Indiana Tribüne, Volume 24, Number 181, Indianapolis, Marion County, 19 March 1901 — Page 1
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(DcTdjeint jede Jtrtdfmftiao uu& &oxtia& Zlorgctts.
Jahrgang 24.
Indianapolis, Ind.. Ticuslag, den Ist. März 1901.
No. 181
Rußland und England.
Die Beziehungen zwischen!
beiden Ländern
Ztt JoIqc der TZen Tsin Affaire sel.r gespannt.
Englauds Ohnmacht aber zu offen-j
kundig ,
Und zum Krieg wird es deshalb nicht kommen.
Cchllmuzc tudcntcn-ttnruhcn in St. Petersburg.
Sie ruZlisZic Hauptstadt in der größten
Ansrrauua.
LcrsÄittr-.:c? an dem deutschen Reich.
Die Tien Tsiner Affaire. London. 19. März. Von offijieHer Seite ist die Associirte Presse auiorisirt worden, anzukündigen, daß die Differenzen, die in Tien Tsin zwischen Jen Russen und den Briten wegen des Lezens eines Eisenbahn-Geleises in Gebiet, das von beiden Seiten beinspruch: wird, entstanden sind, wahrscheinlich dadurch geschlichtet weröen. ?as; sowohl die russischen wie die britischeu Truppen von dem strittigen Terzain zurückgezogen werden. Man ist hier der Ansicht, daß zu viel ?!ufhebe7.s wegen des Zwischenfalls in Tien Tsin gemacht word:n ist und man yit jetzt die beste Hoffnung, dafe bald Zllles wieder ins rechte Geleise kommen iwrd, besonders da auch aus Peking :elegraphirt wird, daß die russischen Repräsentanten in China weniger igressiv sind, seitdem die Mächte in so deutlicher Weise Stellung gegen die Lereinbarung betreffs der Mandschu;ci genommen haben. Wenn nun auch nicht glaubt, daß es ;u Feinoseligkeiten korninen wird, so ist :s doch nicht unwahrscheinlich, daß die diplomatischen Beziehungen zwischen England und Rußland bis auf Weite--es sehr gespannter Natur sein werden. Zs ist möglich, daß britische Kriegsschisse abgeschickt werden, um einen Druck auf Rußland auszuüben, es wird zber nicht zu einem Krieg kommen, renn nicht die Truppen in Tien Tjin :bne Autorisation von London und St. Petersburg Streit anfangen. Ein prominenter Beamter des aus rärtigen Amtes, der gewöhnlich für a Mundstück der Regierung gehalten sud, sagte am Abend : Es hat keinen Zweck, daß unsere Zeitungen heraussorcrnde Sprache gebrauchen. Sie verz.essen. daß wir eine große Armee in Südafrika stehen haben, und daß wir leine andere Armee haben und auch nicht ,m Stande sind, eine aus dem Boden hervorzuzaubern. Es ist unmöglich mit Rußland Krieg anzufangen." Am Abend wu"de eine halboffizielle Erklärung erlassen, dahin lautend, daß :ie vielbesprochenen Versicherungen, die ier russische Minister des Aeußeren. Äraf Lamsdorff. am 6. Februar dem britischen Botschafter in St. Peterszurq, Sir Charles Stewart Scott, gab, irgenscheinlich auf die russisch-chine-'ischeVereinbarung Bezug hatten, die im lccvember in Port Arthur abgeschlossen rinde, und nicht auf die Mandschurize Vereinbarung. London. 19. März. Die .Times" macht am Dienstag Morgen :it folgende Ankündigung : , Es wird zeisichert. daß Graf von Walöersee sich seiner Eigenschaft als Oberkomman:cur der verbündeten Truppen, in den Streit eingemischt hat, um dem feind ichen Verhalten der britischen und rusAschen Truppen in Tien Tsin ein Ende zu machen." Von anderer Seite ist dies soweit licht bestätigt worden, die Erklärung ;at aber immerhin ein Gefühl der Bc :uHaung hervorgebracht. Die Daily Mail" enthält einen beuerkenswerthen Leitartikel. Das Blatt sagt : Wir müssen zugestehen, daß rir zu dieser Zeit nicht wagen dürfen. :inen neuen Streit anzusanden. Un t'ere Rüstungen sind ungenügend und Unsere Flotte im fernen Osten ist so schwach, daß sie leicht in eine gefährliche Sag gerathen könnte. Es muß allerrings schmerzlich für die Nation sein, srck ins Gesicht schlagen lassen zu müsen, solange aber die Nation die Regiecung nicht zwingt, ihr Haus in Ordnung zu halten, müssen wir uns an solche Demüthigungen gewöhnen." leberreichten ihre Beglaubigungssch reiben. L o n d o n, 19. März. Die sämmtiichen hier akkreditirten Botschafter und Äesandtcn überreichten am Montag Mittag dem König Edward im Marlöorough House ihre Veglaubigungsschreiben. ledes Mitglied des diplomatischen
ftnrp wuroe von emem lönignchcnWagen abgeholt, auf dem sich drei La '.aien befanden. ' Die Diplomaten, mit Ausnahme des amerikanischen Botschafters natürlich, der im Frackanzug :rschien, trugen alle Gala-Unisorm und waren mit Orden bedeckt. Der Staatssekretär des. Aeußeren., Lord Lansdowne. stellte dem König, der Feldmarschalls-Uniform trug, die. Bo.! schaster und Gesandten vor. Student r'n-Demonst ration in St. Petersburg. St. Petersburg. 19. März. DieStudenten beabsichtigten, am Moutag eine große Demonstration vor. der Kasan-Kathedrale zu veranstalten, zu? Erinnerung an die junge Studentin Letrcra. die vor einigen Jahren in dem politischen Gefängniß in der Peter & Paul Festung Selbstmord beging, um ihren politischen Verfolgern zu entgehen. Eine riesige Menschenmenge sammelte sich auf dem Newski Prospekt an. das Militär erschien aber auch bald in großer Zahl, schloß alle Häuser und Läden, patrouillirte die Straßen ab und vertrieb wieder und wieder die sich ansammelnden Massen. Es wurden auch viele Verhaftungen vorgenommen
und unter denVerhafteten befanden sich ein: Anzahl Lehrer und Zöglinge der höheren Mädchenschulen. Mehrere der Mädchen widersetzten sich der Verhaftung. Die Demonstration fand zwar
statt, war aber wegen der Anwesenheit der Truppen eine zahme Affäre. Eine Anzahl Studenten, die kürzlich gegen die Exkommunikation des Grafen Tolstoi prctestirt hatten, versammelten sich in der Kathedrale, wo sie rauchten, lärmten, pfiffen und Gegenstände aller Art nach den Heiligenbildern warfen, während das bl. Sakrament verabreicht wurde. Die anderen Kirchenbesucher warfen daraus )in die Studenten hinaus und es kam dann zu einem allgemeinen Krawall. Eine der Kirchenfahnen wurde von den Studenten auch hinausgetragen und draußen in dem Kampf mit den Kosaken als
Waffe benutzt. Gleichzeitig wurden Proklamationen unter die Leute qewor-
fen. die solche Phrasen wie: Es lebe die Freiheit und freie Regierung", Nieder mit dem Zaren" und Nieder mit den korrupten Äeamten" enthielten. Zuletzt entfalteten die Studenten eine rothe Flagge und ein Versuch der Polizei, sich ihrer zu bemächtigen, war das Signal für einen allgemeinen Kampf. Der Kampf dauerte eine Stunde und die Unruhen wurden bis zum Abend fortgesetzt. An 100 bis 800 Studenten wurden verhastet. Man befürchtet, daß am Dienstag weitere Unruhen stattfinden werden. Aus China. Berlin. 19. März. Eine De pesche aus Smatow sagt, daß auf Ver langen des dortigen deutschen Konsuls, cer Distrikt - Gouverneur von Hsi-Ning wegen seiner anti-christlichen Gesinnungen, und wegen seiner Nichtbeachtung öer von Deutschland gestellten Schadenersatz - Forderungen entlassen werden soll. Zwei Chinesen, die an den deutschfeindlichen Krawallen betheiligt waren, sind in Ho-Ping enthauptet worden. 2lus dem. deutschen Reich. Aerlin. 19. März. In parlamentarischen Kreisen wird versichert, daß General von Werder, der kürzlich in einer Spezial-Mission nach St. Petersbürg geschickt wurde, in der russischen Hauptstadt äußerst kühl aufgenommen worden sei und die Mission, die darin bestand, daß General von Werder Erklärungen über die verschiedenen MißVerständnisse abgeben sollte, die in der letzten Zeit die Beziehungen zwischen den beiden Mächten etwas getrübt haben. thatsächlich fehlgeschlagen sei. Der russische Minister des Aeußeren. Graf Lemsdorff. soll unter anderem den Gcneral von Werder auch sehr eingehend über die Agitation in Deutschland zu Gunsten der Annexion der deutsch-sprechenden Provinzen Oesterreichs ausgefragt haben. Große Aufregung wurde durch einen Artikel veranlaßt, welcher durch die halboffizielle russische' TelegraphenAgentur nach Deutschland von Herrn de Witte, dem russischen Finanzminister, übermittelt wurde. Das Wichtigste in der Depesche ist. daß Herr de Witte jede Verantwortung für den Artikel ablehnt, welch in der St. Petersburger Handelszeitung erschien und worin der Reichskanzler v Bülow auf das Heftigste angegriffen wurde. Dieser Artikel benöthigte ein offizielles Dementi, um keine Spannung zwischen den beiderseitigen Regierungen hervorzurufen und dieses ist jetzt erfolg. Der Artikel wird als ein klarer Beweis , dafür, angesehen, daß Herr de Witte einen neuen Handelsvertrag mit Deutschland baldigst abzuschließen und damit den Wünschen Deutschlands entgegenzukommen beaosicötiat. Es il! zumlick wahrschein
lich, daß ein solchem Hanvelsverrgentworfen wird. Die agrarische Presse- und eine Anzahl anderer Blätter seym in dem Artikel allerdings auch eine Entschuldigung der russischen Regierung, da sieeingesehen habe, daß sie zu weit -gegen?-gen sei. Die Tageszeitung" sagt: Rußland ist sich der Thatsache vollkommen bewußt, daß ein Handelsvertrag mit Deutschland weit größmn Vortheil für Rußland als für Deutschland mit sich bringt. Dies' ist durch die Statistik bewiesen. Da Rußland in m Politik sich nicht durch sentimentale Gefühle beeinflussen läßt, so ist mit Sicherheit anzunehmen, deß es einen neuen Handelsverr?ag abschließen wird. Die Vossische Zeitung" werft indessen oarauf hin, daß aus gewissen Aeußerungen mit Sicherheit zu entnehmen ist. daß Rußland mit scharfen Reprefsiv - Maßregeln antworten wird, wenn sein Haupterpoet - Artikel. Brodstoffe, von Deutschland erheblich höher bestener: werden sollten. Die Freisinnige Zeitung" schlicht sich dieser Auffassung an B e r l i n . 19. März. Ein Beamter des auswärtigen Amtes wies am Montag daraufhin, daß in Bezug auf die Mandschurige Angelegenheit die Zeitungen vernachlässigt hätten, besonderes Gewicht darauf zu legen, daß es sich nicht um den Status Quo handele, den Rußland in der Mandschurei mit Waffengewalt etablirt habe, , sondern um eine separate Abmachung außerhalb desselben. ..Wenn Rußland eine solche separate Vereinbarung abschließt", sagte der Beamte, dann kann jede andere Macht dasselbe thun und die entente cordiale" zwischen den Mächten ist dann zu Ende. Keine einzige Macht will Rußland die Früchte seiner Eroberungen in der Mandschurei streitig machen. und so viel wir wissen, machen auch die Ver. Staaten keine Einwendüngen. Am nächsten Donnerstag ' wird der
Reichstag den 30. Jahrestag seiner Kreirung feiern. Von den damaligen Mitgliedern leben jetzt noch vier, die rhne Unterbrechung dem Reichstag angehört haben, nämlich Graf Hompesch. Dr. Lieber und die Herren Richter und Bebel. Am Donnerstag wird der Reichstag auch di? Oster - Ferien antreten. Berlin wird ' binnen Kurzem eine Mode - Ausstellung haben. Man hofft. daß dort besondere Moden für deutsche Frauen etablirt werden. Am Montag war der Jahrestag der Straßenkämpfe in Berlin während der 1843er Revolution. Wie gewöhnlich, wurden auch heute die Gräber der damols Gefallenen im FriedrichshainFriedhos von Tausenden besucht und mit Blumen geschmückt. Am Montag machte der Kaiser WilHelm im Schloß formelle Angaben über das auf ihn gemachte Attentat, und zwar vor einem Repräsentanten des Bremer Kriminalgerichts. Die V'ulgaren-Prozesse in S a l o n i ch i. onstantinopel. 19. März. Am ersten, Tag des Prozesses gegen die 19 Bulgaren, die jc&t in Salonichi vor Gecht stehen, weil sie angeblich zu dem revolutionären Kommittee ' in Sofia gehören , und Aufstände in. Salonichi, Monastir und Kossove zü veranlassen gesucht hatten, wurde eine Sensation durch die Erklärung von zwei der Angeklagten verursacht, daß ihr im Gefängniß abgelegtes ; Geständniß . durch Anwendung der Bastonnade'.uyd anderer Grausamkeiten abgezwungen wor den sei. Sie erklären sich jetzt, für unschuldig. Dampfer beschädigt. Himmel fahrt Insel. 19. März. Der britische Dampfer Norham Eastle. der am 2. März von Southampton via Madeira nach Durban. Natal, abging, mit 337 Mann Truppen an Bord ist hier im--Schlepp tau des britischen Dampsers Tongerito" angekommen, der von London nach Kapstadt bestimmt ist. Der Eylinder der Norham Eastle" platzte, als sich der Dampfer 500 Meilen nördlich von dieser Insel befand. Die Himmelfahrts - Insel liegt im 7. Grad südl. Breite und 14. Grad weftl. Länge Und gehört England. Sie lat nur als Proviant - Depot für vorbeifahrende Schiffe werth. Schiffs na chrich ten. Liverpool. 18. März.' Angekommen : Bovic". von New York ; Eestrian" von Boston Jvernia" von Boston. Neapel. 18. März. Angekommen : Auguste Victoria" von New l)cxt. '.. Glasgow. 18. März. Abgegann : Sarmatian" nach Portland. ' Gibraltar. 18. .März. Abgezarten : Werra" (von Genua und Neoel) nach New Zork.
Große Icuersbrünste.
Die Anhäuscr - Busch Vwucrei in St. Loms
Um geschädigt. Clzas. A. Zohn'ott,. Scr bctrü- , gcrilche itnuhliasficer von wies. Mich., 7 In ColnnlbnS, OHiok verhaftet. Der Cioildicust'Kommissiir Mark . Brlwer gestoben.
Jmmcr neue Erprcssmlgs-Versuche. Truvpcnscndungkil nach den Philipp!neu.
Feuer in einer Brauerei. St. Louis. Mo 19. März. Die Eisanlage der Anheuser-Busch Brauerei, die Reparatur-Werkstatt du American Car & Foundry Co., nebst einer Anzahl Frachtwaggons, die PickleFabrik vonStule5:Co. und6Wohnhäuser sowie eine Anzahl Nebengebäude wurden am Montag hier ein Raub der Flammen. Der Total-Verlust'beziffert sich auf 5100,000. größtentheils durch Versicherung gedeckt. - Zwei Angestellte der American Car & Foundry Co. wurden verletzt, indessen nicht ernstlich. Das Areal der Feuersbrunst bedeckte zwei Häusergcvierte - zwischen Zepp, Utah, 1. und Kosciusko Straße. Diebstahl und Erpressung. K a n s a s City. 19. März. Der Diebstahl von Diamanten im Werthe von $30G0 von den Engros-Juweliercn Edwards-& Sloan, sowie ein Drohbrief cn Edwards, -daß. man seinen jungen Sohn, entführen würde, wenn nicrt sofort 51000' für Rückgabe-der Edelsteine bezahlt würden, beschäftigt zur Zeit die hiesige Geheimpolizei., Der Knabe wird scharf bewacht. Der Diebstahl fand bereits am letzten Montag Abend statt.. Die Edelsteine -verschwanden auf geheimnißvolle Weise aus dem Geschäftslokal der Firma und bis jetzt konnte keine Spur derselben entdeckt werden. Am folgenden Morgen erhielt Edwards einen Brief, worin ihm aufgetragen wurde, 51000 in 20 Dollar-Scheinen um 12 Uhr Mittwoch Nacht an der 40. und McGeeStraße. im südlichen Theile der Stadt, zu hinterlegen, wogegen die ge stohlenen Pretiosen zurückgegeben werden würden. Sollte, das Geld nicht gesandt werden, so würde Edwards junger Sohn entführt werden. Zur- bestimmten Zeit wurde ein Clerk des Geschäftes. Namens Wm. Dearduff. mit einem Packet alten Papiers an die bezeichnete Stelle geschickt. Dort soll er. wie er den Geheimpolizi sten angiebt, zwei Männer getroffen
haben, von welchen einer das Packet!
verlangt und ihm dann unter Todesdrohungen befohlen habe, zurückzukehren und sich nicht umzusehen. Am nächsten Tage berichtete Dearduff. daß
er den vermißten Juwelettbehalter m Souterrain des Gebäudes der Firma! gefunden habe. Auch will er dort von 1
einem Unbekannten in den Rucken gestochen sein. Die Geheimpolizisten bemühen sich, der Wahrheit auf den Grund zu kommen. -Die Lage in China. W a s h i n g t o n . D. C.. 19. März. In hiesigen diplomatischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die beabsichtigte Annerion der Mandschurei, und nicht derZwischenfall in Tien Tsin. die größte Gefahr in der chinesischen Frage in sich erze. Es wird versichert, daß England Japan und Deutschland Rußland zu v rstehen gegeben haben, daß sie ganz ents.neden gegen die Unterzeichnung der VcrcSnbarung betreffs der Mandschurei seier; und daß diese Mächte bereit seien, eventuellen Falles Rußland eine noch stärkere Warnung zukommen zu lassen. In ; hiesigen Regierungskreisen hofft man. . daß das Schlimmste vermieden werden kann, denn man ist sich wohl bewußt, daß ein Konflikt zwischen den Mächten die Zerstückelung Chinas zur Felge haben würde, und dies zu verbindern haben sich der Präsident McKinley und Sekretär Hay bisher die größte Mühe gegeben. England, Deutschland und Japan trauen der russischen Regi'rung nicht, trotz der Versicherungen der letzteren, daß sie die Mandschurei nur temporär besetzen wrlle. und man neigt sich hier der Ansicht zu, daß Rußland es nicht auf's Aeußerste ankommen lassen und schließllch doch seine Forderungen betreffs der Mandschurei fallen lassen oder doch ganz wesentlich modifiziren wird, um einem möglichen Krieg aus dem Wege zu gehen. ' - Die einzige Gefahr in Bezug auf die Laqe in'Tien Tsin lieat anlcbeinend in
rem ytb zwischen aen nuchen unobritischen Soldaten), ver leicht zu einem KcnsNkr fuhren kann. Die Regierungen in- London imo St. Petersburg werden-aber wohl dafür sorgen, daß es in- Tien- Tsin nicht' zu einem Zusammensioß' kommt, denn wenn einmal Blut geflossen ist., dürfte es schwer halten, einen Krieg zu- vermeiden. Brutcrle-r Mord. Elh i c a g u,. Jlls19. März. Als Folge eines Hühnr.-Diebstahls wurde am Sonntag Charles Rinck von einem Manne Namens. Daniel Peters erschossen. Innerhalb von zehn Minuten, nachdem der MorÄ begangen worden, sammelte sich, eine riesige Menschenmassci vor dem Hause Peters an. entschlossen, den Mörder zu. lynchen Das rechtzei tige Eintreffen eines Patrolwagens mit Polizisten verhinderte aber die Aus, Übung von Voikssustiz. Die Veran5affung zu dem Streit gab die Thatsache, daß am Samstag aus Rinck Hühnerstall 15 Hühner gestohlen wurden, uns vier davon sollen in Peter's Hühnerstall gefunden worden sein. Rinck war in Begleitung seines vier Jahre alten Töchterchens ausgegangen, um einen Verhaftsbefehl gegen Peters zu erwirken. In der Nähe des Peiers'schen Hauses angekommen, begegnete er Peters, den er beschuldigte, die Hühner gestohlen ZU haben. Peters zog daraus einen Revolver und gab vier Schüsse auf Rinck ab. Jede Kugel traf. Während des Schießens umklammerte das kleine Mädchen aus Furcht die Kniee des Vaters, dessen Blut die Kleider der Kleinen bespritzte. Mordversuch und Selbstm o r d. Vrazil. Ind.. 19. März. G. Trimble, 18 Jahre alt. schoß am Montag Mittag aus Frl. Snow, als sie vor der Thür ihrer elterlichen Wohnung bei Perth stand. Er schoß sich dann selbst eine Kugel in den Kopf und brach auf der Stelle todt zusammen. Frl. Snow hat einen Schuß in den Arm und eine Kugel in den Kopf erhalten, sie. ist aber , nicht lebensgefährlich verwundet. ' Trimble hatte dem Mädchen längere Zeit Aufmerksamkeiten erwiesen; Frl. Snow hatte sich' dieselben aber jn der letzten Zeit verbeten. , Bekennt sich des 'Pferde'Diebstahls schuldig. P o n t i a c , Jll., 19. März. John Kirk oder Tietz. der am Samstag in Lexingtön auf die Anklage hin verhaftet wurde, bei Fairbury die 13 Jahre
alte Mamie Cralg vergewaltigt zu haben. bekannte sich heute des Pferdediebstahls schuldig und leistete 51000 Bürgschaft für sein Erscheinen vor Gericht. Die auf Nothzucht lautende Anklage war nicht stichhaltig. Die Aufregung hat sich gelegt und man befürchtet keine Gewaltthat mehr. I Mark S, Bremer. Washington. D.C., 19. März. Herr Mark S. Bremer von Michigan, Miizlied der Zivildienst-Kommission, ist :r im Alter von 64 Jahren gestorben. Die Leiche wird zur Beerdigung nach Pontiac. Mich., gebracht werden. Truppensendungen nach . den Philippin en. Washington. D.C.. 19. März. Zwei Transportdampfer. Meade" und Pennsylvania", gingen am Montag mit einer großen Anzahl Truppen nach den Philippinen ab. Die Meade" hatte den Stab und zwei Schwadronen vom 5. Kavallerie-Regiment, zwei Troops von dem neuorganisirten 15. Kavallerie-Regiment an Bord, sowie die Brigade-Generäle Ludlow und Wade mit ihren Familien. Die Pennsylvania" hatte das erste und dritte Bataillon vom 10. Jnfanterie-Reat.. Kompagnie A" ausgenommen, an Bord. Weitere Transvortdamvfer mit Truppen gehen ab wie folgt: Han cock". 25.. März; Buford", 1. April; Kilpatrick", 5. April, und Logan", 15. April. Die Hancock" wird die zweite Schwadron vom 6. Kavallerie-Regt. und das Depot-Bataillon vom 7. Jnf.Regt., 600Mann stark, mitnehmen und die Buford" zwei Troops vom 15. Kavallerie-Regt.. eine Kompagnie vom 10. Jnf.-Regt. und ein Bataillon vom 5. Jnf.-Regiment. ' Callahan' Z Prozeß. Omaha. Nebr.. 19. März. James Callahan. welcher den Sohn des bekannten Großschlachtereibesitzers Cubah: entführt haben soll, und sein Anwal. wurden am Montag vom Gericht beauftragt, den Originalbrief. worin die Räuber von Cudahy 525.000 Lösegeld verlangten, am Mittwoch bei dem Prozesse vorzulegen. Dieser Brief war mit in den Sack Gold gelegt worden, welchen der ältere Cudahy den Räubern übermittelte. Der Staatsanwalt und die Polizei behaupten. Beweise zu haben, daß dieser Brief in Callahan's Besitz ist. Begnadigt. W a s h i n g t o n . D. C.'. 18. März. Der Soldat Mn ö. Schmidt vom 36.
Ins. Regiment war m Lingayan, Luzon. wegen eines becrangenen Mordes zum Tod durch den Strang verurthcilt worden. Der Präsident hat nun das Urtheil in schimpfliche Entlassung und lebenslängliche Zuchthausstrafe bei harter Arbeit umgewandelt. ' Er wird im Zuchthaus zu Fort Leavenworth, Kas., eingesperrt worden. W a s h i n g t o ir,,D. C., 19. März. Der Ver. Staaten Gesandte Dudley in Lima. Peru, hat das Staats-Departe ment per Kabel unterrichtet, daß die Regierung von Peru sich erboten habe, dem amerikanischen Kaufmann Wm. Forks. der 55000 Schadenersatz bean sprucht. 3000 SolS zu bezahlen. Herr Dudley wurde sofort instruirt, das Anerbieten anzunehmen. Der Anspruch rührt vom Jahre 1894 her. Herr Forks betrieb in Timbez ein Geschäft, wo er eines Tages von den Militärbehörden 24 Stunden eingesperrt und gezwungen wurde, eine bestimmte Summe als Darlehen" herzugeben. Forks verlangte durch die Regierung 55000 Schadenersatz, er hat sich aber erboten, die ihm angebotenen 3000 Sols lü. 48 Cents) anunekmen. Herr Quintero lehnt ab. Washington, D. C.. 19. März. Lamar C. Quintero von New Orleans hat das Kriegsdepartemcnt bei.chrich tigt. daß er wegen Krankheit in seine, Familie nicht im Stande sei, die Er nennung zum Richter des Supremege richt für die Philippinen anzunehmen. Repr. Gear bedroht. Toledo, Ohio, 19. März. In der Sitzung der Ohioer Legislatu, wird der Repräsentant W. C. Gear von Upper Sandusky eine Vorlage einrei chen. derzufolge das Entführen von Per'onen schwer bestraft werden soll. Er ak innerhalb von zwei Wochen drei Briefe erhalten, in denen gedroht wird, daß seine Wohnung niedergebrannt und seiner Tochter die Augen ausgebrcmnt werden sollen, wenn nicht an einem gewissen Platz in einem alten Schuh 5500 von ihm hinterlegt würden Selbstmord. Rorwa lk. Ohio. 19. März. -Frau John McMahon beging hier am Montag Selbstmord, indem sie von einer'Eisenbahnbrücke aus das Ufer des Flusses, eine Tiefe von 60 Fuß. hinab-spr-ng. Ihr Kopf drang in den wei cher Schlamm ein und sie erstickte. Es scheint, daß die Frau wahnsinnig war. Unruhen in Persien.
L o n d o n. 19. März. Die Wiener 7!eue Freie Presse" meldet, daß in Teheran. Persien. Unruhen ernster Ar! lusgebrochen seien, weil der Schah versucht hatte. gewisse Reformen einzuführen. Studenten -Unruhen in Budapest. Budapest. 19. März. In Folge :ines von dem Unterrichts - Minister erlassenen Befehls, demzufolge alle Kreuze aus den Lehr - Sälen der Universität entfernt werden sollen, kam es am Montag zu ernstlichen Unruhen ; als am Morgen die Säle geöffnet wurden, sielltc es sich heraus, daß Studenten sich schon vorher Eingang verschafft und Kreuz: an die Wand genagelt hatten. Die Professoren ließen die Kreuze abnehmen., sie wurden dann aber von einem Theil der Studenten angegriffen. während der andere Theil für die Professoren Partei nahm. Es kam zu ernstlichen Prügeleien und die Vorlesungen mußten suspendirt werden. Die Angelegenheit wird vor das Parlament gebracht werden. Der Senat der Universität hat beschlössen, in Folge der Unruhen für zwei Tage die Vorlesungen zu suspendiren und die Universität ganz zu schließen, wenn noch einmal ähnliche Ruhestörungen vorkommen sollten. Der Spezial - Botschafter des Königs Eduard. Paris. 19. April. Earl Carrington. der Bpezial-Botschafter des Königs Eduard, der die französische und andere Regierungen offincll von vem Ableben der Königin Victoria und oer Thronbesteigung des Königs Eduard VII. benachrichtigen soll, kam am Nachmittag im Nordbahnhos an, wo er von Herrn Crizier und dem Baron Roujou? als Repräsentanten des Präsidenten Loubet empfangen wurde. Eine Jnfanterie-Abtheilung war als Ehrenwache am Bahnhof aufgezogen. Nach der beiderseitigen Begrüßung fuhr Earl Carrington mit seinem Ge folge nach dem Hotel Riz. wo die Botschaft bleiben wird, bis sie in derselben Mission nach Madrid abreist. Die Equipagen wurden von Kürassiren eskortirt. Einige Personen zischten, als die Botschaft von dem Bahnhof abfuhr und unterwegs riefen Einzelne Es lebe Krüger", Es leben die Boeren". Earl Carrington wird am Dienstag im Elysee-Palast von dem Präsidenten Loubet empfangen werden, welch' letzterer am Abend der Mission zu Ehren ein Bankett geben wird. .
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