Indiana Tribüne, Volume 24, Number 182, Indianapolis, Marion County, 20 March 1901 — Page 1
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Indianapolis, Ind.. Mittwoch, den 20. Mär; 1901.
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Ä!u.Zz!ad mib EttglalZd sollen sich in die Haare gerathen sein. 'Grus -von Walderscc's Beschwichllgungsversuch crfohiö.
L o r, d o :i, 20. März. An der Börse clrtulirte heute ba Gerücht, daß die :bri::schcn ujO russischen Trupven in TienTsin auf einander geschossen haben. Qb daZ Gerücht ans Wahrheit beruht, daZ ließ sich bislang nicht positiv fcstliellcn. Di7 !;eute aus Tien-Tsin bislang cinIelangten Depeschen lassen jedoch er sehen, das; die Situation feit gestern bedeutend ernster geworden und die Regie rung fel-.r besorgt istum den Ausgang des Streites. T i e n t s i n, 2l). März. Gestern sind aus Taku 90 britische Marine. Soldaten hier angelangt, um das Tetacheni':it indischer Truppen, welches das steinige Land bewachte, abzulösen. Ein Spez:a!;ug bringt australische Truppen aus Peking hierher. Graf vzn Wa'.dersee war gestern hier und versuchte den Streit zwischen d'nlan) und Nußland zu schlichten. Webn: der russische, noä, der englische Ko:nina:-.can: wollten jedoch seine Proposition annehmen. Rußland will seine Streil!rs:e er?': zurückziehen, wenn Enzians dasselbe gethan hat. Nußland wlll nicht nachgeben und hat die UntcrstüVung Frankreichs. Die Lage in China. j aus seinem Zeit zogen. Der HauptL o n d o n, 20. März. Einige der i mann vertheidigte sich mit seinen Fäuackmittaaszeitunaen behaupten, daß ! sten und hatte einen der Franzosen me?i: Tien Tstn'e: Äfsai in befriedigen- j oergeschlagen. als mehrere Sikh- ihm ?er Weise erledigt worden sei. Der ! zu Hilfe kamen. General Campbell Ittß Streit sei dadurch entstanden, daß die j dann alle seine Truppen antreten und !?inesisck.en Behörden dasselbe Land an ! die Franzosen aus der Ansiedlung hm-
;n;ei Nationen vergaben.
Unier dem Arrangement fouiingiariD zestattet werden, das Eisenbahn - Geieise zu legen, wenn es sich aber heraustellen sollte, da die russische Konzeslon älter ist als die britische, dann soll England dies anerkennen. Das auswärtige Amt hat aber keine Nachrichten erhalten, die das Obige be"tätigen, und die Beamten in Downinz Str. schenken den Behauptungen der Zeitunaen keinen rechten Glauben. Tier. Tsin. 20. März. Die Aufreguna. die der englisch - runische Streit verursacht hat. läßt nicht nach. Sine Kompagnie Briten und eine Kom?agnie Ru)en sind der Eisenbahn emlang verschanzt und beobachten sich geinseitig. Die Nüssen haben Befehl, auf Zeden zu schießen, der versuchen sollte, in der Bahn zu arbeiten. General Wogasack sagt, daß der Streit durch die ungerechtfertigte Einilischung der Briten in die Angelegeniten der russischen Konzessionen verzrsacht worden sei. und er fügt hinzu, ?afe das Seitenzeleise nicht gelegt werien würde, ausgenommen, daß er von leinen Vorgesetzten andere Befehle erjalte. Feldmarschall Graf von Waldersee M nÄfirinS h3 ?.1."s?s fiter NaskoM-
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nen, es in aoer räum laaqeuaiu, zaß er etwas ausrichten wird, denn öeioe Seiten sind der Ansicht, daß er !ine Autorität habe und sie erwarten Instruktionen von Europa. Über die Ausschreitunzen franz'ösiHer Soldaten sagte während des Ta;es der britische General Lorne-Camv-;ell. daß dieser kindische Ausbruch trotz )er strengen Befehl: des französischen Äenerals Boyron stattgefunden habe, zer seinen Truppen verboten hatte, die zritische Konzession zu betreten. Dieser ZZefehl war auf Wunsch des Generals Zorne - Campbell erlassen worden, ,achdem sich fast die sämmtlichen britiÄen Einwohner darüber beklagt hatten. ,aß die Franzosen die Frauen beleidigien: Nck weiaerten. das was sie gekauft,
tu bezahlen; sich überall in roher Weise k .. y i
.)enaymen uno amerkianiaze uno engäsche Soldaten beleidigten. General Boyron sah ein. daß diesen Zuständen ein Ende gemacht werden Nüsse, und er befahl den Truppen, in lrer eigenen Konzession zu bleiben. Major Foote. vom 9. Ver. St. Insanierte - Regiment, erklärt, daß die Zranzosen häufig die amerikanischen Soldaten 'beleidigten, die außer Dienst ttets unbewaffnet sind, während die Franzosen zu jeder Zeit ihr Eeitenzerehr tragen. T i e n T s i n . 20. März. Der rus.rsche General Wogesack hat sich geweizert, den von dem Grafen von Walde7;ee vorgeschlagenen Kompromiß anzunehmen. Die Spannung wird eine imme: größere und ein Konflikt kann in 'edem Augenblick stattfinden. Die Truppen aller Nationen befinden sich inter Waffen. Französische. Soldaten nehmen offen Partei für die Russen und gegen die Engländer, obgleich die französischen Offiziere sich alle Mühe geben, 'die Neutralität zu bewahren. Am Montag Nachmittag zogen mehrereGruppen von binzösischen Soldaten durch die britii'Se Ansiedluna, Nieder mit den Engländern" rufend, und es kam in Folge dessen zu mehreren blutigen Zusammenstößen. 'Schließlich griffen drei französische Soldaten den Kapt. Vogler
von der britischen Armee an. den si; Budget-Debatte im Reichstaa antwor-
siaaen. Kit aao oann oeiegi. van
leine Franzosen Die Anpedlung meyr betreten dürfen. Shanghai. 20. März. Das britische Kanonenboot Plover" ist im Fang Tse Kiang unterhalb von Kiu Kianz gestrandet. Die religiösen Unruhen in Portugal. L i s s a b o n , 20. März. Der König Karl empfing am Dienstag eine Deputation von Oporto, die Trennung dei Kirche vom Staat verlangte. Der Kö nig sagte bei der Gelegenheit: Oporto kann in dieser schweren Zeit auf mich rechnen. Die Freiheit der Re, ligion und die Unabhängigkeit des Staates müssen durch die Annahme weiser Maßregeln und Gesetze geschützt werden. Ich bin ein Liberaler aus Prinzip. Tradition. Erziehung und in Folge der Lehren meines Vaters. Ich werde die Regierung auf diese Angelegenheit aufmerksam machen und ihr selbst die größte Aufmerksamkeit schenken. Sie können sich auf die Unterstützung der Regierung Erlassen." Das Befinden des Zaren. Berlin. 20. März. Die ..Kölnische Volkszeitung" veröffentlicht einen Privatbrief aus St. Petersburg, der die Mittheilung enthält, daß seit der letzten schweren Erkrankung des Zaren der Letztere keinen epileptischen Anfall mehr hatte, während sich diese Anfälle früher alle vier bis sechs Wochen wieverholten. Auch leivet der Zar nicht mehr an Kopfweh und sein Gesicht, das jetzt einen gesunden Teint hat, ist voll und rund geworden. Jot ha weist die Friedensbedingungen zurück. London, 20. März. Der Kololialsekretär. Herr Joseph Chamberlain. bat das Unterhaus benachrichtigt, daß General Botha die ihm angebotenen ?5riedensbedingungen zurückgewiesen habe. Herr Chamberlain sagte, daß General Botha den General Kitchener brieflich benachrichtigt habe, er sei nicht geneigt, die von Gen. Kitchener gestellten Bedingungen seiner Regierung zur Annähme zu empfehlen. General Botha fügte hinzu, daß seine Regierung und die höchsten Beamten und Offiziere ganz mit ihm übereinstimmten. Herr Chamberlain fügte hinzu, daß er am Abend alle Papiere, die auf die Unterhandlungen Bezug hatten, dem Haus vorlegen wolle. Verunglücktes Panzer , schiff. Devon Port, England, 19. März. Das neue Panzerschiff erster Klasse Volwack" von 15.000 Tonnen, das erst am Montag aus dem Dock gelassen wurde, wird wieder für weitere acht Wochen ins Dock gebracht werden, da bei einer vorläufigen Probefahrt beide Cylinder beschädigt wurden. Der Krieg in Südafrika. Ma feteng. Vesutoland. 18. März. Die Kolonne des Generals Bruce Hamilton ist in Wepener angekommen, wo die Truppen große Viehind Getreidcvorräthe fanden. Sie nahmen so viel mit. als sie konnten, zerstörten aber 30,000 Säcke mit Geireide. Die Häuser in Wepener waren unbeschädigt. Bom deutschen Reichstag.
B e r l i n . 20. März. Während der
tete am )ienitag oe? 'eicyskanzter. Graf von Bülow, auf die Kritik, die oor einigen Tagen Fürst Herbert Bismarck an der kürzlich von dem Reichskanzler gehaltenen Rede geübt hatte, und in der Fürst Herbert sagte, daß Graf von Bülow zu viel auf die InDressen Deutschlands in der Mandschurei hingewiesen habe. Graf von Bülow sagte. Deutschland habe das größte Interesse daran, eine Reibung zwischen den Mächten zu verhindern, die jetzt mit China unterhandeln. Deutschland habe außerdem in Ostasien die mannigfaltigsten Jnteresn zu beschützen. Es habe in der Prozinz Shan Tung allein Millionen anzelegi. Vor allem aber müsse Deutsch--and darauf sehen, daß China eine gebührende Entschädigung für die Ermordung des Barons von Ketteler gebe. Deutschlands Ehre stehe hier auf dem Spiel. Des Weiteren sagte der Kanzler in einer Rede: Ich habe nicht Raum für oen leisesten Zweifel gelassen, daß Deutschland keine politischen Interessen in der Mandschurei hat; ich habe aber auch gleichzeitig erklärt, daß es naturgemäß unser Wunsch sein muß, daß die Fähigkeit Chinas, die gerechten Förderungen der Mächte auf Schadenersatz zu erfüllen, nicht zu sehr eingeschränkt wird, dies wird überall genau verstanden." Der Kanzler führte dann Zahlen an, mit welchen er die Wichtigkeit des deutschen Handels mit Ostasien illustrirte. Dieser Handel habe einen Werth von 80,000.000 Mark. In der Provinz Shan Tung seien allein 100.000.000 Mark angelegt. Deutschland habe deshalb das größte Interesse daran, zu verhindern, daß der chinesische Handel die Beute einer einzelnen Macht oder mehrerer Mächte werde. Graf von Bülow erklärte auch, daß der Schwerpunkt der Politik Deutschlands in Europa bleibe, und es nicht gestatten werde, daß er anderswohin verlegt werde, während Deutschland seine Interessen in Asien beschützt. Fürst Herbert Bismarck erklärte nachher, däß er mißverstanden worden sei und er thatsächlich den Kanzler habe unterstützen wollen. Nach einer langen Debatte verwarf das Haus die Vorlage des Herrn Bebel, wonach Kinder, welche in den deutschen Kolonien von Haus-Sklaven geboren werden, frei sein sollten. Dagegen nahm das Haus die Vorlage des Abgeordneten Grocher (Centrum) und des Grafen von Oriola (Nciionalliberal) an, daß der Reichstag das Verhältniß zwischen Herren und Sklaven in B tracht ziehen sollte, mit der Absicht, dtt Befreiung der letzteren vorzubereiten. Die Finanzen Indiens. L o n d o n. 20. März. Der VizeKönig, von Indien, Lord Curzon of Kedleston hat an den Staatssekretär für Indien telegraphiert, daß der Ueberschuß der Einnahmen über die Ausgaben während des letzten Fiskaljahres 1.640.000 betraaen habe, trotzdem 4.227.000 für die Milderung der Hungersnoth ausgegeben worden seien. Der Ueberschuß für dieses Jahr wird auf 56O1.000 abaelck,äkt. Eine Zurückweisung Englands. ' St. Petersburg. 20. März. Eine bezügliche Frage beantwortend, sagte am Dienstag ein prominenter Beamter zu dem Repräsentanten der Associirten Presse: Es ist nicht wahr, oaß Rußland in Uebereinstimmung mit den Vorstellungen irgend einer Macht nachgegeben und seine Forderungen betreffs der Mandschurei modifizirt hat, einfach weil keine Vorstellungen gemacht worden sind. Alle Versuche, sich in unsere Unterhandlungen mit China einzumischen, sind in kategorischer Weise zurückgewiesen worden. Rußland ist eine Großmacht und hat das Recht, mit irgend einer anderen Regierung Unterhandlungen zu führen, und keine andere Macht hat das Recht, sich einzumischen. Auf,.' freundschaftliche Lorschläge und Anfragen sind freundfchaftliche Antworten erfolgt. Rußland kann sich aber eine Einmischung in solche Unterhandlungen ,nicht gefallen lassen. Das Resultat der Unterhandlungen wird ohne Zweifel spater bekannt gemacht werden." . , Der in Frage stehende Beamte gab zu. daß die so abgewiesene Macht England sei. Er war nicht Willens, sich ruf Einzelheiten betreffs der Mongolei lnd Turkestans einzulassen, er wiederholte aber, daß Rußland entschlossen sei. die Eisenbahn und seine 10.000 Kilometer lange Grenze zu beschützen. Ueber das Gerede von einem bevorstehenden Konflikt in.Tien Tsin machte sich der Beamte lustig. "Er sagte darüber: Es herrscht dort ein Mißverständniß wegen gewisser Ländereien, von denen die britischen Behörden beHäupten, daß sie der Eisenbahn-Kom-pagnie gehörten. Rußland hat sich beeeit erklärt, di: Angelegenheit auf ihren Werth hin zu untersuchen. Wenn es sich bcrauZItellen sollte. , va .di- An-
zprucye Dir Mssnöahn-Kompagnie ältere sind als die unsrigen. dann ist Ut Streit zu Ende. Wenn die Diplomatie nicht im Stande ist. der Kontroverse kin Ende zu machen, dann ist Rußland Willens, sie einem. Schiedsgericht zu unterbreiten. Wenn England einmal Christian De W:t eingegangen hat, dann wird es vielleicht die Kourage haben, es auf einen Krieg in einem ande:en Theil der Welt ankommen zu lassen; solange aber De Wet die britischen Truppen in Südafrika spazieren führt, ist es kaum wahrscheinlich, daß England sonstwo Streit suchen wird." Die Unruhen in St. Pe- ' tersburg. St. Petersburg, 20. März. Bei den Krawallen am Montag - sind im Ganzen 339 Studenten, 377 Studentinnen und 44 andere Personen verhaftet worden. (5in Volizeikommissär. zwanzig Polizisten, vier Kosaken und zweiunddreißig Krawallisten, junge Männer und Mädchen wurden verletzt. Alle höheren Lehranstalten derStadt sind geschlossen und alle Polizeistationen sind mit Gefangenen angefüllt. Viele Andere, die temporär in der Militär - Reitschule eingesperrt worden waren, wurden während des Tages in Omnibussen nach den verschiedenen Gefängnissen gebracht. Als sie durch die Stadt fuhren, brachten . Studenten Hochrufe auf sie aus. ' Am Dienstag fanden abermals ernstliche Unruhen statt, als in der KasanKathedrale ein feierliches Todtenamt für den ermordeten Unterrichtsminister Bogolepow celebrirt wurde. Die Polizei schoß mit Revolvern und es sollen fünf Studenten etödtet und achtzig mehr oder weniger schwer verwundet worden sein. Es wurden wieder eine große Anzahl Verhaftungen vorgenommen. Aus dem deutschen Reich. Berlin. 20. März. Die in Bremen vorgenommene Untersuchung hat ergeben, daß Dietrich Weiland, der Mann, der vor Kurzem ein Stück Eisen nach dem Kaiser geworfen, sofort nachdem er das Eisenstück geschleudert, cinen epileptischen Anfall hatte. Er fiel dabei zu Boden und er war nicht von der berittenen Eskorte des Kaisers zu Bodcr geschleudert worden, wie es anfangschieß. Ueber die Weigerung Großbritanniens. die Amendements des Senats der Vereinigten Staaten zum Hay-Pauncefote-Vertrag anzunehmen, bemerkt die Kreuzzeitung": Man muß abwarten, wenn die amerikanische Regierung die Stirn haben und Englan'S Ansprüche einfach ignoriren sollte. was England mit seiner Flotte thun würde. Enaland könnte ohne Zweifel die Amerikaner mit Gewalt verhindern. den Nicaragua-Kanal zu bauen, oder es könnte den Panama - Kanal vollenden, wodurch der Nicaragua-Ka-nal werthlos werden würde." Die Kreuzzeitung" weist auch auf die Selbstsucht der Amerikaner hin, welche einer Schwester-Nation nicht die geringsten Zugeständnisse machen wollen und daß. nachdem so viel von dem angelsächstschen Bündniß die Rede war. es nicht scheint, als ob ein einträchtiges Handeln in wichtigen internationalen Fragen bei den beiden Nationen in der Zukunft Platz greifen würde. Das Reichskanzlerpalais wird nach den Anordnunzen der Frau Gräfin von Bülow einer gründlichen Renovirung unterworfen. Der Reichstag hat dafür 200.000 Mark bewilligt und dabei auf Antrag des Grafen Limburg Stirum die Bedingung gestellt, daß das Studirzimmer Bismarcks in seinem .ehemaligen Zustande erhalten bleiben soll. Im preußischen Landtag kritisirte am Dienstag der Konservative Baron von Pappenheim den Eisenbahn-Mini-ster von Thielen, weil er den Freibrief der Berliner Straßenbahn-Gesellschaft bis zum Jahre 1945 verlängert habe, ohne sich um die städtischen Behörden zu kümmern, die doch' die Absicht gehabt hätten, die Bahn zu erwerben und selbst zu betreiben. Herr Goldschmidt., Freisinniger von Berlin, griff Herrn von Thielen ebenfalls heftig an. Er erklärte seine Handlungsweise für ungesetzlich, da der Freibrief ursprünglich nicht von der Regierung, sondern von der Stadt Berlin vergeben worden sei. Herr von Thielen antwortete kurz, daß er im Interesse der Stadt gehandelt habe. Herr Richter und Dr. Barth griffen den Minister des Innern, Baron von Rbeinbaben, an, weil er sich weigerte. aus politischen Gründen städtische Beamte zu bestätigen, und auch weil er gestatte, daß hohe Provinzialbeamte in Ost-Preußen Annoncen und Subskriptionen für lokale konservative Zeitungen sammelten..
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(iiigc Halten 15 Wärter in einer 5?ohlenmine gefangen. Der Hunger veranlaßt sie aber schon zu unterhaudeln. Eine ganze Familie von sieben Personen verbrannt.
Heftige Schueestürme im Norduesten. Feuersbrüuste. . N eu t er e ' Sträflingen. L e a v e .. : h . Kas.. 20.März. Im Bergwenc es Staatszuchthauses von Kansas in Lansing haben 234 Sträflinge, welche am Montag Morgen zur Arbeit einfuhren, gemeutert und halten 15 Aufseher als Geiseln, in oer Grube gefangen. Sie weigern sich, Die Aufseher aus der Grube zu lassen, bis Superintendent Tomlinson ihnen oessere Beköstigung verspricht und drohen, die Aufseher zu todten, wenn ihrem Verlangen nicht nachgegeben wird. In der Grube werden nur die schlimmsten Verbrecher beschäftigt und unter den Meuterern befinden sich allein 20 Strafgefangene, die auf Lebenszeit verurtheilt sind. Superintendent Tomlinson weigert sich, die Forderungen der Sträflinge zu erfüllen. In letzter Zeit wurden im Staatszuchthause mannigfache Klagen Seitens der Gefangenen über die Beköstigung laut und hierzu sollen sich angeblich noch Mißhandlungen Seitens der Beamten gesellt haben. Die Sträfinge verhindern die anderen Aufseher mit Gewalt, in die Grube einzufahren. Sie haben di: in den Stollen befindlichen Maulthiere getödtet und leben von oem Fleische derselben. Die größte Anzahl der meuternden Sträflinge sind desperate Gesellen und es mag zu Blutvergießen kommen, ehe dieselben zur Unterwerfung gebracht werden können. Die Familien der in der Grube gefangen gehaltenen Aufseher sind in der größten Aufregung, da man fürchtet, daß mehrere derselben den wüthenden Meuterern zum Opfer fallen werden. Alle Fabrikbetriebe im StaaszuchtHause sind eingestellt und die Sträflinge werden in ihren Zellen - gehalten. Dies geschieht, um eine genügende Anzahl Aufseher disponibel' zu haben, falls die Meuterer den Versuch machen sollten, aus der Grube auszubrechen und zu entfliehen. Die Drohung der Meuterer, die Grube zu zerstören, hat keine Wirkung auf Superintendent Tomlinson, der einen solchen Versuch für sehr unwahrscheinlich hält, da die Meuterer dadurch ihr eigenes Leben in Gefahr bringen würden. Er beabsichtigt, die renitenten Gefangenen durch Hunger zur Raison zu bringen. Einer der gefangenen Aufseher ließ dem Superintendenten die Mittheilung zugehen, daß sie sehr vor Hunger zu leiden hätten, soweit aber noch alle am Leben seien. Diese Nachricht wurde sofort den Familien der gefangenen Aufseher in Lansinq übermittelt. Um halb 2 Uhr am Mittwoch Morgen wurde einer der Sträflinge zu Tage gefördert. Er wollte mit dem Warben konferiren. Die streikenden Sträflinge sind bereit, klein beizugeben. sie möchten aber der Strafe für ihre Meuterei entgehen. Der Warden Tomlinson erklärt, daß er die Sträflinge zwingen will, sich bedingungslos zu ergeben, so sehr er auch bedauert, daß seine eigenen Beamten dabei Hunger leiden müssen. Die Revolte wird wahrscheinlich nicht lange dauern. Eine ganze Familie ver b r a n n t . W e l l st o n , O., 20. März. Die verbrannten Leichen von Jeff. Hill, seiner Frau und fünf Kinder wurden am Montag Abend in den Ruinen des Hillschen Hauses gefunden. Hill lebte mit seiner Familie in einer Blockhütte, zwei Meilen nordöstlich von Wellston. Sein nächster Nachbar, Edward McGinnis, sah das Haus am Montag Abend zu später Stunde in Flammen gehüllt, als er aber an Ort und Stelle ankam, war nichts mehr zu retten. Die Familie schlief in einem Zimmer, von dem aus nur eine Thür in den Wohnraum führte, und in diesem Wohnraum scheint das Feuer usgebrochen zu sein, sodaß der Familie der Ausweg abgeschnitten war. Die Möglichkeit ist aber auch' nicht ausgeschlossen, daß die Familie ermordet und das Haus in Brand gesteckt wurde, um das Verbrechen zu verbergen. Schneestürme im Nordwe sten. Minneapolis. Minn.. 20. März. Während des ganzen Tages bat es bie- aescüneit. Soweit bat der
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Eisenbahnverkehr noch keine ernltltcye Störung erlitten. derWind nimmt aber an Heftigkeit zu und man befürchtet, daß der Schnee bis zum Morgen stark zusammengetrieben werden wird. Im ganzen nördlichen Wisconsin wüthete an? Dienstag Nachmittag und Abend ein heftiger Schneesturm. Studenten - Roh he it. M i l w a u k e e , Wis., 20. März. W. Gillespie, ein Student am Milwaukee Medical College, wurde am Diens tag von anderen Studenten in feiger Weise angegriffen und furchtbar mißhandelt. Er erlitt einen leichten Schä delbruch, die Nase wurde ihm eingeschlagen und er erhielt einige schlimme Wunden im Gesicht. Er wird wieder genesen, aber zeitlebens entstellt sein. Gillespie ist ein hochgeachteter Schullehrer und benutzte seine freie Zeit, um Medizin zu studiren. Da er sich ganz seinen Lehrpflichtev. und seinem Studium widmete, hatte er keine Zeit, die Dummheiten der anderen Studenten
mitzumachen, und aus diesem Grunde war er bei vielen unbeliebt. Als ihm nun am Dienstag eine brennende Ci garre ins Gesicht geworfen wurde, ant wortete er darauf, indem er dem rohe? Burschen einen Faustschlag ins Gesich versetzte, er wurde aber sofort von hm ten niedergeschlagen und in der brutali sten Weife mißhandelt. Er glaubt den hinterlästigen Angreifer zu kennen unt wird dafür Sorge tragen, daß er gebührend bestraft wird. Vor einem Lynchgericht bewahrt. D a l l a s. Tex.. 20. März. De, Sheriff Johnson hat von San Anto nio aus telegraphirt. daß er den Rege? Andrew Norris von Corsicana, bei ebenfalls lebendig verbrannt Werder sollte, im Väar County Gefängniß in San Antonio abgeliefert habe. Norris ist angeklagt, eine weißt Frau geschändet und ermordet zu haben und war bisher im hiesigen Gefängniß eingesperrt. Boot gesunken. Louisville, Ky.. 20. März. Der Schleppdampfer ..Transit" erhiel! beim Uebergang über die Ohio-Fällt ein Leck im Rumpfe und sank drei Meilen unterhalb der Fälle am Fuße de, 40. Straße. Das Wasser steht gerade über dem Oberdeck. Die aus 10 Köpfen bestehende Mannschaft rettete sich aus die Barken, die der Transit" im Schlepptau hatte. Das Boot gehörte Herrn I. Hoffmann von Jeffersonville, Ind. Ueber den Verlust fehlen noch die Angaben. Das Boot wird gehoben werden. . Ein unehrlicher Beamter. Vuffalo. N. Y., 20. März. Die Großgeschworenen haben drei auf Unterschlagung lautende Anklagen gegen John E. Tipton, den Sekretär und Schatzmeister der Weichensteller-Union von Nordamerika, erhoben. Es handelt sich dabei um Unterschlagungen $249. 5524 und $151. ' Der Lügen-Korrespondent b e st r a f t . Mobile. Ala.. 20.März. Der hiesige Korrespondent des Chicagoer Chronicle", ein an einer hiesigen Zeitung angestellter Reporter, der am 15. März die Lügen-Nachricht nach Chicago geschickt hatte, daß 60 Menschen in einem Terpentin-Lager jenseits der Bai lebendig verbrannt seien, ist, nachdem sein Name ermittelt worden, auf Veranlassunz der hiesigen Handelskammer aus seiner Stellung entlassen worden. Von den Philippinen. W a s h i n g t o n, D. C., 20. März. General Mac Arthur hat von Manils aus das Kriegsdepartement von ' der Gefangennahme des Jnsurgenten-Ge-nerals Divcino benachrichtigt. Seine Depesche lautet wie folgt: Gen. Robert P. Hughes berichtet, daß Divcino.' der thätigste Jnsurgen-ten-General auf der Insel Panay, am 18. März gefangen genommen wurde. Er ist dreimal verwundet. Er glaubt, daß dies dem Krieg in der Provinz Capiz, Panay. ein Ende machen wird. Ich glaube, daß die Feindseligkeiten auf Panay damit ein Ende erreichen werden." Feuer. Baltimore. 20. März. Eine Feuersbrunst, die am Dienstag Abend in der Pferdegeschirr - Fabrik von Startzman. Milliken & Co. an West Pratt Str. ausbrach und sich auf die nebenan gelegenen Gebäude von Ferris. North. Stern & Co. und Steppacher & Stcrn ausbreitete, richtete für $150, 000 bis $175,000 Schaden an. wovon auf Startzman, Millikin & Co. ungefähr $125,000 entfallen. r Owensboro. Ky.. 20. März. Am Dienstag Abend brach in Wirk & Lancaster's Tabak - Fabrik in Madiscnville Feuer aus. und außer dieser brannten auch noch Bonds & Rollman's ind I. S. Holloman's Tabakssabrikcn. Swift's Magazin, das Exchange Hotel, -,:i Metzger - Läden und 19 Wohnänser nieder.
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