Indiana Tribüne, Volume 24, Number 186, Indianapolis, Marion County, 24 March 1901 — Page 6
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vnvkana Tribüne, Sonntag, 24. Närz 1901.
lmfziige durch ZuitsUmd. Weimar, die Musenstadt.
(Copyright by Wrn. Kaufmann iooi.)
T3a vergangen, kehrt nicht tolcta, der ,,ng ti leuchtknd nieder Leuchtet', lange noch jurili. Sth.
Ektmar ist ein deutsches Heilig thum. Von dieser kleinen Stadt aus ist eine unlxrsiegbare Quelle des Lichts ausgegangen in die deutsche Welt und in die größere des Weltbürgerthums. Wer dort weilt, kann selten schöne Tage der geistigen Erfrischung gerne Itn. Tage deren Eindrücke sich nicht so rasch verflüchtigen, weil diese Eindrücke im Gemüth haften bleiben und deshalb zu einer Quelle seliger Erin-
Durch diesen düstern Hausflur hat man in der Nacht des 12. Mai 1805 den Sarg hinausgetragen. Oben im Dachgeschoß des Zimmer, wo Wilhelm Tell, die Braut von Messina. die Huldigung der Künste entstanden sind. Dort der Schreibtisch, das alte Clavier, das Btt aus rohem Tannenholz in welchem der Liebling des deutschen Volkes den letzten Schlaf that. Wehmuth und Ehrfurcht begleichen uns. Wir gedenken des schönen Wortes Seine durchgemachten Nächte Haben unsren Tag erhellt!"
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Göthe Schiller - Tenkmal in Weimar.
nerungen werden. Und wir sagen deshalb denjenigen unserer Leser, welche die jedem Deutschen in Amerika als Wunsch, als Traum, oder als Projekt vorschwebende Deutschlandreise arV führen können: g e h t n a ch W i mar. Der Ort lkfgt fast in der Glitte auf der so viel befahrenen Schnellzugsstrecke Verl.fult a. Tl. Wenn es auch nureklcalber Tag wäre, den man hier verbrUigt. Das modere Weimar ist eine stille, überaus lieblich gelegene Residenz, der Wohnort Wiii Schriftsteller, Künstler und Gelehrten. Aber was uns hier
Freilich kann unsere Schilderung des alten Weimar nur kurz, dü'ftiz und lückenhaft ausfallen. Als Führer sollen uns dienen das vortreffliche Göthewerk- des Engländers Lewes, dannKarl Heinemanns Göthe" (Leipzig bei Seemann 1899) und das Schild lerbuch von Wychgram (Leipzig 1893 Bei Velhagen und Klasing). Dem Li-teratur-Kundigen können wir freilich nichts Neues sagen, aber das deutsche Volk kann nie genug hören - von den Besten seiner Söhne. Göthe kam im Alter von 26 Jahren im Herbst 1775 nach Weimar, unmit-
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Göthe stellte Weimar und dessen Hof thatsächlich auf den Kopf. Karl August vergötterte ihn, Amalie liebte ihn mit mütterlicher Zärtlichkeit. Reizend sind die zahllosen Briefe, welche sie an
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Karl August. Göthes Mutter richtete. Der junge Herzog duzte sich mit Göthe, die beiden entliehen Westen und Taschentllcher von einander, um sie nie zurückzugeben, wohnten und schliefen wochenlang zusammen, machten gemeinschaftliche Ausslüge in die Umgegend und tanzten ganze Nächte hindurch mit den Bauernmädchen, ja stellten sich, nach Wielands Angabe, stundenlang auf den Markt von Weimar, um mit großen Hetzpeitschen zu knallen. Sie tranken den Wein aus Schädeln und verkehrten wie zwei Brüder. Das Lieblingswort war un endlich". Das Genie verschlang unendliche Würste, trank unendlich und liebte unendlich. Im ersten Briefe des Herzogs an Göthe heißt es: Lieber Göthe, Dein Brief freut mich unend-Iich."
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Schillers Haus in Weimar. (Rechts unterm Tache das Arbeitszimmer.) Obfchon in jener tollen Zeit" in Weimar ein Fest das andere jagte, so darf man dabei doch nicht an fürstliche Schlemmereien denken. Geschlemmt wurde allerdings, aber nach einem bil ligen, bürgerlichen, besser noch nach einem studentischen Fuße, wie ihn Göthe liebte. Eine Gesellschaft bei Commercienraths von heute verschlingt sicherlich das dreifache der Summen, welche ein noch so toller Abend bei Karl August gekostet haben mag. Des Herzogs Mittel waren nicht groß und seine Neigungen richteten sich ganz nach denjenigen Göthes. Der Herzog knauserte sicherlich nicht seinen Genies gegenüber, trotzdem bezog Göthe als Legationsrath nur 1200 Thaler und Schiller erhielt sogar nur 200 Thaler Pension. Freilich, was war damals der Werth des Geldes ! Schiller bezahlt z. B. für die Abschrift des ganzen Don Carlos einen Thaler und sechszehn Groschen, und miethet in Jena vier möblirte Zimmer für 17 Thaler vierteljährlich! .
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Schillers ArbeitZ- und Sterbezimmer.
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fesselt, das ist die alte Musenstadt. Sie ist ja noch vollständig erhalten, die großen Todten leben hier noch in tausend Zeichen. Da sind die Wohnhäuser Schillers und Göthe's. da das Herrliche Doppelstandbild der Dichter, dort das Gartenhäuschen, dann die vielen (Erinnerungen an den Kreis von Weimar. Wir betreten Göthes schmuckloses Arbeitszimmer. Dort an jenem TütUUifö hat der Dichter gesessen, die Ärme aufgestützt auf ein Lederkissen. das noch am selben Platze liegt. Hier l,jt er seinen Sekretären diktirt. Im stoßenden Zimmer ist er gestorben.
telbar nach seiner Entlobung von Lilli Schönemann. Der Kreis, in welchen er eintrat, war ein sehr jugendlicher. Die . verwittwete Herzogin Amalia, eineNichte Friedrich des Großen, zählte 36 Jahre, ihr Sohn, der regierende Herzog Karl August, nur 18, dessen Gattin Luise 18, Frau v. Stein 33. Herr v. Einsiedel 33, v. Knebel 31, Bertuch 27, Wieland 42 Jahre. Kein Wunder, daß Laune und Uebermuth in diesem Kreise vorherrschten und daß eine tolle Zeit losbrach, als .Der Zauberer" kam. So hat Wieland Göthe genannt in folgenden Zeilen:
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Göthes Arbeitszimmer.
Unser Bild, gezeichnet nach dem Genäl Mehr Licht- von Fleischer in hztm:, .stellt Göthe's letzte Stunde heimniZeben dem Sterbenden kniet ZlchwiegertochterOttilie. Heute n dem Zimmer Alles so,, wie l 51772 des Olympiers; der Lehnl Mul&tm Göthe starb, die Melh'cken, Tassen und Hausgeräth. wandt msz 1lnK hnnn hr2
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MWe. 'lchem Schiller die glückOnr .
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Auf rinrnal ftand in unfrti Mitte lin Zauderer abkr denkkt nicht (fr Um mit unzlückjchwar.gerkm Gesicht Aus einem Trachen angeritten. Pin schöner Verenmeifter er war, Mit einem schwarzen Augenpaar, Gleich mächtig zu tödken unv zu entzücken, C trat er unter uns herrlich und hehr Pin echter Oeiftcrkönig dadcr. Und Niemand fragte wer ist denn er? Wir fühlten beim ersten ölick: ' war Er! So bat noch nie in Gotte W,lt Irin Menschensodn sich dargestellt, Ter alle Güte und alle Gewalt Ter Menschheit in sich vereinigt: So fetn?4 Sold, ganz innern Gehalt, Bon fremden Schlacken ganz gereinigt. Xtx unzcrdrückt vs ihrer Last So mächtig alle ?tatur umfaßt. 6o tief in jede Wesen sich gräbt Und doch s innig im Eanjku Uitl
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Göthes Stadthaus, Weimar. Zu jener Zeit fing in Weimar der Mensch erst beim Baron an-und so wird es verständlich, daß sowohl Göthe, wie Schiller sich adeln ließen. Durften doch noch im Jahre 1823 im Weimarer Theater nur Adelige die Logen betreten. Bei Göthe geschah die Erhebung" in den Adelsstand gegen seinen Willen und nahm es damals so hin". Schiller strebte nach dem Titel lediglich, weil seine Frau dem Adelsstande angehörte, und weil er nicht ausgeschlossen sein wollte von den Kreisen, in denen seine Charlotte verkehrte. Die Sitten in der Weimar'schen Gesellschaft waren locker, es waren die Zeiten, in denen die Ehe in der besten Gesellschaft" häufig Das war, was sie nicht sein sollte. Der ehrliche Schiller schreibt über die Damenwelt in Weimar an Körner: Da ist beinahe keine, die nicht eine Geschichte hätte, oder gehabt hätte." Und nun denke man sich den Apollo Göthe unter dieser Damenschaar! Fräulein von Kalb, Corona Schr'öter, Amalie v. Kotzebue werden genannt. Ob Göthe ine derselben wirklich geliebt hat? Er selbst schreibt an Frau v. Stein: Ich log und trog mich bei allen hübschen Gesichtern herum und hatte den Vortheil, immer im Augenblick auch zu sagen was ich glaubte." Freilich, welchem Manne wurde auch dermaßen nachge-stellt.
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Schillers Garten in Jena. Zeichnung GötheS. Aus der großen Zahl flüchtiger Neigungen hebt sich eine heraus, welche alle überragt und über zehn Jahre ununterbrochen brennt. Als Göthe Charlotte von Stein kennen lernte, war sie sieben Jahre älter als
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:r und.sie war schon Mutter won sieben Kindern gewesen. Sie war Amaliens Hofdame und ihr Gatte fungirte als öberstallmeister des Herzogs. Die Stein hatte alle ihre Briefe an Göthe zurückgefordert und verbrannt. Auf ille Personen ihrer Umgebung übte sie zroßen Zauber, selbst noch im höheren lllter. Schiller schreibt an Körner: Ein gesunder Verstand, Gefühl und Wahrheit liegen in ihrem Wesen. Diese 5rau besitzt vielleicht über tausend Briefe von Göthe. Man sagt, daß ihr Umgang ganz rein und u n t a d e I hast sein soll." Schillers Gattin war die Busenfreundin der Stein. Unser Bild von Charlotte Schiller ist der Original'Zeichnung von Frau v. östein nachgebildet.
nissel: und' Körner antwortet darauf: JDlan verletzt die Sitte nicht ungestraft." Christiane war wohl nicht die Frau, deren Göthe ' bedürfte, aber sie hat ihm achtundzwanzig Jahre zur Seite gestanden, und wenn Göthe auch spät dem Bunde die kirchliche Weihe geben ließ, so hat er Christiane doch stets als seine Frau betrachtet. Zur Beurtheilung dieses Verhältnisses ist es von Werth, daß Göthes Mutter in ihren Briefen Christiane recht günstig beurtheilt hat. Schiller und Göthe. , lNach Lemes' .WLtbe".) MagiftratSrath Grüner traf im Jahre 1822 Goethe ,u Thränen gerührt bet der Lectüre des .Dreißigjährigen Krieges von Schiller. Aus die bestürzte Frage GrünerS
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.Mehr Licht! Nach dem Gemälde ton Jlei scher in Weimar.
Heinemann sagt über das Verhältniß Göthes zu Frau v. Stein: Wer diese Hunderte Göthe'schen Briefe und Zettel, den reinen und wahren Ausdruck innigster Liebe, der immer wiederkehrt U7.d doch immer neu ist, in dichterischer Prosa oder in herrlichster Poesie, unbefangen gelesen hat, der wird die Verleumdungen des Freundschastsbundes mit Verachtung zurück-weisen.
Freu von Stein. Lewes beurtheilt das Verhältniß anders wie Heinemann. Er weist hin auf das kleine Gedicht Der Becher". L i d a. welche darin genannt wird, ist Frau von Stein. Was Göthe dieser Frau verdankt, das hat er selbst am schönsten gesagt, nicht nur in dem unsterblichen Gedichte Wandrers Nachtlied". welches der Stein gewidmet ist, und in vielen anderen poetischen Perlen. sondern auch ganz direct in foigenden, schon im Alter geschriebenen Zeilen: ?ine? Einzigen angcbören, stinrn Einzigkn vcr:h:cn. Wie vrrkint ti erz und 6inn! V t b o ! GlUck d,r nächftkn Nähe. William! Ctrrn dcr höchsten Höbe. Yuch verdank ich, mag ich bin. Tag und Jahr find rntschwundkn Und doch ruht auf jknen Etundrn Mkinkj WkrthrZ V o l l g k w i n n. Der Bruch kam nach Göthes Rückkehr von Italien und durch Christiane Vulpius. Zwei Jahre war Göthe abwesend gewesen. Der 39jährige Dichter fand in Weimar die 46jährige, durch Krankheit und Schicksalsschlägc gealterte Freundin wieder. Eine Neigung, wie sie Frau von Stein verlangte, setzt voraus, daß ihr Object auch äußerlich anbetungswürdig ist.
So mußte es zum Bruch kommen. In
spateren Jahren aber erfolgte die Aussöhnung. Christiane VulpiuS war 17L3 ein frisches, kräftiges Mädchen.
antwortete Goethe: Ich bedauere, dah ich mit einem Manne, der so etwas schreiben konnte, einige Zeit in Mißverständniß leben konnte. Irin ähnliches Gefühl hat Jeder, der, in Goethe's oder Schiller's Leben vorschreitend, die Entstehungsgeschichte der Freundschaft beider Männer verfolgt, und rückschauend der sechs leeren Jahre gedenkt, in denen Beide nebeneinander, doch nicht miteinander lebten. Nicht ein Zufall hat das gefiigt, sondern das äußere und innxre Leben; äußere und innere Gegensätze sind die Ursache der Verkennung, aber auch der schließlich?, Beide beglückenoen Bereinigung gewesen. In einer Stunde des Unmukys hat Schiller sich Körner gegenüber zu der Aeußerung hinreißen lassen: Tieser Mensen, dieser Goethe, ist mir einmal im Wege, und er erinnert mich oft, daß das Schicksal mich hart behandelt hat. Wie leicht "'ard sein Genie von seinem Schicksal getragen, und wie muß ich is auf diese Minute noch kämpfen. Tiefe bitteren Worte sprechen deutlicher die äußeren Gegensatze aus. als lange Erörterungen. Taß nicht Neid 'diese Worte eingab, dafür haben wir ein schönes Wort Goethe's: .Schiller kannte keincnNcid, er war der. letzte Edelmann unter den deutschen Schriftstellern, es spricht aus ihnen die Klage über das Schick'!. Der Mann, der, eine Welt von Ideen in seinem Busen tragend, um das tägliche Brot schwer hatte kämpfen müssen, vergleicht sich mit d.'m Lieb, ling des Glücks, der, verhätschelt und verwohnt, nur von Herzcnskämpfen zu erzählen wußte, der unbesoldete Professor mit dem ersten Manne des Staates.
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Schillers Gattin. Goethe und Schiller sind Nebenbuhler, in vieler Beziehung durchaus entgegengesetzte Naturen und ihre geistige Verbrüderung wurde nur durch das herbeigeführt, was in ihren Naturen und Strebungen Höchstes war. Ein Blick genügt, um ihre tiefe Verschiedenheit erkennen zu lassen. Goethe's schöner Kopf hat die ruhige, siegreiche Größe des griechischen Ideals, Schiller's Kopf die erregte Schönheit eines Christen, der nach dem Jenseits blickt. Die mächtige Stirn und die strahlend großen Augen, ahnlich denen des Christuskindes auf der Sirtinischen Madonna, die festen und regelmäßigen Züge mit den Spuren von Gedanken und Lkiden, aber
wurden die elf Jahre der Freundschaft die productivsten. Als Göthe 1805 den Neujahrsbriej anSchiller schrieb, kamen ihm disWortt
Christiane Vulpius. der letzte Neujahrstag" in die Feder. Er zerriß das Blatt, konnte sich aber auch dann nur mit Mühe zurückhalten, etwas vom letzten Neujahrstag zu schreiben. Am selben Tage sagte er zu Frau von Stein, in diesem Jahre würde entweder er oder Schiller sterben. Kurz darauf erkrankten Göthe sowohl wie Schiller. Letzterer erholte sich früher und konnt: Göthe besuchen. Sie fielen einander um den Hals und küßten sich in einem langen und herzlichen Kusse. Bei Schiller kchrte die Krankheit zurück. Am 30. April sahen sich die Freunde zum letzten Mal. Der noch immer
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Göthes Gartenhaus. kranke Göthe erfuhr den Tod d:Z Freundes erst nach mehreren Tagen. Erst als dieGlocken zur Trauerfeier erklangen, theilten ihm die Freunde die Nachricht mit. Göthe hat um Schi!ler getrauert, wie um einen Brud;r. Er erklärte wiederholt, daß er durch Schillers Tod die Hälfte seines Daseins verloren habe.
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Am Musenhof in Weimar. Nach dem Gemälde von Oer. Obigk,. woklbkkanntk, Bild von C schildert d,n Mus,nl,s ,ur J,it dn höchst Blüthe EchN. ler trist leine !tichtun,kn vor. Auf drr Baut die beiden erzoginnen Amaln und Lmse. dahinter reckt, arl uauft und Göthe. Tie beiden Tamen hinter der Bank chiller! Gatt, und deren Echwefter arVline von Lengeseld. - Reben Amalie W i . l a n d. link, vor Herder, dahinter Mu. jäut und Alexander und Wilhelm von Humboldt. .
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Sie überreichte Göthe im Park eine Bittschrift ihres Bruders, des Berfassers von Rinaldo Rinaldini". Sie wurde dem Dichter dann die Muse der römischen Elegien. Wer das wunderbare Gedicht liest: Ich ging im Walde so für mich hin-, der hat darin Göthes Vorstellung Christianes. ' Letztere spielt in der Geschichte der Frauengestalten, welche Göthes Leben kreuzten, die undankbarste Rolle, auch hat sie in späteren Jahren die Flasche geliebt. Vielleicht war daS eine erbliche Belastung, denn ihr Vater war ein Trunkenbold, und ihr Sohn, August von Göthe, hat dem Dichter aus derselben Ursache schweren Kummer gemacht. Schiller schreibt an Körner übe? .Göthes elende häuZlicheÄerhält-
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bezeugend, daß Gedanken unv Leiden den starken Mann wohl heimgesucht, jedoch nicht besiegt haben alles daS macht G ethe zum schlagenden Gegensatz zu Schiller mit seineu scharsen Augen, seiner schmalen Stirn, sei nen unregelmähigen Zügen, die von Gedan ken und Leiden durchfurcht und von Krank heit angegrissen sind. Ter lne blickt, der Andere blickt auS sich heraus. Beide sind majeftätisch. aber Jener hat die Majestät der Ruhe, der Andere die des Kampfes. Gcethe batte einen imposanten Körperbau und schien größer als er war, in Schiller's Kör performen fehlte daS richtige Verhältniß, und er war größer, als .schien. Goethe hielt sich steif aufrecht, Schiller, mit seinem langen Halse, .ging wie ein Kameel". (Dieser drastisch Vergleich rührt von dem Bild Hauer Tieck her.) Die Berührung mit Schillers mannlichem Ernst und rastloser Strebsamkeit war für Göthe der Antrieb, dessen er schon, lange bedürfte. Für Beide
Ettersburg.
Um Mitternacht des 12. Mai wurde Schillers Sarg von zwanzig jungen Künstlern und Gelehrten aus dem Hause getragen. Es war eine mondtlle Nacht, im Gebüsch schluchzten die
Nachtigallen. Kein Trauergesang, kein Abschicdswort unterbrach die Stille. Aber am nächsten Tage fand in der Jacobskirche unter den 5Uängen von Mozarts Requiem eine ergreifende Trauerfeier statt. Schiller, wie spä-
ter auch Göthe wurden in der Fürsten
gruft zu Weimar beigesetzt. Freilich, sind es wirklich die Gebeine Schillers, welche in der Fürstengruft ruhen? Die
Beerdigung Schiller's ist und bleibt eine schmachvolle Sache. In einem Dreithalersarge wurde Schillers sterbliche Hülle in das feuchte LandschaftsKassengewölbe versenkt. Erst nach 21 Jahren hat man sich bcmüht, aus dem
Fürftengruft und russische Kirche. Gewirr modernder Knochen einzelne Theile hervorzusuchen, welche vielleicht dem Heimgegangenen angehört haben mochten. Diese fragwürdigen Reste sind in einem Prunksarge dann neben Goethe und KarlAugust beigesetzt worden. Zur theilwcisen Entschuldigung dieses Vorgangs mag gesagt werden, daß, als Schiller starb, der Hof verreist und Goethe krank war.
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Blick auf das heutige Weimar. In weit späteren Jahren schrieb Göthe dem Freunde den Nachruf, den Epilog zu Schillers Glocke". Wie Orgelton und Glockenklang tönt dieses Gedicht, es ist ein mächtiger Strom, von Freundschaft und Poesie geschwellt, der das Grab des großen Freiheitssängers unverhallbar umrauscht. Ten er war unser! Mag da! fiolze Wort Ten laute Schmerz gewaltig übertönen, (fr mochte sich bei un, im sichre Port, Räch wildem Sturm zum Dauernden gewöhnen; , Indessen ichritt sein eift gewaltig fort In' Ewige de Wahren. Gute. Schöne, Und hinter ihm. im wesenlose Echeine Lag, feal Hl fie händigt, lil Craciael'
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