Indiana Tribüne, Volume 24, Number 172, Indianapolis, Marion County, 10 March 1901 — Page 2

Sndiana Tvivant, Sonntag, 10. März 1901.

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Franc kmsi EnMF Thro. Sowchlals sö'urieräne Hmfäeri. Iren, wie als Göttinnen von Königen haben Flauen Schickst England! ?HnUlchburqwbt. baldriilhaft. bald schach. Die Meinung, "daß ta Wat besstk Mahren Watt, wenn daZ feie welblra Thronfolge ausschiede Callsche Gech 'auch in Großbritanrn Geltimg ätie, läßt sich darum richt zweifellok gründen, weil eine dcr'Königmnen Elisabeth, die meiste Könige bet ÄandeH x?eit überrag, und weil unter diesen tife Mehrzahl geistig irnd ftäTich auf ewer niedriaen Stufe steht. Richard 5zeinrich VI!!.. Karl?!., Jakob l!., Georg III.. Georg IV. und Wilhelm IV. sind Gestalten, die leils Abscheu, theils Mißachtung vordem Richtnstühle der Weltgeschichte erwecken. 'Unter den Frauen rangirt so lief nur die. blutige Maria" (1553 53). Die GaUm Heinrichs 1VI., Margaxcfy von Anjou, ist von Shakespeare H ihren üblen Eigenschäften scharf gezeichnet Zvorden. die rühmlichen sind Nenig hervorgehoben. 'Sie war heftig, rachsüchtig, -zrausam. aber auch standfast und von unerschütterlichemMuthe. Sie ist ihrem Gatten untreu gewesen und hat.'äls ihr erster Günstling, der Herzog von Suffolk, getödtet war, bald sich dem Herzog' von Somerset zuge5oendet.dock mit 'heroischer Ausdauer 'die Ansprüche ihres Gemahls und ihres Lohnes 'auf denThron' verfochten gepn starke' Feinde. Als beide den Tod -erlitten' hatten, müßle "sie noch lange Gefangenschaft ertragen. Ob die gegmensche Behauptung, rdaß ihr Sohn untergeschoben ' sei. aüf' Wahrheit beJiürj:, Zst'unerwiesev; wenn sie ver7rnmdensch wlr.'hät'"sie doch thatsächlich' derSache Margarethens viel geschadetund hinter dem Seelenschmerz 'der Mütter stand das drückende Be--wußtsnn,' der' falschen Angabe durch 'ehelicheMnireue Vorschub geleistet zu 'haben. Die nnzluckllchen sechs Frauen HeinTichs VIII.,, von denen der Unmensch zwei hat hinrichten' lassen, haben wenige freundlicheStunden erlebt und besaßen keinen politischen Einfluß. Der azfte und bösartige Tespot bat Ifjr Andenken zu schänden gesucht, in"dem er' seine bald gegen Katholiken, bald gegen Jndependenten gerichteten Äerfolgungsedikte mit ihren Namen in 'Zusammenhang brachte. Die Tochter seiner ersten F.-au-der Katharina von Arragonren, Maria, war des Vaters würdig,- wie sie auch einen Gatten gleichen Gepräges, dem späteren spanischen Koma Philipp II. ihre Hand qab. Sie

debutirte sofort mit der Hinrichtung ;

des Herzogs von Nvrthumberland und seiner Schwiegertochter, die als Großnichte Heinrichs VIII. ein Recht auf den Thron behauptet hatte. In ihrer kurzen Regierungszeit hat sie Hunderte eis Keher verbrenmn .lassen, auch Frauen und Kinder.

' Elisabeth-war. auch nicht tolerant, ! . r . - r n r ?

ccci ue ub oie Verfolgung Nillzi einen Hauptzweck ihrer Regierung sein. Klug und umsichtig hat 'sie 'die auswärtige Politik -geleitet. Handel und Schifffahrt, Wissenschaft und Kunst gefördert. so daß das'Land zu ungeahntem Wohlstand gelangte. "Durch die Handels - Vereinbarungen mit Rußland, der Levante und 'Ostindien wuchs das englische'Völk an Bildung und Be-wußtsein.-nach der'Zerstörung der spauischen ömäda lernte es sich alsGroßmacht slen. "Die Königin' Anna, zweite Tochter Jaksvs II., hatte' dadurch eine schwie?1ge 'Stellung,' daß'sie auf den thatlräftigen und erfolgreichen Wilhelm III. folgte. Sie-war eine- verständige und maßvolle Dame, cmfderen Regierung die glorreichen 'Siege Marlboroughs

' und 'die Verschmelzung Schottlands mit 'England im gemeinsamen Parlament -ein 'strahlendes "Licht - werfen. , Weibliche Schwäche'hat Anna insofern ' gezeigt, als sie"Intriguen der 'Höfkreise , zu großen Eirffliitj verstattete. Die jüngst verstorbene Victoria Eat , wahrend Ihrer -ungewöhnlich 'langen Regierungszeit 'stets das Bestreben ge- , zeigt, das Beste M ihr Land zu thun, i '- und die für eine jede Frau erstrebend '. ; werthe Anerkennung, eine gute Gattin und Mutter gewesen -zu sein, erwor-

Die Tasche.

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heimgezahlt.

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Js Ihnen meine Braut wat schuldig?" fragt der Bräutigam. Der Andere lacht. 2Qat lachen Se denn, Sie Aeffken?Ru wird der Andere aber böse. . Sie haben woll lange keene hinter e Horchlappen jekriecht, war?" Der Bräutigam tiekt a an un sagt kk'n Wort; denn laugt aber aus un haut den Andern ne furchtbare Schelle

un meint: Tet kenn' S von sich nu nicht , i-i i

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lffenpinscher malen?" Maler:. T .Iehr gerne; nehmen Sie Platz!" '

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UDl-Jift-JBüllgam IN MIO) iji; rn ste erinir, ich sei das himm e Geschöpf, wak es gäbe, er würde 'ein uanzek Leben ana anbeten."

ber Ella, so vul Mitgift hast ! -o? nickt."

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LumoS7e rvn Albert Ddlsram. Einfach hervorragend, entzückend! Vch. ich freue wich zu sehr." Frau Hauptmann Ella von S. stand vor dem großen Pf?il:rspiegel und betrachtete vergnügt ihr ziemlich ebenm'zßig's Figürche?. das sich in dem halb-lang-'n, schwarzen Sammetjacket cioch anmvthiger ausnakM als sonst. Diese Jacke war ein Meisterwerk der Schneiderkunst tadellos im Sitz; dabei lcn kostbarem Stoff, dessen .matter Glanz in prachtvollem Gegensatz zu der blonden Schönheit der jungenFrau stand. Eng schmiegte sie sich an bis vollen, schlanken Formen, keinen Besatz aufweisend, aber gerade in ihrer Einfachheit vornehm und elegant wirkend, was dem Geschmack seiner Trägerin vollkommen entsprack. Und so war es kein Wunder, daß sie, obwohl sie ganz alleÄ im Zimmer war. in jene Ausrufe deö Entzückeus Mmer wieder ausbrach. Schade, daß Hans nicht da ist!" Sie hätte mit der Anprobe warten können, bis der Gatte gekommen war, aber als sie das Jacket ausem Karton ausgepackt und gesehen hatte, war der Wunsches anzuziehen, mächtig inihr erwacht. Seit Jahren war ein Jackct aus cchterr. Sammet ihre 'SehnsüchtigeWesen, aber die Finanzlage des jungen Ehepaares, durchaus keine glänzende, hatte es bisher verboten. Da hatte sie ihr Mann am letzten Weihnachten :rnit der Summe dazu .überrascht. Der Gute! Monatlich .hatte er sich eine Kkinigkeit dafür zurückgelegt! Darin kiar er überhaupt rührend! Er selbst war die Anspruchslosigkeit in Person, aber er sorgte mit peinlicher Gewissenhaftigkeit dafür, 'daß seine Frau einen gewissen Luxus trieb, wie seine Neider sagten: aus Berechnung. aus Opferfreudigkeit und gutem Herzen, :wie seine Frau beschwor! Die 'Thränen 'traten ihr in die Augen, als sie das alles bedachte. Und?nun war Hans nicht einmal da, um die cerste,, große Freude mit zu erleben. Doch' hält! .Da 'drehte sich der Drücker-im Schloß 'das-konnte nur er sein. Und schon öffnete sich die Thür, und mit einem Freudenschrei flog Frau Ella dcm'Gatten entgegen. Sieh "nur, Hans! Seh' ich nicht vornehm nus?" .rief sie nach der Begrüßung. Na, zeig' dich mül her, Maus", sagte der 5auptmann, seinen Degen abschnallend und, in eine Ecke stellend. Er hcrtte! sofort .erkannt, wovon die Rede war, und, musterte nun mit Kennerblickendie Gestalt seiner Frau. Stillgestanden", commandirte er vr quecksilbern lebhaften Gattin, die,an militärische 'Eommandos gewöhnt heiter folgte. Eine lange .Pause! Der Haupt?iann legte sein Gesicht in die ernsthaftesten Falten, .als gälte es die Besichtigung seiner Compagnie. Dann Rechts um!" und wieder eine Pause, bei 'derbes 'Frau Ella schon in den Zehmspitzen zu prickeln begann, aber sie wußte, 'daß Ungeduld dem Gatten die Laune verdarb, Arnd ehe sie das jeht, wo 'seine Güte in diesem Sammetjacket ihren Höhepunkt feierte, verursacht hätte, -nahm sie lieber ihre aanze Kraft zusammen und beherrschte Nch. Links un?! Ganzes Bataillon kehrt!" bald mußte ja die Musteruug" vorüber sein. -und mit dem fröhlichsten Gesicht drehte sie sich, Wie er es wünschte, das leise Prickeln. das nun anch in den Fingerspitzenann, überwindend. Aber er, war noch immer nicht fertig, sondern ging :nun selbst um sie herum, während auf -sei-nem scharf geprägten Gesicht nichts Gutes geschrieben stand. Pedant" hätte sie ihm zurufen -mö-gen, aber new noch war der ,engelsgute Hans" nicht -vergessen. Hier fehlen eben die Taschen, wie sie jetzt modern sind, und die ich für das Vernünftigste halte, was bit Mode neuerdings hervorgebracht hat", sagte er endlich in seiner langsamen, eigenthümlich prononzirten Redeweise. Frau Ella zerdrückte das Taschentuch zwischen den Fingern. Darauf reitet er nun seit MoLatrn herum," knirschte es rn ihr. Man stand in jenem Zeichen der aus--gesetzten Taschen, die man damals an der Mitte der siebziger Jahre .an allen möglichen und unmöglichen Stellen der Damentoilette anbrachte: :WH unten an den damals modernen Tunikas, so daß man sich jlief bücken mußte, um zum Taschentuch zu ge-langen-; an den Jackets, den Mänteln, theils vorn, theils hinten, überladen niit Püsfchen, Tressen und Schleifen. Frau Ella haßte' sie. und sie hatte sich geschworen, diese Mode nicht mitzumachen, koste es, was es wolle. Mit ruhiger, nachhaltiger Energie suchte ihr Mann sie von dem praktischeu Nutzen jener Mode zu überzeugen. Siehst du, mein Kind", begann er jetzt wieder umständlich und trocken, die Mode hat endlich einmal etwa? Gutes ausgeheckt, und gleich seid ihr Frauen dabei, es entweder ins Thörichte zu verkehren, wie die. die sich die Taschen an unerreichbare Stellen setzen, oder es ganz in Acht und Bann 51: thun, wie bu!" Eine kleine Pause, in der Frau Ella immer ungeduldiger wurde; dann fuhr der Hauptmarm fort: Wie praktisch ist ein: oder zwei solcher Taschen, wenn sie hier und hier sitzen," und er tippte mit dem Finger rechts und links auf den vorderen Jackenschoßtheil. Da hättet ihr Frauen .doch endlich einen Ort, wo ih:

den Besorgungszettel, einen Ileinen Bleistift und dergleichen uncerbringen kösutet." Wir sollen wohl noch gar das Ta schentuch hineinpfropfen, um wie Beulenpestkranke einherzugehen", rief Frau Ella, zitternd vor Empörung. Run, so ein winzigcs Läppchen ginge zur Noth auch noch hinein." sagte der Hauptmann lächelnd, die Stimmung seiner nervösen, kleinen Frau durchschauend, indem er das Spitzeniaschentuch. das ihr entfallen war, zwischen zwei Finger emporhob, $sn, zu den Taschen zwingst du mich nicht", erklärte Frau Ella mit Energie, sich des Sammetjackets entledigeno. Während sie es sorgfältig überfeine Stullehne hing, überlegte sie. daß ihr eugelsguter Hans doch manchmal ein recht unausstehlicher Patron sein könne. .Maus, ich habe einen WolfshunHer", ließ sich des Hauptmanns Stimme wieder vernehmen, und schnell verschwand Frau Ella in der Küche, um selbst das Anrichten zu überwachen und rheilweise zu übernehmen. Aber ihre Stimmung taugte nicht recht dazu. Nichts war ihr scharf g nug, Suppe, Gemüse zu wenig yesalzen und mit hochrothem Kopf schüttete sie überall von dem gefährlichen Ge würz hinein. Es war ja thöricht, sich so zu erregen", dachte sie dabei, aber Harcs hat mich mit seinen Reden schon nervöZ .gemacht. Auf jedes Kleidungsstück soll ich mir diese grauenhaften Taschen setzen lassen, und das Verlangen. i?as herrliche Sammetjacket zu schimpfiren, setzt allem die Kxane ans!!" . Schwapp! noch einige KörnchenSalz an's Gemüse, das heute seine Fadheit gar nicht verlieren wollte! Und nun zu Tischü Mit kalter Gemessenheit, sich zur Selbstbeherrschung zwingend, that Frau Ella die Suvpe auf. Kerbelsuppe ihre Mannes Lieblings suppe! Mit regem Appetit nnd Eifer machte sich der Hauptmann daran, aber o weh nach dem ersten Lösfel schnitt er ein fürchterliches Gesicht. Teufel auch! so versalzen aber hat Minna die Suppe noch nie", rief er, den Teller wegschiebend und dann hastig ein Glas Wasser Herunterstürzend. Finde ich Zar nicht", sagte Frau Ella, während sie der Suppe bedächtig, aber nachhaltig zusprach, im übrigen habe .ich das Salz angeschüttet." Da hättex du auch -etwas Besseres thun können", sagte übellaunig der Hauptmann. .Aber iß doch das Zeu nicht, sondern laß den Braten auf tragen hi verbrennst dir ja di: Kehle!" .Mir schmeckt die Suppe vorzüglich". entgegnete ruhig Frau Ella .und that sich einen neuen Teller auf. während ihr Hals brannte und sie nach Wasser lechzte. Mit .trotzig erhobenem Haupt löffelte sie langsam die Suppe, deren sie sich im Innern schämte. Aber nur jetzt keine Niederlage eingestehen und vor allem Nache nehmen an der Zähigkeit, die Hans in Bezug auf die Taschen bewies. Mit dieser Zähigkeit ließ sie jetzt ihr Opfer hungern, das warten mußte, bis sie geendet. Es wartete, aber nicht geduldig Heftig trommelte bzi Hauptmann auf der Tischplatte. Ich begreife deinen Eigensinn nicht, Ella", rief er.Messer und Gabel durcheinander werfend, dir kann dieSuppe nicht schmecken dn mußte .sie VersalZn finden!" Muß? Weil es dir beliebt?" fragte Frau Ella schnippisch, mit größerem Eifer der Suppe' zusprechnd. Jhr Männer seid doch komisch in dieser Beziehung." Und ihrFrauen noch viel komischer, d. h. verrückter", rief der engelsgute Hans", der auch rücksichtslos bis zur Grobheit sein konnte. Energisch seid ihr nur. wenn es gilt euren Trotz durchzusetzen, und wenn ihr versucht, uns zu beweisen daß ein schwarzes Karnickel weist sei." Es wäre allerdings vergebliche Mühe, eurem Eigensinn, den ihr für Grundsatz haltet, beweisen zu wollen, daß ihr dort schwarz seht, wo alles weiß ist." Frau Ella wurde ein klein wenig roth vor sich selbst, da ihr Gewissen ihr zuraunte, daß ihre Gatte in Bezug aus die Suppe nicht zu schwarz sah. Mach mich nicht rasend." rief der Hauptmann nervös. Ich sage dir, die Suppe ist versalzen! So und un lasse ich den Braten kommen!" Dabei drückte er energisch die Klingel. Und ich sage dir, die Suppe ist nicht versalzen", entgegnete gemessn Frau Ella, sich stolz erhebend und hinzufügend: Im übrigen kannst du den Braten allein essen ich ertrage eine solche Behandlung nicht." 5?vrocbs und entfernte sich schnell, um den aufsteigenden 5zustcnreiz zu verbergen. Im Wohnzimmer, angesichts dts unschuldigen Urgrundes zu dem ehe-

' lichen Zwist, brach sie in Thränen aus. : lLie die verkörperte Güte ihres Hans ' hing es da über der Stuhllehne, leuch- ; tcnd in seinem matten Glanz ein

stummer Anklager m Namen seines Stifters. Ein heftiger Hustenanfall verschärft:

Frau Ellas Gewissen. I Jetzt horchte ste ein kräftiger : Fluch drang herüber. Hans hatte jedenfalls von dem Gemüse gekostet! Dann war alles still. Wahrscheinlich aß er sich an Braten und Kartoffeln satt Gott sei Dank, daß sie die .' Sauce nicht versgwn!

Sie ließ sich in einem Sessel nieder und seufzte tief. Nun hörte sie Hans aufstehen und ins Schlafzimmer gehen. Er machte sich offenbar zum Ausgehen zurecht. Ob er ihr adieu sagen würde ?Wieder horchte sie gespannt. Nein er kam nicht. Sie hörte, wie er den Degen umschnallte, dem Burschen Befehle ertheilte und die Flurthür hinter sich ins Schloß warf. Er ging zum erstenmal in ihrer Ehe ohne Lebewohl! Er ging zu weit in seinem Zorn! So schlimm war die Sache nicht! Und leise regte sich von neuem der Unwille gegen den Gatten. Nachdem sie noch einige Hausfrauenpflichten erfüllt, fühlte sie Ermüdung, und sie legte sich nieder, um zu ruhen. Aber sie konnte keinen Schlaf finden ihr Sinnen und Grübeln hinderte sie daran. Nur ihr Gewissen schlummerte ein, und in irem leicht beweglichen Geiste verschob sich das vor kurzem Erlebte. Es war doch unrecht von Hans, die Sache so auf die Spitze zu treiben, so grob' zu werden, wegen einer versalzenen Suppe! Der Magen ist halt der Gott der Männer!" Und Bitterkeit wallte in ihr auf. Immer mehr schrumpfte ihr Unrecht zusammen immer größer wurde das dsn Hans. Und dabei schien die Sonne so heiter in's Zimmer, leuchtete der Schnee von den gegenüberliegenden Dächern. Es lockte hinaus! Die Welt war schön, und es lohnte nicht, sich wegen wer solchen Cache, wegen der Rückpchtslosigkeit eines Mannes zn grämen! Sie sprang auf! Sie sehnte sich nach Menschen und Leben hier in der Einsamkeit, mit den grübelnden -Gedanken wurde sie nervös! Wie. wenn sie ausging? Das Le ben und Treiben auf en Straßen Berlins würde sie zerstreuen. Als -echtes Berliner Kind liebte sie es sehr. Sie machte sich zum Ausgehen zu--recht, setzte d'en Hut auf und trat dann vor das Sammetjacket. Es war ihr ordentlich feierlich zu Muthe. Eigen!lich hatte sie es bei einem Ausgang mit Hans einweihen wollen, aber jetzt er verdiente das wahrlich nicht, der Unduldsame! Liebkosend strich sie nber den weichen Stoff, dann klingelte sie. und mit Hilfe Minnas zog sie das Jacket an, sich an dem Entzücken des Mädchens weinend. Und sie selbst schwelgte in Wonne über das vornehm einfache, weder von Taschen, noch Zierrat verunstaltete kostbare Kleidungsstück. Als sie auf die Straße trat und die

frische Winterluft einathmete, war all

ihr Kummer vergessen. Sie freute sich über die mit Schnee behangenen Bäume des Thiergartens, und als sie in die Königgrätzerstraße einbog, über das hier beginnende Treiben der Großstadt. Auf dem Potsdamer Platz hatte s seinen Höhepunkt erreicht kaum konnte sie durch. Sie strebte der Äeipzigerstraße zu, wo sie einige Besorgungen zu machen gedachte. Dort, an der Ecke 'der Wilhelmstraße, bog von dieser kommend ein Laufbursche .ein. achtlos auf die ihm entgegenschreitenden Menschen und vergnügt pfeisend. Unter dem Arm trug er .ein Brett, das weit nach vorn ragte. Unglücklicher Weise lugte an dessen vorderer Spitze em Nagel hervor, 'der sich kein anderes 5eld der Thätigkeit ausersehen konnte, als das elegante Jacket der bei der Biegung mit dem Laufburschen beziehungsweise seinem Brett heftig zusammenprallcnden Frau Hauptmann v. S. Eine ungeschickte Schwentung

Zbes 5cunae7l und xxt rad der

spitz hervorstehende Nagel hatte ein Legelrechtes Dreieck in den vorderen

SchoßtheU des theuren Jackets geris-

im.

Sprachlos vor Schreck stand einen Augenbück der Verbrecher dann llapp klapp eilte ei so schnell er

konnte davon und war im Gedränge

verschwunden, ehe der rächende Arm eines Schutzmannes ihn ergreifen

konnte. ??rau Ella aber lehnte an der Maue

eines Hauses und weinte bitterlich.

Sie achtete nicht der Menschenflut, die neben ihr vorüberwogte und die auch, gleichgültig gegen menschliches Elend, sie nicht beachtete. Ter Jammer war zu groß!

Da schlug in ihrem bitteren Schmerz

ein tiefer Baß an ihr Ohr. Weenen Se man nich, Madameken", sa;te gutmüthig tröstend die Stimme im unverfälschten Berliner Dialekt. Sie brauchen sich ja man blos 'ne Tasche uff det Loch zu setzen." Frau Ella zog das Taschentuch von den weinenden Augen, in denen es schon lustig aufsprühte. Die Situation war zu komisch. Vor ihr stand ein Arbeiter, breit und behäbig, der ihr den einzigen Ausweg aus ihrem Unglück zeigte. Und welch einen Ausweg! Die Freude am Jacket, der Aeger über den Vorschlag ihres cngelsguten Hans", die Taschen betreffend, und die vcr salzene Suppe alles das zog blitzartig an ihr vorüber. Unter Thränen schon lachend, rief sie: Sie haben ja so recht, Männeken! Ihr Rath ist vortrefflichurz ich danke Ihnen." Mit kräftigem Händedruck trennte sich die vornehme Dame von dem einfachen Manne." Belustigt sah Frau Ella auf den Riß in ihrem Jacket nieder, das in seinem kurzen Dasein schon so viel erlebt, so reichlich Anlaß zu Jubel und Jammer gegeben hatte, und dabei empfand sie merkwürdiger Weise gar keinen Schmerz mehr. Sie hatte vielmehr das angenehme Gefühl wie von einem Banne erlöst zu sein, da sie HansenZ Wunsch nun. erfüllen mußte, ohne

ihre Grundsätze verleugnen zu brau chen. Während sie eilig weiter schritt, um so schnell wie möglich nach Hause zu gelangen, bemerkte sie garnicht, daß sie beinahe einem Offizier in die Arme gelaufen wäre. Er wich ihr nicht aus, sondern blieb dicht vor ihr stehen. Ella!" rief er. ' Hans!" sie rief es fast jubelnd. Wie siehst du denn aus, Wildfang", sagte er, auf den Riß deutend: Morgen früh um fünf Uhr zum Rapport antreten, im Ausgehanzuge, Jacket in

der Hand", fügte er mit angenommener i

Strenge hinzu. Du", entgegnete sie' lachend, während es über ihr Antlitz vor Uebzrmuth zuckte und der Schalk aus ihren Augen sprühte, du Hans hier wird eine Tasche drauf gesetzt." Und stolz den Kopf zurückwerfend, tippte sie auf den Riß an ihrer Seite. Nanu?" rief er erstaunt. Endlich Vernunft angenommen?! Dafür sollst du einen Windbeulel haben komm mit zu Hilrich." Ach nein", sagte sie, lieber in ein Bräu die Suppe war zu stark gesalzen Verschüttetes Salz.

Lon Heinrich Lee. Das Kolleg war zu Ende. Professor Paulsen ging nach Hause, Mittag essen. Bis vor etwa vierzehn Tagen that er das regelmäßig in einem bestimmten Weinrestaurant, wo er seit Jahren einen Stammsitz gehabt hatte im zweiten Zimmer erster Tisch rechts. Seit vierzehn Tagen aber war er verheirathet. Da die Hochzeit aus verschiedenen Rücksichten mitten im Semester stattgefunden hatte, so mußte das junge Paar aus eine Hochzeitsreise verzichten. In dem neuen eigenen Nest war es aber so traulich und warm, daß man die Reise nicht schmerzlich entbehrte. Außerdem liebten sie sich beide doch und wie! Niemand hätte unserem Erich Paulsen eine solche Zärtlichkeit zugetraut. Er war Chemiker, und das mit Leib und Seele. Wenn man sich zeitlebens mit Schwefelwasserstoffgasverbindungen, ätherischen Oelen und ähnlichen Sachen beschäftigt, so kommt man leicht in den Ruf, ein trockner, nüchterner Mensch zu sein, der für die Poesie der Liebe nichts mehr übrig habe. Und doch war diese Meinung, wie eben Professor Paulsens Beispiel zeigte, grundfalsch. Er war ein liebender Bräutigam gewesen, er war ein liebender, enorm glücklicher Ehemann. Wie er jetzt durch die Straßen seiner Wohnung zuschritt, dachte er au keine Schwefelwasserstoffgasverbmdüngen mehr er dachte nur an das geliebte, kleine, süße Wesen, das jetzt also seine Frau war. Was für ein Unterschied besteht doch darin, ob man als trauriger Junggeselle im Restaurant speist, von einem geschäftsmäßigen Menschen, einem Kellner, beV.ent oder ob man am eignen, zierlich und behaglich gedeckten Tische sitzt, als Gegenüber das besagte holde Geschöpf, kurz, einen Engel. Engel" das war für Kittn das richtige Wort. Engel sind vollkommen und das war eben Kitty auch. Jede Frau so hatte Professor Paulsen immer gehört hatte ihre kleinen Fehler. Kitty hatte keinen einzigen, auch nicht den kleinsten. Höchstens aber auch allerhöchstens hatte sie eine kleine Eigenheit, sie war ein bischen abergläubisch. Niemals, als sie noch Brautleute waren, wäre sie zum Beispiel mit ihm unter das Gerüst eines Neubaues gegangen, denn, wie sie davon in felsenfester Ueberzeugung sagte man läßt das Glück unter dem Gerüst." Zu ihrem letzten Geburtstag brachte er ihr eine prachtvolle Breche, entsetzt sah sie ihn an die Broche hatte eine Nadel, und eine Nadel zersticht ja die Freundschaft! Er mußte die Brosche umtauschen gehen und dafür eine Gürtelschnalle nehmen. Oder drittens: man setzte sich zum Eessen nieder und er gerieth zufällig an die Tischecke. Auch dieses durfte nicht

sem. Wer an der Tischecke sitzt, meinte sie geängstigt, muß mit dem Heirathen noch sieben'Jahre 'warten und das wäre allerdings, auch nach seiner eigenen Meinung .schrecklich gewesen. Er mußte also aufstehen und sich an eine andere Stelle setzen. Und dcrgleiche mehr. Nun, das war alles nur während der Brautzeit gewesen, so lange sie ihr Glück noch nicht geborgen hatte. Es war schließlich alles bei ihr nur süß Besorgniß, sie verrieth ihm ja damit nur. ihre Liebe. Darum hatte er ihr auch nie widersprochen, sie niemals belehrt, wie thöricht der Aberglaube ist. Eigentlich wäre es seine Pflicht gewesen, denn ein Mann soll seine Frau erziehen ein Mann der exakten Wissenschaften also erst recht, jfcrn aber waren sie verheirathet, jetzl brauchte sie sich um ihrer Beider Glück nicht mehr zu bangen, und seit sie verheirathet waren, hatte sie wohl auch ihrcn Aberglauben abgethan. Es wäre sonst wirklich und in allem Ernst seine Schuldigkeit gewesen, diesen kleinen Flecken an ihr auszutilgen. Es war.

allerdings nur ein Flecken von dfr. Größe und der Qualität eines Schön-kl Tti2.Ylf1ftftrifn3. Sa3 linsm . iYfc

...(-I.KI.nuiii, vus iiiiim uu ujiv sich schon reizenden Gesicht nur noch einen Reiz mehr giebt. Aber immerhin, das Fleckchen verstieß gegen die Ordnung. Nun, seit sie verheirathet waren, war es ja, wie gesagt, verschwunden. Kitty bedürfte seiner Belehrung nicht mehr.

Als Professor Paulfen nach Hause ! kam, flog ihm Kitty an die Brust. In '

' der That, man brauchte Frau Kitty

nur anzusehen, um ihren Mann a :s

vollem Herzen zu beneiden. In dem weißen Latzschürzchen, das sie umgebunden hatte, war sie einfach reizend. Wie lange Du bleibst!" sagte sie, sich zärtlich an ihn schmiegend. Er küßte sie verschiedene Male, nannte sie meine Maus", dann setzte man sich zu Tische. Das Essen war brillant, man hatte eine ausgezeichnete, vou Kittys Mutter engagirte Köchin, Kitty plauderte, und jeder Gang wurde mit einem Kusse besiezelt. Zum Schluß kam der 'Salat, ein delikater und von Kittys Händen

selbst zubereiteter Tomatensalat, Erichs' Lieblingsessen. Schmeckt er Dir so?" fragte Kitty. Ich glaube," erwiderte er nach der Prüfung, er kann noch etwas alz' vertragen." Bei diesen Worten zielte er mit dem Messer nach dem etwas entferni siehenden Salzfaß natürlich war es ein Hochzeitsgeschenk. Kitty wollte ihm behilflich sein und schob es ihm zu. Aber sie that es wohl zu hastig: das F'äßchen fiel um, und der Inhalt auf den Tisch. O weh!" rief Kitty aus, die erschrockencn Augen auf die weißen Häufchen gerichtet. Aber was ist den? bal. Maus?" fragte er erstaunt, das Unglück ist doch nicht so groß! Was hast Tu denn?" Dabei füllte er das Salz ganz gleichmllthig mit dem Messer schon wieder in das Fäßchen zurück. Wenn man das Salz verschütet," erwiderte Kitty mit gepreßter Stimme, so bedeutet das Streit unter ein-

!.

ander. Erich zuckte zusammen. Da war es" wieder. In ihrer Ehe das erste Mal. Und er hatte schon gehofft, daß es" abgethan war. s war seine Pflickt, das nicht an ihr zu dulden. Mein geliebter 'Schatz," sagte er liebevoll, freundlich, fast väterlich, das ist nur wieder von Dir ein so kleiner Aberglaube " Aberglaube?" unterbrach ihn Kittn mit Verwunderung. Das nennst Du Aberglaube? Und wieder"? Was heißt denn das? Hast Du mich den, sonst schon einmal abergläubisch gese hcn?" Erich mußte selbstverständlich lä cheln.' Du magst es vielleicht anders nen nen, Maus." entgegnete er. aber ich erinnere Dich an die Brosche, die Du nicht von mir nehmen, an das Baugerüst, unter das Du nicht mit mir ge-

hen wolltest, an die Tlschecke. an der

ich mich nicht setzen durfte..." Und das heißt Du abergläubig?

Ja, mein Schatz. Und siehst Du. das mußt Du nicht sein. Du .bist jetzt eine kleine Professorenfrau, und die soll dergleichen den Dienstboten oder anderen ungebildeten Personen überlassen ..." Er war ausgestanden, dicht an sie herangetreten und beugte sich nun zu ihr herab, um sie zu umarmen. Aber das gelang ihm nicht. Auch Kitty sprang jetzt auf. Ihre Wangen rotheten sich, itre Augen blitzten. Ungebildet! Also ungebildet bin ich sagst Du!" Mißversteh' mich doch nicht, mein Nebes Kind. Ich habe nicht von Dir gesprochen, sondern vom Aberglauben überhaupt." Doch meinst Du mich damit, denn Du sagst ja, daß ich abergläubisch bin." Allerdings behaupte ich das!" Also! 'Solche Vorwürfe machst Du mir! Wie wir noch verlobt waren, hast Du mir niemals welche gemacht. Jetzt aber, wo ich Deine Frau bin, fängst Du damit an. Natürlich, jetzt brauchst Du ja keineRücksichten mehr zu nehmen. Jetzt erkenne ich Dich." Kitty begann zu schluchzen und zog ihr Taschentuch. Kitty!" rief er bestüzt. Es war das erste Mal, daß er ihre Thränen rinnen sah. Aber Kitty hatte die Arme auf den Tisch gestemmt, weinte in ihr Taschenwch hinein, und die einzigen Worte, die er von ihr zu hören bekam, waren: Ich bin so unglücklich!" Seine Bemühungen, seine Erklärungen, blieben umsonst. Jeder verheirathete Leser, vielleicht auch mancher un 'xrhcirathete. weiß, daß eine Frau, axich die geliebteste, zuweilen einen Mann durch ihr Benehmen rasend machen kann. Auch Erich ging es jetzt so. Weißt Du. was Du bist?" schrie er endlich, ein unvernünftiges, dummes Ding bist Du?" Ki!tt fuhr mit ihrem Gesichte auö ihrem Taschentuch auf. Starr, mit ihren feuchten Augen sah sie den Mann ihrer einstigen Liebe an. als könnte er nicht mehr derselbe sein. Ein was?" wiederholte sie bebend. Erich hatte sich zu sehr geärgert. Ein dummes, unvernünftiges Dmcj!" schrie er noch einm.il. Kitty stand auf. Es ist gut." hauchte sie, für einen Moment den Strom ihrer Thränen bezwingend Du wirst von dem dummen Ding befreit werden!" Damit rauschte sie hinaus. Erst eine Viertelstunde später, nachdem es längst zu spät war. erfuhr Erich zu seinem Schrecken, daß sie das Haus verlassen hatte. Kitty war auf dem Wege zu ihrer Mutter. Keinen Augenblick länger wollte sie in seinem" Hause bleiben. Sie 'verlangte Scheidung!" Eine Stunde später stand die wür dige Dame, die Kittys Mutter war. vor ihrem Schwiegersohn. Kitty ist aufgeregt." sprach sie, ich verstehe von ihr kein Wort. Ich wünsche jetzt von I h n e n zu wissen, waZ vorgefallen ist." 'Sonst flößte dem Professor KittyZ Mutter mehr Respekt als Liebe ein. Jetzt, wo sie ihm die Botschaft brachte, daß Kitty wenigstens am Leben und bei ihr geborgen war, eichien. si: .irn

in dem himmlischen Glänze eines Rettungecngels. Kitty mußte wieder in seine Arme, das verstand sich von selbst, denn jetzt wußte er. wie sehr er sie licote. Aber Kittys Mutter hatte mit ihrer Frage Recht. Ja. was war es doch gewesen? Was war der Grunds der Anlaß ihres Lwistes? Er mußte sich förmlich erst besinnen

Jetzt hatte er's! Richtig! Ihr kindischer Aberglaube. Es war Salz verschüttet

worden, und sie behauptete, das gebe

Streit. Das war es damit hatte

es a-'gesangen.

Kittes Mutter es war eine Ta-

me von stattlichem, aber etwas stren--gem Ansehen verschränkte die Arme über der Brust.

Run also!" sagte sie wer hat

dann Recht gehabt? Hat es Streit Kgcbeu oder nicht? Haben 'Sie oder hat

Kittn Recht gehabt'

Erich prallte ordentlich zurück. In diesem Fall allerdings Kit

ty." stotterte er dann.

..Es freut mlch, sagte Kittys Mutter mit Befriedigung, daß Sie daseinsebcn. lieber Professor." Es war nunmehr Erichs Pflicht. Hitin um Verzeihung zu bitten. Sie gewählte sie ihm endlich. ..Wirf: Du aber noch einmal sagen, daß ich abergläubisch bin? Daß das nicht w-chr ist, daß es Streit giebt, wenn man Salz verschüttet Du?" Er küßte sie auf den Mund, u.d dachte dabei an ein kleines, dunkles Fleckchen. das Schönheitspsläster chen. Ncin, gewiß nicht wieder!" lächelte er. Ottos Tchuldcn. Von firifc Müller. Als ich mich verheirathet?, kcnsultirte ich öfter einen weisen, alten Herrn meiner Bekanntschaft. Wir wollen ihn Diogenes nennen. Also Diogenes sagte mir: Ich hatte einen Freund, der große Erfolg: im ehelichen Kleinkrieg mit einem ganz ingeniösen Mittel erzielte. Sie wissen, wie unvorsichtig es ist. seiner Frau den ganzen Betrag seiner Jahres-, beziehungsweise Monatseinnahme genau anzugeben. Andererseits setzt dieFrau alles daran, es zu erfahren. Sie betrachtet solche Geheimnißthuerei als einen Vertrauensbruch, Mangel an Liebe, Herzensspaltung. Nun, Sie kennen die Geschichte von Simson und Delila!" fügte Diogenes sarkastisch hinzu. Also mein Freund batte in jungen Jahren von einem Onkel ein Rezept bekommen. Dieser Onkel besaß einen frühverstorbenen Bruder, der Otto hieß. Es kann aber auch für romantische Gemüther ein Vetter oder Freund aus der Studentenzeit sein, dem man es auf dem Sterbebett versprochen hat. Ein Vater wäre zu pietätlos. Nun. jeden Monat behielt er einen bestimmten Theil seiner Einnähme zurück. Für Ottos Schulden". Er zah'.te die Schulden seines verstordenen Bruders ab' Nicht nur bewunderte seine Gattin diesen Edelmuth auf's Höchste, sie half ihm noch sparen. Mein Freund stand sich vortrefflich bei dieser Methode!" Wenn Sie gejeut haben sollten." sagte Diogenes, was im gemüthlichen kleinen Kreis unter Umständen vorkommen kann sagen Sie stets zu Hause: Ich habe gerade die Zeche geWonnen". Das macht den Damen Spaß. Verlieren ärgert sie. Gcwinnen weckt moralische Bedenken über den andern Armen. Manchmal möchten sie auch selbst gerade gern ein neues, seidenes Kleid. Aber gerade die Zecbeist gut. Das ist vortrefflich!" sagte Diogenes. Manche Frauen haben dieGewohnheit, ihre Männer über deren Vorleben auszuquetschen. Sie wollen von Lieben hören. Orgien. Leidenschaften. Auch da muß der Mann von Welt vorsich sein. Verräth er in Geckenhaftigkeit oder reuiger Aufrichtigkeit zuviel, wird ihm das vorgeworfen. Sie hat Verdacht geschöpft. Einen kompletten Joseph mag sie auch nicht, zweifelt dann erst recht. Ich habe es immer sehr zweckentsprechend gefunden, zu sagen: Sie war zu arm und gab fran.zösische Stunden, heirathet: aber später einen braven Oberlehrer in Meseritz. Sie hieß Klara." Arm und Stundengeben sind ein honnetter Grund zum Nichtheirathcn. Die ernste Absicht ist doch wenigstens gerettet. Meseritz ist weit. Es gibt Orte, die immer aus dem Wege sind. Schon der Name: Meseritz.' Auch, daß es ihr gut gebt. Man möchte doch nicht gern, daß sie sich das Leben genommen hätte. Trotzdem ist der Oberlehrer auch nicht zu gut". Ein russischer Fürst würde Neid erregen. Neugier. Ein Oberlehrer ist vortrefflich, goldene Mittelstraße, resignirt. wehmüthig und doch freudi.z!" DieSache ist gar nicht so leicht, wie Sie denken, "sagte Diogenes. Es ge bört Tapferkeit dazu und Vorsicht. Vorsicht vor allen Dingen! Vorsicht ist die Seele der Tapferkeit!" Stolz.

Mancher läßt ein Blumlein sieh'. Das er gerne würde pflücken Bringt's nicht fertig, sich zu bücken. Denn das darf die Welt nicht seh'! GroßteFreude. Bekankr: Du bist ja auffallend vergnügt?" Falschmünzer: Ja, Du mußt nämlich wissen, heute ist es mir geglückt, eine Polizeistrafe mit selbstgemachtem Kelde xu bezahlen." . Schwerenöther. Herr Lieutenant haben wohl in der kleinen Stadt Aufsehen erregt?" aben Sie 'neAhnung? Schoi uach achttägigem A znthalt wurde i aic!?.v.--r

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