr blondes Köpfchen sinnend auf die kleine weiße Hand zu stützen, die in nervöser Aufregung hin und wieder leise zitierte. Wie waren für sie doch die Flittcrwochen so schön verflossen; Edgar war niemals von ihrer Seite gewichen, hatte allabendlich bis in die Nacht hinein in ihre tiefdunklen Augen liebend geblickt und war nicht müde geworden, ihr von seiner Zärtlichkeit die beredteslen Beweise zu geben, und nun . Eines Abends hatte er zu ihr gesagt: Lieschen, ich muß auf inige Stunden ausgehen; Geschästspflich!en zwingen mich, noch einen Tbeil meiner freien Abendzeit- zu opfern." Geschäftspflichten? Als ob diese ein Recht hätten, an eine junge Frau, die ihren Gatten über Alles liebt, nach vollbrachtem 'Tagewerke grausam heranzutreten, um die des Tages über ohnehin schon zu lang bemessene Trennung von ihm unrechtmäßigerweise zu verlängern. Besorgt hltte sie ihn damals in die Arme geschlossen, seinen zärtlichen Abschiedskuß mit der Versicherung baldigerRüclkehr empfangen und wirklich war er auch vor zehn Uhr Abends zurückgekehrt. Wenige Tage hieraus hafte er an einem Abend' wieder Geschäftspflichten vorgeschützt; inniger und besorgter hatte sie ihn gebeten, bald zurückzukehren. Trotzdem war er aber erst sehr spät wiedergekommen; und als er gar das dritte Mal mit seinen abscheulichen Geschäftspflichten vor sie trat, hatte sie ihn fast drohend angeblickt, hatte die kleine Faust geballt, um. als die Thüre hinter ihm in's Schloß gefallen war, in ein convulsivisches Schluchzen auszubrechen und sich als eine der unglücklichsten Frauen der ganzen Welt zu fühlen. Der Empfang gegen zwölf Uhr Nachts war ein äußerst kühler und mit Vorwürfen gespickter. Heute jedoch war sie wahrhaft unglücklich und sie nahm sich vor, ihm bei seiner Rückkehr einmal tüchtig die Leviten zu lesen. Die zierliche Alabasterstanduhr zeigte bereits zwölf. Eine bleierne Trägheit lagerte rings im Zimmer. Schwerfällig hörte sie die Uhr ticken und schwerfällig pochte ihr Herz, dessen Schläge nach und nach in ein leidenschaftliches Tempo übergingen. Endlich klingelte sie, im höchsten Grade gereizt, ihrem Dienstmädchen, welches jedoch nicht erschien, da es ohne Wissen seiner Herrin ausgegangen war. Als Mina schließlich ankam, fand sie ihre Herrin in ihrer Kammer mit furchtbarer Miene. Ein diabolischer Zug um den Mund hatte die junge Frau zu einer Rachegöttin umgewandelt und wuchtig sauste die Hand derselben zweimal hinter einander auf die Wange des verdutzten Dienstmädchens nieder, das sich eiligst mit einem Angstschrei hinter einem Schrank verbarg. Ernst und majestätisch, wie sie gekommen war, wandte sich die empörte Herrin wieder ihrem Boudoir zu, vor dessen Thüre sie dem großen Hauskater, der durch das Geräusch in der nahe gelegenen Dienstbotenkammer munter geworden war und nun seine Herrin schnurrend umstrich. einen energischen Fußtritt gab, daß das arme Thier schreiend in eine Ecke flog; dann trat sie, bleich wie ein Gespenst, mit flammenden Blicken vor den Spiegel ihres Gemaches. Ein Schlag dagegen und klirrend flogen die Trümmer zu Voden, nicht viel früher als sie. die von den vielen Ausregungen in ine mildthätige Ohnmacht gefallen war. Als sie daraus erwachte, lag sie in den Armen ihres Mannes, der sie ängstlich . und liebend umschlungen hatte. Sie wollte aufspringen und aufschreien; sie wollte ihm die Haare zerraufen und ihm die Augen auskratzen; sie konnte es nicht. Sie war wie gebannt von dem starken Zauber, der aus den Augen ihres Mannes sprach. Hilflos, wie in Kind, ließ sie sich von ihm herzen und küssen, schluck-
zend lehnte sie endlich ihr Köpfchen an seine Schulter und mit thränenfeuchtem Blick zu ihm aufsehend, flüsterte sie: Nicht wahr, Du böser Mann, Du thust mir das nicht wieder an und kommst von nun an pünktlich nach Hause?" Und als er ihr dies versprachen hatte, erzählte sie ihm von ihren Zornesausbrüchen gegen ihr Dienstmädchen, gegen den Hauskater und gegen den Spiegel, wobei sie nicht unterließ, schalkhaft die Bemerkung einzuflechten: Ich weiß nicht, liebes Männchen, was Dir geschehen wäre, wenn Du eine Stunde früher nach Hause gekommen wärst." Er verschloß ihr den Mund mit einem herzhaften Kuß, legte sich müde zu Bett, um die ganze Nacht von geohrfeigten Dienstmädchen, getretenen Hauskatern und zertrümmerten Spiegeln zu träumen, und war ' am anderen Morgen mit sich noch nicht ganz im Klaren, ob es in Zukunft für ihn bei derartigen unter dem Deckmantel geschäftlicher Pflichten zu machenden Abendausgängen nicht gerathen erscheine, nicht gar zu bald nach Hause zu kommen. Jrontlcye Frage. Ja? mache morgen eine kleine Vergnügungsreise." Was Sie sagen, wann hat sich Ihre Frau Gemahlin dazu entschlossen, daß Sie reisen?" ,
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Wie viel Frauen hat die Erde?
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tat 11t spielen, weil erei''V I iedex hell!" r sA
Man schätzt die Gesammtbevölkerung der Erde auf etwa anderthalb Milliarden Menschen. Davon sind freilich nur etwas mehr als die Hälfte wirklich gezählt, während die für die andere Hälfte angesetzten Zahlen auf ungefährer Schätzung beruhen. Man hat nun unter Anrechnung der Schätzungen 1283 Millionen Menschen. also 88 Prozent der Bevölkerung unserer Erde für die Vertheilung nach dem Geschlecht in Rechnung gezogen und ist dabei zu folgenden Ergebnissen gekommen: Europa hat 334 Millionen Vewohner, unter denen ein Frauenüberschuß von 3 2-5 MiltionenKöpfen vorHanden ist; Asien beherbergt 813 Millionen um 16 Millionen, stärker vertreten als die Frauen; Afrika hat unter seinen 27 Millionen Sterblichen ebenfalls einen Männerüberschuß von mehr als einer Million; auch Amerika, dessen Bevölkerung 102 Millionen Menschen beträgt, hat über eine Million Männer mehr als Frauen; ebenso Hai Australien unter vier Millionen Köpfen ein männlichesPlüs von einer halben Mi!lion. Es sind demnach insgesammt eus der ganzen Erde 649 15 Millionen männliche und 633 4-8 Millionen weibliche Personen ermittelt worden. Das männliche Geschlicht ist somit dem weiblichen um 15. Millionen Köpfe überlegen. Es findet sich also nur in Europa ein Frauenüberschuß, und zwar im Betrage von 3 2-5 Millionen Köpfen. Aber auch in Europa giebt es weite Länderstrecken. wo die Männer bei weitem überwiegend Sie liegen alle mit einer einzigen Ausnahme in der südöstlichen Ecke diesesErdtheilS, und diese Ausnahme bildet der Miniaturstaat Lichtenstein, der diese Eigenart mit Italien, Griechenland, Rumänien. Bulgarien, Serbien, Bosnien und Herzegowina, sowie mit dem Lande der donischen Kosaken gemein hat. In allen diesen Ländern zusammengenommen fehlt es zum Gleichgewicht der Geschlechter an einer halben Million Männer. Die europäischen Länder, die sich eines Frauenüberschusses rühmen dürfen, genießen aber ihren Segen in sehr mannigfach abgestuftem Maße. So giebt es Staaten mit starkem FraueiÜberschuß, wo auf 1900 Männer mehr als 1060 Frauen kommen, und dazu gehören Portugal, Schweden und Norwegen, Russisch-Polen und Großbritannien. Unter den Ländern mit mittelstarkem Frauenüberschuß nimmt Deutschland, das auf je tausend Männer 1039 Frauen aufweist, so ziemlich die Mitte ein. wogegen Ungarn, Rußland, Frankreich und Belgien zu den Gebieten mit schwachem Frauenüberschuß zählen. Es wäre aber ein Irrthum, wenn man aus der Thatsache, daß die ganze Welt außerhalb Europas insgesammt weit mehr Männer als Frauen hat. schließen wollte, daß außer-europäische Völker nicht auch hier und da einen Frauenüberschuß erzeugten. Beispielsweise hat die mittelamerikanische Republik Nicaragua, deren Einwohnerschaft zur Hälfte aus Mischlingen und zu einem Drittel aus Indianern besteht, einen erheblichen Frauen-Ueber-schuß. Die sonderbarsten Verhältnisse zeigen aber Hongkong und Hawaii, in Hawaii kommen nur 533. in Hongkong gar nur 409 Frauen aus je 1000Männer. Dort wäre also das Dorado für die heirathslustigen Damen der Lällder mit Frauenüberschuß. Am Allgemeinen hat man die Wahrnehmung gemacht, daß die Frauen weit geselligere Geschöpfe sind als die Männer, die sind in Ländern, deren Vewohner zerstreut und einfam leben, derhältnißmäßig am seltensten zu finden. Daher bestehen Jäger- und Hirtenvölker überwiegend aus männlichen Personen, ebenso ist es bei den schon erheblich dichter beisammen wohnenden Ackerbauern. Dagegen ist das wcib-
liche Element in fast allen Landern mit hauptsächlich gewerblicher Thätig keit in der Mehrzahl. Ferner kommen aber, bei der Vertheilung der Geschlechter auch die' Rechtsverhältnisse in Betracht, je nach der Beschaffenheit des Erbrechts, der Ehehindernisse, der Thcilbarkeit des Grundbesitzes oder der Jeizügigkeit '.n den einzelnen Ländern. Von Vedeutung scheint auch das Klima zu sein, denn es leben im Allgemeinen in der gemäßigten Zone etwas mehr weibliche,
in der heißen und kalten Zone etwas mehr männliche Personen. Ebenso beeinflußt die Vertheilung der Niederschlage das numerische Verhältniß der Geschlechter. In trockenen Ländern giebt es mehr Männer, in solchen mit reichlichen Niederschlägen hingegen mehr Frauen. Die Erklärung dafür liegt darin, daß die trockenen Gebiete weniger Nahrungsmittes erzeugen, als die mit genügendem Regen begnadeten Länder. Außerdem kommen bei der planmäßigen Verschiedenheit der Ge-' schlechter hauptsächlich die schon ererwähnten Wanderungen und die Verschiedenheit der Sterblichkeit in Betracht. Die Hauptsache ist aber bei der Veantwortung derFrage. wie viel Frauen die Welt hat, die Thatsache, daß unsere Mutter Erde einen Männerüberschuß von 15 2-3 Millionen Köpfen trägt. . Dieses große Plus wiegt das Uebergewicht der Frauen in Europa fast fünfmal auf. Freilich ist es für die Europäerinnen ein schwacher Trost, daß in den wilden Gegenden der fremden Erdtheile genug Männer zu haben sind. DasmangelhafteLicht. Kellner (zum Brautpaar, das in der Ecke sitzt): Das elektrische Lichtest heute leider nicht in Ordnung, genirt
es die - Herrschaften?" Brautigüm: -5tai. sehr ieden Auaenblick wcd'S
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pariser Damenschneider. Den zahlreichen Ehemännern, wel.
chen sich beim Anblick der Schneider. rechnungen ihrer Frauen die Haare vor Entsetzen sträuben, falls sie in der- angenehmen Lage sind, noch über
weicyc zu verfugen, da man sich bekanntllch erst zu verheiraten pflegt. wenn man fast keine mehr besitzt. diesen zahlreichen, mißgestimmten Herren also wäre eine Durchsicht der französischen Mode - Chronik des 18. Jahrhunderts zur Beruhigung ihrer Nerven dringend zu empfehlen. Sie Würden angesichts des feenhaften Lu. xus und der materiellen Gegenleistungen für diese Wunderwerke der Schneiderkunst beschämt erkennen müssen, wie unendlich bescheiden sich dagegen die Tsilettenbedürfnisse der Frauen von heut: ausnehmen und wie glücklich sie sein müßten, nicht 200 Jahre früher gelebt zu haben, was vielleicht ihren Gattinnen auch .lieber gewesen wäre. Brochirte Seidentoilcttcn mit silbernen Men und Blumen, gestickte Bouquets ais artlila Federn und Silber, silber strahlende Noben von goldenen Streifen durchzogen, zwischen denen dunkle Stiefmütterchen - Guirlanden stch hindurchzuwinden schienen. Kleider, auf denen 'spitzen, Blumen, glitzernde Steine sich zu einer Rechnung von 10,500 Franks vereinten, die Mr. Pagelle, der König der Pariser Schneider, könige jener Zeit, einer seiner Kundinnen präsentirte. Eine andere, Madame de Matignon gelieferte Robe veranlaßte die entzückte Empfängerin des Kunstwerks, ihrer Schneiderin als Dank für ihre Arbeit eine lebenslängliche Rente von 600 Franks zu verschreiben, während die zur Hochzeit Lauzuns von der Herzogin von Choiseul getragene Toilette ungefähr das Kapital der eben genannten Zinsen rePräsentirte. Es war eine Himmelblaue, zobelbesetzte Atlasrobe, bedeckt mit Goldstickereien, strahlend von Diamanten. deren jeder einzelne als Mittelpunkt eines aus echten Silberpailleiten gebildeten Sternes funkelte. Zu jener Zeit schwang Sarrazin der Schneider, der die Fa?on Marie Antoinette" mit dem kleidsamen Fichu. das stch bis auf den heutigen Tag erhalten hat. erfand das Scepter der Mode. Ihm folgten unzählige andere, von denen unter dem zweiten Kaiserreich besonders Mdme. Bertin, uit Schneiderin der Kaiserin Eugenie, berühmt geworden ist, nicht zum Mindesten auch durch ihre Preise, die eine geradezu exorbitante Höhe erreichten. Daß die Mode zu Zeiten einer Laune, einem Zufall ihre Entstehung verdankt, ist eine bekannte Thatsache. So trug man bis gegen 1837, der ThronbesteiguNg der jetzt verstorbenen Königin Victoria, kurze Kleider. Eines Tages verstauchte sich die Fürstin beim Äussteigen aus einem Wagen den Fuß. und da sie genöthigt. war, am nächsten Tage im St. James - Palast einen Empfang abzuhalten, bedeckte sie während dieser Zeit ihr auf Kissen ruhcndes Bein mit ihrem Kleid. Die züchtigen Engländerinnen, die diesem Empfange beiwohnen, beeilten sich, dem Beispiel ihrer Königin .zu folgen und verlängerten ihre Toiletten von unten, was sie nicht verhinderte, sie von oben zu verkürzen... Das sogenannte Schneiderkleid oder die englische Toileite, welche in England von niemand getragen wird, tauchte 1875 zuerst auf und hat seither viel von seiner ursprünglichen Beliebtheit eingebüßt, soweit es sich um den glatten Rock und das dazugehörige Jacket handelt. Es hat in den maßvoll garnirten TuchrLcken und den kleidsamen Boleros einen Ersatz gefunden, der umso empfehlenswerther ist, als er Eleganz mit Kleid samkeit verbindet, was man nicht immer von den englischen Kleidern, die stch für gewisse Figuren als gänzlich unvorthcilhaft erwiesen, behaupten
konnte. Für die elegantesten der ele ganten Pariserinnen sorgen drei Ateliers. deren Namen von den Frauen beider Welten wir meinen damit selbstverständlicher der alten und der neuen mit ehrfürchtiger Scheu genannt werden. Diese drei Firmen ab lein beschäftigen ungefähr 2300 Arbeiterinnen, die. wenn man den Versicherungen ihrer Prinzipale Glauben schenken darf, jährlich zusammen vier Millionen Franks Gehalt beziehen. Ueber die Gehälter der übrigen 1930 Arbeiterinnen, die von den übrigen 1!)50 Pariser Damenschneider-Ateliers Arbeit erhalten, schweigt' sich die sonst redselige Statistik aus, die übrigens versichert, daß 400,000 von den 700,000 französischen Schneidern und Schneiderinnen ihr Leben nur der Verfertigung der Damentoilette geweiht haben. S o k o m m t'm a n a u s. Wie Sie mit so großer Familie bei Ihrem geringen Gehalt nur auskommen kön ncn? Ja, schauen S',z' Mittag essen wir nie, und das was übrig bleibt, wärmen wir des Abends! Der Vildungsprotz. Herr Würstler, ich kann Ihnen leider über die Fortschritte Ihrer Töchter nichts Erfreuliches mittheilen. Beide haben mir erklärt, sie wollten nicht lernen!" So!. . . Deßwegen brauchen Sie die Mädeln aber net zu chicaniren!" Ja. wofür bezahlen Sie mich dann eigentlich?" Damit wir auch an' Hauslehrer hab'n'" Aus der englischen Stunde.' Fräulein Eulalia (in der' englischen Stunde. Lieschen, übertrage den gefühlvollen Schluß unserer schonen Erzählung!" Lieschen (übersetzend): Sie wurde immer schwächer, doch theilte sie bis zuletzt mit den Armen ihr Brod." Fräulein Eulalia: Nun, und weiter: and
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