Indiana Tribüne, Volume 24, Number 157, Indianapolis, Marion County, 23 February 1901 — Page 1

i: V t l l i

.

y.

(

.

i S

.

. .'

s'

;r

L

u ur-

J (:?nt H Us

X

Mltf n

WWW-U

SVittl

k'

UrV

o MIM

V,

-ow

VOhA

f iA. . ..

XI

w t

, ColllltagS X BlLtt S

lOcxnWoche

3 V

tf

.?

X

Jahrgang 24.

Erscheint jeden Zlachinittag und Sonntag Morgen.

Indianapolis, Ind.. Samstag, dcu 23. ZZcbmar'1901.

Ans Hern Dcnlsifeii Jlfidj. 9 Das Drohen Rußlands mit einem Zollkrieg Hat in Deutschland Eindruck gemacht. Die Ettyland ftittöliche Presse ossiziell getadelt.

Ter Krieg in Südafrika.

'DeWct wieder ans dem Bereich der Engländer.

Was der Boerenkrieg England kostet.

'Noch 19,01)0 bis 20,000 Voeren im Felde. , Frankreichs 1900er Weinernte. 0 Aus dem deutschen Reich. B t x I i n, 23. Febr. Die Kaiserin Auguste Victoria ist von Cronberg aus nach Berlin zurückgekehrt, weil ihre drei jüngsten Kinder am Keuchhusten leiden. Die halboffizielle Norodeutsche Zeitirng" enthält heute einen inspirirten Artikel, in dem die England feindliche 'Presse wegen ihrer unfreundlichen Bezugnahme auf d:n bevorstehenden Besuch des Königs Eduard von England m Cronbera, in scharfer Weise getadelt wird. In dem Artikel heit es: Der König von England kommt in wenigen Tagen nach Deutschland, und zwar, um seine schwerkranke Schwester, die Kaiserin Friedrich zu besuchen. EZ unterliegt daher keinem Zweifel, daß der Besuch in Cronberg. dem Gesühl brüderlicher Zuneigung entspruncn, rein privaten Charakters ist. Einige deutsche Zeitungen haben trotzöem versucht, ein politisches Ereignis daraus zu machen, wahrscheinlich nur um Gelegenheit zu haben, den König Edward in giftiger Weise anzugreifen, was nicht verfehlen kann, den Kaiser höchst unangenehm zu berühren. Diese Angriffe bekunden einen Grad von Brutalität, der ein: strenge Zurückweisung verdient." Die Erben des vor einigen Tagen in Frankfurt a. M. verstorbenen Barons Wilhelm von Rothschild haben den verfchiedenen Frankfurter Wohlthätigkeitsanstalten eine Million Mark geschenkt. Die zweite Verwilligungsvorlage für die China - Erpedition wird binnen Kurzem dem Reichstag zugehen. Sie wird die Unkosten sür 1901 decken und die verlangte Summe wird wahrscheinlich 120,000,000'Mark betragen Diese Summe und die gerade vom Reichstag bewilligten 153,000,000 Mark werden aus dem Wege einer gemeinschaftlichen deutschen Anleihe aufgebracht werden. Das kalte Wetter, hält in ganz Deutschland an. In einigen Gegenden ist das Wetter das kälteste in 25 IahktN. In Köln ist eine von einem Ball zurückkehrende junge Dame auf derStrahe erfroren, und ein Kutscher fiel, mit bei'denBeinen erfroren, besinnungslos vom Bock. In der Nähe von Remazen wuroe in Radfahrer todt aufgefunden, und bei Danzig ist ein Fischerboot eingefroren und die drei Personen, die sich an Bord befanden,, kamen ums Leben. Die Mosel ist bei Coblenz fest zugefroren. In Hirschbera. Schlesien, steht das Thermometer aus 29 Grad unter Null Celsius, und im Harz auf 30 Grad :ntcr Null. In allen Gebirgs - Regionen hat es außerordentlich stark geschneit. Ein Beamter des Auswärtigen Amtcs erklärte heute dem Korrespondenten der Associirten Presse gegenüber, daß der kürzlich in der St. Petersburger Handels- und Industrie - Zeitung erschienene Artikel, in dem Wiederverge! tungsmaßregeln seitens Rußlands angedroht wurden, für den Fall, daß Deutschland wirklich die Getreidezölle sa hoch ansetzen werde, wie die Agrarier es wünschen, ernst genommen werden müsse, da der Artikel ohne Zweifel die Ansichten und Gesinnunaen des russi schen Finanz - Ministers De Witte ,um Ausdruck bringe, obgleich der Artikel euch gleichzeitig durchblicken lasse, daß Rußland die Verlängerung des Han delsvertrages nit Deutschland wünsche. Wäre dies nicht der Fall," sagh der Beamte, ..dann würde Herr von Witte 'den Vertrag abkaufen lassen, ohne tU Ivaö darüber zu sagen. Der Artikel zeigt audj, daß der russische Finanzminister die öffentliche Meinung in Deutschland zu Gunsten des Vertrags zu beeinflussen sucht. Wenn auch Deutschland überzeugt ist, daß der Artikel ernst gemeint ist, muß es doch vor allen Dingen seine eige nen Interessen im Auge haben. Die Insinuation der russischen Presse, daß Deutschland derr Sekretär Gage veranlllßt hat, russischen Zucker mit einem Zuschlagszoll zu belegen, ist. Unsinn.

Der vir.zzutirttci oer er. Staaten ist wohl im Stande, die Angelegenheiten seines Departements allein zu leiten und er hat es nicht nöthig, sich von Deutschland Vorschläge machen zu las sen." Aus China. Peking.' 23. Febr. Mit dem Transferiren der, Shan-Hai-Kwan Eisenbahn an die Engländer ist. am Freitag angefangen worden und die Bahn wird sich am 23. Februar im voll" ständigen Besitz der Brrten befinden. Für den Fall, daß die britischen Mi litärbehörden die Eisenbahn an die Civilbehörden übergeben sollten, ist vorge sehen worden, daß die ersteren die allgemeine Oberaufsicht über den Bahn verkehr führen sollen, solange die Provinz Chi Li militärisch besetzt ist und das Militärdirektorium soll aus einem britischen Direktor und zwei Assistenten, ein Deutscher und ein Japaner, bestehen. Die beiden Letzteren sollen die Kontrolle über sämmtliche militärische Angelegenheiten haben. Die Briten verpflichten sich, den Rufsen, Deutschen und Japanern die Auslagen zu vergüten, die sie für Telegra phen und andere Verbesserungen ge macht haben. Die Russen werden wahrscheinlich im August die Shan-Hai-Kwan und New Chwang Eisenbahn den Chinesen übergeben. Die Frage ist, wer die Linie bewachen soll. Berlin, 23. Febr. Eine Depesche auö Peking kündigt an, daß Graf von Waldersee die geplante große Expedition ins Innere von China aufgeschoöen habe, seitdem China die Forderung der Mächte betreffs der Bestrafung der Schuldigen bewilligt hat. Peking. 23. Februar. Die Ge sandten wurden am Morgen von den chinesischen Friedens-Kommissären benachrichtigt. daß die Edikte betreffs der Bestrafungen, der Einstellungen der Examinationen und der Verantwortlichkeit der Vizekönig: und Gouverneure unterzeichnet seien, der Text der Dokumente aber noch nicht eingetroffen sei. Da die Chinesen jetzt ihr Neujahr feiern, sind viele Telegraphenämter bis zur nächsten Woche geschlossen. Kämpfe in Macedonien. K o n st a n t i n o p e l. 23. Februar. Zwischen einer großen Anzahl bulgarischer Agitatoren und türkischen Truppen fand in dem Dorf Chevegheli. in Macedonien. ein heftiger Kampf statt, in dem fünf türkische Soldaten getödtet und mehrere verwundet wurden. Eine französische Garnison angegriffen. P a r i s, 23. Februar. Am Montag Morgen um vier Uhr wurde die 160 Mann starke französische Garnison in Tunimoun. Algier, von 1000 eingeborenen Barabos angegriffen. Drei Offizier: und sechs Mann wur den dabei getödtet und 21 Mann verwundet. Die Eingeborenen wurden zurückgeschlagen. Sie verloren 200 Mann an Todten und Verwundeten. Lom britijchenParlament. L o n d o n. 23. Febr. Eine diesbezügliche Frage des Herrn Wm'. Redmond beantwortend, sagte am Freitag Lord Cranborne. der parlamentarische Sekretär des auswärtigen Amtes, im Unterhaus, osß der deutsche Kaiser sich nicht erboten habe, eine Beendigung der Feindseligkeiten in Süd-Afrika durch seine Vermittelung herbeizuführen. Auf eine Frage betreffs der Kosten des Krieges in Südafrika sagte der Kanzler des Schatzamts, Sir Michael Hicks Beach. daß bis jetzt für 81.500. 000 Bonds ausgegeben worden seien u. wöchentlich noch ungefähr für 51.000. 000 bis 1.250.000 Bonds ausgegeben würden. Der Kriegsfekretär. Herr St. John Broderick, erklärte, daß die noch im Feld stehenden Boeren vor Kurzem auf 19, 000 bis 20.000 Mann abgeschätzt worden seien. Die Zahl der gefanaenen Boeren habe im Januar 16,000 Mann betragen, die Zahl habe seitdem aber zugenommen. Das neue Ministerium. Rom. 23. Febr. Das neue Ministerium wird von vielen Seiten ersucht, den Minister des Aeußeren. Signor Prinetti, durch einen anderen Mann zu ersetzen. Der Minister wird heftig von der Presse angegriffen, weil er dem bayerischen Gesandten. Baron Tucher von Simmelsdorf, gegenüber erklärt haben soll, er halte die Erneuerung des Dreibundes für eine absolute Nothwendigkeit für Italien. Mehrere Zeitungen verlangen die Resignation des Ministers, da seine Aeußerungen Italien verhindern könnten, bei Deutschland und Oesterreich bei der Erneuerung der Handelsver träge auf den verlangten Konzessionen zu bestehen. Die französische Weinernte. P a r i s. 23. Februar. Den, offiziellerZusammenLellungen zufolge be

lies nch die sranzonjche stimme tm

Jahre 1900 auf 67,352,661 Hektoliter. Es ist dies eine Zunahme von 19444, 891 Hektoliter gegen 1899.' ' Die Ernte ist die größte seit 1875.' 'Das Wein-berg-Areal betrug 1,730,451 Hektar und der Ertrag 39 Hektoliter per Hektar war um 11 Hektoliter per Hektar größer als im Jahre 1899. Der Werth der Weinernte wird, auf 1.261L5S.000 Francs abgeschätzt.' ' Gen. Buller in Ungnade. London. 23. Feb. In militärischen Kreisen hat ein Armeebefehl großcs Aufsehen erregt, der in Aldershot veröffentlicht wurde und in dem die Ansichten, die General Buller über die Artillerie am 7. Februar öffentlich zum Ausdruck gebracht hat, pudiirt werden. Gen. Buller hatte" damals er-

klärt, daß die Artillerie zu schablonenmäßig einexerzirt sei und es ihr auf ' dem Schlachtfeld an selbstständigem j Handeln fehle, wodurch manche günsti-; ge Gelegenheit zu einem erfolgreichen !

Eingreifen in daS Gefecht verloren ginge. Diese Kritik hatte den Zweck, daß die Offiziere in General Bullers Kommando sich danach richten sollten. Das Kriegsamt hat nun General Buller ersucht, denjenigen Theil seines Memorandums, der auf die Artillerie Bezug hat. zu kanzelliren. und in Militärkreisen scheint man geneigt anzunehmen, daß Lord Roberts die Pensionirung des Generals Buller durchsetzen wird. Die Revolution in Venez u e l a. Kingston, Jamaica. 23. Febr. Alle aus Venezuela ' eingetroffenen Nachrichten stimmen darin überein, daß die Lage in der Republik eine sehr ernste ist. Es hat sich herausgestellt, daß der Führer der Revolutionären, General Acorta. nicht gefangen genommen wurde, obgleich seine Gefangennähme schon mehrmals offiziell und unoffiziell angekündigt worden ist. Er wird jetzt von General Hernandez, General Rolande und den Anhängern des früheren Präsidenten Andrade thatkräftig unterstützt. Die volle Ausdehnung der revolutio nären Bewegung ist nicht einmal der Regierung bekannt. Das ganze Jnnere des Landes soll sich in der Gewalt der Revolutionären befinden und die Aufregung erstreckt sich jetzt auch auf die Küstenstädte. Sensationelle Klage. London. 23. Febr. Der Bisccunt Kinton. der Jahre lang in London als Drehorgelspieler bekannt war, hat gegen den jungen Earl Ponlett ein Verfahren eingeleitet, das denZweck hat, ihn zu verhindern, Hinton House zu bewohnen, bis die Frage entschieden ist. ob er wirklich der Erbe der Grafschaft ist. Auch Wird um einen Einhaltsbefeql nachgesucht werden. 'der den jetzigen Vewohner von Hinton House verhindern soll, den Titel Carl of Ponlett zu führen. - Als William Henry. Earl of Ponlett, am 22. Januar 1899 in London starb, entstand ein Streit um die Nachfolge auf den Titel und das Vermögen des Verstorbenen. Der alte Earl war drei mal verheirathet und der Orgelmann, der Anspruch auf seinen Nachlaß erhob, erklärt, daß er sein ältester Sohn aus der,E5c mit Elizabeth Virginia Newman. Tochter eines Landporter Lootsen. sei, die Earl Ponlett im Jahre 1849 heirathete, aber bald wieder verließ, da er angeblich von ihr hintergangen wurde. Er ließ sich aber nicht von ihr scheiden, und sie starb als Counteß of Ponlctt. Die zweite Ehe des Carls -war kinderlos und seiner dritten Ehe, mit Rosa de Melville. ist ein Sohn; der jetzige junge Earl of Ponlett entsprossen. Der Mann, der die Grafschaft beansprucht, hat sich viele Jahre ' lang als Orgeldreher in den Straßen Londons ernährt. Der alte Eärl haßte seinen Sohn, den er für einen Betrüger' er klärte, und machte auch kein Hehl daraus. Der Sohn rächte sich aber dafür,' indem er sich häufig mit seinem Leierkästen vor der prächtigen Residenz seines Vaters aufstellte und -dort, zum Gaudium der Nachbarn und zum unueschreiblichen Aerger des Alten, stundenlang musizirte Der alte Earl war so versessen darauf, daß der Sohn niemals etwaK von seinem Vermögen erhalten solle, daß er versuchte, seine Güter bei L'cbz:iten in solcher Weise zu belasten, daß sein Sohn nichts zum Leben übrig haben würde, selbs wenn er von den Gerichten als der gesetzliche Erbe seines Vaters anerkannt werden sollte. W:nn auch der Sohn des Earls aus seiner dritten Ehe thatsächlich

von den Gütern Besitz ff griffen hat,'

sind seine Ansprüche darauf von den Gerichten doch noch nicht, anerkannt

worden.

Sdjreräfiiljcs WA-

DM

1'!

--

Bennett's für beste Feiertags. Photographieen. 38 Ost 'Washington Straße. ,

Der Dampfer City of Rio de Janeiro" In der Nähe des Hafens von San Francisco untergegangen, j . m " Nachdem er im Nebel auf ciucn ! Felsen aufgeführett . . " Zlngefahr 122 personeu um's Leben gekommen. : Meist Chinesen und Japaner. Ter frühere Konsul Wildmau mit sei' uer ganzen Familie unter den Verunglückten. : Entsetzliche Schiffs - Kato st r o p h e. S a n F r a n c i s c o, Cal., 22. Feb. Der Pacific-Postdampfer City of Rio de Janeiro" stieß beim Einlaufen in das Goldene Thor" früh am Morgen im dichten Nebel auf einen Felsen und sank in wenigen Minuten. .Man glaubt, daß nahezu 150 Passagiere er trunken sind, doch läßt sich die genaue Zahl nicht bestimmen, da der Zahlmeister und mit ihm die Passagier-Liste ein Opfer der Fluthen geworden sind. Bis 6 Uhr Nachmittags waren zehn Leichen geborgen, zwei weiße Frauen, ein weißer Mann und sieben Chinesen. Unter den Passagieren befand sich auch Roünseville Wildman, der Ver. Staaten Konsul in Hongkong, welcher mit seiner Frau und zwei Kindern Passage auf dem Dampfer genommen hatte und wahrscheinlich ertrunken ist. , Zur Zeit des Unfalls befand sich das Schiff unter Kommando des Lootsen Frederick Jordan, welcher gerettet wurde, Ehrend Kapitän Wm Ward 'mit seinenv'Schiff in die'Tiefe fank So weit bis jetzt ermittelt werden konnte, befanden sich 2U Personen an Bord der' .Rio' de Janeiro" und zwar 23 Passagiere erster Kajüte. 7 Passagiere zweiter Kajüte, 53 Chinesen und Japaner im Zwischendeck, sowie 140 Offiziere und Mannschaft. Die Folgenden sind ermittelt worden:- Gerettet. 79.' todt in der Morgue 10, zusammen 89 Personen. Vermißt werden 145 Personen. Folgendes ist die Liste der KajütenPassagiere : Generalkonsul Roünseville Wildman. Frau Wildman nebst zwei Kindern und Wärtern, von Hongkong; Frau Wakefield und Tochter von Honolulu; Jas. K. Carpenter, Verg-Jngenieur. von Oakland. Ca!.; Frl. Rowena Jehu von Honolulu; Wm. Vrander von London; Herr Matheson von Shanghai; Kapitän Hecht von der deutschen Marine; Kapitän Holtz. von Shanghai; Herr Dowdcll von Shanghai; I. F. Seymour, Redakteur des American" von Manila; Frau K. West von San Francisco; Frl. Lehren; Russell Harper. Journalist, von Jagasaki; Herr und Frau Hart, von Manila; Frl. Gabriel Hoerou; Dr. Dodd. von Butte, Mont.; Herr Henshaw, Anwalt, von Butte.'Mont.; Herr und Frau Woodworth; Dr. Okawhara. von Japan. Die Rio de Janeiro" war drei Tage überfällig von Hongkong und als sie gestern' Nacht vor dem Hafen anlagte. ließ der Lootse Jordan wegen dichten Nebels das Schiff vor Anker gehen, bis er den Weg durch die Einfahrt klar se-hen-konnte. Das Schiff lag bis 4 Uhr 30 Minuten Morgens vor Anker und da das Wetter um diese Zeit sich klärte, sc ließ, Jordan die Anker lichten und steuerte langsam auf Point Bonita zu. Alles ging gut bis um 5 Uhr 40 Minuten, wann das Schiff auflief. Die meisten Passagiere, befanden sich zur Zeit unter Deck und ohne Zweifel sind viele davon in ihren Kajüten ertrunken. Die erste Kunde von der Katastrophe traf um 7 Uhr 30 Minuten in San Francisco ein und einige Augenblicke traf'ein Boot mit geretteten Passagieren und Mannschaften am Post - Dock ein. Sofort wurden Schleppdampfer nach dem. Schauplatze der Katastrophe abgesandt. aber bei ihrer Ankunft war kein lebendes Wesen mehr auf den Fluthen zu entdecken. Eine Anzahl Ertrunkener waren von italienischen Fischern gerettet worden und die Leichen von zwei weißen Frauen, einem Japanesen und drei Chinesen geborgen worden. Letztere wurden durch die Schleppdampfer nach der' Stadt gebracht. Während des gan zen Tag?s wurde nach den Leichen Er trunkener gesucht.

Alle Berichte ZNmmen darin überein.

daß die Offiziere die nöthigen Befehle ohne jede unnöthige Verzögerung erließen. Kapt. Ward, der sich beim Auflaufen des Schiffes auf der Kommandobrücke befand' gab der Mannschaft Be:fehl, die Passagiere nach dem Verdeck zu schaffen. Gleichzeitig gab der diensthabende Quartermaster den FeuerAlarm und innerhalb von fünf Minuten waren sämmtliche Mannschaften auf ihren Posten. Es ' war Anfcmas nicht möglich festzustellen, wie schwerdas Schiff beschädigt war, da es nach keiner Seite überholte, und 15 Minuten nachdem es aufgestoßen war. sich noch keine Anzeichen des rrahen Unterganzes einstellten. Aber Kapitän Ward erkannte als erfahrener Seemann sofort den Ernst der Situation und die Gefahr, in welcher die 200 Personen unter seiner Führung schwebten und gab Befehl, die Rettungsboote und Flöße herabzulassen. Alles ging ohne Ueberstürzung vor sich, bis plötzlich etwa 15 Minuten nach dem Auflaufen des Schiffes der Bug desselben plötzlich unter das Wasser tauchte. Dann stürzte Alles auf die Boote los. Zwei Boote waren schon im Wasser und die anderen wurden klargemacht, so schnell die Mannschaft es bewerkstelligen konnte. Ein dichter Nebel, umhüllte die Unglücksstcllc und kein Lebenszeichen var von der Rettungsstation, zu entdecken. Dunkelheit herrschte rings umher und verstärkte das Grauenhafte der Situation, der die Leute an Bord der Ri ode Janeiro" hilflos gegenüberstanden. Ein Boot wurde glücklich vom Schiffe klar gemacht. Dies enthielt folgende Personen: Frau West. Frau Ripley. ChefIngenieur Herlihey. der zweite Offizier Coghlan. Frank Cramp. I. R. Russell. Proviantmeister Borgg. Oeer D. Lane. Quartiermeister R. Mathieson. und Kapt. Hecht von der deutschen Marine. ' ' Das klargemachte Boot blieb auf der Unglücksstelle und rettete eine Anzahl von Leuten, die keine Zeit mehr gehabt hatten, in die Boote zu kommen und im Wasser mit dem Tode rangen. Ein anderes Boot mit zwei Insassen, dem dritten Offizier Holland und I. K.Carpenter, wurde ebenfalls klar. vom Schiff gemacht, gerieth jedoch vor .den Bugspriet des sinkenden Schiffes und wurde von demselben 'mitten durchge? brochen. Die beiden Leute stürzten ins Wasser, doch wurde Carpenter von dem anderen Boote gerettet, während. Holland wahrscheinlich ertrunken ist. Während dieser Zeit versuchte Kapt. Ward.eine Panik unter den Passagieren zu verhindern, was ihm indessen nur zum Theile gelang. Viele stürzten sich über die Rehling ins Meer, einige davon wurden gerettet, die meisten ertranken. Die chinesische Mannschaft war vor Angst völlig kopslos. die Leute standen in Gruppen bei einander und zitterten an allen Gliedern. Kapitän Ward blieb an Deck, bis das Wasser über die Rehling des sinkenden Schis fes schlug, dann stieg er auf die Brücke und gab von dort aus seine Befehle, obgleich zu dieser Zeit die Verwirrung bereits einen so hohen Grad erreicht hatte, daß nur wenige auf seine An-

Ordnungen hörten. Die Berichte über die Katastrophe seitens der Passagiere lauten sehr widersprechend. Einige beHäupten, daß das Echiff sofort nach dem Auflaufen sank, andere dagegen sagen, daß es sich noch eine volle halbe Stunde über Wasser hielt. Das Schiff liegt ungefähr dreiviertel Meile südlich von Fort Point und ungefähr 1000 Dards vom Felsen-Ufer. Der Schornstein und ein Theil des Oberdecks ragen aus dem Wasser hervor. 0 Auch über das Schicksal des Kapitäs lauten die Aussagen verschieden. Nach einer Version soll derselbe auf der Brücke stehend mit dem Schiff in die Tiefe gesunken sein, nach einer anoeren Version soll er, als Alles verloren war, sich in feine Kajüte eingeschlossen und so sein Schicksal erwartet haben. Quartiermeister Lindstrom landete zuerst an Meiggs Warf am Morgen und nach seiner Erzählung kam Kapitän Ward nach einer Berathung mit dem Lootsen auf Deck und in demselben Augenblicke lief das Schiff auf. Sofort ertönte der Ruf An die Boote", aber in der furchtbaren Verwirrung konnte an eine systematische Rettung der Passagiere nicht gedacht werden. Alle? rannte durcheinander und der Kapitän versuchte vergeblich, Ordnm-g in daL Chaos zu bringen. Plötzlich verließ er das Deck und begab sich in seine Kajüte und wenige Minuten später war er auf dem Grunde der See. Der Lootse. Kapitän. Frederic W. Jordnn. wurde durch ein italienisches Fischerboot gerettet und langte ungefähr um 10 Uhr Vormittags in Meiggs Station an. .Er sagte, daß er dem ersten Offizier gesagt habe, als der Nebel dicker wurde, beizudrehen, aber Kapitän Ward hatte gesagt: Lassen Sie nur, wir können vorwärts gehm." .Als das Schiff auflief, fuhr, der

No. 157

!ovrn in Teintr rzaruuna Tort, btfdhl

ich sofort, die Vsote auszusetzen. Ich stir eine Leiter herunter und half einer Freu, ebenfalls in das Boot zu gelaugen. und sie gab mir ihren achtjährigen Knaben, welcher seine Arme um meinen Hals schwang. Ich war die Leiter etwa zur Hälfte herunter, als das Schiff mit solcher Wucht überholte, daß ich von der Leiter geschleudert wurde. Ich wurde mit dem Schiffe etwa 50 Fuß. in ' ie Tiefe gezogen und als ich wieder auftauchte, sah ich nichts mehr von der Frau und dem Kinde Die Berichte anderer Passagiere lauten ähnlich. Alle stimmen darin überein, daß in der Konfusion an eine fystematische Rettung der Passagiere nicht zu denken war. Die Rio de Janeiro" ist nicht das erste Schiff, welches auf dem Mile Rock gescheitert ist. Vor ungefähr 10 Iahren strandete das Schiff Frank Jones" an derselben Stelle, als es im Nebel in den Haufen einzulaufen versuchte. Der Dampfer Rio de Janeiro- ist rin eiserner Dampfer von 3358 Tonnen Displacement und 2275 Tonnen Gehalt. Sie wurde 1873 in Ehester. Pa., gebaut und ist seitdem im Dienste der Pacific Mail Steamship Co. gewesen. Sie verließ Hongkong auf ihre letzte Reise am 22. Januar. Aus derBundeshantitstadt , jö.Jio;iflrfß. 3iöcilü 5kDn. Senat. Washington. D. C.. 23. Feb. Zwei der größten Bewilligungsvorlagen, der Post-Etat und der diplomatische Etat, wurden am Freitag vom Se nat angenommen. Während des größten Theiles des Tages wurden Antröge diskutirt. daß die Bewilligungen

i für Eztra-Post-Facilitäten von New

Aork nach New Orleans, via Atlanta, und von Kansas City, Mo., nach Newton, Kans., gestrichen werden sollten, die Debatte war aber keine sehr lebhafte. ' Die Bewilligungen wurden beibehalten. Ein Versuch, den pneumatischen Röhrendienst für New Aork, Boston und Philadelphia beizubehalten, schlug fehl. , ßä wurde auch ein Amcndcment angenommen, demzufolge der GeneralPostmeister autorisirt wird.Untersuchungen in Bezug auf die eventuelle Ein führung eines Post-Telegraphen-Sy stems vorzunehmen und dem nächsten Kongreß darüber Bericht abzustatten. Der diplomatische Etat wurde in genau vierzig Minuten angenommen. Der Konferenz-Vericht über den Jndiancr-Etat wurde verworfen und an den Konferenzausschuß zurückver wiesen. Am Anfang der Sitzung wurde einem alten Gebrauche an Washington's Veburtstag gemäß. Washington's Abschiedsadresse an den Kongreß verlesen, diesmal von Senator Bacon von Georgia. Repräsentantenhaus. Das Haus beschäftigte sich während des Tages mit einer ganzen Anzahl von Vorlagen von mehr oder weniger groß?r

i Bedeutung, und es wurden ine Anzahl

kleinerer Bills passirt. an denen Reprascntanten persönlich . interessirt waren Eine Stunde lang wurden Vorlagen in Erwägung gezogen, gegen die kein Ein wand erhoben wurde, und 2 Stundl lang Privat. - Ansprüche und Privat Pensions - Bills. Neun Vorlagen wurden mit allgemeiner Zustimmung passirt und auch 29 Ansprüche rnrt 139 Privat-Pensions-Vills. Unter den letzteren befand sich die Senat-Bill zur Pensionirung der Wittwe des Generals Henry W. Lawton, der auf den Philip pincn getödtet wurde. Der Senat yaU te die Pension auf Z100 den Monat an gesetzt, das Haus reduzirte den Betrog aber auf 550, nachdem darauf hinge wiesen worden, daß Frau Lawton ein ganz ansehnliches Privat-Einkomme? habe. Keine Einigung in dem Kennedy - Prozeß. N e m Y o r k , 23. Febr. Der zweite Prozeß gegen den Zahnarzt Dr. Nen nedy, der der Ermordung der Doll Reynolds angeklagt ist, endigte damit, daß die Geschworenen erklärten, s$ nicht einigen zu können. Sie wuch entlassen und Kennedy wurde in d Tv' 'bs zurückgebracht. Er wird zum drit.en Mal prozessirt werden. 'Schnee im Süden. H o u st o n . Tex.. 23. Febr. 2)er hef gste Schneefall und das kälteste Welter in diesem Winter herrschen au genblicklich im nördlichen Texas. Jackson, Miss.. 23. Febr. Seit Freitag Mittag schneit es hier unaufhörlich. zum ersten Mal in zwei Iah -ren. T Weitere Depeschen auf Oette S.'

x

(

1

; V.