Indiana Tribüne, Volume 24, Number 158, Indianapolis, Marion County, 24 February 1901 — Page 2

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Vndwna Trwstne, Sonmag, 24. Februar 1901.

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" ' en. ist der gesunde Nemans Gut. köstlicher Arzneien, der beste aus mancherlei VcrNerven und der

Unschuldiger Schlafl den verworrnen Kn'äul des Lebens cr. : n :V? a o- . ? pi .

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DerX :uHen Bad. der Herzenswunden Balsam. . Der zweite Gang ccm Tische der Natur Und Haupternährer bei dem Fest des

Gebens.! . nist SfuifcftiRtr

' r , , Ein gesunder Schlaf ist eine reget mäßige Bethätigung unseres organi&esi Daseins. Aber während ine andern organischen Verrichtungen dcs schlafenden Menschen, einschließlich -der Wa.hrnehmung, der Vorstellung und Erinnerung, mehr 'od weniger .in Thätigkeit bleiben, stellen die eigentlocken Tenk-.und Sinneszellen des.Gek?r.s ihre Thätigkeit währenddessen ein. Es.ist, als ob -die Seele sich allnuxfjlü.) von der Außenwelt abkehre und .in.unser Innerstes sich .zurückzöge. Die Augenlider schließen ,sich das Auge geht zuerst zur Ruhe; ihm folgt -Tastsinn, der .seine Wahrnehmunzen 'ziemlich rasch verliert; bald darauf versagt auch .der Geruch. 'Das Gebar bleibt 'als aufmerksamer Wäch-

-ternd Warner vor ctwaigen Gefahren zuletzt mitiunserer. Umgebung. in Verbindungbis auch es endlich entschluminert. ZXinn.ist der Schlaf vollstänInq und ldie Mannigfaltigkeit der Traumwelt, das Reich .des Ulnbewnßttn. thut sich vor uns auf. Wie nothwendig der Schlaf ist. erkennen wir besonders' dann, 'wenn wir ihn entbehren .oder, wie der berühmte Physiologe Claude Bernard sagte: Erklären läßt sich's nicht, es zeigt sTch!" Eine schlaflose Nacht lähmt der Seele die Flügel vnd beeinträchtigt jede Freude und Genußfähikeit'des darcmffolgenden Tages. Zwei'arnerikanische Aerzte, die zu Versuchszwecken sich' den Schlaf entzogen.'mußten den Versuch nach vier Tagen und drei Nächten -aufgeben, da ibr Zustand bedenklich wurde.

x Hammond beobachtete einen Fall von

Schlaflosigkeit der -neun Tage dauerte s und mit dem Tode endigte. Bekanntlich galt vor Zeiten die Entziehung des Schlafes .als eine Form der Tortur , oder gar als Todesstrafe. Daher hat . Kant recht, wenn er sagt:.. .Ohne die Hoffnung und 'den Schlaf wäre der ! Mensch das ANglücklichste Geschöpf auf Erdenk Man begegnet zuweilen' Aufstellungen über die Schlafdauer, 'deren' ein gesunder Mensch zur Aufrechterhaltun seiner 5rufte bedürfe. Abgesehen davon, daß allgemein aültige Regeln sich dasür nicht "geben' lassen wird man im allgemeinen sagen können, daß das l Neugeborene in den ersten 46 Wolochen 'seines -Daseins täglich 2022 Stunden schlafen muß. während Kinder von 1-2 Jahrewnur noch 16 18 Stunden lbrau'cheu. Die nöthige Schlafzeit verringert 'sich ' dann ' durchschnittlich mit jedem weiteren Lebensjähr um etwa eine'Stunde. bis mit dem 10. Äahre -ein zehnstündiger Schlaf genügt. 'Diese Schlafzeit et nöthigt das Kind durch die ganze Periode seines Wachsthums, bis mit dem lg.' oder! 20. Jahr .die tägliche Schlafdauer. ..zweckmäßig auf 7 8 Stunden zu beschränken ist. Das . ifere Mierbis zum '50. Jhre, darf ..'sölkM -mit 6 bis '7 Stunden be'ynügen,' wogeger?.-im höheren Alter das Schläfcedürfnlß in ider Regel wieder zu wachsen pflegt. 'Indessen sollten auch "hier nur Ibei außergewöhnlichen Schwachezuständen-mthr uls 10 Stunen gestattet sein. Mi riUzulanger Ausdehnung 'der Schlafdouer tritt bei ' Kindern leicht Illlbumlnurie (Ausscheidung von Eiweiß), "bei alten Leuten Blutswckungen .in den Zungen ein. Ist .doch während des Schlafes nicht nur die Athmung. sondern auch Vlutumlauf. Herzschlag rrnd Verdauungsthätigkeit verlcmgfcnnt, infolgedessen auch ine-Vermindrrung ter Temperatur des 'Schläfers emrriit, 'die seine verbältnißnMiq stärkere Bedeckung noth-

racht. Als Siegel Ia&t stch tnt Gegensatz zu Schopen,ich 'dabei ernes NachweisSpruchs schuldig rnacht )aß das Schlafbedürfniß tcn Verhältniß zu den geingen zu stehen pflegt, .'rschaften Afrilas und ,chlafen ein. sobald sie unind; ebenso ist auch bei und Geistesgestörten die xs Schlafes bedeutend. Die dauer des Städtrrs ist kürzer - des Bauers. Friedrich der Humboldt, Schiller und Goethe ir zwei- bis dreistuudigen öthig. während Kant und 'vier bis fünf Stmrden schlie-

wesentlich und auf die Dauer wird ! 'in gesunder, arbeitsfroher Mensch 'cht unter das früher erwähnte norile Schlafmaß. das immerhin ein . , . , - ;ic rx-vrwi

enci eines eocns, uvzt unden im Jahre, beansprucht, hertergehu. Uebrigens unterliegt der nsch nicht leicht irgend einer große Selbsttäuschung als in Bezug, auf Dauer seines Schlafes. Es ist Cy i Iftt AI V T tX 0.ifl

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x zu hören, ne hätten überhaupt geschlafen, wenn sie in Wahrdeit lnige kurze Unterbrechungen der nten Schlafdauer erlitten haben, "quiekender Schlaf ist indessen rnn möglich, wenn in dem vorangenen. von der Natur dazu . ' iten Zeitraum auch ein arbeits:s Wachen zustande kommt.

i twa kurz vor dem Schlafenherbeigeführte Ermüdung durch

eme Muökelanstrenaung gknugt

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dazu ebensowenig, wie eine kuiz: Ruhe genügen würde, um uns am darauffol ncndn Tage frisch zu erhalten. Vielmehr ist nur ein zeitlich ausgedehntes arbeitsfähiges Wachsein im Stande, inen erquickenden Schlaf von erforderlicher Dauer herbeizuführen. Diejcnigen. die den ganzen Tag mit schwerer körperlicher -Arbeit beschäftigt sind, pflegen auch den gesündesten Schlaf 5U haben. Auch geistige Arbeiter wer den. wenn sie nur regelmäßig ausgiedige körperliche Bewegung und Luft.gcnuß sich zu verschaffen wissen, einen Zlhren Bedürfnissen entsprechenden Schlaf rrzielen. Solch:, die infolge unserer heutzu tage nur allzu weit verbreiteten Ner-

venüberreizung an dem schweren Uebel

dauernder Schlaflosigkeit leiden, souten vor allem für eine gehörige Lüftung des Schlafzimmers sorgen. Ath'met 'doch der Mensch während 'der 'Nacht mehrere hundert Quart Kohlensäure und andere mehr oder weniger schädliche Zersehungsstoffe. Selbstgiste 'U. T. w. aus. In der kalten Jahreszeit isl die Heizung der Schlafstube, die .für manche 'ein Erforderniß ist. nicht zu widerrathen, zumal sie 'nebenbei auch zur Lufterneuerung "dient. In dessen ist die Temperatur -möglichst 'nicht llbcr?4 bis höchstens 60 Grad zu .halten. Ein weiteres Erforderniß ist 'die Wahl gesundheitlich eingerichteter 'durchlässiger Betten. .Nichts erstickt 'die Kraft'der Lcbensenergie 'so 'sicher 'schon im Keime, wie 'das Federbett." 'sagt 5)ufeland. Am besten besteht es aus einer Wollmatratze und eine: leichten. je nach dem Klima und der Iah--reszeit aus schweren oder zu verdop'pelnden Wolldecken, die den Tag über .tüchtig -zu lüften sind. Einen großen Vorzug genießt derjenige, der stets zur 'bestimmten Stunde zur Ruhe geht. Eine Gegenprobe 'dazu ist leicht anzustellen.. wenn man das Einschlafen 'wiederholt hinausschiebt oder in der Nacht mehrmals -zu einer bestimmten Stunde aufsteht oder eine Zeitlang wachbleibt. Man wird dann gewiß feine Mühe haben, diese üble Gewöhnifcit wieder loszuwerden. Man liege 'nicht. auf dem Nißken, sondern ausgestreckt'nach der rechten Seite hin. den Kopfnur wenig höher, als der übrige Körper; die Lage auf der linken Süte führt bei vielen zu vermehrtem Herzschlag und Druck auf die Lunge., Während der normale Schläfer mit einem gewöhnlichen, nicht zu dick gestopften Kissen orlieb nimmt, werden diejenigen, die an Blutfülle des Gehirns leiden. höhere Unterlagen beanspruchen. Blutarme, Bleichsüchtige den Kopf 'gern niedriger betten. In der Regel ist der Schlaf bei Personen der letzten'Kategorie.tief und traumlos; auch bedürfen sie "meist viel Schlaf, erwachnraber trotzdem häufig mit einem -um so erschöpfteren Ermüdungsgefühl, 'je tiefer der Schlaf gewesen. Eine ei Kindern noch häufiger als bei Erwach'sene auftretende Erscheinung ist die des Alpdrückens und ähnlicher Angstzustände. Dft liegt die Ursache :in falscher Ernährung bezw. Verdauungsftörungen, oft auch in einer unzweckmäßigen Körperhaltung, z. B. der erhobenen 'Lage eines Armes, die die -.normale Athmungsbewegung hindert, irder -gar 'dem Kreuzen der Arme unter -dem Kopfe. 'Von Wichtigkeit ist auch die Aneignung der Gewohnheit, im 'Schlaf wie im Wachen mit geschlossenem Munde zu athmen. Nicht 'nurdctß -man dadurch das 'lästige 'Schnarchen vermeidet, schützt "diese .Mäßregel mehr wie jede andere vor Infektionskrankheiten sowie auch -vor dem .unangenehmen Austrocknen der Schleimhäute und daraus entstehenden Hustenreiz. Während Gesunde sich -nach einem erquickenden Schlafe rhren alltäglichen Pflichten zuwenden, ist nervös 'Leidenden, ann vorzeitiger Ermüdung zu begegnen, morgens nur mäßige Krastanstrengung anzurathen. Nach her Mittagsmahlzeit, bei der das

Wie Vermeidung allzustarker Belastung des Magens, sorgfältige Zcrklernerung der Speisen für jene eine Groß Rolle -spielt als das Was, pflegt sich bei Leidenden wie bei 3t funden ein Schlafbedürfniß einzustellen: im Grunde em Zeichen gastrischer Beschwerden. Die Verdauung bedingt Blutableitung in d?e Richtung der Unterleibsorgane, wodurch theilweiser Blutmangel im Gehirn und infolged?ssen Schlaf erzeugt wird. Wer aber etwa spät aufgestanden ist und nach Tisch noch einen längeren Mittagsschlaf hält, kann sich nicht wundern, wenn er Abends nicht sogleich einschläft oder in der Nacht auswacht. Am Allgemeinen paßt der Mittagsschlaf nur für -solche, die den Nachtschlaf entbehren oder körperlich oder geistig arbeiten. Bei nervös Leidenden sollte der Nachmittag regerer Thätigkeit, größerer körperlicher Anstrengung indeß gewidmet sein. Zum Abendessen wählen dieselben am besten eine leichte Milch- oder Fleischspeise mit Eompott oder grünem Salat. Diese sind besonders räthlich, wenn tas Leiden, wie nur allzu häufig, mit trägem Stuhl verbunden ist, und in diesem Falle allen Arzneien vorzuziehen. Sollen wir zum Schluß noch etwaZ isber die "sogenannten Schlafmittel" sagen, so ist in erster Linie zu beachten, daß ein solches, wie es auch heißen möge, höchstens eine zeitweilige Betäuöung. niemals einen wirklichen erquickenden Schlaf herbeizuführen vermag. Bei wiederholtem Gebrauch versagt zudem auch jene Wirkung. Die Folge ist eine Vergrößerung der Dosen, oft gegen den Willen des Arztes, uter Umständen eine allgemeine Nervenzerrüttung. Dagegen sind Bäder vielfach von gutem Erfolg. Jedermann weiß, daß kalte oder, überheiße Bäder aufwecken, lauwarme müde und schläfrig machen. Die richtige, Anwendung ist damit gegeben. Auch thun partielle Kaltwasserumschlä'ge beim Schlafengehen gute Diensie, un zwar it nach

dem Sitz des der Schlaflosigkeit zugründe liegenden Leidens, über Nacken und Hinterkopf, über Magen oder Unterleib..oder auch um die Waden. Leichtere Fälle werden oft schon durch ein Glas Limonade oder guten Bieres gehoben. Professor Neclam empfiehlt seinenPatienten das regelmäßige lang same Zählen eins, zwei, und zwar eins beim Ausathmen. zwei beim Einathmen, indem man auf das erstere einen gewissen Nachdruck legt und dabei ein gleichmäßigeres, tieferes Athemholen bewirkt. Um Nebengedanken auszusck'ließen. empfiehlt er, d"ie beiden Zahlen sich zugleich bildlich vorzusiellen. Hierdurch tritt ein monotoner Rhythmus ein. der ra wenigen Minuten den Schlaf herbeiführt." Aehnlich sagt Kant in seiner trefflichen Schrift über VieMacht des Gemüthes": Aus. Ungeduld, am Schlafrn inich gehindert zu fühlen, griff ich bald zu einem stoischen Mittel, meine Gedanken mü Anstrengung auf irgend ein von mir ge wähltes gleichgültiges Object, z. B. auf den viele Nebenvorstellungen enthaltenden Namen 'Cicero, zu heften, mithin die Aufmerksamkeit von jener Empfindung gichtische Zufälle abzulenken, wodurch diese dann, und zwar schleunig, stumpf wurden und so die Schläfrigkeit sie überwog ." Diese und andere Seelenmittel" dienen augenscheinlich nur dazu, .die .Gleichmäßigkeit der Vorstellung, den Geist, zu beschwichtigen und abzustumpfen. Nicht allen können wir zum Schluß das Mittel anempfehlen, das Bismarck geholfen bat. Roon schreibt darüber an seinen Neffen M. v. Alanckenburg im August 1863. nachdem er ihm gemeldet, daß' Bismarck beim Stolpern seines Pferdes in einem Bogen über dessen Kopf geflogen sei, worauf "der Fuchs hasterkovp schlug und mit dem dicken Pferderücken auf die bundeskanzlerischen Schultern prallte ": Gestern Abend war Keudell bei mir und ich bin jetzt ganz beruhigt. weil Bismarck nach dem Sturze besser schläft als vorher. Er ist der Meinung, daß Gott ihm diesen Sturz geschickt hat, damit seine Nerven besser werden. Für diese, denen der bessere Schlaf sicherlich auf helfen wird, ist diese Curmethode jedenfalls neu."

Wenige Tage darauf berichtete ihm Blanckenburg: Bismarcks Frau fchrieb mir gestern, daß er nach dem Sturze fortwährend besser schläft als vordem!" ri obatum est! Wenn Frauen xoudjcru

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Skizze von A. Eaber. Noch ein Täßchen. Liddy?" Eara hebt die feine, durchsichtige

Sövres-Theekanne. Doch die Freun-

din schiebt ihr Taßchen bei Seite.

Nein, danke! Wirklich. Aber

Du stattest doch?"

Und Liddy entnimmt .einem zierlichen silbernen Etui eine kleine, dünne, türkische Eigarette, die sie, über die

rosa verschleierten Lampe geneigt, in

Brand setzt.

Frageno, erstaunt sieht Cara der

Freundin zu.

.Ach so, Du hast wohl Bange um die Gardinen. Kindchen? Na. da sei unbesorgt, wirklich. Oder stört Dich der Rauch? Ten mußt Du doch schon gewöhnt sein, von Deinem Mann.

Oder rauchst der etwa mchn Hier nichtl"

.Hier nicht! Cara. Herzchen, schau''

rnich 'mal an. Er ist wohl sehr selten

hier?"

Statt -aller Antwort führt die lleine, blonde Frau das Batisttüchel, in dessen Ecke noch ihr Mädchen-Mono-aramm prangt, an die Augen, und

bricht rn lautes Weinen aus

Um Goiteswillen. KwdZ Nur nicht weinenZ Kein Mann ist eine

Thräne werth, wenn er sie nicht sieht.

Komm, sag's mir offen, wie steht Ihr

denn zusammen Ihr zwei?

Cara zuckt die Achseln. Des Mor-

Hens ganz früh geht er fort, wir spre

chen uns kaum. Mittags telephonirt

r ab, und Abends

Kommt er auch nicht!" ergänzt

Liddy. Und wie entschuldigt er sich?

Geschäfte." seufzt Cara. Und wieer rinnen ihr die hellen Thränen über

die Wangen.

Liddy lacht. Und das glaubst

Du?"

Eine kleine Pause entsteht. Cara

zerbröckelt nervös einen Cake zwischen

den Fingern. Dabei verfolg! sie mit den Blicken die feinen Rauchwölkchen, die den T" ? Lippen ihres Gegen

übers n:i.

Da i,'.if! ' ;r die kleine, beringte

Hand Lidvys eine Cigarette entgegen. Hier, Cara! Mach mir's mal nach. Warum nicht? Weil dann der Kuß nicht mehr schmeckt? Oh. erst recht, verlaß Dich oarauf. Ich weiß

Bescheid vielleicht besser wie Du!"

Ja. sie weiß Bescheid! Sie kennt

auch den Geschmack des flotten, lebens

lustigen Jugendfreundes, und sein Faible, das sich alledem zuwendet, was jenseits des Rahmens der Alltäglichkeit

liegt. Liddy fühlt ein warmes Be

dauern mit der jungen Frau. So

pflichtgetreu und anspruchslos und bescheiden, daß jeder Mann sich qratu-

liren könnte zu solch' einem Juwel. Und trotz alledem doch nicht glücklich. Eher das Gegentheil. Sie denkt an einen sonnig klaren, kalten Januartag. den letzten der Weihnachtsferien. Da führte sie die kleine Cara. damals

kaum zehnjährig, auf silberblanken Weihnachtsschlittschuhen über die glatte Eisfläche. Zum letzten Male; denn heute sollte ihre Schülerin das Alleinlaufen probiren. Und wie sie dann zögernd zurückblieb, mit belustigten Blicken der schwankenden, ängstlich nach einem Stutzpunkt suchenden Gestalt folgend bis sie. gerade im letzten Momente, mit ein paar kühnen Schritten neben ihr stand,' sie zu halten! So. Cara, daö war seh? schön. Nochmal so!"

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Wie stolz war sie damals gew:i.en! Und heute? Ach. Cara war ja noch

so dumm, trotz aller ihrer HausfrauenWeisheit. Also, vorwärts zur Lection.

Cara, komm! Zünde Dir mal an.

Hübsch ziehen na. nicht so toll. So

ist s schon. Halte doch nicht so ungeschickt! Und auch nicht berunterschlucken darfst Du den Rauch. So. wie ich. So ist's schön. Bravo!

Schmeckt's? Nein? Aber es thut gut. warte nur!" '

Cara lehnt in der Sophaecke. Ihr

wird so behaglich, so mollig zu Muthe.

nt wohlige Warme des durchheizten

Zimmers, der warme, duftende Trank, dem Liddy einigeTropfen feinen Aracs

beigemischt, die unbewohnte Ruhe im

Hause und die Gesellschaft der lustigen, eleganten, pikanten Freundin Oder

ist's wirklich der Tabak, der die Wir-

kung hervorruft? Das Nicotingift?

Wie im Traum tont die lachende

Stimme der Freundin an ibr Ohr.

Vuchen. hast Du denn, schon Tem

neues Costüm anprobirt. von dem mir Madame Gecrgi gestern erzählte? Es r r m.rj.:

mun a enizuaeno lein oer eiajrci bung nach. Die Georgi bildet sich erdntlich'was ein auf ihr Kunstwert.

Zeig' doch mal!"

Ach. jetzt nicht Grae jetzt! Wann willst Du es

denn eigentlich anziehen?"

Cara zuckt die Achseln. Vielleicht

gar nicht. Wer weiß, wann ich mal

Gelegenheit habe dazu."

So zieh' es heute an. Gelegenheit

lacherlich. Die hat eine junge Frau

immer. Für wen putzest Du Dich denn? Doch für Deinen Mann in er-

ster Linie, denke ich. Aber wenn Du im Hause immer herumhuschst wie

eine Nachteule und Dich erst dann mal

nett anziehen willst, wenn Dich andere Männer sehen Wo hängt das Kleid?" In der nächsten Minute hat sie das duftige, elegante weiße Costüm auf ' einem Stuhle ausgebreitet. Komm, mach' schnell. Köstlich mußt Du aussehen, darin. Wer wird denn so bequem sein!" And mit geschickter, rascher Hand löst sie die Knöpfe und Bänder von Caras dunkler, schlichter Haustoilette. Cara läßt alles willenlos mit sich geschehen. Liddy ist wirklich zu reizend. Warum nur ihr Mann nicht dulden will, daß sie gerade mit dieser Freundin verkehrt? Und dann sieht sie sich im hohen, feingeschlifsenen Säulenspiegel. Wie aus einem Traume erwachend, fchaut sie ihr Bild an. Ist sie das selbst, wirklich? Ach, wie. hat sie sich danach gesehnt, sich auch einmal wieder zu putzen und zu schmücken! Wie hat sie es schon bereut, daß sie den noch aus ihrer Mädchcnzeit stammenden Stoff zur Schneiderin gegeben, heimlich, ohne Wissen ihres Mannes.' Denn er. der um achtzehn Jahre Aeltere, fühlt cs stets als

einen leisen Vorwurf, wenn seine Frau

durch ihr zugendliches Aussehen den Altersunterschied noch besonders heroorzuheben sucht.

So. Cara. Wunderschön siehst Du aus. Nun bleibe noH ein bischen so, ja? Ich helfe Dir dann wieder ausziehen." llnd sie führt die Freundin

wieder in die Sopyaecke,

Dann plaudern sie von früheren Tagen, der gemeinsam verlebten Kind-

yeit und ersten Jugend in dem alten,

baufälligen Hause in der Friedrichstraße mit dem schönen, großen Garten. Und dann von den Tanzstunden und dem kleinen, französischen Cercle, in dem sie so viel gelesen und so wenig

gelernt. -Sie sind übermüthig und ausgelas

sen, wie zwei Backfischchen in den

Ferien.

Da wird draußen die Entr6ethür

ausgeschlossen. Himmel mein Mann!"

Cara will ausspringen, doch die

Freundin druckt sie aus ihren Sitz

zurück. Ruhig! Laß ihn doch!"

Aber das Abendbrot ist noch nicht

zurecht, und die Hausschuhe

Dummchen! Die kann er sich auch 'mal allein suchen. Wo sind denn die

Kinder?"

Zum .Geburtstage bei Lieschen

Gärtner!"

Gut, sehr gut. Und das Mäd-

chen?" Die holt sie."

Also allein? Ausgezeichnet! Du,

Schatze!, ich gehe jetzt. Hinten herun-

ter. Dein Mann braucht mcht zu rülf

sen, daß ich hier war. Verstanden? Und Du bleibst hier hübsch sitzen und na. das Andere wird sich schon sin-

den."

Noch einmal nickt sie der Freundin

zu, dann schließt sich die dunkle Fries Portiere hinter dem lebhaften Locken köpfchen.

Herr Wazmann ist in denkbar

schlechtester Laune.' Kein Wunder

Wenn man sich den' Tag über im Bu-

reau geärgert hat, daß man wirklich

gedacht hat, die Galle läuft über, und man steht dann, mit einem reizenden Rosenstrauß und zwei Billets zum

vornehmsten und lockendsten aller Car

nevalsbälle der Residenz vor der Thür eines kleinen, ach so bekannten Dorados, und die Pforte bleibt verschlossen, trotz energischen Klingelns. so daß man nicht einmal die niedliche Zofe in die Wangen kneifen kann, und man geht dann enttäuscht nach Hause und findet ein dunkles, siillcs. wie ausgestorbenes Heim . . . ; Cr geht von Zimmer zu Zimmer, von seltsamer Unruhe erfaßt. Was sucht er nur? Er weiß es selbst nicht. So kommt er auch an die letzte Thür. Caras Zimmer. Mit raschem Griff öffnet er aber ' seine Füße bleiben stehen, wie angewurzelt. Ein feiner betäubender Cigarettenduft strömt ihm entgegen. Und dort, seine Frau ist sie es wirklich, oder nicht? So berückend schön, so licbreizend sah er sie ja nach nie! .Sie lächelt ihm zu. Mit ein paar

Schritten tritt er an ihre Seile. Sie streckt ihm die Hand entgegen. Er aber achtet nicht darauf. Sein Auge ruht auf dem Cigarettenrestchen. da auf der kleinen Porzellanschale ne ben dem Svresservice. Wer war hier?" Cara erröthet. Ach. niemand!"

Da hält er ihr den Cigarettenstum . mel entgegen. Seine Hand zittert. Und Cara fühlt auf einmal, wie ih: etwas von den Augen zu fallen scheint, was ihr bis jetzt den klaren Blick trübte, wie ei? Schleier. Sie wein

sstzt. daß sie glücklich, ach, unsagbar 1' l , f . . "Y !

giucuicy weroen rann, wenn ne roiu. j

Undesangen iy: ne zu lym aus. ,

.Ach, das war ich ja selbst! Ich ganz

allein! Wenn man immerso verlassen znd einsam dasitzt, ohne eine Spur von dem. was die Anderen Vergnügen nennen, dann schafft man sich sein Plaisir eben auf eigene Weise. Und

wenn ich keine Gelegenheit hade, mich für die draußen zu putzen, dan. thu, ich's eben für mich ganz allein!"

Er athmet tief auf. Eme schwere

Last fällt ibm vom Herzen. Daß sein Weib die Wahrheit spricht, weiß er,

das sagt ihm der Blick der großen, klarcn, reimn Augen. Er hat sich umsonst gesorgt.

Ja, diesmal umsonst, allerdings.

Wer aber bürgt ihm dafür, daß es so

bleibt? Er kennt ja das Leben zu genau mit seinem tollen Poffenspiel. in

dem iedem eine Rolle zugetheilt wird,

wenn auch oft gegen seinen Willen!

Und wie liebreizend seine Cara heute

aussieht! Sie lächelt ihm zu. War-

test Du noch ern Wellchen? Ich will

nur schnell das Kleid ablegen, dann

mach' ich Dir ein schönes Abendbrot zurecht.

Bleib." sagt er. bleib wie Du bist.

bitte. Wir gehen heute auswärts essen!"

, Und darum bist Du so früh gekom men?" Wie Jubel tönt es von ihren Lippen. Er nickt. Dann zeigt er ihr die Billets. Mit einem lauten Freudenruf will sie ihm um den Hals fallen. Doch sie denkt noch im letzten Moment an daZ duftige Spitzengekrausel, das ihren Halsausschnitt abschließt. Darum dreht sie sich nur einmal blitzschnell auf dem Absatz herum und lacht. In zweiMinuten sitzen sie. in warme Decken gehüllt, in einer Droschke, uno sprechen von ihren beiden kleinen Mädeichen, die ihnen soeben, von der Gcburtstagsfeier heimkehrend, auf der Treppe den Gutenachtkuß gegeben. Und dann umschwirrt Caras durstende Sinne das langersehnte, schmerzlich entbehrte Gewoge und Getriebe des Weltstadtballes mit seinen berauschenden Walzerklängen, seinem Meer von Duft und Glanz und seinem Scheinglück, das doch nun einmal zum Leben gehört, damit man im Vergleich mit ihm das wahre Glück erkennen und schätzen lerne. Vergänglich wir die Rosen in ihrer Hand, aber doch herzund sinnerfrischend, wenn auch., nur auf Stunden. Und Cara lacht und tanzt und ist glücklich, als sei ihr die erste, knospende Jugend noch einmal erstanden. Toilettenlurus.

Z?on Anna Lvdecke.

Von Martial und Seneka bis zu Sebastian Vrant, demSchöpfer des satirischen Narrenschiffs" und dann weiter die Jahrhunderte hindurch bis auf den heutigen Tag haben Berufene und Unberufene ihren Witz geübt an der von der Frau bekundeten Vorliebe für Schmuck und reiche Gewandung. Und von den Zeiten der Klecpatra, die

bekgnntllch eine auf zehn Millionen Sesterzien geschätzte Perle in Essig auflöste und hinunterschluckte, bis zu der Gräfin Castelane. rn'e Gould, deren etwas hohe Schneiderrechnungen von den Zeitungen vor Kurzem nicht gerade liebenswürdig erwähnt wurden, zeiht man das weibliche Geschlecht mitunter mit starkem Aufwand von Staunen und Entrüstung des Hanges zu übertriebenem Luxus. Aber gerade dieses entrüstete Staunen beweist doch das Ungewöhnlicher solcher Beispiele, beweist, daß es sich in sochcn Fällen um Ausnahmen handelt, von denen keineswegs auf die Allgemeinheit zu schließen ist. Und selbst dcrartige Ausnahmen lassen sich erklären, verstehen und zuweilen auch entschuldigen, weil sie eben meiss in AusnahmeverHältnissen begründet sind. Da sollen z. B. die leiderordnungen und Aufwandgesetz: frühererJahrHunderte bezeugen, daß die w:ib!:che Eitelkeit sich von jeher all zu sehr geltend gemacht hat. Als ob diese Gesetze und Verbote sich nicht auch eben so oft gegen die Herren der Schöpfung gerichtet hätten, welche ja vormals in Bezug auf ihre gewandlicke Ausstattung eine große Prachtliebe entfaltete, z. B. gegen Pluderhosen", die sogar von der Kanzel herab bekämpft wurd:n. Zudem kümmerte sich eine hohe Obrigkeit in jenen Kullurperioden nach gar vielcn Seiten bedeutend mehr um die LebensVerhältnisse des Einzelnen, als es' heutzutage geschieht. Sie suchte in weiier Fürsorge durch Maßnahmen, wie es derartige Aufwandgesctze wzren, häufig der Verschwendung vorzubeugen. So gibt es ja auch in jener Periode zahlreiche Bestimmungen äiber die Zahl der Gerichte, die für die Hockitstafeln der einzelnen Stände zulässig sein sollten. Man vergaß freilich zuweilen, daß der zunehmende Wohlstand, die Fortschritte des Kunstfleißes, die sich verallgemeinernde Bildung und ein allmälig mehr und mehr gesteigertes Schönheitsgefllhl auch nothwend'ger Weise den Sinn für reich: und geschmackvalle Kleidung.entwickeln mußten. und daß diese Entwicklung doch ae-

i rade als ein Symptom der jsich auf- , wä'rts bcroegenden Kultur zustegrüßere ' war. Uebrigens wurden fich: Ver-

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Ordnungen durchaus nicht immer tren? I

befolgt und trugen, weil sie zumesst auf jede Ucbertretung eine Geldstrafe setzten daber oft nur den Cb 'akter schwankender Luxussteuern. ' So zum Beispiel das im Jahre 1294 von Philipp dem Schönen erlassene Gesetz, welches den getreuen Unterthanen genau vorschrieb, wie viele Anzüge sie im Verhältnisse zu ihrem Stande und Vermögen besitzen, und wie theuer sie die Pariser Elle Kleiderstoff bezahlen durften. Oder die zahlreich: Er'asse städtischen Behörden, welche mit kleinlichster Pedanterie sogar die Breit: der Verbrämung, die Anzahl der KnopfÖffnungen, die Art des Geschmeides, kurz alle Details der Kleidung und des Schmuckes festsetzten. All das aber war umsonst, man trug die Poulaines". die lzngschnab.i'en Schuhe, ruhig weiter und zwar mit längeren Spitzen, als das Ce'etz erlaubte. man kleidete sich natürlich nur wenn man es dazu hztte unbekümmert ganz inHermelin, was strengstens verboten war. und vern'.nd.e Gold und Silber nach wie vor in ausgedehntem Maße zu allerlei Besätzen. Und die Frauen wandelten nach wi: vor mit langen Schleppen einher, in denen die farbensatte Seide. d:r leuchtende Brokatstoff und der ernste, schwerfaltige Sammet so wunderbar zur-Geltung kamen. Welche Ansein-

düngen haben Nicht diese armen Schleppen im Laufe der Zeiten ersahren! Selbst etliche Monarchen verfolgten sie mit ihrer Ungnade, und einer der Päpste. Eugen IV., erth:il!e den Franziskanern im Jahre 1435 die Erlaubniß. allen Frauen, die Schleppen trügen, die Absolution zu verwe'gern. Und doch erhält nicht ein schönes, kostbares Kleid gerade durch die lang herabwallende, sanft dahin gleitende Schleppe sein harmonisch festliches G:präge und verleibt der Trägerin so viel anmuthige Würde? Unter den Machthabern gab es aber auch galante Herren, welche dem schöneren Ge'chlechte in Toilettenangelegenhnten reien Spielraum gewährten, w'e den 'onst ja durchaus nicht mild gesinnten Herrscher Spaniens Philipp II., welcher in seinem Land: die K'eiderordnungen aufhob, und Franz I.. deen Aufwandsgesetze sich ausschließlich gcgen die Männerwelt richteten. Dieser

Fürst hatte sogar die Gewobnheit. die Damen seines Hofes zur Erhöhung der Freudigkeit und des Glanzes-bei größeren Festlichkeiten häufig mit Prunk-

gewandern zu beschenken.

uevrlgens gaden damals w e zu

allen Zeiten Frauen in hervorragender

Lebensstellung, die einen hoch ent wickelten Sinn für stilvolle Formen so

wie für das Malerische in der äußeren Erscheinung besaßen, ibren Geschlech sgenossinnen auf dem Gebiete d?r Klei-

dung ein Beispiel guten, wahrhaft ce

läuterten Geschmackes. Daß di'ser

gute Geschmack, dem in seinem frei.'n

Wählen und Walten etwas Künstl-r!

sches inne wohnt, sich nicht nur mit dem Nothwendigen und Nützlichen be-

anüaen konnte, sondern) auch alle

schmückenden und zierenden Elemenie.

werthvolle Stoffe, kostbaren Ausputz,

Gold, Silber, edle Steine zur Verw?n

dung brachte, ist erklärlich. Dcnn wo bliebe auf irgend einem Felde m:nsch-

licher Lebenshaltung der höhere Aus

schwung. das Streben nach ästhetischer

Wirkung,- nach Glanz und Sckionheit.

wenn überall die dem bloßen Zweck cnt

sprechende Einfachheit die iegel wäre?

Gerade das nicht Nothwendige, de

uederflutz, also ras eben, was w:r Luxus nennen und was nichts als eine Verkörperung des Schönen in vielfa

cher Gestalt und verschiedener Wesen

hen ist, verleiht den Dingen an uns und damit uns einen hohen, anmuthi-

gen Reiz. Aber der Luxus muß von harmonischem Feingefühl erfüllt, mit

sicherem Takt in die rechten Bahnen gc lenkt werden. Zu den Frauen, welche dies versian

den. gehörte auch Elisabeth von Balois. An den Hof König Phi'ipps verpflanzt, konnte sie, die h.'itcre Tochter Frankreichs, sich nur schwcr mit dem steifen, spanischen Ceremonie sowie mit der noch steiferen spanischen Tracht befreunden. Da es ihr nicht vcrgönnt wurde, den Zuschnitt der Gewänder wesentlich zu ändern, so suchte sie voll erfinderischen Sinnes den Kostümen durch kostbaren und geschmackvollen Ausputz einen leichteren, craziöseren Charakter zu verleihen. Und tvenn sie, wie man ihr nachsagt, jedes Kleid nur einmal anlegte, so war das ein sehr verzeihlicher Luxus für d'e Gemahlin eines Königs, in dessenReich die Sonne nicht untergina. Als tonangebend in Sachen der Mode galt ihren Zeitgenossinnen aber nicht sie. sondern ihre Schwester, Margarethe von Valois. Sie trieb allerdings den hochsten Luzus, erschien beispielswei e, wi: Bantome berichtet, bei einer kirchlichen Feierlichkeit in einem K.'eide. von dem die Elle hundert Thaler koste'e. b szß mit Diamanten besetzte Handschuhe und wand sich die seltensten Per.en in ihr wundervolles schwarzes Haar.

Aber, setzt derselbe Autor hinzu: mit loelcher Würde, mit welch auserlesenem Geschmack trägt unsere schöne Königin alle diese Dinge". Die starkgeistige Elisabeth von Eng land verschmähte es gleichfalls nicht, der Toilettenfrage eine große Vedeutung zuzugestehen. Wie in anderer Hinsicht, so auch hier von kluger Berechnung, wußte sie ihre körperlichen Vorzüge durch eine äußerst' gewählte und reiche Gewandung zu heben. Als Kuriosum berichtet man. daß sie nach ihrem Tode dreitausend Anzüge hinterlassen habe. Durch einen solchen Aufwand, der bei der englischen Damenwelt allgemeine Nachahmung fand, wurden zablretche Jndustrtezweige we sentlich gefördert. Den höchsten Aufschwuns. nahm dir Luzus an dem Hofe LudwioXx?'s areunmöglich,

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zwar hier und da zu Modethorheiten und Uebertreibungen verleitete, wie il

die Fontange. der gigantisöc Kopfputz.

war. die aber d:e Kunst. s:ch gut zu

leiden, mit rcllcndeter Grazie be-

herrschten. Die farbenprächtigen. g?cr g:mustlrten Stoffe, die kostdren

Points d'Alcnccn. die funkelnden Ju

celcn, die koketten Schleifen pabt:n zu

der pikanten Eigenart all jener vor-

rehmcn Damen, wie diese selber zu

lhr:m glänzenden Milieu, zu der riel bewegten Zeit, in welcher sie lebten. Dann kam später die Aera der Wat-

teaufalt:n, der Paniers, der duftigen

Fichus. der von Künstlerhand gemalten

Fächer und der Schäferkostüme, und nun war es Marie Antoinette. welche

das Scepter im Reiche des -Lurus schwang. Diese Herrscherin änderte

ihren Geschmack in Sachen der Mode

unaufhörlich, verwarf beute, was sie gestern mit Entzücken erfüllt batte. und

strebte alsdann Iapnzws nack Neuem, ncch größere Wirkung Verheißendem. Aber was sie auch immer ersann und-

zusammenstellte, bildete nur den stim-

mungsvollen Rahmen zu der Anmuth ihrer Erscheinung. Nach kurzem Uebergange gelangte darauf in der Kleidertracht die wieder aufgelebte Antike zu? Herrschaft, die trotz der vereinfachten

Formen dem Lurus ebenso gut ihren

Tribut zollte wie die anderen Moden. Bekanntlich entfalteten die Damen an Napoleons Hofe eine außerordentliche Toilettenpracht, und besonders Kaise-

rin Josephme. die sich, durch ihren aus das Kostbarste und Sensationelle gerichteten Geschmack auszeichnete. Von da ab ist die Erscheinungswelt der Mode zu vielgestaltig, als daß es möglich wäre, einzelne Frauen zu nennen, die n hervorragender Weise auf das Anwachsen und die Entwickelung des Luxus einen Einfluß ausgeüb. hätten. Nur Kaiserin Eugenie ist noch zu erwähnen. derenRoben als Wunderwerke der Schneiderkunst gepriesen wurden, und die selbst mit reger Initiative mancher glänzenden Neuerung Bahn brach. Seitdem hat die Mode mehrfach gewechselt, aber der Lurus ist derselbe geblieben. Und so lange wir eine Kultur haben werden, die uns auf diesem Gebiete so mannigfache und zu so hoher Vollkommenheit ausgebildete Erzeugnisse liefert, so lange Millionen fleißiger Hände sich regen, arbeiten wollen, so lange es Frauen gibt, die mit fcinem Geschmack und ästhetischem Empfindcn auch ihr Aeußeres zu schöner Wirkung gelangen lassen, so lang: wird der Luxus seine Macht behaupten. Ge-. wiß bat er auch manche Uebertreibun -. gen und Auswüchse bervorgebracht welche menschliche Bethätigung wäre davon ganz frei? aber dafür ist er auch rein an lichten, erfreulichen i tcn. Die Künstler aller Nationen und Zeiten, haben sie uns etwa jemals die nüchterne Einfachheit gepredigt? Stcllen sie nicht vielmehr mit Vorliebe den Glanz undchmuck reicher Gewandung dar? Die Meister der Renaissance bringen uns den großen Stil, das Malcrischc in den herrlichen.'farbenfreudl gen Trachten ihrer Zeit durch viele ihrer Werke zum Bewußtsein. Sie scheinen in diesem Kleiderlurus zum mindesten keineVerzerrung. kein Ueber maß gefunden zu haben. Bewundern wir nicht die stattliche Schönkeit der damaligen Mode an den Bildnissen, die van Dyks Pinsel der Nachwelt überlie seit hat? Und die heitere Grazie des Rokokokostümes an Watteaus und Greuze's Gemälden?' Auch die Dich tung hebt überall die Bedeutung kostbarer Gewander. dlen Schmuckes her vor. In dem Nibelungenliede ist be reits mehrfach davon d'e Rede. Bei spielsweise sagt Günther, ehe er gen ' Jsenland fahrt, zu Siegfried: Gewand das allerbeste, das man ir gend fand. Trägt man zu allen Zeiten in Brun

Hildens Land: Drum laßt uns reiche Kleider vor den Frauen tragen, ; , Daß wir's nicht Schande haben, bört , man künftig von uns sagen." ; Schillers Den Manuel- bestimmt das Brautgeschmeide seiner Erwählten in begeisterter, eingehender Schilderung und auch Lord Byron schildert in seiner beweglichen Sprache bis aus's kleinste den prunkvollen, phantastischen Anzug der lieblichen Haidee. Auch er. der vieler Menschen Länder undStädte gesehen und sich gerade in solchen Dingen wohl ein Urtheil erlauben konnte, scheint an dem Luxus der Frauenklei dung keinen Anstoß genommen zu haben.' Und hat nicht Rückert. mit Recht der Lieblingsdichter der Frauen, das Prachtgeschmeide und das -Seidenkleid besungen? Und vielleicht kann man auch desselben Dichters Ausspruch: Wenn die Rose selbst sich schmückt, schmückt sie auch den Garten" als eine Anerken nung der Bedeutung ansehen, die Rückert der schön geschmückten Frau für die ganze Stimmung des Salons zuerthcilt.

lEsprit sie

Der Gnphon.

.Himmelsakra! Halt'S zaruck!" F e i n e r U n t e r q : t v. Patient (beim Zahnarzt): Ich möchte mir einen bösen Zahn entsernen lassen. Zahnarzt: Soll ich ihn reißen oe? yns tft tvr Un

Attlflit ( yUtIVtlta . m'w . terschied?- Zahnarzt: .Fünfzig

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