Indiana Tribüne, Volume 24, Number 175, Indianapolis, Marion County, 13 March 1901 — Page 7

Jndiana TMune. 13. März 15J0L

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(Forlfctzung.) Ävzr noch einmal drehte er sich um, nachdem er schon ein paar Schritte ge tban, und winkte mit einem halblJUt:n: Krusel den Obermatrosen a. D. zu sich heran. Kruse, Ihr seid ein vernünftiger Mensch und wißt, daß ich was auf Euch halte! Und nun macht mir keine Dummheiten! Laßt Euch mit dem Herrn da weiter nicht ein, er ist ein nervöser Mensch und eigentlich mehr .zur Kur hier, als um zu malen. Malen? fragte Hinnerk Kruse mit stark sarkastischer Betonung. Ist ja 'man all bloß Schn?indel wegen des Mädels! Baumeister ist er! Na, "da haben wir's ja! warf der Varon ärgerlich ein. Hört einmal, ich will Euch mal was sagen, Kruse: Herr Waldern ist Baumeister, das ist rich 1ig; aber nicht so ein gewöhnlicher, sondern ein Architekt, einer, der dabei Künstler ist versteht Ihr mich? ?der hauptsächlich Paläste und DenkMäler baut, wißt Ihr. so eins wie 'Eure Kameraden vom Eber" ur.d vom Matroß" im Berliner Jnvali'denpark bekommen haben, als der sichiffbruch auf Samoa war versteht Ihr mich, Kruse? schrie er durch den wieder von neuem heftig einsetzenden Regensturm dem mit gesenktemBliöe nachdenklich vor ihm siehenden Manne zu. Na. und das könnt Ihr Euch nur merken, fuhe er 'dann fort, als Kruse ihn -zet mit einem ganz eigenthümlichen Nicken ansah, Leute, die so was machen, die sind auch Maler, müssen malen, das derlangt ihre Kunst, sonst bringen sie eZ ' zu nichts! So, und nun Gott U johlen!

Er hatte das Seinige redlich getb'n und wollte gehen. Aber da hielt ihn zu seinem Erstaunen Kruse am Ueberzieher zurück und sagte: Bitte, Herr Saion, Sie wollen damit doch nicht 1'agzn. daß solch ein Archetekt". oder wie Sie ihn nennen, auch Mädels malen muß. um seine Denkmäler zu machen? Er sah den Baron mißtrauisch, fast lauernd an und dieser entgegnete unwirsch: Ei, zum Henker, Ihr seid ei'fersüchtig, und das ist 'ne ganz verdämmte Narretei von Euch! Im übrigen macht, was Ihr wollt! Ich habe weiter keine Lust, mich um Eure Dummheiten beiderseits .noch groß zu kümmern! Und wieder drehte er sich um und wollto fortgehen. Aber wieder griff Hinnerk Kruse nach dem Mantel. Als ihm der Baron verwundert in's Gesicht sah. nahm er wahr, daß die sonst darauf liegende Gelassenheit und Bewegungslosigkeit einer unruhevollen, erregten Spannung gewichen war. Witte. Herr Baron, meine Frage! Muß solch ein Archetekt auch Mädels .malen ?. hm Mädels, die muß er das? Zum Teufel, nein! Jetzt wird mir die Sache zu bunt und -ich Wie vom Sturme hergeweht standen plötzlich vor den beiden ganz mit sich selber Beschäftigten zwei Männer. Der eine, mit dem braunen, von einem ei-grauen Halsbarte" umrahmten verwitterten Gesichte und dem lahmen Leine, war der Vater Hinnerk Kruse-; der andere, im wasserdichten langen Loden-Havelock. der Landarzt der Geigend, der seit Beginn der Saison des neugegründeten Seebades seinen Wohnsitz im Dorfe Santien aufge.schlagen hatte. Da sünd wi. Jung, sagte der Alte. ','n Da g ook. Harr Baraun Un nu man fizing ! Sei hcöbn all ehr schon wedder dellegrapheert! Machen Sie, daß. Sie hineinkammen ins Trockene, Herr Baron, saite

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5.i und für Sie im Grünte euch r.ü:, lri:ir.:nte der Cemahni;. ja, ab. '7 ick? r.iuß und Sie mü nix'U Das ist ber Unterschied! Der V-i" f? "'"'s 7k ,1 's b'rrr Qri"; l0fcjVj. V.li.ll Vlj fe.l V""!'- ""r rJs;'"'S ,T-V'fs"7 I n , j.L.l,Ci (jl'.C. iOAj ..A . glückt und fein Assistent Quf Landurlaub; da muß ich eb:n 'ran. So?! DaZ ware.i also die Flaz(nignat! ! Harr Dokter! schrie der Kruft 'curch die hohle Hand vom Boot: hir, in w:lch:m er mit Waldern bereitGlatz genommen hatte, während der jung: K"se auf den Arzt wartete, um tos Boot dann mit kräftigem Schub: 7'n's Wasser zu bringen. Harr Dotier, .kumm'n Se, wi mötin maken. dat wi to Water kamen! Also aus Wiedersehen! rief der Arzt dem Baron Larnoio zu. schüttelte ihm sllich!iz die Hand und bezab sich, schräg seitwärts gegen den Wind an kämpftnd. zum Boot:. Xsn diesem hatte sich soeben hinter dem Steucrkasten" der alte Kruse niedergelassen, dem eö als dem ältesten und erfahrensten zukam, das Steuerrüder zu führen. Zuvörderst indeß stieß er, gleich seinem Sohn, eine lange Stange mit einer Eisengabelung unten fest in den Grund, um das Fahrzeug erst flott zu bekommen. Auf der Querbank zunächst dem Steuerkästen nahm jetzt der Doktor Platz. 'Sezg moal. oll Krusen,, schall ick oo! 'n Neemen (Riemen, Ruder) inleqgen? sraste er den Alten, als das Boot trotz der gemeinschaftlichen Anstrengung der beidey.Süiksu von du, keravltür-

menden Wellen schon nach dem ersten Nucke vorwärts wieder auf den Uferkies zurückgeworfen wurde. Der Alte schüttelte den Kopf, und 'Hinnerk. der vorn im Boote mit cespreizten Beinen quer auf zwei Ruderbänken stand und mit vollster Körperfrucht seine Zackenstange in die dumpf krachenden großen Kieselsteine rannte.

rief mit unverkennbarer Schadenfremde im Tone herüber: Lassen' man, Herr Doktor! Der Herr Maler da hat ja so groß: Lust dazu! Herr Wabern zuckte unmerklich zu. 'sammen. als er das vernahm. Aber er biß die Zahne zusammen und gab keine Antwort. Der Mensch wollt: mit ihm Händel anfangen, wegen des Mädchens! Alle Teufel! Stillhalten zu müssen, wenn man so herausgefordert wird, nicht losbrechen zu können, weil der Provokant nicht satisfaktionsfähig 'ist! Hätte Lust. Dich zu züchtigen, mein Bursche, daß Dir das An-ulken vergehen sollte! dachteer in heller Wuth. Aber er dachte es nur. Denn das sah er klar: der da war nicht zu ..züchtigen"! Und am allerwenigsten ging das hier an. auf dem Wasser. Außerdem, er konnte .sich doch nicht in eine Prügelei mit so elnem Dorftölpel" einlassen! Und eine Prügelei würde es geben, eben weil dieser breitschultrige und höchst

selbstbewußte Mensch eine Züchtigung sicher nicht ruhig hinnehmen würde! Wetter nicht noch mal! Der Bursche hatte es ja direkt darauf abgesehen, daß er, Waldern, sich hinreißen ließ! Da galt es also doppelt, seine Selbstbeherrschung und damit die geistig: Ueöerlegenlzeit zu wahren.... sonst oab es am Ende doch noch ein Unglück! Eine Sekunde nur hatte es gedauert, daß Herrn Waldern diese Erwägung?n durch den 5t'opf scboffen. Dann hatte er den in ihm aufbegehrenden Zorn wenigstens äußerlich überwunden. Er that so. als hab: er gar nicht gehört, daß Hinnerk irgendtwas in Bezug auf ihn gesagt hab:, üls griffe er jetzt vielmehr ganz aus freien Stücken nach dem zunächst liegenden Ruder. Er stieß es mit vollste? Anspannung aller Kräfte in den Meeresgrund, gleichzeitig mit den beiden Kruses eL gab einen kräftigen Ruck und das Boot schnellte unter der tereinten Anstrengung der drei Männer ein paar Fuß weit vorwärts, sodaß es mit seinem Vordertheil auf die gerade heranstürmende Welle zufflog. Diese hob es vollends auf ihren Rücken und wälzte sich dann murnnd unter ihm weg; das Boot war flott und schoß nun unter Hinnerk Kruses gewaltigen Ruderschlägen durch - die schäumende See, daß der weiße Gischt hoch über den Schnabel des Bugs .emporspritzte. Herr Wäldern setzte sich jetzt, und zwar so, daß er den jungen Äruse Auge in Auge vor sich hatte. Der .lachte ironisch in sich hinein, als er's 'sah; denn er ahnte nicht, daß dem Maler" das Gefährliche seiner 'Lage längst klar geworden war und er sich nicht etwa aus Städterdummheit" verkehrt herumgesttzt. sondern absichtlich die Richtung nach vorn genommen hat::, und zwar, obgleich ihm seh? wohl bekannt war. daß die Ruderführuna. auf diese W:ise besondere Geschicklichkeit und doppelten Krastufwand erfordere. Äbc? schon ver erste Ruderschlag W7,!derns belehrte den Schiffer eines bessern: der .Stadtkirl" hatte heute nicht zum ersten Male 'n Reemen in der Hand! Holl wiß (paß auf!), Hinnerk. murmelte er bei dieferWahrnehmung ein wenig betroffen in den hochgeschlagenkn Kragen seines OelBockes hinein, kann de Kirl roarn (rudern), denn kann he ook lich! (vielleicht) noch anner Mannswark! Und in der That. Waldern hielt sich im Kampfe gegen Wind und Wellen wacker genug für einen Stadtkirl". Es waren denn auch noch keine zehn Minuten vergangen, da wollte er dem von Groll erfüllten jungen Schiffer kein so verächtlicher und gering zu schätzender Gegner mehr dünken als vordem! Aber je respektabler er ihm als Mann wurde, desto stärker wühlte ihm der Groll in der Brust, desto grimmige: haßte er ihn. den er für den Vernichter seines Lebensglückes .ansah, desto fester glaubte er daran, daß ihn Waldern dieses Glückes beraubt habe. Die nächste Viertelstunde hindurch blieb alles still im Boote. Die Männn arbeiteten stumm gegen den Seegang an, der immer mächtiger heranbrauste und Wellenkopf auf Wellenköpf über das kleine Fahrzeug schienderte. sodaß die vier Insassen oft genug genöthigt waren, sich das trotz seilies geringen Salzgehaltes beißende Wasser aus den Augen zu wischen,um nur sehen zu können, wohin die Fahrt ging. So wüthend stürzten die sich rme Mauer nach Mauer vor dem Boot aufsteigenden Wogen über dasselbe hin, wenn sein Bug nach jedem Ruderschlage ruckweise dagegen schoß, daß Waldern in Kurzem bis aus die Haut durchnäßt war, obgleich der Regen inzwischen fast ganz aufgehört hatte. Es war eine höchst unbehaglicheSache! Kochend heiß war ihm von der Anstrengung, so heiß, daß er meinte.man müsse ihn dampfen sehen, und dabei schnitt ihm die Kälte des Sturmwindes durch die nassen Kleider mit Messuschärfe bis auf die Knochen! War er doch der einzige im Boote, der nicht durch Oel-Rock. Südwester und Thranstkefel geschützt war, oder wenigstenL wie der Doktor durch einen was-

serdichten RegenmJNtel, in selbst die Füße bedeckte! Aber so. in seiner leichten Sommerfrischler" - Kleidung! Verdammt! Der Fischer-Tolpel da hatte nur allzu recht, wenn e? bei dem Anblick seines wie eine gebadete Katze nassen Gegenübers höhnisch dieMund Winkel verzog! Aber er sollte nicht noch mehr Grund haben, über den seinen Städter zu höhnen! Und ob Herrn Waldern auch schier das Mark in den Knochen erstarren wollte, ob auch seine Handflächen bereits ansingen, sich mit wüthend schringenden" Blasen zu bedecken denn g:gen eine so harte Kühle" und einen so schweren Seegang aufzurudern", und noch dazu anders 'rum sitzend", das erforderte doch beträchtlich mehr, als Waldern anfangs geglaubt hatte! er ließ sich nichts davon anmerken, wie ihm zu Muthe war, sondern biß die Zähne aufeinander, um durch kein unwillkürliches Zeichen von Schwäche oder auch nur Unbehagen seinem Feinde Gelegenheit zum Triumph zu geben! Ja seinem Feinde! Denn so lächerlich es ihm auch vorkommen wollte, solch einem gewöhnlichen Burschen die Ehre der Feindschaft anzuthun", er konnte es sich doch nicht

leugnen: eS war eine Feindschaft auch.

m iym emporgewuchert, die er vergeblich durch die Erinnerung an die so

verschiedenartige oeiderseitige Lebensstellung und Bildung zur Geringschätzung herabzustimmen suchte. Er konnte den Mann nicht mit verächtlichem Achselzucken lausen lassen", er kcnnte ihn nicht verachten er mußte ihn hassen, hassen, wie man einen Feind haßt. Und er schoß dabei, unvorsichtig genug, einen Blick ehrlichsten Hasses ge-

gen den Menschen, der ihm eine so lä-

cherllche Feindschaft ohne Grund und Zweck aufgezwungen hatte; jawohl, es war nicht anders: aufgezwungen durch die nicht abzustreitende Macht oder doch wenigstens Wucht seiner Persön-

lichkeit! Herrgott, welch ein Wahn-

sinn, mit einem Menschen in Femdschaft leben zu müssen, dem man nichts

gethan, dem man nur der Gegenstand

ist. an welchem er seine eifersüchtige

Wuth auslassen kann' Denn so allem

war das zu erklären. Der Bursche

würde sich doch am Ende nicht allen

Ernstes einbilden, er, der von den vornehmsten Damen Berlins gesellschaft-

lich geradezu verwohnte Preis-Archi-

tekt" Robert Waldern. habe sich in Wahrheit um die Gunst einer Rüaener

jFischerin bemüht, und sei es auch nur

episodisch, nur pou? la saison"?

Auf einmal fühlte Waldern, wie ihm der Herzschlag stockte und dann

aleich darauf der Puls förmlich zu ja

gen, das Herz zu hämmern begann

ein Gedanke war ihm aufgetaucht, ein

Gedanke! Der Mensch wenn er

nun wirklich glaubte, in ihm einen be-

günstigten Nebenbuhler zu sehen, er

wurde doch nicht etwa. . . . ?

Es sträubte sich etwas in Waldern

den entsetzlichen Gedanken auszuden

,ken. Aber so oft er ihn auch abwies

und als lächerlichen Wahnsinn" ver-

warf, immer und immer wieder kehrte

er ihm zurück, und immer weniger un-

möglich, immer glaublicher erschien es

ifcm, daß er dann einen Gegner vor

vsich habe, der sich gewiß nicht darauf

beschranken wurde, halbe Arbeit zu machen, einen gewaltthätigen Mann aus dem Volke, der, wenn er einen Ne-

benöuhler in ihm sah, sicher danach

trachten wurde, sich dieses Neoenbuh

lers auch zu entledigen! Darum

also hatte der Kerl vorhin amStrande

so hohnisch, so verruckt hohnisch aufge

lacht, als er. Waldern. zum Baron ge-

sagt, er werde mitfahren und wenn er

mit dem Teusel selber fahren mußte!

Das Haar wollte sich dem jungen

Manne sträuben, als er sich gerade m

diesem Augenblick erinnerte, wie erst neulich imStrandhotel davon die Rede

gewesen, daß ein Mönkguter Fischer

gesanglich eingezogen war, weu er seinen Nebenbuhler Abends beim Netzeeinziehen in einem Ningkampfe, im schwankenden Voote, auf einsamerS?e, überwältigt und den Unglücklichen in die Fluthen geschleudert hatte. Ah bah! - Schließlich gehörten denn doch immer zwei dazu; einer, der überwältigt, und einer, der sich überwaltigen läßt! Er sollte es nur Probiren! Waldern wollte seinenMann schon stehen! Und außerdem, er war ja nicht allein mit ihm an Bord. Monsieur Hinnerk würde sich ja wohl hüten! Und dennoch wollte sich der Gedanke nicht mehr verscheuchen lassen. Auch da nicht, als Waldern einen Blick hinüber that zu feinem Feinde und gewahrte, daß der gleichsam in vollster Gemüthsruhe dasaß aus seiner Ruderdank und lediglich Augen und Ohren für das Sturmwetter wie den Gang des Fahrzeuges zu haben schien. Aber -.freilich, es that auch Noth, daß man alle Geistes- und Körperkräfte ausschließlich dem Boote zuwandte! Bald auf der Spitze eines Wellenberges schwebend, bald wieder so tief in einem Wogenthale steckend, daß die Wasserberge den Ausblick sowohl nach dem iKriegsschiffe wie nach dem Strande verwehrten, so kämpfte sich das Fahrzeug dank der mächtigen Anstrengung der beiden jungen Männer durch,' die ihrem Groll gegen einander jetzt unwillkürlich in einer schier übermäßigen Arbeit mit dem Ruder Luft machten. Jetzt befand sich das Boot ungefähr in der Mitte zwischen Land und Kriegsschiff. Plötzlich fuhr eine neue Bö daher, rasender noch als alle die anderen ihr voraufgegangenen. Zuerst verspürte man im Boote den scbneidcnd kalt

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über die Flutyen herpseisenden Wind, dann hinterher erst die dumpf ankrachenden Stöe der von der Bö mit furchtbarer Wucht g;gen den Bug des Fahrzeuges geschleuderten Wassermassen. In dem Heulen und Brausen, dann Toben, Zischen und Sprühen ringsum vermocht: Waldern jetzt seiner Sinne kaum mehr Herr zu bleiben. Der völligen Erschöpfung nahe, schloß er für einen Moment die brennenden Augen. Aber da hörte er durch

das Getöse von Wind und Wellen den

alten Kruse heruberbrullen:

Paß upp, Hinnerk, dor kümmt 'ne

See! Und in derselben Sekunde, alsWal

dern die Augen wieder aufriß, gewahrte er 'dicht vor sich das in wilder

Freude zuckende Gesicht seines Geg-

ners; Hinnerk hatte sich, um besonders

kraftvoll mit den Rudern auszuholen, weit vorgebeugt, wobei er den erschöpf-

ten Zustand Walderns triumpchirend

gewahr wurde,und gab jetzt dem Boote

einen machtigen Ruck aber nach der verkehrten Seite! Undo brachte denn

die heranrollende riesige Woge, der

das Boot hatte die Spitze bieten sollen,

dasselbe fast zum Kentern, indem sie

sich, wie ein rasendes Thier schau

mend, längsseits darüber herstürzte!

Bei dem furchtbaren Anprall wurde

der Doktor, ehe noch fernem Munde

ein Schreckensruf entfahren konnte.

von der Bank geschleudert Hinnerk

packte ihn mit nerviger Faust, so daß er nicht über Bord ging , während

Herrn Waldern die bisher krampfhaft

in den erstarrten Handen gehaltenen

Ruder von der brüllenden See entris-

sen wurden und er selber durch den

Stoß von Sitze geworfen und auf die

Bortkante des Fahrzeuges gedruckt

wurde für einen Moment war seine Gestalt unter dern sprühenden Gischt der zerstäubenden Welle völlig

verschwunden.

Als sich die Wasser verlaufen hatten

und Waldern, an allen Gliedern b bend, aber durch eigene Hilfe doch wie

der fest auf seinem Platze saß, trafen sich die Augen der beiden Gegner in

todtlich funkelndem Hasse. Wahrend

aber des Architekten Blick faqte: Elen

der! Das zahl ich dir heim! knirschte der Fischer in unterdrückter Wuth in

sich hinein: Verdammt! Mißgluckt!

Dunderwedder, kannst denn nich

mehr kieken! schne der alte Kruse sei

nen ungeschickten" Sohn an. Der aber brummte nur alsEntschuldigung, er habe die See" von der andern

Seite her vermuthet; auf dem Rücken

habe er keine Augen!

Bald danach schien es, als wollten Wind und Wasser etwas ruhiger wer-

den: wenigstens ging die zweite Halste

der Fahrt mit geringerer Anstrengung und ohne weiteres Mißgeschick von statten. Auf dem Kriegsschiffe stand man bereit, die tapfern Ankömmlinge eilends an Bord zu nehmen. Das Fallreep (die Strickleiter) hing schon außenbords in Lee kerab, und im Heck standen Leute bereit, den Männern im Boote eine lange Leine zuzuwerfen. Nach einigen vergeblichen Versuchen glückt? es den beiden Kruses, daö Boot bis unter daö Fallreep hinzuarbeiten, und während nun der Arzt mit Unterstützung des Alten aus dem vom Wogengange auf- und niedergefchleu derten Boote auf die unterste Sprosse der Strickleiter zu kommen trachtete, gab Hinnerk. der sich im Schweiße seines Angesichts abmühte, die Gefahr des Zerschellen5 am Stahlpanze? des Kriegsschiffes vom Boote abzuhalten, Herrn Waldern die Leine in die Hand, durch welche das Abtreiben des Boote verhindert wurde, und fugte dabei: Da halten Sie fest, bis d-r Doktor an Bord ist! Dann kommen Sie drani (Fortsetzung folgt.)

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