Indiana Tribüne, Volume 24, Number 165, Indianapolis, Marion County, 3 March 1901 — Page 2

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Fndtana Trlvtttte, Sonntag, 3. März 1901.

sVMsr Wundtke.

' Wer ihn'soZgehcn fa; hätte ihn für einen hohen Sechziger halten müssen, so weit war die Ergrauung des Haares schon vorgeschritten, so tief gefurcht V waren die Zuge seines Gesichts, so gebeugt war dis Haltung des sonst großen, stattlichen Mannes, und so eltväterisch war die Kleidung und das xanze Sebahren. Trotzdem stand er ?st in der Nitte seines fünften Jahrzehnte. Er war Provisor und seit Jahren die rechte Hand des KronenQsothecrs in einem armseligen Stadt- - fctfxif I. Er galt für einen Sonderlina. suÄte keinen Nerkebr und hatte:

, sicü toU'z in seine Gedankenwelt einae-

.spönnen, in der scheinbar wenig Son- . mnftrahkn für sein Gemüth existirkn. Sein Chef jedoch schätzte ihn hoch, nicht nur wegen seiner Tüchtigkeit im Geschaff, sond-rn Mch den Menschen in ihm. Ja, zugegeben, Ux Provisor war abweisend, verbissen, sogar wortkarg im höchsten Grade. Aber ein goldenes Herz schlug m ihm, das heiß: und leidenschaftlicher pulsirte, als Ferner- , siehende jemals vermuthen konnten. Der Apothekenbesitzer kannte die Geschichte des Mannes und wußte, daß ein herbe Schicksal hier seine derheerende Wirkung geübt hatte. In ein blühendes, sonniges Dasein war ein flammender Blitzstrahl gefahren, und versengt und verdorrt stand nun alles, " was sich zu gesegneter Reife entfalte! hätte. Der Provisor selbst hatte ihn zuweilen einen Blick in sein Inneres thun lassen, und das hatte beide nur noch näher aneinander geführt. Die Menschen freilich begriffen nicht, wie der Apotheker mit diesem verschlössenen, wunderlichen Menschen auskom7nen konnte. Der Hagere theilte seine Tagesstunien zwischen der Officin und seinem Wohnstübchen. Er ging fast nie aus, formlich hinausgejagt hatte ihn heute der Chef. . Sie gehen mir jetzt auf ein paar Stündchen spazieren, Herr Braumann; ich wünsche es. Sie werden hier wahrhaftig schon bei lebendigem Leibe zur Mumie, wenn Sie diesen Giften und Dünsten nicht mal den Rücken kehren. Sie sind wohl schon an drei Wochen nicht aus der Bude gekommen. Wer ' . soll denn das aushalten? Das Wetter .ist schön; wer weiß, wie schnell es für ein halbes Jahr mit den schönen Tagen vorbei ist. Und zu thun wirds um diese frühen Nachmittagsstunden nicht viel geben. Also . . . nicht wahr, Sie gehen ein bischen. Da war er gegangen. Die lange Straße hinaus, wo die Häuser immer alter, niedriger und baufälliger werden, mit kleinen Gärtchen vor den Fcn- . stern. Er athmete ordentlich auf. Wie das wohlthat! Ein fo herrlicher Spätsommertag mit seiner melancholischen Weichheit, mit seinem Treiben zum Freuen und Genießen, und doch dieser fangen TodeLahnung tn der ".!!? . . . diese Stimmung griff mächtig an sein Herz und brachte längst Vergessenes in seiner Seele zum Erklingen. O, die Natur hatte gut lächeln in , ihrer Wehmuth; denn all das Köstliche, was sie jetzt sich anschickte zu begraben stand es nicht in neuem Lenz, zu neuer Freude auf? Aber der Lenz seines, Glückes war unwiderbringlich dahin; der kam nicht wieder. Just in dem Augenblicke, da er sich am reichsten und glücklichsten wähnte, wo der Frühling um ihn und in ihm blühte und sproßte mit seinen tausend Seligkeiten, da zuckte der mörderische Strahl, und eine Wüste ward das blühende Gefilde ; um eines Weibes willen! O. wie hatte er sie geliebt, seine klonde, süße, kleine Frau, feinen tanzenden. neckischen Sonnenstrahl, dessen sprudelnder Uebermuth ihm so wohlthat. Wie war es nur möglich, daß sie ihn verrathen konnte? War sie nicht sein Alles, sein Abaott? Trua er sie

h nicht auf Händen? Er war reich zu fl KitixA : .XI Y"f! fZifXJ I

iilUUUl, UlUl UUClil UU ViUUU, JUilUtlli "uch an Irdischem Gut. ' Er besaß damals schon, trotz seiner .eWz Jahre, eine gut gehende Apotheke als Eigenthum in Wiesbaden war es und so hatte er es ja dazu, seiner Betty die meisten ihrer Wünsche fast ohne Bedenken zu erfüllen. Und doch verließ sie ihn. Eines Tages war 5 sie fort, ohne Abschied, ohne Erklärung. O, jetzt erst gingen ihm die Augen auf , er begriff alles.

Zugleich mit ihr war sein Intimus und Studienfreund, ein Mensch, dem er einstmals durch sein hilfsbereites Eingreifen die Existenz gerettet hatte.

II . verschwunden. Er hatte sich nach den hj Universitätsjahren, zumeist mit finanzieller Unterstützung Braumanns, für I den Bühnengesang ausgebildet und

I rauschende Erfolge errungen. Bo- ! rowski hieß er. Machte ihn die Treu- ! ' v w v.: n. Mtt.9

uti jiuu, vit 11 uuti 'IUC2 liebt, unsäglich traurig, so erfüllte ' die Gesinnungslosigkeit des Man.es, der ihm fast clles verdankte, mit bitterer Menschenverachtuna. Er war

y,;Zu stolz, nach dem Weide zu forschen; ! der 'Ekel binderte ibn. sick um Bo-

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i rowsttuvemuyen. ueoeroies war Zseine ThatkräftLelähmt, der Lebenslrnuth dahin. Erließ alles gehen, wie 3 gehen wollte. . DteLpothcke der kaufte er, um nicht länger fo Wiesbaden sein zu müssen. Der Verkauf ar kein Geschäft für ihn ihm war llles gleich. V Ein Wanderleben Uaann für ibn e'griff bald dies, bald jenes an glückte ihm; er war eben NU5 t fytönt Seele dabei. So kam. er i sein Bezögen; ein in doppelter nsicht armer lann stand er nun .da. ngsam nur erholte er sich wieder don Schlage. Mittellos, gebeugt, fing n. mit feinen Ker.ntnissenmd sei r:r i p.i r Xl 1 (4

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.ein nothdürftig ausgeflicktes Wrack in dieser Vorstadt - Apotheke vor Anker ging. Es war ein Schattcnleben, das er jetzt lebte, zehrend von den schmerzlichen Erinnerungen, ohneGegenwartöfreude und ohne Zukunftshoffnung, das Lejn eines vertrockneten, einsamen Sonderlings. Er war. diese würzige, weiche, erschlaffende Luft nicht gewöhnt; er fing an. müde zu werden, und kehrte zurück. In den Straßen der Stadt nisteten fchon die Schatten der Dämmerung und wuchsen und reckten sich. Wenige Schritte vor seiner Apotheke blieb er plötzlich wie gebannt stehen, als sähen seine Augen eine Vision. Ein Weib in verschossenem Kattunrock, ärmlicher fast als die Aermsten dieses armseligen Viertels, kam aus dem Apothekerladen und hastete in entgegengesetzter Richtung die Straße hinauf. Merkwürdig, wie ihn alles an dieser beinahe zerlumpten Frau an Betty erinnerte, Wuchs, Gang, Größe, die Farbe des Haares lebensvoll stand sie jetzt vor ihm, das schöne, lustige, falsche Weib. Aber es war wohl kein Wunder allzuviel hatten sich seine Gedanken soeben mit ihr beschäftigt die lächelnde Wehmuth des Spätsommertages war schuld daran. Kopfschüttelnd trat er ein. Eine unerklärliche, nervöse Unruhe hielt ihn gepackt, ein dumpfes, vibrirendes Empfinden, über das er sich keine Rechenschaft geben konnte. Betty! Betty! Er sah die Gestalt von draußen lox seinen Augen, und diese Gestalt trug Bettys kindliche Züge. Ah, nun ist's doch gut." empfing ihn der Chef, daß Sie kommen. Herr Braumann. Machen Sie sich nur gleich über dieses Rezept dort her; es ist mir lieb, daß ich mein Experiment im Laboratorium nicht zu unterbrechen brauche. Das Rezept hat Eile; ein Menschenleben steht auf dem Spiel, wie es scheint." Dem Provisor war es lieb, sofort dringende Arbeit zu finden; denn so konnt? er wenigstens seine thörichten Gedanken meistern. Der Chef hatte sich wieder in sein Laboratorium zurückgezogen. Fast zerstreut nahm der Provisor das Rezept in die Hand. Einer der tüchtigsten Aerzte des Bezirks hatte es geschrieben. Braumann sah auf den ersten Blick es war eine Krisen - Mixtur, gleichfam ein Gewaltstreich gegen eine gefährliche Krankheit. Es kam alles auf genaue Abwägung der Bestandtheile an; eine Abweichung von den Mischungsverhältnisscn konnte den Tod bringen; das kleinste Zuviel von dem furchtbaren Gist m u ß t e ihn bringen. Er setzte sich zurecht und war wieder ganz bester Sache, ganz Provisor. Es war ruhig geworden in ihm. die dum-men-Gedanken von vorhin hatten ihn verlassen. Da fiel sein Blick ganz zufällig auf die Zusatznotiz von der, Hand des Arztes für Herrn Concertsänger Borowsli." Sein Gesicht wurde aschfahl; die Augen, tief in den Höhlen, nahmen eine unheimliche Starrheit an; ein seitsames Zittern ging durch seinen Körper. Schweiß trat auf seine Stirn, die Pulse schienen zu stocken. Sie war's!" Und er machte sich an die Arbeit, mechanisch, automatisch, fast wie ein Schlafwandelnder. Allmälig löste sich dieser lethargische Zustand und ging in eine fieberhafte Aufregung über. Irre Lichter flogen über die Äugen, die Brust arbeitete, die Gedanken in ihm fingen an zu jagen, zu springen, wie eine wildgewordene Schafheerde durch einander zu stürzen. Er sah sich in seiner glücklichen Zeit, er sah den Räuber seines Friedens, seines Glückes, seiner Hoffnungen auf dem Krankenbette, er sah jenes ärmliche Weib, sah Betty aus dem Laden treten und die Straße hinunter eilen sollte er jetzt dem Mörder seines Lebens den Trank bereiten, der jenem die Gesundheit wiedergeben konnte? Jetzt nahm er die Phiole mit dem entsetzlichen Stoffe aus dem Schrank. Seine Kniee zitterten, daß er den Behälter schnell auf den Ladentisch stellen mußte. Er erhob sich wieder. Sein Gesicht war verzerrt, ein düsterer, wilder Zug lag in dem unruhig flackernden Auge. Die Zähne aufeinander gepreßt, mit einem höhnischen, weltverachtenden Lachen um den Mund, vollendete er seine Arbeit. Eben hatte er das Fläschchen zugekorkt' und den üblichen Papierstreifcn darangebunden, als die Frau von vorhin eintrat. Braumann stand hinter dem hohen Schreibpulte und starrte mit gläsernen Augen auf das Weib. Beiiy! Betty!- schrie es in ihm; aber seine Lippen blieben krampfhaft geschlossen. Ja, sie war eS in der That; doch sie schaute nicht auf mit ihrem vergrämten Gesicht, aus dem eine Welt von Entbehrungen und Leiden anderer Art sprach. Schüchtern stammelte sie einige Worte. Eine furchtbare, heroische Ruhe war plötzlich über ihn gekommen. Ohne hinter seinem' Pult hervorzutreten, schob er ihr die Flasche hin, wortlos, ohne zu zucken, und doch wußte er in diesem Augenblick ganz genau ti wird, er muß sterben. Dann beugte er sein Gesicht wieder, scheinbar sehr beschäftigt, über die Ge-

! schäftsbücher.

Die Frau fragte beklommen nach dem Preis. .Fünfzig Pfennige! Sie athmete auf und legte das Geld

'. hin. Offenbar hatte sie gefürchtet, daß j man ihr mehr, vielleicht die letzten '

i Groschen aöverlangen wurde.

Hastig empfahl sie sich. Mit keuchender Brust 'stand der.Provisor da und starrte ihr nach. Schnell, war die Ruhe, über die er sich selber.; gewundert hatte, verflogen. Jetzt, jetzt'' gab es kein Zurück mehr! Das furcht

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bare Verhä'ngniß ging seinen Gang. Aus ihren Händen wird er jetzt den Todestrank empfangen. Das ist die Rache! Das ist die Vergeltung! Da zuckte ein Wort in seinem Geiste empor, an das er bisher noch mit keiner Silbe gedacht. Wie ein greller Blitzstrahl fuhr es durch die Nacht seiner wahnwitzigen Gedanken Mörder! Mörder! Braumann prallte zurück, schlug mit den Fäusten gegen die Schläfe, taumelte und sank zu Boden. Und dabei kam ihm noch merkwürdiger Weise der Gedanke ein: Noch ist es ja nicht zu spät! Du mußt nachlaufen; gewiß holst Du sie noch ein! Dann schienen seine Vorstellungen in eine formlose Masse auseinanderzufließen, bis m Bewußtsein völlig erlosch. Der ?bef ,itte den Tumult gehört und kam hngugeeilt. Um Gnteswillen, was ist benn pasflrt?" Er rüttelte und schüttelte seinen Adlakus. Der schlug die Augen auf. Sofort war ihm die Situation wieder klar. ..Gift!" stöhnte er. Gift gab ich. . . Barmherziger Gott . . . schnell, schnell, ehe es zu spät ist!" Und mühsam eihob er sich, um keuchend auf einen Stubl zu sinken. Gift?" schrie der Apotheker. ..Der Frau doch nicht etwa?" Braumann nickte und deutete auf das Rezept. Im nächsten Augenblick war der ?esolute Chef aus dem Laden, um bei dem Arzte die Adresse des Patienten zu erfahren. Vraumann sah sich mit müdem, fast irrem Lächeln um. Er war allein. O. er wußte, jener kam zu spät. Ein Mörder war er! Ein einziger Augenblick hatte ihn zum Mörder gemacht. Es war nicht mehr zu ändern. Apathisch wie einer, der sich in das Unabänderliche geschickt hat, trat er zum Giftschrank. Ein müdes Lächeln lag um seine Züge. Was soll's noch? So oder so ... . was verlor er denn? Er schüttete einige weiße Krystalle in die flache Hand und verschluckte sie. Dann ging er in das Hintersiübchen und legte sich auf das Bett. Wenige Augenblicke darauf stellte sich der Todeskampf ein. Es ging schnell. Als der Chef zurückkehrte, fand er seinen Provisor als Leiche vor. Der Gang war . umsonst gewesen. Er kam zu spät, wie Braumann vorausgesehen hatte. Zu spät, dort wie hier. Erschüttert stand der Mann und konnte den Zusammenhang nicht begreifen. Er war doch sonst ein so vorsichtiger Mensch! Daß ihm das auch passiren mußte!" sagte er. Und die Zeitungen berichteten anderen Tages von dem verhängnißvollcn Irrthum eines Apothelergehilfen, der zwei Menschenleben zum Opfer gefordert. Niemand ahnte, welche Tragödie sich da abgespielt hatte. Holländische Francu. Lon Tr. Josef W ese. Holländische Frauenschönheit ist ein Legriff, bei dem man nicht an hinreißcnde Gluth und kokette Grazie denten darf. Wenigstens im Allgemeinen nicht wenngleich es auch im Lande der Deiche, Dämme und Kanäle nicht an Frauen fehlt, deren blitzende Zähne, feurige Auge und krausgelocktes .Haar mancher Südländerin erfolgreich Konkurrenz machen könnten. Aber frisch und mollig" sind sie fast durchweg. Sie zeichnen sich aus durch einen ganz klaren, silberweißen, zarten Teint Kenner der Frauenschönheiten schreiben ihn dem feuchten Klima zu und pfirsichrothe Lippen, feines schlichtes Haar, scharfgezeichnete Augenbrauen, blaue Augen, lange Wimpern und einen stattlichen Wuchs. Zumal vie Jriesinnen sind Don wahrhaft junonischem Wuchs und angenehmer Gesichtsbildung. Vielfach tragen noch heute die Frau en in Städten und auf dem Lande den nationalen Kopfschmuck Goldreife als eine Art von Diadem, das die Germanen der Würde des Weibes zuerkannten. Die verschiedenen Arten des Kopfputzes sind auch die unterscheidenden Merkmale für die Bewohner der einzelnen Provinzen; in Nordholland sind die Goldbleche länglich und flach; in Groningen laufen sie in Form einer Blume oder einer Vase mit Blumen aus. in Oberyssel in einen spiralförmig gewundenen Kegel, in Friesland in eine mit Zierrathen versehcne Art von Knopf. Ganz bcsonders zeichnen sich die Friesinnen und Nordholländerinnen durch ihren Kopfplch aus. Letztere tragen eine Art Kapuze aus feinem, weißem, durchsichtigem Flor, reich mit Spitzen besetzt und bis auf den Nacken hinabhängend. Quer über die Stirn geht eine ungefähr zwei Finger breite goldene Spange, mit Perlen und edlem Gestein besetzt. Dieses Stirnband envigt an den beiden Augenwinkeln und Schläfen in je eine ovale, glatte, nach außen gebogene Platte. Die Haare sind ganz von der Kapuze bedeckt, und nur zu beiden Seiten an der Stirn oder der Spange quillt ein Büschel Haare in Form einer Locke, sogenannter Schnecke, neugierig hervor, an welche die Kapuze mit je einer großen goldenen Nadel befestigt ist. In den Öhrläppchen smd goldene Ohrgehänge von beträchtlicher Größe, mit edlen Steinen besetzt. So ein Kopfputz verschönt auch ein ohnehin liebliches Gesicht noch ungemein, und selbst unter ärmeren Klassen ist er meist von purem Golde. Als Familienstück vererbt er sich von Geschlcht zu Geschlecht. Der originelle Kopfputz der Friesinnen besteht aus dem Orrijzer" zwei breiten goldenen Pla5ien, die von beiden Schläfen über den Znter?ovf laufen und eine schwarz

seidene Mütze bedecken, unter der das Kopfhaar ganz verborgen ist. Ueber diesen Goldplattcn tragen die Friesinnen noch eine kleine durchsichtige Kapuze von Gaze oder feinen, kostbaren, weißen Spitzen, und reiche Falten wirft das niedliche Häubchen rückwärts auf den junonischen Nacken. An den beiden Schläfen in der Gegend der Augenwinkel befindet sich je eine Rosette mit einer Nadel, beide mit Juwelen und Diamanten besetzt. Ein kostbar-s Z7yiaehänge und eine goldene K'.üe dervöllsländigen den Schmuck der Friesin. So ein Kopfputz (Hooftooisel") gewöhnlicher Art kommt nicht unter 1000 Gulden zu stehen. Meistentheils tragen angesehene Frauen einen Kopfputz von mehreren tausend Gulden Werth, und einer von 15,000 Gulden soll nicht der theuerste sein. Hat der junge Niederländer irgend einer Schönen so tief in die Augen gesehen, daß er sie zu seiner Frau zu machen entschlossen ist, so bittet er bei den Eltern des Mädchens um Zutritt in's Haus accis vragcn". Wird dies genehmigt, dann gelten, sie als Braut und Bräutigam, sie sind giingageerd". Glückliche Liebhaber Pflegen ihren Verlobten seidene Strumpfbänder, auf denen allerlei sinnige Sprüchlein zu lesen sind, zum Geschenk zu machen. Auch die sogenannten Heirathsknoten sind im Gebrauch. Der Verliebte knüpft eine Silbermünze in ein Taschentuch ein und überreicht es dem geliebten Gegenstande. .Knüpft das Mädchen den Knoten im Taschentuch auf. so willigt sie ein, seine Frau zu werden. In Friesland spielt der eben erwähnte Kopfschmuck eine wichtige Rolle bei der Brautwerbung. Wie die feurigen Töchter des Südens die Blumen zu schmeichelnden Dolmetscherinnen ihrer zärtlichen Gefühle machen, so reden die kühleren Friesinnen durch das kalte Metall ihres Stirnbandes. Wenn nämlich nach dem Erscheinen eines Freiers in einem Hause das Mädchen seiner Wünsche sich zurückzieht und dann wieder mit ihrem Diadem erscheint, strahlend wie der junge Tag, so heißt das auf friesisch: der Bräutigam wird angenommen. Bleibt sie aber steif vor ihm sitzen ohne diesen goldenen Schmuck, so bedeutet das einen friesischen Korb. Der Kopfschmuck ist also das Zifferblatt, worauf der Freier die Stunde seines Glücks oder Mißgeschickes abliest. Noch origineller ist die Sitte, wie in manchen Genden Hollands Frauen um einen Mann freien. Wird nämlich eine Bäuerin Wittwe, so heirathet sie gewöhnlich ihren Oberknecht. wenn nicht zu große Altersunterschiede vorhanden sind. An dem Tage nun. wo die Dienstboten abaelohnt werden, ruft die Bäuerin den fraglichen Knecht bei Seite und giebt ihm seinen Lohn. Der Knecht weigert sich, ihn anzunehmen, si: will ihn ihm aufdrängen, läßt es aber zuletzt bei seiner Weigerung bewenden, und der Knecht aoancirt zum Herrn. Besteht sie indessen durchaus, aus der Annähme des Lohnes, so ist das ein verblümter Korb, und der Knecht verläßt das Haus und den Dienst. Acht Tage vor der Hochzeit ist felicitatiac", ünd alle Basen und Gevatterinnen erscheinen im Hause der Braut, um ihre Glückwünsche zu überbringen. Statt der Einladungskarten werden die Bruidstanen" (eine Art würziger Wein) und der Bruidsuiker" (verschiedenerlei Zuckergebäck) in hübsch verzierten Düten umhergeschickt. Wenn der Ehevertrag vor der bürgerlichen Obrigkeit abgeschlossen ist, so ist die Ehe gesetzlich vollzogen, es folgt ihr in den meisten Fällen die kirchliche Trauung Natütlich bilden auch die Hochzeitsschmäufc, bei denen viel und gut gegessen und nocfy mehr getrunken wird, den Abschluß der im Uebrigen recht prosaisch vor sich gehenden Feier. Recht häufig kommen in Holland die sog. Ehen über den Handschuh,, vor. Ist z. B. ein junger Mann als Bräutigam nach Ostindien gegangen und hat er sich dort eine Stellung errungen, die es ihm erlaubt, einen eigenen Hausstand zu begründen, so theilt er letzteres seiner Braut mit der Bitte mit, sich mit einem seiner Freunde über den Handschuh" trauen zu lassen. Dieser setzt, natürlich im EinVerständniß mit der Braut,' den Hoch'zeitstag fest, holt diese am Tage der Trauung ab, geleitet sie auf's Rathhaus, legitimir't sich daselbst mit seiner Vollmacht als Bräutigamsverweser", unterzeichnet hierauf mit der Braut den Heirathskontrakt, und mit dem letzten Federstrich . ist der Bräutigam in Bätavia mit seiner Braut in Holland verheirathet. Die Neuvermählte tritt dann, natürlich sobald als möglich, die Hochzeisreise an. Ist sie an ihrem Bestimmungsorte angekommen, dann holt der junge Ehemann sie vom Schiffe ab. führt sie aber nicht sogleich seinen eigenen Penaten zu, sondern in eine befreundete Familie, als wäre sie noch seine Braut. Da wird dann eirnge Tage das, was an Polterabendund sonstigen Festen versäumt werden mui.te. gründlichst nachgeholt, bis nach drei oder vier Tagen die' Ehe durch kirchliche Einsegnung nun in optima forma" geschlossen wird. Titclsucht ist dem Holländer fremd; Auch werden die Frauen niemals mit dem Titel ihres Mannes angeredet, sondern ähnlich dem französischen Madame" einfach Mevrouw" genannt. Allerdings wird diese Bezeichnung nur denjenigen Frauen beigelegt, die den höheren Gesellschaftskreisen angehören. Daneben besteht noch eine zweite Bezeichnung der verheiratheten Frau, die dazu dient, eine geringere Gesellschastsklasse anzudeuten. Es ist dies der Ausdruck Juffrouw", der auch den unverheiratheten Damen der höheren Stände zukommt, zugleich

aber den verheiratheten Frauen aus ! dem Handwerkerstände, dem kleinen ' Ladengeschäft u..s. w. zur Bezeichnunz ' dient Der Adel hat wieder andere , i'. V

Anrevesormen. Eine unverheiratete Adelige, Baronin oder Freifräulein wird Freule" oder Mejonkvrouwc" genannt, eine verheirat.hete Adelige aber Vrouwe" (Fraue),' welches wieder vornehmer als Mevrouw" ist; nebenbei bemerkt, werden deren Brüder und Gatten JonZheer" (Junker) statt des einfachen Mynheer" titulirt. Das Leben der holländischen Frauen vollzieht sich fast ganz in der Häuslichkeit. Bei den Holländern ist es GV brauch, daß stets, von einigen seltenen Fällen abgesehen, nur eine einzige Familie ein Haus bewohnt. Wenn die Häuser der Holländer bei dem mangelnden architektonischen Sinne des Volkes äußerlich vielfach nüchtern und stillos erscheinen, so erfreut das Innere uns durch die ja sprichwörtlich gewordene Sauberkeit und Ordnung, den behäbicen Komfort, die Wohnlichkett und Behaglichkeit der Einrichtung. Die Reinlichkeit hat viel zur Entfaltung des Familienlebens in Holland beigetragen, sie erstreckt sich in nie geahntem Grade auch auf die Viehställe. Mittwochs, Freitags und Samstags ist Shoonmaking". An diesen Tagen gehört die Straße den Mägden. Das ganze Haus, innen und außen, und alle Hausgeräthe werden mit wollenen Tüchern, mit Bürsten und Besen bearbeitet. Die Wassereimer fliegen. Handspritzen bombardiren das Haus von der Straße aus, und in den oberen Stockwerken stehen die Mädchen auf den Fenstergesimsen und übergießen die Wände und Fenster mit wahrhaften Sturzwellen, wie bei eine? Feuersbrunst. Uebrigens ist diese holländische Reinlichkeit zum großen Theile in den geographischen und klimatischen Verhälnissen des Landes begründet. Das Metall beschlägt oder oxydirt fast jeden Tag. Das Haus muß mit echten Metallfarben angestrichen weroen. -um der feuchten Luft widerstehen zu können, und so ist es zu erklären, daß ge gen die Küste hin auch das Waschen und Scheuern zunimmt. Die außerordentliche Zuverlässigkeit und Gewissenhaftigkeit der holländischen Dienstboten, deren jede angesehene Familie mehrere hat, ermöglicht es der Hausfrau, mehr wie bei uns zu rePräsentiren und zu empfangen. Dazu kommt, daß im holländischen Hausralte Alles bis auf's Kleinste geordnet und geregelt ist und die altererbte Wohlhabenheit es gestattet, die landesübliche Haushaltung durchzuführen. Wenn nun auch die holländisch: Hausfrau in der Küche nicht die Hand selbst anlegt, fo überwacht sie doch streng den Geschäftsgang der Köchin und der Werkmeid", der die Reinhaltung des Hauses und die Bedienung bei Tische zufällt. Auch in kleineren Familien, in denen keine Köchin alle Einkäufe für die Küche macht, besorgt nicht die Hausfrau, sondern der Mann das Geschäft des Einlaufens. Während so die Küche für die Holländerin meist Nebensache ist, widmet sie sich aber selbst in den höheren Ständen mit besonderer Sorgfalt und gründlicher Kentniß der Behandlung der Wäsche. Vergnügungen außer dem Hause, wie der Besuch des Theater, der Conzerte sind in Holland ein Privileg der schon besonders Begüterten. Keine Hausfrau in Holland wird, m sich solche Kunstgenüsse zu ermöglichen, etwas von den unumgänglichen Comfort im Haufe opfern. Das Theater ist dort daher auch niemals zu einem Gemeingut fast sämmtlicher Gesellschaftsklassen geworden; es gehört dort nicht zu jenen Genüssen, die allmälig zu wirklichen Bedürfnissen werden. Dagegen betheiligt sich die holländische Frau, die ihrer ganzen Erziehung nach viel liest und gelesen hat. musszirt und malt, an allen Gespräcken der Männer bescheiden, aber mit klugem Erfassen und entschiedener Parteinähme und fesselt so den Mann, dessen Interesse sie zu theilen versteht, an's Haus. Dieses ist in Holland dank den Frauen zumeist ein Tempel des Familienglücks, ein Herd, ein Altar der Gaitenliebe.

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!5sn F!..V.'üLer. Weit drängn, wo die Äelifjudl c'.llmcihlich zu Ende geht, sieh: ab'e'ts der Strc.tze cin.eiusames Haus. 5.'?ch ragt das Gebaute empor in d:i; fii,u r.ternoen Glast des jor.riigiri Jirlinior $:n. Auf den balicnartig'.n Holzg-'-stellen der Rüüseite hängt c leidend frische Wäsche. Droben im vierten Stocke deZ Hauscs in einem sLnncndurchs!uthcv-u Zimmer mit Heller, schlichter Tapete steht an einem großen T:sch: ci: Frau und büg:lt. Die Hitze des Tages und fci; Gluth des Heröcs beim Henuilplc:: der Stähle haben das Antlitz des jungen Weibes geröthet. Sinnend blickt sie zuir:i!cn ron der Arbeit empor. Zwischen ocn beiden offenen F:nstern, dem Tisch gerade gegenüber, schmückt die schmale Wand us Lil) eincs Mannes. Das war ihr Gatte. Sie war eine Lchrcrstcchlcr. Ein: Mcil: wcit draußen vor der Weltstadt liegt ihr Heimathsdorf, vor dem Dcrse unten im Wiesenthale di? ascnmühle, ein von Touristen vi:l besuchtes Sommcrresiaurant..Dcrt hatte sie ihn kennen gelernt. Er war ein blcicker. stiller, braver Mensch, der Vorsteher des Bureaus eines Rechtsanwalts. O. jene seligen Sonntagsnachmittage bis im Nohre am Mühlenbache der Abendwind sang und die Wipfel der Erlen zu träumen begannen. Dann hatten sie geheirathet. Zwei friedevolle, herrliche Jahre, da nahm im dritten ein rauher Märztaz den immer brustkranken Mann hinweg." Nun blühten schon zum fünfte

Male die Sommerrosen auf 'seinem Grabe, und nur er war ihr geblieben, ihr Sohn, ihr Klaus, ihr einzige? Glück. Wo nur der Junge sich herumtrci. ben mag? Längst sind die Schulstunden vorbei. Sie tritt an den Hird, öffnet W Klappe des Plätteisens, nimmt den erkalteten Stahl heraus und greift mit der Zange den neuen glühenden Bolzen aus dem Feuer. Ja. die Arbeit, sie ward ihr eine mächtige Trösterin und sie gab ihr Brot. In der Etage unter ihr schlägt eine Uhr. Schon halb zwölf. Wo heute das Kind bleibt? Gewisz verweilt er wieder im Grünen, in den Anlagen, er hat dieselbe Freude an der Natur wie sie. und cs ist ein so prachtvoller Julimorgen. Da schlägt plötzlich mit wüthendem Kläffen vorn im Garten der Spitz an. fragende Stimmen werden laut, Tritte erschallen auf der Treppe. In ahnungsvoller Bangigkeit stc?t die Wittwe wie erstarrt. Das Eisen versengt unter dem krampfhaften Drucke ihrer Hände die gelbe Bügeldecke. Draußen sagt Jemand leise: Hier!" Es klopft. Die Thüre öffnet sich, herein kommen drei Personen, ein Herr und zwei Frauen. In den Armen des hintersten, stattlichen Weibes ruht ihr siebenjähriger Junge, ihr Klaus. Der Herr nähert sich ihr und spricht freundlich: Liebe Frau, Fassen Sie sich, es ist nichts. Ihr Kind wurde von einem Motorwagen erfaßt, die Schutzvorrichtung schleuderte es jedoch zur Seite. Nur der linke Arm ist verletzt. Ich bin Arzt, war gleich zur Stelle und habe ihm sofort den notb wendigen Verband angelegt. Es ist nichts.'" Mama, es thut ja gar nicht weh!" ruft jetzt der Knabe, den der stumme Schrecken seiner geliebten Mutter beängstig.!. Da löst sich die Erstarrung. Ungestüm reißt sie das Kind aus den Armen der Trägerin und schluchzt: Mein Klaus, mein Sohn, mein einziges Glück!" Das andere Weib tritt an den Tisch, hebt das Plätteiscn von der Decke, auf welcher ein brauner, keilariiger Flecken sichtbar wird, und stellt es auf die Platte des Herdes. Sie murmelt mechanisch einige Worte des Dankes. Dann verlassen die drei Personen das Zimmer. Im Weggehen bemerkt der Arzt nochmals: 5s ist durchaus nicht schlimm, nur bewegungslose Nuhe ist hier erforderlich, ich sehe morgen wieder einmal nach." Nun liegt in der Nebenstub: in den weichen Kissen des blütheweiscn Bettes der Knabe. Tapfer blickt er mit seinen klaren. blauen Augen zu der noch immer fass.:ngslcsen' Mutter empor, drückt seine Wange an ihre Hand und sagte tröstcr.d: Mutter, es thut wirklich gar nicht weh"; und doch erscheint ihm das verletzte Glied schwer wie ein Berg und die an der sonnenüberstrahlten Wand ihm gegenüber summend hin und her fliegende blaue Schmeißfliege zroß wie eine Fledermaus. Die Wittwe aber beugt sich tief auf da?j beherzte Kerlchen, küßt es auf die fi?berheiß Stirn und schluchzt: Mein Klaus, mein Kind, mein einziges Glück!"

Eiösport vor 200 Jahren.

Moderne Spitzen.

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Der englische Schriftsteller John Stow (geb. 1525. gest. 1605) schildert in dem von ihm im Jahre 1508 unter dem Titel Blick auf London" erschienenen Buche den Eissport unter -der Regierung Elisabeths folgendermaßen: Sobald der große Sumpf, der sich bis Morfield an der nördlichen Mauer der Cittz erstreckt, gefroren ist. gehen die jungen Leute in großer Gesellschaft hinaus, um sich dort zu belustigen. Sie nehmen einen Anlauf, drehen den Körper nach der Seite, spreizen die Veine auseinander und schleifen so ein gutes Stück Weges fort. Andere nehmen einen Eisblock (lieap of ice) von der Größe eines Mühlsteines und benützen ihn als Sitz: einige spannen sich vorn an. indem sie sich einander die Hände reichen und ziehen so den 'Schlitten schnell -vorwärts. Manche fallen zwar nieder, indem sie mit dem Fuße ausgleiten; Andere aber, die mit dem Eise vertrauter sind, befestigen sich an den Schuhen Knochen von Thieren und halten mit Eisen beschlagene Stöcke in der Hand, welche sie von Zeit zu Zeit in das Eis einstoßen. Di?se Leute bewegen sich mit der Geschwiidigkeit eines Vogels, der in der Luft fliegt, oder eines Pfeiles, der von einer Kriegsmaschine abgeschnellt wird. Zuweilen stellen sich zwei Leute auf bestimmte Entfernung einander gegenüber und rennen mit eingelegten Stö cken Einer gegen den Andern los. als gälte es. Lanzen zu brechen; dadurch fällt dann Einer oder fallen gar Beide zu Boden, wobei freilich ihr Körper von Stößen nicht verschont bleibt; durch die heftige Bewegung glitten sie auch nach ihrem Falle noch ein tüchtiaes Stück anf dem Eise weiter. Fällt dabei Einer auf seinen Arm oder Fuß, so ist dieser zwar in der Regel gebrochen. aber junge Leute, die nach Ehre dürsten und Ruhm verlangen, üben sich auf diese Weise in nachgeahmten Gefechten, damit sie um so tapferer den Anprall auszuhalten vermögen, wenn eS einmal mm Ernste kommen sollte "

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Die Auswahl in modernen Spiken ist ungewöhnlich reichhaltig. -Die ver schiedensten Genres finden sich in den 5)!usterkästen unserer Modemagazine friedlich gesellt. In den Kreisen, wo das Geld keine Rolle spielt, zieht man die sogenannten echten Spitzen" allen anderen vor, und es sind hierin wieder die venetianischen. die in der Gunst der Mode obenan stehen. Points de Venise", was unter dieser Beziehung heut in den Handel kommt, hat mit der Stadt an der Adria nich:s mehr gemein, wie den Namen. Es ist fast durchweg deutsches Fabrikat und wird in der Heimath der deutschen spitzenindustrie, in Schlesien, speziell in Hirschberg und Umgegend. g?f:rtigt. Die Nachahmungen stehen jedoch den alten Originalen nicht nach. All die Motive, die von den kunstverständigen Töchtern der Dogenstadt schon vor Jahrhunderten ausgeführt wurden, feiern in den neuen Erzeugnissen ein fröhliches Auferstehen. Ta finden wir die wunderbare venetlanische Reliefspitze" wieder. Auf den ersten Anblick scheint ihr Muster ein unentwirrbares Ehaos von Blättern. Blüthen und Stengeln; sieht man genau hin. so zeigt sich ein entzückend verästelte Ornament. Unzählige winzige Lücken und i jour gearbeitete Stellen schmücken das Innere des zarten Geranks, dessen Ränder sich reliefartig in einer oder mehreren Abstufungen erheben und mit kleinen Picots oder Dornen befetzt sind. Die eigentliche Point de Benise" wird, alten Mustern folgind, bald wie ein unregelmäßiges Fadengeschlinge ohne Fond gearbeitet und erinnert so an Klöppelspitzen, bald weist sie einen ungemein zarten Netzgründ auf. der mit zierlichen Llümchen. aber auch mit Bögeln. Schmetterlingen ode? kleinen Figürchen bestreut ist. Alle venetianischen Spitzen sind Nadelarbeit. Spanische Spitzen werden wenig oder gar nickt mehr getragen, nur in Fichus und Kopftüchern findet man sie noch, dafür erfreuen sich Balenneir.nes, Aleneon und Ehantilly wieder bcsonderer Gunst. Die Balencicnne wird auf dem Klöppelkissen, dem Eoussin", gearbeitet, und zwar Grund und Zeichnung mit demselben Faden. Ihre Herstellung ist unendlich mühsam. Die Vollendung weniger Zoll erfordert Tage und Wochen. Die Alenconspitze ist von wunderbarer Feinheit; theilweise ebne N5zgründ (r6sc.iu) gearbeitet, scheint sie überhaupt nur aus einem Gewirr zartester Ranken zu bestehen. Fadendünne. nur mit winzi.-en Picots besetzte '?tege halten die Blumen und Blätter zusammen. T:e modern: Industrie versteht es vortrefflich, auch in Alencons die antiken Muster nach zubilden. Wir finden in den Jmitaticnen sowohl den einfach edlen Stil des achtzehnten Jahrhunderts wieder mit seinem Vordürenrand und seinen Strcublumen. wie die Fizii?H:n und Thiere der ältesten Epoche (siebzehntes Jahrhundert) und die den Fonddurchschwebenden Bienen der Napoleonischen Zeit. Das Produkt Ehantillys. die Lieblingsspitze der unglücklichen Königin Marie Antoinette. wird vorzugsweise in Schwarz getragen. Neben den französischen Spitzen genießen die Brüsseler Kanten" die besondere Huld der Modedamen. Die Fabrikate der niederländischen Haupt--stadt zeigen sich sowohl als Nadel- wie als .Klöppclarbeit, rereinen aber ost auch beide Techniken in einem Muster. Als ihr modernstes Genre gelten die Points gazes", so genannt, weil der mit der Hand gearbeitete Tüllrand einer hauchartig feinen Gaze gleicht. Weniger kostspielig ist die point round". bei der die Nadel- und Klöppcldessins auf Maschinentüll applizirt werden. Bei der alten Brüsseler Kant" wurden Fond und Ornament, aus demscben Faden angefertigt, heute herrscht die Applikation vor. Mit ihr vereinigt sich eine Arbeitsteilung, die jeder Arbeiterin ibrc eigenen Verrichtungen anweist. Fertigen die einen, die Pointcuses", nur fleurs brodes", gestickte Blumen für die Nadelspitze, so sind das Fach der andern, der Plateuses". die fleurs plats" für Klöppelkanten. Die brocheleuses" liefern die verschiedenen Netzgrllnde, die striauese" näht die Ornamente auf den Fond, wäbrend die attackzeuse" die einzelnen Theile miteinander verbindet. Auch die meisten Brüsseler Spitzen sind größtenthcils deutsches Fabrikat. Hirschberg und seine Nachbarorte liefern prachtvolle Points gazes" und Points rondes", die von den eckten niederländischen kaum zu unterscheiden sind. Kommen die theuren, eckten Spitzcn" nur für wohlhabende Leute in Betracht, so baben die minderbegüterten einen billigen Ersatz in den Masi.enspitzen, die in ihren besseren Exemplaren den mit der Hand gearbetteten an Grazie und Eleaanz nur

; wenig nachstehen und auch in Zeichi nung und Ornament zum größten

i Theil die echte Spitze kopiren.

Zweifel. Freund (zum Kaufmann): Nimm Löwy als Prokurist. der ist tüchtig und gescheit!Kaufmann: Wie heißt, wie kann er sein ä gescheiter Mensch, wenn er schon zum drUtenmal verheirathet ist!" StummwieeinFisch. Sie: Glaubst Du. daß ich ein Geheimniß bewahren kann?" E: (zöo.crnd): Offen gestanden nein." Sie: Sehr liebenswürdig! Aber ich irag' meinen vorjährigen Hut neugarnirt schon beinahe acht Wochen und

hab' es bis zetzt noch keiner Menschen

seele erzähl!., ' 0 l.

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