Indiana Tribüne, Volume 24, Number 174, Indianapolis, Marion County, 12 March 1901 — Page 1
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Di-rdciitt icbtn itadjmitluo unJ Sonntag Rlorgrns.
Jahrgang 24.
Indianapolis, Ind.. TKnstag. den 12. Mär; 1901.
Die Lage in Wna. Nuhlattd droht ttlit sckzärfercn Maßregeln, Wenn China nicht die ihm aüszedrungcne Ncrcinbaruug unterzeichnet. China, ganz Ijiilflos, nppcllirt nn b't Nächte. lDer'5drieg in Süd-Afrika. Die Äculcnxest verbreitet sich in Kap' stadt.
Tcutschlaiids Kslonialpolitik
Im Ncichstag heftig angegriffen.
Arbeitcr-llnruhcu in panien.
Nachrichtcu von bei! Philippinen.
Aus China. P t k i n g , 12. März. Die Kom.'vagnien A und V vom 9. Ver. Etaaten Infanterieregiment sind bedach.richtizt worden, daß sie in China blei.ben werden. Major Rsb:rtson wird wahrscheinlich das Kommando über die Seiden Kompagnien erhalten. Viele hiesige Amerikaner drängen ihre Gesandtschaft, ihren Einfluß aufzubieten, daß wenigstens zwei Feldgeschütze mit der nöthigen Mannschaft hier gelassen werden. Sie sagen, daß während der Belagerung zwei solche Zeschütze größeren Werth als zweihundert bewaffnete Männer gehabt haben würden, und es nicht ausgeschlosser X, ?aß man ihrer wieder einmal dringend bedürftig sein würd:. Die Deutschen berichten, daß in dem kürzlich bei ao Tinz Fu stattgefundenen Gefecht 250 Chinesen getödtet und die? Magazin-Geschütze erobert wurden. Die Deutschen erlitten keine Verluste. L o n d o n . 12. März. Die Times :nthäl! die folgende Depesche aus Shanghai, CC!N 11. März datirt: Aus zuverlässiger Quelle wird berichtet, Nußland ,habe China benachrichtigt. daß wenn die Vereinbarung betreffs der Mandschurei nicht bis zu einem gewissen Tag unterzeichnet sei. Nußland den Vertrag zurückziehen und härtere Bedingungen stellen werde. Li Hung Chang erklärt, nicht im Stande zu sein. Widerstand zu leisten und er at sich an England, Deutschland und Japan gewandt, mit der Bitte. zuGunsten China's zu interveniren." Die Lage in Südafrika. Bloemfontein, 11. März. General De Wet rückt schnell in nördlicher Richtung vor und legt täglich unefähr 25 Meilen zurück. Er dürfte sich jetzt ungefähr westlich von Kroonsiadt befinden und wird wahrscheinlich versuchen, in der Nähe dieser Stadt die Eisenbahn zu kreuzen. Der südöstliche Theil des Qranjesiaates befindet sich im Besitz mehrerer kleiner Berenkommandos und die britischen Garnisonen von ce WetZdorp. Wevener, Sinithfield und Bouxville. die zu isolirt waren, sind zurückgezogen worden. Es ist eine nicht zu unterschätzende Thatsache, daß viele der ehemaligen Gegner der Briten in Südafrika offen zu den letz:eren übergegangen sind. In Brandfort, Kroonstadt und Bloemfontein haben die Bürger Kompagnien gebildet, die allerdings nicht die Absicht haben, gegen ihre früheren Kameraden zu kämpfen, aber entschlossen sind, ihr .Besitzthum gegen marodirende Banden ,Zu beschützen. Jede Stadt im QranjcStaat, die von ton- Briten besetzt ist, 'wird bald das Centrum britischen Einflues sein, der sich nach allen Richtungen erstreckt. Mehr als 13.000 Flüchtlinge befin den sich jetzt innerhalb der britischen Li?iien und viele von ihnen suchen um die Erlaubniß nach, sich den britischen Truppen anschließen zu dürfen. Wenn Ihrem Verlangen nachgegeben wiro, können leicht 2000 Bürger in das liu iische Heer eingereiht werden. K a p st a d t. 12. März. Zwei KapAoeren, die schuldig befunden worden waren, einen Eisenbahnzug bei Traibosh zum Entgleisen gebracht zu haben, sind von einem Kriegsgericht zum Tode Derurtheilt worden. Andere. Mitschuldige. sind zu Gefängnißstrafen von verschiedener Länge verurtheilt worden. Lourenzo Marauez, 12. März. General Botha ist willens, sich zu ergeben. Er hat um den Waffenstillstand nachgesucht, um sich mit General De Wet und dem früheren Präsidenien Steyn in Verbindung setzen
zu isnnen. Wenn iz ltch auch weigern ! sollten, wird sich Gen. Votha wahr- ! sckeinlick dock eraeben. Die Boeren
i haben weder Artillerie noch Munition
und vergraben alle ihre Gewehre. Die Eisenbahn von Lourenzo Marquez bis nach Pretoria ist jetzt frei von aller Belästigung seitens der Boeren. K a p st a d t . 12. März. Die Veulenpest verbreitet sich jetzt seh? schnell in Kaviiadt. - Am Montaa sind allein so neue Erkrankungen angemeldet worden und 97 endere Personen, du mit ihnen in L:?rührunz gekommen waren, wurden rsolirt. Zwei Farbige starben während des Tages auf der Straße und ein Europäer starb auf dem Transport nach dem Hospital. Die Krankheit ergreift jetzt auch die bessere Klasse und es war nöthig, am Sonntag die ganze Familie eines wohlhabenden Engländers ins Hospital zu schaffen. Am Dienstag werden mehrere Tausend Kaffern von der Stadt nach einemLager außerhalb derselben gebracht werden. 5 ) n d o n , 12. März. Eine Depesche der Times" aus Bloemfontein lautet: Boeren. die sich hier den britischen Behörden gestellt haben, sagen, daß der frühere Präsident Steyn kürzlich in Philippolis zugegeben habe, es sei keine Möglichkeit mehr vorhanden. das Land zurückzuerobern. Unruhen in Spanien. Barcelona. 12. März. StreikUnruhen sehr ernster Art haben in Manlleu. einer Stadt in Catalonien, 40 Meilen nord-nordöstlich von Barcelona. stattgefunden. Die Streiker griffen mehrere Fabriken an und brannten zwei davon nieder. Die Gendarmerie schritt dann ein und in dem Kampf, der sich bald entspann, wurden zwei Personen getödtet und viele, darunter der Bürgermeister, verwundet. Der Telegraph ist zwischen hier und Manlleu durchschnitten worden. Barcelona. 12. März. In Folge eines Streites mit ihren Arbeitern, die sich der Aufstellung neuer Maschinen widersetzten, haben die hiesigen Baumwollsp'inner ihre Fabriken geschlössen. 18.000 Arbeier kommen dadurch außer Beschäftigung. Es haben in Folge dessen bereits sehr ernste Ausschreitungen stattgefunden. Die Streiker haben Häuser in Brand gesteckt und mehrere Fabrikanten thätlich angcgriffen. Die Königin Wilhelmine bedroht. London. 12. März. Die St. James Gazette" behauptet, daß die rumanische Polizei Auftrag erhalten habe, in Jassy gewisse Personen im Auge Zu behalten, die an einer gegen die Königin Wilhelmine und ihren Gatten gerichtetcn Mordverschwörung betheiligt sein sollen. Die Information soll von der holländischen Polizei geliefert worden sein. Von den Philippinen. M a n i l a , 12. März. Der Prozeß gegen neun Eingeborene, die angeklagt waren, den Präsidenten von Calamba ermordet zu haben, weil er den Amerikanern freundlich gesinnt war. hat dargethan, wie die Insurgenten die Eingeborenen, selbst in den von den Amerikanern besetzten Gebieten, terrorisirt baden. Die Mitglieder einer geheimen Gescllszft. die sich ..Mandoducaten" nen-
nen. haben systematisch der amerikani-
schen Herrschaft freundlich gesinnte Filipinos entführt und ermordet. Die Mandoducaten von Calamba baben allein in zwei Monaten 49 Eingebore-, ne getödtet. Die Opfer werden in der Kegel lebendig begraben. Furcht veranlaßte die Leute, zu schweigen. Ein Offizier des Jnfurgenten-Generals Cailles organisirte die Mandoducaten in Calamba. Binang und anderen Städten in der Provinz Laguna und er leitete ihre Operationen.' DieAnführer wurden schließlich ver-, iaftet und prozessirt und viele Verdächtige wurden während der Untersuchung gefangen gehalten. Seitdem 'haben die Verschworenen wenig Lebenszeichen mehr von sich gegeben. Der Wahrspruch der Militär-Kom-Mission, vor der die Fälle zur VerHandlung kamen, ist noch nicht bekannt gemacht worden. W a s h i n g t o n . D. C.. 12. März. Die folgende Depesche ist soeben von General Mac Arthur von den Philipp!nen eingetroffen: General Marion de Dlos, vier Offiziere und 57 Mann, alle uniformirt und bewaffnet, haben sich ir. Naic ergeben. Es ist dies von großer Wichtigkeit und deutet den Zusammenbruch der Jasurrektion an. Das dortige Gebiet wurde bisher in der hartnäckigsten Weise vertheidigt. Die Zustände sind im ganzen Archipel sehr ermuthigend. Es werden fortwährend Insurgenten gefangen genommen und viele ergeben sich. Seit dem ersten Januar sind 3.169 Gewehre erbeutet oder ausgeliefert worden
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B o g ä! e p o w 's Befinden.
St. Petersburg. 12. März. In dem Befinden des Unterrichtsministers Bogalepow. der am 27.Febriiar von Peter Karpowich in den Hals geschössen wurde, ist eine Verschlimmerung eingetreten und man hegt jetzt die ernstlichsten Befürchtungen. Aus dem deutschenRerch. B e r l i n. 12. März. Der ReichsAnzeiger" vom Montag erklärt, daß in Folge der Verletzungen, die er in Vremen erlitten hat, der Kaiser bis auf weiteres das Zimmer hüten müsse und angesichts dessen die Enthüllung der drei neuen Gruppen in der Siegesallee, die am 22. März stattfinden sollte, wie auch die Enthüllung des Kaisers WilHelm Denkmals in Potsdam vorläufig aufgeschoben worden seien. Im Reichstag machte am Montag der sozialdemokratische Abgeordnete Bebel. bei der Berathung des Budgets für Ostafrika, mehrere sehr heftige Angriffe auf die KolonZaloerwaltunA Dr. Stübel. der Sekretär des Kolonial Amtes, gab in einer längeren Antwort zu. daß die Handelsverhältnisse in den Kolonien manches zu wünschen übrig ließen, er sagte aber, daß dies Hauptsächlich dem Mangel an genügenden Kommunikationsmitteln zuzuschreiben sei. Die Aufstände seien weder auf die Steuererhebungen noch auf die Hinrichtung von 19 Häuptlingen zurückzufüh ren, die unter den herrschenden Umstan den unbedingt nothwendig gewesen sei. Die Sklaverei sei kein gesetzlich anerkanntes Institut mehr. Die einzigen Sklaven, die noch existirten. seien die in der Sklaverei geborenen. Dr. Stübel beschloß seine Rede mit der Erklärung, daß der Hauptmann Kannenberg des mörderischen Angriffs schuldig befunden und zu drei Jahren Gefangenschaft und Entlassung aus dem Heere verurtheilt worden sei.' Hauptmann Kannenberg war angeklagt, sich in Deutsch-Osiafrika mehrerer grausamer Ausschreitungen schuldig gemacht zu haben. Er kam im April 1900 in Berlin an, um vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Herr Bebel wollte die Sprache auf die Begnadigung des zum Tode verur-, theilten Leutnants Prinz Prosper von Arenburg bringen, de? in Deutsch Sü)West Afrika einen Eingeborenen in brutcler Weise ermordet hatte, der Präsident des Hauses weigerte sich aber, Die Interpellation zu gestatten, da die Begnadigüng ein spezielles Privilegium des Kaisers sei. Der Prinz war bekanntlich zu 15jährigerFestunzshaft begnadigt worden. Herr Bebel sagte,' daß die Regierung bereits achtzig Millionen Mark in OstAfrika ausgegeben habe, und der Handel Deutschlands mit jenem Gebiet habe dabei beständig abgenommen. Im Jahre 1899 habe der ganze Handel nur den dritten Theil der Summe ausgemacht, die für die Kolonie ausgegeben wurde. Die , Ostasiatische Gesellschaft von Hamburg hat ein Schreiben an die Reichsregierunz gerichtet, in dem sie Vorschläge darüber macht, wie die Höhe der von China zu verlangenden Schadenersatz - Summen festgesetzt werden solle. Die. Gesellschaft verlangt, daß China nicht nur für den Verlust an Menschenleben und f-'ir zerstörtes Eigenthum bezahlen soll, sondern auch für den Verlust an Profiten, die ohne die Bozer - Unruhen gemacht worden wären. In dem Befinden des Kaisers WilHelm ist eine solcke Besserung eingetrcten. daß de? Kaiser am Morgen im Stande war. längere -Zeit in seinem Studirzimmer zuzubringen. : Der Kaiser wird den ' Crbgroßherzcg von Baden beauftragen, ihn bei der Beerdigung des Barons von StummHalberg zu vertreten. Die Kölnische Zeitung" versichert, daß die großen Eisen- und Stahlwerke
der Gebrüder Stumm, die an Ausdehnung und Bedeutung nur hinter den Krupp'schen Werken zurückstehen, in Uebereinstimmung mit den von dem Baron von Stumm-Halberg hinterlassenen Instruktionen in eine große Ak-tien-Gesellschaft umgewandelt werden sollen. Albert Holtz. ein Bankier von Areslau und Direktor in einer Anzahl größerer industrieller Kompagnien, ist mit Hinterlassung einer großen Schuldenlast geflüchtet. Di5 Polizei hat seine Bücher und Papiere mit Beschlag belegt und es sind bereits ganz bedeutende Unterschlagungen entdeckt worden. Dem Bundesrath ist eine Vorlage untcrbreitet worden, derzufolge der Gebrauch künstlicher Versllßungsmittel, wieSaccharin, verboten sein sollen, ausgenommen, wo sie aus Gefundheitsrücksichten angewendet werden. Alle künstlichen Versllßungsmittel sollen mit 30 Mark das Kilo besteuert we?den. Wüthende Tschechen. . Prag. 12., März. Herr Klofak, ein tschechischer Abgeordneter, hielt im Provittzial-Landtag eine Rede, in der er die Regierung und die jungtschechische Partey in überaus Scftm? Weise
angrizs. m oeyaupieie, daß die JungTschechen ihn und Herrn Fresl bei dem
Krawall nn Re:chsrath in Wien int Stich gelassen hätten. Er fügte hinzu, daß er und feine Partei nicht ruhen würden, bis sie das Reichs-Parlament ruinirt hätten. Furcht verein erVersch worung. Rio de Janeiro. 12. März. Wenn es auck offiziell in Abrede gestellt wird, daß eine monarchische Verschwörung entdeckt worden fei, deuten doch viele Umstände daraufhin, daß die Regierung sich auf alle möglichen Eventualitäten vorbereitet. Bedeutungsvoll ist es auf jeden Fall, daß der Kreuzer Almirante Barroso" nach Santos geschickt worden ist, angeblich um den Kreuzer Tamayo" abzulösen. Es scheint aber, daß die Regierung den Offizieren des Tamayo" nicht traut und den Kreuzer nach einem entlegenen Punkt schicken will, bis alle Gefahr eines Aufstandes vorüber ist. Es werden auch große Vorsichtsmaßregeln auf den anderen Kriegsschiffen ergriffen, und die Polizei- wie die Militärbehörden entwickeln große Rüh?igseit. Die Deroulede - BüffetAffaire. Brüssel. 12. März. Herr And?6 Büffet schreibt an seinen Sekundanten bei seinem bevorstehenden Duell mit Deroulede, daß er von Letzterem einen noch beleidigenderen Brief, wie :i:v. ersten, der zum Duell führte, erKulten habe. Obgleich er aus reliziosen Gründen gegen das Duell sei, bliebe ihm in diesem Falle doch nichts übrig, als sich zu schlagen. Mit dem Duell betrachte er die Sache aber noch nicht abgemacht und Deroulede würde seine gegen ihn gerichteten Behauptungen beweisen müssen, falls er nicht als infa mer Lügner dastehen wollte. . Schlechte Geschäfte. Marseille. 12. März. Die industrielle Lage ist hier jetzt sehr kritisch. Von 28 Seifenfabriken sind 2J geschlossen und die anderen haben fast gar nichts zu thun. Vom b r i t i s ch e n P a r l a m e n t. L o n d ö n. 12. März. Im Unterhaus wurde auf Antrag des Schatzämtskanzlers Sir Michael Hicks Beach ei Spezialkommittee ernannt, das üb? die neue Civilliste berathen soll. Sir Michael kündigte dabei an, daß eine h'öhe?e Civilliste ve?langt we?den würde, theilweise weil auch für den Hofstaat der Königin gesorgt werden müsse und theilweise weil der König Eduard nicht nur König von England sei. sondern auch an der Spitze eines großen Weltreichs stehe. Auf eine Interpellation betreffs der Kassirung des Generalmajors Colvill: antwortend, sagte der Kriegssekretär Herr St. John Broderick. daß General Colville entlassen worden sei, weil er sich unfähig erwiesen habe, ein Kommando zu führen. Er sprach ziemlich ausführlich über die Begebenheiten, die schließlich zu den drastischen Maßregeln gen Sir .Colville geführt haben. Beunruhigende Worte. London. 12. März. Die hiesige japanische Gesandtschaft hat eine Anzahl Depeschen aus Tokio erhalten, die auf die Bewegungen der Rusjen in der Mandschurei Bezug haben, der japanische Gesandte will aber nicht zugeben, daß seine Regierung wegen der veränderten Lage alarmirt ist. Er erklärt, daß Japan nicht glauben könne, daß iraend eine Macht, auch nicht Rußland,
unabhängig von dem Konzert der Mächte handeln würde. Er fügte hinzu. daß Japan ganz besonders Grund dazu haben würde, sich beleidigt zu fühlen, wenn die jetzt bestehende Harmonie durch ein individuelles Arrangement zwischen China und irgend einer
anderen Macht gestört werden wurde. Japan wird sein Möglichstes thun", fügte er hinzu, um eine friedliche Erledigunz aller Fragen in China herbeizuführen. Dies bedeutet aber nicht, daß wi? uns eine Ungerechtigkeit gefallen lassen werden. Japan ist heute nicht geneigt, zu glauben, daß Rußland du?ch eine geheime Abmachung mit China die Mächte herausfordern wird, und auch nicht, daß die Mächte eine solche Abmachung stillschweigend hinnehmen würden, eine Abmachung, die Japan sowohl wie die anderen Mächte sckwer schädigen würde.".
Telearaphische Notizen. In Muneie, Ind.. hat am Montag Fighting Bill" Jones. ein Schmied, seinen Miether James Herron im Streit um eine Kleinigkeit erschössen. Frau Carrie Nation ist gegen Bürgschaft aus dem Gefängniß in Topeka, Kas., entlassen worden. Sie be absichtigt, von jetzt an in Topeka zu wohnen.
lserilermMWWlili.
DerDampfkessel einer Wäschere! in Chicago explodirt. Das ganze Gebäude zerstört Zllld 8 Personen gctöötet und 42 verletzt. türme richten im Nordwesten großen Schaden au.
A?e Telcgravbenleitungen zwischen Chicago und St. Paul zerstört.
Weiteres über die Cyclone in Texas. Verderbliche Explosion. C h i c a g o , 12. März. Durch die Explosion eines Dampfkessels in der Wäscherei von A. L. Doremus, 483 West Madison Straße,' wurden am Montag Morgen 8 Personen auf der Stelle getödtet, 29 wurden verletzt und mehrere werden vermißt. Die U?sache de? Katast?ophe ließ sich bis jetzt noch nicht mit Bestimmtheit feststellen und wird dies voraussichtlich erst durch die offizielle Untersuchung geschehen können. Der Kessel war all, schon gebraucht, ehe er in dieser Wäsche?ei installi?t wu?de und nach den Büchern des Dampfkessel-Jnspektors seit über einem Jahre nicht mehr inspizirt. Bis zur Entscheidung des Co?one?s ist de? Besitze? de? Wäsche?ei vorläufig in Haft genommen und die Behörden beabsichtigen, kriminell gegen ihn vorzugehen, falls das Unglück auf seine Nachlässigkeit zurückgeführt werden kann. Die Zahl der Getodteten wi?d ve?schiedentlich von 6 bis 20 angegeben. Man weiß, daß von den Angestellten der Wäscherei 36 zur Zeit der Ezplosion in dem Gebäude waren, weil der automatische Registrir-Apparat, der in den Trümmern des Gebäudes gefunden wurde, diese Zahl zeigte. Mehrere Angestellte' betraten das Gebäude -au-ßerdem in dem Augenblick, als die Explosion erfolgte, so daß man die Zahl der Anwesenden auf etwa 40 schätzt. Die Liste der Verletzten enthält übrigens auch noch eine Anzahl Namen von Personen, welche in angrenzenden Gebäuden wohnten, welche alle mehr oder weniger beschädigt wurden. Nach mäßigste: Schätzung befinden sich noch 3 Personen todt oder, lebendig in den Trümmern und trotz dieser Thatfache würde das (puchen nach den Verunglückten am Nachmittag ganz plötzlich eingestellt. Der Grund zu diesem unerhörten Vorgehen war ein Disput zwischen den Feuerleuten und den Polizisten, welche sich gegenseitig die Rettungsarbeiten zuschieben wollten. .Die Feuerleute behaupteten, daß sie mit der Löschung des Feuers ihre Pflicht erfüllt hätten und sie verließen den Schauplatz, der Katastrophe. Die Polizisten behaupteten, daß cs nicht ihre Aufgabe sei, die Trümmer aufzuräumen uno nach den Verunglückten zu suchen, und da sich keine Freiwilligen zu dem Rettungswerke meldeten, so mußte dasselbe einqestellt werden. Die Sache wurde zur Kenntniß des Polizei-Jnspektors John D. Shea gebracht, in dessen Distrikt sich das Unglück ereignete, und nach seiner Ansicht war es die Pflicht der Feuerwehr, die Aufrämungsarbeiten
vorzunehmen. Chef Swenie vom Feuerdepartement gab zu, daß die Feuerleute die Rettungsarbeiten eingestellt hätten, aber erst, nachdem sie davon .benachrichtigt waren, daß sämmtliche Todte und Verletzte gefunden seien. Das Feuer sei vollständig gelöscht worden und mit der Bergung der Leichen und Rettung de? Ve?letzten sei die Aufgabe des Feuerdepa?tements erfüllt gewesen und die Feuerleute hätten die Unglücksstättc verlassen, da nichts mehr für sie zu thun gewesen wäre. Während die Polizisten und Feue?leute noch darüber stritten, ob sich noch Todte und Verletzte unter den Trümmern befänden oder nicht, sandte BauJnspekto? K?olba?sa einen Angestellten N die Agenten des Gebäudes, Gebr. Jackson, mit dem Auftrage, sofort die Mauern des Gebäudes niederzulegen und die Trümmer aufzuräumen. Dieser Befehl sollte innerhalb zweier Stunden zur Ausführung gelangen, widrigenfalls das Vauamt die Sache in die Hand nehmen würde. Letzte?? Eventualität wu?de indessen vermieden, indem die Agenten sofort eine Anzahl Arbeite? anstellten.. die mit den Auf?äumungsa?beiten begannen.- Da die Mauern des Gebäudes zuerst niedergelegt werden mußten, so mußte das Suchen nach den Getödteten oder Verletzten ' vorläufig unte?hlz.iben.- doch
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wird dasselbe voraussichMcy morgen wieder aufgenommen werden. Zu einer rüden Kontroverse kam es in der Morgue zwischen der Polizei und den Coronersbeamten. Kapitän John Nehm von de? Desplaines St?aße Station fo?de?te den Hilfs-Coroner Buckley auf. Herr Doremus in Haft zu nehmen, bis der Jnquest abgehalten sei. Der Hilfs-Coroner weigerte sich indessen. darauf einzugehen und sagte. daS sei Sache der Polizei und nicht der Co-roners-Office. Alles Hin- und Herreden führte zu keinem Resultat und die Polizei erklärte scklienllck. Duremus unter Aufsicht zu halten, bis daZ Verfah?en vo? dem Co?one? entschieden sei. Das Gebäude, worin sich die schreckliche Katastrophe ereignete, ist als das alte Waverly-Theater bekannt und wurde im Jahre 1877 erbaut. Spä ter wurde es umgebaut und von Doremus zu einer Wäscherei eingerichtet. Direkt hinter der Office derselben war der Kessel vlaci?t. Du?ch die Gewalt de? Explosion wu?de das halbe Dach des ?iesigen Gebäudes hoch in die Höhe gehoben und fiel mitten auf das Gebäude zu?ück. so daß die Maue?n theilweise nachgaben und auf die Unglück!! chen Leute im Jnne?n des Gebäudes fielen. Die Detonation war so heftig, daß alle Häufe? in de? Gegend wie von einem E?dbeben e?schütte?t und Hunde?te von Fenste?n ze?b?ochen wu?den. Todt: Frank Hannemann, Martha Jacobi, Bessie Kusaba. Kate Boß, Catherine Kelly, George Piehl, Emma Sabruski und Minnie Olsen. Verletzt wurden 42 Personen. Verheerende Stürme. St. Louis, Mo.. 12. März. Aus den vom Sturm heimgesuchten Gegenden von Texas und Arkansas laufen immer noch Nachrichten von Ka lamitäten' aller Art ein. So wird be richtet, daß der Ort Pine Prairie, Ark.. 75 Meilen nördlich von Texarkana. ganz zerstört worden sei. Zwei Personen. wurden dort getödtet und sehr viele verletzt. Der Schaden, den der Sturm in New Boston. Tex.. angerichtet hat, wird auf 565.000 abgeschätzt, während de?jenige in de? Umgegend vorläufig noch ganz unberechenba? ist. Vie: Fa?mhäuse? sind ze?stö?t wo?den. In New Boston wu?den allein 36 Ge-schäfts-und Wohnhäuse? zerstört ode? beschädigt. Auch Vlossom. Tex.. ein Ort von 1200 Einwohnern, hat stark gelitten. Chicago. Jlls., 12. März. Spät am Nachmittag war noch der ganze Nordwesten von telegraphischer und Telephon-Ve?bindung von de? üb?igen Welt abgeschnitten. De? fu?chtbare Hagelsturm, der schlimmste, der je in dieser Gegend e?lebt wuj hat that sächlich alle P?ähte zwischen Chicago
und Ei. Paul zerstört. Die Telegra-phen-Kompagnien waren nicht im Stande, auch nur die kürzesten Depeschen zu übermitteln und die Zeitungen in Wisconsin und auch einem Theil von Iowa waren von solchen Nachrichten abhängig, die sie durch die Post oder per Expreß erhalten konnten. An der Chicago & Northwestern Eisenbahn wurden die Drähte und Pfosten auf einer Strecke von 13 Meilen zerstört, hauptsächlich in Wisconsin. Wichtige Entscheidung. C l e v e la n d. O.. 12. März. Ritter Ricks vom Bundesdistrikt - Get'xi it erklärte die Ordinanz des Stadt ratZ-s. .welche den Fahrpreis für dik Straßenbahn auf 3 Cents festsetzt, für unkonstitutionell, da die Ordinanz mii dem bestehenden Kontrakte in Widerspruch stünde. Die Stadt wird gegen die Entscheidung an die höherenGerichtt appelliren. Schiffsnachrichten. V eyrut . 11. März. Angekommen: AugusteVictoria" von NewIork. G e n u a . 11. März. Angekommen: Werra" von New Aork via Neapel. Gibraltar, 11. März. Angekommen: Trave" von New Kork, nach Neapel und Genua bestimmt. H a m b u ? g . 11. März. Angekommen: Columbia" von New York via Plymouth und Cherbourg. G l a s g o w , 11. März. Angekommen: Sermatian" von Boston. N e w I o r k, 11. März. Angekommen: Staatendam" von Rotterdam. Southampton, 11. Mä?z. Angekommen: Kaise? Wilhelm der Große" von New Ao?k, nach Bremen bestimmt. Schlatter. der göttliche Heiler", ist in Seattle, Wash., unter dem Land-ftreicher-Gesetz verhaftet worden, trotz seiner energischen Proteste. Daniel Jones, ein Veteran des Bürgerkrieges, ist in der Sonntag Nacht während des Blizzards aus der vxmxTi bei Vttston. Kas.. e?f?o?en. . Weitere Depeschen aus Seite 5.
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