Indiana Tribüne, Volume 24, Number 179, Indianapolis, Marion County, 17 March 1901 — Page 2

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Jndiana Tribüne, Gonntaa, 17. !arz 1901.

lnter der Maske.

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Sen ZZr. Kailer

S:e hotticn am Morgen ewen Streit ptt cinarib gehabt, bei dem er natürtich den Kürzeren gezogn hatte. E5 toaz ebensein Unglück, daß er zu jesen Gtunnnep geHorte, die nur mit der d bekedt zu sein vermögen, denen ,z im praktischen Leben im entscheiden, den AuzeÄblick am chten Wort man- ' Das empfand tt besonders sein?? irre fcnükt; In guten Tagen hinach oft cm seinen Hals und lichte Thränen man konnte denken us EauJ: aber nein, er fühlte s yenn, t,t wußte es sie lachte über ihn, weil er wieder täppisch, unpraktisch und ungeschickt mit irgend einer MiMAkeit gewesen war. Kam.es einmal zu einem Zwist, roie beute Morgen am Frühstückstisch, so hatte er 'ganz verloren. Gerade als er zur Gegenrede Luft schöpfen wollte, verschanzte sich Frau Dora hinter dem Stuhl, den ihr Sohn eben nnt lr Schulmappe unter dem Vrm verlassen hatte, und machte strenge Augen-, als wollte sie sagen: Schweig' doch, ich habe ja immer die 3ewalt über Dich schon durch diesen Perl" Und wie triumphirend und hohnisch sie aussehen konnte! Sie bildete ftö toohl gar ein. ohne sie ging? nicht, sie wäre in seinem Dasein die Sonne, vm die sich alles dreht! .Wenn ich ihr nur ernen Streich spielen könnte", dachte er ingrimmig, .einen recht dummen dreisten Streich! Der Professor erinnerte sich an den Maskenball übermorgen, den sie geeinsam besuchen wollten. Ihm kam cm Gedanke, zu dem r Spibubenengen machte. Er fühlte Pch mit einem Schlage um zwanzig Jahre jünger. Diesmal würde er der Sieger sein! Die Jüngste und Hübscheste wollte er sich aussuchen. ui;d dann o goldene Maskenfreiheit! Zunächst deutete er an, in welchem 5ostüm er erscheinen würde; sie sollte ihn sofort erkennen und weder Ruhe och Genuß vor seiner Tollheit haben. So trat er als mittelalterlicher Mavisier schön in pelzverbrämten Sammt gekleidet in den Ballsaal. Er hatte sich verspätet und kam rutten in den großen Schwärm hintrt S Jfir lrn'2. KvVrtri4

1 tt viv uju gutiuuyv vttvu;? wtivitttb. ' Welche mag wohl Dora sein?" ,V Granit tr sich tn kerzeiblickem Missenss

n" I 7 1 IItrana und musterte die kurz- und langröckigen Schönen eingehend. Er konnte zu keiner Entscheidung kommen. Und als er so auf und nieder ging und Umschau hielt angeblich nach der Jüngstens Schönsten; in Wahrheit eber rxai Dora trippelten vor seinen Füßen in den großen Magister-

- 5ö,henzw:i k!eine,'zierliche emher, die ' in Backfischchen mit kurzen Kleidern trugen. Ueber dem Arm hing ihm eine

Schulmappe und über dem, schmalen Rücken ein langer, rauher, rothblonder Aopfmit einem hellblauen Schleifchen zusammengebunden. Der Magister tappte eine Weile hinterdrein. .Das ist sicher die JüngLe!" dachte er. Er streckte zwei Finger nach dem Zopfe, aus. erst zaghaft und schüchtern, dann' aber zog er ihn recht herzhaft. weh, 0 weh!" jammerte die SlUl

?:e gleichsam als Beweis für die Echtheit ihres Hauptschmuckes. Du hast schönes Haar, m-eiir Kind eine selten schöne Farbe," flüsterte er als Vorstufe für kommende Koser.amen und' Schmeicheleien. Ein koketter Seufzer antwortete ihm Du gehst noch in die Schule nicht tsaW Sie nickte. : Was lernst Du denn jetzt?" ' O, es gibt mancheNuß zu knacken," ' Er fand das sehr drollig und fing gleich zu examiniren, an. .Dann sag' mir doch: Wo liegt die Welt?" .Im Argen!" klang es schnell auf seine Frage zurück. Ihn amüsirte ihre Schlagfertigkeit, er mußte laut lachen und kniff dabei, V) He von ungefähr, seiner kleinen Dame V "vArm.

' Ein: bitterbose Schulterbewegung

Kar die Antwort. .Mein Gott, wir sind doch auf eiuem Masienball." entschuldigte er sich umständlich. Uebrigens, wollen wir uicht mal tanzen?" .Ja. bitte!" lachte sie mit einem Knixchen. Sie ist allerliebst, dachte er. Er umfaßte sie ohne jede Zaghaftigseit und hüpfte mit ihr fort. Sie war so leicht und so schlank, so dreist und dennoch wi? verlegen. Wenn uns Dora sieht Augen wird sie machen. Augen Da klappte etwas gegen seineHüfte; es war die Schulmappe, in der ein fes!er Gegenstand hin und her gefchüttelt wurde. .Was hastDu denn in der Mappe?" .Meine Butterbrotbüchse!", erwifcerte sie. wie selbstverständlich, und stippte ihn auf die Schulter. Die Walzermelodie war so verliebt nd so verlockend, die Kleine so zuihn schwindelte, 'etzt hören wir aber auf!" stotterte " stellte sie wieder fest aus ihre n. rcch ihn scheu durch die Augenn ihrer Maske an. sei Dank!" dachte er, .wenn cht anhänglich wird "

ich Dir eine Erfrischung ... gisier sah etwas eindringlich hulbackpsü hinüber rnidj y . kne Schnallenschuhe. Sie ltsam viel, an ihm war' l, das ihm doch schwerer

r ncy vermuiye. yaiie. ur l mebr Verlegenheitsfra

gen stellen mögen, 'nur um etwas zu sagen. Nein, danke," sagte sie wieder mit erntm Knixchen. Das ging doch über seine Begriffe! Ist sie denn wirklich ein Kind, ode? kann sie sich so gut verstellen? . Es schien ihm. als würde er in diesem Augenblick in der That um zwanzig Jahre jünger ein Taumel faßte ihn. er zog ihren Arm durch seinen und drückte die Schulmädchenhand, die einiae Tintenspuren auswies. Das sonderbare Paar kam an Ro. sen- und Palmen - Arrangements vorüber, die die Ecken ausfüllten. Es war ein Blühen und Duften, gerade wie zur Sommerzeit.Liebes kleines, schöneö Mädchen." sagte da der Magister mit ganz lauter. trockener Stimme, .welches sind die schönsten Blumen, um die alle Schmetterlinge flattern?" Da hob sie mit zierlichem Finger die Svitze an ihrer Maske in die Höhe und zeigte ihm zwei junge, rothe Lippen. Es hatte nicht eine Sekunde gedauert. so daß er kaum wußte, ob er wirklich gesehen, oder ob er von einer himmlisch schönen Vision betrogen

loorden war.

Gleich darauf neigte das Kind vor ihm den Kopf und ließ die Schultern sinken. Hilflos verlassen kam sie ihm vor hilflos, wie er selber. Ihm sielen seine guten Vorsätze ein und das goldene Recht der Maskenfreiheit. Frau Dora's höhnisch - triumphirender Blick schien ihn wieder zu treffen. Ein wilder Trotz gegen das Geheim nißvolle um ihn her, und gegen seine Partnerin im besonderen ergriff ihn er fühlte mit einem Male zwei wunderbar weiche Wangen in seinen beiden Händen, und eine Stimme von weit, weit her schlug an sein Ohr seine eigene Stimme: .Die leuchtendenSterne will ich sehen." stammelte er. Aus der häßlich schwarzen Maske schlug ihm eine blaue Flamme entgegen ihr Blick. Im nächsten Augenblick gab er sie frei. Ein dreistes Lachen aus einem Frauenmund hatte ihn aufgeschreckt, und als er aufsah, stand hinter der Palme neben ihm ein weißer Domino. Der Magister war wie vor den Kopf geschlagen. Das kleine Schulmädchen entfernte sich immer weiter von ihm, harmlos und unschuldig trippelte sie fort, ihn noch im Auge behaltend, und den Kopf im Takt der Musik wiegend bis sie gegen einen rothseidenenPolen anlief, der sie auffing und mitnahm. Der Domino lachte noch immer. Höflich höhnisch und triumphirend genau so würden FrauDoras Blicke klingen, wenn man sie in Töne umsetzen könnte. Der Professor war allein. Er hätte sich beinahe geärgert, wenn die Gesellschaft nicht so lustig und der Wein nicht so gut gewesen wäre. So trank er denn mehr, als er beabsichtigt hatte, sang an einem Jugendtisch ein paar fidele Lieder mit und begann darauf das großeSuchen nach Frau Dora und dem kleinen Schulmädchen. Entzückend war sie", murmelte er, .entzückend!" Er ließ den zufälligen Lauscher im Unklaren, wen er meinte. Das Spähen in dem Gedränge machte ihn schwindelig. .Wenn ich sie nur sinde!" dachte er. Auf der Galerie erschien ein Herold, um durch Trompetenstöße zu verkünden. daß die Demaskirung vor sich geken könnte. Er verharrte noch einen Augenblick, das Instrument auf die Brüstung gestützt. Da packte den geängsteten Professor die Verzweiflung er drängte drei, vier Masken beiseite, drückte sich hinter einer Palmengruppe durch und stand mit einem Male vor dem .reizenden Fischchen", wie er selig dachte. Ihm war, er wußte nicht, wie. Sie saß auf einer Bank und naschte mit beneidenswerther Seelenruhe aus ihrer ziemlich umfangreichen Butterbrotbüchse ein Stück Eonfect nach dem andern. Der Magister war sprachlos. Er pflanzte sich breitbeinig vor ihr auf. sie wie ein Wunder anstarrend. Da tönte ein langgezogenes Trompetensignal durch den Saal. Das Stimmengewirr hinter den beidenStummen wurde immer lauter und das Lachen immer toller und lustiger. Hier in dieser Ecke schien es ganz still. Da seufzte der Professor ein werig und löste gelassen de Maske von ftinem Gesicht. Die Kleine ließ den Praline, den sie eben aufgenommen hatte, wieder in die Büchse zurückfallen, schlug den Deckel zu und zog ebenfalls die Umhüllung von ihrem Antlitz. Erde thu dich auf. verfinstert euch. Sonne, 'Mond und Sterne, daß man von der Qual des Sehens befreit wird! Frau Dora!" Sie schob das hübsche Kinn vor und lachte ihn mit ihren vollen Lippen an. Sattes Behagen und triumphirende Freude malten sich gleichzeitig in ihren Zügen. ' .Der beste Ehemann auf der Welt bist Du! Ob mit, ob ohne Deinen Willen. Du hängst immer nur am Schürzenband Deiner Frau. Und nun laß uns ein Glas Sect trinken, Du gefährlicher Herr Magister!" Tte belohnten Glaser. Beim Bau der Berliner Georgenkirche (1780) hatte das Glasergewerk die Fensterscheiben zu derselben umsonst geliefert und der Kirche dadurch über 800 Thaler erspart. Bei der Einweibuna dankte der Geistliche öffentlich

dafür und schloß seine Rede damit, daß der Himmel diese Wohlthat nicht unbelohnt lassen würde. Wenige Tage daruf schickte auch der Himmel einen starken Hagel, der viele tausend Fensterscheiben zerschlug, wodurch fcie Glaser, die reichlichen Ersatz fanden, j auch wirklich belohnt wurden.' ' 4

In Flagranti Humoreske von Sautter. Früh um fünf Uhr ging der Zug, mit dem ich eine unaufschiebbare Dienstreise antreten mußte. Als ich mich eine Biertelstunde vorher aüf dem Bahnhöfe, einfund, traf ich dort zu meiner Ueberrafchung Frau Blembel an. Mit unausgeschlafenem Gesicht irrte sie in der fahlen Morgendämmerung aus dem Bahnsteig umher. Ich begrüßte sie und fragte, wohin sie denn so früh zu reisen gedenke. .Närchends hin," sagte sie tieftraurig. Ich hawe mein' Mann verloren." Ich ließ vor Schreck meine Handtasche fallen. .Gestern is mei' Mann mit sein' Gäächelbriedern nachGeenichschdeen gefahren." erzählte Frau Blembel, .da wollden se Bätzolden sei' Geburtsdaach feiern der gehärde ooch zu'n Gäächelglub, wie er noch hier wohnde, awer vor zerga dreivärdel Jahren iZ 'r nach Geenichschdeen gezoochen. Nu hzt gestern seine alden Gäächelbrieder zu än Herrn-Essen eingeladen, un da dervon is mei' Mann nich Widdergegomm'. Der letzde Zuuch is in der Nacht um eens hier gewäsen, un frih um viere war mei' Mann noch nich ze Hause. Do gsnnd' ich's vor Angst un Soorchen nich mehr ausHalden un bawe mich uff die Suche nach mein' Mann gemacht. Erscht bin ich zu Aeidlersch numgegang' der Herr Aeidler war nämlich ooch mitgewäsen. Ich hawe se aus 'en Schlafe gebocht. un der Herr Zeidler hat m'r gesaacht, er hädde mein' Mann uff'n Bahnschdeiche in Geenichschdeen gesähn, gorz vor'n Abgang von 'n letzden Zuuche, mit den se alle gefahren wär'n. Mei' Mann mißde ooch dermit gefahren sein, gesähn hädd' er'u freilich ni' mehr. Jetz' fraach' ich Sie. dr diedcher Himmel, er ward doch nich under de Loggemedive gegomm' sein ach Du mei' Gott! ich mechde mich beei'n Herrn Jnnschbeggder ergundchen, awer ich gedrau mir'sch nich ach Jessas, was wär' ich här'n missen!" Ich begab mich zum Inspektor, um Ziu fragen, ob ein Unglllcksfall gemeldet sei und erhielt eine verneinende Antwort. Daraufhin gab ich Frau Blembel gegenüber meiner festen Zuverficht beredten Ausdruck, daß der Herr Gemahl, der sicherlich in Königsiein einfach sitzen geblieben sei, mit dem ersten Frühzug anlangen werde.

Dann empfahl ich mich. da. es die höchste Zeit war, daß ich in meinen

Zug stieg.

Als der Schaffner die Thüre hinter mir zugemacht hatte, öffnete ich das Fenster, um Frau Blembel, welche mit dem Inspektor auf dem Bahnsteige stand, nochmals einige beruhigende Worte zuzurufen. Ehe ich aber dazu kam. trat ein Wagenschieber eilig und erregt an den Inspektor heran, und ich hörte, daß er meldete: ' .Undern Dunnel uff'n doden Gleise is in den een Waachen so ä eechendhiemliches Geschdehne un Gerechle " In disem Augenblick setzte sich mein

Zug in Bewegung und ich fuhr hinein

tn den aschgrauen Morgennebel, be-

packt mit der peinigenden Frage, ob

das eigenthümlich .Gestohne" und .Geröchle" in dem Wagen, der auf dem todten Geleise unter der StraßenÜberführung stand, etwa von Herrn Blembel hervorgebracht würde. Anderen Tages eilte ich sogleich nach meiner Rückkehr von der Reise zu Blembels. Als ich durch den Vorgarten auf das HauS zuschritt, wurde ich plötzlich durch ein gespenstisches .Bst, bstl" veranlaßt, meine Blicke nach dem hölzernen Pavillon zu richten, der links in der Gartenecke stand. Aus dem ssenster des Pavillons schaute Herr Blembel heraus und winkte mir. Freudig stürzte ich nach dem Pavillon hin. trat ein und rief: .Gott sei Dank! Sie sind ja, wie Ich sehe, unversehrt und unverletzt, na, da ist ja alles gut .Alles gut ei der Deifel!" sagte Herr Blembel widersprechend. .Was glohm Sie denn, wem Se vor sich ijaßm? Aen Debordierden hahm Se vor sich vfrschdehn Se meine Frau hat mich nämlich hier in den helernen Bawilljong verbannt, wo ich bch-a-beh von 'n Hungerdode erwärscht wäre." Herr Blembel ergriff einen Brotkanten. der auf dem Tische lag, hielt ihn mir unter die Rase und suhr mit dumpf Stimme fort: .Sähn Se das Rämfdel ' das hat kn'r meine Frau fir de nächsden vierenIwanz'ch Schdunden zer Begcstichung zugedeelt. daderbe! ward de Reese nach 'n Gottsacker ja nich lange dauern. Ja, a. nee. mei' Gutsder, dies Mal hahm de Barzen mein' Läbmsfaden so dies ln'S Unglicks - Dinoennäbbch?n gedoocht so dief ei Herrejeesesiee-seöje!"

.Aber so erzählen Sie doch zusammenhangend. was eigentlich vorgefallen ist", rief ich ungeduldig. Herr Blembel gab sich einen Ruck, sagte .Ru also" und begann wie folgt zu erzählen: .Vorgestern, an'n soonvaacy Ahmd, das heeßt Nacht, da wollden mir Gäälbelbrieder mit den letzten Zuuche von Geenichschdeen heeme fahr'n. Wie mir nu uff'n Bahnhofe ahngomm' dhaden. da schdand der Zuuch schonn, da es ls nämlich ä Logahlzuuch. Un wie das nu ahm manchmal ähm is an den Sonndaachen: 's war ä gollessaler Ahndrang. Mir baßd es dorchaus ntch. daß 'ch mich zwischen vte Gommieß un Gonfekzjoneesen 'neindriggen sollde. die alle midenander ze dief in'ö Bierdeppel geguggt hadden un ä älwernes Gegrehle un Gefiebe veriebden., iJwrichens war ich hundemiede, denni mir war'n den ganzen Daach nich ant Oochenblick zer Ruhe gegomm', un gebietscht hadden m'r ooch geheerich. Ich hädde also', am liebsden aeschläfen

vesverwäächen loof' ich den ganzen Zuuch nunder, ob f'ch nich doch äm Ende ärchend ä gemiedhlicheS Eggel uffdreim ließe. Awer an een Waachen nach'nandern drängelt 'ch mich vorbei un gonnde nifcht finden. Bis 'ch nu zu 'n allerhinderschdenWaachen gomme in den brannde gor gee Licht, un er war leer. Hä. das is ja großart'ch, denk 'ch bei mir un will 'neingleddern awer brost de Mahlzeit: de Dhieren war'n abgeschberrt. Aehä. iewerlääch' ich mir, die wär'n erscht schbäder uffgemacht, wenn's vorne ze voll geworden is. Da wärschd de helle sein un hier so lange warden. Die andern Leide liefen alle hoddendott 'ch nach vorne un ließen f'ch wie de Beeklinge in die iewerfillden Gubbees 'neinschdobben. Blos enne sähr ahnschdänd'che junge Dame in den Dreiß'chern hadde sich nähm mir uffgeschdellt un schien ooch uff die Ereffnung des hinderschden Waachens zu warden. Wie's nu awer öalde so weid war. daß de Garrcde losgehn sollde, un se den Waachen immer doch nich uffgemacht hadden. da sgacht 'ch zu so än Weechenschdeller oder Rangschirer, was er war. der darum schdand zu den saacht 'ch: .Här'n Se, waS is 'n das for enne Werthschaft, warum wärd denn der nich uffgemacht, der hinderschde Waachen?" .Gehn' Se nor nach dtr. Waachen hier dervor," antwort der, .in den hinderschden darf geener 'nein, da sin de Gasrehren entzwee." .Awer das is m'r grade eißerscht angenehm," saachd' ich. .Ich will gar gerne Beleichdung hahm, ich mechde schlafen." .Ich ooch," mengte sich uff eemal die junge Dame in den Dreiß'chern 'nein. .Un wenichsdens mecht 'ch nich da vorne zwischen den Sonndaachs-Buw-leg' v sauren." Duihnr Se zwce Groschen un nu la!?. e unS hier 'nein," saachd' ich zu den Weechenschdeller. .Sie hahm doch 'n Schlisse!." .Na meinswäächen," antwort' er, machde enne Dhier uff, ließ uns in a Gubbee 'nein un meende: .Ich wär' sch'n Gonduggdär saachen, daß 'r Sie in Dräsden 'nausläßt." Dadermit macht 'r de Dhiere zu, schberrt se mit sein' Schlisse! Widder ab un in densel'm Oochenblick geht der Zuuch ooch schonn los. Herrejeeses." saachd' ich zu der jungen Dame in den Dreiß'chern, .da wär'n mär weeß Gneebchen fast beinahe sitzen gebliem. Nu hat der'n Schaffner nischt saachen gegönnt, awer das

is jä ganz Worscht, mir wär'n uns in Dräsden schonn melden. Un bis m'r da sin, genn' mir hier in der eechybt'schen Finsderniß den Schlaf des Ge.rächden schlafen." Ich bin schonn derbei." saachde die junge Dame in dut Dreiß'chern un gähnde härbar. .Ich ähmfalls", meend' ich. .Gude Nacht." Un eens, zwee, dreie war ich in Morpheis'n seine Arme gefallen un bärde un sah nischt mehr. Wie lang' ich geschlafen hadde, als 'ch Widder munder worde, dadervon hatt'ch geene Ahnung. Munder Word 'ch. weil mich wer riddeln dhad erscht wacht'ch blos nich ganz uff un mußde enne ganze Weile simeliren, wo ich eechendlich war, un was das for enne Dame sein gennde, die mich an 'n Arme riddelde un in eenewech saachde: .Wo simmer blos?. Wo simmer blos?" Endlich hadd' 'ch crwwer mein Gribs zesamm. Härn Se," saachd' ich zu der jungen Dame in den Dreiß'chern. .deisch' ich mich, oder wärd's weeß Gnebbchen schonn Daach?" Mir saßen nämlich in enner merkwärd'chen Dämmerung, in so enner Art diesdern Zwielicht, halb gonnden m'r was sähn, un halb gonnden m'r nischt sähn. Ich griechde meine Uhr raus un brannde ä Schdreichhelzel an. .Vernaachelbohr, es is ja dreivärdel fimfe." saach' ich. .Herrejeeses, herrejesees. ich bin ooch ähm erscht uffgewacht. wo simmer blos! Mir schdehn ja schdille, mir schdehn egal schdille." .Nu ähm," saachd' ich un guggde zu 'n Fenster naus. Här'n Se. Gott verzipps. was meen Se. mir schdandn in än Dunnel, un unser Waachen hing an geenen Zuuche mehr, soviel gönnt "'ch ergenn'. Awer weider war nischd ze sähn. denn 's war sähre näwelich. Da gab's also blos die eene Deidung: unser Waachen hadde sich von elleene von 'n Zuuche abgegobbelt un schdand nu ärchendwo zwischen Geenichschdeen un Dräsden midden uffn Gleise. Jeden Momang gonnde der Schnellzuuch ahnrasaunt gomm' un unsern Waachen zu Drimmern zermerscheln. Un mir gonnden nich naus. weil de Dhieren zugeschlossen waren das alles Zewerdacht' ich in eenkn Oochenblick. Wie ich's in aller Firichgeed der jungen Dame in den Dreiß'chern exbliziren dhad, da grieschde die laut uff un gam vor Sckreaaen aus 'n Heischen. .H'är'n Se. Freilein oder Madahm oder was Sie sin, das is jetz' ganz Biebe." saacht 'ch nu zu ihr, mir missen uff alle Fälle schleinichst zu 'n Fenster naus. Awer so leichde is das nich un elleene griechen Se 's nich färt'ch ich wäre Sie also naushelfen, ganz wie Sie winschen: zuerscht mit 'n Gobbe. oder zuerscht mit 'n Beenen. Awer zu Gomblemenden hahm m'er geene Zeit. Hier handelt sich's um Lähm un Dod, also gomm' Se m'r nich mit falscher Scham " Nee, nee, ich hawe gar geene", schreit se, .blos naus, naus!" Dadermit schdellt se sich an's Fensder. un ich will se'ähm nausschbediren da ? schrillricher Fiff ich hä're enne Loggemedive schnaum un seichen

das Freilein drillt: .Der Schnellzuuch!" un fällt mir ohnmächt'ch in de Arme. Ei Greiz. mir brach der galde Angstschweeß in Schdremen aus allen Boren, meine Haare schdreibten sich, und de Oochen draden m'r aus 'n Hehlen. ES waren färchderliche Segunden ich sah mich schonn von heesem Dampfe verbrieht. Awer gligglicherweise worde nischt draus. Der Zuuch ging vorbei. Daß wir naus mußden, das war m'r glar awer wie sollt'ch das ohnmächt'che Freilein zu'n Fensder nausgriechen? Sähn Se, wenn ich nu ä feecher Gerl wäre. da hätt'ch daS Freilein liechen lassen, wo sie hinfiel. Awer zu so enner Gemeenhced bin ich ze nowel. Drotz Dodesneeden red' ich uff die junge Dame in den Dreiß'chern 'nein, se mechde m'r den eenz'chen Gefallen dhun un Widder zu sich gomm', ze Ohnmachden wär' jetz' gee geeechender Zeidbungt, wo der Braacher Zuuch jeden Momang in uns 'neinblitzen gennen dhäde. Awer mei' Zureden nitzde nischt se blieb wie ä Glotz in mein' Armen liechen. Jeeses, jeeses," denk' ich, .mir wär'n hier zu Mus zermorkst, wenn ich die nich sähre balde Widder ze Verschdande grieche." Da bletzlich fiel m'r ein, daß meine Frau immer de Dallche uffgnebbelt, wenn's ihr emal bliemerant wärd was'? geweenedlich nach Erbsen mit Schweinsgnechelchen bassirt. Nu härn Se mal. bei Lähmsgefahr gibt's doch geene gleenlichen Ricksichden also gnebbl' ich der jungen Dame in den Dreiß'chern ohne Zeechern de Dallche uff. Grade wie ich dein letzden Gnobbe bin. un das Freilein ähm anfängt, Widder läwwend'ch ze wär'n, da wärd uff emal unsere Gubbedhiere uffgemacht, un dervor schdeht der eene Dräsdner Jnschbeggder, den ich genne, a Waachenschiewer, den ich nich genne, un meine Frau, die ich sähre genne. Mir war'n in Dräsden, das worde mir blitzart'ch glar. Den Waachen hadden se uff ä Nähmgleise rangschirt. Ich un die junge Dame in den Dreiß'chern. mir hadden in unsern gesächneden Schlafe nischt dervon geschbiert. Also ich stand da wie verschdeenert das Fräulein in'n Dreiß'chern leesde sich samft aus mein' Armen meine Frau dhat sch unser Däd-a-Däde mit ihren allerfinsderschden Gewiddergesichde beguggen der Jnschbeggder un der Waachenschiewer feixden eener mehr wie der andere. Geener von uns allen sachde gar nischt. So war de Sidewazjon. Nach enne Bause fing awer meine Frau ahn, loszeläächen: .Also erdabb' ich Dich emal in flachrandi, du Lu m " Mei Gutsder. ich will Sie mit weidern Dedallchs nich beläst'chen. Genuuch wie ich hier vor Sie schdehe, bin ich das erbarmungswärd'che Opfer enner Schicksalstracheedche. denn geechen solche Jndiezchen, mit'n gorbus delikdi in den eechnen Armen, da dhäte eenen nich emal a Aliwibeweis nischt nitzen. j . Glücklicherweise gelang es meiner Wenigkeit, Herrn Blembel in seine Menschen- und Gattenrechte wiederein-zusetzen.

Geschiedene Frau.

LonSamuel attland. ' Mama ist todt " .Das ist nicht wahr, das ist nicht ivahr," sagte Miesje, ihm ins Gesicht lachend. .Wenn ich dir sage, daß sie todt ist, ist sie todt," wiederholte er ernst. .Du darfst niemals .nicht wahr" sagen, wenn Papa etwas sagt." .Aber sie fuhr doch in einem Wagen?" .Das hast du dir eingebildet, dummes Mädchen." Wim hat sie auch gesehn." . .Wim, komm einmal her! Hast du Mama auch gesehen?" Wim, der mit Sand spielte, kam an sein Knie. Ja, Papa." .Wo?" In 'ner Kutsche." Das habt ihr euch dann alle beide eingebildet, versteht ihr mach? Das habt ihr euch eingebildet Mama ist todt." Aber ich habe sie doch gesehn," blieb Miesje dabei. .Sie hatte 'ne neue Jacke an und 'n weißen Schleier." Das wird 'ne andere Dame gewesen sein." Nein, Papa." Wenn du nun noch einmal nein"

! sagst, werde ich böse."

Aber du darfst auch nicht lugen, sagte Wim. Die Hand des Vaters sauste hrnieder und traf die Wange des Söhnchens. Das Kind begann zu weinen. Nimm dich in cht! Ungezogener Junge! Wenn du wieder so was sagst, spreche ich anders mit dir! Willst du aufhören mit deinem Weinen? Schnell, oder du mußt ins Haus! Papa lügt nicht. Wenn Papa etwas sagt, ist es so, ist es so, versteht ihr?" Die Kinde? nickten eingeschüchtert. Und einen Augenblick später spielten sie zusammen, etwas weiter entfernt. Der Papa saß still auf der Bank, das Kinn auf den kupfernen Knopf des Stockes gestützt. Leise begann Wim zuerst: Er hat mir 'nen Klaps gegeben. Aber wir haben sie doch gesehn." Ja, wir habe sie gesehn," sagte Mies bestimmt. Sie hatte 'ne Jacke

an.

Und 'n weißen Schleier." Und 'n Herr saß bei ihr 'n Herr mit'm großen Schnurrbart." Und sie trug ihre rothen Ohrrin-

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Dann ist sie auch nicht todt," sagte Wim. Wenn du todt bist, kannst du nicht in 'ner Kutsche sitzen." Das weißt du nicht." Nein, das geht nicht," behauptete Wim, der jünger, aber im Denken voraus war. Wenn du todt bist, liegst du still und kannst nicht in 'ner Kutsche sitzen." Ich wüßte nicht, warum." Na. dann werd ich dir's zeigen,, sagte Wim. indem er auf den Knien nach einem Baume kroch und lauert:. Sein Händchen fuhr flink an der: Stamm entlang und erhäschte eine Fliege. Sieh mal," erklärte er, .siehst du, wie sie sich bewegt? Siehst du's? Nun lebt se." Er drückte das Händchen zusammen, öffnete es dann, und indem er nach dem bewegungslosen, plattgedrückten Thierchen mit den geknickten Flügelchen schaute: .Und nun ist se todt, nun bewegt sie sich nicht mehr. Siehst du wohl?" .Aber 'n Menschen kannst du doch nicht so drücken," meinte Mies voll Weisheit. .Wenn du es nur fest genug thust," versicherte Wim, .dann wirst du's schon sehen! Und wie kannst du dann, wenn du todt bist, in 'ner Kutsche sttzen? Erlügt." Das darsst du nicht sagen." Dann darf er auch nicht lügen." Papa lügt nicht." sagte Mies scheu. Nu. und ich hab sie gesehen." Während des Spielens waren sie hinter das Wäldchen gerathen, auf einen andern Weg. Eine Dame, die vorbeiging, kniete plötzlich nieder, nahm Mies in ihre Arme, dann Wim. küßte sie und sagte nichts. O Mama. Mama!" frohlockte Mies, in die Hände schlagend. Papa hat gesagt " .Wo ist Papa?" fragte die Dame erschrocken. Hinter dem Waldchen." ' Sprecht dann leise, ganz leise hört ihr?" Wieder küßte sie die beiden Kinder mit großer Leidenschaft.' O Mama," begann Mies. Nicht sprechen! Sst! Nicht sprechen!" , Papa hat gesagt " ' Sst! Sst! Sei still, lieber Wim! O, wie bin ich froh! Wie bin ich froh! Gott, was für ein Zufall! Nicht sprechen! Sst. leise! Kinder. gebt mir nur Küsse! Zehntausend Küsse ! Nicht sprechen! Sonst hört es Papa! Ihr Lieben! Ihr Engel! Ihr Herzchen! Wer zieht euch en?" Das Fräulein." Denkt ihr oft an mich? Oft? Sehr oft? Wie groß du wirst, Wim! Wie groß du wirst! Sst! Sst! Nicht sprechen." Gehst du nicht zum Papa?" O nein; Sst! Welch ein Zufall! Ihr lieben, lieben Herzchen! Ihr dürft Papa nicht sagen, daß ihr mich gesehen habt, hört ihr? Ja nicht sagen! Hört ihr? Dann komme ich morgen wieder hinter das Wäldchen. Werdet ihr's thun? Werdet

i ihr? Liebst du mich noch, Wim,

liebst du mich?"

Und wie!" Wirst du mich immer lieb behalten.

immer?"

Immer." Leise leise! Nicht so laut sprechen! Werdet ihr vor allen

Dingen nicht sagen, daß ihr mich gesehen habt? Gewiß nicht? Gewiß

nicht? -Wenn ihr es sagtet!

Wenn ihr es sagiet! Wie seht ihr nett aus Herzblättchen! Liebling! Meine Wonne!"

Und sie bedeckte wie im Fieber die beiden Kindergesichter mit ihren Küssen. Bist du todt, Muma?" fragte Mies athemholend. O nein! O nein! DaS siehst du doch wohl! Wer hat dir das gesagt?

Wer hat dir das gesagt?"

Die Kieselsteine hinter dem Waldchen knirschten, und eine Stimme rief: .Miesji, Wim! Kommt her! Nicht so weit spielen! Wo seid ihr?" .Schnell fort, fort, fort," sagte die Dame, und nichts sagen! Kein Wort, hört! Und morgen wieder hier Sst! Sst!Sie selbst schob die Kinder fort. Weiß wie eine Todte lief sie den Weg zurück. Er saß auf der Bank und schaute

nach den Kindern, die nicht mehr spielten. Sie saßen jetzt dicht bei einander, die Köpfchen dem Wäldchen zugekehrt. Und sie sprachen nicht, waren ganz still. Der Klaps, in der Aufregung gegeben, reute ihn. Freundlich stand er auf, nahm Wim auf sein Knie und streichelte ihn. Bist du mein lieber Junge?" Ja, Papa." ; Und liebst du n:ich?" Ja. Papa." Still saß er da, mit dem Kinde auf dem Knie, beunruhigt darüber, daß sie wieder in der Stadt war, sie. Um etwas zu erfahren, begann er vorsichtig zu sondiren Ihr dummen Kinder, wie kamt ihr darauf daß eure Mama . . . Wer sah sie zuerst, du oder Mies?" Sie schwiegen und blickten einander verlegen in die Augen. Nun?" Ich," sagte Mies. Und wie sah sie aus?" fragteer lachend, ungläubig. Das weiß ich nicht. sagte Mies, auf die. Erde blickend. Und du. Wim?" Ich hab .sie gar nicht gesehen," antwortete Wim. Und warum hast du dann so gelogen?" , ' ' . O, das habe ich man so gesagt." Eine Unruhe befiel ihn. Wo sahst du den Wagen?" Bei uns in der Straße." erwiderte rj1 "- ' "

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Mtes verlesen und sah lhn nicht an.

Wie wat sie gekleidet?" Das weiß ich .nicht," sagte sie, fast

dem Weinen nahe.

Ich werde nicht böse dummes

Mädchen, sage nur alles."

Ich hab se mcht gesehn, meinte

Mies. .Ich hab se nicht gesehn!"

Er suhlte, daß die Kinder logen,

daß sie etwas gesagt haben mußte, und

in zärtlicher Rührung legte er seme Hände um Wims Kopf, daß er ihm voll in die Augen blicken konnte.

Hast du Mama gesehn, Wim?" Nein." Du lügst." ! Nein. Ich hab se nicht gesehn. Sieh mich an! Wo hast du dine Mama gesehn?" Nirgends." Und sie hatte 'ne neue Jacke an und 'n weißen Schleier?" Ich hab se nicht gesehn." behauptete der kleine Bursche voll Eigensinn,' mit der unwahren Stimme geängstigter Kinder. Auf eine Ausflucht sich besinnend, schaute er plötzlich heller zu dem Vater auf: Se is doch todt!" Nein." fiel der Mann wüthend ein. Aber bald." .Nein! Nein!" Und voll Zorn schüttelte er das Kind. Wo hast du sie gesehn?" Ich hab se nicht gesehn!" Sie spielten wieder, still Msternd. in einiger Entfernung von ihm. r zeichnete Figuren in den Sand zu seinen Füßen. Das Fräulein kam zurück. Er sprach sie zornig an: Ich habe Ihnen gesagt, daß die Kinder mit niemand sprechen dürfen, hauptsächlich nicht mit der Dame, deren Bild Sie gesehen haben. Sie achten doch darauf. nicht wahr?" Natürlich, gnädiger Herr." Und wenn sie Sie fragen nach ihrer Mama " Dann sage ich. daß sie todt ist." Todt haben Sie mich verstanden?" Sie wissen es nicht anders, gnädi ger Herr. Jeden Abend beten sie für ihre todte Mama." Gut." sagte er kurz und ging weiter einsam... Vom Tanzen. Der gewissenhafte Arzt wird dem Tanzen nur das Wort reden, wenn gewisse hygienische Forderungen dabei beachtet werden. Denn wie es eine Hygiene des Radfahrens. des Ruderns. des Turnens giebt, so kennen. wir auch eine Hygiene des Tanzens. Das heißt: nur Wenige kennen sie Und doch ist es so wichtig, hygienisch" zu tanzen. Wir wollen nicht zu entscheiden suchen, welcher Tanz unserer Gesundheit am meisten zusagt, ob dasMenuett unserer Großväter oder der Eontre von heute, ob Walzer, Mazurka oder die hypermoderne Washington--Post ein Jeder von uns hat seinen. Lieblingstanz so gut wie seine Lieblinosspeise. Lassen wir also Jeden nach seiner Tanzfacon selig werden! Wie aber sollen wir tanzen? Das hängt in erster Linie von dem Gesundheitszustand ab, von dem, wasman gewöhnlich als Konstitution bezeichnet. Schwächliche Personen mit geringem Athmunsvermögen, zumal, mit chronischen Erkrankungen des Herzens und der Athmungsorgane. auch bleichsüchtige junge Mädchen sollten entweder gar nicht oder nur so viel tanzen, wie sie vor ihrem Arzt verantWorten können. Leider findet man häufig, daß gerade brustkranke Personen, die sich so gern über den Ernst ihres Leidens täuschen und täuschen lassen, dem Tanzsport in übertriebener Weise huldigen. Gleichviel aber, ob man gesund ist oder nicht, stets soll man den einzelnen Tanz unterbrechen, sobald sich stärkeres Herzklopfen und Schwindelgefühl einstellen. Vor Allein der erste Rundtanz darf nie zu lange ausgedehnt werden. Die Kleidung soll bequem sein, so daß die Bewegungen des Körpers, zumal die Ausdehnung des Brustkorbes, in keiner Weise behindert; das Schuhzeug soll niedrige Hacken haben, um dem Fuß die nöthige Sicherheit zu geben. Leider werden diese Forderungen, so. selbstverständlich sie klingen, aus Eitclkeitsrücksichten häufig vernachlässigt. Was so, der launischen Mode zuliebe, gesündigt wird, soll gewöhnlich auf

anderem Wege wiever guigemacyt werden. 'Es heißt immer, man solle während des Tanzens nichts Kaltes trinken. Ein Schluck Bier. Selterswasser, Limonade ist unbedingt zu gestatten, vorausgesetzt, daß man nach dem Trinken weitertanzt. Die gesteigerte Wasseraögabe von der Körperoberfläche aus wir nennen das prosaisch schwitzen" hat ganz naturgemäß eine Austrocknung der Körpergewebe zur Folge, die sich in einem mehr oder minder lebhaften Durstgefühl äußert. Es ist demnach eine Art regulirenden Naturgesetzes, welches uns trinken heißt. Freilich Alles mit Maß und Ziel! Man trinke stets nur schluckweise und achte darauf, daß das Erfrischungsgetränk nicht allfu eisig sei. Daß man den Ballsaal nur in abgekübltem Zustande und in wärmende Hüllen gekleidet verlassen soll, braucht wohl kaum besonders betont zu werden. Und doch, wie oft wird auch dagegen gefehlt! Gerade zum Schluß stürzen sich die Paare mit doppeltem Eifer in die tollen, zügellosen Wogen fces sogenannten Rausschmeißens. Man mache sich unter allen Umständen ?.um Grundsatz, kurz vor dem Verlassen des Tanzsaals überhaupt nicht zu tanzen.

Auch ein Beweis. Sie, Herr Wirth, das soll ,ein Vöslauer Wein sein?" Lächerlich, leine Spur von Vöslauer!" Na, na. den Wein haben schon ganz andere Leute, wie Sit smd, für Vöslauer getrunken!" .

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