Indiana Tribüne, Volume 24, Number 167, Indianapolis, Marion County, 5 March 1901 — Page 1

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förfcreittt jeden Jladjmittafi und Sonntag Morgen.

Jahrgang 24.

Indianapolis, Ind., Dienstag, den S. März 1901.

No. 167

AerKrieg in Südafrika Die Briten erbittert dar-über

Daß ihnen DeWet abermals eut kommen ist. Perschiedeues nus China. , Die Jläd)tt verlangen weitere Bestrafungen.

Maugel an Disziplin in der russischen Armee.

Seneral Orlou wird vor ein ttriegS gericht gestellt. England wird vielleicht von der South Asriea Chartered (Zompauy Die Summe kollektireu, welche das Trausvaal verlangt hatte

MS Entschädigung für den Jameson' 'scheu Naubzug.

Die Lage in Südafrika. London, 5. März. Ueber die Unterhandlungen, die angeblich zwischen Lond Kitchener und Louis Botha gepflogen werden, fehlen soweit alle offiziellen Nachrichten. Das letzte Gerücht lautet, daß Botha um die Erlaubrufe nachgesucht habe, sich mit dem Präsldenten Krüger in Verbindung setzen zu dürfen, und ihm diese Erlaubniß auch gewährt worden sei. Man ist hier allgemein der Ansicht, daß die Reise Sir Alfred Milners nach Transvaal mit dem Gerücht von den angeknüpften Unterhandlungen in Verbindung steht. Die Zeitungen verbergen nicht ihren Aerger darüber, daß De Wet abermals entkommen ist. und sie verlangen eine Erklärung darüber, wie es möglich war. daß . er übet den Oranje-Fluß zurückkehren konnte, während er von acht oder neun britischen Kolonnen verfolgt wurde. Colesburg, 5. März. Die Schuld für das abermalige Entweichen General De Wets wird weniger den Kommandeuren der ihn verfolgenden Abtheilungen als dem falschen System der Verfolgung zugeschrieben. Es war unmöglich, behufs einheitlicher Operationen die nothwendige telegraphische Verbindung herzustellen. Man ist der Ansicht, daß den einzelnen Kommandeuren, die im Felde dem Feinde gegenüberstehen, in Zukunft größere Bewe gungsfreiheit gestattet werden sollte. - General De Wet legte täglich fünf Meilen mehr zurück, wie die schnellste britische Kolonne. Obgleich die Boeren jetzt demoralisirt sind, so glaubt man ioch, daß sie wieder völlig gefechtsfähig sein werden, wenn sie einige Tage Ruhe .haben. London. 5. März. Der Schatz'amtssekretär Sir Michael Hicks Beach wurde im Hause d?r Gemeinen inter.'pellirt, ob die Regierung Anstalten ge- , troffen habe, als Rechtsnachfolgerin 'der Transvaal-Regierung von der 'Süd-Afrika Gesellschaft die Summe -von 1.000.000 Pfund Sterling als Schadenersatz für den Jameson'schen Raubzug einzuziehen. Sir Michael Hicks Beach erwiderte, daß seiner An- . sicht nach der Anspruch der TransvaalNegierung illegal sei. Ein Theil des- . selben sei allerdings schon an die v Transvaal-Regierung bezahlt worden und wegen der Einziehung des Restes (627.938 Pfund St.) habe er die Anwälte der Krone konsultirt. Es sollte ihn freuen, wenn deren Entscheidung zu Gunsten der britischen Regierung laute und dem Staate aus dieser unerwarteten Quelle eine größere Summ: zuflöße. Gescheitert. Oran. Algerien, 5. März. Ein Schiff, angeblich die Chili". wahrscheinlich aber die Scillm", ist in der Nähe dieses Hafens gescheitert. Sechs Leute der Mannschaft ertranken. Die italienische Barke Snllm", Kapitän Palazza. ging am 18. Dezember von Pensacola. Fla., nach Genua ab. Das neue bulgarische Min i st e r i u m. Sofia. Bulgarien. 5. März. Ein Koalitions-Kabinet. aus Mitgliedern der beiden russenfreundlichcn Parteien zusammengesetzt, ist gebildet worden. Herr Maraselow ist Premier und Finanzminister. Dancw Minister des Aeußeren und Parikow Kriegsminister. " Aus China. London, 5. März. Der Pall ... Mall Gazette" wird wie folgt aus Pekingtelegraphirt: r Der Kaiser wird End: März nach Peking zurückkehren und es wird , in VSian Au bereits eine Lsiardz aebil-

det, Yit ihn auf der Reise begleiten soll. Die auswärtigen Gesandten haben den Tod von zwölf weiteren hohen Be amten und die Bestrafung von 90 Man darinen in den Provinzen verlangt. Eine Vorlesung mit Hindernissen. L o n d o n , 5. März. In Shenklin, auf der Insel Wight, erstürmte am Sonntag ein wüthender Volkshaufen die Platform, von der aus der frühere Mönch Victor Ruthben einen gegen den Katholizismus gerichteten Vortrag hielt. Ruthben zog einen Revolver und hielt damit seine Angreifer eine Zeit lang fern, er ergriff aber schließlich die Flucht. Er drehte sich mehrmals um, um auf seine Verfolge? zu schießen, und ein Mann erhielt dabei einen Schuh ins Gesicht. Ruthben wurde verhaftet. Aus der französischen Deputirtenkammer. P a r i s . 5. März. In der Kammer wurde die Regierung von dem Re publikaner D'Estournelles de Eonstant über die Lage in China interpellirt. Redner meinte, daß bei den offenbar guten Absichten der chinesischen Regierung Frankreich sich nicht auf weitere militärische Expeditionen einlassen sollte. Dieses Passus' wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Der Minister des Äeußeren. Herr Delcasse erwiderte, daß die frcmzösischen Truppen lediglich als Schutzmaßregel für die Zukunft in China verbleiben würden. Was eine große militärische Expedition anbelange, so setze dieselbe eine Verständigung mit den anderen Mächten voraus, aber nichts Derartiges sei bis jetzt geschehen oder geplant. Die Regierung würde unter Umständen eine solche Erpedition nicht von der Hand weisen können, aber sie würde nicht ohne die schwerwiegendsten Gründe sich daran betheiligen und derarte Unterehmungen würden zuerst der Kammer unterbreitet werden. Die Kammer könne davon überzeugt sein, daß die Politik der französischen Regierung in China eine durchaus ehrenhafte sei. Die Antwort des Ministers fand lebhaften Beifall. Ans dcdButtdcshattptstadt

äöJfoiiflrcß. Äilc Scjfe Der 56. Kongreh um 12 Uhr Mittags vertagt.

Die Zlug. und Dafen-Bill nicht angenommrn. - Sen. Carter, Mvnt., verhinderte ihre Anuahme.

Der Senat des 57. Kongresse Bon dem Vizc-Präsidentcu Rooscvelt zur Ordnung gcrusen. Vertagung desKongresses. Senat. Washington, D. C.. 4. März. Die letzte Sitzung des Senats im 56. Kongreß charakterifirte ein Ereigniß, wie es in der Geschichte des Kongresses nur selten vorkommt. Senator Carter, von Montana, der dem Senat sechs Jahre lang angehörte, und dessen Termin um 12 Uhr Mittags zu Ende ging, beschloß seine Karriere im Senat damit, daß er die Annahme,- der Fluß- und Hafen-Bill verhinderte, indem er seine gegen die Vorlage gerichtete Rede bis zur definitiven Vertagung des Kongresses fortsetzte. Sen. Carter führte in konstruktivem Sinn ungefähr 13 Stunden lang das Wort, drei Stunden von dieser Zeit wurden aber in Zwischenräumen aus die Erledigung anderer Geschäfte verwendet. Der Senator fing in der Nacht zum' Montag, zwanzig Minuten vor Mitternacht, an gegen die Vorlage zu sprechen, nachdem de; Konferenz - Ausschuß berichtet, daß eine Einigung über gewisse Punkte noch nicht möglich gewesen sei. Er griff die Vorlage ungemein heftig an und sagte, daß sie auf keinen Fall angenommen werden solle, da sie ein Verbrechen, ein Raub an dem Volke sei. Kurz vor fünf, Uhr Morgens beruhtete Sen. Allison. daß einer Einigung auf den gemischten Civil-Etat die Se-nat-Amendements zur St. Louiser Ausstellungsvorlage im Wege seien. Der Senat ließ dann die Verwilligungen für Buffalo und Charleston. S. C., fallen und nahm schließlich die St. Louiser Ausstellungs-Vorlage an. Senator Tillman gab sich die größte Mühe, die Beibehaltung der Verwilligung für Charleston durchzusetzen, er mußte aber bald die Erfahrung nie chen. daß die Senatoren von Missouri größeren Einfluß auf den. Senat ausübten als er. Mit 33 gegen 10 Stimmen ließ der Senat das CharlestonAmende'ment fallen und die Vorlage wurde dann cacncinmen. . .

Sen. Carter nahm dann seine Rede wieder auf und um halb 7 Uhr kündigte er an, verhindern zu wollen, daß die Fluß- ünd Hafen - Vorlage zum Ge fetz werde, wenn seine Kräfte dazu aus reichten. Er fügte hinzu, daß er sich ini Augenblick in einem vorzüglich phyfischen Zustand befinde. Von da au sprach Sen. Carter fast unterbrochen, und er wurde nur einmal unterbrochen, als ein Quorum zusammengebracht wurde, und einmal, als der Senat von halb elf bis elf Uhr Pause .nachte. Er hörte erst auf, nachdem die Zerei.ionien der Einführung des Vizc-Pr.isidenten Rooscvelt in sein Amt ihren Anfang genommen hatten. Sen. Frye hielt eine kurz?, aber gefühlvolle Abschiedsrede, als er das Präsidium über den Senat aufgab, und nachdem eine Resolution angenommen worden war, in der ihm für seine Un Parteilichkeit und Höflikt der Dank des Senats abgestattet wurde. Der neue Senat zur Ordnung gerufen. Nach Schluß des 56. Kongresses wurde der Vize-Präsident Roosevelt eingeschworen, und er rief sofort den Senat des 57. Kongresses zur Ordnung. Es wa: eine einfach: aber eindrucksvolle Zeremonie. Die Senats ren wurden in Gruppen von je vier Mann eingeschworen. Nachdem dies vorüber war. wohnten die Senatoren der Inauguration des Präsidenten McKinlcy bei. und um 1.45 kehrten sie nach dem Scnatssaal zurück. , Repräsentantenhaus. Im Repräsentantenhaus herrschte am Morgen, da fat alle Geschäfte erledigt waren, nur mehr wenig Leben. Als das Haus nach der frühen Morgenpause um halb neun Uhr wieder zusammentrat. waren nur wenige Mitglieder anwesend, und es wurde dann nochmals Pause bis um-zehn Uhr gemacht. Es wurden dann noch einige Routine - .Geschäfte erledigt und beschlössen, daß sich das Haus definitiv vm viertel vor zwölf Uhr vertagen solle. Kurz vor dem Schluß wurden, die üblichen Dankes - Resolutionen für den Sprecher Henderson angenommen, der mit einigen passenden Worten dankte. Er schloß genau um viertel vor zwölf Uhr, worauf er die letzte Sitzung des Hauses vertagt erklärte. m 0 m Aeronauten v e r u n g l U ck t. El R e n o. O. T.. 5. März. Die Professoren Coleman und Boyne, beide von Brunswick. Mo., kamen am Montag bei einer verunglückten Ballonfahrt um's Leben. Als sie sich ungefähr 70 Fuß über der Erde befanden, brach der Reifen, an dem der Korb befestigt war, los und beide Männer schlugen mit furchtbarer Gewalt auf den Boden auf. Coleman brach das Rückgrat und Boyne die Schulter und beide Beine. Beide starben nach kurzer Zeit. Ein fremder Geschäftsreisender- und ein kleiner Knabe wurden von den fallenden Körpern getroffen und , schwer verletzt. ' Mysteriöses Verschwinden Brazil, Ind.. 5 '"März. Du Bürger von Caseyville sind in Folgt .des mysteriösen Verschwindens der neun Jahre alten Adöptib-T'ochter ei nes Farmers Namens, Sanders, der zwei Meilen von Caseyville wohnt, xra höchsten Grade .aufgebracht., DaZ Mädchen verschwand vor ungefähr zehr Tagen und seitdem' hat' wan nichtZ mehr von ihm' gesehen. Ein Nachbaz behauptet, vor ungefähr zehn Tagen an einem Abend das Geschrei eines. Km des in der Nähe des '' Sanders'schel? Hauses gehört zu haben.. und, am, fläch sten Tage würde bemerkt, daß ein ziem lich großer Apfelbäum, der in der Näh stand, aufgegraben, und, wieder ejnge setzt worden war. Die Bewohner vo Caseyville sind der .Ansicht, daß. da Kind ermordet undunter dem. Baum begroben worden ist.',. . Sanders behauptet, .nichts von, dem Verbleib des Mädchens zu wissen mrt er erklärt sich bereit, bei den Nachfor schungen alle möglich: Hilfe, leisten zu WoüeN. ' ' ..' ' . Die Leiche John Armstrong Chanler 's gefunden. New Y o r t , 5. März. Die stark verweste Leiche eines unbekannten Mannes wurde am Montag aus dem East River gefischt. Sie wurde spater von der Polizei als diejenige des Millionärs John Armstrong Chanler iden tifizirt, der vor mehreren Monaten aus dem 'B.'oomingdale Jrrenasyl ver schwand. Chanler war der frühere Gatte von Amelia Rives. F ün f Männer getödtet. I o p l i n. Mo., 5. März. In de, Engleside Zink-Mme in. Center Ballett, acht Meilen. Lstlichbon' Joplin. käme??' am Montag fünf Bergleute um's Leber

und drei andere 'wurden' schwer ver-! letzt. Die Leute wuxpett' in Folge de,j Explosion einer 5iiste mit Sprengpul'Z

ver gelovlet.

Wm. McKinley Zum zweiten Mal als Präsident der Ver. Staaten inau-gurirt

M TWcre Zloostell Legt den Eid als BizePräsident ab.

Eindrucksvolles Seremoniell im Kapital zuWasliington.

Niesige Militär- und Civib Parade ach der Inau-guration.

Bringt die offizielleu Festlichkeiten zum Abschluß.

Die I n a ug u r a t i o n W m. M cKinley's. Washington. D. C., '4. März. Wm. McKinley wurde am Montag zum zweiten Male in das Amt des Präsidenten'der Ver. Staaten eingeführt. Noch nZemalszuvor war Washington bei eiaerJnauguration so allgemein beflaggt, und so prächtig dekorirt, wie dies heute der Fall war, und noch niemals haben' l.'oule Soldaten und Matrosen an eiJnaugurations - Parade theilge- ' ..len wie diesmal. Die Folge war, zaß dieStadt ein überaus bewegtes und ounteS Bild bot. Das Wetter war nicht so. schön, wie der Chef des Signaldienfteö es prophezeiht hatte, der schwache Ziegen machte sich aber nicht besonders fühlbar, da es sonst ziemlich milde war. üm stärksten regnete es unglücklicherweise, als gerade Wm. McKinley vor r östlichen Front des Kapitols inSicht con vielleicht 40.000 Personen eingeschweren wurde. Im Weißen Haus fand diesmal keine Lormittags - Ceremonie statt, wie sie üblich ist, wenn ein neuzewählter Präsident den bisherigen Präsidenten ablöst, und die beiden Herren sich gegenseitkg begrüßen, um dann gemeinschaftlich nach dem Kapitol zu fahren. Anstatt

dessen hatte der Präsident McKinley ben Vormittag für sich, und er konnte ihn in aller Ruhe im Kreise seiner Angehörigen verbringen. Um zehn Uhr war der Präsident für die Fahrt nach dem Kapitol bereit, und bald darauf vHrließ Frau McKinley, begleitet von dem General - Adjutanien Corbin und ihren G?ien das Weiße Haus, um sich nach dem Senat zu begeben, und von dort aus der Ceremonie beizuwohnen. Der Präsident bestieg um halb elf Uhr vor dem Weißen Haus seinen Wazen, in dem auch noch die Senatoren Hanna und Jones und der Repräsen tant Dalzell, als Vertreter des Kongresses Platz nahmen. Der Wagen wurde von vier Pferden gezogen. Dem Präsidenten folgten die Mitglieder des Kavinets und der Sekretär Cortelyou. Die Fahrt nach dem Weißen Haus wurde dann angetreten. Die anderen Mitglieder des Konzreß - Kommittees. Senator Spooner rnd die Repräsentanten Grosvenor und McRae hatten inzwischen den Vizepräsidenten Roosevelt abgeholt und waren mit ihm nach dem Kapitol gefahren, wo bereits eine ungeheure Menschenmenge duldig wartete. Der Präsident und Vizepräsident kamen fast gleichzeitig, kurz vor elf Uhr vor dem Senat-Flüg?l des Kapitols an. Beide wurden von der versammelten Menschenmenge mit dem größten Enthusiasmus empfangen. DieEinschwörung desVizePräsidenten. Die Ceremonie im Senat, in der Einschwörung des Vize - Präsidenten Roosevelt und nachher auch der. sämmtlichen Mitglieder des Senats bestehend, ging programmmäßig von Statten, und kurz nach ein Uhr begaben sich die sämmtlichen Versammelten nach der großen Tribüne hinaus, in deren Mitte 'der Pavillon errichtet worden war, in dem der Präsident den Eid auf die Konstitution leistete. . . "

, Die Gallenen lin Senat - Saal wa-

Ein großartiger Ball im Hofe des Pensions-Anltes

ren eis aus den leyken Platz mit 'den Farailien und Freunden der Senatoren besetzt. Das prachtigste Schauspiel bot aber die für die Diplomaten reservirte Gallerie dar, die mit glänzend uniformirten Herren und Damen in kostbaren Toiletten angefüllt war. Der Saal selbst war nicht dekorirt und hatte das gewöhnliche Aussehen. Vor dem Pult deö Präsidenten des Senats waren ein wfce? und sechs kleinere lederne Armsessel aufgestellt worden, der große fü den Präsidenten McKinley und die klei ven für die Mitglieder des Kongreß Kommitt. Auf den Seiten standen U deute Sofas für die Mitglieder des Oberbundesgerichts, für die Mitglieder des Kabinets. . General Miles und Admiral Dewey. Die demokratische Seite des Senats-Saals war den Mitgliedern deZ Repräsentantenhauses überlassen worden. Nachdem der Senat alle Geschäfte e?ledigt hatte und alle Vorbereitungen für die Ceremonie getroffen worden waren, betraten zuerst die Mitglieder des diplomatischen Corps in voller Uniform den Saal, dann kamen die Oberbundes - Richter, die Mitglieder deö Hauses und zuletzt. General Miles und Admiral Dewey mit ihren Stäben in Gala - Uniform. Nachdem alle ihre Sitze eingenommen hatten, erschien der Viz - Präsi dent Roosevelt. der neben dem Senator Frye auf dem Rostrum Platz nahm. Es war nun schon nach zwölf Uhr. Senator Stewart, der Ceremonienmeister, kündtgte nun die' Ankunft des Präsidenten McKinley an. Als der Präsident eintrat, erhoben sich die sämmtlichen Anwesenden. Der Präsident war wie gewöhnlich in einen schwarzen Rock gekleidet, der vorn zugeknöpft war. und trug einen Cylinder - it in der Hand. ' Wenige Minuten nachdem der Präsident seinen Sitz eingenommen hatte, ersuchte Sen. Frye den Vize - Präsidenten, sich zu erheben und den Amts - Cid abzulegen. Dies war bald geschehen und Senator Frye hielt dann seineAbgangs-Rede.-Als er geendet, übergab er dem Vize - Präsidenten den Hammer Und ric letzte. Sitzung des Senats im 56. Kongreß war vorüber. Der Kaplan des. Senats trat aber sogleich vor und sprach das Gebet, mit dem die erste 'Sitzung des neuen SenälZ'emgelcikek'tvurde. Herr Roosevelt hielt dann eine kurze Ansprache, die nur wenige Minuten in Anspruch nahm. Die Proklamation deS Präsidenten, in welcher der Senat zu einer Extra - Sitzung einberufen wurde. wurde dann verlesen und die neuen Senatoren legten dann in Gruppen von je vier Mann den Diensteid ab. Die Termine von dreißig Senatoren liefen am Mittag des 4. März ab, es wurden aber nicht so viele eingeschworen, da in einigen Staaten noch keine neuen Senatoren gewählt worden sind. Die Inauguration deS

Präsidenten. Nachdem die Ceremonie im Senat zu Ende war, begab sich der Präsident' mit dem Präsidenten des Oberbundesgerichts, Herrn Füller, in das Privatzimmer des Ersteren, während die übrigen Anwesenden sich auf' die große Tribüne hinaus begaben, die 5000 Personen aufnehmen konnte. Erst als alle ihre Sitze eingenommen hatten, erschien der Präsident in Begleitung des Richters Füller, in dem Pavillon, der sich in der Mitte der Tribüne befand. Ein tosender Beifallssturm brach los, als Präsident McKinley sich zeigte, und er hielt an. bis Herr Füller sich erhob, die Hand, Schweigen gebietend, emporstreckte und anfing, die Eidesformel zu verlesen. Der Präsident erhob die Hand und wiederholte mit klarer, fester Stimme die Worte : Ich schwöre f e i e rlichst. daß ich getreu das Amt des Präsidenten der Ver. Staaten verwalten und nach bestemKönnen die Konstitution der Ver. Staaten aufrecht erhalten und vertheidigen werde." Zum Schluß küßte er die Bibel. ' ' Nachdem sich der abermalige Beifallssturm gelegt, verlas der Präsident seine Jnaugurationsrede. die wie folgt lautete : . Die Inauguration - Rede. Mitbürger! Als wir am 4. März 1897- hier an derselben Stelle versammelt waren, herrschte im Lande große Besorgniß in Bezug auf unser Währungssystem und auf urseren Kredit. Dies ist 'heute nicht der Fall. Damals waren die Einnahmen der Regierung nicht groß genug, um die laufenden Ausgaben .zu decken. Jetzt sind sie für alle Zwecke nicht nur hinreichend, sondern sie -r-geben auch noch einen Ueberschuß, anstatt des früheren Defizits. Damals fühlte ich' mich gezwungen, den Kongreß zu einer Extra-Sitzung cinzuberufen, um über Mittel zu berathen, wie weitere Einnahmen für die Neaieruna

, geschaffen werden könnten. Jetzt ge

währt es mir die größte Befriedigung, ankündigen zu können, daß der Kongreß, der sich soeben vertagt, die Steuern um 41 Millionen reduzirt hat. Damals hegte man, nach dem Jahre langen Darniederliegen der Industrie, des Handels und der Landwirthschaft, m der dadurch verursachten traurigen Lage unserer Arbeiter-Vevölkerung, die ernstlichsten Befürchtungen. Jetzt herrscht auf allen Produktionsfeldern die größte Thätigkeit, die Arbeiter finden überall lohnende Beschäftigung und amerikanische Produkte zu Haufe wie im Ausland gute Märkte. Unsere Produktion nimmt aber auf allen Ge bieten in solchem Maßstab zu, daß t unsere Pflicht ist darauf zu sehen, daß unsere Absatzgebiete durch . Verbesserung der kommerziellen Beziehungen mit anderen Ländern erweitert werden. Zu diesem Zweck sollten Rezipro-zitäts-Arranzements mit anderen Nationen. in liberalem Sinne abgeschkos sen und sorgfältig geschützt werden. Sparsamkeit und Ehr lichkeii. Der Wille der Nation, wie er im Jahre 1896 zum Ausdruck kam, ist zum größten Theil durchgeführt worden. Was immer noch unerfüllt geblieben ist, bildet eine fortlaufende Verpflichtung für die Exekutive und den Kongreß. So günstig die Lage in unserem Lande aber auch ist, kann sie nur andauern, wenn gesunde Geschäftsmethoden und die strcngste Sparsamkeit in der nationalen Administration und Gesetzgebung beobachtet werden. Unsere g Aße Prosperität darf uns nicht veranlassen, in leichtsinniger Weife mit den öffentlichen Geldern umzugehen. Während der Kongreß bestimmt, wofür Gelder bewilligt werden sollen, und wieviel, sind die Beamten des Ezeku-tiv-Dcpartements dafür verantwortlich. daß die vcrwilligten Gelder in ehrlicher und sparsamer Weise verwaltet und verausgabt werden, und es muß ihre beständige Sorge sein, danach zu sehen, daß jede Extravaganz vermieden wird. Ehrlichkeit. Fleiß und Befähigung sind nirgends mehr unerläßlich, als im öffentlichen Dienst. Es sollte Niemand zu einem Posten ernannt werden, der nicht durchaus dazu befähigt ist der Betreffende muß dafür aber auch die Garantie erhalten, daß. er ohne Grund nicht aus seinem Amt entfernt werden kann. Die Kriegsfragen. Vor vier Jahren standen wir vor ei nem großen Krieg, ohne daß das Volk eine Ahnung davon gehabt hätte und ohne daß die geringsten Vorbereitungen getroffen worden wären, der drohenden Gefahr zu begegnen. Ich gab mir alle erdenkbare Mühe, den Krieg zu vermeiden, aber umfor st. Er war unausblciblich. und der Kongreß bewilligte in seiner ersten Sitzung die nöthigen Gelder, um die Vorbereitungen für das Unausbleibliche zu treffen. Der Krieg kam. Das Resultat war den amerikanischen Waffen außerordentlich günstig und gereichte der Regierung zur größten Ehre. Er legte uns aber auch Verpflichtungen auf, deneiz 'r uns nicht entziehen können, un' .n auszuweichen, ehrlos sein würd, Lir leben jetzt in Frieden mit Lelt.

und es ist mein sehnlichste'' ,unsch.

daß wenn vielleicht D . ., .n zwischen uns und anderen ten entstehen sollten, solche 'au), riedlichem, schiedsgerichtlichem Wege geschlichtet und uns der Schrecken eines abermaligen Krieges erspart werden möge. Da das Volk der Ver. Staaten mir zum zweiten Mal das Amt des Präsidenten übertragen hat. welchi Ehre ich nicht hoch genug schätzen kann, trete ich dieses Amt mit dem vollen Bewußtsein der großen Verantwortlichkeit an. welche es mir auferlegt, und ich verspreche, die mir übertragenen Pflichten mit der größten Treue zu erfüllen, und ich rufe die Hilfe des allmächtigen Gottes an, daß er mich hierbei leite. Ich hoffe, daß ich dabei auf die Unterstützung und thatkräftige Hilfe der weisen und patriotischen Männer aller Parteien rechnen kann. Ich werde die mir auferlegten schweren Pflichten leichter zu erfüllen im Stande sein, wenn ick weiß, daß Dietenigen, die mir freiwillig die Gewalten meines Amtes übertragen haben. mir auch helfen werden, die Konstitution der Ver. Staaten zu erhalten, zu beschützen und zu vertheidigen, wie auch bei dem Bemühen, die Gesetze des Landes getreu zur Durchführung zu bringen. Der Wille der Nation. Der Wille der Nation kommt bei einer Nationalwahl zum Au-druck. Es ist dies die konstitutionelle Art und Weise, die Ansichten und den Willen des Volkes in Erfahrung zu bringen. Wenn dieser Wille einmal zum Ausdruck gckommen ist, dann ist er ein Gesetz für uns Alle, und cö ist unsere Pflicht, es getreu dem Sinne nach .zu befolgen. " F5.r!fcinI auf Scitc 5.)

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