Indiana Tribüne, Volume 24, Number 186, Indianapolis, Marion County, 24 March 1901 — Page 2
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FNVWNtt Frlvüne, Sonntag, 24. NSrz 1901
Die Sprache dcx Kmea.
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fstlles besuchte, schlua diese? mä
gemeinsamen Besuch der königliche ' '
aoici aini enis vor. und zwar UM so Hr. als er sie selbst noch nie ge. sehen hatte. So winde auf Anregung des Kaizers ein Jncognito . Besuch um Mitternacht verabred!. Der Prior der Kirche wurde aufgefordert, die Pforten der Kirche offen zu ha.lten und diese zu beleuchten, uni den Besuch einer fremden vornehmen Familie zu empfangen. Nach Mitternacht brach das königliche Paar mit dem Kaiser und der Vrinzes-
sin Lamballe auf; Marie Antoinette .. ..l.rii i - . .
roar enizuai oer das gehelmnißvolle f)sfcT?t1T1 'S'? IC.. i 1. ffl.
uvuttku., jua lyict qarric. ZJlz Fahrt ging, da man Paris umgehen wollte, über Saint Cloud. durch das
Jois de Bologne und auf dem Chemin
de la Revolte. In Samt Denis war Alles in Bewegung; man ahnte, daß der Kaiser tainmen, aber nicht, daß er vom Könige und der Königin begleitet sein werde. 'Ein als Jockey verkleideter
Page mcivete dem Prior die Ankunft der fremden Gäste. Dieser erkannte dieselben und geleitete sie. nachdem sie
in einem Saale ine Erfrischung zu sich
genommen yatten, in die Kirche. Der Kaiser führte die Königin, der König i rn r r- , ' . 0
mt yzmyum amvalle, und alle Bier, die bisher rn übermüthiger Stimmung gewesen, wurden auf einmal ernst und r r w .
lroeigianu concye gingen voran und erklärten die zahllosen Denkmale
cn geweihter Stätte-. Allenthalben Grabmale mit den Abzeichen der könizlichen Würde. D Kaiser betrachtete nnt stoische? Ruhe die Mausoleen der Merovinger, der Karolinger und der Abkömmlinge Hugo Capets, aber den König und die Königin und die junge Lamballe überlief es kalt, und sie schlössen sich unwillkürlich enger an einander an. Sie horten vor Erregung die Erklärungen des Priors nur halb; dieser bemerkte es und wollte die bedeutsame Lection abkürzen. Da fragte der Kaiser beim Anblick einer offenen und erleuchteten Gruft: Hochwürden,
mn fuhrt dieses Gewölbe?", und d?r
r erwiderte: 5ln die unterirdl-
Räume. wr die Sprossen aus
Hause der Bourbonen ruhen." TT W O.Vi !
,U JlHllU XV. UHU llvlolg VV, rief der Kaiser, und. zn seil Schwager gewendet, sagte er: R'ti Ihrer Erlaubniß. Sire, wollen !r hinabsteigen; anticipiren wir das Ziftige Erbtheil!- Der König machte i sauersüßes Gesicht zu diesem Witz. :d die Königin erschauerte.' Auf der .itersien Stuse angekommen, ver)errte ihnen etwas den Weg: es war n langer und schmaler Gegenstand, tdt mit einem weitwallenden Sam.ettcppich, in dessen Mitte ein weißes rein einae nickt war und Zn den (Wen
nzö sieche Wappen; das Lilien
das Doppel-L und die KLvervollständigten den
ck dieses 'Leichentuches. MaZ
IV fragte der König. Und der
or erwiderte mit leiser Stimme, in
em er sich tief verneigte: Der Sara
des Vorgängers Eurer glorreichen Ma-
Mtar. mjasr rief erbleichend die
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Ja.
Königin, .ist das ein für unsere Ahnen würdiger Platz?" Die drei Mönche )ogen ihre Kapuzen über den Kopf und Warfen sich auf die Kniee. Kurzes schweigen, folgte, dann, hieß der z'sie aufstehen und der Prior antortete auf die Frage der Königin: Majestät! nach altem, geheiligtem Brauche riwartet hier an der untersten Stufe btz Treppe der letztgeschiedene König seinenRachfolge?, und erst wenn dieser kommt, nimmt er den für ihn reservirten Platz ein. Dieser Kandelaber hie? trägt so viele Kerzen, als der König Jahre regiert hat; sie brennen Tag und Nacht; denn sie dürfen nie erlöschen. Würden sie eines Taaes nickt
l mehr brennen, so bedeutete das ein großes Unglücks Das Königspaar und Ttr?rirnv vn. r.. ..c v:.
v""3Hll" iVUlJUl IU UU UlCrffcUlCC
ö beteten em .De profundis", in das
Uebrigen einstimmten. Da fuhr
uch ein scharfer Luftzug durch die
. hoö dreimal das Bahrtuch em-
leß an Den Kandelaber und
;tk Kerzen aus. : Es brannten
7 man befand sich da-
)it 1776. Alle schrieen
etzt auf und die Königin fiel ihrem
mahl in die Arme. frort, fort!" rief
. i'fer und zog die Königin nach, wäh der Kaiser die ohnmächtig geworLamballe stützte. Run ging's in 'ßUt nach Versailles zurück. Nie-, sprach, aber Jeder berechnete in danken: 1776 und 17 macht 1793 verh'angnißvolle Datum! ' . Diese Sage klingt recht crräßNch, :? schade, daß dergleichen Geschichten ' 1 vor, sondern immer erst nach dem .tritt einer Katastrophe erzählt w 'V --
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Uebertrumpft.
A.: . .Ich sage Ihnen, unlängst be-
m ein Äekannttr von Mi? einen
lch' starken Frostanfall. daß er, trotz-
7 sein Zimmn sebr gut geheizt war auch noch sein Aett unnxit vom ':n stand, erfroren ist!" :- Das ist noch gar nichts! Ich : einen guten Freund, welcher in .e hochgradigen Fiebers, obwohl er ? Eisbeuteln lag, die ganze Nacht :durch so schwitzte, daß man ihn am deren Margen ertrunken in seinem t. ek
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Der Machthaber.
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D w e h! Du. der Alex hat ein 'lf Lijzi's Fuß gemacht und Na. und?- . Und j eingeschlafen l" : -
ikrut Schlaumle müssen Vverkebrt maöen?S
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ng sicher k e , n e Au,
Humoreske von Gustav Johannes Krauß. Der würdige Mann saß nach den Mühen seines wohl verbrachten Tages in der Bauernstub'n" der besten Erazer Weinschänke und fühlte sich erhaben. Die Dienstmütze mit der schwarzgelben Borte hatte er zu seiner Rechten auf den Eichentisch gelegt, in der Kavpe lag das große, rothgeblümte Taschentuch, vor dem Herrn stand ein Stutzglas rothen Weins. Daraus that er von Zeit zu Zeit einen tüchtigen Schluck, steckte danach die kurze Pfeife wieder in den Mund, rauchte und sah mit selbstbewußtem Behördengesicht in die Luft. Warum sollte Herr Moser sich auch nicht fühlen und ein bissel hochmüthig sein? Ein kaiserlich-königlicher Geldbriefträger ist wahrhaftig kein geringer Mann. Da lärmten zum Beispiel im Extrastübel nebenan die, Herren Studenten Heute waren's nicht so Viele, Wie gewöhnlich und das Gesinge bedeutend schwächer als sonst. Das kam daher, daß morgen der Erste war, an dem Moser bei den 5zerren Doktores seinen Rundgang machte. Da war mancher schon heute zu Hause gebliebcn. um dem lieben Besuche recht sehnsüchtig entgegen zu harren. Die breite Brust Herrn Mosers wölbte sich höher vor Stolz, als er die Bedeutsamkeit seiner Stellung in d:r Welt überdachte, und in sein Herz kam der Wunsch, sich über dieses Thema ein wenig so recht gründlich auszusprechen. Er strich sich den mächtigen Schnauzbar. und blickte unzufrieden um sich. Wo nur der Eder heut bleibt?" Der Eder war ein Gehilfe des Schuhmachermeisters in der Annagasse, mit der der Rayon des Herrn Moser Bestellbezirk No. 12 anfing, und als simpler Schustergeselle zum Trinkund Sprechgenossen einer solchen Amtsperson, wie Herr Moser war, eigentlich zu gering. Der Geldbriefträger ließ sich aber um des Schusters lustigen und gescheidten Wesens willen zu ihm herab und würdigte ihn seiner Freundschaft, wie der Löwe in der Fabei den drolligten" Hasen. Tag um Tag saßen sie nach Feierabend beisammen in dem Weinstübel, unterredeten sich über dies und das und tranken Schilcher dazu, den herben peirischen Rothen. Da kam er nun endlich, der Eder.
Aber heute hatte er ein grimmiges Ge-
sicht aufgesteckt, sem Schwarzhaar war gesträubt wie das Fell eines fauchenden Katers, seine Augen blitzten nur so. In seiner Wuth drückte er die
Hand, die ihm Herr Moser gravitätisch
reichte, so stark, daß Moser am neo-
sten Au! geschrieen hatte, wäre das
nur nicht gar so standeswidrig gew:-sen.
Also fragie der würdige Mann mit möglichst beherrschter Stimme: Ja, was hat denn der Eder, der
lustige Schuster heut' für einen bösen
Tag?"
Der Schuster hob fern hübsches, fri
sches Gestcht, dem die Aufregung ganz
gut stand, guckte Herrn Moser mit den
glühenden Augen an und knirschte aus tiefster Seele herauf:
Die Studenten soll alle der Seist
hol'n!"
Herr Moser dachte emen Augenblick
nach, was solches Naturcreigniß für
ihn für Folgen hatte und Nickte mit
dem gewaltigem Haupte.
War' mt übel! Hatt' ich dann
weniger in die dritten Stöck' 'naufz'-
kraxeln.
Und 'zallererscht den Nentwich,
den verhüllten Gigerl, den!"
Cand. zur. Nentwich wohnte nun aber
nicht im dritten, sondern im- ersten
Stockwerk. Auch aab er dem Geld-
briefträger immer zwanzig Kreuzer, manchmal sogar eine Krone, wenn der
die zweihundert Gulden brachte, die
Herr Nentwich senwr seinem studirenden Sohne monatlich sandte. Herr Moser fühlte also etwas Zn seinem Her'n für den Dr." Nentwich sich einsetzen, und er fragte:
Ja, warum denn grad den? Hat
er Ihnen was 'than, der Nentwich?"
Xtz schuster lachte zornig. Ob er mir was 'than hat! Stellen
S' Ihnen vor, Herr Moser. Sie wär'n
ein junger Mensch, und hätten statt
enfm Weib ein Schatz, und Sie waren
lein Geldbriestrager, sondern a Brief-
Briefträger und müßt'n dem Herrn
Dr. Nentwich die Liebesbrief, das was
Ihr Schatz ihm schreiben thut, schon
pünktlich zustell'n und 's Maul hal-
ten dazu. . . that Ihnen das fallen,
her , ' '! : ;
Herr Moser machte ein ablehnendes
Gesicht. Es paßte ihm nicht, dak er
sich in eine so entwürdigende Rolle
hrnerndenken sollte. Ihm so etwas
zuzumuthen! Den richtigen Respekt schien der lustige Schuster nicht vor ihm zu haben.
Sehn S'," fuhr Eder trübe fort, g'rad so is mir ums Herz. Rennt der ,
Lump meiner Mall nach, und zustament ich muß d' Lackstiefeletten dazu machen! I sag' Ihnen, Herr Moser, was i' bei die Lackstiefeletten g'litten hab', ginget Zn kein'n Roman und in kein Gedichtenbuch eini. und wann s' no' so dick wär'n! Jeder Stich mit 'm Schusierkneip, was i' in das verfluchte Leder g'macht hab', is mir durchs Herz 'gangen, jeden Nagel, was i' eing'schlagen hab', hab' i' im Hirn g'spürt, der Papp, was i' zu den Stieferln braucht
hab . hat mit den Luftdals verpickt, daß'i' nimmer 'hab' schnaf'n mögen. Am liebsten hätt' i' a Brandsohl'n aus Dynamit 'eini than in die Stieflet-. ten. dass 's 'n in d' Luft g'spttlVgl hätt', den saubern Herrn' Doktor, wenn er d'rauf tanzt." - ' j '' - '. Der Schuster hatte sich außer Athem geredet. Er leerte sein Glas auf einen .
Zug und sprach dann weiter, ohne sich
erst' den hübschen, schwarzen Schnurrbart abzuwischen, aus den er sonst so stolz war. Heunt sein die Stieferln g'liefert wor'n. Zahlt hat er s' net, der feine Herr. der. Uebermorgen kumm wieder her", hat er zum Bub'n g'sagt, da kriegst 's Geld und dei ' Trinkgeld aa!" Morg'n in der Fruah aber ziegt er dö Stieferln an. und um Neune hat er ein Randewuh mit der Mali, und er hat g'sagt, er führt s' im Schlitten 'naus nach Gösting, da wer'n s' feia essen und Schampus trinken, und dann fahr'n s' spazieren, un' auf d' Nacht geh'n s' auf 'n Maskenball in die Industriehalle. Ihre Freundin hat mir alles erzählt." Der arme Kerl konnte nicht weiter reden. Das Wasser stand ihm in den Augen, so daß sich Herrn Moser in der breiten Brust das Mitleid regte bei dem Anblick. Schirmen S' Ihnen, Eder", polterte er. Wer wird denn flennen um so ein Weisbild! Lassen Sie's in Gott's Namen schießen, die Mali, wann die so is. Giebt mehr saubere Mad'eln in Graz." Der Schuster schüttelte hestig den Kopf. I' . . . i' . . hab' s' zu gern, . . .d' Mali. Sie is auch gar nit so eine. Ein brav's Madel is s', der verhüllte Gigerl hat ihr nur 'n Kopf verdreht mit sein'm fein'n G'wand und mit die süßen Redensarten. I' hätt' s' trotzdem g'heirath't, d' Mali. Aber freili', wann s' morgen die Schlittenpartie macht, dann is alles aus. . .alles. . . alles aus. . ." Da stand Herr Moser würdevoll auf. legte seine breite, fleischige Hand auf die Schulter seines Schützlings und sprach: Wenn das so is. . . aber hör'n S' do' schon auf, z' heulen! Sie sollen erleben, was das heißt, den alten Mo ser zu ein'm väterlichen Freund z' haben. Die Mali wird weder Schlitten fahr'n morgen, noch Schampus trinken, noch in die Jndustriehalle geh'n. Nachmittag geht's mit Ihnen zu der Sonntagsmusik auf'm Ruckerlberg." Der junge Mensch starrte seinen Gönner fassungslos an. Herr. . . Herr Moser. . ." stammelte er. Wenn S' das könnten! Aber wie um's Blut's Christi willen wollen denn Sie das machen?" Amtsgeheimniß!" sagte Herr Moser mit undurchdringlicher Miene. Dann zahlte er und ging. Des andern Morgens war der Jurist Nentwich schon um acht Uhr aus den Federn und in voller Wichs", obwohl er bis drei Uhr morgens gekneipt hatte. Er lebte nach einer gewissen Regel und verjubelte den schäbigen Rest" seines Monatswechsels immer erst in der Nacht vor dem neuerlichen Besuche Herrn Mosers, dann aber auch bis auf. den letzten Kreuzer. Diese Prozedur nannte er die Gewissensreinigung". Er wartete und wartete, aber, der Kukuk mochte wissen, wie das heute zuging, Herr Moser kam nicht. Um halb neun trat der Student ziemlich nervös an'sFenster, riß es auf und spähte die Straße entlang mit Augen, die sich vor Sehnsucht am liebsten in ein paar Riesenteleskope von der Schärfe jener, die auf der Sternwarte zu Grecnwich stehen, verwandelt hätten. Aber da waren keine rothgelben Aufschläge zu sehen und keine schwarze Ledertasche. Die Leute, die auf der Straße gingen, trugen alle bürgerliche Sonntagskleidung, und wenn einem was über den Bauch bummelte, war's nur die goldene oder silberne Uhrkette. Herr Nentwich fluchte, und je mehr cr fluchte, desto heißer ward ihm. Neun Uhr! Himmelschockschwe. . .! Ach was, auf Schlittenfahren und Champagner wartet eine kleine Näherin schon eine halbe Stunde oder so. Jetzt muß er ja doch jeden Augenblick kommen! Biegt er da vorn nickt schon
um die Ecke? Keine Spur, der uniformirte Kerl hat ja ein Seitengewehr!
ttm Soldat ijt's. Viertel zehn! Himmelkreuz. . .!" Herr Nentwich riß seine Börse aus der Tasche, stierte die drei blechernen Biermarken, die sich in dem mittelsten
Fach herumtrieben, während die übri-
gen Abtheilungen ganz leer waren, wüthend an' und trommelte- dann mit beiden Fäusten an die Thür, die aus seiner Bude" in die Wohnung seiner Quartiersrau hinüberführte. Die Thür wurde aufgethan und ein kleiner Altfrauenkopf guckte herein. Der Herr Doktor befehlen?" . Liebe Frau Riedel. . . können S:e mir nicht was pumpen, dreißig Gulden oder so, bis dieser höllische Esel, der Moser, kommt? Ich brauche dringend Moos. Thut mir leid, Herr Doktor! Ich warte schon mit Schmerzen darauf, daß ich von Ihnen Geld krieg'! Zins zzhlen muß ich heut'." . Der kleine Kopf zog sich vor dem wüthenden Kreuzmillionen Donnerweiter!" in das der verzweifelte Studio ausbrach, eilends zurück. alb zehn! Der Doktorand tanzte
von Wuth im Zimmer herum. Seine schöne, große deutsche Dogge, die bisti faul in derEcke gelegen hatte, nahm das als eine Einladung zum Spielen, sprang seinem Herrchen" freudewedelnd nach und schnvte .schrzf,aft nach seinen Rockschöße'' Der arme Wuotan! err Ne, twich griff die Hundepeitsche vom Bröerc aus und prügelte den Köter Windelweich, dessen Fidelitat seinem verdüsterten Gemüthe wie satanischer Hohn erschien. 'Als der Hund sich endlich losger'lsstn.hztte und sich Winselnd und knurrend hinter, das Bett verkroch, hörte Nentwich die Thurmuhr der nahen Kirche zum heiligen. ScbaWn zehn'
schlagen. Die Schläge dröhnten wie ein metallenes Hohngelächter in sein Ohr. Um half elf endlich ging es draußen: Klinglingling! Gleich darauf klopfte es. -Der Student sprang zur Thür und riß sie auf. Richtig der Moser. Nentwich packte den würdigen Herrn am Arme und riß ihn in Stube, als wolle er ihn da drinnen ermorden. Sie Unglücksmensch! Jetzt. . .?!" Auslassen!" schrie der Beamte mit zornrothem Gesicht. Junger Manamas fällt Ihnen ein, Hand an einen Geldbriefträger zu legen? Wissen Sie, daß ich Sie verhaften lassen kann?" Warum kommen Sie so spät?" wetterte der Student. Herr Moser reckte sich hoch empor, zeigte sein erhabenstes Behördengesicht und sprach mit vernichtender Schärfe. Weil in meiner Instruktion nirgends steht, daaß der Herr Dr. Nentwich zuerst d'ran kommt. Vor der Be hörde sind alle gleich, so steht's im Staatsgrundgesetz. Das werden Sie als Jurist doch können? Eine PostanWeisung über zweihundert Gulden hab' ich. Herr Doktor!" Die Auszahlung nahm noch beträchtliche Zeit in Anspruch, denn Herr Moser zahlte den Betrag in vierzig Fünfguldennoten auf. die er immer wieder pedantisch nachzählte, ehe er sagte: Stimmt." Darauf zwang er noch den vor Aufregung schwitzenden Empfänger, seinerseits nachzuzählen. Als Herr Nentwich um elf Uhr im Stadtparke anlangte, lag das WetterHäuschen, an. dem er scir Stelldichein haben sollte, einsam da.' Von der hübschen Mali war kein Kleidzipsel und keine Hutfeder zu sehen. Vse geworden!" dachte der Student bedauernd. Richtig bekam er Montag früh einen Brief. Eier Wohlgeboren!" schrieb die junge Dame mit eisiger Förmlichkeit, durch welche die Empörung einer tiefgekränkten Frauenseele hindurchgrollte, Maul machen und sizen lasen ist keine Kunst nicht. Aber jede drauriche Erpfarung hat auch ihr Guts und so hab ich mir die Lehre dafon genomen das man mit die Herrn studentn beser nix ansang und Sich an ein erlichen Handtwerker halt wo mans dahin bringen kan das er einen heirath und so empfehle ich mich ihnen." Die UnUrschrift fehlte. Schade drum", seufzte Studiosus Nentwich. War doch ein patenter Besen. Jetzt kann ich mir eine andere suchen. Dieser niederträchtige Kerl, der Moser!" Der niederträchtige Kerl" ging ein halbes Jährchen später mit seinem jungen Freunde Eder und der hübschen Mali als Trauzeuge in die Kirche zum heiligen Sebastian. Er hatte seine Extra-Uniform an und war in jeder Miene und jeder Bewegung selbstbewußte Würde. Ja ja, es ist nichts Kleines um einen kaiserlich - königlichen Geldbriefträger. So einer ist ein Machthaber auf Erden, ein Stück Regierung und beinahe auch so ein bischen Vorsehung, eine Vorsehung in Uniform. Die Hochzeitsretse ron ?. Lzedberz. Auf dem Hinterdeck eines größeren Dampfers saß einPaar Hand in Hand. Er war lang und mager, mit gebeugter Haltung, und man sah, daß er den größten Theil seines Lebens am Schreibtisch zugebracht hatte. Jung konnte er nicht mehr sein, denn unter der Reisemütze, die er keck in den Nacken geschoben hatte, guckten einige graue Haarsträhnen hervor. Sie war klein und zart, mit einem blassen Gesicht und etwas ängstlichem Ausdruck in den dunklen Augen. Jetzt lag jedoch auch ein Schimmer von Glück darin, einem Glück, das auch ihre Wangen rosig gefärbt, aber an dem der wehmüthige Zug um den Mund zu zweifeln schien. Ihre Kleidung war einfach, aber mit einem kleinen Anltrick
jugendlicher Koketterie, einiae helle
Bänder und ein paar Rosenknospen im
ui. 5-onst druckte ihr ganzes Wesen
oas vemutylge Bekenntniß aus. daß sie bereits die Jugend hinter sich hatte. Siebst Du." saate ibr Mann und
schaute verächtlich einer Brigg nach, de-
ren weltze Segel mehr und mehr verschwanden, die haben wir weit hinter
uns gelassen. Denk nur, wenn wir gezwungen wären, mit einer solchen
scyneae zu reisen. Auch sie verfolate die Briaa mit
einem träumenden-Blick.
Ich möchte lieber damit fahren."
gab sie zur Antwort, hier geht's beinahe u rasch für uns. finde ich."
: nachte eine ungeduldige Bewe-
snnc.
..er Liebchen! Was sind das für
Ideen! Du mußt mit der Zeit fort-
schreiten, und die Zeit will, daß alles schnell geht.".
Sie lächelte webmütbia und scküt-
telte den Kopf, erwiderte aber nichts.
(sie waren allein auf dem Sinter-
deck, aber vom Halbdeck her erscholl P!audern und Lachen. Da oben befand sich ein junges, eben verheirathetes Par. das sich vortrefflich mit dem
Steuermann zu unterhalten schien.
osl oas acyen zu den Beiden da
unten drana. faben sie binauf. er mit
sehnsüchtigen Blicken, sie bald neuaie-
rig. T,alb traurig, als ob ihre lärmende
isreuve it störte.
Wie wäre es. Mia " saate er vlök-
lich. wenn wir uns denen anschließen
rcittoenr
Nein, nein." antwortete sie hastig, wir würden sie nur stören, wir kennen
?.t ja nicht."
Ach was! Auf der Meise kennt man
alle Menschen. Kömmnui!" Er nabin ibren Armand kersuckte
sie von der Bank mvouuikkben. "
Nein. Karl," bat sie.' Laß mich hier bleiben.' Ich bin wirklich etwaS müde. Aber Du kannst ja gehen."' Ohne Dich! Unmöglich! Dann bleiben wir also hier," sagte er und kniff sie in die Wange. Sie erröthete und sah sich unwillkürlich um, obgleich sie wußte, daß Niemand sie sehen konnte. Da lachte er und begann mit rauher unmusikalischer Stimme zu singen: Was thut ein Kuß, wenn Niemand ihn sieht " Aber Karl!" Sie legte bittend ihre Hand auf seinen Arm. Ihre ängstliche Miene amllsirte ihn anscheinend, denn er fing von vorne an mit noch lauterer Stimme. Erst als er gewahr würd:, daß ihr die Thränen in den Augen standen, hörte er auf. Aber Mia. was fehlt Dir?" Sie trocknete ihre Thränen und versuchte zu lächeln. Ich weiß nicht, was mir ist. Ich will nur weinen. Es ist wohl die Luft, die es macht." Ein Weilchen saßen sie still. Auch sein Gesicht hatte sich verdüstert er sah plötzlich so müde aus.Farl," fragt? sie schließlich, gibt es auch Tannen in Italien?" Da kebrte seine frühere, c,twas forcirte Lebhaftigkeit wieder. Tannen? Nein, das nicht, aber andere Baumarten, die Du nie gesehen hast. Wenn wir erst in Italien sind, wirst Du nicht mehr weinen, nein, da wirst Du jubeln und lachen wie eine junge " Er schwieg verlegen und strich kosend mit der Hand über ihr Haar. ' Sie lächelte und that so, als bemerkte sie seine Verlegenheit gar nicht, sondern antwortete nur: Ich glaube, ich werde doch die Tannen vermissen." Traurig sah er sie an. Dann ertönte aber wieder das Lachen von oben und zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Wie die lachen können!" sagte er seufzend. Seine Frau bat ihn wieder, allein zu gehen, und schließlich gab er nach. Pfeifend ging er die Treppe hinauf. Mit einem stolzen Lächeln blickte sie ihm nach; als er aber verschwunden war, seufzte sie. Wie jugendlich er noch ist, und wie alt bin ich gegen ihn!" Oben standen die beiden Herren. Der Jüngere war. ein richtiger Riese, blond, mit einem gutmüthigen Gesicht. Er hatte eine neue Cigarre angezündet und hörte ungeduldig den AuseinanVersetzungen des Aelteren zu. Sie sind also jetzt auf derHochzeitsreise?" sagte dieser. Hm übrigens ein eigenthümliches Zusammentreffen, denn um die Wahrheit zu gestehen, so haben wir auch erst vor vierzehn Tagen unsere Hochzeit gefeiert." .Wirklich?" antwortete der Riefe uno warf emen erstaunten, sorjchenden Blick auf ihn: Der Andere merkte es und sagte gutmüthig: Sie meinen, daß es etwas sp!U ist? Aber Glück und Liebe kennen kein Alter. Merkwürdig ist es aber doch! Diese Reise sollte schon vor fünfzehn Jahren stattfinden Aber der Mensch denkt und Gott lenkt und so toiuix es erst jetzt. Ja. fünfzehn lange Jahre haben wir gewartet, das ist eine lange Zeit. Wir dachten, wir würden das ganze Leben hindurch warten müssen. Da kam jedoch das Glück mit einem Mal, wir waren frei, unabhängig, beinahe reich. Manchmal glau'ie ich immer noch, daß alles nur ein Traum ist, denn das Glück ist zu groß. Meine Frau bereitet mir jedoch einige Sorge. Früher war es ihr größter Wunsch, nach Italien zu kommen, und jetzt, da ihr Wunsch in Erfüllung gehen sollte, sträubte sie sich dagegen. Ich verstehe sie nicht es ist, als habe sie Furcht vor la bella Italia können Sie das begreifen?" Er lachte gezwungen und sah den Andern fragend an. Dieser schüttelte lächelnd den Kovf. Ehe er jedoch etwas erwidern konnte, setzte der Aeltere in seiner lebhasten Weise fort: Aber ich verplaudere hier die Zeit mit Ihnen und vergesse darüber ganz meine Frau. Nun muß ich Ihnen gute Nacht sagen. Hoffentlich sehen wir uns morgen." Er sprang die Treppe so schnell hinunter, daß er beinahe gefallen wäre. Am nächsten Tage erreichte der Dampfer seinen Bestimmungsort, und sie trennten sich mit einigen freundlichen Worten. - Vierzehn Tage später sollten sie sich jedoch in Nizza auf dem Bahnhof wieversehen. Der Zug. der weiter nach Süden fuhr, hatte dort einige Minuten Aufenthalt, und der junge Mann war hinausgeeilt, um seiner Frau eine Erfrischung zu verschaffen. Im Warteräum stieß er mit einem 5errn zusammen, in dem er seinen Reisegefährten vom Dampfer wiedererkannte. Er begrüßte ihn herzlich und 'sagte: Nun können wir vielleicht zusammen reisen? Wir wollen jetzt auch nach Italien." Der Aeltere blickte scheu zur Seite und erwiderte: Nein, wir reisen wieder gen Norden
wir reisen nach Hause!"
Nach Hause? Ist es möglich? Ohne
la della Italia gesehen zu haben? nef
der zunge Mann aus. Jetzt erst betrachtete er seinen Reise-
geführten näher und erstaunte über die Veränderung, die mit ihm vorgegangen war. Die frühere Lebhaftigkeit war ganz verschwunden, er sah müde und entmuthigt aus, und es lag eine unterdrückte Bitterkeit in seiner Stimme, als er antwortete:
Ja, wir passen nicht hierher wir
sind zu alt! Das war es, was .Mia schon geahnt hatte, aber ich verstand tl
damals Nicht, ich dachte, wir würden daö wiedergewinnen, was wir der-
loren hatten. Ich Narr was kann
uns die. fünfzehn Jahre setzen und unsere verlorene Jugend? Nichts es ist vorbei für immet vorbei!" Ein Schluchzen erstickte seine Stimme. Deriunae Mann wollte einige tröstende Worte widern, aber im selben Moment ertöte die Glocke, und er konnte ihm nur Lebewohl sagen. Als der Zug den Bahnhof verließ, stand das alte Paar und blickte ihm nach. In einem Coupeefenster sahen sie zwei jugendliche, frische Gesichter und zwei Taschentücher, die eifrig geschwenkt wurden. Die Alten drückten sich fest dieHände. Sie vermieden es aber, einander anzusehen. Denn , beider Augen standen voller Thränen.
Stutzen der Geselligkeit. Von Anna Lüdecke. Stützen der Geselligkeit, wohl verstanden, nicht der Gesellschaft! Denn die Stützen der Gesellschaft sind aus mancherlei Gründen nicht immer auch Stützen der Geselligkeit; sie bedürfen vielmehr wie andere Sterbliche zuweilen dringend des Beistandes und der Nachhilfe, um in dem gleichförmigen und doch stets neue, wechselnde Bilder aufrollenden Bühnenspiel des Gesellschaftslebens erfolgreich mitzuwirken oder ihm wenigstens als befriedigte Zuschauer Geschmack abzugewinnen. Die Stützen der Geselligkeit dagegen besitzen die glückliche Eigenschaft, die Freuden und Genüsse der geselligen Veranstaltungen anderen Elementen zu erhöhen und selbst sehr pessimistisch veranlagten Gemüthern die Geselligkeit oft erträglich zu machen. Der Begriff Geselligkeit schließt so viel Anheimelndes. Bewegliches, scheinbar heiter in sich selbst Bestehendes ein, daß man meinen sollte, es bedürfe da nicht erst noch besonderer Unterstützung. Doch, mangelhaft wie alles Jrdische. steht die Geselligkeit bisweilen auf thönernen Füßen und würde ohne Stützen alle Lebenskraft verlieren. Und, wo sie Triumphe feiert, wo sie wirklich ihren Zweck erfüllt, den Menschen Erholung von den strengen Pflichten des Berufs- und Arbeitslebens zu gewähren, sie in liebenswllrdiger Plauderei, in anregendem Gedankenaus tausch, unter Ernst und Scherz, nach Lust und Laune, nach Stellung und Eigenart innere Fühlung zueinander gewinnen zu lassen, da verdankt sie dies zumeist Persönlichkeiten, die ihrer ganzen Veranlagung nach besonders dazu befähigt sind, die Unterhaltung zu beleben oder die schon allein durch ihre Individualität, durch ihr Sein und Wesen größere gesellige Kreise interessiren. Das sind die eigentlichen Gesellschaftsmenschen, nichs etiva nur in dem Sinne, baß sie ausschließlich danach trachten, glänzende gesellschaftliche Erfolge zu erzielen obschon auch diese Species darunter vertreten ist . sondern danach, daß sie aus Intuition oder vermöge ihrer Welt- und Menschenkenntniß es verstehen, dem Gesellschaftsleben die besten Seiten abzugewinnen und sich selbst von der besten Seite zu zeigen. Ueberaus zahlreich sind diese geselligen Talente nicht. Bilden sie dock eine Verei-
nigung mannigfacher Eigenschaften, die der Einzelne nicht immer besitzt. Solch' eine Stütze der Geselligkeit muß vor allen Dingen die Gabe der Initiative, ein feines Gefühl für das zu eigen sein, was der Moment gebietet. Sie muß nicht nur die Unterhalwng beherrschen können, sondern auch so anregend wirken, daß die anderen an der Unterhaltung regen Antheil nehmen und im Vordergrunde zu stehen glauben. Etwas Selbstbewußtsein darf auch mit unterlaufen, woraus sich dann Sicherheit und Schlagfertigkeit von selbst ergibt. Denn hier handelt es sich darum, zu zeigen, daß man witzig und geistreich ist, nicht nur, es zu sein. Wie viele, denen es keineswegs an Esprit gebricht, erscheinen in Gesellschaft oft banal, weil sie schüchtern, wie gebunden sich mit ihren guten Einfällen nicht hervorwagen. Und wieder andere verlieren all ihre Vergnüglichkeit bei dem Bewußtsein, daß man von ihnen erwartet sie würden svrechen und womöglich viel und gut sprechen. Sonst ganz amüsante Leute erscheinen in größerer Gesellschaft geistig wie in einem beengenden Feiertagskleide. Andere wieder, die meistens mit der ausgesprochenen Msicht. sich gut zu unterhalten, in Gesellschaft gehen, sind oft zu schwerfällig, um diese Absicht durchzuführen. Vergebens hat man sie zum Souper an die gemüthlichen kleinen Tische gesetzt, an denen es sich bekanntlich so angenehm plaudern läßt, vergebens ist der Bordeaux gut temperirt, der Moet et Chandon gut frappirt, umsonst wird gut oder schlecht musszirt ein Unternehmen, das ja stets die allgemeine Eonservation sehr fördert , sie kommen nicht in die rechte Stimmung, weil es ihnen an leichtem Schwung, r frohem Sinn gebricht. Die Stützen der Geselligkeit dagegen verfügen stets über Unterhaltungsstoff und verstehen, diesen Stoff mit Geschmack und Laune zu verwerthen. Sie sind aus Temperament oder langer, löblicher Gewohnheit stets befähigt, in dem Gesellschastsconcert wenn nicht das Leitmotiv, so doch freundliche Variationen zu spielen. Da ist zum Beispiel der gute Erzählers meistens ein schon bejahrter Herr. Reich an Lebenserfahrungen, sehr belesen und auf vielen Gebieten bewandert, hört er sich gern sprechen und spricht von eigenen und fremden Erlebnissen, von Menschen und Dingen in bunter Reihenfolge. Und seine mit treffenden Bemerlungen, mit satirischen Ausfällen und heiteren Episoden . gewürzie Unterhaltung gleicht keinem träg dahinschleichenden Strome, sondern dem munteren Flusse, dessen Lauf von KaNaden und Strudeln belebt'vird. Dann der sicborene .Maitree Vlaisir". der ;
ler für jede - besorgte Wirthin. Er kennt alle Tricks und Kartenkunststücke der Welt, er versteht das neueste Eouplet zu singen und die älteste Anektode wie neu zur Wirkung zu bringen, leiht den Klageliedern der ältesten Dame und der Renommage des jüngsten Herrn ein williges Ohr, arrangiri Charaden, deklamirt zarte Poeme und sinnt .fortwährend auf Sensationen. Und alles das aus Vergnügen an der Sache und um des Ruhmes willen, im Salon für unentbehrlich zu gelten. Eine Zierde und Stütze der Geselligkeit ist auch die sogenannte schöne Frau".' ein vorzügliches Dekorationsstück. Schon durch ihre bloße Erscheinung bringt sie Bewegung und Stimmung in den Salon oder doch in die Reihen der Herren. Sie besitzt nicht immer Geist; aber, gehoben durch daö Bewußtsein, die allgemeine Bewunderung zu erregen, plaudert sie. je nach ihrer Eigenart, mit stattlicher Würde oder koketter Anmuth und beschäftigt die. Vertreter des starken Geschlechtes stets auf angenehmste. Vielleicht noch nützlicher als diese. jedenfalls der Frauenwelt willkommener. macht sich in Gesellschaft die charmante ältere Dame". Meistens nicht mehr auf Eroberungen ausgehend, sindet sie dadaurch um so mehr Muße, sich anderen Interessen zu widmen. Hier befragt sie einen etwas gelangweilt dreinblickenden Professor über die Schulreformen, dort vertieft sie sich mit einigen ziemlich hausbacken veranlagten Geschlechtsgenossinnen in die Dienstbotenmisere; verständnißinnig hört ste die Schwärmereien einer litterarisch angehauchten Dame, ergebungsvoll die Herzensergüsse eines jungen Provinzialen über die Verhältnisse seiner Heimath an; ein sonst sehr wortkarger Bankier wird in seiner Unterhaltung mit ihr über die Ursachen der letzten Hausse förmlich gesprächig und eine scheue, kleine Gesellschaftsdebütantin sühlt sich in ihrer Nähe wie geborgen. Dann gibt es noch eine andere weibliche Stütze der Geselligkeit, die Optimistin". Diese zeichnet ych qewÄbnlick weder durch hervorragende Reize, noch durch eine übertriebene Dosis an Scharfsinn aus, aber sie ist immer so vergnügt. Sie findet alles vortrefflich, die zweifelhaften kulinarischen und musikalischen Genüsse, die dekorativen Einrichtungen, die Unterhaltung bis zu den Toiletten der Damen, eine Stelle, wo die gute Laune des EwigWeiblichen, so sagt man. doch sonst oft sterblich ist. Und diese Atmosphäre des Behagens und der Fröhlichkeit verbreitet sich auch über einen Theil der übrigen Gesellschaft. Der Damenherr- gilt ebenfalls als eine nicht zu unterschätzende Stütze der Geselligkeit. Da er noch nicht in festen Handen ist sonst hätte er ja auch seinen Beruf verfehlt , vertheilt er Gunst und Aufmerksamkeiten vorlaufig so gleichmäßig als gerecht, weilt nur kurze Zeit im Rauchzimmer, aber desto länger im Tanzsaal, sucht hier einen Fächer, da einen Umhang. scherzt amüsant, spricht mit Gefühl, schweigt voll Bedeutung, kurz, er verschönt allen Damen die Geselligkeit und gewinnt sich reichen Lohn' dafür in der weiblichen Huld. Dies sind Sterne erster Größe an dem Himmel des Gesellschaftslebens. Daneben glänzt noch eine ganze Schaar kleinerer Lichter, die aber nicht in demselben Maße bewundert werden wie jene. Und das ist gut, denn muß es nicht auch Trabanten geben, welche den großen Gestirnen als Folie dienen sie treulich umkreisen? Englische Kronrechte.
Der König von England hat viele Privilegien, aber das sonderbarste ist sicherlich das Recht auf den Kopf jedes an den Küsten seines Königreiches gefangenen Walfisches. Es ist nicht seh? wahrscheinlich, daß König Edward viel Walfischköpfe erhalten wird, wie lange er auch regieren mag. aber es giebt noch viel andere Nebeneinnahmen der Krone, die nicht so selten sind, we Walfische. Der König hat z. B. ein Recht auf jeden im Vereinigten Königreich gefangenen Stör; ein in der Themse gefangener Stör fand einen Platz auf der Hochzeitstafel der Königin Victoria. Ferner sollte der König jedes Jahr von verschiedenen Personen erhalten: ein Tischtuch im Werthe von drei Schillingen, zwei weiße Tauben, zwei weiße Hasen, eine Katapulte, ein Pfund Kümmelsamen, ein Pferd mit Halfter, ein Paar scharlachrothe Strümpfe, einen Striegel, eine Zange, ein Ortscheit, einen grauen Pelzrock, eine Nachtmütze, einen Falken, zwei Messer, eine Lanze im Werthe von zwei Schillingen und eine silberne Nadel von seinem Schneider. Schön gesagt. Backfisch (der im Frühling einen Gärtner bemerkt, der Mist auf die Beete ausbreitet): Ach beneidenswerth, mit Hand anlegen zu dürfen bei dem Erwachen der Natur!" Weit ausgeholt. Hausirer: ...Und hier, mein Herr, t Mieder ...! Was, Sie brachen IC Mieder? . . . Herr. Se werd'n heirathen und werden btommen c' Tochier, und de Tochter werd sich verlieb'n kl en , Herrn Leutnant, nu' und seh'n Se da werd'n Se gleich h?b'n ' Mieder als Präsent für'n Herrn Leutnant!... Schwäbisch. (Vor den
Theater.) Frau: Wo gehst Du
denn hin?" Mann: Ha, wo werd' i' denn hingehe! ...Jn's Theater!57rau: .Wann aebt es denn a?"
Mann: Ha, wann wird's denn an-
gehe!"' Frau: Wann kommst Du nachber beim?- Mann: S. wann
werd' r denn heimkomme!" Frau: .Adieu, erkält' Dich nicht!- rnty: .Hz wie treib' i' mi' denn r '
