Indiana Tribüne, Volume 24, Number 172, Indianapolis, Marion County, 10 March 1901 — Page 7
Jndiana Tribune, Sonntag, 10. März 1901.
WajK.MWeiser
von
JDIANAPOLIS.
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Von Dora Ltieler. Frisch Wächst nach Unkrautari 2n grünen Weiten Mein junges Leben auf. Und wie vor Zeiten Halbreif die Bürschlein schon Wunden erwarben. So trug ich durch die Welt . Auch meine Narven. (Sine, die sitzt und lackt Im Hochmuthswinkel. Hat ihn geschickt durchquert Den feinen Dünkel. Und von der Ungeduld Zum stillen Tragen Hat eine Narbe die Brücke geschlagen. Auch jenem Eigensinn Der gar so eigen. . . Predigt solch kleines Ding Ducken und Schweigen. Doch der Wehleidigkeit, Der ewig wunden. Der schuf ein scharfer Hieb Kräft'ges Gesunden. Nur eine Narbe blieb Ein ernster Zeiger. Die schlug mit schwarzem Schwert Der kühle Schweiger. Die liegt im Herzen tief. Der bleibt ihr Schauer. Sie fordert stumm ihr Recht: Schweigende Trauer. So lauf ich durch die Welt Durch grüne Weiten, Und die Zufriedenheit Bleibt mir zur Seiten. Wünsch mir kein Märchenglllck Sternthalerregnen. . . Möchte dem Herrgott nur Einmal begegnen! Wenn ich im tiefsten Tann Einsam ihn fände; üßte dem Gllt'gen dann Dankbar die Hände.
Tcr k'c'lc Ton Znan.
$oii X Ä'arco. Bon jeher war ich ein geschickter Lie bcsstratege. Meine gut ausgearbeiteten nkldzugspläne bewahrten mich in den meisten Fällen vor einer Niederläge. Meine Trics. um Herzen zu erobern, nahmen zwar mit den Jahren stets andere Gestalt an. ir. der Wirkung jedoch blieben sie sich gleich. Mein Schönheitssinn urti) meilicDon Juan - Natur offenbarten sich bereits, als ich ein neunjähriger 5lnabe war. Ich war der Sultan des Spielplatzes, und das kam so: Den hübschesten Gespielinnen steckte ich meine Zuckerdüten in ihren Puppenwagen und ließ sie von meiner Ehocolade abbeißen wonach mir der Nest doppelt gut mundete . darum umgaben mich die niedlichen kleinen Mädchen auch unausgesetzt. Jede wollte nur mit mir spielen, und jede nannte mich auch ihren" Bräutigam. Die' anderen Jungen fragten mich oft ..warum"? Mein ..süßes" Geheimniß behielt ich jedoch für mich. Als 14jähriger 5inabe die Jndia, nergeschichten hatten es mir angethan war ich bereits zu der Erkenntniß gelangt daß leck:re Bestechungen bei Schulmädchen zwar immer noch am Platz seien, daß man sie jedoch durch .Muth" und ..Stärke" im Sturm erobern könnte. . Ich setzte daher einen regelrechten Ueberfall in Scene, zu dem ich allerdings einen Genossen brauche. Dieser fand sich bald in der Gestalt des dreisten Gustavs, eines richtigen Straßenjungen. der ein Schrecken meiner Eltern und mir als Umgang unt?rsagt war. Mit ihm tbeilte'ich mein Taschengeld. dafür mute er auf meinen vorherigen Befehl irgend ein daherkommendes hübsches Schulmädel, dessen Namen mir noch fremd war, anrempeln, ihr die Mappe aus der Hand schlagen und zu entfliehen suchen. Diesen Moment benutzte ich. um als rettender Enge! dazwischen zu fahren, den gefühllosen Nüpel" zu verhauen und der gekränkten Unschuld die aus der Mappe gefallenen Hefte und Allcher einpacken zu helfen! Auf diese Weise konnte ich mit Leichtigkeit aus den Etiquetten" gleich ihren Namen erfahren und hatte in denkbar Vortheilhaftester Weise die ersehnte Bekanntschaft gemacht. Nach dem ersten derart geglückten Manöver hatte zwar ..Gustav" streiken wollen, weil hauen nicht mit ausgemacht war!" Nach einer Zulage jedoch von 5 Pfennig per Woche nahm er auch det bisken 5tile" gern mit in den Zauf; und so war uns Beiden geholfen. Später in der Tanzstunde bestach ich die Backfischherzen mit Bildung". Ich bombardirte sie förmlich damit, citirte Klassiker, empfahl den Besuch von IZunstausstellungen, natürlich in meiner belehrenden Gesellschaft ließ sie Bücher lesen, die ich ihnen selbst überbrachte, strahlte mit meinem, d. h. fremdmGeist. kurzum, ich fing sie alle, die kleinen Käfer, in meinem Schmetterlingsnetz, denn ich imponirte! , Drei Jahr später machte ich 'das Rennen mit Sentimentalität. Unbemerkt steckte ich bel der Tafel eincn Handschuh meiner Tischnachbarin in die Tasche, um ihn anderen Tags mit einem Veilchenstrauß und ein paar Lersen der Holden" wieder zugehen 3 lassen. . Hatte ich jedoch das besondcre Glück, daß meine Tischdame die Besitzerin eines Holz- oder. Elfenbeinfächers war. so war kein Halten mehr. Mein ffächertric" kam in Anwen-
düng. Zuerst setzte ich mit kräftiger
)andschrlst mern Facsimile daraus! Gleich darunter: ' Seitdem Dein kleiner ZZächer hier meinen Namen tragt,
Werd ich durch Deine Güte für alle Zeit bewegt." Die jedesmalige Empfängerin war von diesem Vers gerührt! Nur einmal nicht, doch das lag an meiner Ungeschicklichkeit! Ich hatte eine Dame in der großen Gesellschaft übersehen, der ich auf einem Fest im vergangenen Winter dieselbe "Fächcrfreude bereitet batte. Als nun meine Tischnachvarn voll Enthusiasmus ihren Luftspender" umherzeigtc. konnte die Rivalin ihren Spott nicht zurückhalten, und so kam meine Vielseitigkeit besser Einseitigkeit zu Tage. Noch viele gewollte" Erfolge hatte ich später meinen Trics zu verdanken, die ich jedoch nicht alle verrathen will. Jetzt bin ich Junggeselle". Zu alt. um noch zu heirathen, zu jung, um ohne Wunsch zu sein. Mein Feld, das ich jetzt erfolgreich bebaue, sind die jungen Frauen. Meine Methode hier ist ebenso besannt wie wirkungsvoll. Worte wie: ..Unverstanden kleines armes Weibchen schade um Sie" wirken unfehlbar. Ich kann sie jedem Junggesellen aufs wärmste empfehlen. Neugierig bin ich nur, auf welche Trics ich verfallen werde, wenn ich alt geworden bin.
(5in erloschenes Zlonlgsyaus. Von Dr. LianS Hafselkamv. Ein Geschlecht, dessen Abkömmlinge seit acht Jahrhunderten auf europäi schen Thronen gesessen haben, ist auS der Reihe der Kronenträger ausgeschieden der letzte regierende Welse stieg mit Königin Victoria ins Grab. Die Welsen erklommen den Gipfel ihrer Macht und ihres Glanzes, als sich zu ihren deutschen Stammkronen im Jahre 1740 auch die von Großbritannien und Irland gesellte. Aber Georg Ludwig von Hannover, dem als UrenUl Jakobs 1. von England die Stellung eines Beherrschers des Vereinigten Königreichs und Vertheidiger des Glaubens" zufiel, war ein vorsichtiger Mann und glaubte vorerst nicht an den Bestand seiner neuen Königsherrlichkeit. Dazu hatte er auch allen Grund; denn die Aussichten einer Restauration des Stuart - Prätendenten waren damals nicht gering, und nur ein verhältnißmäßig kleiner Theil der Nation war entschlossen, fest zu dem Hause Hannover zu stehen. So sah sich Georg I. zunächst nur als eine Art Gast in England an. und er verfolgte das Ziel, cuf jeden Fall aus dieser englischen Asfäre, die ja möglicherweife nur ein Intermezzo blieb, soviel herauszuschlagen als möglich. Daß er und die Deutschen seiner Umgebung in England so viel Geld und gute Beute zu machen suchten, als ihnen erreichbar war. ist Thatsache. Aber immerhin ging Georg dabei über ein gewisses Maß nicht hinaus. - Es war auch von Seiten des englischen Parlaments ein höchst unsentimentales Geschäft, daß es die protestantischen Hannoveraner auf den Thron berief, und Georg hatte nicht unrecht, wenn auch er ohne Sentimentalität seinen Interessen nachging. Im übrigen erkennt selbst der scharf urtheilende Thackaray sein kluctes Betragen an: er steuerte das Schifflein seines neuen unsicheren KLnigthums mit Vorsicht und Geschick durch alle Klippen, hielt sich von jeder Ueberhebung und Unvorsichtigkeit fern, und hatte so die Genugthuung, die zunächst noch ziemlich chimärische Königskrone zu einem sicheren Besitze seirles Hauses zu machen. Aber eln Engländer ward er freilich nicht. Zeit seines Leöens nicht. Er konnte nicht Englisch und mußte sich mit seinen Ministern in schkchrem Lgtein verständigen. Cein ganzer Hof war deutsch, seine Kämmerer, seine Sekretäre, seine Diener, sogar seine Maitressen. Denn ohne die ging es nicht ab und ist es bei den englischen Welsen selten abgegangen. Gerade über diesen Import aber waren die Englänoer besonders erbost; sie höhnten die Kielmannsegge und die Schulenbürg, die Besitzerinnen der königlichen Gunst, nach ihren Figuren die Maisiange" und den Elephanten". Der Mob lief dem Wagen, in dem er eine dieser Huldinnen vermuthete, unter dem wüthenden Rufe nach: Keine hannöversche Weibsperson". Das Dämchen, das in der Kutsche saß. lüftete das Fenster und sagten Ich bin Engländerin", und Gott segne Ew. Gnaden!" war die Antwort. Ein pikantes, aber höchst charakteristisches Kulturbildchen. .Georg I. hat aber erst spät den natürlichen Wünschen in dieser Hinsicht Rechnung getragen. Er war ein egoistischer und brutaler Mann, aber er hatte seine guten Seiten. war gerecht, muthiq. frei von Heuchelei. Sein Herz roar allezeit in Hannover und Osnabrück! Osnabrück" war sein letzter Seufzer. als ihn auf der Reise dahin der Tod auf der Landstraße überraschte. Mit seinem Soh.ie und Nachfolger stand er meist auf dem schlechtesten Fuße die Familienzerwürfnisse haben lange Zeit zu den Eigenheiten der englischen Wel,fen gehört , und als diesem das Ableben des Vaters gemeldet wurde, antwartete er zunächst: Dat is one big lie." Denn er war ein Choleriker und ein rechter Grobian, und mit seinem Englisch war es auch noch nicht weit her. Auch er war kein Freund der Engländer. Er fand, die englischen Küchen könnten nicht kochen, die Kutscher nicht fahren, die englischen Kinder würden schlecht erzogen. Sein Umgang war und blieb deshalb deutsch, und das machte den Engländern kein Vergnügen. Ein Mann von hohem Geschmack und hoher Kultur war ti nicht. Er haßte geradezu Bücher und! liebte das Kartensviel. Von Kunst wollte er nichts wissen und er zeigte das offen. Obwohl er seine Frau, Caroline von Ansbach, ehrlich liebte und
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ihr -inen sehr großen Einfluß über.
sich einräumte, wollte und onnte er doch nicht ohne Maitressen leben, und diese Damen benutzten ihre Macht zu dem skandalösesten Aemterschacher. Die Lady Farmouth verkaufte einen Bischofssitz an inen Geistlichen für 5000 Pfund. Das war gewiß nichts weniger als schön;, aber das England jener Zeit war so durch und durch verderbt und sittenlos, daß, im Vergleich mit seinen Zeitgenossen kein Grund vorliegt, über Georg II. pharisäisch zu urtheilen. Seine unangenehmste Eigenschaft war wohl sein Geiz. Als ihm in der ersten Sitzung des Geheimen Rathes der Erzbischof von Canterbury das Testament seines Vaters überreichte, steckte er es ungelesen in dt. Tasche, weil er keine Lust hatte, die darin ausgesetzten Legate auszuzahlen. und er hat Zeit seines Lebens den Inhalt dieses Testamentes nicht bekann't gegeben. Das war gewiß unkönialicb'und erreate Verachsuna. a? ieorg 11. hatte auch lerne gu ten Seiten. Er besaß die welfische Erbeigenschaft des Muthes in hohem Grade, und hatte sich bei Deltingen löwenmäßig tapfer gezeigt. Er war tin gewissenhafter Regent, der es mit seinem Amte ernst nahm. Er hatte bei all' seiner ungefügen Grobheit doch auch etwas Aufrichtiges, ja selbst Humanes, und vor allem: er vermochte es, seine Sympathieen und Antipathien und sie waren sehr ausgeprägt zu überwinden, wenn es das Staatswohl galt. Er haßte niemanden auf der Welt so sehr, als Friedrich den Großen und Pitt. der ihn persönlich schwer beleidigt hatte; und doch verbündete er sich mit jenem und nahm diesen als seinen Premierminister an. Die englische Politik mußte zuweilen unter seiner Vorliebe für sein Stammland Hannover, die ihn stets leitete, leiden; aber England hat unter ihm in Kanada und in Ostindien festen Fuß gefaßt und so den Grund gelegt zu seiner modernen- Großmachtsstellung. Kein Wunder, daß sein Andenken in England im Ganzen noch heute ein ziemlich günstiges ist. Georg II. hat 33 Jahre regiert, und das ist gewiß eine lange Regierung; aber sein Nachfolger trug die Krone volle 60 Jahre. Er überlebte die fran. zösische Revolution, er überlebte Napoleon, ja er darf in einem gewissen Sinne der Sieger über Napoleon genannt werden: war es doch ein Schisf Seiner Majestät, das den korsischen Giganten nach St. Helena brachte. Welch' eine Ironie der Weltgeschichte, daß ein Georg III. einen Napoleon klein kriegte"! Georg war ein Mann von guten Absichten und von sehr ehrenwerthem Charakter, aber von sehr beschränkter Intelligenz und fast unbesiebarem Starrsinn. Will man ihm im günstigen Lichte besehen, so muß man einen Blick auf sein. Privatleben werfen. Er heirathete eine kleine mecklenburgische Prinzessin und ist ihr Zeit seines Lebens tadellos treu gewesen der einzige von den fünf männlichen Welfen auf Englands Thron, dem man dies nachrühmen kann. UeberHaupt war sein Privatleben durchaus einwandsfrei. Sein Haushalt war ordentlich, einfach und entsetzlich langweilig. Tag für Tag zu denselben 'Stunden dieselben Unterhaltungen. Ausfahrten, Empfänge, Mahlzeiten. Die Söhne konnten diese Langeweile nicht aushalten und liefen dem Vater fort. Georgs Freuden waren von der schlichtesten Art. Ein kleines ländliazes Fest mit etwas Musik und Tanz, ein gemüthlicher Spaziergang, ein behaglicher Abend im Familienkreise. Er liebte die Kunst aus seine Weise, aber einen überlegenen Künstler, wie Rehnold, liebte er nicht. Und hier kommen wir zu den dunklen Seiten seines Charakters. Er hatte eine Abneigung gegen alle superioren Geister; er mochte' weder Fox, noch Nelson, noch Vurke. Seine eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten waren im Grunde untergeordnete? Art; er zeichnete Karten und studirte gern Geographie, kannte die Rangliste, die Uniformen aller Regimenter, die Hofetikette, die PersonalVerhältnisse der Universitäten und des Hofes bis ins kleinste Detail. Er war gewissenhaft und fleißig, aber kein großer Zug war in ihm. Und eben dieser Mann glaubte fest an seine göttliche Mission und unternahm die Niesenaufgabe, das königliche Regiment in England wieder zu einem persönlichen zu machen. Er war der letzte, der den
Kampf gegen die Aristokratie auf-''
nahm, und er hat ihn mtt all' dem Muth und dem Starrsinn durchgeführt, der ihm eigen war. Es kam so weit, daß er drohte, sich nach Herrenhausen zurückzuziehen, wenn ihm der verhaßte Fox als Minister aufgedrängt würde, und daß der Kanzler Lord Thurslow ihm darauf antwortete: Ew. Majestät mag gehen, nichts ist leichter; aber Ew. Majestät werden, wenn es Ihnen dort langweilig geworden. die Rückkehr nicht ebenso leicht finden." Er ist nicht gegangen, aber er hat den Kampf Jahr um Jahr mit der äußersten Zähigkeit fortgesetzt, iis ihn der Irrsinn übermannte. Ware seine Energie und sein Charakter mit entsprechenden Geistesgaben gepaart gewesen, so wäre er vielleicht ein großer Monarch geworden; wie er war. bietet er nur den unerfreulichen Anblick eines Mannes, der mit kleinem Geiste Großes wollte. Und dieser starrköpfige, aber ehren
werthe Gentleman hatte nur einen
Sohn, der sich oald zu emem Ausbund!
aller Laster entwickelte. . Er yante lyr.
und fürwahr! er hatte Ursache dazu
An Begabung war der Sohn ihm si
cherlich von Hause aus überlegen; er hatte einen behenden Geist, lernte brillant ' und war nicht ohne Geist un Witz. Aber an Charakter stand Georü IV. seinem Vater ebenso wik uneno-
lich nach. Seine Persö keit war ebenso verschwommen, al 'e Georgs III. bis zum Uebermaß rf und
fest: so treu der Vater war. s? unzuverlässig war der Sohn; jener war unbeugsam in seinem Starrsinn, dieser wich jedem energischen Willen; Georg III. kämpfte als Mann für das. was er für recht hielt. Georg IV. hatte im Grunde weder Interessen noch UeberZeugungen. Er war schon al? Kind wegen seiner Schönheit bewundert worden, und ein schöne? Mann blies er. bis Völlerei und Schminke seine Züge vor der Zeit ruinirten. Er besaß Grazie und konnte durch LiebmsWürdigkeit bezaubern. Als Thronfolaer wollte er für Europas ersten Gentleman gelten und er erwarb sich ein Recht auf diese Bezeichnung durch die Erfindung neuer Moden, durch sein Interesse für den Sport des Boxens, durch seine Geschicklichkeit im Fahren und durch seinen höchst liederlichen Lebenswandel. Seine Schulden stiegen ins Ungeheure, und die wiederholte Hilfe des Parlaments konnte das doch nicht stopfen. Seine Gesellschaft bildeten Stutzer, Parasiten, Courtisanen und taumelnde Witzbolde, französisch Köche. Jockeys, Boxer. Fechkmeister und Schneider. Er ging eine heimliche Ehe mit einer Mrs. FitzHerbert ein, die ihm, weil die Dame katholisch war. das Anrecht auf den Thron gekostet hätte, und besaß den Muth, diese Ehe dann öffentlich abzuleugnen und sie einfach zu ignoriren. Die traurige Geschichte feiner Ehe mit Karoline von Vraunschweig ist weltbekannt. Er emfting sie roh, als er sie das erste Mal sah. konnte bei der Trauung vor Trunkenheit kaum auf den Beinen stehen und hat dan? die unglückliche Frau in der gehässigsten und niedrigsten Weise verfolgt, gekränkt und beleidigt. Vor der Zeit abgelebt und gichtisch geworden, führte er in seinen späteren Jahren ein trauriges Leben. Ost lag er ganze Tage lang unthätig im Bette, und nur, wenn eine angesehene Persönlichkeit, wie etwa der Herzog von Wellington, Audienz begehrte, schlüpfte er schnell in einen seidenen Schlafrock und bedeckte die Glatze mit einer Sammetmlltze, um dann wieder ins Bett zurückzukehren. Nach einem solchen Fürsten mußte erst fast jeder Nachfolger eine gute Figur machen, und es ist daher kein Wunder, daß Wilhelm IV. leicht unsere Sympathien gewinnt. Er war von Beruf Seemann, und er war eine Seemannsnatur: gerade, derb, bieder. Er hatte einfache Manieren und entzückte die Bürger Londons, indem er, wie jeder andere Mensch, mit dem Regenschirm durch die Straßen ging. Er nahm seine Pflichten ernst und wollte das Beste; allein er fühlte selbst, daß seine Gaben nicht ausreichten, und blieb daher stets unsicher und mißiranisch gegen sich selbst. Dann verschenkte er doch wieder in seinem natürlichen Wohlwollen sein Vertrauen voreilig und an der falschen Stelle. Und dennoch war dieser König für England ein Glück. In seine Regierungszeit fielen die Anfänge der großen Reformbewegung, die dann das ganze 19. Jahrhundert beherrscht hat. Wohl war Wilhelm IV. der mächtigen Aufgabe, sie zu beherrschen, nicht gewachsen; zwischen denen, die von ihr alles Heil, und denen, die von ihr Englands Ruin erwarteten, stand er oft unsicher und schwankend. Aber er war ehrlich und uneigennützig; er wollte ebenso wenig die öffentliche Meinung brüsken, als Kronrechte leichtsinnig aufgeben, und hielt darum eine Mittellinie inne. die England vielleicht, ja wahrscheinlich vor schweren inneren Erschütterungen gewahrt hat. , ', . ZUcinc Freunde. Von fr v. kablenberg. Es war einmal ein Ma'.m, der hatte zwci Freunde. Oder es waren einmal drei Freunde. Darauf, als der eine von ihnen heiratheje. sprach er: ,Jch thue es mit um euretwillen. Ihr werdet ein nm htröen bei mir. Die Grazien meiner Lotti werden auch euch mit erstrahlen. Eine Frau hat Schwestern. Freundinnen. Meine Familie, Brüder, Freunde meiner Jugend, seid ihr!" Die Freunde reichten ihm stumm und gerührt die Hand. Sie nahmen ihre Pftijen. ihre Cello und ihre Skatkarten und gingen still nach Haus, bhdere, ehrliche Härte, etwas rauh und geradeher. Bernhardinertypus. unerfahren in den Gängen und Schlichen weltlicher und ehelicher Fuchskunst. Sie verstanden die Sache, wie sie gemeint war, machten sich auch nobel mit ihren Hvchzeitsgeschenken nach besten Kräften ein Junggeselle ist ja immer splendider und bereiteten sich vor zu Pathen für zukünftige kleine Karls und Ottos. Darauf sprach der Freund, der geheirathet hatte, zu seinem jungen Weibe: Täubchen meiner eele. Ich habe zwei Freunde. Sie sind mir wie zwei Brüder. Das Beste meiner Seele ist in meinen Freunden, bis ich dich sät d. Laß sie Antheil taben an unserm Guten." Darauf umarmte diesen sein junges Weib: Deine Freunde sind meine Freunde. Wer dir wohlgethan hat, ist von mir geliebt. Wir bilden sortan nur eine große, glückselige Familie." So sprach der in seinem Herzen: Wie bin ich doch glücklich, und w:lch' ein Schatz ist mein!" Kurze Zeit darauf bereitete diese Gattin ein Abendmahl. Es gab Fisch und Fleisch. Es gab sogar Sekt und eine Erdbeerbowte. Erdbeerbowle trank Karl süc sein Leben gern. Alleä war reizend und lieblich gedeckt, und Blumen standen auf dem Tische. Sprach der Mann in feines Herzen? Einfalt: Könnten nicht meine Freun ! de. Karl und Otto, mit von der Parti sein?" Tiefem erklärte sein Weibchen eilfer-'
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langweilen. Bin ich dir schon mcht mehr genug, daß du Fremde in unsere Vertraulichkeit aufzunehmen wünschest?" Darauf schwieg dieser Mann lang: Zeit denn es fing an, ihm zu dämmern. Eines Tages erschallte fröhliches Ge bell. Es war Karl mit Karo, Otto mit Pfeife und Cello. Ein Ueberfall. O, ihr lieben, prächtigen Kerle! Des Mannes Weib hatte ein Licht angezündet. Sie suchte damit nach den Aschcnflecken und eingebrannten Cigarrenlöchern. Solche zu machen, war sehr unpassend. Karl hatte seine Butter auf dem Teller liegen lassen. Pfeife ist doch sehr ordinär. In ihrem Genre sind sie ja ganz nett, aber doch eben Rauhbeine " Der Mann schwieg. Er war eben ein verheiratheter Mann und fing an, klar zu sehen. Wenn ich Karl und Otto jetzt sehe. sprechen wir von den guten, alten Z:iten. Aufforderungen, mich zu besuchen, nehmen sie gedehnt auf. Ach. weißt du. alter Kerl so die Damen " Karl und Otto und unh?ilöar. Lotti erzählt mir. daß 5lar einsumpft".
'D er biedere Karo. -.) Sie, mein Karo ist ein g'sc5eidtes Thierl; der tragt mir alle Abend meine Salami vom Ebarcutier heim: und wenn sie ihm ein fremder Hund nehmen will, wissen Sie, was er dann thut, damit sie der nicht kriegt?" Na. was denn?" Selber frißt 's!" '.Verfehlte Verbesserung! Junge Frau: ...Sie sprechen da immer mit Betonung von schlechten Hausfrauen Sie meinen doch nicht etwa mich damit?" Aeltere Dame: 'Warum nicht gar ich bitte Sie. es gibt doch unter uns noch mehr schlechte 5)ausfraucn!" . . Raffinirt. Mein Mann ärgert mich in letzter Zeit so oft! Wenn ich nur wüßte, wie ich mich dafür rächen könnte?" Weißt D was! Koch' ihm seine Leibspeise und laß' sie an brennen!
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