Indiana Tribüne, Volume 24, Number 158, Indianapolis, Marion County, 24 February 1901 — Page 6
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Indiana TribKne, Sonntag, 24. Februar 1901.
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Ueber den Simplon. Von den groben AlpensiraKen der Schweiz ist die über den Simplon die älteste sie wurde in den Jahren 1801 bis 1806 auf Napoleons Befehl erbaut. Das wird manchen Lese wundern .aber man hält diese Stra ßen fast allgemein für weit älter als sie sind. Die alten Alpenüberg'änge waren nur gepflasterte Saumwege und über den Gotthard reiste im Juli 1775 zum ersten mal jemand in einer Kutsche es war der englische Mineraloge Gresille. Die (haussierte Gotthardstraße wurde erst 1820 bis 1830 hergestellt und auch alle übrigen Kunststraßen über die Schweizer AI penpässe stammen aus dem neunzehnUn Jahrhundert. Die niedrigste unter ihnen ist die das Rhonethal mit JtaZien verbindende Simplonstraße, aber d Höhemehr bildet nicht zugleich das Mehr des landwirtschaftlichen Reizes und so gilt gerade diese niedrigsie Alpenstraße mit Recht als die allerschönste, und die Umgebung des Simplonpasses wird zu den herrlichsten Hochgebirgs - Scenerien der Schweiz gerechnet.
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Schloß Stockalper (Brieg). Die alte Straße, beginnt bei Brieg an der Rhonethal-Eisenbahn. die das alte Städtchen einerseits mit Genf und anderseits mit Lausanne - Bern verbindet. Bald hinter Brieg beginnt die Steigung, in großen ZicZzackwindüngen geht es hinan, dann dem wilden Ganterthal entlang, über den tosenden Bach hinweg, an den ersten Schutzh'äusern vorbei. Allmählich schwindet der Wald, verkrüppelte Lärchen und Fechten treten an seine Stelle und dann schwinden auch sie, die blumengeschmückten Matten werden seltener, das Grün hört endlich auf. Immer glänzender aber neigen sich über dem grauen Gestein die Schneemassen und Gletscher, die der Straße so nahe kommen, daß sie an einer Stelle unter den Gletschern hin-
geleitetwerden mußte. Nun folgt die
Nomannk der Galerien, die zu-
glM als Brücken, als Wasserablel-
tNaen. als Schutzdächer dienen. Im-
wilder wird :ekr die Scenerie,
immer mehr Schneefelder leuchten in
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S ch u tz h a u s. die Felsen herein und dazu donnern die Wasserfälle und oft auch die La winen. Nach 5$ Stunden ist das gastliche Simplon Hospiz erreicht, wo beständig vier Geistliche der Augustiner Chorherr vom Großen St. Bernhard nebst etlichen dienendenPersonen weilen, um die Reisenden unentgeltlich zu verpflegen. Nachdem die Reisenden sich hier mit einer Flasche Asti und einem kräftigen Imbiß gestärkt haben, geht es weiter abwarts gegen Italien. Alsbald taucht von finster dräuendenFelswänden und nicht weniger als sechs Gletschern eingeschlossen ein wüstes Ge wirr von Steindachern und grauen Mauern auf das Dorf Simplon, das seit einigen Wochen wieder Simpeln heißt so will es die für ErHaltung der ursprünglich deutschen
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vQJroße Galerie.
i ' 'Narnd sorgte Schweizer Regierung.
Dann V jliä) nc3 cm Zusluchtsyaus und möigelangt in die Schlucht von Gondo, mit der sich an'wilderRomantik nur die Via mala messen kann. Die Galerie von Gondo ist die längste der Simplonstraße. An ihrem Eingang 7 blickt man in den unheimlichen Ab jarund der Daveria hinab, dann über-
flreüet man aus dem Ponte atto die v.-.i-? itv n:: .
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In aus allen Rissen die Schneewasser Irdor, beständig rauschen und don rn die Fälle über uns, neben uns d unter uns, bis zu dreihundert nster steigen senkrecht die Wände jaus und hinab und bis tief in die !sen hinein glaubt man n'chts w n all neu? Schluchten, und Risse Felstrümmer. An der Grenze Schweiz, kann die Galerie durch r.ölzerne Thor geschlossen werden, man aber die italienische Grenze ?t, so ist man noch lange nicht inen. Erst hinter Jsella öffnen ,ie Berge ein wenig, die Luft wird ,:r, der Himmel scheint uns mit i ankin Blau' zulächeln und
wir sehen wieder Bäume. An die Stelle der Fichten treten aber jetzt seh? rasch üppig belaubte Kastanien, Weinlauben ziehen sich' an den Hängen entlang, ein warmer Goldton lagert über den Felse, es wird heiß und immer heißer, schlanke Eypressen erscheinen neben weißen und buntbemalten Häusern, Lorbeerhecken und blühender Oleander schmücken die Gärten, aus denen große schwarze Frauenaugen verwundert nach uns blicken wir sind in Domo d'Ossola, wo die Eisenbahn nach Mailand beginnt. Vierzehn Stunden Fahrt im Postwagen und was für ein Wandelpanorama! Was für eine Fülle wechselnder Bilder, während wir aus der nordischen Welt in die des Südens gelangt sind! Damit wird es nun in drei Jahren ein Ende haben. Dann bleibt man in Brieg in seinem Waggon sitzen, guckt noch einmal ins Wallis hinaus und eins, zwei, drei, leuchtet die Lampe auf in dem Waggon und man fährt hinein in den Fels. Wenn man dreiviertel Stunden später wieder herausfährt, dann sieht man bald die Berge nur mehr im goldenen Duft der Ferne und ringsum breiten sich die üppigen Gärten Italiens. So ändern sich die Zeiten. Vor kaum hundert Jahren staunte man über die Tollkühnheit dieses Straßenbaues und über die vierzehn Stunden Wagenfahrt über die Alpen hinweg, während derReisende sich jetzt nicht einmal mehr darüber wundert, daß er tief
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Ankunft in Gondo. unter Felsen und Gletschern in dreiviertel Stunden aus nordischer Gebirgswelt in die Gefilde Hesperiens gelangt. . Der Simplontunnel wird nach seiner Vollendung eine Länge von ca. 12 englischen Meilen haben. Die Kosten des großartigen Werkes sind auf 69 Millionen Francs veranschlagt, wozu die Schweiz 15 Millionen und die interessirten 'italienischen Städte vier Millionen beitragen. Das übrige istSache der Jura - Simplon - Eisenbahngesellschaft, zu deren Strecke der Tunnel gehört. Ist er vollendet, so wird damit nicht bloß eine neue Verbindung von Italien mit. Frankreich (über Genf) geschaffen sein, sondern auch eine solche mit dem westlichen Deutschland über Basel, wo die Jura - SimplonBahn beginnt.
Im Thurgau. Sehr malerisch ist die Tracht eines Mädchens im Canton Thurgau. Ein dunkelgrüner, roth eingefaßter Tuchrock fällt'dc" Schonen bis über dieKnöchel der ma rothen Strümpfen und ausgeschnittenen schwarzen Schuhen bekleideten Füße herab. Das Mieder ist ebenfalls aus dunkelgrünem Tuch mit schwarzerVerschnürung, die breite, roth und weiß gestreifte Schürze reicht nicht ganz bis zum Rocksaum herab. Ein rund drapirtes schwarzseidenes Tuch mit breiter buntgeblümter Kante deckt Brust und Schultern, läßt aber
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Thurgauerin. die breite, faltige Halskrause völlig sichtbar. Die ziemlich weiten Aermel des Hemds reichen bis zum Handgelenk, wo sie mit einer schmalen Krause abschließen und durch breite Manschetten aus schwarzen und weißen Spitzenrüschen gehalten werden. DiV auf dem Hinterkopf ' sitzende kappenartige schwarze Haube hat einen mächtigen hutförmigen Schirm, der erst mit weißcr Spitze und dann mit einem breiten Rand; von dichtplissirter schwarzer Spitze oder Seide umgeben ist. Roth und weiß gemusterte Bänder halten die Kopfbedeckung durch eine unter dem Kinn geschlungene Schleife.
Zu viclverlangt.
Ein Erziehungsheim. Nahe bei Neu - Vabelsberg, umrauscht vo?n Walde, liegt dicht am Stolper See ein freundliches Landhaus: das neue Landerziehungsheim ür Mädchen. Neu insofern, als die Ideen, die seine Leiterin. Frau von Zetersen, zu einer derartigen Gründung veranlaßten, bisher in d:r Mädchenerziehung wohl erörtert, aber noch nie in die Praxis umgesetzt' worden waren. Die Anstalt als solche bestand in bescheidenerem Umfange bereits seit einigen Jahren in Groß - Lichterfelde; vom 1. Oktober ab aber ist sie erweitert und mitten in's Freie verlegt woroen, in ländliche Einsamkeit, die den rechten Boden für ihre Bestrebungen ergiebt. Und welchem Ziele steuert sie, nun zu?
In der Küche. Im engsten Anschluß an das Fami lienleben will sie ihr: Schülerinnen, die bei der Aufnahme 10, höchstens 12 Jahre zählen dürfen, individuell erziehen, durch Selbstthätigkeit zur Selbst-ständigkeit-führen und die todlen Schulwissenschaften in lebendige Verbindung mit dem praktischen Leben bringen. Auf diesen Grundsätzen ist das Heim in seiner ganzen inneren und äußeren Einrichtung ausgebaut. Abweichend von den gewöhnl'chen teilt schen Schulklassen mit ihren langen, gemeinsamen Bänken, zeigt das Unterrichtszimmer Einzelschreibpulte; jedes Kind hat sein eigenes, dessen Bank und Klappe mit Rücksichuf seinkn kleinen Körper, auf seine Sehkraft, feine Haltung u. s. w. besonders eingestellt sind, so daß schädliche Einflüsse fast ganz ausgeschlossen erscheinen. Der Zeichenunterricht um nur einzelnes, charakteristisches herauszugreifen ist eine Art Malzeichnen, d. h. d'e Kinder müssen eine Blume, einen Zweig, ein Stückchen Gartenland, so wie sie die Dinge mit ihren Augen sehen, mit Farbe und Pinsel auf's Pa-
In der Werkstatt. pier bringen. Die ersten Versuche sind freilich weder eine Formen- noch Farbensymphonie, aber mit jedem Blatte wächst die Sicherheit des Auges und der Hand, das liebevolle Versenken in die Einzelheiten des Modells. So wird gleichzeitig die Liebe zur Natur, d:r Sinn für ihre Schönheiten geweckt; die Kinder schaffen etwas eigenes, wie es mit dem Nachzeichnen gedruckt:? Vorlagen nie erzielt werden könnte, da bei diesem die erste Schwierigkeit des Selbstsehens ja bereits überwunden ist. Hand in Hand mit dem Zeichn'n. das im Sommer und bis tief in den Herbst hinein im Freien stattfindet, geht der Naturgeschichtsunterricht. der die Zwiebel, das Aestchen. di: Pflanze erklärt, die unter den Händen der kleinen Malerinnen entstanden sind, wodurch sich Form und Eigenart ungleich fester einprägen, als durch die reine Anschauung. Als Vervollständigung des Malunterrichts wird das Sti'isiren der Blumen gelehrt, das im Winer das Arbeiten im Freien ersetzen
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.. Also Jeder muß hier Mitglied
der Feuerwehr sein? I Ja a' Schand is's! Neuli' hab' i' bei mein' eigna Hnus mithelfen müssen löscben! '
Obsteinmachen.muß, und Wandleisten und Thürfllllungen zeugen von dem Geschick der kleinen Schülerinnen. Eigenartig ist die Weltkugel, nach eigenen Angaben der Leiterin gefertigt, die bem geographischen Unterricht in Anwendung kommt. Aehnlich den Schultzfeln zeigt sie auf schwarzem Grund: e nfache rothe Längs- und Quer!ini:n. vermtttels welcher die Kinder die Erdlheile u. s. w. selbst einzeichnen müssen, um den rechten Ueberblick über Lage uxii Zusammenhang der einzelnen Lindcr und Meere zu gewinn:. Auch in allen anderen Fächern wird der Blick vom Einzelnen auf's Ganze gelenkt und gelehrt, wie eins in's andere übergreist. Daö Erdg:schoß des 5)auseZ birgt eine geräumige Gart.nhzlle, da rin jedes Kind 'einen bestimmten Platz für seine Geräthe. für Gartenhut und Gartenschürze, amenbeutel und Ka sende? hat. In fröhlicher Geme'nschaft wird gesät und gepflanzt. a.egossen und gepflegt; an den Pfleglingen gelernt und Nam' und- At" stud.rt. Der Kalender aber lixa! q:lZissenhafte
Aufzeichnungen über Einnahm'.n.Ausgaben, Anpflanzungen, Verwerthung u. s. w. Neuen Lehrstoff bieten sodann die Erzeugnisse des Gartens, des Geflügelhofes, wenn sie in die Küche wandern und in Gegenwart und, mit Hilfe der Kinder zubereitet und gekocht werden. Das gibt Gelgmeit, ihren Nährwerth zu erörtern, zu erklären. wie sie am besten verwendet werden. um die ihnen innewokn:nden Nährstoffe möglichst auszunutzen, welche chemischen Processe beim Kcchm vor sich gehen und dergleichen mehr, und gleichzeitig die kleinen Mädchen in d'e Geheimnisse der Küchenkunst einzukübren. Selbst ist der Mensch! Das ist die Devise des Landerziehungskeimes am Stolper See. Daher steht auf dem Lehrplan so ziemlich alles, was der Frau im späteren Leben nützet kann. Unter Leitung einer Fröbellehrerin flechten die Mädch:n sich ihre Gartenkörbe, kleben die Mappen für ihre Jeichenblätter, heften sie Bücher und lernen sie ihre Sachen nähen. Ein Tisch lermeister zeigt ihnen, wie sie ihre Ge-
Auf dem Turnplatz.' räthschaften ausbessern und die tausenderlei. Defekte heilen können, die sich im Laufe der Zeit hier und da bei den Möbeln, einstellen. Aucü die Wohnräume, Waschhaus, Vorrathsstube. Räucherkammer und Backofen stehen im Dienste des Unterrichts, und s gibt wohl keine häusliche Arbeit, die den Kinderhänden fremd bliebe. Daß die Kleinen gern lernen und von einer Ueberbürdung, wie es leicht den Anschein haben könnte nil die Rede ist, davon legen die Erfolge der Lichtenfelder Lehrjahre das beste Zeugniß ab. Zudem beugt die Abwechslung zwischen wissenschaftlicher -und pr?ktischer Thätigkeit, in die ein? wissenschaftlich geprüfte und eine FröbelleSrerin sich theilen, jeder Ermüdung wirksam vor.
Straßcnbbild aus Kiel.
Was heißt persianisch?- wird wahrscheinlich mancher Leser ausrufen, der unser Straßenbild aus Kiel öetrachtet. Oder wenn es richtig persisch heißen soll" fällt dann vielleicht ein anderer ein. wie kommen persische Häuser an's Gestade der Ostsee nach Kiel?- Der Ausdrück persianische 5)äuser- ist nun zwar keine falsche, sondern nur eine alterthümliche Wortbildung, aber er bän;t in der That mit Persien zusammkn und rührt daher, daß Herzog Friedrich III. von Schleswig - Holstein, aus dessen Zeiten dieseBauten (in ihrer Ursprung lichen Gestalt) stammen, sich bemühte.
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Die persia nischen Häuser. den Handel mit dem Orient, insbe'ondere auch den Handel mit persischer Seide nach der Ostsee zu lenken. Er rüstete zu diesem Zwecke Exveditionen aus, von denen eine wirklich bis Persien kam, aber die Erwartungen, die er an diese Verbindung knüpfte, erfüllten sich nicht, und so wurden die unter dem Namen persianische Häuser" errichteten Lag:r räume zu Wohnungen umgestaltet. Jetzt sind diese interessantm Baudenkmale aus vergangener Zeit baufällig geworden, und da sie außerdem dem modernen Verkehr im Wege sind, sollen sie demnächst abgebrochen werd.'n. Auch ein Geschäft.
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. Herr: Das ist wohl Ihr Sohn?" Bettler: Nein das ist blos mein Lehrling!"
Kameraden in China.
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Deutscher.! Franzose
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folgen der Eifersucht.
Der . Rechtsanwalt Goldberg sitzt eifrig beschäftigt in seinem Bureau; da klopft es plötzlich. Herein!" ruft der Rcchtsbeflissene. Ein Herr tritt ein. - S'k wünschen!" fragte Goldberg. Mein Name ist Dusedann, bin Rentier, wohne hier ganz in der Nähe, um, um " Nun?" Um mich von meiner Frau scheiden zu lassen."
Hm. kann ja geschehen " Nicht nur von Tisch usw.. sondern auch vom Clavier." Vom Clavier?" fragte erstaunt der Advocat. Jawohl," fährt Jener geschäftig fort, auch vom Clavier. Meine Frau ist nämlich musikalisch und sie macht mich wahnsinnig a durch ein förmlich abgefeimtes System, meine Eifersucht zu wecken." Goldberg schaute den Sprecher mißtrauisch an. Der Mann schien ihm nicht recht bei Verstand zu sein. Aeh," fällt der Rentier ein, Sie glauben wohl, ich sei schon wahnsinnig' erlauben Sie, daß ich weiter spreche und Sk von Ihrem Irrthum übcrzeuge." Bitte, sprechen Sie, dazu sind Sie ja hier." Daß meine Frau Clavier spielt, wäre an sich ja kein Unglück, und daß sie mit Vorliebe leichte und seichte Musik spielt, ist nur ein Milderungsgründ, abeV meine Frau citirt fortwährend musikalische Sätze, die mich zur Verzweiflung bringen." Der Sprecher machte jetzt eine kleine Pause, fährt aber gleich darauf wieder lebhaft fort: Hm uns gegenüber wohnt nämlich ich bitte Sie, um Gotteswillen, Herr Anwalt, lachen Sie nicht! ein zweites Clavier. Der Tastendrescher v!-il-v! es kann nur ein Mann sein antwortet auf jede musikalische Phrase meiner Frau, und da leider auch ich in meinem Leben schon zu viel Musik gehört habe, verstehe ich jedes Wort, um nicht zu sagen jeden Ton!" So. so!" wirst der Rechtsanwalt, der Form wegen, ein, bitte, nur weiter!" Sehen Sie. Herr Anwalt: den Anfang der Conversation machte vor etwa zweiMonaten Abt's Gute Nacht. Du mein herziges Kind!" Denken Sie sich, das spielte der Tastendrescher von vi-ü-v! Abends um zehn Uhr. Damals aber fiel mir di Sache noch gar nicht auf. .Am nächsten Tage wurde das Clavier kühner und mit einer empörenden Frivolität begann es: Hab' ich nur Deine Liebe, die Treue brauch' ich nicht!" Meine Frau, welche gerade eine Ariette aus Mamselle Nitouche" verarbeitete, brach dieselbe plötzlich ab und versenkte sich in das Studium des Tuompeterliedes: Behüt' Dich Gott, es wär' so schön gewesen!" Ich war förmlich gerührt von diesem Ausdruck der Entsagung, allein mein Naturell, ohnedies dem Mißtrauen zugeneigt, gebot mir auf der Hui zu sein und nicht nur di Augen, sondern auch die Ohren offen zu halten. Einige Tage später höre ich, versteckt, aus dem Fenster meiner Wohnung das Lied aus dem Viceadmiral" ertönen: Geh'n wir in den Garten, Amor mischt die Karten" und im Moment darauf kommt die Antwort des v!-ü-v! die Serenade aus Don Cesar": Komm' herab, o Madonna Theresa": Jetzt hatte ich Klarheit kurz, diese musikalische Liebelei ging bis zum musikalischen Ehebruch." Und nun möchten Sie gern von Ihrer Frau geschieden sein?" .Jawchl!" Ja, aber haben Sie denn Beweise? Denn ein bloßes Singen, ein Singen mit Frage und Antwort, kann doch noch keinen Ehebruch involviren!" Da verändern sich plötzlich die Gesichtszüge des Rentier; sein Blick ist duoch das Fenster des Rechtsanwalt's auf die Straße gerichtet jetzt ruft er wild: Da da unten geht sie gerade mit
der Musikmavpe am Arme, hinter ihr ein Herr mit hellem Ueberzieher und mit langem Haar das ist der musi kalische' Tastendrescher, das vis-i-vis meiner Frau adieu!" rennt er davon und stracks aus den hellen Paletot zu. D:rRcchtsanwalt blickt ihm erstaunt nach; er glaubt einen Verrückten vor sich gehabt zu haben. Dann tritt er an's Fenster. Verwundert sieht er eine Gruppe auf der Straße. Sein Rathserholer von vorhin hat sich auf einen Herrn gestürzt, ihn mit den Fäusten bearbeitet; Polizei ist erschienen, eine Menschenmenge hat sich angesammelt. . Eine Frau steht inmitten der Menge; sie. verqießt Thränen. Endlich löst sich der Knäuel; der Herr Rentier muß mit jur Wache. Einige Tage später findet sich in den Zeitungen folgendes Inserat:. Ich erkläre hiermit öffentlich, daß nur durch ein Versehen und in Folge von Eifersucht der Herr Kaufmann Schmidt am 18. d. M. auf der Straße von mir geprügelt . wurde. RentierDusedann.N!e aber hat Herr Dusedann jemals wieder Eifersucht gezeigt, noch sich hinsichtlich der musikalischen Auseinandersetzungen graue Haare wachsen" lassen. Ja. ja die Eifersucht dies Leidenschaft, die nur Leiden schafft!
Doppelsinnig. Werden Sie an dem Kaffeekränzchen bei )er Frau Räthin theilnehmen?" Aber selbstredend!" Unsere Modedamen. ,
Mimt (zu ihrer Freundin): Sag ,
Lise., bleibst
blond?"
Du nun definitiv
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In der-Menagerie.
Schau. Papa, was die Thiere für große Sommersprossen haben!" Vorschlag.
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Madame: Mir scheint, der Schin ken ist zu stark geräuchert; ich möchte ihn zurückgehen lassen!" . Dienstmädchen: Soll ich vielleicht meinen Bräutigam als Sachverständi gen laden?" Durchschaut.
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Mutter (ihre verheirathete Tochter besuchend): Wo ist Dein Mann?" Tochter: Der ist verreist! Mutter: Der Feigling!"
Die gute Hausfrau.
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Junge: Mama, die Schulkamera den haben mich schon die ganze Woche verspottet, weil ich eine zerrissen: Jacke an habe!" Mutter: Dummes Zeug .... sieh mal Deinen Vater an, wie der aufs Bureau gehen muß!"
Selbstschätzung.
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Montezuma.
.Wo bist Du heute Abend?" Schusterjunge: Ick versammle mir mit mehreren College zu einem Herrenabend." 'Gemüthlich.
Haben Sie dem 5zerrn auch gesagt, daß meineTochler erst Vermögen kriegt, pienn ich todt bin?" Heirathsvermittler: Jawohl!" Hat er sich damit einverstanden erklärt?" . , . Sofort t- ich habe ihm natürlich gesagt,-väß Sie die Schwindsucht im höchsten Grade hätten!" ' I . . ' - ':
Dies war der Kneipname deö in München verstorbenen bekannten Thiermalers Montemezzo. Italien war sein Vaterland, Venedig seine Heimath. Frühzeitig kam er schon nach Deutschland, aber deutsch sprechen lernte er niemals, sondern radebrechte es in einer geradezu entsetzlichen Weise. Eines Tages fragten seine Freunde tn kleinen Montezuma, man nannte ihn allgemein so. was er in Tachau gemalt habe, worauf er antwortete: Ick aben gemalt der Bock seiner yrau." Dafür malte er sie famos, diese Ziegen, auch Schafe. Rinder. Hühner .besonders die Gänse, denn Gansel!" waren seine Spezialität. Da kommen su mir eine Err." so erzählte er. und sag: Err Montezuma, rck aben gesehen in die Kunstverein so scheene Gansel emalen von Sie, daß i mi megten lassen porträtir von Jhne mit meine Frau." 'Ick aben ihn porträtir und er waren ser zufrieden und aben gefunden sehr ähnlich auch seiner Frau." Wie kunstvoll seine Umschreibungen waren von Worten, die er nicht wußte, zeigt folgender Fall. Montezuma geht zu Ädrian Brugger und will Zeichenkohle kaufen. Ick megten aber dene (H)Olz; man macht si bissel schwarz und mach si bissel weiß und das, mal sie ganz schen." Ah." sagt derständnißinniz das Verkaufssräulein. Sie möchten Bleistifte." Nix. nix. Bleistiff. Dcne andere Holz." Ratlosigkeit. Der Chef der Firma kommt herbei, und Montezuma wiederholt: Ick meg ten dene Olz; .man mal sie ganz schwarz und mit dene Finger bissel weiß." Immer noch Kopfschütteln und Verständnißlosigkeit. Na dene gekokte Olz, dene geröstete Olz. de ne gebackene Olz, un dene gebratene Brettel." Nun war's klar, was er wollte, und man brachte ihm die ge wünschte Zeichenkohle. Ein ?tarke
Bauer (sich zur Kirchwelh' ein Faß! Bier heimtragend): Herrschaft, is dös a' schwaar's Bierl dös reißt Ein', scho' ch' ma'S 'trunken hat. hinum und herum!"
Boshaft.
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Da schau' her. Mucki. dees is ' Standesamt!" Meinst D' net. Alte, ma' kunnt' g'rad' so gut sagen: Massen - Mar-tcl!"
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A. : Ach, das Leben ist doch schön!" B. (der eben ein Ganserl verzehrt, verächtlich): Wie können Sie, als Vc. getarianer, da mitreden?!"
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Aber Herr College, was thun Ä's -denn mit zwei Regenschirmen ' Ja, wissen Sie. der ein: ist mein
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